Seiten

Sonntag, 12. Februar 2017

"Wir brauchen den Mut zu sagen, was ist." - Warum gerade Steinmeier das hätte nicht sagen dürfen.

Ehrlich, ich finde einfach unglaublich, was unsere spitzen Politiker uns an Falschheit und hohlen Worten zumuten. Ausgerechnet Steinmeier stellt in seiner Dankesrede anlässlich seiner Wahl zum Bundespräsidenten einen solchen Satz in den Mittelpunkt seiner Rede.

Rückblende. Donnerstag, der 2.6. 2016:

Der Bundestag stimmt über eine von Union, der SPD und den Grünen eingebrachten Resolution über die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich vor hundert Jahren ab.

Wer bei der Abstimmung neben der Kanzlerin und dem SPD-Chef Gabriel auf der Regierungsbank fehlt, ist der, in dessen Resort die ganze Angelegenheit fällt: Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier.

Der es übrigens auch nach der Abstimmung, die immerhin  von seiner eigenen Partei mit initiiert worden war, vermied, den Genozid an den Armeniern einen Völkermord zu nennen.

Wahrheit ist wohl zu viel verlangt.

Man muss ja mit Erdogan im Gespräch bleiben. Der Mann ist es wert und wichtiger als ein paar ermordete Armenier.

Dass man diesen mit einem solchen Verhalten nochmal ins Gesicht schlägt, ist wohl okay und angesichts unserer Geschichte ganz besonders nachvollziehbar . . .

Dass aber Steinmeier nun die Chuzpe hat zu sagen:

Wir brauchen den Mut zu sagen, was ist.

Unfassbar.

Ich ertrage sie nicht mehr, diese aalglatten Zeitgeist-Politiker à la Oppermann, Steinmeier, Altmaier, Kauder und wie sie alle heißen.

Hätte sich unter 80 Millionen Deutschen nicht ein Bundespräsident finden lassen, der Rückgrat hat und um den Wert eines wahren Wortes weiß?


Ich habe übrigens Steinmeiers ungewohnt deutliche Trumpkritik - er bezeichnete ihn als "Hassprediger
" - nie als Zeichen von Mut gesehen. Vielmehr glaube ich, dass bei ihm - psychologisch formuliert - ein Schattenaspekt durchgeschlagen hat: Da erlaubt sich einer, immer wieder zu sagen, was er wirklich denkt.

Für Steinmeiner ein rotes Tuch, dass ihn seine ganze so diplomatisch gute Kinderstube vergessen ließ.
Heute bezeichnet er Trump als schwierigen Partner. Offensichtlich merkt er gar nicht, wie beleidigend das ist. Putin darf sich das ja auch an die Brust heften.
 
Was auch immer ihn seine Redenschreiber zukünftig sagen lassen werden: Aus der Tiefe des Raums, wie weiland Günter Netzer es tat, kommt bei Steinmeier für mich nichts. Es ist wie auf den SPD-Parteitagen: Selbst wo er emotional wird, ist es kalkuliert.

Es hat alles dieses Niveau der Postenkungelei à la Berlin: Schiebst Du mir den Bundespräsidenten rüber, schieb ich Dir den Außenminister rüber. 

Gerade den Cicero vom 18.2. zur Versteinmeierung der Politik gelesen:

Steinmeier als Narkosearzt und Produkt Merkelscher Alternativlosigkeit sowie deutscher Konsensdemokratie mit der Aufgabe, sich öffnende Gräben mit allerlei Floskelgeröll zuzuschütten. - Empfehlenswert!

Zitat: "Sein „Lasst uns mutig sein!“klang wie das Pfeifen im dunklen Keller. Was er meinte, war nicht der Mut zum Aufbruch und zur Veränderung, sondern der Mut, ruhig weiterzuschlafen.
 

Keine Kommentare: