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Samstag, 29. September 2012

Friedrich Nietzsches "Vereinsamt" – und die Antwort des Himmels


                          






                          

                          Friedrich 
                          Nietzsche (1844-1900)

Vereinsamt
Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein. -
Wohl dem, der jetzt noch - Heimat hat!
Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts, ach! wie lange schon!
Was bist du Narr
Vor Winters in die Welt - entflohn?
Die Welt - ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends halt.
Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.
Flieg, Vogel, schnarr
Dein Lied im Wüsten-Vogel-Ton! -
Versteck, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!
Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
- Bald wird es schnein,
Weh dem, der keine Heimat hat!


Bild:
 Albrecht Dürer, Maria mit Kind (Ausschnitt)

Kommentare:

Matthias hat gesagt…

Heute zum Erntedankfest zur Predigt gehört.

Empfänger unbekannt - Retour à l'expéditeur

Vielen Dank für die Wolken.

Vielen Dank für das Wohltemperierte Klavier und, warum nicht, für die warmen Winterstiefel.

Vielen Dank für mein sonderbares Gehirn und für allerhand andre verborgne Organe,
für die Luft, und natürlich für den Bordeaux.
Herzlichen Dank dafür, dass mir das Feuerzeug nicht ausgeht,
und die Begierde, und das Bedauern, das inständige Bedauern.
Vielen Dank für die vier Jahreszeiten,
für die Zahl und für das Koffein,
und natürlich für die Erdbeeren auf dem Teller,
gemalt von Chardin, sowie für den Schlaf,
für den Schlaf ganz besonders,
und, damit ich es nicht vergesse,
für den Anfang und das Ende und die paar Minuten dazwischen inständigen Dank,
meinetwegen für die Wühlmäuse draußen im Garten auch.
Magnus Enzensberger

Johannes G. Klinkmüller hat gesagt…

Hallo Matthias,

ja, das ist wohl augenzwinkernd geschrieben von Enzensberger. Ich hab keine Ahnung, ob er an Gott glaubt oder nicht, aber sein "Empfänger unbekannt" ist doch auch ein gutes Stück weit ein für mich sehr ernsthaftes Dankeschön. Der Empfänger ist ihm nicht bekannt ... das klingt nicht gerade christlich :-))
Aber ein ernsthafter Dank verhallt nie ungehört in den Weiten des Kosmos.

Liebe Grüße,
Johannes