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Montag, 31. Dezember 2012

Wenn Sterbende nach oben sehen (I) ... über meinen Freund Thomas und über Stefan v. Jankovichs "Ich war klinisch tot"

Im vorletzten Post habe ich von meinem verstorbenen Freund Thomas erzählt, unseren gemeinsamen Radtouren und unserer gemeinsamen Leidenschaft für Lyrik.
Dabei ist mir eingefallen, was ich als Letztes von ihm gehört habe. Seine Freundin hat es mir erzählt.

Als er im Sterben lag, so berichtete sie mir, habe er auf einmal nach oben zur Decke geschaut und sein Gesicht habe sich verklärt. Sie habe gedacht, so erzählte sie, das ist der alte Thomas. Was sie gemeint hat, war, dass Thomas wie ein Kind lachen konnte, sich freuen konnte und dann richtig strahlte.

Das muss auch in diesem Moment so gewesen sein. Während seines Sterbens.

Ich weiß nicht, ob seine Freundin dasselbe dachte wie ich. Ich jedenfalls habe nicht darüber gesprochen, weil ich ganz einfach nicht auf eine mögliche Ablehnung stoßen wollte. Für mich war klar, was Thomas sah. – Dazu muss ich ein wenig ausholen:

Ich vermute, es ist nun schon bald 25 Jahre her, dass ich eine Fernsehsendung sah, in der ein Mann namens Stefan von Jankovich, in Budapest geboren und vor seinem Unfall als Architekt tätig, von einem Nahtod-Erlebnis erzählte, über das er ein Buch geschrieben hatte mit dem Titel Ich war klinisch tot. Und der Untertitel lautete: Der Tod – mein schönstes Erlebnis.

Was ich gehört hatte, faszinierte mich so sehr, dass ich mir unmittelbar nach der Sendung das Buch kaufte.

Darin schildert Jankovich, dass er mit einem Geschäftspartner - er selbst war Beifahrer - sich auf einer Fahrt nach Lugano befand, als ihnen bei Claro vor Bellinzona ein Lastwagen auf ihrer Spur entgegenkam. 

Für Jankovich waren die Folgen des Crashs verheerend. Er flog durch die Windschutzscheibe nach Zeugenaussagen wie ein Gummiball durch die Luft. Nach dem Aufprall lag der Schädelknochen bloß, er hatte Brüche an Armen und Beinen, Becken und Rippen, insgesamt 18 Frakturen. All das hatte einen Herzstillstand zur Folge.

Sein Glück war, dass ein zweiter Arzt, ein deutscher Zahnarzt, auch zum Unfallort kam, und ihm eine Adrenalin-Spritze direkt ins Herz injizierte, ca. 51/2 bis 6 Minuten nach dem Unfall.

Was Jankovich schildert, was er in dieser Zeit wahrnahm, hat mich damals so fasziniert, dass ich mich weiter mit dem Thema beschäftigte und Dr. Raymond A. Moodys Leben nach dem Tod studierte. Dort fand ich dem Bericht Jankovichs sehr ähnliche Schilderungen, auch, dass Menschen bei vergleichbaren Geschehnissen ebenfalls ihren Lebensfilm sahen.

Die Erinnerung an Jankovichs Buch hat es mich hervorkramen und darin wieder lesen lassen und da das, was ich ursprünglich schreiben wollte, nun eh eines neuen Posts bedarf, schließe ich diesen hier mit einer Passage aus Jankovichs Buch ab, in der er schildert, wie er seinen "Tod" erlebte:


(...) Ich befand mich über der Unfallstelle und sah dort meinen schwerverletzten, leblosen Körper liegen, genau in derselben Lage, wie ich das später von den Ärzten und aus den Polizeiberichten erfuhr. Ich sah die ganze Szene gleichzeitig von mehreren Seiten — deutlich, transparent. Ich sah auch unseren Wagen und die Leute, die rings um die Unfallstelle standen, sogar die Kolonne, die sich hinter den herumstehenden Menschen aufgestaut hatte. Die Leute scharten sich um mich herum. Ich beobachtete einen kleinen, festen, ca. 55jährigen Mann, der versuchte, mich wieder ins Leben zurückzurufen. Ich konnte genau hören, was die Leute untereinander sprachen, d. h., eigentlich „hörte" ich es nicht, ich war ja oben, und mein lebloser Körper lag unten auf dem Boden. Doch ich konnte wahrnehmen, was die Menschen sagten und sogar, was sie dachten — wahrscheinlich durch eine Art von Gedankenübertragung, durch Wahrnehmung außerhalb dieses materiellen Welt-Prinzips. Der Mann kniete an meiner rechten Seite und gab mir eine Spritze in den linken Arm. Zwei andere Personen hielten mich auf der anderen Seite und befreiten mich von den Kleidern. Ich sah, wie der Arzt meinen Mund mit einem Holzklotz aufspreizte und Glasscherben daraus entfernte. Unter anderem konnte ich auch erkennen, als der Arzt mich anfaßte, daß meine Glieder gebrochen waren, und daß sich rechts neben mir eine Blutlache ausbreitete. Ferner beobachtete ich, wie der Arzt versuchte, mich auf künstliche Art zu beleben und wie er feststellte, daß auch meine Rippen gebrochen waren. Er bemerkte: „Ich kann keine Herzmassage machen." Nach einigen Minuten stand er auf und sagte: „Es geht nicht, man kann nichts mehr machen, er ist tot." (...)
Sehr merkwürdig war, daß ich nicht nur die laut gesprochenen Worte, sondern auch die Gedanken der an der Unfallstelle anwesenden Menschen wahrnehmen konnte. Eine Tessiner Frau z. B. mit einer ca. 7-jährigen Tochter war sehr erschrocken, als sie plötzlich meine Leiche sah. Die kleine Tochter wollte sofort weglaufen, aber die Frau hielt sie mit der linken Hand einige Minuten fest und betete in Gedanken ein „Vater unser", ein „Heilige Maria . . ." und bat danach noch um Vergebung der Sünden dieses verunglückten Mannes. Ich war vom selbstlosen Gebet dieser Frau tief beeindruckt und freute mich darüber. Auch fühlte ich eine liebevolle Strahlung. Ein älterer Mann mit Schnurrbart dachte dagegen sehr negativ über mich: „Naja, den hat's erwischt. Aber er ist sicher selber schuld. Wahrscheinlich ist er so einer, der mit seinem Sportwagen rücksichtslos durch die Gegend flitzt." Ich wollte ihm von „oben" zurufen: „Hör auf mit diesem Quatsch. Ich bin nicht selber gefahren, ich war nur Mitfahrer." Ich spürte auch die negativen, bösartigen Schwingungen dieses Mannes. (...)
Ich wandte mich von der Unfallstelle ab, da sie mich nicht weiter interessierte. Ich wollte wegfliegen, und . . . schon flog ich. Alles war beruhigend, harmonisch, wunderschön. Die Töne, die Lichtspiele wurden immer stärker, immer voller und überfluteten mich und meine ganze Umgebung. Ich spürte deutlich eine harmonische Schwingung. Dann sah ich die Sonne irgendwo rechts oben. Ich weiß nicht warum, aber ich sah sie rechts oben pulsieren und nicht direkt über mir. Ich flog deshalb in diese Richtung weiter. Die Sonne wurde immer lichter, immer strahlender, immer pulsierender. Ich verstehe heute, warum so viele Menschen und Religionen die Sonne als Gottessymbol auffassen oder sogar einen Sonnengott verehren.
Ich flog allein weiter, hatte jedoch das Gefühl, daß ich nicht allein war, sondern daß mich gute Wesen umgaben. Alles war beruhigend, alles harmonisch und wunderschön. (...)
weiter zu diesem Thema hier 

Freitag, 28. Dezember 2012

215 Millionen Kinder arbeiten in Minen, Steinbrüchen und Fabriken in aller Welt. – Hilf den Kindern Indiens!

Indien ist das Weltzentrum der Kinderarbeit fünfjährige Kinder werden an Menschenhändler verkauft, zur Arbeit gezwungen, missbraucht und geschlagen.

Eine AVAAZ-Aktion  zur Unterstützung indischer Kinder.

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Leben heißt: Sich ohne Ende wandeln. / Wer am Alten hängt, der wird nicht alt ...

Das sind Zeilen aus Günter Kunerts Ballade Wie ich ein Fisch wurde.

Klingt so ein bisschen nach Hermann Hesses Stufen und seinem Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten ...

Nein, bei Kunert ist die Wandlung gar nicht heiter, bei ihm mutiert der Mensch zum sprach- und tonlosen Fisch, schwimmt träge unter Wasser und hat Angst, wieder Mensch zu werden.
 

Mich erinnert diese Ballade an meinen verstorbenen Freund Thomas, den ich einmal bei einer Fête in Stuttgart Bad Cannstatt kennenlernte, ich, staunender Besucher einer bemerkenswert intakten und echt sympathischen WG, eingeladen von meinem damals neuen Kollegen Frank, er, Thomas, Mitbewohner der WG, Fahrrad-Freak und Sportler durch und durch mit Hang zur Lyrik.
 

Mit der Zeit kam es, dass wir, Thomas und ich, viele gemeinsame Fahrrad-Touren unternahmen. Höhepunkte waren sicherlich unser Fahrrad-Urlaub auf dem österlichen Sardinien - den Lavendelduft in der Luft, als wir von der Fähre runterfuhren, vergesse ich nie - und die Alpenüberquerung, als wir meinten, mit dem Splügen-Pass hätten wir das Schlimmste geschafft. Was sich als Irrtum erwies, das ständige bergauf und -ab der Toscana war viel schlimmer; nicht weit weg hast Du ein Dorf gesehen und dich auf einen Capuccino gefreut; was man eben nicht sah, waren die vertikalen Kurven bis dorthin :-)).

Thomas ist vor einigen Jahren einem Krebsleiden erlegen.


Deshalb denke ich ein wenig wehmütig an obiges Gedicht. Als er nämlich mit seiner Freundin nach Berlin gezogen war, konnten wir uns nur noch selten treffen, und wenn wir uns trafen, die Fahrräder aufs Dach geschnallt hatten und es abging, z.B. Richtung Dordogne, dann war es zum Brauch geworden, dass jeder dem Anderen auf der Fahrt im Auto ein neu erlerntes Gedicht vortrug. Und Kunerts Wie ich ein Fisch wurde hat meinen lieben Freund unglaublich beeeindruckt.

Daran muss ich denken, wenn ich mir diese Ballade, die ich immer noch auswendig kann und mit der ich manchmal, auswendig vorgetragen, einer Klasse imponiere :-)), wieder durch den Kopf gehen lasse - und durchs Herz.

Zu sehr sind wir doch manchmal Fisch, zu wenig Mensch; kein Wunder schreibt Kunert in der letzten Strophe seiner Ballade:


Denn aufs Neue wieder Mensch zu werden,
Wenn man´s lange Zeit nicht mehr gewesen ist,
Das ist schwer für unsereins auf Erden,
Weil das Menschsein sich so leicht vergisst.

PS Möge es Dir gut gehen, Thomas; ich vermisse Dich immer noch ...


Freitag, 21. Dezember 2012

Ach, Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen / Das Heil, für das Du uns bereitet hast.


Oft schätzt man ein Lied, ein Gedicht als Ganzes, aber auffallend ist, dass ganz unterschiedliche Worte zu verschiedenen Zeiten besonders in den Vordergrund treten.
Vor wenigen Tagen habe ich mir Bonhoeffers Von guten Mächten auf den Computer geladen, gesungen von Johannes Kalpers; ich finde auch die Version des Laki-Pop Chors sehr schön.
Seitdem höre ich es immer wieder und spüre die Innigkeit dieser Worte, diese Demut von Bonhoeffer, sein unendliches Vertrauen, seine Hingabe.
Besonders empfinde ich in diesem Jahr jene zwei Zeilen, die den Post-Titel bilden und auch jene, in denen er von dem bitteren Kelch spricht, gefüllt bis an den höchsten Rand.
Ich finde, sie übertragen eine unendliche Ruhe und vielleicht sollten wir viel weniger immer nur nach Glück streben, sondern nach jenem Frieden, der sich hier vermittelt. Vielleicht ist es in Wahrheit wichtiger, zu-frieden zu sein, in Frieden.
Bonhoeffers Worte waren prophetische Worte, und man spürt, dass er das auch beim Schreiben schon wusste: Sein Kelch, Bonhoeffers Kelch, sollte bis an den höchsten Rand gefüllt sein.
Aber er war in Gottes Hand.

Bonhoeffer war ja, 1906 geboren, nachdem er Theologie studiert und auch in diesem Fach promoviert und habilitiert hatte, zunächst als Privatdozent an der Universität in Berlin, dann auch als Auslandspfarrer tätig.
1935 übernahm er die Leitung des Predigerseminars der Bekennenden Kirche im pommerschen Finkenwalde.
Ein Jahr später wurde ihm die Lehrerlaubnis entzogen.
1942 bemühte er sich, Verbindung mit der englischen Regierung aufzunehmen, um Hilfe für den deutschen Widerstand zu gewinnen; doch hielt es das Foreign Office damals nicht für angebracht, mit der Widerstandsbewegung Kontakt aufzunehmen.

Am 5. April 1943 wurde Dietrich Bonhoeffer von den Nationalsozialisten verhaftet. Den Bemühungen u.a. von General Canaris ist es zu verdanken, dass der ausstehende Prozess wenigstens bis zum 20. Juli 1944 verzögert werden konnte. Die zweieinhalb Monate im Gefängnis nutzte Bonhoeffer, ungebrochen und ergeben in Gottes Willen, um wissenschaftlich zu arbeiten, Briefe zu schreiben und in Gedichten Worte zu finden, was in seinem Inneren vorging. Widerstand und Ergebung, so lautet der Buchtitel, unter dem sich die Briefe an seine Eltern und den Freund nach dem Krieg veröffentlicht finden.
Die Konzentrationslager Buchenwald und Flossenbürg waren die letzten Lebensstationen Bonhoeffers.
Am 9. April 1945, nur wenige Tage vor der Hinrichtung auch seines Bruders Klaus und nur wenige Tage vor Kriegsende, wurde auf ausdrücklichen Befehl Hitlers durch ein Standgericht das Todesurteil an ihm vollstreckt.

Eines seiner letzten Gedichte ging um die ganze Welt und hat so vieler Menschen Herzen gestärkt, so vielen Mut gegeben, Vertrauen in Gott und in Tod und Leben; auch mir hat es immer wieder geholfen und mein Dank gilt jenem Mann, von dem ich sicher glaube, dass er bis heute allen politisch Verfolgten und auch wegen ihres Glaubens Verfolgten zur Seite steht:

           
Von guten Mächten
Von guten Mächten treu und still umgeben,
Behütet und getröstet wunderbar,
So will ich diese Tage mit euch leben
Und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
Noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach, Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen
Das Heil, für das Du uns bereitet hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
Des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
So nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
Aus Deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken
An dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
Dann woll´n wir des Vergangenen gedenken,
Und dann gehört Dir unser Leben ganz.

Laß warm und still die Kerzen heute flammen,
Die Du in unsre Dunkelheit gebracht.
Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
So laß uns hören jenen vollen Klang
Der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
All Deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
Erwarten wir getrost, was kommen mag;
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
Und ganz gewiß an jedem neuen Tag.


Zu Recht sagt man, dass, wenn irgendwo auf der Welt das Hallelujah Händels angestimmt wird, ein Engelchor mitsingt.
Ich glaube, dass, wenn Dietrich Bonhoeffers Gebet gesprochen oder gesungen wird, immer auch Engel mitsprechen und mitsingen und tröstend ihre Hände auf den Betenden und Trost Suchenden legen.

Freitag, 14. Dezember 2012

Ich bin stark, weil Du mich liebst ...


Ist der Himmel grau, 
weiß ich ganz genau,
dass jemand zu mir hält,
auch wenn Regen fällt.
Wenn mich Menschen kränken 
und sich Schatten senken,
weiß ich, dass ich nie alleine bin.
Bist du auch nicht da, 
wir sind uns ganz nah –
Ich bin stark, weil Du mich liebst!

Wenn mich Fragen quälen
und mir Worte fehlen,
kann ich darauf zählen,
dass Du mich verstehst.
Wenn mir was gelingt, 
kannst Du Dich mit mir freu´n
Und muss ich was bereu´n, 
kannst Du verzeih´n.
Gäbe es nicht dich, 
wäre ich nicht ich.
Ich bin stark, weil Du mich liebst!

Ist der Himmel grau,
weiß ich ganz genau,
dass jemand zu mir hält,
auch wenn Regen fällt.
Wenn mich Menschen kränken 
und sich Schatten senken,
weiß ich, dass ich nie alleine bin.
Bist du auch nicht da, 
wir sind uns ganz nah –
Ich bin stark, weil Du mich liebst!

Bist Du auch nicht da,
 wir sind uns ganz nah,
ich bin stark, weil Du mich liebst!
Ich bin nur stark, weil Du mich liebst!



Das diesem Lied zugrunde liegende A Groovy Kind of Love war Anfang der 60er-Jahre von Carole Bayer Sager geschrieben worden.

Auf Wikipedia ist zu lesen:

"Das Lied komponierte sie im Alter von 17 Jahren während ihres Studiums an der New York City High School of Music and Art, unterstützt wurde sie dabei von Toni Wine. Die Melodie des Liedes ist dem 3. Satz „Rondo“ der Sonatine op. 36 Nr. 5 (1797) von Muzio Clementi (1752–1832) entlehnt.
Das Lied sollte zunächst von der befreundeten Sängerin Lesley Gore aufgenommen werden. Deren Management verlangte, dass das Wort groovy aus dem Titel gestrichen wird, da es sich um einen Slang-Ausdruck handelt. Bayer Sager war damit nicht einverstanden, sodass die Mindbenders das Lied aufnahmen und im Frühjahr 1965 als Single veröffentlichten. Die Single erreichte in den USA Platz 2 der Billboard Hot 100 und in Großbritannien Platz 2 der UK Top 40."
Später wurde das Lied von Petula Clark, Neil Diamond und anderen Pop-Größen mit unterschiedlichen Texten gesungen.


Von wem die vorliegende deutsche Übersetzung des Urspungssongs A Groovy Kind of Love stammt, weiß ich leider nicht.

Wie der Text hier vorliegt, wird er von Johannes Kalpers gesungen. Wie ich finde, echt schön ...

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Grammatikunterricht ist Menschenkunde.

Eigentlich hätte ich, so mag mancher denken, besser schreiben sollen: Grammatikunterricht beinhaltet auch Menschenkunde.

Aber ich meine tatsächlich: Grammatikunterricht ist Menschenkunde.

In jeder Klasse, in der wir Grammatik machen, frage ich unvermttelt zwischendrin, wenn wir gerade Fälle bestimmen, Adverbiale benennen oder Objektsätze aufspüren:

Mit was ist ein Satz, mit was sind Sätze, die in ihrem Aufbau so unterschiedlich sein können, vergleichbar?

Tatsächlich – Sätze sind wie Menschen:

Es gibt einfache, klare, kurze Sätze.
Auch Menschen können so sein: unkompliziert, klar und gerade heraus.

Es gibt Sätze mit logischen Beziehungen: Da wird eine kausaler Zusammenhang hergestellt ( ... weil er es eilig hatte) oder ein finaler (... damit es auch jeder sieht) oder es wird ein Gegengrund aufgezeigt (... obwohl alle dagegen waren).
Das sind Menschen, die Wert darauf legen, dass etwas transparent ist, in einen logischen Zusammenhang gestellt wird. Manchmal sind es auch Menschen, die zwanghaft alles begründen müssen ...

Es gibt Sätze, die sind unvollständig oder lassen einfach ein Verb weg.
Menschen sind gern auch emotional und dann pfeifen sie auf Korrektness.
Manche sind  n u r  so. Von denen merken es einige nicht und manche sind absichtlich so, weil sie ein Leben lang ein Kind bleiben wollen :-))

Und dann gibt es natürlich die total überfrachteten Sätze à la Thomas Mann. Sie sind bisweilen - das empfindet jeder ein bisschen anders - schrecklich aufgeplustert. Wenn die Verständlichkeit auf der Strecke bleibt, ist das natürlich für die, die so schreiben und sprechen, ein notwendiges Opfer für die Selbstdarstellung, denn viele können nicht so schreiben, geschweige denn denken; und darauf möchte man schon aufmerksam machen: Schau, ich kann es!
Und so gibt es auch Menschen, die gar nicht unbedingt verstanden sein wollen, die vor allem ihr Ich zur Schau stellen und erwarten, dass sie dafür, wie Thomas Mann, schon den Nobelpreis bekommen.

Dann gibt es Texte, die spielen mit Sprache. Da kommt auf einmal ein Punkt. Und nach dem Punkt geht der Satz in der nächsten Zeile weiter. Markus Zusak macht das hin und wieder.
Das ist sein inneres Kind, das spielt mit Sprache und freut sich und klopft sich auf die Schenkel und lacht, weil es weiß: Da stolpert der ein oder andere, stutzt, findet das komisch ... 
Übrigens sind solche Sätze nicht nur dem Spaß geschuldet; dahinter steckt auch oft Sinn ... wenn Verstehen nämlich zu selbstverständlich wird, dann wird es gefährlich.

Natürlich gibt es noch viele Zwischenstufen und mehr Satzformen, so viele eben wie Menschentypen ... :-))
Gewiss gibt es darunter Menschen, die haben für die jeweilige Situation die richtige Sprache, die können sich auch auf ihren Gegenüber einstellen, finden die richtigen Worte ... ehrliche Worte, auch das ist wichtig ... wir spüren das ...

Belassen wir es dabei einmal.

Wie die Menschen die Welt ergreifen und auf sie zugehen, das zeigt sich in ihrer Sprache.
Und an ihr zeigt sich auch, dass man dieses Zugehen verändern kann. Denn Sprache kann man verändern.
Wenn man sie sich bewusst macht, ist das eine relativ gute Übung, das Unbewusste aus seinem Dunkel zu ziehen ins Licht. 
Und dann ist Veränderung möglich.
Das ist mit das Wichtigste, um was es im Leben geht: Unbewusstes aus dem Dunkel zu holen, damit es  uns nicht dominiert, ohne dass wir es merken.

So kann man sich in der Sprache von überflüssigem Schnick-Schnack befreien. Man kann sich eine Zeitlang wirklich auf das Wesentliche konzentrieren, indem man nicht das rote Auto mit seinem Schiebedach und dem aufgemotzten Auspuff, der ständig silbergraue Wölkchen austößt, elanvoll und mit Schwung in die eigentlich zu enge Garageneinfahrt einfahren lässt, sondern einfach ein Auto.
Manchmal ist es gut, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Nicht umsonst sagt Angelus Silesius: Mensch werde wesentlich!
Oder die Bibel: Eure Rede sei Ja, Ja, Nein, Nein, und was darüber ist, das ist von übel.

Nur darf man ruhig viele Möglichkeiten haben, denn bisweilen schlägt die Sprache Purzelbäume, und es ist gut, wenn das ein Mensch auch kann, sich einfach auch mal gehen zu lassen, zu purzeln, zu lachen, zu ...

In jedem Fall ist es gut, wenn die Sprache nicht mit den Menschen macht, was sie will, sondern wenn dem Menschen Sprache zur Verfügung steht. 
Im Sport ist das auch so: Wenn Kinder Basketball spielen lernen, dann macht der Ball oft mit ihnen, was er will. Er prellt durch die Halle und dahinter sieht man einen Jungen, der schaut, dass der Ball nur annähernd bei ihm bleibt ...
Später ist es dann so, dass der Basketball wie mit dem Magneten angezogen wieder in die Hand zurückkehrt und sie verlässt, wann der Junge das möchte. 

Deshalb - und damit wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt - ist Sprachbetrachtung Menschenkunde, und die ließe sich fortsetzen, z.B. wie Menschen die Tempora gebrauchen. Davon vielleicht ein andermal mehr. Aber es ist wichtiger als man denkt, denn manche Menschen sind zum großen Teil ihre eigene Vergangenheit, ja manche sind es ausschließlich ...

Samstag, 8. Dezember 2012

Advent findet in unseren Schulen nicht statt! - Ob das eigentliche Weihnachten nur stört?

Vielleicht ist es eine Alterserscheinung und ich leide deshalb darunter; schon im letzten Jahr ist es mir so gegangen wie in diesem:

Die meisten Klassenzimmer tragen keinen Adventsschmuck, keine Sterne finde ich an den Fenstern, keinen Kranz, den man vorne auf dem Lehrerpult anzünden könnte.

Da ist uns jedes Kaufhaus voraus.
So makaber das ist, denn ein Kaufhaus weiß nun mal nicht, was es mit Weihnachten auf sich hat, allerdings die Herren Karstadt und Co schon .... Klingelingelingeling ...

Was mir in den vergangenen Jahren aufgefallen ist: Selbst wenn Religionslehrer Klassenlehrer sind, findet im Klassenraum kein Advent statt. In den Religionsbüchern im Unterricht schon ... in den Büchern ...
Das ist, wie wenn im Biologie-Unterricht Schmetterlinge besprochen werden, und einer fliegt aus Versehen ins Zimmer rein ... da muss er aber schnell abhauen, sonst kriegt er eins mit der Klappe ... wegen Unterrichts-Störung ...
Allerdings: An den Lehrern sollte man das Phänomen nicht festmachen. Anstatt dass wir ein G10 haben mit mehr Zeit dafür, einen ganzheitlichen Menschen heranzubilden, hat das Kultusministerium G8 eingeführt: kein Wunder, gehen für Advent und Weihnachten die Lichter aus. Ohnehin stellt sich die Frage,

ob das eigentliche Weihnachten in Wirklichkeit nur stört?

Wenigstens steht ein Weihnachtsbaum am Eingang unserer Schule. Den spendiert die Stadt. Immerhin ...


Vielleicht darf der auch bald nicht mehr aufgestellt werden, weil er ein christliches Symbol ist und wir doch interkulturell sind.
Im Berlin Wowereits sind Weihnachtsbäume bestimmt bald verboten. Und Angela Merkel macht da bestimmt mit, um keine muslimischen Gefuhle oder was auch immer zu verletzen.

Der innere Advent, das innere Weihnachten sind eh schon längst abgeschafft, vielleicht schaffen sich Advent und Weihnachten vollends von selbst ab.

Dass da Wowereit und Co nicht nachhelfen, liegt daran, dass sie sich sonst z.B. mit dem ganzen Einzelhandel anlegen würden ... und das wollen sich weder Berlins OB noch Merkel leisten ... Merkantiles ist eh per se bei uns ein Argument ... da sind die Parteien dann auf einmal parteiübergreifend weihnachtlich.

In meiner Klasse hat eine Oma einen Adventskranz gebastelt, extra für uns, wie schon im letzten Jahr.

Omas machen das gern, und bisher hat sich immer in einer Klasse, in der ich Klassenlehrer war, eine Oma gefunden, die einen Adventskranz für uns gemacht hat.
In manchem Jahr hat auch schon mal eine Schüler-Bläsergruppe in der Großen Pause Weihnachtslieder intoniert.  Manche haben da kurz von ihrem i-Phone aufgeschaut oder einen Video gedreht ...
Einen Weihnachts-Gottesdienst gibt es am letzten Schultag vor den Ferien immer! Und den gestalten auch Schüler mit. Auch Schüler des Schülerbibellesekreis; erstaunlich, dass es das noch gibt. Ich glaube nicht, dass es noch viele Schule gibt, in denen Schüler aus christlichen Motiven heraus im Kreis sitzen. – Dazu gehört heute wieder Mut.

Wie allerdings soll es wirklich Weihnachten in den Seelen der Kinder werden, wenn der Advent in der Schule nicht stattfindet? Und ich rede ganz und gar nicht nur von der Schule, an der ich unterrichte.


Auf einen Schlag werden am letzten Schultag die Jugendlichen ins Weihnachten entlassen ... na das muss eine Überraschung sein ...
Immerhin haben dann die Elf-Jährigen meiner sechsten Klasse in den letzten 8 Schultagen vor den Weihnachtsferien 5 Klassenarbeiten geschrieben und überstanden ...

Was war das nochmal, Weihnachten?

Sowas Ähnliches wie Ostern?
Wann war das nochmal mit den Eiern und wann war das mit dem Baum?
Oder Pfingsten? 
Pfingsten, das sind doch die Inseln neben den Malediven, war´s nicht so ... 
Weihnachten, jetzt, klar, das, genau das sind doch die Inseln, Weihnachtsinseln ...

Weihnachten ist wirklich eine Insel ... 
... und das Wasser steigt und steigt ... 
... bald sieht man womöglich von dieser Insel kein Land mehr ...

Ob ein Noah schon eine Arche baut?

Und ob es diesmal hoffentlich auch eine internetfähige Arche ist?

Sonst nehmen wir einfach die Titanic!

Mittwoch, 5. Dezember 2012

lux lucet in tenebris – Licht leuchtet in der Finsternis!



Zünd ein Licht an gegen die Einsamkeit.
Ein Licht ist stärker als alle Dunkelheit.
Es macht dich offen, lässt dich wieder hoffen.
Es gibt dir neuen Mut, alles wird gut:
     Zünd ein Licht an. 

Zünd ein Licht an gegen Gewalt und Streit.
Ein Licht ist stärker als alle Dunkelheit.
Es macht dich offen, lässt dich wieder hoffen.
Es gibt dir neuen Mut, alles wird gut:
    Zünd ein Licht an.


Zünd ein Licht an gegen die Gleichgültigkeit.
Ein Licht ist stärker als alle Dunkelheit.
Es macht dich offen, lässt dich wieder hoffen.
Es gibt dir neuen Mut, alles wird gut:
     Zünd ein Licht an. 

Zünd ein Licht an für die Gerechtigkeit.
Ein Licht ist stärker als alle Dunkelheit.
Es macht dich offen, lässt dich wieder hoffen.
Es gibt dir neuen Mut, alles wird gut:
     Zünd ein Licht an.
                                  

Verfasser: Kurt Mikula

PS  lux lucet in tenebris ist der Wappenspruch der Waldenser und erscheint auf ihrem Wappen als Umschrift um einen Leuchter. Ihre Banner-Worte finden sich auch in dem berühmten Waldenserlied, dessen erste und letzte Strophe lauten:

Wir wollen nicht wanken noch weichen,
wir wollen zusammenstehn,
woll'n stolz Waldenser heißen,
für Jesus im Kampfe stehn.
Lux lucet in tenebris, Licht leuchtet in der Finsternis,
der Herr geht uns voran. Der Herr geht uns voran.


So schreiten wir durch die Zeiten,
der Herr ist Panier uns und Schild,
für ihn lasst uns ringen und streiten,
Waldenser auf, denn es gilt:
Lux lucet in tenebris, Licht leuchtet in der Finsternis,
der Herr geht uns voran. Der Herr geht uns voran.


Dienstag, 27. November 2012

Wir sehen nur 5 Prozent des Alls – 95 % sind dunkel!

Diese Tatsache ist nicht neu, aber dennoch höchst interessant, ganz einfach deshalb, weil sie mich darüber spekulieren lässt, ob wir auch unser Bewusstsein im Verhältnis zum Unbewussten überschätzen.
Wie oben so unten, lässt uns Hermes Trismegistos wissen und aus der Bibel kennen wir mehrfach das Wie im Himmel so auf Erden.  – Die Griechen sprachen vom Mikrokosmos, dem Menschen, und dem Gott Anthropos (anthropos bedeutet übersetzt Mensch) und meinen damit das göttliche Wesen des Menschen, eben den Makrokosmos, das All. Auch für sie bestand eine unmittelbare Korrespondenz zwischen beiden, dem kleinen Kosmos Mensch, dem Mikrokosmos, und dem großen Kosmos Gott-Mensch, dem Makrokosmos.

Bisher nahmen wir an, dass das Unbewusste zum Bewussten in einem Verhältnis von 70 zu 30 oder von 80 zu 20 Prozent besteht. 
Ist auch dieses für viele schon erstaunliche Verhältnis noch zu hoch gegriffen zu Ungunsten des Bewusstseins?
Ist unser Bewusstsein in Wirklichkeit noch geringer?
Ist das Verhältnis von Bewusstem zu Unbewusstem gar 5 % zu 95 %?

Wir wissen heute, dass der Kosmos entgegen aller Erwartungen sich ausdehnt. Ursprünglich hatte man angenommen, dass die gegenseitige Anziehung der Materie die Ausdehnung des Kosmos langsam abbremst. Doch er expandiert immer schneller – und niemand weiß, warum.

Und wir wissen auch wenig über jene Dunkle Materie und jene Dunkle Energie, die die Astronomen so in ihren Bann ziehen und über die sie nur Rückschlüsse ziehen können, weil sie ganz offensichtlich auf die sichtbare Materie einwirken.
Dunkle Materie ist ein unsichtbarer Stoff, der Licht jedweder Art weder aussendet noch absorbiert. Nachweisbar ist sie nur durch die Auswirkungen ihrer Anziehungskraft auf Galaxien und Galaxienhaufen. Noch mysteriöser ist die dunkle Energie, von der vermutet wird, dass sie eine Art Anti-Gravitationskraft erzeugt, die die Galaxien im ganzen Universum immer schneller auseinandertreibt. (ESA Kids, 27. 12. 2012)
Was die Astronomen erforschen, ist nicht nur Naturwissenschaft pur, denn sie betreiben zugleich Bewusstseins-Forschung. Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften hängen enger miteinander zusammen, als wir ahnen.
Oder können wir nicht beobachten, dass zwei chemische Elemente ganz eng miteinander verknüpft sein können! Manchmal tritt ein drittes hinzu, und die enge Verbindung löst sich zugunsten einer anderen, neuen; dann auf einmal vertragen die zwei, die vorher eng aneinander bandelten, sich überhaupt nicht mehr ...
Ist es in menschlichen Beziehungen nicht auch so? Da sind zwei liiert, ein Paar, und dann tritt eine Frau oder ein Mann in das Leben der beiden, und alles konstelliert sich neu ...

Bis zur kopernikanischen Wende dachte man, die Erde sei der Mittelpunkt des Alls, bis man erkannte, dass unter den ca. 100 Milliarden Sternen unserer Galaxie, der Milchstraße, unsere Sonne ziemlich an ihrem Rand liegt und wir auf der Erde nicht einmal ein Stern, sondern "nur" ein Planet sind, allerdings ein sehr schöner! Und unsere Galaxie ist ja nur eine von 20 innerhalb des Galaxienhaufens, zu dem wir gehören  und der sich Lokale Gruppe nennt. Und dieser ist nur einer von zigtausenden ...

Vielleicht ist es aber noch einmal anders:
Vielleicht ist jeder Mensch der Mittelpunkt des Alls.
Immer ist ein menschliches Bewusstsein ein Mittelpunkt des Alls ...

Wir sehen, soweit das Auge reicht.
Wobei wir mit den inneren weiter sehen als mit unseren physischen Augen.
Falls wir an ein inneres Auge glauben ...
Sehen können wir unsere inneren Augen ja nicht – wir können nur an sie glauben.
Wobei wir bekanntlich nur mit dem Herzen wirklich gut sehen.
Das Herz aber will glauben.
Ein Herz ohne Glauben ist wie ein ausgetrockneter Salzsee.
Solche Salzseen haben eine wahnsinnige Sehnsucht nach Wasser.
Nach dem Wasser des Lebens ...

In Uganda kann man wegen Homosexualität noch getötet werden. – Mit Hilfe von AVAAZ.org die Stimme dagegen erheben.

Wer möchte, möge unterzeichnen; der Link unten führt auf die AVAAZ-Seite. 
Ich denke, es ist eine Frage der Menschlichkeit, seine Stimme mit zu erheben; wir gehen ja kein Risiko ein, helfen aber Menschen, die riskieren, ihr Leben zu verlieren – das Wertvollste, was wir alle haben.
Hier die AVAAZ-Deklaration: 
An den ugandischen Präsidenten Museveni, die Mitglieder der Gutachterkommission und Geberländer:

Wir stehen den Bürgern in Uganda zur Seite, die ihre Regierung dazu aufrufen, das Anti-Homosexuellen-Gesetz ein für alle Mal zurückzuziehen und die universellen Menschenrechte zu verteidigen, die in der ugandischen Verfassung verankert sind. Wir rufen die politischen Führungskräfte in Uganda und Geberländer dazu auf, sich uns anzuschließen, die Verfolgung abzulehnen und Gerechtigkeit und Toleranz aufrechtzuerhalten
Link: http://www.avaaz.org/de/uganda_stop_gay_death_law/?tWFmsdb 

Letztes Mal wurde – so schreibt AVAAZ – unsere weltweite Petition gegen die Todesstrafe für Homosexuelle dem Parlament überreicht und hat in den Nachrichten genug Druck ausgeübt, um das Gesetz monatelang zu blockieren. Als eine Boulevardzeitung 100 Namen, Photos und Adressen von verdächtigten Homosexuellen veröffentlichte, unterstützte Avaaz daraufhin einen Gerichtsprozess gegen die Zeitung und gewann! Gemeinsam sind wir immer wieder für die Homosexuellen in Uganda eingetreten -- nun brauchen sie uns mehr denn je. 
Hoffnungsvoll und entschlossen, 
Emma, Iain, Alice, Morgan, Brianna und der Rest des Avaaz Teams

PS Zum Zeitpunkt der Post-Veröffentlichung hatten bereits 939 245 Menschen aus aller Welt unterzeichnet - super! 

Sonntag, 25. November 2012

Ein Fruchtwasser-Gespräch zweier Zwillinge ... Übrigens: Auch unser Tod ist eine Geburt ... ! – Homer, Hesse und Momo wussten darum!

Beim Frühstück habe ich eine klasse Geschichte im Radio gehört und ich denke, der SWR und Pfarrer Thomas Drumm aus Herschweiler-Pettersheim, der im Rahmen der Sonntagsgedanken diese Geschichte erzählte, werden nichts dagegen haben, dass ich sie veröffentliche, wie ich das bisweilen tue, wenn ich etwas höre, was mich berührt.

Dieses Gespräch finde ich deshalb genial, denn es könnten genauso zwei Menschen führen und sich dabei über das Leben nach unserem so genannten Tod unterhalten.

Nun aber erst einmal die Geschichte der beiden Zwillinge vor der Geburt, ein Fruchtwasser-Gespräch sozusagen:


„Ist es nicht schön, dass wir leben?", fragte eines Tages das Mädchen. „Wunderschön", meinte der Junge und plantschte mit seinen Händchen durch das Fruchtwasser, so dass es kleine Wellen schlug. „Ist dir schon aufgefallen, dass wir uns verändern und immer größer werden?", fragte der Junge . „Ich glaube, das bedeutet, dass unser Aufenthalt in dieser Welt bald zu Ende sein wird", meinte das Mädchen . „Wie meinst du das?", fragte der Junge, „du glaubst doch nicht etwa an ein Leben nach der Geburt?" „Doch, ich glaube daran", antwortete das Mädchen. „Ich meine: Unser Leben hier ist dazu gedacht, dass wir wachsen und uns auf das Leben nach der Geburt vorbereiten, damit wir stark genug sind für das, was uns dort erwartet." „Blödsinn", erwiderte der Junge, „warum machst du dir darüber Gedanken? Hier ist es doch schön. Es ist warm. Und wir haben alles, was wir brauchen. Und außerdem haben schon viele diesen Mutterschoß verlassen. Keiner von ihnen ist zurückgekommen. Nein, ein Leben nach der Geburt gibt es nicht." Das Mädchen gab nicht nach: „Ich meine, es muss mehr geben als diesen dunklen Ort. Es muss doch anderswo etwas geben, wo Licht ist und man sich frei bewegen kann. Vielleicht werden wir ja herumlaufen und mit dem Mund essen?" „Herumlaufen. So ein Unsinn!", lachte der Junge, „das geht doch gar nicht. Und mit dem Mund essen. So ein Quatsch! Es gibt doch die Nabelschnur. Die ernährt uns. Wie willst du mit der herumlaufen? Die ist doch viel zu kurz. Ich sage dir: Wenn wir hier aus dieser schönen Welt im Bauch heraus müssen, dann ist alles aus. Wenn uns jemand die Nabelschnur durchschneidet, werden wir tot sein." „Ich weiß ja auch nicht genau, wie das Leben nach der Geburt aussieht", sagte das Mädchen, „aber spürst du nicht auch ab und zu diesen Druck? Manchmal tut es richtig weh. Ich glaube, dieses Wehtun bereitet uns auf einen anderen Ort vor, wo es viel schöner ist als hier und wo wir unsere Mutter sehen werden von Angesicht zu Angesicht. Das wird bestimmt ganz aufregend sein." „Mutter?", fragte der Junge spöttisch, „du glaubst doch nicht etwa an die Mutter! Ich habe noch nie eine Mutter gesehen. Wo soll die denn sein?" „Na hier, überall um uns herum. Wir sind in ihr und wir leben durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein. Manchmal, wenn du ganz still bist, kannst du sie singen hören, oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt." „Ich glaub nur das, was ich seh", meinte der Junge trotzig.Aber dann kam der Moment der Geburt. Die Zwillinge haben ihre Welt verlassen und die Augen geöffnet. Was sie da gesehen haben, hat ihre kühnsten Träume übertroffen.

Solch ein Gespräch über das Leben nach unserem Leben könnten auch hier und jetzt zwei Menschen führen.
Und es könnte ganz ähnlich verlaufen.

Für manche ist auch der Tod und was danach kommt ein dunkler Ort.
Und manche sagen: Ein Leben nach dem Tod gibt es nicht ... Eine Mutter, die uns da empfängt, die gibt es nicht.
Doch auch nach unserem Tod wird uns eine Mutter empfangen, die es schon jetzt gibt. – Homer wusste vor Jahrtausenden davon, weil es diese Mutter schon immer gab und gibt.

Und man kann sie auch hier, in unserem Leben hören und die, die mit ihr zusammen leben, wie wir im Steppenwolf lesen können.

In einer wunderbaren Geschichte, die ich kürzlich las, über eine Bachstelze, die Rotkehlchen füttert, spielte die Stille eine bedeutsame Rolle, denn sie führte zu allem wundersamen Geschehen.

Und auch Momo weiß darum. Wenn wir still sind und in die Stille zu hören vermögen, hören wir die Unsterblichen, unsere Mutter, eine gewaltige Musik und vielleicht noch viel mehr, von dem wir nichts ahnen:




Ohr-Skulptur im Schlosspark zu Aschach


Momo hörte allen zu, den Hunden, Katzen, den Grillen und Kröten, ja sogar dem Regen und dem Wind in den Bäumen. Und alles sprach zu ihr auf seine Weise. An manchen Abenden, wenn alle ihre Freunde nach Hause gegangen waren, saß sie noch lange allein in dem großen steinernen Rund des alten Theaters, über dem sich der sternenfunkelnde Himmel wölbte, und lauschte einfach auf die große Stille. Dann kam es ihr vor, als säße sie mitten in einer großen Ohrmuschel, die in die Sternenwelt hinaushorchte. Und es war ihr, als höre sie eine leise und doch gewaltige Musik, die ihr ganz seltsam zu Herzen ging.


Wenn wir nur nicht den Geburtskanal hin zu diesem Leben nach dem Leben so eng sehen ... Dann kann auch jetzt schon unser Leben viel weiter sein. Denn was dort in diesem Land und Leben sein wird, ist auch schon hier zugegen.

Donnerstag, 22. November 2012

Denk es, o Seele! – Gedanken zum Totensonntag: der Tod als mögliche Gewinnausschüttung.

Es ist ein Kennzeichen unsrer Kultur, dass das Mensch, werde wesentlich des Angelus Silesius sie seit Jahrhunderten wie ein roter Faden durchzieht. Er zeigt sich auch in der aktuellen ARD-Themenwoche. Aber letztere ist zu einer lobenswerten Ausnahme geworden, denn so seelisch und geistig flach wie zu Beginn des dritten Jahrtausends hat unser Kulturkreis selten gelebt. 

Das Goldene Kalb lässt grüßen

Ganz offensichtlich hängt das Wohlbefinden der Menschen von den Börsendaten ab. Sie inclusive ifo-Geschöftsklimaindex, die Arbeitslosenzahlen, die Eurokrise, der Wetterbericht und anfallende Katastrophen sind es, was die Menschen bewegt. Und an der Energiewende - Fukushima ist in Europa schon Schnee von gestern - interessiert höchstens noch, dass sie teurer zu werden scheint, als man annehmen wollte, und dass die Konzerne einmal mehr die Gunst der Stunde nutzen, um ihre Gewinne zu multiplizieren.
Und junge Menschen werden immer mehr dazu hingetrieben, dass ein Leben als Star besonders lohnenswert ist. Immer mehr rückt Äußerliches in den Vordergrund; und das Schlimme ist, dass Erwachsene um des Mammon willen Jugendliche in eine falsche Bewusstseinshaltung treiben. – Hauptsache, Quote und Kasse stimmen!
Das goldene Kalb lässt grüßen!

Moralische Instanzen fehlen!

Wie wertvoll wäre es, wenn ein Bundespräsident oder eine Bundeskanzlerin ...

Fortsetzung dieses Post inclusive Anmerkungen zu Mörikes Denk es, o Seele!  hier

Dienstag, 20. November 2012

Eine endlich andere Definition von Wohlstand: Kinder, die gedeihen dürfen, Alte, die nicht vereinsamen müssen ...

In Leben im Goldenen Wind, dem Buch des ehemaligen Topmanagers Professor Erhard Meyer-Galow, macht jener auf die Gedanken des Soziologen und Philosophen Meinhard Miegel, geboren 1939 in Wien, aufmerksam, die auch so sehr meinen entsprechen, dass ich weniges zwar, aber durchaus Interessantes wiedergeben möchte, fordert Miegel doch in seinem Buch Epochenwende eine radikale Neuausrichtung der europäischen Wirtschafts- und Sozialpolitik und damit eine grundlegende Neubestimmung von Wachstum und Wohlstand, mithin eine Abkehr von quantitativem Wachstum, der - so geht es jedenfalls mir -, hört man die Nachrichten, doch fast einzig und allein zum Kriterium unseres Wohlergehens gemacht wird. Man beachte nur, welchen Stellenwert mittlerweile die Börsennachrichten und die täglichen Schalten auf das Börsenparkett einnehmen.
Sklavisch scheinen Öffentlichkeit und Politiker an den Zahlenmündern zu hängen, die halbe oder ganze Prozentpunkte an Wachstum und Fortschritt zu verkünden haben, damit die Nation befreit und leicht atmen kann. Es lebe das Bruttosozialprodukt!

Welch ein Irrtum, wissen wir doch eigentlich, dass zwar jedes 5. Kind in Deutschland übergewichtig ist, aber jedes 4. ohne Frühstück in die Schule muss und 2,5 Millionen Kinder bei uns unter der Armutsgrenze leben. Wir wissen auch, dass Merkel und Co. weiß Gott wenig bis nichts tun, um die zunehmende Armut immer breiterer Bevölkerungsschichten in Deutschland zu verhindern, und das, obwohl längst klar ist, dass der Zug unerbittlich in Richtung Alters-Pyramide fährt.

Die Amerikaner haben ihr Geld in die Kriege in Afghanistan und den Irak investiert; nunmehr wird bei jeder Katastrophe sichtbar, dass ihre Infrastruktur längst kaputt ist und verschwiegen wird, dass diese Nation im Grunde pleite ist; dass dies noch so wenig öffentlich wird, liegt daran, dass die Ratingagenturen von Amerikanern betrieben werden und deren Mitarbeiter offensichtlich noch keine Lust haben, nach China umzuziehen.
Deutschland investiert sein Geld in Griechenland. Das ist besser als in einen Krieg, aber genauso verloren.

Schon bevor dies alles so deutlich kulminierte, forderte Miegel eine kreative, haushälterische Ausschöpfung unserer geistigen, kulturellen und materiellen Ressourcen:

"Nicht sinnleere Expansion, sondern Rückbesinnung auf die Tugenden der Beschränkung und des Ausgleichs ist das Rezept für die stagnierenden westlichen Gesellschaften, wenn sie die Zukunft gewinnen wollen."

Das bedeutet allerdings auch, dass wir andere Leute an der Spitze unserer Staates bräuchten als Merkel und vor allem Schäuble, den Dinosauriern eines veralteten Wohlstandsdenkens. – Meinhard Miegel weiß:

"Wohlstand, das sind künftig Menschen, deren Lebenssinn über das Anhäufen materieller Güter hinausgeht; das sind Kinder, die körperlich und geistig gedeihen können; das sind Alte, die nicht vereinsamen; das sind viele Gebrechliche und Altersdemente, die menschenwürdig leben. Wohlstand, das ist mitmenschlicher Zusammenhalt. Zwar kann und wird das nicht alles sein. Aber ohne diese neue Qualität des Wohlstands sind rapide alternde, zahlenmäßig schwindende und abnehmende dynamische Gesellschaften trotz materiellen Wohlstands arm."

Gott sei Dank, dass dies jemand so klar ausspricht; jedenfalls habe ich es noch nie so klar gehört oder gelesen.

Meyer-Galow zitiert noch aus Miegels neuestem 2010 erschienenen Buch EXIT - Wohlstand ohne Wachstum, und auch diese Gedanken finde ich so wichtig, so wertvoll:

"Eigentlicher, menschenspezifischer Wohlstand – das ist, bewusst zu leben, die Sinne zu nutzen, Zeit für sich und andere zu haben, für Kinder, die Familienangehörigen, Freunde. Eigentlicher, menschenspezifischer Wohlstand – das ist Freude an der Natur, der Kunst, dem Schönen, dem Lernen, das ist gelegentliche Stille, das ist sinnenfroher Genuss, das ist die Fähigkeit des Menschen, mit sich selbst etwas anfangen zu können. Eigentlicher, menschenspezifischer Wohlstand, das ist nicht zuletzt Revitalisierung der spirituell-kulturellen Dimension des Menschen, die durch das Streben nach immer größeren Gütermengen weithin verkümmert ist. Dass er nicht allein vom Brot allein lebt, weiß der Mensch seit langem. Aber die explosionsartige Zunahme von Brot und anderen – mehr oder weniger lebenswichtigen – Gütern hat namentlich in den früh industrialisierten Ländern dieses Wissen nicht selten verschüttet. Dies zu erkennen wird der große Paradigmenwechsel dieses Jahrhunderts sein - oder dieses Jahrhundert wird scheitern."

Samstag, 17. November 2012

"Ich habe Liebe in die Welt gebracht" – Else Lasker-Schülers "Gebet".

Eine faszinierende Frau ist sie immer gewesen, viele haben sie in dem Berlin der Weimarer Zeit gekannt – und doch blieb sie den meisten unbekannt. Zweimal war sie verheiratet und zweimal schied sie sich, zweimal wurde sie von Hitler verbannt, dreimal reiste sie nach Jerusalem, von wo sie, die Jüdin, beim letzten Mal nicht mehr zurückkehren konnte und herz- und heimwehkrank starb, 1945.
Eine Frau, unangepasst und exzentrisch, die an niemandes Tisch sitzen wollte und deshalb - kein Wunder - auch den heute unbekannten Dichter Peter Hille verehrte, ein Obdachloser aus Überzeugung, der seine Werke mit sich herumtrug, um die heute niemand mehr weiß.
Exzentrisch war sie für Menschen auch deshalb, weil sie Liebe lebte und von Liebe sprach, wie es selten in der Literatur zu lesen ist, so in ihrem Gedicht Orgie:

Der Abend küsste geheimnisvoll
Die knospenden Oleander.
Wir spielten und bauten Tempel Apoll
Und taumelten sehnsuchtsvoll
Ineinander.
Und der Nachthimmel goss seinen schwarzen Duft
In die schwellenden Wellen der brütenden Luft,
Und Jahrhunderte sanken
Und reckten sich
Und reihten sich wieder golden empor
Zu sternenverschmiedeten Ranken.
Wir spielten mit dem glücklichsten Glück,
Mit den Früchten des Paradiesmai,
Und im wilden Gold Deines wirren Haars
Sang meine tiefe Sehnsucht
Geschrei,
Wie ein schwarzer Urwaldvogel.
(...) 

Zu ihr gehörte, dass sie das Band der Liebe um die ganze Liebe zu binden suchte, dass sie um die mystische Liebe wusste und die sinnliche genauso in ihren Lieben zu leben suchte. 
Mit Mascha Kaléko teilt sie das Schicksal, das eigene Kind – beiden verstarb ihr Sohn – beerdigt haben zu müssen.

Wenige Frauen, wenige Menschen nur können so überzeugend, tief und ehrlich über Liebe schreiben, zugleich tief und ehrlich beten:



Gebet


Ich suche allerlanden eine Stadt,
Die einen Engel vor der Pforte hat.
Ich trage seinen großen Flügel
Gebrochen schwer am Schulterblatt
Und in der Stirne seinen Stern als Siegel.

Und wandle immer in die Nacht ...

Ich habe Liebe in die Welt gebracht –
Dass blau zu blühen jedes Herz vermag,
Und hab ein Leben müde mich gewacht,
In Gott gehüllt den dunklen Atemschlag.

O Gott, schließ um mich deinen Mantel fest;

Ich weiß, ich bin im Kugelglas der Rest.
Und wenn der letzte Mensch die Welt vergießt,
Du mich nicht wieder aus der Allmacht lässt
Und sich ein neuer Erdball um mich schließt.