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Sonntag, 25. Juli 2010

Über einen, der sich im Licht verbirgt. - Julien Green über Franz von Assisi.


Franziskus machte in sich Platz für Christus.

Dies ist einer der bemerkenswertesten Sätze im Buch Julien Greens über den Heiligen Franz von Assisi, dessen Titel im Original Frère Francois lautet, später herausgegeben im Deutschen unter Bruder Franz.
Es enthält die bemerkenswerte Lebensgeschichte eines Menschen, der sich im Licht verbirgt, wie es Julien Green mit Worten aus der Göttlichen Komödie Dantes formuliert.

Über diesen Augenblick, als Franziskus Platz macht für Christus, schreibt der Verfasser:

Alle Theologen der Welt wären außerstande, diese innere Wandlung zu beschreiben, die sich unserer klassischen Psychologie entzieht.

Ja, die meisten Theologen wären außerstande, aber nicht, weil ihnen die Worte fehlen - davon haben sie ja oft mehr als genug -, sondern weil ihnen die Eigenschaften fehlen, die den Heiligen Franz auszeichnen: Demut und Liebe sowie Aufgabe des falschen Selbst, des Ego.

Mit Hilfe eines Buchorakels findet Franziskus drei Bibelstellen, die zukünftig seine Arbeit kennzeichnen werden, und eine lautet:
„Wer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach" (Lk 9, 23).

Das ist leichter gesagt als getan und bis heute haben es in dieser Konsequenz, mit der es der Heilige Franz tat, nur wenige geschafft - manchmal habe ich den Eindruck, dass, wer Theologie studiert, es mit am schwersten hat, sich diesem Tun zu nähern. Vielleicht liegt es daran, dass, wer dauernd über das Kreuz spricht, versäumt, es selbst zu tragen ...


Mehr aus Julien Greens Buch, das Buchorakel, unsere kindliche Seele und Franz von Assisi sowie seine ersten Jünger: hier.
Das Buch Julien Greens ist leider nur noch antiquarisch erhältlich, u.a. bei Amazon

Montag, 19. Juli 2010

In Deutschland ist es im Moment auf jeden Fall günstiger, als Aktie auf die Welt zu kommen denn als Kind.


In Baden Württemberg naht die Zeugnisausgabe, in anderen Bundesländern sind Familien schon friedlich vereint in den Ferien. Mit den Zeugnissen verbinde ich so manche erschütternde Szene. Ich erinnere mich, dass ich als junger Lehrer - die Klasse hatte den Raum schon verlassen - das Zimmer abschließen wollte. Wenn da nicht noch die 11-jährige Anne an ihrem Ranzen herumgenestelt hätte.


Anne, Jan, Klara, Bettina, Tobias und wie sie alle heißen ...


„Ist was mit Dir, Anne?“ – „Nein!“ – „Irgendwas ist doch ...“ – „Nein, es ist nichts.“ – „Anne, Du musst mir nichts ...“ – „Auf einmal flossen die Tränen in Sturzbächen und das Kind weinte haltlos ... mit ihrem Schluchzen kam ihr ganzes Elend aus ihr heraus:“Meine Eltern wollen sich trennen!“ - Die Eltern hatten ein großes Geschäft in der Innenstadt ... Für Anne würden die Ferien schrecklich sein; kein Halt, keine Ablenkung mehr in der Schule, kein Zusammensein mehr mit Freunden; nur noch Unglück zu Hause ... zu viel für diese kindliche Seele ...


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Sonntag, 11. Juli 2010

"Wie nicht aus dem Reichtum die Tugend entsteht, sondern aus der Tugend der Reichtum"


Ist dieser Gedanke so ungewöhnlich für uns geworden, dass wir einen oder zwei oder drei Momente brauchen, um zu verstehen, was der griechische Philosoph Sokrates meinte?
Ja, angesichts unserer gesellschaftlichen Realität - und mit "unserer" meine ich die der reichen Industrienationen der Erde - kommt diese Aussage fast einem Koan gleich, jener Aufgabe, die der Schüler im Zen-Buddhismus von seinem Meister erhält und zu lösen hat.

Bezüglich der Werte des Sokrates, des geistigen Vorläufers von Jesus, sind wir als ach so gebildete Europäer und Erdenbürger Schüler geworden.

Man muss nur unsere tägliche Realität ansehen. Hören wir es nicht tagtäglich in den Nachrichten, dass es uns gut geht, wenn die wirtschaftlichen Indices nach oben zeigen? Wenn die Wirtschaft brummt, zeigen sich Nachrichtensprecher sichtlich aufgehellt, Börsenexperten wirken nahezu euphorisch und die Menschen zeigen sich in bester Laune, was mittlerweile immer zugleich auch Kauflaune meint; auch Politiker, soweit sie der Regierung angehören, hängen ihr Mäntelchen in den Börsen-Wirtschaftswind, das im Zuge steigender Kaufkraft lustig flattert ... Wenn die bunten Scheine wehen ...

Glück und Geldwert scheinen nahezu identisch geworden zu sein.

Da muss dieser verschrobene Grieche kommen und schon vor 2400 Jahren gesagt haben: Aus dem Reichtum entsteht keine Tugend!

Aus der Tugend entsteht Reichtum.

Reichtum meint ein Reich-Sein an Tugend.
Das scheinen wir mittlerweile besser zu wissen.
Schließlich ist es ja auch ewig lange, ca. 500 Jahre her, dass ein gewisser Martin Luther in der Auslegung des ersten Gebotes in seinem Großen Katechismus schrieb:

"Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott"

Wenn wir begutachten, womit sich die Medien vorzugsweise beschäftigen und was unser eigenes Denken ausmacht, dann kennen wir die Götter der Moderne; wir kennen auch die unseres Innern; in der Bibel werden sie als Goldenes Kalb bezeichnet.
Jener Tanz um das Goldene Kalb hat die Menschheit damals schon das Original der 10 Gebote gekostet, denn angesichts dessen, was sein Volk tat, während er ihnen Heiliges brachte, zerbrach Mose die Tafeln, auf denen die 10 Gebote standen.
Schon damals fehlte den Menschen jegliche Wertschätzung von Heiligem, Göttlichem.
Während Mose in Kommunikation mit dem Höchsten stand, tat sein Volk genau das Gegenteil.
Ob es heute anders wäre?
Ob, wenn das Göttliche sich auf diese besondere Weise wie damals auf der Erde zeigt, die Menschen den Blick von den Börsenkursen und Vergleichbarem wegwenden könnten auf das für ihre Seele Essentielle?

Bis heute haben wir nur eine Kopie der 10 Gebote.
Es scheint, als ob es vielleicht deshalb diesen nicht gelungen ist, in die tiefen Schichten des Bewusstseins der Menschen vorzudringen.
Wie hätte auf dieser Grundlage in der Folge das große Gebot der Liebe Beachtung finden können?

So schlimm ist es doch gar nicht, höre ich sagen, wir trauern mit den Harz-IV-Empfängern um das Elterngeld, wir leisten in aller Welt Entwicklungshilfe, wir erhöhen die Ausgabe für die Bildung ...

Die Frage ist, ob das aus Berechnung geschieht oder weil unser Herz möchte, dass es möglichst vielen Menschen gut gehe ...

Nur vereinzelt gibt es diese Wunder der Liebe, beispielsweise in dieser mutigen jungen Amerikanerin Withney Johnson, die in den Townships inmitten von mit Aids infizierten Kindern im Rahmen von Ubuntu Africa hilft, deren Körper und Seele zu heilen.

Ein jeder sieht, was er im Herzen trägt.

Fast jeder weiß sich mit dem berühmten Satz von Saint-Exupéry zu schmücken, heftet sich an die Brust, dass er doch wisse, dass man wirklich nur mit dem Herzen gut sehe. Doch ist dieses Wissen, das der Fuchs dem Prinzen mitteilt, mehr als nur Poesiealbumschnickschnack - und anspruchsvoller, als die meisten wohl in Wirklichkeit wissen wollen.

Sehen wir uns an, was wir sehen, dann wissen wir, was wir im Herzen tragen und was wir in Wirklichkeit nur sehen können!

Dieser Satz - Ein jeder sieht, was er im Herzen trägt -, den wir zu Beginn von Goethes Faust in der Szene Vorspiel auf dem Theater finden, ist der Schlüssel nicht nur zum Verständnis dieses Werkes, sondern auch zur Realität unseres Lebens.
Schauen wir an, was wir so tagtäglich sehen, im Außen wie im Innen; dann wissen wir über unsere Herzensrealität und unseren wahren Reichtum Bescheid.

Klar mag man die Aussage des großen Griechen, die er im Angesicht des nahen Todes sagte, für übertrieben halten. Aber angesichts unserer Herzens-Realität und jener, die wir bei anderen glauben beobachten zu können, sind die sokratischen Worte nur zu verständlich, dass ja eben dies das größte Gut für den Menschen ist, täglich über die Tugend sich zu unterhalten und über die andern Gegenstände, über welche ihr mich reden und mich selbst und andere prüfen hört, dass aber ein Leben ohne Selbsterforschung gar nicht verdient, gelebt zu werden.

Diese Orientierung auf wahre Werte, das ist es, was auch die Bibel meint mit jenem An-Spruch:

Betet ohne Unterlass.

Es ist damit kein frommes Gesülze gemeint, sondern eine geistige Ausrichtung, die den wahren Reichtum im eigenen Innern wissen will, ganz im Sinne von Bias von Priene, einem der sieben großen Weisen des Altertums:
omnia mea mecum porto

All meinen Besitz trage ich bei mir.

In diesem Sinne können wir sagen: All unseren Besitz tragen wir in uns.

Ein geistiges Herz lässt sich nicht transplantieren. Dafür sind allein wir verantwortlich.

Donnerstag, 8. Juli 2010

Was Petrus lernen muss und Ricarda Huch schon weiß: Die Blickrichtung muss stimmen!


Des Menschen Seele gleicht dem Wasser,
schrieb Goethe angesichts des Staubbachfalls im Lauterbrunnental.
Und in der Tat gibt es in der Mythologie und in unserer Realität viele Beispiele dafür, dass das Wasser eine seelische Realität spiegelt. Jahrzehnte über wurde Dünnsäure in die Nordsee verklappt und die Fils, jener Fluss, an dem ich geboren bin, trug in den 50er und 60er Jahren in allen Farben schillernde Schaumkronen, wenn die Weberei Heinrich Otto ihre Pforten öffnete und Abwasser abließ. Dann schwammen sämtliche Fische kieloben. So sorglos gingen und gehen damals wie heute die Menschen mit den Wassern auch ihrer Seele um, der Golf von Mexiko lässt grüßen.
Kein Zweifel aber besteht auch darin, dass innerhalb der Menschheit eine positive Entwicklung zu erkennen ist; dem gestiegenen Umweltbewusstsein korrespondiert auch bei vielen ein stärkeres Bewusstsein für die Gesundung der eigenen Seele.

Petrus musste auf leidvolle Weise erfahren, dass Wasser eine seelische Realität spiegelt, dass man auf dem Wasser gehen kann, dass man also wie sein Meister Jesus ein Meister der Seele, ein Meister der Emotionen sein kann; oder aber, wenn man den Blick abwendet, im Grunde also zu dieser Energie die Verbindung kappt, auch in diesen Wassern untergehen kann. Schiller hat in seiner Ballade Der Taucher die Bedeutung dieser seelischen Realität ebenfalls gestaltet.

In der Bibel wird berichtet:

Und alsbald trieb Jesus seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren, bis er das Volk gehen ließe. Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein. Und das Boot war schon weit vom Lande entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen. Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See. Und als ihn die Jünger sahen auf dem See gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst! und schrien vor Furcht. Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost! ich bin´s; fürchtet euch nicht! Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr hilf mir! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und sie traten in das Boot, und der Wind legte sich. Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!


Solange Petrus Vertrauen hat, ist ihm scheinbar Unmögliches möglich. Gibt er sich Zweifeln hin,wendet er den Blick ab, dann geht er unter, geht in den Wassern der Seele unter.
Dies gilt für viele Situationen unseres Alltags.

Aus einem tiefen Bewusstsein heraus gestaltete Ricarda Huch (1864-1947) ein wunderbares Sonett, das zeigt, dass sie um die Bedeutung der richtigen Blickrichtung weiß.
Nicht von ungefähr könnte sich ihr Gedicht an einen Geliebten richten; es richtet sich hier zugleich an ihre spirituelle Liebe. Es ist diesselbe Liebe, auf die auch Petrus schaute und die ihn auf den Wassern der Seele wandeln ließ:

Du warst in dieser götterlosen Zeit,
Wo trübe Träumer ohne Lichtgedanken
Wie leere Schiffe unterm Himmel schwanken,
Der Stern, der mich geführt hat und gefeit.

Die Spur, die du gegangen zu betreten,
Dass ich nicht irrte, war mein hohes Ziel.
Von irdischen Geschäften, Drang and Spiel
Trug mich empor das Glück dich anzubeten.

Wie nachts ein Segel steuernd heimatwärts
Der Leuchte zu die schweren Nebel spaltet
Und so gelenkt sich in den Hafen rettet,

Ging ich getrost, den Blick an dich gekettet,
Die Hände gläubig auf der Brust gefaltet,
Durch Flut und Dunkel an dein strahlend Herz.


Montag, 5. Juli 2010

Paracelsus: Lasset Euch das Gute nicht entgleiten!



Eine Weisheit des Paracelsus:

Nehmet das Gute, bis ihr ein Besseres findet,
und auf der Suche nach einem Besseren
lasset Euch das Gute nicht entgleiten oder verlöschen.
Lasset es stehen in seinem Wert, und folgt ein Besseres,
so rückt jenes hinweg;
kommt jedoch nichts Besseres danach,
so bleibe das bestehende Gute.

Weiteres zu Paracelsus: hier