Seiten

Donnerstag, 21. Mai 2009

Das Geheimnis um Rumpelstilzchen: Wenn Eltern zu einer Zumutung für ihre Kinder werden ...

Vorab muss ich all die enttäuschen, die ein Geheimnis gelüftet sehen wollen, denn:
Es gibt kein Geheimnis.
Das Wort ge-heim bedeutet eigentlich zum Haus, zu Heim gehörig, vertraut.
Also ist ein Ge-heim-nis gar kein Geheimnis, sondern im Gegenteil: Es ist uns wohl bekannt, gehört zum Heim, zu unserem Heim (so war ein Geheimer Rat früher jemand, der das Vertrauen des Regierenden besaß).
Wer nur hat den Sinn dieses Wortes so verdreht? Ganz heim-lich?
Wenn es keine Geheimnisse gibt, wer hatte ein Interesse, uns weiszumachen, es gäbe sie?
Hatte womöglich etwas in uns Interesse daran?
Etwas, das wir das Rumpelstilzchen in uns nennen können?
Wie kam es und kommt es, dass es Rumpelstilzchen gibt, ein Wesen also, dass, als die Müllerstochter Königin geworden ist, für seine Rettungsaktion deren Kind als Tribut verlangt?
Ging nicht in Wirklichkeit alles von dieser Energie aus, die mehr darstellen wollte, als sie in Wahrheit war?

Im Märchen vom
Rumpelstilzchen ist es der Müller, der Vater, der vor dem König mit der Fähigkeit der Tochter angibt, die sie nicht hat, nämlich Stroh zu Gold zu spinnen.
Warum wollte er sich so aufplustern?
Spürte er, dass seinem Dasein etwas Wesentliches fehlte und wollte er es auf diese falsche Weise kompensieren?
Wollte er vor dem König mehr scheinen als sein?
So muss es gewesen sein.
Dafür missbrauchte er seine Tochter.
Indem er seiner Tochter die Fähigkeit, Gold zu spinnen, anlog, wollte in Wirklichkeit er auf die Goldstufe - und koste es das Leben seines Kindes.

Sie musste die Zeche zahlen, indem Rumpelstilzchen, das ihr dreimal aus der Patsche half, beim dritten Mal ihr Kind einforderte - wer das Märchen nicht mehr kennt, mag es hier nachlesen.
Die Zeche also für den Vater, der mehr scheinen will, als er wirklich ist, muss die Tochter zahlen, so wie unsere Kinder die Zeche der Elterngeneration zahlen müssen, die mehr scheinen will, als sie wirklich ist und Schulden auf Schulden produziert, denn:
Die Bankmanager, auf die wir so schimpfen (wir sollten nicht alle in einen Topf werfen!), das sind auch wir, das ist auch ein Teil von uns.
Im Grunde produzieren wir als Gesellschaft Schulden, die nicht einmal unsere Kinder werden zahlen können.
Und produzieren wir nicht Energie und Lebensmittel mit Hilfe von Verfahren, die die Last auf die Kinder abschiebt? - Wer entsorgt die Zwischen- und Endlager der atomaren Rückstände? - Doch die Kinder!
Wer entsorgt die nicht bekannten Folgeerscheinungen der gentechnisch veränderten Lebensmittel? - Die Kinder!
Schließlich haben wir keine Kenntnisse über die Folgen der gentechnisch veränderten Lebensmittel. Aber wir muten sie auf jeden Fall mal den Kindern zu.
Wer entsorgt den Schrott, den wir binnen weniger Jahre im Weltraum produziert haben und der schon jetzt eine nicht unerhebliche Gefahr für die bemannte Raumfahrt darstellt? - Klar doch, wer schon ...

Im Grunde sind wir eine große Zumutung für unsere Kinder.

Der Königin im Märchen hätte dieses Gebaren, dass diese Väter namens Müller und Co. etwas sagen und tun, wofür sie keine Verantwortung übernehmen, um ein Haar ihr Kind gekostet, als sie Königin geworden war. Und Kinder stehen für Zukunft.
Ihrem überspannten Vater hatte es ja die Tochter und junge Königin zu verdanken, dass sie sich auf die Forderungen von Rumpelstilzchen hatte einlassen müssen.

Auffallend ist, dass viele Menschen das Rumpelstilzchen für böse erachten, doch es kam freiwillig und als Helfer in der Not. Der Vater, die Väter kommen ungeschoren davon.

So ein einfacher Müller, was kann der schon dafür ...
Nur: Er war gerissen genug, sich auf Kosten seiner Tochter vor dem König zu inszenieren!
Zum Abschluss noch ein Wort zu
Rumpelstilzchen:
Gäbe es dieses angeblich böse Wesen nicht, hätte schon die Tochter des Müllers nicht überlebt, denn der König drohte ihr mit dem Tod, wenn sie die nächtliche Aufgabe nicht erfülle; dann hätte sie erst gar kein Kind zur Welt bringen können ...
Und noch etwas: Das Rumpelstilzchen kennt etwas, was vielen Menschen fremd ist: Es hat Mitleid; deshalb gewährt es der Müllerstochter, als sie Königin ist und es ihr Kind holen will, noch drei Tage Zeit, damit sie seinen Namen finden könne.
Ist es nur hochmütig und auf falsche Weise selbstsicher, oder liegt es in Wirklichkeit in seinem Wesen, sich im Grunde selbst zu opfern für den Menschen, der alles tut für sein Kind - und damit auch
für sein inneres Kind?
Übrigens: In der ersten Fassung der Märchensammlung der Gebrüder Grimm, der
Oelenberger Handschrift von 1810 ist das Ende noch anders; da erschrickt das "Rumpenstünzchen" und fliegt davon ... hm ... so bös ist es ja offensichtlich wirklich nicht ...
Vielleicht fliegt es, wie Marry Popins, einfach dann weiter, immer zu dem, der Hilfe braucht ... wer weiß ...

Womöglich ist es die wichtigste Aufgabe von Rumpelstilzchen, uns bewusst werden zu lassen,
wie gefährlich diese Müller sind ...
Dann wäre sein Geheimnis wirklich etwas, was zu uns gehört, was uns eigentlich vertraut ist;

wir müssten uns eben nur zumuten zu handeln, damit diese Müller nicht weiterhin die Zukunft ihrer Kinder verleben ... !

Keine Kommentare: