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Sonntag, 18. März 2012

Eine Innigkeit, wie sie es in dieser Weise nur in Volkslieder gibt: Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt ...


   Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt,
   er setzt seine Felder und Wiesen instand.
   Er pflüget den Boden, er egget und sät
   und rührt seine Hände frühmorgens und spät.

   Die Bäu'rin, die Mägde, sie dürfen nicht ruhn:
   Sie haben im Haus und im Garten zu tun;
   sie graben und rechen und singen ein Lied
   und freun sich, wenn alles schön grünet und blüht.

   So geht unter Arbeit das Frühjahr vorbei;
   da erntet der Bauer das duftende Heu.
   Er mäht das Getreide, dann drischt er es aus:
   Im Winter, da gibt es manch'  fröhlichen Schmaus.


Eines der schönsten Volkslieder, die den Frühling ankündigen, ist dieses Lied aus Mähren,einem Gebiet im heutigen Tschechien, ein heute historischer Landstrich, der östlich von Böhmen lag.

Dort sprachen ungefähr ein Drittel der Einwohner Deutsch, und ihnen verdanken wir obige Zeilen, die uns daran erinnern, wie sehr Menschen damals - und manche noch heute - im Rhythmus der Natur lebten und diese für uns und ihre Nachkommen bearbeiteten und damit pflegten, ja ehrten.
Heute setzen wir kaum noch etwas instand, in der Regel kaufen wir gleich Neues; damals noch setzte der Bauer die Natur instand, das heißt in einer ursprünglichen Bedeutung, er brachte sie in einen bestimmten Zustand hinein.

Warum ich Volkslieder so liebe, ist, weil sie mittels so einfacher Mittel so unverblümt eindrücklich sein können.
Das beginnt schon in der ersten Zeile, indem das Prädikat anspannt nicht an zweiter Stelle im Satz steht, wie man das gewohnt ist. Auch Der Bauer als Subjekt steht nicht klotzig am Anfang der Zeile, nein: 
Zunächst geht es mal um den Monat, die Jahreszeit - Im Märzen - und dann erst kommt der Bauer; der hat sich schließlich auch nach der Jahreszeit zu richten! Am Schluss dann das Prädikat. Da müsste der Duden Kopf stehen, wenn es nicht so köstlich einprägsam wäre:

Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt ...

Eine richtige An-Spannung auf das anspannt hin :-))

Lesen Sie mal zum Vergleich: Der Bauer spannt im März seine Rosse an ...
Zum Vergessen !

Apropos Rösslein!
Dieses Diminutiv - Pferde sind eigentlich, vor allem, wenn man vor ihnen steht, nicht unbedingt zierliche Rösslein - gibt in dieser schlichten Koseform wieder, mit welcher Liebe und Zuneigung alles Folgende geschieht. Mit einem einzigen Wort wird hier eine Atmosphäre vermittelt, wie wir sie in diesen Volksliedern auch finden wollen. Selbst wenn die Zeiten von damals vorbei sind, so sind sie doch in unserem Gedächtnis vorhanden und wollen anklingen.

Dieses schlichte und doch in seiner Einfachheit so faszinierende Lied ist mit seinen drei Strophen von Dreiklängen geprägt:
In der ersten Strophe pflügt, eggt und sät der Bauer.
In der zweiten graben, rechen und singen die Bäuerin und ihre Mägde.
In der dritten Strophe wird geerntet, gemäht und gedroschen.

Kein Wunder, dass, wenn in solch einer Atmosphäre das Frühjahr vorbeigeht, im Winter dann fröhlich geschmaust werden kann.

Kommentare:

Bärbel hat gesagt…

Wenn ich derzeit unterwegs in der Natur bin, spreche oder singe ich meistens die erste Strophe. Das gehört für mich in diese Jahreszeit.

Liebe Grüße zum Frühlingsanfang

Bärbel

Johannes G. Klinkmüller hat gesagt…

Hallo, liebe Bärbel,

ja, diese Volkslieder haben eine eigene Magie; ihre Melodien und Texte tun einfach der Seele gut.
Sicherlich hängt das damit zusammen, dass wir mit ihnen aufwachsen durften. Gott sei Dank.

Liebe Grüße und Dir eine wunderschöne Frühlingszeit,

Johannes

Anonym hat gesagt…

Lieber Johannes, ich bin neu auf deinen blog gestoßen, und ich muss sagen ich bin echt begeistert! Vieles was du schreibst ist einfach bei mir und in meinem Leben ganz genau so. Ich bin dankbar dass es in unserer heutigen Zeit noch Menschen gibt die so denken wie ich, und du! Viele sind es nicht, zumindest kenne ich nicht viele.
Liebe grüße, Fred

Ps: wie kann ich meine Kommentare hier unter meinem Namen abgeben? Muss ich mich dafür hier irgendwo anmelden?

Johannes G. Klinkmüller hat gesagt…

Lieber Fred,

klasse, dass Du hierher gefunden hast!

Ja, viele sind es nicht, die unsere Sichtweisen teilen, aber ich glaube, dass nicht wenige einfach auch verunsichert sind und nicht mehr wissen, ob sie denn mit ihrem Denken und Fühlen noch in unsere Zeit passen oder womöglich altmodisch sind.
Aber es gibt Werte, die sind zeitlos, und Wahrheit ist auch zeitlos.
Es ist gut, wenn Menschen, die auf dem Weg zu ihr sind, sich sozusagen die inneren Hände reichen und sich in ihrer Aus-Richtung bestärken.
Was ich hier schreibe, schreibe ich eigentlich immer im Blick auf mich selbst; aber es freut mich ganz arg - wie der Schwabe sagt :-) -, wenn sich andere in dem, was ich schreibe, finden.
Das macht mir Mut.

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Ansonsten müsste es auch gehen, wenn Du Name/URL anklickst und Deinen Namen eingibst. Wenn Du keinen Blog oder HomePage hast, trägst Du unter URL einfach nichts ein; der Kommentar müsste sich trotzdem hochladen lassen.

Liebe Grüße,
Johannes