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Samstag, 30. Mai 2009

Max Planck zu Pfingsten: Der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre!

































Text und Bild aus Fraser/Lillestol/Sellevag: Auf der Suche nach dem Unendlichen.
Springer Verlag, Berlin 1999


Max Planck (1858-1947), der als Schöpfer des Plankschen Wirkungsquantums den Nobelpreis für Physik erhielt und dessen Quantentheorie (Bild ggf. großklicken) eine neue Auffassung des gesamten Naturgeschehens brachte und einen Grundpfeiler der modernen Physik bildet, bekennt:


Als Physiker, also als Mann, der sein ganzes Leben der nüchternen Wissenschaft, der Erforschung der Materie diente, bin ich sicher von dem Verdacht frei, für einen Schwarmgeist gehalten zu werden. Und so sage ich nach meinen Erforschungen des Atoms Folgendes: [...] Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zum winzigsten Sonnensystem des Atoms zusammenhält. Da es im ganzen Weltall aber weder eine intelligente noch eine ewige (abstrakte) Kraft gibt — es ist der Menschheit nie gelungen, das heißersehnte Perpetuum mobile zu erfinden —, so müssen wir hinter dieser Kraft einen bewussten intelligenten Geist annehmen. Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie. Nicht die sichtbare, aber vergängliche Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche [...], sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre. Da es aber Geist an sich nicht geben kann, und jeder Geist einem Wesen zugehört, so müssen wir zwingend Geistwesen annehmen. Da aber auch Geistwesen nicht aus sich selbst sein können, sondern geschaffen worden sein müssen, so scheue ich mich nicht, diesen geheimnisvollen Schöpfer ebenso zu nennen, wie ihn alle alten Kulturvölker der Erde früherer Jahrtausende genannt haben: — GOTT!

aus Die schönsten Gebete der Welt,
zusammengestellt von Christoph Einiger.


Donnerstag, 28. Mai 2009

Seelenlandschaften: Rainer Maria Rilkes "Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens ..."


Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens. Siehe wie klein dort,
sieh: die letzte Ortschaft der Worte, und höher
aber wie klein auch noch ein letztes
Gehöft von Gefühl. Erkennst du´s?
Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens. Steingrund
unter den Händen. Hier blüht wohl
einiges auf: aus stummem Absturz
blüht ein unwissend Kraut singend hervor.
Aber der Wissende? Ach, der zu wissen begann
und schweigt nun, ausgesetzt auf den Bergen des Herzens.
Da geht wohl, heilen Bewusstseins,
manches umher, manches gesicherte Bergtier,
wechselt und weilt. Und der große geborgene Vogel
kreist um der Gipfel reine Verweigerung. - Aber
ungeborgen, hier auf den Bergen des Herzens ...


In der Lyrik gibt es kaum einen Satz, eine Wendung, die mich so anzieht, betrifft, die ich so selbst kenne wie Rainer Maria Rilkes Aussage, mit der sein Gedicht beginnt, und die sich zweimal wörtlich und einmal bezeichnend abgewandelt wiederholt: ungeborgen, hier auf den Bergen des Herzens ...

Wer dieses Gefühl kennt, findet, dass man es kaum besser erfassen kann; dort, wo Rilke steht, stehe ich, stehst manchmal vielleicht auch Du: hier auf den Bergen des Herzens ...

Ja, Rilke weiß es, es gibt im Herzen Berge.
Ja, auch das Herz hat Landschaften, hat Täler, Meere, Seen, Almen, Buchten, Klüfte, Abgründe, Bergspitzen, Tümpel, Moore, Felder, Wasserfälle ... Seelenlandschaften, verbunden mit Wahrnehmungen, mit Gefühlen;
gewiss sind auch das Gefühle: Verweigerung, Geborgenheit, Absturz, Flug.
Ja, auch das Herz hat Kräuter und Bäume;
auch das Herz hat Seelentiere, die uns unterstützen ...

Hier, ausgesetzt auf den Bergen des Herzens gibt es nicht den Wissenden; hier gibt es den, der zu wissen begann. - Und wer zu wissen begann, schweigt.

Auch von den Liebenden weiß Rilke, dass sie besser um ihre Liebe schweigen, denn:

Sieh Dir die Liebenden an,
wenn erst das Bekennen begann,
wie bald sie lügen.

Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens:
eine unvergessliche, nie zu vergessende Ortschaft der Worte.

Nur - was Rilke nicht sagt:
Selbstverständlich ist es nicht, im Weltinnenraum des eigenen Herzens zu sein.
Ausgesetzt: ja.
Ungeborgen: vielleicht.
Allein: nie.

mehr Rilke hier und hier

Mittwoch, 27. Mai 2009

Von kranken Vätern, kranken Ehemännern und einem Therapeuten namens Rumpelstilzchen.


Nicht, dass alle Männer gleich sind und alle sich so aufführen. Aber es gibt sie, die sich so verhalten wie im Rumpelstilzchen-Märchen:

  • Ein Vater, der um seines Ansehens willen seine Tochter missbraucht (und ein seelischer Missbrauch ist manchmal schlimmer als ein körperlicher, weil man ihn nie entdeckt, er aber ein Leben lang wirkt);
  • ein gieriger König, den nur das Gold interessiert und das Mädchen als Mensch nicht die Bohne; der sie aber heiratet und den auch als
  • Ehemann die Not der eigenen Frau nicht interessiert. Genauso wenig, wie Faust Gretchens Kind interessierte und sie zu Tode kommen musste, so interessiert auch den König-Mann sein eigenes Kind nicht; er beteiligt sich nicht an der Suche nach Rumpelstilzchen und lässt seine Frau total allein und im Stich; Gott sei Dank hatte sie einen glückbringenden Boten.


Das Märchen sagt nicht viel über den Vater, das Märchen sagt nicht viel über den König. Und so ist es wie im Leben: Solche Väter und solche Könige fallen nicht auf, obwohl sie menschliche Schweine sind, um es krass  und klar auszudrücken:


Der Vater bringt seine Tochter in höchste Not und der König und Ehemann lässt seine Frau in der höchsten Not allein. Ein echtes Tandem der Unmenschlichkeit.


Man mag sagen, dass obige Aussage über den Missbrauch übertrieben sei, aber das ist sie nicht, denn der Vater ist der erste Mann im Leben einer Tochter; seine Energie wirkt gegebenenfalls ein Leben lang, und wer daran zweifelt, mag sich fragen, ob es ein Zufall ist, dass die Müllerstochter ausgerechnet an solch einen lieblosen König gerät (die Märchen kennen ja durchaus auch andere ...).


Nein, ein Zufall ist das nicht. Das gilt für das Verhältnis von Vätern und Töchtern und das Verhältnis von Söhnen und Müttern; der Sohn muss schon den Schlüssel unter dem Kopfkissen der Mutter stehlen, wie im Märchen Eisenhans berichtet - sonst wird er nie ein (wilder) Mann und bleibt ein Leben lang Muttersöhnchen; für Töchter gilt Vergleichbares!


Gut jedenfalls, dass es Rumpelstilzchen gibt. Es kommt ungerufen und bietet seine Hilfe an. Und man glaube nicht, dass es so im Handumdrehen helfen kann: Es arbeitet jeweils die ganze Nacht!

Was aber den König bewegt: „Eine reichere Frau finde ich auf der ganzen Welt nicht.“


Da versteht man, wenn es in der Bibel heißt, dass leichter ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes komme.


Worin aber besteht nun der eigentliche Wert des Rumpelstilzchens?


Weil Rumpelstilzchen einen Einsatz verlangt, können sich der Tochter und Frau die Augen öffnen; denn aufgrund ihrer Not - sie wendet sich im Übrigen nicht einmal an den eigenen Mann um Hilfe, was nicht wundern kann - vermag klar zu werden: 


  • Das ist ein schrecklicher Vater, der kann nicht mein wahrer Vater sein!
  • Das ist ein schrecklicher Mann, der kann nicht mein wahrer Ehemann sein.


Weil das Bewusstsein in Bezug auf diese Tatsache in den Menschen reift, gibt es mehr gescheiterte Ehen. 

Viele Frauen, die sich trennen - und für Männer gilt in einer vergleichbaren Situation das Gleiche -, handeln nicht verantwortungslos, sondern sie übernehmen Verantwortung für sich.


Wobei anzumerken bleibt, dass Not wenden kann und beide, Mann und Frau auch erkennen können, dass ein Aufeinander-Zugehen not-wendig ist; so können womöglich Anfänge eines Verstehens beginnen, das zu einem wirklichen Miteinander zu führen vermag.


Gut, dass es Rumpelstilzchen gibt!


PS: Ich glaube nach wie vor nicht, dass es sich entzwei gerissen hat; ich stimme, wie schon angesprochen, der ursprünglichen Version zu, dass es weggeflogen ist.


Wer das Märchen nochmal lesen möchte: hier.


Samstag, 23. Mai 2009

Horst Köhler: Jede Stunde mit Dir ist ein Geschenk!



Nun habe ich diese Worte zweimal gehört, und zweimal war ich gerührt und bewegt.
Da sagt ein Bundespräsident anlässlich seiner Wiederwahl vor der Bundesversammlung und laufenden Kameras, vor also mehr als 1000 Anwesenden, ja dem ganzen Volk zu seiner Frau, indem er sie mit ihrem Namen Eva anspricht, sie mit den Augen sucht und auf der Zuschauertribüne findet:

Jede Stunde mit Dir ist ein Geschenk.

Was für ein Mann!
Welche Wertschätzung bringt er seiner Frau entgegen!
Wie mutig, authentisch und liebevoll!

Man mag seine Art mögen oder nicht:
Ich bin froh, dass wir solch ein Ehepaar an der Spitze des Staates haben.

Es ist noch nicht so lange her, dass eines Bundeskanzlers Frau allein, verlassen und blind Selbstmord beging, während ihr Mann den Staatsgeschäften nachging.

Es ist auf der anderen Seite auch noch nicht so lange her, dass ein Parteivorsitzender sich aus allen Ämtern zurückzog, um bei seiner todkranken Frau zu sein und sie zu pflegen.

Und nun diese Worte, für mich mit die wichtigsten politischen Worte, die in diesem Land je gesprochen worden sind - ja, sie sind politisch. So nur ist wirkliche Politik möglich.
Wahre Politik beginnt zu Hause. Nur wer dort füreinander da ist, ist es auch mit dem Herzen in der Gesellschaft für die Gesellschaft.

Wir dürfen um alle froh sein, die den Menschen den Mut geben und Vorbild sind, an die Liebe zu glauben!

Donnerstag, 21. Mai 2009

Das Geheimnis um Rumpelstilzchen: Wenn Eltern zu einer Zumutung für ihre Kinder werden ...

Vorab muss ich all die enttäuschen, die ein Geheimnis gelüftet sehen wollen, denn:
Es gibt kein Geheimnis.
Das Wort ge-heim bedeutet eigentlich zum Haus, zu Heim gehörig, vertraut.
Also ist ein Ge-heim-nis gar kein Geheimnis, sondern im Gegenteil: Es ist uns wohl bekannt, gehört zum Heim, zu unserem Heim (so war ein Geheimer Rat früher jemand, der das Vertrauen des Regierenden besaß).
Wer nur hat den Sinn dieses Wortes so verdreht? Ganz heim-lich?
Wenn es keine Geheimnisse gibt, wer hatte ein Interesse, uns weiszumachen, es gäbe sie?
Hatte womöglich etwas in uns Interesse daran?
Etwas, das wir das Rumpelstilzchen in uns nennen können?
Wie kam es und kommt es, dass es Rumpelstilzchen gibt, ein Wesen also, dass, als die Müllerstochter Königin geworden ist, für seine Rettungsaktion deren Kind als Tribut verlangt?
Ging nicht in Wirklichkeit alles von dieser Energie aus, die mehr darstellen wollte, als sie in Wahrheit war?

Im Märchen vom
Rumpelstilzchen ist es der Müller, der Vater, der vor dem König mit der Fähigkeit der Tochter angibt, die sie nicht hat, nämlich Stroh zu Gold zu spinnen.
Warum wollte er sich so aufplustern?
Spürte er, dass seinem Dasein etwas Wesentliches fehlte und wollte er es auf diese falsche Weise kompensieren?
Wollte er vor dem König mehr scheinen als sein?
So muss es gewesen sein.
Dafür missbrauchte er seine Tochter.
Indem er seiner Tochter die Fähigkeit, Gold zu spinnen, anlog, wollte in Wirklichkeit er auf die Goldstufe - und koste es das Leben seines Kindes.

Sie musste die Zeche zahlen, indem Rumpelstilzchen, das ihr dreimal aus der Patsche half, beim dritten Mal ihr Kind einforderte - wer das Märchen nicht mehr kennt, mag es hier nachlesen.
Die Zeche also für den Vater, der mehr scheinen will, als er wirklich ist, muss die Tochter zahlen, so wie unsere Kinder die Zeche der Elterngeneration zahlen müssen, die mehr scheinen will, als sie wirklich ist und Schulden auf Schulden produziert, denn:
Die Bankmanager, auf die wir so schimpfen (wir sollten nicht alle in einen Topf werfen!), das sind auch wir, das ist auch ein Teil von uns.
Im Grunde produzieren wir als Gesellschaft Schulden, die nicht einmal unsere Kinder werden zahlen können.
Und produzieren wir nicht Energie und Lebensmittel mit Hilfe von Verfahren, die die Last auf die Kinder abschiebt? - Wer entsorgt die Zwischen- und Endlager der atomaren Rückstände? - Doch die Kinder!
Wer entsorgt die nicht bekannten Folgeerscheinungen der gentechnisch veränderten Lebensmittel? - Die Kinder!
Schließlich haben wir keine Kenntnisse über die Folgen der gentechnisch veränderten Lebensmittel. Aber wir muten sie auf jeden Fall mal den Kindern zu.
Wer entsorgt den Schrott, den wir binnen weniger Jahre im Weltraum produziert haben und der schon jetzt eine nicht unerhebliche Gefahr für die bemannte Raumfahrt darstellt? - Klar doch, wer schon ...

Im Grunde sind wir eine große Zumutung für unsere Kinder.

Der Königin im Märchen hätte dieses Gebaren, dass diese Väter namens Müller und Co. etwas sagen und tun, wofür sie keine Verantwortung übernehmen, um ein Haar ihr Kind gekostet, als sie Königin geworden war. Und Kinder stehen für Zukunft.
Ihrem überspannten Vater hatte es ja die Tochter und junge Königin zu verdanken, dass sie sich auf die Forderungen von Rumpelstilzchen hatte einlassen müssen.

Auffallend ist, dass viele Menschen das Rumpelstilzchen für böse erachten, doch es kam freiwillig und als Helfer in der Not. Der Vater, die Väter kommen ungeschoren davon.

So ein einfacher Müller, was kann der schon dafür ...
Nur: Er war gerissen genug, sich auf Kosten seiner Tochter vor dem König zu inszenieren!
Zum Abschluss noch ein Wort zu
Rumpelstilzchen:
Gäbe es dieses angeblich böse Wesen nicht, hätte schon die Tochter des Müllers nicht überlebt, denn der König drohte ihr mit dem Tod, wenn sie die nächtliche Aufgabe nicht erfülle; dann hätte sie erst gar kein Kind zur Welt bringen können ...
Und noch etwas: Das Rumpelstilzchen kennt etwas, was vielen Menschen fremd ist: Es hat Mitleid; deshalb gewährt es der Müllerstochter, als sie Königin ist und es ihr Kind holen will, noch drei Tage Zeit, damit sie seinen Namen finden könne.
Ist es nur hochmütig und auf falsche Weise selbstsicher, oder liegt es in Wirklichkeit in seinem Wesen, sich im Grunde selbst zu opfern für den Menschen, der alles tut für sein Kind - und damit auch
für sein inneres Kind?
Übrigens: In der ersten Fassung der Märchensammlung der Gebrüder Grimm, der
Oelenberger Handschrift von 1810 ist das Ende noch anders; da erschrickt das "Rumpenstünzchen" und fliegt davon ... hm ... so bös ist es ja offensichtlich wirklich nicht ...
Vielleicht fliegt es, wie Marry Popins, einfach dann weiter, immer zu dem, der Hilfe braucht ... wer weiß ...

Womöglich ist es die wichtigste Aufgabe von Rumpelstilzchen, uns bewusst werden zu lassen,
wie gefährlich diese Müller sind ...
Dann wäre sein Geheimnis wirklich etwas, was zu uns gehört, was uns eigentlich vertraut ist;

wir müssten uns eben nur zumuten zu handeln, damit diese Müller nicht weiterhin die Zukunft ihrer Kinder verleben ... !

Samstag, 16. Mai 2009

Denken, Gefühle und Leidenschaften der Menschen gestalten das Wetter mit!

Ich kann mich nicht erinnern, sechs Tage hintereinander, wie es in dieser Woche der Fall war, krachende Gewitter und Wolkenbrüche erlebt zu haben. Heute bin ich mit dem Fahrrad an einer Wiese entlang gefahren, deren Gräser Wassermassen überflutet und nach unten gedrückt haben müssen; da gibt es nichts mehr zu mähen. Auf anderen Wiesen stand noch das Wasser in riesigen Lachen.
Für mich ist seit langem schon klar, dass das Wetter auch eine Reaktion vor allem auf die Emotionen der Menschen ist und ich sage, wir können froh sein, dass es so ist, denn wenn sich die angestauten und krankhaften Emotionen der Menschen andere Wege suchen müssten, wäre es ungleich gefährlicher für unsere Leben.

Ich möchte nicht sagen, dass Denkemulsionen und Emotionen der einzige Faktor für das Wettergeschehen sind, gewiss nicht. Das lokale Wettergeschehen steht in Zusammenhang mit dem regionalen, damit auch dem überregionalen und dem weltweiten und das weltweite steht in Beziehung zu kosmischen Energien.
Und natürlich gibt es besondere Phänomene wie Erdbeben und Vulkanismus.
 

Bei einem Geschehen wie der Tsunami-Katastrophe setzt das kollektive Unbewusste aller Menschen, in dem sich die vor allem negativen Emotionen der Menschen sammeln, Energien frei, die nicht mehr zu kontrollieren sind. Auf der individuellen Ebene ist das der Fall, wenn jemand ausrastet und über sich die Kontrolle verliert; dann ist alles möglich.
 

Gut, dass es auch das kollektive Überbewusste gibt, ich möchte es die Weltseele nennen; Schiller spricht in seiner Schrift Über Anmut und Würde von dem Höhern Selbst der Menschen; in der Weltseele haben sie meiner Ansicht nach ihre Heimat.
 

In abgemilderter Form treffen wir zahlreiche Varianten des Wettergeschehens an, doch niemand wird mehr abstreiten, dass die Dynamik zunimmt.
 

Man mag das, was ich hier schreibe, momentan noch für eine verrückte Idee halten, aber ich sehe auch das Fernsehen und die gesamten Medien eingebunden in das Wettergeschehen. Selten sind negative Energien so dynamisiert worden, wie heutzutage durch die Medien. Die krankhafte Sexualisierung der Menschheit und die Sucht vieler, die innere Leere durch übersteigerte sofortige Befriedigung von Bedürnissen zuzukleistern, bringen eine unnatürliche und krankhafte innere Erregung auch in die Natur, die nicht ohne Folgen bleibt.
 

Ich bin gewiss kein Jakob-Lorber-Fan und habe nur weniges von ihm gelesen, aber was er z.B. über den Großglockner schreibt und den Kampf der Wolken bzw. der Wolkengeister um den Gipfel, hat mich schon fasziniert. Naturgeschehen wird hier aus einem ganz anderen, aus hellsichtigem Blickwinkel gesehen und ich habe einen Auszug in Methusalem veröffentlicht.
 

Das mag für denjenigen oder diejenige, die für solche Sichtweisen aufgeschlossen sind, erkennen lassen bzw. bestätigen, dass Energien sich in Ereignisse umsetzen, wie das auch bei dem Ausbrechen von Krankheiten und Unfällen der Fall ist, und wohl dem, der seine Verantwortung sich selbst und der Menschheit gegenüber erkennt, auch und vor allem im Hinblick auf sein Denken und seine Gefühle.
 

Um Gottes Willen dürfen sie nicht verdrängt und beschönigt werden; auf diese Weise würden wir sie auf direktestem Weg in den großen Speicher des kollektiven Unbewussten schicken. Aber wir sollten uns bewusster von unguten Emotionen abkoppeln und darauf hinwirken, dass in unserer Umgebung nicht jeder Mist gesagt oder gesehen sein muss.
 

In der Literatur gestalten immer wieder Autoren diesen Zusammenhang zwischen seelischem Geschehen in uns und Ereignissen in der Natur, sicherlich nicht bewusst, sondern aus unbewussten Ebenen ihrer Seelen heraus, die um obige Tatbestände wissen.
Ich veröffentliche dazu drei Beispiele.

Mittwoch, 13. Mai 2009

Über den Umgang mit Gerüchten. - Die drei Siebe des Sokrates.


Mit den Morgengedanken im Radio ist es so wie mit manchen Predigten: Man ist nur zu faul aufzustehen, sonst würde man die Kirche verlassen bzw. den Knopf drehen - oder aber sie gehen einem nicht aus dem Kopf und melden sich immer wieder.
Letzteres ist mir kürzlich widerfahren mit den im Folgenden wiedergegebenen Morgengedanken von Peter Kottlorz, dessen angenehme Stimme und unaufdringliche Sichtweisen ich mag. Sie wollen nicht überzeugen, sondern anregen:


„Lügen haben kurze Beine, Gerüchte aber haben Flügel“. An diesen Spruch musste ich denken, als ich in der Zeitung gelesen habe, wie ungreifbar manche Gerüchte sind und wie lange sie sich halten.
Johannes Baptista Sproll, der 7. Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart war ein streitbarer und tapferer Mann. Über ihn wurde, bevor er Bischof werden sollte, das Gerücht gestreut, er habe ein Kind. Dieses Gerücht war eine gezielte Intrige von Leuten, die ihn als Bischof verhindern wollten. Erst in diesen Tagen, als das Geheimarchiv des Vatikans zu Forschungszwecken geöffnet wurde, konnte nachgewiesen werden wie dieses Gerücht in die Welt kam und als Wichtigstes: dass nichts an diesem Gerücht dran war. Bischof Sproll hatte kein Kind. Es ist schon erschreckend, wie wenig man sich gegen Gerüchte wehren kann und wie lange sie sich halten können. Im Fall von Bischof Sproll sage und schreibe 80 Jahre!
Manche sehen Gerüchte gar in der Nähe der Wahrheit, quasi als deren Vorbote. Und manchmal ist ja auch was an ihnen dran. Aber andererseits ist das Risiko doch zu groß, dass ich, wenn ich ein Gerücht weitergebe, mich an übler Nachrede beteilige oder schlimmstenfalls mit am Rufmord schuldig werde.
Sensible und verantwortungsvolle Menschen werden deshalb nicht als Kellner oder gar Köche in der Gerüchteküche tätig. Einer dieser Gerüchteverweigerer war der Philosoph Sokrates.
Als eines Tages sein Schüler Kritias aufgeregt zu ihm kam und sagte: „Sokrates, hast du schon gehört...“, unterbrach er ihn und sagte: “Lass mich sehen, ob das, was du erzählen willst durch die drei Siebe geht.“ „Drei Siebe?“, fragte Kritias voll Verwunderung. „Ja, mein Freund, drei Siebe. Das erste Sieb ist die Wahrheit. Ist das, was du mir erzählen willst wahr?“ „Nun, ich weiß nicht, ich hörte es erzählen und...“, „aber vielleicht hast du es im zweiten Sieb geprüft, im Sieb der Güte? Ist das, was du mir erzählen willst, wenn schon nicht als wahr erwiesen, wenigstens gut?“ Zögernd sagte Kritias: „Nein, das nicht, im Gegenteil...“, und wieder unterbrach ihn der Weise „Lass’ uns auch das dritte Sieb noch anwenden, ist es notwendig mir zu erzählen, was dich so erregt?“ „Notwendig nun gerade nicht...“ „Also“, lächelte Sokrates, „wenn das, was du mir erzählen willst weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!“


Freitag, 8. Mai 2009

Komm! übe was du längst begriffen hast! - Über die Schule des Leids in Lessings "Nathan der Weise".


Lessings Theaterstück, das zur Zeit des ersten Kreuzzuges in Jerusalem spielt, ist bekannt vor allem durch die berühmte Ringparabel, die im Mittelpunkt von Nathan der Weise steht und die zu erfinden der auch historisch berühmte Sultan Saladin den Juden Nathan herausfordert, indem er um einen Beweis für dessen Weisheit bat. Für mich am eindrucksvollsten allerdings ist jene Stelle, im Rahmen welcher der Jude Nathan auf einen christlichen Klosterbruder trifft, der Nathan darauf aufmerksam macht, dass sie beide sich kennen. Er erinnert den jüdischen Geschäftsmann daran, dass er, der Klosterbruder es war, der vor fast zwei Jahrzehnten ihn in Darun getroffen und ihm ein Christenkind, ein Mädchen von wenig Wochen zu treuen Händen übergeben habe, dessen Eltern gerade verstorben waren

Nathan zum Klosterbruder
Ihr wisst wohl aber nicht, dass wenig Tage
Zuvor, in Gath die Christen alle Juden
Mit Weib und Kind ermordet hatten; wisst
Wohl nicht, dass unter diesen meine Frau
Mit sieben hoffnungsvollen Söhnen sich
Befunden, die in meines Bruders Hause,
Zu dem ich sie geflüchtet, insgesamt
Verbrennen müssen.
Klosterbruder. Allgerechter!
Nathan. Als
Ihr kamt, hatt' ich drei Tag' und Nächt' in Asch'
Und Staub vor Gott gelegen, und geweint. -
Geweint? Beiher mit Gott auch wohl gerechtet,
Gezürnt, getobt, mich und die Welt verwünscht;
Der Christenheit den unversöhnlichsten
Hass zugeschworen -
Klosterbruder. Ach! Ich glaub's Euch wohl!
Nathan. Doch nun kam die Vernunft allmählich wieder.
Sie sprach mit sanfter Stimm': »und doch ist Gott!
Doch war auch Gottes Ratschluss das! Wohlan!
Komm! übe, was du längst begriffen hast,
Was sicherlich zu üben schwerer nicht,
Als zu begreifen ist, wenn du nur willst.
Steh auf!« - Ich stand! und rief zu Gott: ich will!
Willst du nur, dass ich will! - Indem stiegt Ihr
Vom Pferd, und überreichtet mir das Kind,
In Euern Mantel eingehüllt. - Was Ihr
Mir damals sagtet; was ich Euch: hab ich
Vergessen. Soviel weiß ich nur; ich nahm
Das Kind, trug's auf mein Lager, küsst' es, warf
Mich auf die Knie und schluchzte: Gott! auf Sieben
Doch nun schon Eines wieder!

Wie gewaltig ist dieses Üben Nathans, dass er ein Christenkind an Eltern statt annimmt, wo Christen kurz zuvor sein Weib und seine sieben hoffnungsvollen Söhne ermordet hatten. 
»Steh auf!«

Samstag, 2. Mai 2009

Leben wir in unserer eigenen Zeit? – Woher die SehnSucht kommt ...


Wenn wir die Zeit als einen Fluss sehen und unsere Leben als dessen Verlauf, beginnend mit der Quelle und mündend im Meer, wo befinden wir uns dann im Moment?

Sitzen wir an seinem Ufer und winken den vorbeifahrenden Ausflugdampfern und Lastkähnen zu?

Oder sind wir gerade vor der Loreley auf ein Riff gelaufen?

Vielleicht sind wir auch in einen Nebenarm abgebogen und haben uns da eine Nische gesucht, in der wir dahindümpeln?

Oder hängen wir in einem Wehr fest oder gar in dessen Walze, jenem Wasser, das nach der Staustufe folgt und das für manchen Schwimmer und Kajakfahrer schon zur tödlichen Falle wurde?


Es gibt viele Möglichkeiten, wie man sich aus der eigenen Lebensrealität ausklinken kann und doch das Gefühl hat, mitten dabei zu sein. Das geht ja schließlich einer zunehmenden Anzahl von Internet-Usern und großen Teilen der fernsehenden Gemeinschaft der Televisionäre so. Nur sind sie nicht visionär, sondern geben sich einer Illusion hin: der Illusion, IHRE Wirklichkeit zu leben. Doch die strömt ohne sie dahin.

Und jene Zeit, die wir nutzen sollten, um am Ende unserer Leben ins Meer zu gelangen, verstreicht, während wie am Ufer sitzen und winken.

In Wirklichkeit winken wir unserer eigenen Zukunft hinterher.

So leben manche immer in ihrer Vergangenheit. Deshalb ihre klammheimlichen oder offenkundigen Sehnsuchtsgefühle.

Sehn-Sucht sucht in Wahrheit nicht Vergangenes oder Zukünftiges, sondern die erfüllte Gegenwart.


Du steigt nicht zweimal in denselben Fluss, sagt der griechische Philosoph Heraklit.

In der Tat, das tut man nicht, nur eine Sekunde später fließen andere Wasser an uns vorbei.


Nur: unserer Zeit nachzutrauern hilft nicht weiter.


Wie kommt man in die Gegenwart des eigenen Flusses, des eigenen Zeitflusses, wo doch der Fluss schon weg ist?

In erster Linie muss man ins Wasser des Lebens hinein.


Das Leben, die Zeit fließt weiter, wenn unser Lebensfluss ohne uns fließt.

Das ist weder gut noch schlecht.

Es ist.

Und dieses "Es ist" ist im Grunde ein immerwährendes "Es war" – bis wir es ändern.

Das sollte uns auch nicht betrüben. Denn damit wir ins Meer gelangen, da, wo wir hingehören, wo unsere Ganzheit ist, brauchen wir viele Etappen, viele Leben.


Jeder hat seinen persönlichen Rhein, ist eine Donau, ein Amazonas, ein Mississippi.


Mancher schwimmt erst einmal aus dem Rhein weg seinen persönlichen Main hinauf und beschaut sich Frankfurt – warum nicht?

Ich finde das in Ordnung. Niemand sollte sich böse sein, ein Leben lang ein Frankfurt angeschaut zu haben bzw. getan zu haben, was dafür steht.

Ärgerlich nur, wenn man im Brackwasser hängen bleibt oder nicht durch eine Schleuse findet …

Das, finde ich, muss nicht sein. Das hat viel mit dem Thema des Lebenskampfes zu tun.


Ich selbst glaube nicht, dass es einen Zeit-Richter gibt. Einen Gott, der mit der Stoppuhr dasteht und sagt: Du bist ein Loser.

Es gibt keine Zeitvorschriften.


Es gibt nur dieses wunderbare Gefühl, in der Gegenwart der eigenen Zeit zu sein.

Es ist unverwechselbar.


Es gibt dieses Bewusstsein der Zeit, ein Bewusstsein der eigenen Lebenszeit.

Und wenn wir das erlangen, wird unsere Zeit zu unserer Gegenwart

Wir sind dann in unserer Zeit.

Im Grunde sind wir dann im Meer, auch mitten im Fluss!

Oder, wie es Marie-Luise Kaschnitz zum Ausdruck bringt: Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.


Wie gelangen wir zu diesem Bewusstsein, das jede Vergangenheit zu unserer ureigenen Gegenwart macht?

Nur, indem wir uns selbst annehmen. Das ist das Parzival-Thema.

Nur durch Liebe, durch Selbstliebe.


Allerdings sollten wir nicht den Fehler machen zu glauben, auf der Erde sei ständiges Schwimmen im Meer möglich oder auch, ständig im Haus aus Licht zu sein. Es steckt eine tiefe Weisheit dahinter, wenn Marie Luise Kaschnitz davon spricht, das wir manchmal zur Auferstehung aufstehen oder wenn Richard Dehmel seine Art der Auferstehung überschreibt mit "Manche Nacht".


Zur Selbstliebe gehört, auch den gegenteiligen Zustand in Liebe anzunehmen.

Auch dann sind wir im Fluss.

Freitag, 1. Mai 2009

Der Mai ist gekommen: Wenn Bäume und Wörter ausschlagen ... Goethes Mailied: Lebensfreude pur!



M A I L I E D

Wie herrlich leuchtet
Mir die Natur!

Wie glänzt die Sonne!

Wie lacht die Flur!

Es dringen Blüten

Aus jedem Zweig

Und tausend Stimmen

Aus dem Gesträuch



Und Freud und Wonne
Aus jeder Brust.

O Erd, o Sonne!

O Glück, o Lust!


O Lieb, o Liebe!
So golden schön,

Wie Morgenwolken

Auf jenen Höhn!

 
Du segnest herrlich
Das frische Feld,

Im Blütendampfe

Die volle Welt.




O Mädchen, Mädchen,
Wie lieb ich dich!

Wie blickt dein Auge!

Wie liebst du mich!



So liebt die Lerche
Gesang und Luft,
Und Morgenblumen

Den Himmelsduft,
 
Wie ich dich liebe

Mit warmem Blut,

Die du mir Jugend

Und Freud und Mut


Zu neuen Liedern
Und Tänzen gibst.

Sei ewig glücklich,

Wie du mich liebst!

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