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Dienstag, 23. Januar 2024

Die Zeit der Rotkäppchen-Mutterenergie ist vorbei!

Wir wissen, dass jede Zeit bestimmte Energien hervorbringt, denken wir nur an die Zeit des Vormärz, die Zeit - in der ein Heinrich Heine lebte und ein Turnvater Jahn, die Zeit also vor der 1848er Märzrevolution in Deutschland - und welche Energie der Wandlung damals vorhanden war, die jene der französischen Revolution nach einer Zeit der Restauration wieder aufnehmen wollte und es auf vielen Feldern auch tat (Wartburgfest, Zollunion, Paulskirche … ) .

Auch heute haben wir wieder eine Energie der Wandlung, aber sie hat sich, was ihre spirituelle Bedeutsamkeit betrifft, mehr ins Innere der Menschen verlagert. Wir erleben einen Wandel im Verhältnis der Männer zu ihrer Männlichkeit und der Frauen zu ihrer Weiblichkeit. Und da die Geschlechter ja im Innern das andere Geschlecht noch zum Teil fast verschämt verborgen tragen, ist das Weibliche auch in mir als Mann vorhanden. Wenn es durch ein Seelentier gespiegelt wird, dann ist es - bei mir ist es jedenfalls so - ein Reh. Jäger und Menschen schauen meistens bekanntlich fast automatisch auf den röhrenden Hirsch, der sich doch im Grunde in seiner ganzen Verwundbarkeit zeigt, wenn er stolz aus dem Wald tritt.
Das Reh tritt ganz unauffällig aus dem Wald und weiß intuitiv, was auf den Feldern sich abspielt und kann die andern warnen oder kann ein Zeichen geben, das alles in Ordnung ist; und das ganz unauffällig, doch wie achtsam! Wo Männer gern eine Show inszenieren, im Zweifel einen Krieg, handelt die weibliche Energie gern im Stillen; es entspricht ihrem Wesen, wenn dies auch heute schwerer erkennbar ist, da das untere Ende der Weiblichkeit zunehmend vulgärer wird und verroht.

Wie mit dem Wolf umgehen?

Wir wissen, wenn eine Energie über ihre Zeit hinaus am Leben gehalten wird, dann besteht die Gefahr, dass sie toxisch wirkt; vielleicht sichert sie im Außen noch Wohl-Stand ab, aber es ist eben ein Stand, der steht, sich nicht mehr bewegt, seelisch nicht, und das - wir wissen es - führt zu Krankheit und Demenz. Es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen Wohl-Stand und Wohl-(Er)Gehen.

Deshalb ist es so wichtig, zu erkennen, was es mit der Mutterenergie im Rotkäppchen-Märchen auf sich hat.

Die Mutter gibt Rotkäppchen mit auf den Weg: Mach dich auf, bevor es heiß wird, und wenn du hinauskommst, so geh hübsch sittsam und lauf nicht vom Wege ab, sonst fällst du und zerbrichst das Glas, und die Großmutter hat nichts.

Vor dem Wolf scheint die Mutter ihre Tochter nicht gewarnt zu haben; dennoch weiß Rotkäppchen, dass das Tier, dem es begegnet, ein Wolf ist, spricht es ihn doch mit „Wolf“ an, als er auftaucht. 
Letzterer frisst Rotkäppchen nicht gleich.
Das Raubtier braucht Zeit, um seinen Fress-Plan umzusetzen und sich im Haus der Großmutter einzuquartieren. Auffallend ist, dass ihm kindgemäßes Denken und Fühlen vertraut ist, fast mehr, will es scheinen, als der Mutter:

"Rotkäppchen, sieh einmal die schönen Blumen, die ringsumher stehen. Warum guckst du dich nicht um? Ich glaube, du hörst gar nicht, wie die Vöglein so lieblich singen? Du gehst ja für dich hin, als wenn du zur Schule gingst, und ist so lustig haussen in dem Wald.“

Es ist nicht der Punkt, dass Rotkäppchen auf den Wolf hereinfällt; der Punkt ist, dass die Mutter nicht berücksichtigt, wie ihr Kind tickt, was also im Grunde fast jedes Kindes Fühlen und Empfinden und Auf-die-Welt-Zugehen ausmacht - und eines jeden Menschen, der noch etwas Kind in sich bewahrt hat.

Natürlich verbirgt sich, wenn man auf eine übergeordnete Verständnisebene geht, hinter den Blumen, den Wiesen und dem Wald ein Hinweis auf die Möglichkeiten, die unser Leben als Menschen beinhaltet.

Im Wikipedia-Artikel zu Rotkäppchen finden wir in Kürze vier Interpretationsansätze, die ich hier wiedergebe, die allerdings meiner Ansicht nach am Sinn des Märchens vollkommen vorbeigehen; es sind typisch männlich-intellektuelle Kopfgeburten. Es heißt dort: 
Das Märchen vom Rotkäppchen und dem bösen Wolf kann so interpretiert werden, dass es junge Mädchen vor Übergriffen gewalttätiger Männer warnen soll. Die Moral am Ende des Märchens in der Fassung von Perrault lautet:

„Kinder, insbesondere attraktive, wohlerzogene junge Damen, sollten niemals mit Fremden reden, da sie in diesem Fall sehr wohl die Mahlzeit für einen Wolf abgeben könnten. Ich sage „Wolf“, aber es gibt da verschiedene Arten von Wölfen. Da gibt es solche, die auf charmante, ruhige, höfliche, bescheidene, gefällige und herzliche Art jungen Frauen zu Hause und auf der Straße hinterherlaufen. Und unglückseligerweise sind es gerade diese Wölfe, welche die gefährlichsten von allen sind.“  (…)

Nach dem Psychoanalytiker Bruno Bettelheim geht es in diesem Märchen um den Widerspruch zwischen Lust- und Realitätsprinzip. Rotkäppchen sei einem Kind gleich, das sich bereits mit Pubertätsproblemen herumschlägt, aber die ödipalen Konflikte nicht bewältigt hat. Es benutzt seine Sinne. Damit entsteht das Risiko, verführt zu werden. Anders als bei Hänsel und Gretel, wo ebenfalls Haus und Waldhaus identisch sind, sind Mutter und Großmutter hier zur Bedeutungslosigkeit zusammengeschrumpft, dafür das männliche Prinzip in Wolf und Jäger gespalten.

Für den Psychiater Wolfdietrich Siegmund ermutigt das Märchen zum Durchhalten, wo man sich nicht selbst befreien kann, obwohl man nicht schuld ist. Das sei für depressive Menschen wichtig. Fragwürdig sei, wenn Rotkäppchen in einer modernen Fassung ein Messer dabei hat und von innen den Bauch aufschneidet. 

Die vielen Ebenen der Astralwelt 

Aus seelisch-geistiger Sicht bezieht sich der Weg, den Rotkäppchen geht, auf unseren Lebensweg, und was rechts und links vom Weg sich findet, ist das, was sich uns an Schönheit, Sinnfälligkeit und Lebensgenuss anbietet. Man muss, ja darf es per se nicht negativ sehen, die Schönheiten und Annehmlichkeiten des Lebens sind auch für seelisch und geistig aufgeschlossene Menschen nicht dazu da, als Gegner betrachtet zu werden. Wir wandern in den Bergen, wir gehen gemütlich mit Freunden essen, wir fahren auf dem Jahrmarkt Karussell, schlendern über den Weihnachtsmarkt, machen eine Dampferfahrt auf dem Rhein, grüßen die Loreley. Was wir mit den Sinnen beispielsweise in der Natur erleben, was uns an Materiellem und Physischem gefällt und in uns Freude und Lust auslöst, wird erst dann fragwürdig, wenn Menschen von einem Event zum anderen hecheln, wenn wir nie innehalten, wenn wir nicht lernen wollen, dass wir nicht unbedingt sind, was wir denken, dass wir nicht unbedingt sind, was wir fühlen, sondern dass tief in uns ein Etwas eine Sprache spricht, die wir hören, wenn wir die Türe einer Kirche oder Kapelle öffnen, von innen schließen und bemerken, dass die Geräusche des Tages, des Alltages nur wie von Ferne oder gar nicht mehr an unser Ohr dringen. Vor allem, wenn wir das immer wieder tun, also in unsere eigene innere Kapelle gehen, melden sich Regionen der Seele in uns, die den meisten Menschen womöglich ein Leben lang verborgen bleiben. In unserer inneren Kapelle lernen wir auf Farben, Licht, Töne, Laute und ungewohnte Äußerungen zu achten. Wir sind in der Nähe einer Welt oder bereits in ihr, die man auch als astrale Welt bezeichnet, in christlich-mystischen Begrifflichkeiten sprechen wir von der Ebene des Heiligen Geistes.

Die Astralwelt ist zweigeteilt, wobei die Übergänge fließend sind und sie sich damit als ausgesprochen vielschichtig erweist.

Die niedere Ebene kennen wir in der Literatur aus Fausts Wanderschaft über den Brocken in der Walpurgisnacht, als er Hexen und diversen anderen Wesen begegnet, schlussendlich auch der vorweggenommenen Realität eines toten Gretchen. Wir finden diese Ebene ebenso in Richard Wagners „Tannhäuser“, als jener sich im Venusberg befindet und nur durch marianisches Bewusstsein - Tannhäuser zur Venus, die ihn klammern will:„Mein Heil liegt in Maria“ - herausgelangt, oder finden sie in Joseph von Eichendorffs Novelle „Marmorbild“ in der nächtlichen Begegnung Florios mit der Venus - auch dort heißt sie so. 
Wenn in der Schöpfungsgeschichte der Bibel die oberen Wasser sich von den unteren trennen, dann wird hingewiesen auf diese beiden Ebenen - Faust spricht von den zwei Seelen in der Brust -, und in der spirituellen Entwicklung eines Menschen ist es notwendig, dass ihm bewusst wird, wie sehr die niedere Ebene Menschen einbinden, ja fesseln kann, wie sehr aber auch die höhere Ebene den Menschen befreien kann von Süchten, Abhängigkeiten, Trieben und Verflechtungen, die seine Seele einseitig und damit in negativer Weise an Materielles und Physisches binden, an sein Denken und seine Gefühle und damit an die meist unreflektierte Annahme, das alles sei wirklich sein wahres Wesen.

Die eigentliche Astralwelt erleben wir im Schlaf, wenn Astralleib und Ich des Menschen den Körper verlassen; manche Menschen können dies aus dem Tagesbewusstsein heraus tun, manche tun es mit Hilfe von Mitteln, seien es früher die berühmten Hexensalben oder heute Drogen - wobei die eigentliche Gefahr von letzteren nicht unbedingt in einer körperlichen Abhängigkeit besteht, sondern in dem Einfluss astraler Wesenheiten, für die sich die Seele durch Drogen unkontrolliert öffnet.

Tagsüber sind wir dieser Welt ausgesetzt, in der Regel ohne es zu merken. Es kann unser Ziel sein, ihren Einfluss im Laufe unserer Entwicklung immer mehr wahrzunehmen, etwa in der Tatsache, dass wir merken, dass etwas in uns denkt, in uns fühlt, etwas unseren Willen beeinflusst, was nicht unbedingt uns entspricht, vor allem, wenn uns niedere astrale Wesenheiten in Beschlag genommen haben, was, wenn man sich in der Gesellschaft und auf der Welt umschaut, leider häufig der Fall ist - Leid und Schmerz, ja Tod sind der Preis für diese Abhängigkeiten.

Im Märchen ist in der Regel der Aufenthalt im Wald Symbol für den Aufenthalt im Raum dieser niederen Astralwelt. Wer wie im Märchen die Bedeutung des Hexenhauses erkennt und den Einfluss der Hexe, der lernt, mit diesen Kräften umzugehen. Es ist ein gewaltiger Fortschritt, der Gretchen gelingt, als es die Hexe ins Feuer stößt - und diese im Übrigen damit einer notwendigen Läuterung zu"führt".

Das darf Ziel einer Erziehung sein, dass Kinder sich nicht vor dem Wald fürchten, sondern dass sie ohne Angst lernen, mit seinen Gefahren umzugehen, mit Wölfen und Räubern, denn dann stehen ihnen zugleich sehr bewusst deren Energien und die Stille und der Frieden des Waldes als Kraftquelle zur Verfügung.

Wenn es am Schluss im Märchen heißt:

Rotkäppchen aber dachte: Du willst dein Lebtag nicht wieder allein vom Wege ab in den Wald laufen, wenn dir's die Mutter verboten hat.

dann bedarf es entweder ein Leben lang einer Mutterenergie, die hinter ihm steht und Anweisungen gibt und Abhängigkeit von dieser und Unfreiheit impliziert, oder es geht womöglich ein Leben lang auf keine Wiese, in keinen Wald - in früheren Zeiten dann gern auch ins Kloster (wo diese Energien genauso wirken, gegebenenfalls viel qualvoller). 

Die Kenntnis und Differenzierung in Bezug auf Luzifer und Satan/Ahriman sind wertvoll

Als Erwachsene führen wir Kinder an diese Realität heran, wobei Kinder ohnehin recht schnell lernen, dass am Wegesrand nicht nur Blumen und Gras wachsen, sondern auch Dreck und Vergiftetes herumliegen kann. Und ja, es gibt Energien, die den Menschen nach unten ziehen, es gibt einen Wolf und es gibt etwas, was das menschliche Leben in seiner Grundsubstanz angreift: aus seelisch-geistiger Sicht nennen wir diese Energien Luzifer und Satan. Es sind die Kräfte, die uns am Ende des Lebens für eine lange Zeit im Jenseits und während des Lebens schon sukzessive auffressen wollen. Goethe hat diese Kräfte in seinem „Faust“ in der Gestalt des Mephistopheles erfasst. Die meisten Christen sprechen pauschal vom Teufel oder vom Satan oder dem Versucher, der Schlange. Aber es gibt eine Sichtweise, die differenziert zwischen der Schlange, also Luzifer, und dem Satan. Die bestausformulierteste und durchdachteste Differenzierung findet sich meines Erachtens im Werk Rudolf Steiners; ich erinnere mich, dass ich vor zwei, drei Jahrzehnten die weitere Lektüre seiner Schriften storniert habe, weil mir auf den Keks ging, dass dauernd vor allem von Ahriman die Rede war (jedenfalls kam es mir so vor), also dem christlichen Satan. Mittlerweile bin ich dankbar für all die entsprechenden Informationen, denn obwohl ich in superchristlichem Umfeld erzogen worden bin, ist doch dort vieles im Unklaren und weder gibt es eine Klarheit in Bezug auf den Zusammenhang von Jesus und Christus noch eine Differenzierung in Bezug auf Luzifer und Satan/Ahriman.

Wenn es gutgeht, erkennt der Mensch, warum es auf Golgatha drei Kreuze gibt: Ahriman - Christus - Luzifer

Der Psalmist, König David, begegnet zwei dieser drei Kreuze im 23. Psalm im finsteren Tal. Odysseus begegnet ihnen zwischen Skylla und Charybde und es ist kein Zufall, dass in der herausragenden Mythe des Christentums der Name des Helden übersetzt lautet: Durchdringe das Tal! Die Rede ist von Parzival.

Wir können durch Täler gehen und links und rechts erheben sich sanfte Hügel und Berge. Es kann aber genauso auch sein, dass sich die Felsen links und rechts auftürmen und sich fast über dem Talweg aufzuwölben scheinen, ihn überwölben; kaum ein Licht dringt mehr herein. Ein Hiob, ein Parzival, Fausts Margarete, vielleicht Du und ich haben diese Situationen durchlebt, wie sie auch Jesus erlebte. In unseren Leben kommen wir an Gethsemane nicht vorbei, auch unsere Kinder, die wir erziehen, nicht. Oft sind es gerade Menschen, die auf diesem Weg weit fortgeschritten sind, die von links und rechts, von Luzifer oder Satan/Ahriman, gegebenenfalls von beiden gleichzeitig, attackiert werden. 
In der Erziehung unserer Kinder gilt es, sie auf den richtigen Umgang mit Luzifer beziehungsweise Satan/Ahriman vorzubereiten, nicht durch Verbote beziehungsweise durch Hinweise, die sie auf dem Weg gehen lassen wollen wie einen Seiltänzer auf dem Seil, der stur und stramm nach vorne gehen soll, weil er nicht gelernt hat, Wind und Ungleichgewichte auszupendeln - sein Absturz ist sicher. 
Nur wer gegebenenfalls auf Einflüsse reagiert (und nicht tut, als ob es sie nicht gäbe), kann immer wieder auch schwankend dennoch sicher gehen, kann diesen Weg siegreich bewältigen.

Es ist die Aufgabe von uns Eltern, unsere Kinder auf die Angriffe von links und rechts vorzubereiten, aber nicht durch Verbote, sondern durch wertvolle Hinweise, die sich aus den alltäglichen Situationen des Lebens meist wie von selbst ergeben. Eltern, die diesen Weg selbst gehen, sind meist gut gerüstet.

Steiner sagt dazu:
So ist eigentlich in unserem Kosmos, in den wir hineinverwoben sind als Menschen, ein Kampf vorhanden zwischen den fortwährend nach Freiheit, nach universeller Freiheit strebenden luziferischen Wesenheiten, und den nach einer immerwährenden Macht und Kraft strebenden ahrimanischen Wesenheiten. Dieser Kampf, in dem wir drinnen stehen, durchdringt alles. Das bitte ich Sie als die zweite für unsere weitere Betrachtung wichtige Idee festzuhalten. Die Welt, in der wir drinnenstehen, ist durchdrungen von luziferischen und ahrimanischen Wesenheiten, und es besteht dieser gewaltige Gegensatz zwischen der befreienden Tendenz der luziferischen Wesenheiten und der nach Macht strebenden Tendenz der ahrimanischen Wesenheiten.
Die luziferische Tendenz zur Freiheit ist allerdings eine Freiheit ohne Christus, ist oft eine selbstverliebte Freiheit, oft und - wenn es nach Luzifer geht - gern hochgeistig; aber der Prüfstein ist das Bewusstsein unserer Zeit, das Christusbewusstsein, und wer nicht weiß, wodurch es sich auszeichnet, der versuche, den Beginn des Johannes-Evangeliums zu verstehen, die Bergpredigt und auch die Worte des Paulus über die Liebe, der versuche zu verstehen, warum der verlorene Sohn umkehrt, warum Menschen, wie im Neuen Testament berichtet, auf Bäume klettern, um Jesus zu sehen.

Ich kenne zu wenig die anthroposophisch-pädagogische Literatur, um zu wissen, ob es Bücher gibt, die hilfreiche Hinweise vermitteln, wie beispielsweise ahrimanische Kräfte wirken, die darauf aus sind, gerade Kinder und Jugendliche auf Materielles fixiert sein zu lassen, sei es Geld, Ausstattungen jedweder Art, Smartphonesucht, vor allem auf den Körper fixierte Sexualität, oder luziferische, die den Intellekt überbetonen und Wissen und/oder ein Leben zu führen, dass in Esoterik steckenbleibt oder auf falsche Weise Gutsein zum hohen Ziel macht - wie gesagt, in Bezug auf die entsprechende Literatur kenne ich mich nicht aus. 

Vorsicht vor der Sorge!  

Für mich bedeutet es eine neue Ebene der Erziehung, wenn es Eltern gelingt, ihre Kinder auf aufgeschlossen liebevolle Weise mit Luzifer und Ahriman vertraut zu machen. 
Wertvoller als alle Worte ist dabei der eigene bewusste Umgang; Kinder und Jugendliche werden von ihm mehr beeinflusst als durch Worte.

Immer wieder nehme ich gerade unter esoterisch aufgeschlossen sein wollenden Menschen wahr, wie sie Entwicklungen gegenüberstehen:
Natürlich kann beispielsweise künstliche Intelligenz in hohem Maße die Seelen der Menschen gefährden, indem sie ihr gleichsam den Status eines Seelenpartners zugestehen und sie nicht als Produkt ahrimanischer Verführungskunst durchschauen. 
Doch ist ein sorgenvoller Umgang der falsche Weg und es ist kein Zufall, dass es am Ende des "Faust" ausgerechnet der Sorge gelingt, das Haus von Faust zu betreten. 
Sorge ist ein Energieräuber und raubt der Seele Wasser.
Ein angemessener Umgang kann beispielsweise sein, sich augenzwinkernd bei Ahriman zu bedanken für die Entwicklung dieser Intelligenz, die fallweise unseren Alltag erleichtern wird. Wir bewegen uns ja ständig in luziferischen Bereichen und auf ahrimanischen Feldern, nichts wird aber beispielsweise Ahriman mehr nerven, als wenn seelisch geistig aufgeschlossene Menschen seine Produktivität nutzen, um sich den Lebensweg zu erleichtern, ohne an seiner geistigen Klebe hängen zu bleiben.

Steiner hat im Übrigen wiederholt darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig Humor in der Erziehung, für das Lernen und überhaupt ihm Zusammenleben der Menschen ist. Er spricht nicht von Erziehungswissenschaft, sondern von Erziehungskunst und hat in der GA 301 (https://lmy.de/JmSs) sich ausführlich beispielsweise auseinandergesetzt mit der Bedeutung des Rhythmus und des kindlichen Spiels im Rahmen dieser Kunst. Wer sie ernst nimmt und zugleich spielerisch mit ihr umgeht, ist als Vater bzw. Mutter Künstler! Nie ist man ein fertiger Künstler. Wir sind immer auf dem Weg, berufen, uns gegenseitig zu unterstützen. 

Herzeloyd muss nicht sein

Im Parzival-Versroman von Wolfram von Eschenbach finden wir die Mutter-Problematik, die hier angesprochen ist, in einer ganz besonderen Variante vor:

Herzeloyde, Herzeleide - im „Parzival“ Wolfram von Eschenbachs haben Namen sehr oft eine hinweisende Bedeutung – hat ihren Mann, der fern der Heimat kämpfte, verloren und will dieses Schicksal ihrem Sohn ersparen, mithin natürlich auch sich selbst (diesen Aspekt eines verkappten mütterlichen Egoismus lassen wir hier beiseite). Sie lebt zurückgezogen mit ihrem Sohn im Wald, kann aber nicht verhindern, dass dieser eines Tages Rittern hoch zu Ross begegnet und glaubt, sie seien Gott. Als er hört, sie kämen von Artus, will er unbedingt zu jenem und zieht los, die Mutter kann ihn nicht aufhalten; mit gibt sie ihm Verhaltenshinweise im Stil der Rotkäppchenmutter, die Parzival und mit ihm beteiligte Personen in ziemlich großes Unglück stürzen werden.

Keine Mutter kann ihrem Kind die Gefahren, die rechts und links vom Weg lauern, ersparen beziehungsweise verhindern, dass jene Wolfskräfte entfalten. Der Weg, den wir gehen, kann im besten Fall der Weg eines Bewusstseins sein, das der derzeitigen Entwicklungsstufe unserer Menschheit angemessen ist: es ist das Christusbewusstsein. Deshalb sagt Christus: „Ich bin der Weg“. 

Aber so wie das Kreuz nicht alleine auf Golgatha steht, sondern rechts und links von ihm die Kreuze, die die ahrimanische und luziferische Energie repräsentieren, so finden sich rechts und links vom Weg Wald und Wiesen, und wohl dem, der gelernt hat, die Wölfe zu entdecken, die sich dort, oft sehr gut getarnt, verborgen halten; manchmal haben sie Kleider der Großmutter an, manchmal sehen sie aus wie Totto-Lotto-Scheine, manchmal sind es sexuelle Energien, frei von Liebe und mithin belastet mit einem hohen seelischen Vernichtungspotenzial. 

"Du musst ..." - "du sollst": oft repräsentieren diese Modalverben ungute Elternenergien

Wir sehen auf eine Zeit zurück, in der es eine Erziehung gab à la Rotkäppchen: Du sollst nicht … du sollst nicht … du sollst nicht …

Die Energie eines neuen Bewusstseins, das für mich das Christus-bewusstsein darstellt, spricht nicht von Verboten, sondern fordert uns auf: Lasst uns gemeinsam …

Lasst uns gemeinsam mit unseren Kindern …
Lasst uns gemeinsam mit den Gefährten unseres Lebens …
Lasst uns gemeinsam mit wachen, bewusstseinsfreudigen Sinnen und zunehmend reinem Herzen den Weg gehen, ohne Angst vor Wiesen und Wäldern und Wölfen und Drachen und sogenannten Hexen.

Lasst uns gemeinsam mit unseren Kindern Liebe lernen, Leben lernen und Liebe leben. Dazu ist der Weg da, auf dem wir auch als Rotkäppchen gehen und gespannt sein dürfen, in welcher Gestalt der Wolf das nächste Mal auftaucht …

Mittwoch, 29. November 2023

Brüder Grimm: „Der Gevatter Tod“ - ein noch weitgehend unverstandenes Märchen

Inhaltlich haut einen das Märchen nicht gerade vom Hocker, man möchte die Handlung fast als etwas trivial bezeichnen und sich auch fragen: dieser Schluss, ist der ein Märchen wert, eines Märchens würdig?

Im Original findest Du das Märchen hier ( https://lmy.de/IHOo ) und zusammenfassen lässt sich der Inhalt so:

Verzweifelt rennt ein armer Mann auf die Straße und sucht für sein 13. Kind nach einem Gevatter (heute versteht man darunter einen Paten). Er begegnet Gott, doch als der sich als eben jener outet, lehnt er ihn als Gevatter ab, ebenso wie den Teufel, auf den er anschließend trifft. Über die Gründe der Ablehnung kann man gewiss streiten, sonderlich originell sind sie nicht.
Alle guten Dinge sind drei, er begegnet dem Tod, und dessen Begründung, dass er alle gleich mache, überzeugt den armen Familienvater, in jenem den richtigen Gevatter gefunden zu haben.
Für den Rest des Märchens verschwindet im Übrigen unser Armer von der Bildfläche; der Tod macht sich nämlich an dessen Kind heran, wohl liebt er, wie wir es von Mephistopheles in Goethes „Faust“ wissen, die vollen, frischen Wangen („für einen Leichnam bin ich nicht zu Haus“). Er verspricht dem jungen Erwachsenen, ihn zu einem berühmten Arzt zu machen, und das einzige ist, jener muss sich an seine Bedingungen halten.
Wie kaum anders zu erwarten: der Mann scheitert an den Bedingungen, u.a., weil er den Tod glaubt austricksen zu können. Letzterer ist sogar noch so großzügig und lässt ihn fürs erste leben, doch als der Sohn beim zweiten Mal die Bedingung übertritt, kassiert der Tod sein Leben.

Leider habe ich keine Interpretation zu diesem Märchen gefunden, leider auch nicht bei dem bekannten anthroposophischen Märchendeuter Rudolf Geiger, mich hätte doch zu sehr interessiert, wie aus diesem Märchen ein tiefer Sinn herauszuholen ist. Dass der Tod im Leben und über das Leben siegt: dafür ein Märchen zu schreiben lohnt sich doch wirklich nicht. Vielleicht mag etwas erstaunlich sein, dass der arme Mann Gott als Gevatter ablehnt, zumal seine Begründung doch etwas nebulös daherkommt. Aber in der Beziehung zwischen Gott und Mensch ist man Nebulöses gewohnt.

Märchen sind ja nicht vom Volk geschrieben, wie man immer zu sagen pflegt, in Wirklichkeit sind sie rosenkreuzerischen Ursprungs oder verfasst von Eingeweihten bzw. Seelen, die auf diesem Weg unterwegs waren. Manchmal ist jedes Wort in einem Märchen wichtig, und dass ein Volk diese Märchen zusammengebastelt habe und dennoch jedes Wort wichtig sein soll - wer’s glauben mag, soll’s glauben.
Ich weiß nicht, ob der Verfasser dieses Märchens meinem Verständnis zustimmen würde, aber im Rahmen meines Blickes auf dieses Märchen erkenne ich - entgegen dem ersten Augenschein - einen tiefen Sinn. Er ergibt sich aus der Tatsache, dass - öfter als wir ahnen, wenn von Gott die Rede ist - ungewollt nicht Gott das eigentliche Ziel der spirituellen Begierde ist, sondern Luzifer, die alttestamentarische Schlange (mehr zu Luzifer hier: https://lmy.de/JLEk )
Vergleichbares gilt für den Fall, dass Himmel und Hölle angesprochenn sind: dann bezieht sich der Himmel nicht auf Gott - der unerschaffene Gott kennt keinen Gegensatz -, sondern auf Luzifer.
Luzifer ist jene Wesenheit, die unter jenen, die Golgatha nicht verstanden haben oder nicht verstehen wollen, absahnt und sie ganz stolz in seinem Zug der Weisheit, seines Lichts - Luzifer bedeutet übersetzt „Lichtträger“ - das ohne Liebe ist, mitlaufen lässt; darunter gibt es viele esoterische oder auch spirituelle Menschen, die unglaublich geistvoll reden können; doch sie stehen einer bekannten Zahnpastamarke näher als Golgatha.
Gott wird oft also mit Luzifer verwechselt; es gibt allerdings hier noch einen weiteren Aspekt und ich teile die Ansicht Rudolf Steiners, dass viele Menschen, die Gott ansprechen, im Grunde mit ihrem Engel oder ihrer letzten Devachangestalt sprechen, jener Gestalt also, die sie sind, bevor sie ihre nächste Lebensreise antreten: in Letzterem Fall also würden sie im Grunde mit sich selbst sprechen.
Ein Paradebeispiel dafür ist Rainer Maria Rilke mit seinen Zeilen aus seinem „Buch vom mönchischen Leben“, wir lesen dort:

Du, Nachbar Gott, wenn ich dich manchesmal
in langer Nacht mit hartem Klopfen störe, -
so ists, weil ich dich selten atmen höre
und weiß: Du bist allein im Saal.

In Wahrheit spricht Rilke im Grunde mit sich selbst.
Jemand könnte denken, dass das doch besser sei, als auf Luzifer hereinzufallen; ich bin mir allerdings nicht sicher, ob die Selbsttäuschung nicht viel langanhaltender sein könnte.

Die Hölle und damit Ahriman - in der Geisteswissenschaft Steiners entspricht er dem Satan des Christentums - aber ist jene im Übrigen höchst intelligente Wesenheit, die den Menschen an die Erde bindet und dessen Bewusstsein im Materiellen und Physischen steckenbleiben lässt. Zur Zeit versuchen einige Menschen mit Hilfe künstlicher Intelligenz u.a, Leben zu verlängern, ja, dem Tod womöglich ein Schnippchen schlagen zu können. - Satan/Ahriman amüsiert das köstlich.
Soweit vorläufig zu dem angesprochenen Dualismus von Himmel und Hölle; später mehr dazu.

Sehr viel habe ich im Rahmen meines Studiums der ein oder anderen Schrift Rudolf Steiners gelernt von jener Episode, die jener in der GA 148, seinem so genannten Fünften Evangelium wiedergibt, als er schildert, dass Jesus beim Durchschreiten eines Stadttores einer Essäerstadt wahrnimmt, wie Ahriman und Luzifer, die er immer an dem Stadttor gesehen hat, nie aber in der Stadt, von den Stadtmauern fliehen und ihm wird bewusst, dass die Essäer, indem sie die beiden vertreiben, dies auf Kosten der anderen Menschen tun, die diesen beiden umso mehr ausgesetzt sind. Auf diese Weise wollen Essäer und manche Menschen heilig werden. Es sind die Säulenheiligen und Yogis, die ein Leben lang einen Meter über der Erde schweben und glauben, dem Himmelreich nahe zu sein, jene Esoteriker, für die immer alles gut ist, weil sie in Wirklichkeit der Realität des Gegenteils ausweichen.
Jesus erkannte damals, dass genau das, das Aussperren des sogenannten Bösen, nicht sein Weg ist. Menschen, die sich für das Göttliche qualifizieren, die zurück in die wahre Heimat wollen, erreichen eine für uns noch kaum vorstellbare Bewusstseinstiefe durch die Auseinandersetzung mit den Machenschaften Luzifers und Satans/Ahrimans, und indem sie letztendlich beide in sich erlösen.
Mich persönlich haben die Ausführungen Steiners überzeugt, und natürlich muss jeder für selbst entscheiden, ob er dessen Blicken in die Akasha-Chronik und seinen Vorstellungen von der eigentlichen Realität des Lebens zustimmen mag.
Jenen Weg jedenfalls zwischen Ahriman und Luzifer - in ständiger Auseinandersetzung mit beiden - erfasst die Steinersche Lehre als den Weg der Menschen, den Weg der Menschen der zehnten Hierarchie, einen Weg, den die vorausgegangenen neun Hierarchien ( https://lmy.de/FUvs ) vielleicht nicht kreiert haben - das obliegt, denke ich, der göttlichen Trinität -, den sie aber mittels einer irdischen Realität, wie sie so noch nie im All vorhanden war, umgesetzt haben und mit Hilfe des sogenannten Bösen, mit Hilfe von Krankheiten und Tod. Dieser Weg ist es, der zu einem Bewusstsein führt, das im Universum neuartig und und in dieser Dimensionalität noch nicht erreicht worden ist.
Selten wissen die Menschen, wie sehr das gesamte Universum, alle Multiversen, auf sie schauen, wie unfassbar viele Wesen an ihrem Weg beteiligt sind, durchaus auch als Gegenspieler, aber als solche im Rahmen dieses neuen Weges unverzichtbar für die Entwicklung des Menschen. Im „Faust“ weiß der Herr in seinem Gespräch mit Mephistopheles, warum:

Des Menschen Tätigkeit kann allzu leicht erschlaffen,
er liebt sich bald die unbedingte Ruh;
Drum geb ich gern ihm den Gesellen zu,
Der reizt und wirkt und muß als Teufel schaffen.

Der Geselle ist Mephistopheles und Goethe, der bei aller Genialität noch nicht Satan/Ahriman und Luzifer unterschiedlichen Wirkweisen des sogenannten Bösen zuordnen konnte, hat beide in der Gestalt des Mephistopheles zur Darstellung gebracht

Für mich ganz entscheidend ist, das spirituelle Dilemma zu durchschauen, das der Dualismus mit sich bringt: immer stehen sich zwei Pole gegenüber und nie wird der Kampf zwischen beiden zu einem Frieden der Seele führen; das gilt selbst für Liebe versus Hass. Wer dieses Dilemma verstehen möchte, mag sich nur Golgatha vorstellen und dass dort zwei Kreuze stehen; nie hätte sich in der Folge etwas auf der Erde wirklich verändert. Nie wäre wirklich ein neues Bewusstsein auferstanden, nie hätte sich ein Weg der Erlösung aufgetan, in dessen Rahmen auch Ahriman und Luzifer erlöst werden wollen. Möglich allein wird dies durch das Rosenkreuz zwischen den beiden anderen.

Der Sohn des Alten, der sich im Märchen mit dem Tod arrangiert, sperrt entweder, wie die Esssäer, Satan und die Schlange bewusst aus und glaubt auf diese Weise sein Glück zu erreichen; oder - und diese Annahme ist wohl die wahrscheinlichere – er wusste nicht, was er tat, als er die Schlange ( = „Gott“) und den Satan von sich wies, glaubend, ein Leben ohne diese leben zu können (unabhängig also von seinen platten Begründungen). Auf dem Hintergrund dieses Bewusstseins kann er nur ein Opfer des Todes werden. Den Tod überwindet, „wenn er gleich stürbe“, wie es in der Bibel heißt, wer wie Parzival, d e r Mensch unserer Zeit, der sich zum Christushelden hinaufarbeitet, bereit ist, wie dieser zukünftige Gralskönig die Karfreitagsbotschaft, die jenem durch Trevrizent übermittelt wird, mit dem Herzen aufzunehmen. Wer den Karfreitagsweg nicht geht, wer glaubt, an Gethsemane außen vorbeigehen zu können und dennoch den Tod zu überwinden, der frage nach bei dem Sohn des Alten.

Es könnte die Absicht des Verfassers des Märchens gewesen sein, dass er Menschen, die auf dem Hintergrund des trivialen Endes nachdenklich werden, bewegen möchte, darüber nachzudenken, ob es nicht doch die Möglichkeit gibt, den Tod zu überwinden. Das könnte den ein oder anderen zu der Erkenntnis führen, dass Gott/Luzifer beziehungsweise den Teufel/Satan/Ahriman abzulehnen nicht der Weg von uns Menschen sein kann.
Momentan sehe ich dieses Bewusstsein noch wenig verbreitet. Der Osten stellt sich gegen den Westen, Juden gegen Palästinenser. Aber das Bewusstsein der Menschen ändert sich; die alten patriarchalischen Strukturen werden vielen Menschen immer fragwürdiger und das damit verbundene Wissen. Immer mehr Menschen lassen ihr Herz entscheiden und nicht mehr überkommene Strukturen.
Ich gehöre zu jenen, die eine heraufdämmernde Morgenröte in Bezug auf das Bewusstsein der Menschen zu erkennen glauben, weil sie Ja sagen zu den Herausforderungen Satans und Luzifers, aber nicht kuschen, sondern den Weg durchziehen bis zum Rosenkreuz, das ja eben kein Ende ist, sondern ein Tor zu viel mehr …

Freitag, 17. November 2023

Das arme Sneewittchen dachte an nichts ... (noch sind wir im Reich der 7 Zwerge ...)

Ja, die Zeiten sind vorbei, wo wir Schneewittchen - ursprünglich hieß es Sneewittchen - spielen können und meinen, wir müssten nichts denken. Im Märchen heißt es:

„Das arme Sneewittchen dachte an nichts und ließ die Alte gewähren, aber kaum hatte sie den Kamm in die Haare gesteckt, als das Gift darin wirkte …“

Gerade in diesen Zeiten ist es notwendig, dass wir erkennen, welche Gefahren auf uns lauern, damit wir nicht auf Schnürriemen, Kamm oder Apfel hereinfallen. Wir sind in der Lage, uns auf die unterschiedlichste Weise die Luft zum Atmen zu nehmen und uns zu vergiften.
Wir kommen nicht umhin, uns der digitalen Welt auszusetzen, nur ist die Frage, ob sie uns in Beschlag nimmt oder ob wir sie angemessen verwenden. Wir können uns mit den Nachrichten des Tages vergiften und das, was weltweit geschieht, unsere Seele in Besitz nehmen lassen; oder wir können erkennen, dass es geistige Kräfte sind, die Kriege anzetteln und Menschen herausfordern, sich zu entzweien. Es ist unsere Aufgabe, diesen geistigen Kräften jene entgegenzusetzen, die durch Golgatha auferstehen konnten.

Das Schneewittchen-Märchen ist ja unterteilt in drei Regionen, drei Gebiete, und die erste finden wir als Reich der bösen Königin, aus der Schneewittchen entweichen muss und nur überlebt, weil ein Jäger mit Herz nicht fertigbringt, das Mädchen zu töten. Es flieht und gelangt über die Berge in das Reich der 7 Zwerge. 

Menschen, die in diesem ersten Reich bleiben und sich dort einnisten, sind für geistige Inhalte verloren. In ihrem Leben nach diesem Leben haben sie wieder Gelegenheit, Kraft und Erkenntnis zu sammeln, für einen neuen Versuch, in einem neuen Leben auf der Erde in das Reich der 7 Zwerge zu gelangen.

Wer das hier liest, ist in das Reich der 7 Zwerge gelangt; aber dieses Reich ist nicht ungefährlich, man kann es unterschätzen, denn nur nachts ist Schneewittchen, ist unsere Seele sicher, wenn die Zwerge anwesend sind und in gewisser Weise über uns wachen; tagsüber wenn diese auf der Arbeit sind, ist Schneewittchen, sind wir allein, das heißt, müssen uns um unseren Schutz kümmern. Unsere Seele ist nachts bewacht, vor allem dann, wenn wir uns tagsüber auch mit geistigen Dingen beschäftigt haben. Das muss nicht über lange Zeit geschehen, es mag ein bewusstes Vater Unser sein oder ein Sich-Zurückziehen über 10 Minuten, in denen wir uns auf Wesentliches besinnen. Hier legen wir die Voraussetzung dafür, dass nachts Erzengel mit diesen geistigen Inhalten arbeiten können und damit mit uns und unserem Herzen. Haben wir tagsüber nichts Geistiges getan, dann haben sie keinen Ansatzpunkt zur Hilfe. Man kann aus diesem Reich der Zwerge zurückfallen in das Reich der bösen Königin. Man kann genauso – und dazu ist unser Wille notwendig – in das dritte Reich gelangen.

Zwar haben die Zwerge Schneewittchen gewarnt vor den Gefahren, die auf es zukommen könnten, aber offensichtlich ist das Mädchen, das für die Seele der Menschen, für unsere Seele steht, zu naiv; dreimal fällt sie auf die Versuchung der bösen Königin herein, die man früher auch Frau Welt genannt hat, und beim dritten Mal muss sie zumindest aus der Sicht der Zwerge tatsächlich sterben.
Irgendwann muss diese Welt tatsächlich in uns sterben, damit unsere Seele aufgebahrt wird und sich wiederfindet in einem gläsernen Sarg auf einem Berg. Nur so kann der Königssohn uns finden, Christus. Diese Zeit in der wir leben, ist die Zeit der Annäherung des Christus auf der ätherischen Ebene. Dort will er uns erscheinen, will uns finden. Damit dies geschehen kann, müssen auch wir uns auf ihn zu bewegen; wir tun es auf unterschiedliche Weisen, wenn wir es bewusst tun; deshalb wird diese Zeit die Zeit der Bewusstseinsseele genannt; bewusst lernen wir, unseren Nächsten zu lieben, bewusst erkennen wir uns und lernen, alles in uns anzunehmen, zu lieben - oder eben nicht, es ist unsere Entscheidung.
Es ist aber das Entscheidende dieser unserer Zeit: tatsächlich haben wir die Möglichkeit uns zu entscheiden; in der Geschichte der Menschheit war dies nicht immer so.
Nun ist es so: Auf diesem Parzivalweg sterben wir an uns, stirbt Frau Welt in uns. Goethe hat dies erkannt und in seinem Gedicht „Selige Sehnsucht“ formuliert:
Keine Ferne macht dich schwierig,
Kommst geflogen und gebannt,
Und zuletzt, des Lichts begierig,
Bist du Schmetterling verbrannt.

Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.
Die zweite Region ist also das Gebiet des Reich der Zwerge; die dritte finden wir in dem Hinweis des Königssohnes, der kommt, um Schneewittchen zu sich zu holen: er verweist auf das Reich seines Vaters, in das er Schneewittchen, unsere Seele bringen möchte. Es ist das Reich des Vater Unser.
Niemand sollte glauben, dass es das Reich der Mutter nicht gäbe; wenn er dies annimmt, dann mag er noch nicht erkannt haben, dass das Mutterreich das Reich der menschlichen Seele ist, das Reich ewiger Weiblichkeit.
Noch haben die Menschen nicht verstanden, warum einfallsreiche Götter, die geistigen Hierarchien, die Polarität von Männlichem und Weiblichem, von Mann und Frau kreiert haben; viele glauben noch, dass der Sinn in der menschlichen Sexualität liege. Gewiss mag sie, wenn sie mit Liebe geschieht, ein köstliches Geschenk sein. Doch ihr eigentlicher Sinn liegt im Geistigen, im ewigen Vater und im Weiblichen, das sich als ewig erkennen will.
Hier der Link zum Grimm-Märchen

Sonntag, 5. November 2023

Herzensbildung: ihre Entstehung, ihre Erscheinungsformen, ihr unendliches Potential (Teil I)

Gewiss wäre es schön, wenn hier viele zusammentragen, was sie unter Herzensbildung verstehen. Mit meiner Ansicht über sie kann ich hier natürlich nur einige Aspekte wiedergeben, die zudem sehr subjektiv sind und meinen Erfahrungen entstammen - das bitte ich zu berücksichtigen.

Heinrich, der Wagen bricht!

In einem Kommentar unter diesen Beitrag auf Facebook habe ich darauf hingewiesen, dass das Erlangen von Herzensbildung mit innerem Kampf und Leid verbunden ist. Das hängt damit zusammen, dass vor allem Leid die Verkrustungen und Verengungen unseres Herzens zu sprengen vermag, worüber auf geniale Weise das Grimm-Märchen „Der Froschkönig“ Auskunft gibt - übrigens eine wahre Medizin für Herzen auf dem Weg zu ihrer Bildung (Link und Auszug s. Schluss). Beeindruckend, dass dem Kutscher des Königssohnes das Leid seines Herrn so nahe geht, er so mitfühlt, dass es ihm zum eigenen Leid wird. Wenn es am Ende des Märchens gehen darf, wird es sein Herz weiter sein lassen als zuvor. Mitleiden, mitfühlen weitet unser Herz und diese Weite kennt keine Grenzen.
Gewiss kann Leid - wir sehen das gerade bei älteren Menschen - auch zu zunehmender Verhärtung führen, aber die meisten werden Beispiele aus ihrem persönlichen Bereich kennen, die ihnen vermitteln konnten, wie sehr Leid in einem positiven Sinne Menschen zu verändern vermag und auf sie selbst zuführen kann, zum inneren Kern ihres eigenen Wesens.
Nie bewegt sich in den normalen, alltäglichen Phasen unseres Lebens unser Herz so sehr wie in jenen, in denen es sich zwangsläufig bewegen muss, weil es sich mit Leidvollem auseinanderzusetzen hat. Das gilt auch für Erfahrungen von Leid, mit dem wir in unserem unmittelbaren Umfeld konfrontiert werden. Wer beispielsweise mit der Suchtabhängigkeit eines nahen Verwandten oder Bekannten konfrontiert worden ist, weiß, wovon ich spreche. Solche Erfahrungen führen zu einer existenziellen Eigenschaft, ohne die wahre Herzensbildung nicht möglich ist:
Der Mensch hört zunehmend auf zu werten.
Leid führt zu der Erkenntnis, dass es in Bezug auf menschliche Seelen keinen Unterschied macht und vor dem Leid, dessen man in der Seele eines anderen ansichtig wird - auch eines Menschen, den man nicht näher kennt -, jedes Richten und Urteilen schweigt.

wie wir vergeben unsern Schuldigern

Ein Mensch auf dem Weg der Herzensbildung wird sich auch der Tatsache bewusst, dass jemand, der sich seelisch grausam verhält und mitleidlos, vielleicht aber dennoch gar momentan reich ist und glücklich erscheint, dem Leid nicht entgehen kann. Manche Seele mag angesichts der verbrecherischen Taten von Gewaltherrschern und Despoten, wie sie auf der Erde sich zu jeder Zeit in Hülle und Fülle zeigen – auch im Moment -, schweigen, weil sie sieht, welches unendliche Leid womöglich über viele Leben Despoten und Gewaltherrschern bevorsteht. Gewiss hilft das deren Opfern wenig, wobei wir in karmische Zusammenhänge, in die fast jedes Opfer involviert ist, zumeist nicht hineinsehen. Was mich – auch wenn es hier nicht zum Thema gehört, sei es dennoch gesagt – tröstet in dieser Zeit, ist meine Erkenntnis, dass sich solche karmischen Zusammenhänge – und dies betrifft ja auch uns selbst – recht schnell auflösen können, weil Zeit momentan zunehmend beschleunigt und die Bitte des >Vater unser< – „vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern“ – stärker und stärker Realität werden kann, weil mehr und mehr Menschen auf Vergeltung verzichten und immer wieder oder gar täglich um die Vergebung der Schuld anderer bitten - gerade auch jener, unter der sie selbst zu leiden hatten - , oft im Rahmen ihres bewusst täglich gebeteten >Vater Unser<.

 „Ba-Ba-Banküberfall, das Böse ist immer und überall“ (Erste Allgemeine Verunsicherung)

Erfahrungen, die wir machen, führen uns zu der Erkenntnis dass es ohnehin so viele Geschehnisse gibt, die wir nicht kennen, dass sie sich einer Beurteilung von unserer Seite entziehen; wir können im Bereich des Bösen und des Guten nicht alles kennen, was sich zuträgt. Diese Erkenntnis, dieses Bewusstsein hat zur Folge, dass wir ein Urteilen und Richten über andere beenden; wir überlassen es einer höheren Macht.
Vielen wird zudem bewusst, dass, wenn sie früher über Böses und Böse ein Urteil fällten, sie zumeist über ihre eigene Vergangenheit ein Urteil sprachen. Einblicke in frühere Leben können uns mit der Tatsache konfrontieren, dass wir unter Umständen sehr spirituell unterwegs waren, beispielsweise als Medizinmann, als weise Hexe oder im Bereich der Kirche, aber dass wir auch richtig große Schurken waren. Gerade letzter Tatbestand führt ja in unserem Leben dazu, dass wir sehr oft die Tiefe des Bösen in den Seelen der anderen wahrnehmen, bisweilen auch, ohne dass sie sich real gezeigt hat, weil wir sie bestens kennen.

 ein jeder sieht, was er am Herzen trägt

Goethes Worte zu Beginn des > Faust I < - „ein jeder sieht, was er am Herzen trägt“ - verweist darauf, wie sehr Menschen ihre unterschiedlichen Erfahrungen gewichten und welchem Herzensbereich sie die Oberhand zugestehen. Es ist ja nicht so, dass Menschen, die immer nur die ganze Zeit über Negatives auf der Welt sprechen, früher nur negative Erfahrungen gemacht hätten. Aber das Negative zieht eben mehr nach unten, hat ein schwereres Gewicht und das erfordert weniger Aufwand, um es zu aktualisieren, ist es doch zu unseren Füßen. Erfahrungen aus seelisch geistig wertvolleren und höheren Bereichen verlangen die Überwindung der Schwerkraft, die ja nicht nur eine Schwerkraft im Äußeren ist, sondern auch eine Schwerkraft der Seele. Ein Zeichen dafür, dass ein Mensch sich seelisch entscheidend verändert, ist, dass er Situationen und Worte vermeidet oder in seinem Umfeld unterbindet, die Negatives verstärken. Zunehmend verspürt er jene schwere Kraft, die die Seele nach unten drückt. Das lässt beispielsweise den ein oder anderen manches Fernsehprogramm, das er gerade einschaltet, gleich wieder ausmachen.

Wer sich davon befreit, nimmt wahr, dass das Herz freier schlagen kann und dass es beginnt, sich ausdehnen zu wollen. Es kann durchaus sein, dass Herzschmerzen einem Menschen signalisieren wollen, dass das Herz sich ausdehnen will und dass es nur ein bewusstes JA für diesen Prozess benötigt.

Wer sich innerlich bilden möchte und Geschehen, das bisher in seinem Kopf beheimatet war, deshalb aus dem Kopf ins Herz verlagert, der bedarf natürlich eines zunehmend weiteren Herzens - und keine Sorge: ein sich ausweitendes Herz kennt keine Grenzen.

 eine Etappe auf dem Weg der Herzensbildung: Karfreitag
Wenn ich oben von Kampf gesprochen habe, dann deshalb, weil die Überwindung von eigenen Schwächen, Süchten und Gewohnheiten die Bereitschaft erfordert, für deren Überwindung zu kämpfen. Oft ist es so, dass der Mensch eine lange Zeit kämpfen muss, bis in ihm die Bereitschaft und die Erkenntnis wächst, dass die Lösung darin liegt, aus dem Kampf herauszugehen. Lange Zeit allerdings hat Parzival darum gekämpft, die Gralsburg wiederzufinden. Es war dann an einem Karfreitag, dass er aus diesem Kampf herausgehen konnte, weil er einem Menschen - im „Parzival“ Wolfram von Eschenbachs heißt er Trevrizent - treffen durfte, der ihm vermittelte, dass er all sein Leid unter jenes Kreuz legen darf, das er selbst trägt und erfolgreich tragen darf, weil es für ihn zuvorderst ein Anderer trug.

Herzensbildung kommt zu irgendeinem Zeitpunkt nicht ohne dieses Karfreitagserlebnis aus und niemand möge es in einem Topf werfen mit dem, was sich auf unserer Erde als christliche Religion ausgibt. Das Karfreitagsgeschehen ist überreligiös, es ist ein Bewusstsein, das sich in uns bildet, und es bildet sich in einem muslimischen oder hinduistischen Herzen genauso wie in dem eines sogenannten Atheisten oder bisher normativen Christen.

Mit dem Kampf und dem Aus-dem-Kampf-gehen-Dürfen verhält es sich übrigens so wie mit der Wohnungssuche: Seltenst ist es der Fall, dass eine neue Wohnung einem einfach so zufällt. Meistens ist es doch so, dass man viel Zeit und Energie investieren muss, um die richtige zu finden. Es gehört zu meiner Erfahrung, dass ich den Eindruck hatte, es ist dieses Sich-Bemühen notwendig, damit die richtige auf mich zukommt.
Ähnlich verhält es sich mit dem Parzival-Kampf: Wer glaubt, im Sessel sitzen zu können und einfach auf den Karfreitag zu warten, der mag ihn kalendarisch erreichen, nicht aber seelisch.

Ich beende hier diesen Teil, wiewohl ich weit weniger als ich eigentlich wollte, ansprechen konnte; ich melde mich wieder -)

Worauf ich oben hinwies, war jenes wunderbare Märchen vom Froschkönig ( https://bit.ly/46Vjo7y ), in dem zu guter Letzt sich jene Stelle findet, um die alle wissen, die auf dem Weg der Herzensbildung sind, denn sie kennen, was geschieht, wenn das Herz sich ausdehnen möchte - nach all den Erlebnissen tut es dort auf einmal laute Schläge und es findet sich der Wortwechsel zwischen dem Ex-Frosch und Königssohn sowie seinem Kutscher:

Und als sie ein Stück Wegs gefahren waren, hörte der Königssohn, daß es hinter ihm krachte, als wäre etwas zerbrochen. Da drehte er sich um und rief:

"Heinrich, der Wagen bricht!“
"Nein, Herr, der Wagen nicht,
Es ist ein Band von meinem Herzen,
Das da lag in großen Schmerzen,
Als Ihr in dem Brunnen saßt,
Als Ihr eine Fretsche (Frosch) wast (wart).“

Noch einmal und noch einmal krachte es auf dem Weg, und der Königssohn meinte immer, der Wagen bräche, und es waren doch nur die Bande, die vom Herzen des treuen Heinrich absprangen, weil sein Herr erlöst und glücklich war. 

Mögen viele Bande vieler Menschen in dieser unserer Zeit zerreißen!

Montag, 13. März 2023

„Hier wohnt jeder frei“. - Die wundersame Botschaft des Brüder-Grimm-Märchens „Das Mädchen ohne Hände“.

Dieses Märchen hat mir sehr deutlich bewusst werden lassen, auf welche Weise Freiheit in meinem Leben zu leben möglich ist. Dass aber gewisse Angstmacher freiheitsraubend aus den unterschiedlichsten Richtungen kommen (wobei ich gar nicht abstreiten will, dass sie es - zum Teil - gut meinen).
Dem Märchen bin ich gerade auf diesem Hintergrund für seine mir vermittelte Erkenntnis sehr dankbar.

Zunächst ein Blick auf die Handlung und Hinweise zum Verständnis:

Ein Müller hatte im Wald einem Unbekannten, was hinter seiner Mühle sich befände, versprochen; stattdessen sollte er reich werden. Doch befand sich nicht nur, wie er dachte, ein Apfelbaum, sondern auch seine Tochter hinter der Mühle. 

Der Unbekannte war der Teufel und nach drei Jahren würde ihm die Tochter gehören; doch war sie, als die Zeit gekommen, so rein, dass der Teufel keine Macht über sie haben konnte. Nur musste sie, damit ihr Vater nicht dem Teufel verfiele, ihre Hände opfern.

Der Vater versprach seiner Tochter, die ohne Hände vor ihm stand, sie zeitlebens aufs Köstlichste zu halten. Doch wusste das Mädchen, dass es in des Vaters Haus nicht bleiben könne. Es ließ sich die verstümmelten Arme auf den Rücken binden und verließ das Vaterhaus.

Aus den unterschiedlichsten Ursachen heraus geschieht es, doch wir wissen, dass alle Märchenhelden - wie der verlorene Sohn im biblischen Gleichnis - aus dem Vaterhaus aufbrechen. Wir wissen auch, dass wir Menschen - Opfer der aus der Bibel bekannten Schlangenintrige - auf dieser Seelenreise unterwegs sind. 
Ganz unterschiedlich nur geschieht dieses Unterwegs-Sein unter uns Menschen: Manche treiben es sehr bunt wie der verlorene Sohn der Bibel, der sich mit Prostituierten bzw. zahlreichen Liebschaften herumtrieb und dem Gott Mammon verfallen war, dem Geld und dem irdischen Trubel - heute wäre er vielleicht Aktionär, würde seine Zeit mit dem Studieren entsprechender Kurse verbringen, es mit Krypto-Währung versuchen und allen möglichen Gesundheitsmoden frönen aus klammheimlicher Angst vor dem Tod und in der Hoffnung, künstliche Intelligenz könne ihm noch rechtzeitig ein (fast) immerwährendes Leben bescheren. Zugleich aber gibt es auch Zeitgenossen, die sich um eine innere Reinigung bemühen und oben beschriebenen Sogwirkungen ein Bewusstsein für ein geistiges Ziel entgegensetzen mit all den Gefährdungen, die natürlich dennoch mit ihrem Leben verbunden sind.

Wenn in unserem Märchen das Mädchen des Nachts an einen wunderschönen Garten kommt, dann bedeutet das - und wir kennen solch eine Bedeutung aus der Bibel, wenn Nikodemus des Nachts zu Jesus kommt -: dies geschieht im Unbewussten, im Schlaf, wenn die Seele, das Ich und der Astralleib also, sich vom Körper, der mit dem ätherischen Leib zusammen im Bett liegen bleibt, lösen und in einer jenseitigen Welt unterwegs sind und, wenn es sein darf, wie Nikodemus dort Jesus, dem Christusträger, begegnen.

In diesem Garten gelingt ihm trotz seiner Behinderung, von einem Birnbaum eine Frucht zu essen. Der König, dem der Garten gehört, entdeckt den Verlust am nächsten Morgen und legt sich in der kommenden Nacht auf die Lauer. Tatsächlich kommt das Mädchen wieder, um eine Birne zu essen, und gesteht dem König, dass es ein armer Mensch sei, von allen verlassen, nur von Gott nicht.
Der König nun nimmt das junge Mädchen zur Gemahlin, weil es so schön und fromm war.

Schönheit im Märchen weist in der Regel auf die Schönheit der Seele hin - Märchen kennen eine falsche, weil nur äußerliche Schönheit; der König aber spürt eine Korrespondenz zu der jungen Frau ohne Hände in seiner Seele und dass er gefunden habe, was er sucht. Er mag auch gespürt haben, dass da eine Seele vom Baum des Lebens, dem Birnbaum, den er besaß, gegessen hatte. Zunächst im Unbewussten war dem Mädchen damit auf seiner Seelenreise die Gnade zuteil geworden, in seine Seele den Samen des Wissens aufgenommen haben zu dürfen, dass es in Wahrheit keinen Tod gibt.

Eine entscheidende Prüfung folgt

Es geschieht, dass der König zu Felde ziehen muss. Der Teufel nun bringt es, mit allen Wassern zu möglichen Intrigen gewaschen, zustande, dass das Mädchen, inzwischen Mutter eines Sohnes, das Königshaus in Abwesenheit ihres Mannes, des Königs, verlassen muss. Mit seinem Kind, gebunden auf seinen Rücken, verlässt es das Königshaus und gelangt in einen wilden Wald. Im Märchen - wir kennen ihn u.a. auch aus „Hänsel und Gretel“ - repräsentiert der Wald die Unbillen, Fallgruben und Wirrnisse unseres menschlichen Lebens. 

In ihrer Reinheit betet die junge Königin zu Gott und der Engel des Herrn führt sie zu einem kleinen Haus, daran war ein Schildchen befestigt, auf dem stand: 

„Hier wohnt jeder frei.“

Aus dem Haus tritt eine weiße Jungfrau, die sich als Engel Gottes ihr offenbart, von Gott gesandt, sie und ihr Kind zu verpflegen.

Noch hat der Vater des Kindes seine Frau und seinen Sohn nicht gefunden, die er bei seiner Rückkehr so vermisst; es wird noch sieben Jahre dauern und in der Realität unseres Lebens würde die Mutter vielleicht von Hartz IV bzw. dem Bürgergeld leben, vielleicht mit Hilfe einer Tafel sich ernähren oder alleinerziehend und im Spagat zwischen Kindererziehung und beruflicher Tätigkeit leben müssen. Doch wüsste sie sich beschützt von einem Engel.

Wie aber vermag ein Mensch in einer Gesellschaft wie der unseren in einem Haus leben, in dem  jeder, der darin wohnt, frei leben kann?

Als mir  tiefergehend als bisher bewusst wurde, warum und wie das sein kann, fühlte meine Seele sich richtig erleichtert: in ihrem Haus war uneingeschränkt Freiheit möglich; es hing allein von mir ab. 

Dieses Haus ist natürlich mein bzw. unser Seelenhaus. 
Vor vielen Jahren hatte ich einen Traum, in dem ich ein großes Haus betrat und über das Treppenhaus hochstieg, immer wieder in die Etagen hinein und zugleich einen Blick durch das ganze Treppenhaus hatte. Auf einem Stockwerk betrat ich ein Zimmer und war doch sehr erstaunt: in ihm befanden sich zwei Personen, die ich gar nicht kannte … Ich konnte schon in einige Teile dieses Hauses Einblick nehmen und immer wieder fast durch das ganze Treppenhaus sehen, aber es lebten im Haus doch offensichtlich auch noch Teile von mir - im Traum diese zwei Personen -, über deren Vorhandensein ich gar keine Kenntnis hatte.

Das Märchen aber sagte mir: Es gibt die Möglichkeit, in einem Haus zu wohnen, in dem ich frei bin.

Und das in einer Welt voller Krieg, Millionen von Vertriebenen, viraler Gefahren, einem immensen Arm-Reich-Gefälle, der Tatsache beispielsweise, dass sich die Menschheit freiwillig der Börse ausgeliefert hat, die ihr monetäres Schicksal immer wieder anarchisch unberechenbar bestimmt, einem Klima, dass sie zwar weitgehend durch ihr Seelenverhalten bestimmt, aber von diesem Umstand noch keine Ahnung hat, einem Sack voll alter Männer, die mit ihrer verkommenen Männlichkeit noch bestimmen, wo es auf unserer Erde lang zu gehen hat, noch zu vielen Frauen, die diese Männlichkeit gut finden, imitieren und und und …

Wie es der Zufall will, schickte mir eine Bekannte den Link eines im Ruhestand befindlichen Mediziners namens Sucharit Bhakdi zu, von dem ich im Zusammenhang mit Corona schon gehört, aber mich nicht mit ihm weiter beschäftigt hatte; ich wusste nur, dass er dem ganzen Corona-Wirbel, allerdings aus wissenschaftlicher Sicht (nicht alle akzeptieren wohl seine Wissenschaftlichkeit), vergleichbar skeptisch wie ich damals gegenüberstand (ich bin mir ziemlich sicher, dass sich in einigen Jahren, vielleicht auch Jahrzehnten, herausstellen wird, dass die meisten an Corona Erkrankten nicht wegen des Virus, sondern wegen einer seelisch-physischen Disposition ihres Körpers und ihrer Seele, für die sie selbst verantwortlich waren, erkrankt sind - das mag nicht in allen Fällen so gewesen sein, aber in vielen -, wobei sie deshalb in keiner Weise „schlechte“ Menschen sind ). Es ging in diesem Video des Herrn Bhakdi darum, dass Daten von Menschen „das neue Gold unserer regierenden Elite“ seien. „Wer unsere persönlichen Daten hat, erlangt Macht und Kontrolle über uns. Die jüngsten Entscheidungen zur Einführung des digitalen Impfpasses und die digitale Währung der Zentralbank sind genau aus diesem Grund gefallen“, so war Bhakdi zu vernehmen.

Auf dem Hintergrund des Märchens wurde mir schlagartig bewusst, dass das Anliegen dieses Herrn Bhakdi sicherlich gut gemeint war, aber im Sinne des Märchens die Menschen in eine falsche Richtung wies und einen wirkmächtigen Virus enthielt.

Über mich hat niemand Macht! 
Wer meine persönlichen Daten hat, mag Zugriff auf meine gesellschaftliche Existenz haben, aber das bin nicht ICH, das macht nicht mich aus! 
Macht über mich können Süchte haben, geistige bzw. astrale Wesenheiten, wenn ich sie nicht erkenne. Die Aussage Sucharit Bhakdis aber verrät - wie so oft auch bei aufgeschlossenen Menschen (ich habe Vergleichbares auch für Daniele Ganser aufgezeigt), dass sie auf das Materielle und Physische und die Oberfläche gesellschaftlicher Geschehnisse fixiert sind, aber die Kraft der Seele und des Geistes nicht einbeziehen.

Wir sollten darum wissen, um nicht auf einen Virus wie: „Wer unsere Daten hat, hat Macht über uns“ hereinzufallen und, weil sie uns nicht bewusst ist, ihrer klammheimlichen Wirkkraft ausgesetzt zu sein.

Das Mädchen im Märchen gibt die Richtung vor, wie wir uns am besten zu verhalten haben, indem wir uns immer wieder reinigen, weinen, wenn es uns nicht gutgeht und verlieben, wenn der Königssohn kommt (oder die Königstochter), aber nicht hereinfallen auf die Angstschürer dieser Zeit, heißen sie Lauterbach oder Bhakdi (wobei ich beide nur in diesem Punkt auf einer Ebene sehe).

Wieler, der (Ex-)RKI-Präsident, Lauterbach, der Krankheitsminister vieler Deutschen, und früher Merkel - heute heißt sie Scholz - haben ununterbrochen Angst geschürt, waren permanente Bedenkenträger und das war ihre Methode, Macht auszuüben. Damit unterstützen sie geistige Kräfte, denen daran gelegen ist, dass Menschen sich mit ihrem möglichen Frei-Sein nicht beschäftigen. Nur aber wer auf dem Weg zur Freiheit ist, kann die Möglichkeiten seines seelisch-geistigen Seins auszuschöpfen lernen.

Im Übrigen halte ich auch Ratschläge Herrn Bhakdis wie unter anderem jenen, doch einfache Mobiltelephone zu benutzen, Smartphones nicht, für keinesfalls hilfreich, weil sie eine Haltung fördern, die auf das Blockieren von Entwicklung aus ist. Diese Einstellung aber ist für die Zukunft auf unserer Erde nicht seelisch zielführend. Gewiss kann es nicht schaden, Smartphones weniger zu benutzen als das bei den meisten geschieht oder beim Umgang mit persönlichen Daten sehr vorsichtig zu sein. Aber seelisch fortschrittliche Kräfte dürfen nicht auf das Blockieren von Entwicklung verlegt sein, sondern sollten von der Zugspitze möglicher Entwicklungen aus bestrebt sein, den Zug auf die richtigen Gleise zu lenken und die Möglichkeit zu haben, Weichen zu stellen. Es bringt nichts, wenn wir an den Menschheitszug hinten ein paar Brems-Wagen anhängen. Es gilt, die Lokomotive zu entern und die Weichen von der Spitze aus richtig zu stellen. 
Viel zu oft blockieren spirituell orientierte Menschen gesellschaftliche Entwicklungen, anstatt sie mit viel weniger Aufwand von der Zugspitze aus in die richtige Richtung zu lenken. Mit ständigem Skeptizismus und zum Teil fast krankhafter Vorsicht eliminieren sie die Wirkkräfte ihrer Seele -im Übrigen auch auf Kosten ihrer eigenen Gesundheit.

Unser Seelenhaus - ein Haus der Freiheit

In diesem Haus der Freiheit, auf welches das Märchen Bezug nimmt,  hat niemand Macht über mich. Die entsprechende Aussage S. Bhakdis schwächt die Menschen! 

Mitten auf der Erde bin ich frei! Das bin ich mit Hilfe eines Engels, vielleicht auch vieler Engel, verstorbener Seelen, die um mich sind, göttlicher Wesen.

Das ist für mich eine klare und sehr wertvolle Erkenntnis, die mir das Märchen vermittelt: Auf dieser Erde gibt es einen Raum für mich, in dem regiert die Freiheit, wenn ich es seelisch-geistig will; es ist das Haus meiner Seele. 

Wer noch nicht dort ist, der reise dahin! -  Zu sich!

Das war und ist auch das Geheimnis der großen Seelen früherer und der heutigen Zeit: Inmitten der Gefährdung ihrer gesellschaftlichen Existenz lebten bzw. leben sie in ihrem Haus der Freiheit!

Ich möchte empfehlen, in diesem Sinne dieses wunderbare Märchen in Ruhe ganz und zuende zu lesen: https://bit.ly/3ZTGnME

Dienstag, 20. Dezember 2022

EIN GESCHENK VON DIR FÜR DICH ZU WEIHNACHTEN: ⚜️ GEIST-REICH WERDEN ⚜️ Davon erzählen "Die Sterntaler"

"Es war einmal ein kleines Mädchen, dem war Vater und Mutter gestorben, und es war so arm, dass es kein Kämmerchen mehr hatte, darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr hatte, darin zu schlafen, und endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte. Es war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt verlassen war, ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld.
Da begegnete ihm ein armer Mann, der sprach: "Ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hungrig." Es reichte ihm das ganze Stückchen Brot und sagte: "Gott segne dir's," und ging weiter. Da kam ein Kind, das jammerte und sprach: "Es friert mich so an meinem Kopfe, schenk mir etwas, womit ich ihn bedecken kann." Da tat es seine Mütze ab und gab sie ihm. Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und hatte kein Leibchen an und fror: da gab es ihm seins; und noch weiter, da bat eins um ein Röcklein, das gab es auch von sich hin. Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel geworden, da kam noch eins und bat um ein Hemdlein, und das fromme Mädchen dachte: "Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst wohl dein Hemd weggeben," und zog das Hemd ab und gab es auch noch hin.
Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und waren lauter blanke Taler; und ob es gleich sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues an, und das war vom allerfeinsten Linnen. Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag."


Wenn im Märchen Vater und Mutter sterben, dann ist es das Wissen um unsere Herkunft, die entschwunden ist. In Mythen stehen Mädchen und Frauen für die menschliche Seele. Irgendwann hat sie das Gefühl, gar nirgends mehr hinzugehören. Wie auch - ihre Heimat hat sie mit dem Tod von Vater und Mutter verloren. Mit dem sogenannten Sündenfall.
Unsere Reise durch all die Erdenwirklichkeiten beginnt.
Und sie führt dazu, dass wir zunehmend nur noch unser Herz haben, das uns dazu bringt, auch noch unser letztes Hemd herzugeben, weil wir sehen, wie wenig die Menschen doch haben, gerade die, wie wir wissen, die scheinbar reich sind - in Wahrheit haben sie doch meist nichts als ihr Geld.
Wie arm sie in Wahrheit sind.
In der dunklen Nacht der Seele geben wir alles auf und stehen nackt da. Wir haben nichts mehr.
Auf einmal meldet sich bei uns unsere wahre Heimat und sie überschüttet uns mit dem Reichtum, den nur sie hat.
Heut schleust er wieder auf die Tür, so heißt es in einem Weihnachtslied.
Die Taler unserer wahren Heimat sind geistige Gaben, und die machen uns reich, geist-reich.
Weihnachten will das geschehen.
Immer kann Weihnachten sein.
An Weihnachten ganz besonders.

Montag, 10. Oktober 2022

Gestiefelter Kater sein - die bieder selbstgenügsame Spiritualität überwinden. Den (Welten)Humor leben!

Wer noch einmal das Märchen vom Kater, der uns ein Vorbild sein kann, lesen möchte: https://bit.ly/3EuVYKM

Ein bisschen hat jeder die Fähigkeit, gestiefelter Kater zu sein, in sich. Gewiss nicht jede und jeder gleichermaßen, aber mancher, der vor sich tut, er kenne den Kater nicht, ist entweder einfach lau (ein biblischer Ausdruck für nicht Fisch noch Fleisch), faul-behäbig oder feige.

Es gibt diese Märchen, deren Stellen manche gern überlesen, die darauf aufmerksam machen, dass man zu Mitteln greifen darf, die die Feigen von vornherein ächten und z.B. einen auf Pazifismus machen. Nein, das Leben fordert uns heraus, nicht nur die Hände zu falten und den Frommen zu geben, sondern handlungsstark und gewitzt zu sein.
Gretel ist da ein leuchtendes Beispiel:
Frühmorgens musste Gretel heraus, den Kessel mit Wasser aufhängen und Feuer anzünden. 'Erst wollen wir backen', sagte die Alte, 'ich habe den Backofen schon eingeheizt und den Teig geknetet.' Sie stieß das arme Gretel hinaus zu dem Backofen, aus dem die Feuerflammen schon herausschlugen. 'Kriech hinein,' sagte die Hexe, 'und sieh zu, ob recht eingeheizt ist, damit wir das Brot hineinschießen können.' Und wenn Gretel darin war, wollte sie den Ofen zumachen, und Gretel sollte darin braten, und dann wollte sie´s auch aufessen. Aber Gretel merkte, was sie im Sinn hatte und sprach 'ich weiß nicht wie ich´s machen soll; wie komm ich da hinein?' 'Dumme Gans,' sagte die Alte, 'die Öffnung ist groß genug, siehst du wohl, ich könnte selbst hinein,' trappelte heran und steckte den Kopf in den Backofen. Da gab ihr Gretel einen Stoß, dass sie weit hineinfuhr, machte die eiserne Tür zu und schob den Riegel vor. Hu! da fing sie an zu heulen, ganz grauselich; aber Gretel lief fort, und die gottlose Hexe musste elendiglich verbrennen.
Gretels Stoß ist einer, der es in sich hat; er ist notwendig, damit sich die Not ihres Bruders und ihre eigene wenden. Mit ein bisschen esoterischem Powerchen ist da nichts getan; Gretel langt hin!

Wie gesagt, es ist nicht jedermanns Sache und es ist auch falsch, den Helden zu geben, wenn man aus unterschiedlichen Gründen ein Schwert nicht führen kann. Oft aber besteht auch die Tat darin, einen Helden zu rufen und nicht einfach die Augen vor der eigenen und der Not anderer zuzumachen. Der gestiefelte Kater hat nicht nur seine Stiefel; er kommt auch im Frack oder im Trainingsanzug.

Was uns das Märchen lehrt:
  • Vorsicht mit vorschnellen Urteilen: Was zu nichts zu taugen scheint, kann uns große Dienste erweisen; ein paar Stiefel können die Welt verändern. 
  • Oder ein Sack, wenn man ihn zu nutzen weiß. 
  • Die Rebhühner im Märchen sind jene Dinge, deren wir habhaft werden können, wenn wir dem Leben zugewandt sind und mit dessen Fülle umzugehen lernen.
  • Dann ist auf einmal ein Wachposten da, der es zulässt, dass wir zum König gelangen. 
Während der Kater aktiv ist, sitzt der Müllersohn zu Hause und jammert.
Das ist eine Seite, die, wenn sie uns dominiert, wir schnell recyceln sollten.

Natürlich kann es auch sein, dass der Kater übertreibt. Von diesem Kater erzählt das Märchen nicht. Aber es gibt ihn. Allerdings gibt es eben auch eine Seite in uns, die sagt: Übertreib´s nicht. Geh nicht zu weit!
Oft ist das eine durch unser Elternhaus oder andere Sozialisationsinstanzen eingebaute Spaßbremse.
Manchmal ertragen wir Glück nicht. Wir kennen die Geschichten von Lottogewinnern, die binnen kurzer Zeit ihr Geld wieder verlieren. Kein Zufall.

Es gibt allerdings auch Gesetze, auch spirituelle, die wir zu beachten haben: Einen Lohengrin darf man nicht fragen, woher er kommt; die Sonne zu genießen ist schön, aber Ikarus zu spielen, zahlt sich nicht aus.

Es sind da auch andere Seiten in uns, die uns lehren wollen und können, was angesagt ist und was nicht. In Bezug auf diese hören wir nicht auf, ein Leben lang zu lernen.

Märchen geben in vielerlei Gestalten, zu denen Menschen und Tiere gehören, Auskunft über unsere gigantisch vielen Seiten. Das Leben ist wie eine Orgel. Mancher von uns spielt gar nicht mit den Füßen oder nur auf einem einzigen der vielen Manuale. Und ist glücklich. Aber eben in seiner Definition von Glück.

Das Üble ist, dass jene, die eine reduzierte Form von Glück leben, möchten, dass andere das auch tun. Dann müssen sie nicht hinschauen, dass sie in Wahrheit Leben nicht leben.

Wer hätte gedacht, dass ein fluchender Kutscher, von dem das Märchen erzählt, eine Türe zum großen Glück aufmachen kann - wenn man nur hinhört …

Und wer hätte gedacht, dass es manchmal gut sein kann, sich splitternackt auszuziehen …

Mancher wird sagen, dass der Kater auch zum Mittel der Lüge greift.
Oder ist er listig?
Ist es eine Lüge, dass der Kater verlauten lässt, seinem Herrn seien die Kleider gestohlen worden, oder ist es eine List?
Ist es verwerflich, die Leute zu anderen Aussagen zu animieren - oder ist es ein geschickter Schachzug, den das Leben zulässt?

Die Antwort des Märchens ist mit der Gestaltung des Ausgangs eindeutig.

Und es lässt uns auch wissen: Man kann mit einem Zauberer in einen gewaltigen Kampf gehen, man kann ihn aber auch mit List und Witz in die Tasche stecken.

Menschen sind heute gerne bierernst, weil sich dann besser übersehen lässt, dass der Geist der Menschen in die Abstraktion gegangen ist und mit vielen Seiten und Saiten des Lebens nicht mehr umgehen kann, sie nicht zum Klingen bringt. Da ist dann manches geheim und geheimnisvoll geworden, obwohl es seiner eigentlichen Bedeutung nach bestens bekannt ist, denn „geheim“ bedeutet eigentlich:„zum Heim gehörend“. Deshalb gab es Geheimräte wie Goethe, die das Fürstentum bestens kannten und in Bezug auf das Heim des Fürstens jenem ein wertvoller Ratgeber sein konnten. 
Das Gegenmittel zum Fallen in die Abstraktion des Intellekts ist der Humor und Hermann Hesse hat ihm im Steppenwolf ein Denkmal gesetzt (https://bit.ly/3SP5Tze). Oder auch Rudolf Steiner in Aussagen wie:
„Nun konnte man sehr leicht meinen, daß es etwas Ungehöriges ist, so, wie man sagt, «heilige Dinge» satirisch zu behandeln. Aber wirklich, meine lieben Freunde, will man weiterkommen gerade auf dem Gebiete geistiger Weltanschauung, dann ist eine Grundforderung diese, daß man nicht das Lachen verlernt über dasjenige, worüber in der Welt gelacht werden muß, wenn man es richtig beurteilt. Eine Dame erzählte einmal von einem Herrn, der immer in der Stimmung war, «hinaufzusehen zu den großen Offenbarungen des Weltenalls». Von anderen Menschen, als von «Meistern», sprach er überhaupt nicht, und, verzeihen Sie, aber sie sagte noch: Er hat eigentlich immer «ein Gesicht bis ans Bauch» gemacht - sie war keine Deutsche, die betreffende Dame - also ein tragisch verlängertes Gesicht trug er stets zur Schau.“ (GA 169, S. 124)
„Man kriegt manchmal ein bißchen Schmerzen, wenn man in anthroposophische Ansiedlungen oder Zusammenrottungen kommt. Da ist manchmal eine solche bleierne Schwere. Man kriegt die Leute nicht zum Beweglichwerden. Bleierne Schwere ist da; wenn man eine Diskussion beginnt, macht keiner den Mund auf, weil auch die Zunge bleiern schwer ist. Die Leute machen ein «Gesicht bis ans Bauch». Sie sind so wenig geneigt, zum Heiterwerden, zum Lachen zu kommen!“ (GA 317, S. 102)

Dem einen mag der gestiefelte Kater zu weit gehen, einem anderen nicht. Das mag jeder für sich entscheiden. Nur ist es empfehlenswert, den Kater in sich auszuprobieren und andere Tiere und Möglichkeiten, die wir haben. Nicht dass wir am Ende des Lebens zurückschauen und denken: Wäre ich doch nicht so bieder gewesen und hätte mehr ausprobiert …

Seinem Menschheitsrepräsentanten lässt Rudolf Steiner nicht von ungefähr den Weltenhumor sozusagen über den Rücken schauen (https://bit.ly/3RJb9Dn).
Das mag uns zu denken geben, wenn wir mal wieder nur bierernst sein wollen …

Wir leben gerade in einer Zeit, in der alles viel zu sehr bierernst genommen sein will, Ukraine, Klima, Inflation …
Dahinter aber stehen genau jene Kräfte, die uns nur bierernst sein lassen und den gestiefelten Kater als eine Möglichkeit des Lebens vergessen machen wollen.

Mit Lachen und Humor überleben wir, ja leben wir!

Samstag, 29. Januar 2022

Irrsinniger Putin, der Irrsinn von 11 US-amerikanischen Flugzeugträgern, Gretel und ein not-wendendes Hexenfeuer

Vor einigen Tagen habe ich einen Beitrag auf Facebook veröffentlicht, den doch einige meiner Leser angesichts der  Vereinbarungen der OSZE-Charta und des Versprechens des Westens, dass es keine NATO-Osterweiterung geben werde, einseitig fanden, auch angesichts der Tatsache, wie der Westen überhaupt mit Putin umgegangenen sei. 
Hier zunächst mein Beitrag:

Irrsinniger Putin
Der Wahnsinn an der ukrainischen Grenze kostet jeden Tag Millionen von Euro, wobei die regulären Unterkünfte, die Garnisonen im Landesinneren Russlands, ja weiter unterhalten sein müssen. Aber die Zelte und Baracken, die an der Grenze errichtet worden sind, die notwendigen Installationen für die Wartung von Panzern und die Unterbringung von Waffen und Gerätschaften, die Transportkosten von Menschenmaterial (ist es mehr für Putin?) und Waffen, die Logistik für Essen und Trinken und Sanitär hat Milliarden gekostet und kostet und kostet.
Und die über 100 000 Soldaten wollen unterhalten sein, vor allem durch militärische Spielchen, durch das Verschießen von Munition und Räuber- und Gendarmspiele in der Umgebung, die die Soldaten beschäftigen und verhindern, dass sie auf dumme Gedanken kommen ...
Und das angesichts einer zum Teil bettelarmen Bevölkerung in der Sowjetunion. Nicht einmal Akademiker können zum Teil von ihrem Gehalt leben. Viele, auch junge Menschen, wohnen bei ihren Eltern, weil sie sich keine eigene Wohnung leisten können.
Das interessiert den Kreml-Chef nicht, der auf seinen persönlichen Milliarden sitzt.
Wie groß müssen die Unterdrückungsmechanismen sein, damit die Bevölkerung in diesem Ausmaß zum Stillhalten gezwungen wird angesichts von Zuständen, die im Grunde zum Himmel schreien.
Das ist ein Aspekt; von anderen, dass z.B. Millionen von Menschen in der Ukraine in Angst versetzt worden sind und die gesamte Welt unnötig in Unruhe ist, ganz zu schweigen.
Was für ein Irrsinn. Das aber ist die Situation auf unserer Erde, dass ein paar bescheuerte alte Männer - wir erinnern uns an einen namens Trump, meine Gedanken gehen auch Richtung Ungarn, die Türkei, China und einge Regionen Afrikas - diese Macht haben, ihrem persönlichen Ego zuliebe solche Zustände zu inszenieren.
Wie kann man diese Menschen entmachten?
Was muss geschehen, dass allüberall auf der Welt diese alten, kaputten Männer sich nicht mehr ausagieren können?

Namen wie "Putin", "Erdogan", "Biden", "Scholz" und weitere mögliche Buchstabenfolgen stehen in meinen Augen für eine Realität, die einer Transformation entgegenstrebt. Deshalb habe ich folgenden Beitrag angeschlossen:

PUTIN, 11 FLUGZEUGTRÄGER, GRETEL UND DAS NOT-WENDENDE HEXENFEUER
Mir scheint, dass sich doch recht viele meiner Leser daran gestoßen haben, dass ich Putin Irrsinn zugeordnet habe, wo doch der Irrsinn ganz wo anders zu suchen sei.
Das ist er und ist er zugleich nicht, denn er regiert unsere Erde sozusagen weltweit (ja, er ist universal und ist so mächtig, weil er auch im Universum existiert - noch viel realer und mächtiger als unter uns Menschen).
Dieser Irsinn existiert aus geistiger Sicht nicht, wenn man so will, denn existent ist nur wahrer Geist. Nur ist mir persönlich diese Denke zu abgehoben, solange nämlich mein dürftiger Geist neben dem wahren existiert, existiert für mich eine Realität, die man Maya oder wie auch immer nennen mag (> https://anthrowiki.at/Maya_(Religion)).
In dieser, meiner Realität existiert nicht nur ein verirrter Sinn Putins, sondern es existieren beispielsweise 11 Flugzeugträger der USA, die auf den Weltmeeren patrouillieren - drei weitere sind in Planung -, jeder von ihnen eine Kleinstadt für sich, jede kostet jährlich Millionen, insgesamt verschlingen die zehn Bastionen Milliarden und das, obwohl die Infrastruktur einiger Staaten in den USA völlig am Boden liegt und in diesem gesamten Land ein riesiges Armenhaus existiert. 
Was auch immer Menschen dazu treibt, die Realität von 120 000 Soldaten an einer Grenze zu inszenieren oder höchst überflüssige Flugzeugträger auf den Weltmeeren patrouillieren zu lassen (die Bundeswehr könnte sich Gott sei Dank nicht auch nur annähernd einen einzigen leisten), ich hoffe, dass aus diesem - wie ich es sehe - verirrten Sinn sich möglichst bald ein wirklicher Sinn ergibt.
Ich habe, wie angesprochen, den Eindruck, dass sich manche daran stören, dass ich einer Buchstabenfolge wie -P-u-t-i-n- diesen Irrsinn zuordne. Für mich steht er für diese irr-sinnige, verirrte Geistigkeit weltweit.
Um es in der Märchensprache auszudrücken: die Menschheit tappt wie Hänsel und Gretel orientierungslos und verirrt im Wald.
Doch ich hoffe - und ich bin sogar zuversichtlich -, dass bald sich jener weibliche Mut findet, den Gretel gezeigt hat, als sie die Hexe ins Feuer trat und damit Hänsel und sich rettete, ja erlöste (und damit im Übrigen auch das Hexenbewusstsein, das durch das machtvoll reinigende Feuer gehen muss - die Hexe, sie ist im Übrigen auch ein Teil von uns, so wie das Feuer).
Wenn das geschieht, ist die Zeit der Stiefmutter beendet.  
Märchenhelden wollen oft den alten Zustand des Glücks herstellen. Das gelingt nie, doch ich hoffe, es gelingt uns bald, jenen neuen Glückszustand zu finden, den Jesus im Lukas-Evangelium anspricht:
ICH bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden; was wollte ich lieber, denn es brennete schon!
Es ist dieses Hexenfeuer, das im Hänsel-und-Gretel-Märchen brennt und welches das sogenannte Böse selbst entzündet hat.


In dieser ganzen derzeitigen (Corona-, Putin- und Flugzeugträger-) Existenz entfacht sich dieses Feuer und es wird entflammen, wenn sich eine machtvolle Weiblichkeit zeigen kann (es ist unsere Aufgabe, uns an ihrer (Wieder-)Geburt auf der Erde zu beteiligen), die mit mit ihrer kraftvoll männlichen Seite die Hexe ins Feuer tritt:


Frühmorgens mußte Gretel heraus, den Kessel mit Wasser aufhängen und Feuer anzünden. "Erst wollen wir backen," sagte die Alte, "ich habe den Backofen schon eingeheizt und den Teig geknetet." Sie stieß das arme Gretel hinaus zu dem Backofen, aus dem die Feuerflammen schon herausschlugen "Kriech hinein," sagte die Hexe, "und sieh zu, ob recht eingeheizt ist, damit wir das Brot hineinschieben können." Und wenn Gretel darin war, wollte sie den Ofen zumachen und Gretel sollte darin braten, und dann wollte sie's aufessen. Aber Gretel merkte, was sie im Sinn hatte, und sprach: "Ich weiß nicht, wie ich's machen soll; wie komm ich da hinein?" - "Dumme Gans," sagte die Alte, "die Öffnung ist groß genug, siehst du wohl, ich könnte selbst hinein," krabbelte heran und steckte den Kopf in den Backofen. Da gab ihr Gretel einen Stoß, daß sie weit hineinfuhr, machte die eiserne Tür zu und schob den Riegel vor. Hu! Da fing sie an zu heulen, ganz grauselich; aber Gretel lief fort, und die gottlose Hexe mußte elendiglich verbrennen.