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Mittwoch, 23. Februar 2011

Auf dem wehenden Banner Phantasiens gesehen

     
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In Phantasien 
kannst Du raumgreifend schreiten.
Mit zwei, drei Schritten bist Du
über ein Tal hinweg.
Gegenüber den Abhang hinauf,
auf die Obstbäume aufpassen,
keine Vögel erschrecken, keinen Igel übersehen.


Du stehst oben und wanderst weiter.
Bald bist Du im Voralpenland
doch Du machst keine Pause;
heute Abend noch gegen das Matterhorn lehnen,
mit dem Herrn des Berges sprechen,
der dich begrüßt und führt in ferne Weiten
zurück, wo alles begann.


Über Nacht den Kopf in den Schnee betten,
Du hörst leise den Chor der Zwerge
aus dem Berginnern singen.
Sie freuen sich über Deinen Besuch
und bitten Dich um eine Melodie
aus Deinem Herzen.
Dann schlafen auch sie glücklich ein.


Am Morgen geht es weiter.
Mit einem Fuß im Gardasee
mit dem anderen im Lago Maggiore stehen.
Auf Venedig verzichten,
schon winkt Rom und das Colosseum.
Ankommen in der Ewigen Stadt
und daheim sein wie einst
als Du dort wohntest.
Wie vertraut alles ist.
Von Hügel zu Hügel springen,
siebenmal.
Aus dem Tiber trinken wie einst.


Neapel und den Golf von Amalfi 
im Vorübergehen grüßen.
Auf Sizilien Empedokles vermissen,
einst Dein Bruder,
weiter nach Karthago, wo es stand.
Hannibal lässt Dich grüßen,
besucht Freunde jenseits der Zeit.
Und dann doch Heimweh bekommen.
Noch einmal zu Franz und in
den Straßen von Assisi laufen,
ganz vorsichtig, die Bewohner 
fürchten das kleinste Erdbeben.


Ein Ruhehalt noch im Bodensee,
sich hineinlegen und den Rhein trinken.
Von oben den Rheinfall bewundern,
den südlichen Schwarzwald streifen
und wieder zu Hause sein und
Phantasien danken für alles
was es gewährt.
Die Fülle im Herzen bewahren,
bald wieder unterwegs sein wollen.
Mit bekanntem Ziel.


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Sonntag, 20. Februar 2011

Beppo Straßenkehrer, die Straße des Lebens oder: Wie man mit Freude lernt.

Momo hat bekanntlich zwei allerbeste Freunde, einen jungen und einen alten; der alte ist Beppo Straßenkehrer und er hat zwei besondere Eigenschaften, die, wenn die Menschen sie übernähmen, die Welt verändern könnten.
Das eine ist sein Umgang mit Fragen.
Es gibt Fragen, auf die zu antworten er nicht für nötig findet. Dann schweigt er.
Das muss man erst einmal können, Fragen nicht für nötig zu halten! So einfach, wie es scheint, ist das nicht, vor allem dann mit Beppos Reaktion!
Vielen unserer Medienvertreter und vielen unserer Politiker wünschten wir das, die Fähigkeit, Fragen, die nicht wirklich nötig sind, auch nicht nötig zu finden und sie dann einfach nicht  zu stellen. Und wenn Politiker dann noch auf Fragen, die nicht wirklich nötig sind, nicht antworteten - meine Güte ... zu schön, um wahr zu sein.
Klar stellt sich da schon wieder eine Frage, nämlich: Woher weiß ich, dass Fragen nicht nötig sind?
Beppos Verhalten könnte hilfreich sein: Wenn er eine Antwort nicht wusste, schwieg er. Wenn er also nicht wusste, ob eine Frage wichtig war, dann schwieg er auch!

Ich schreibe im Präsens, denn die Geschichte spielt noch. Beppo Straßenkehrer, das sind auch wir, wenn wir uns so verhalten wie er. 

Wie könnte das unsere Wirklichkeit verändern, wenn das viele Gesabbere unserer Politiker, wenn sie reden, aber nicht wirklich Antworten wissen, sich nicht ständig ausbreiten würde wie ein zäher Brei, der über die Medien in unsere Wirklichkeit fließt und uns zukleistert.

Übrigens gilt das für unser inneres Gesabbere auch; das äußere ist ja nur ein Spiegel unseres inneren.

Beppos Verhalten könnte auch unsere Schulwirklichkeit verändern, denn es gibt eine Antwort auf die Frage, warum manche Schüler schweigen: Sie finden eine Antwort nicht nötig  :-))
Und was viele Lehrer nicht wissen: Viele Schüler geben die Antwort erst Stunden später, wenn die Schule vorbei ist. 
Beppo Straßenkehrer machte das so. Wenn er eine Antwort nicht wusste, gab er sie zwei Stunden später, mitunter auch einen Tag später.
Das erklärt übrigens endlich, warum z.B. ein Schüler auf die Frage seines Erdkunde-Lehrers, wo der Ganges fließt, Subjekt als Antwort gibt. Lange hatte er nämlich über die Frage seines Deutschlehrers nachgedacht und einen Tag später die Antwort gegeben. War es sein Fehler, dass gerade Erdkunde-Unterricht war :-))
Für Beppo Straßenkehrer jedenfalls stand fest, dass alles Unglück der Welt von den vielen Lügen, den absichtlichen, aber auch den unabsichtlichen kommt, die nur aus Eile oder Ungenauigkeit entstehen.

Unser Schulsystem aber hat - ehrlich und nun wieder ernsthaft gesagt - doch zunehmend ein Ziel: Eile ohne Weile.
Warum sonst wird das neunjährige auf das achtjährige Gymnasium verkürzt, warum wird die Schule mit immer mehr Anforderungen überfrachtet? Nach Expertenansichten verdoppelt sich das Wissen auf der Erde alle acht bis 10 Jahre, manche sagen sogar: alle 5 Jahre. Da kann man sich vorstellen, was Schüler und Lehrer zu leisten haben. 
Dass Schüler gegenüber früher den Umgang mit Computern  und entsprechenden Programmen in der Schule lernen, dass sie viel intensiver als früher Arbeitstechniken lernen, dass es dafür auch extra Methodentage gibt, dass sie auch Sozialpraktika machen und berufsvorbereitende Maßnahmen verstärkt Einzug in die Schule halten, sei es, dass sie - wie an meiner Schule - eine Woche ein Betriebspraktikum machen oder an einer freiwilligen Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche teilnehmen können, verpflichtend an zwei Tagen Universitäten des Landes besuchen oder eine Zeitung, Porsche oder Mercedes, dass sie vor allem auch Präsentieren lernen und dabei gleichzeitig lernen müssen, dass die äußere Form den Lehrplangestaltern mittlerweile wichtiger ist als der Inhalt, ob also das, was sie präsentieren hohl ist, zunehmend zweit- oder drittrangig wird, das sind nur einige von vielen neuen Anforderungen, die in den letzten Jahren an die Schulen herangetragen worden sind - und diese Tendenz nimmt zu. 
Mittlerweile hat ja bei uns auch jeder Schüler sein Portfolio! Wow! Von Gewaltprävention und Aufklärung über die Gefahren des Internet und weiteren Dingen wie gesunder Ernährung - wie viel übergewichtige Schüler haben wir nicht ... - ganz zu schweigen; logisch, auch dafür gibt es Curricula. Und klar kommt der Polizist zur Drogenprävention in die Klassen. – Gelernt wird auch noch. Manche singen noch im Chor der Schule, spielen in der Theater-AG, geben lernschwachen Schülern nachmittags Nachhilfe, spielen im Orchester, machen eine Ausbildung zum Streitschlichter und führen das Gelernte in Streitfällen auch durch, sind Schulsanitäter oder auch Klassensprecher und treffen sich regelmäßig im Rahmen der SMV oder gehen auf eine Freizeit zur Vorbereitung des Schuljahres. Ja, manche arbeiten in der Bibliotheksverwaltung mit, sitzen in Schulgremien und - man höre und staune: Manche spielen in ihrer Freizeit noch ein oder zwei Instrumente, gehen in ein oder zwei Sportvereine, engagieren sich in der Freiwilligen Feuerwehr, im CVJM und wo noch auch immer ...
Das Gute ist, dass nichts anderes aus dem Lehrplan dafür herausgenommen wird. So kommt niemand mehr zur Besinnung!
Und davon abgesehen sind ja Lehrer nun nicht mehr nur mit dem Unterricht beschäftigt und dem Vorbereiten und Begleiten oben angeführter schulischer Aktivitäten, sondern mit dem Evaluieren ihrer Schule, und zwar dem Fremd-Evaluieren und dem Selbst-Evaluieren. Das ist neuerdings - zumindest in Baden-Württemberg - der große Renner, ohne den die Pädagogik zugrunde gehen würde: Evaluieren! Wie das auch klingt. Das hat was! Das macht die Wirtschaft auch! Jeder gute Betrieb, der etwas auf sich hält, evaluiert sich ab und an!
Dass Lehrern, die sich tunlichst mit der Beurteilung von Stärken und Schwächen ihrer Schule und des Unterrichtens zu beschäftigen haben, weniger Zeit für die Vorbereitung des Unterrichts bleibt (also dem, was sie eigentlich ursprünglich mal tun sollten): diese Frage gehört nunmal nicht zu den notwendigen. 
Selbstverständlich sollen Lehrer zunehmend diffenzierend unterrichten, also in jeder Klasse für die Schwächeren und Stärkeren eigene Arbeitsblätter oder Aufgaben erstellen, diese dann korrigieren und/oder besprechen. 
Und in Baden-Württemberg werden die Lehrer noch mittels zahlreicher Fortbildungen umgestellt von Lernzielorientierung auf Kompetenz-Orientierung, nachdem sie zuvor in ihren Fächern an ihrer Schule - jede Schule erstellt sie für sich (!), wie ökonomisch (!) - Bildungspläne erstellt haben. 
Gott sei Dank hat man noch in den dafür zuständigen Stellen rechtzeitig diese Gefahr erkannt: dass mit der antiquierten Orientierung auf Lernziele die Lern-Welt zugrunde gehen würde; nur Kompetenzen können sie retten! Nun hocken sich Lehrer den Hintern breit in Fortbildungen, von denen die Fortbildner selbst offen zugeben, dass sie deren Sinn nicht ganz sehen. Und zu Hause warten die Klassenarbeiten und Haushefte, die zu überprüfen sind. Spricht noch jemand von Unterrichten?
Dass es sinnvoller gewesen wäre, Fortbildungen über Kompetenzen zu machen, bevor die Bildungspläne erstellt werden - ach, so ein kleines Fehlerlein des Kultusministeriums, was macht das schon ... Über sowas spricht man nicht ... Bildungsrealität 2011.

Wir lehren die Kinder immer, Fragen  zu stellen. Das ist sicherlich richtig. Aber vielleicht sollten Erwachsene nicht immer, vor allem zur Ablenkung, wie Kinder Fragen stellen und sich damit dumm stellen, sondern es halten wie Beppo Straßenkehrer. Im Grunde war er ein Zen-Buddhist: seine Arbeit war seine Art zu meditieren. In Momo heißt es:

"Wenn er so die Straßen kehrte, tat er es langsam, aber stetig", denn: "Er tat seine Arbeit gern und gründlich."

Das allerdings geht nun gar nicht mehr. Da merkt man, wie Michael Ende doch ziemlich hinter dem Mond lebte.
Gern die Arbeit tun? – Diese Frage ist absolut nicht mehr zeitgemäß.
Gründlich? – Das kann man nur beantworten, wenn man sich von Lernzielorientierung hin zu Kompetenzorientierung weiterentwickelt hat.
Wenn man das getan hat, stellt sich manche Frage erfreulicherweise gar nicht mehr, denn man hat die Lust an allem verloren.
So kann man auch didaktische und pädagogische Probleme lösen.
Und menschliche dazu. 
Die z.B., auf welche Weise wir wirklich sinn-voll leben und lernen können.

Beppo Straßenkehrer hatte eine Antwort, die nicht mehr in unsere Zeit passt, weil sie voraussetzt, dass man Zeit hat, und Zeit zu haben: Das genau passt nicht mehr in unsere Zeit!

"Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten ... Dann macht es Freude, das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut."

Es ist schon wahr: Es ist wichtig, um das große Ganze zu wissen. Aber man darf das Wissen um das große Ganze nicht verwechseln mit der groß(kotzig)en Geste, die in unserer Gesellschaft mittlerweile viele drauf haben - ja, zunehmend lernen sie auch Jugendliche, man muss nur einige Vertreter der politischen Jugendorganisationen reden hören oder manche Schulsprecher an seinem inneren Auge vorbeiziehen lassen.
Das große Ganze im Blick haben zu können setzt voraus, dass man die Details kennt, damit man weiß, was man verbindet.
Deshalb ist der Beppo Straßenkehrer in uns wichtig. Meter für Meter kennt er seine Straße.
Und, wie gesagt, er gehört nicht zu denen, die gleich großkotzen müssen; viele tun das in unserer Gesellschaft ja auch ungefragt ...

Freude? Wie war das mit Beppos Freude? – Steht sie im Lehrplan? Ist das eine Kompetenz?
Mit Freude lernen?
Womöglich ein Leben lang?
Seltsam, dass Menschen auf manche Fragen schon immer schweigen.
Und unter den vielen ach so notwendigen Fragen werden die, die wirklich gestellt werden sollten, gar nicht mehr vermisst.

Lasst genau die uns wieder stellen!

Montag, 14. Februar 2011

Bittet, und euch wird gegeben! - Vom Schlüssel, der im Herzen liegt.

(...) in  jeder Zelle ist ein göttlicher Funke, an den man sich wenden kann, damit der Körper vervollkommnet wird.
Wahre Liebe ist der Schlüssel dazu, das Geheimnis. Alle Weisen und Heiligen wissen das. Du siehst zu allen Zeiten, dass der Schlüssel im Herzen liegt. Der Schlüssel ist einfache Liebe, wahre Liebe, aber keine Gefühlsduselei! Das ist keine Liebe. Liebe ist der Wille des Vaters - der Mutter. Liebe bedeutet, den Willen von Vater/Mutter zu tun, die dich gesandt haben - das ist der Schlüssel.
Es gibt so etwas wie geistige Führung, nicht nur durch das innerste Sein, nicht nur durch das innere Licht, sondern auch eine Führung durch Führer, weise Führer oder Schutzengel im Jenseits. (...)
Viele Menschen reagieren unbewusst auf eine derartige Führung. Die Zeit wird kommen, da ihr alle auf euren Schutzengel reagiert. Dann schreiten die Menschen und die Engel Seite an Seite auf der Erde dahin. Bittet, und euch wird gegeben – bittet um Führung, vor allem vor dem Einschlafen am Abend, und achtet gut auf Eindrücke am frühen Morgen. Antworten werden euch eingegeben werden. Ihr werdet euch wundern über die wahre Führung und Hilfe, die da kommt.
aus White Eagle, Reinkarnation

Samstag, 12. Februar 2011

"Die Hütte wird durch dich ein Himmelreich." – Orte der Liebe.

Das Motiv der Hütte taucht in Goethes Faust immer wieder auf. Man darf dabei nicht an Köhler- oder Grillhüte denken, nein: Hütte, das ist eine Existenzform, eine Weise zu leben. Gewiss, in Beschränktheit und vielleicht sogar Armut, aber in Reinlichkeit im Kreis seiner Lieben. Fausts Seele sehnt sich danach, so leben zu dürfen, er ahnt, dass er nicht in seinen Büchern sein Glück findet, sondern hier, dass womöglich hier sich die Antwort auf jenes Streben, wissen zu wollen, was die Welt im Innersten zusammenhält, einstellt. 
Margarete, die er gerade einmal, nach deren Kirchgang nämlich, gesehen und mit der er bis dahin nur zwei Sätze gewechselt hat, wohnt in solch einer Hütte, und als Faust in ihrer Abwesenheit ihr Zuhause betritt, da geht ihm das Herz auf, da spürt er, welche Fülle hier wohnt, welche liebenswerte Ordnung hier sich findet, welche Zufriedenheit, eben: welcher Frieden. Hier findet seine Seele den Himmel. Ja, es gibt ihn wirklich, den Himmel auf Erden. Und Faust nimmt ihn wahr. Auch wenn er die vorhandene Beschränkung Kerker nennt, so fühlt er, welche Seligkeit hier wohnt. Er wirft sich in einen Sessel, in dem sich die Wertschätzung auch der Ahnen spiegelt, die in ihm schon saßen, an dem auch schon sein Liebchen, als es klein war, stand.
In solch eine Liebe, Ordnung und Fülle hineingebettet, hat Mephistopheles, der Durcheinanderwerfer, der Teufel, der Lügner, der Fausts Seele verführen will, keine Macht. Faust hat ihn vor die Türe gewiesen, um Worte der Liebe finden zu können, wie sie dem Herzen eines Mannes nur selten entströmen:


Willkommen, süßer Dämmerschein,
Der du dies Heiligtum durchwebst!
Ergreif mein Herz, du süße Liebespein,
Die du vom Tau der Hoffnung schmachtend lebst!
Wie atmet rings Gefühl der Stille,
Der Ordnung, der Zufriedenheit!
In dieser Armut welche Fülle!
In diesem Kerker welche Seligkeit! 
(Er wirft sich auf den ledernen Sessel am Bette.)
O nimm mich auf, der du die Vorwelt schon
Bei Freud und Schmerz im offnen Arm empfangen!
Wie oft, ach! hat an diesem Väterthron
Schon eine Schar von Kindern rings gehangen!
Vielleicht hat, dankbar für den heil'gen Christ
Mein Liebchen hier, mit vollen Kinderwangen,
Dem Ahnherrn fromm die welke Hand geküßt.
Ich fühl o Mädchen, deinen Geist
Der Füll und Ordnung um mich säuseln,
Der mütterlich dich täglich unterweist
Den Teppich auf den Tisch dich reinlich breiten heißt,
Sogar den Sand zu deinen Füßen kräuseln.
O liebe Hand! so göttergleich!
Die Hütte wird durch dich ein Himmelreich.


Und dann geschieht etwas, was zum höchsten Glück, das Menschen erleben dürfen, gehört: 
Faust kennt sich nicht mehr. Die Liebe befreit ihn aus seinem Bildnis, das er von sich hat, worüber Max Frisch so bezaubernd schrieb.
Bezaubert, verzaubert von Margaretes Hüttendasein, so spricht Faust sich selbst an: 


Und du! Was hat dich hergeführt?
Wie innig fühl ich mich gerührt!
Was willst du hier? Was wird das Herz dir schwer? 
Armsel'ger Faust! ich kenne dich nicht mehr.


 Faust wird dieses Ahnen, dass er hier finden könnte, was die Welt im Innersten zusammenhält, nicht in seine Wirklichkeit hineinverwirklichen können; es bleibt ein momentanes Ahnen seiner Seele. Nur wir als seine Nachfolger können realisieren: Um das Innerste der Welt zu finden bedarf es keiner Kathedrale, keines Doms, keines Hörsaals, keiner Papstaudienz oder Bhagavad Gita; wir können das Innerste der Welt in einer Hütte finden ... vielleicht ganz besonders in einer Hütte.

Sonntag, 6. Februar 2011

Wind aus Nordafrika: das Herz der Menschheit erwacht wie nie zuvor!

Heute morgen höre ich im Radio, dass der Wind, der uns hier im Süden Deutschlands so warme Temperaturen und viel Sonne bringt, auch aus Nordafrika kommt. Da musste ich in Gedanken lächeln, denn die tiefe Symbolik des Geschehens, das sich momentan abspielt, ist einfach zu offensichtlich.
Nimmt man die Erde als Ganzes, kann man kaum übersehen, dass sie sich in einem gewaltigen Umbruch befindet: in einem Aufruhr der Elemente und in einem politischen. 
Was sich in den letzten Monaten und Wochen abspielt, ist ohnegleichen: Wir erinnern uns an die Vulkanausbrüche, über deren Symbolkraft ich an anderer Stelle geschrieben habe, wir haben die Bilder des Hochwassers biblischen Ausmaßes in Australien noch vor Augen und nun Stürme und zugleich Feuersbrunst dort, und auch der Schneesturm, der die USA über eine große Schneise in zwei Hälften spaltete, liegt noch kaum zurück; da sind die Hochwasser in Deutschland noch vergleichsweise harmlos, jedenfalls für die, denen nicht der Keller vollgelaufen ist oder das Wasser in der Wohnung oder im Laden stand.
Gleichzeitig geschieht etwas in einer Region, die eine hohe symbolische Bedeutung hat: Der Nahe Osten einschließlich Ägyptens ist die Wiege der drei monotheistischen Weltreligionen; auch im Islam beispielsweise wird Mose, der das Volk Israel aus der ägyptischen Gefangenschaft führte, hoch verehrt, sah doch Muhammed in ihm seinen großen Vorgänger und im Koran wird seine Geschichte mehrfach und ausführlich erzählt. Nach Ägypten mussten andererseits Maria und Josef mit ihrem Kind Jesus vor Herodes fliehen; dieses Land bot ihnen den Rückzugsraum, der es der Heiligen Familie möglich machte zu überleben.
Man möchte sagen, dass in den zumeist nun geschassten tunesischen, jemenitischen und ägyptischen Machthabern Herodes sich bis in unsere Zeit hinüberrettete. Nun werden sie in die Wüste geschickt und die Jugend darf an die Oasen des Lebens. Auf dem Tahrir-Platz im Herzen Kairos dürfen freie Reden gehalten werden - wer hätte das vor einem Monat zu wagen geglaubt.
Und auch hier, wie in anderen Ländern, auch in Deutschland, wandelt sich der Charakter der Armee. Die Soldaten ziehen nicht mehr aus und töten wie weiland und bis in unsere Zeit Kinder, töten Demonstranten und unterstützen die verkleideten Mubarak-freundlichen Polizisten, sondern sie schützen die Bürger des Landes; ja, sie haben den wahren Feind erkannt: Er sitzt im eigenen Inneren und tötet die Pflanzen der Freiheit - wie dies einstmals Herodes tat. 
Seit fast 2000 Jahren hält die Bibel den Menschen dieses symbolische Geschehen vor Augen.
Übersehen wir nicht: Dieser Herodes ist auch eine Instanz in uns!
Es war unglaublich ergreifend, einen älteren Mann auf dem Tahrir-Platz zu hören, der sich ganz offensichtlich fast schämte und in die Kamera sagte, wie sehr er bedauere, dass sie nicht vor 40 Jahren das getan hätten, zu was nun ihre Kinder den Mut haben.


Tyrannen existieren im Außen genauso wie in umseren Inneren
Dies Geschehen hat nicht nur eine so hohe Bedeutung wegen der geographischen Lage - schon diese weisen die Ereignisse als hoch symbolisch und wegweisend aus -, nein, es hat auch eine symbolische Bedeutung, weil mit diesen geschassten Machthabern - ich bin guten Mutes, dass es so ist - alte politische Muster und menschlich-seelische Programmierungen die Erde verlassen müssen.  – Ja, beides korrespondiert miteinander; das eine ist ohne das andere nicht denkbar.
In jeder menschlichen Seele gibt es diese Tyrannen, die alte Programmierungen der Angst, der Scham, der Selbstverachtung und des Selbsthasses aufrecht erhalten, die das Ego schützen und Menschen an die Macht bringen, die ihre eigene Macht im Sinn haben und nicht Menschlichkeit; auch im Inneren eines Menschen engt das Ego die Räume, die menschliches Handeln ermöglichen, ein.  
Und es ist innen wie außen, im Kleinen, in der menschlichen Seele also, wie im Großen, im politischen Raum, so, dass sie, diese Tyrannen eines überholten Bewusstseins, kämpfen bis zum Schluss, um an der Macht zu bleiben.
Doch ihre Macht ist ausgehöhlt und es könnte sein, dass der ganze Nahe Osten sich verwandelt mit so wenig Blut, wie das kaum für möglich gehalten werden konnte. Ich hoffe es.


Der Eiserne Vorhang: auch eine Mauer des Bewusstseins

Wir haben es erlebt in diesem ersten großen Fanal einer Wandlung, als der Eiserne Vorhang fiel. Wer Monate zuvor prophezeit hätte, dass diese Mauer ohne Blutvergießen fällt, wäre umgehend in die Klapse eingeliefert worden.
Das Fallen dieses Eisernen Vorhangs war nicht nur ein physisches Geschehen; nein, es hat gezeigt, was Bewusstseinswandel zu leisten vermag und wie sehr er sich in der physischen Welt manifestiert.
Wir sind Zeugen eines weltweiten Bewusstseinswandels, der sich im Physischen und Metaphysischen manifestiert.
Die ganze Welt wird Zeuge, sie wird auch Zeuge eines Herumlawierens der Mächtigen, die erst aktiv zugunsten der ägyptischen Jugend und Bevölkerung wurden, als klar war, dass Mubarak nicht zu halten ist, erst dann; im Jemen war es vergleichsweise nicht anders. Dann auf einmal  betrieb die USA mit Donnergetöse Geheimdiplomatie. Jahrzehntelang war ihnen die Freiheit ihrer ägyptischen Mitmenschen wenig bis nichts wert. Sie zeigen damit, wie morsch auch ihr inneres Gerüst ist.
Und es stellt sich die Frage an Italien, warum dieses Land einem Fossil Macht gewährt, das tatsächlich immer noch für den Machterhalt Mubaraks eintritt, Silvio Berlusconi, der Mubarak Italiens.


Menschen beginnen, bewusster wahrzunehmen und nicht nur die Nieren, sondern auch die Herzen zu prüfen!

Ich glaube, dass wir deshalb in einer so bedeutungsvollen Zeit leben, weil sich dieser große Bewusstseinswandel anzeigt, der nicht mehr aufzuhalten ist. Menschen werden viel aufmerksamer und resoluter gegenüber politischen Ereignissen, sei es Stuttgart 21 oder Verhaltensweisen von Politikern, die nicht mehr ungestraft ihren so offensichtlichen Narzissmus, wie es bei Guido Westerwelle der Fall war - er ist ja sehr geschickt und kaschiert ihn zur Zeit sehr gut - oder dieses Groß-Buben-Verhalten eines Horst Seehofer, der sich momentan zurückhält, sonst aber, wo es ging, launenhaft Mama Merkel in den Topf spuckte, akzeptieren. – Von dieser Sorte Politiker gibt es (zu) viele.
Auch in der Politik wird Menschlichkeit und Ehrlichkeit gesucht. Die Menschen durchschauen zunehmend das Ego-Verhalten vieler Politiker, die ihre Interessen und ihren Horizont ausleben, oft auf Kosten derer, in die sie sich nicht hineinversetzen können, weil sie es noch nie konnten oder weil die Macht sie verdorben hat.


Die Bedeutung des Ewig-Weiblichen wird sich offenbaren

Übersehen werden darf nicht, welcher Kampf tobt. Nur wer weiter diesem kleinkarierten Denken frönt, dass alles separat betrachtet werden könne, nimmt nicht wahr, dass auch die neuen Klimadimensionen und ihre Äußerungen Ausdruck eines Wandels sind. Eines Wandels, der in einem Polsprung gipfeln kann.
Übersehen werden aber darf auch nicht, wie sehr die alten Bewusstseinsdegen männlichen und weiblichen Geschlechts versuchen, die Macht zu steuern. Sie haben in Europa eine Außenbeauftragte gewählt, die nicht repräsentativ ist für die Kraft des Weiblichen. Was wäre es für ein Fanal gewesen, wenn Catherine Ashton auf den Tahrir-Platz gekommen wäre und Solidarität mit den ägyptischen Menschen gezeigt hätte! Nie hätte das ägyptische Volk diese Unterstützung vergessen. Stattdessen bekommt sie kaum ihren Mund auf und plappert Belangloses.
Ich bin überzeugt, dass zunehmend mehr Frauen in das Licht der Öffentlichkeit treten, die der Erde die Weisheit und Liebe des Ewig-Weiblichen bringen, von dem Goethe am Ende seines Faust II spricht; dessen wahre Bedeutung wird zutage treten; es ist da, nur nicht bewusst.


Posaunen im Hintergrund

Auch die Kirche muss aufpassen: Dass in diesem Augenblick 144 Theologen - diese Zahl repräsentiert die Maße des himmlischen Jersusalems, von dem in der Offenbarung des Johannes die Rede ist - von der Kirche weitreichende Reformen verlangen, zeigt, dass die verkrusteten Machtstrukturen nicht mehr akzeptiert werden. Viel wird davon abhängen, ob der Papst die Posaunen wahrnimmt, die im Hintergrund schon blasen; es sind die Posaunen der Offenbarung. Es wäre wahrlich gut, denn so sehr man die Katholische Kirche in Einzelheiten kritisieren mag, hat sie doch einen Repräsentanten, an den sich Menschen und politische Instanzen wenden können; das ist unschätzbar wertvoll und die Tatsache, dass solch eine Instanz den Muslimen fehlt, macht deutlich, was für eine Lücke hier noch klafft, denn Menschen brauchen einen Ansprechpartner; nur muss er auch den Bewusstseinswandel der Menschen wahrnehmen - und unterstützen! 


Bewusstseinswandel als Offenbarung des Göttlichen 


Obwohl sich viele an diesem Satz stoßen werden: Der Bewusstseinswandel der Menschen kann als Offenbarung des Göttlichen gesehen werden. Was Menschen entdecken und entwickeln, war und ist schon immer da, es wird nur bewusst! Darin besteht die eigentliche menschliche Leistung auf der Erde. – Gott steht für mich für die berühmte coniunctio oppositorum, für eine Vereinigung der Gegensätze, aber auch für ein Bewusstsein des Lichts. Und Letzteres war schon seit Urbeginn Ausdruck von Bewusstsein: Es werde Licht!
In diesem „nur“ verbirgt sich eine gewaltige menschliche Bewusstseinsentwicklung.
Viele, die sich an dem Papst reiben, haben ein Vaterproblem und kein religiöses. Männer müssen erwachsen sein, um eine Autorität mit ihren Stärken und Schwächen akzeptieren zu können. Dieses Erwachsensein gibt es links von der Männerrechtsbewegung, da eben, wo das Herz ist.


Und ich bin sicher, dass viele, die sich an Gott reiben, der ja für etwas so Reiches steht, für das Licht des Bewusstseins nämlich, genauso in Wahrheit ein Vaterproblem haben.
In dem Moment, wo sie dieses Vater-Bewusstsein integrieren können, werden auch sie erwachsen. Dieses Erwachsen-Sein ist Voraussetzung, im biblischen Sinne wieder werden zu können wie ein Kind. 
Es muss noch klar werden, dass der Erwachsene und das Kind unverzichtbare Instanzen unseres Inneren sind; noch toben zu viele intellektuelle Halbstarke allenthalben herum.

Ich glaube, dass Menschen zunehmend wirklich erwachsen werden.
Damit einher geht:


Das Herz der Menschheit erwacht wie nie zuvor!
Nur das Herz kann alle Teile, alle Facetten unseres Seins,
die im Inneren und im Außen existieren,
friedlich vereinen!

Donnerstag, 3. Februar 2011

Schade, dass dieses Herz geht ...

Auch unter Kindern gibt es nur wenige, die so lieb und von Herzen Danke sagen können.






















Alles Gute auf Deiner Lebensreise!