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Donnerstag, 11. Juni 2026

🌼 Mit unserem Herzen in der Sonne sein !! 🌼 "Sucht nicht nach Portalen: Seid ein Portal." 🌼

Manches, was Rudolf Steiner vor über 100 Jahren gelehrt hat, ist heute zumindest für jene, die auf dem Weg des reinen Herzens sind, überholt, das gilt beispielsweise für die Bedeutung des Karma; es verliert für mehr und mehr Menschen seine Gültigkeit - oder hat sie schon verloren
Was er aber über das Verhältnis des Menschen zur Sonne gesagt hat, vor allem, was er über das Verhältnis des menschlichen Herzens zur Sonne äußerte, wird noch eine ganze Zeitlang zum Wichtigsten gehören, was unser Herz wissen sollte:
Was innerhalb unserer Haut liegt, das ist nichts anderes als das Spiegelbild des äußeren Weltorganismus. Versteht man dasjenige, was das Herz im menschlichen Leibe ist, dann lernt man auch verstehen, daß die Sonne nicht das ist, was Newton meint, der allgemeine Seilzieher, der da seine Seile, Gravitationskraft genannt, hinüberschickt nach den Planeten, sondern, so wie die Herzbewegung das Ergebnis ist des Lebendigen der Zirkulation [für Steiner ist das Herz nicht die Pumpe, die das Blut bewegt, sondern das Blut ist es, was das Herz schlagen lässt], so ist die Sonne nichts anderes als das Ergebnis des ganzen Planetensystems. Die Sonne ist Resultat, nicht Ausgangspunkt.
Das lebendige Zusammenwirken des Sonnensystems ergibt in der Mitte eine Aushöhlung, die da spiegelt. Und das ist die Sonne, ein saugender Hohlraum. Und dasjenige, was uns zuscheint im Lichte, das ist Rückstrahlung desjenigen, was erst aus dem Weltenraum hinkommt – so wie die Bewegung des Herzens nichts anderes ist als dasjenige, was aus der Lebendigkeit von Durst und Hunger und so weiter, in der Zusammenwirkung der Organe, in der Blutbewegung im Herzen sich staut.
Die Sonne versteht derjenige, der das menschliche Herz versteht. [GA 201, S. 49ff]
Wir nehmen als Menschen wahr, was um uns herum ist als Rückstrahlung des Sonnenhaften. In dem Momente aber, wo wir zur inspirierten Erkenntnis kommen, wo das Herz Sinneswahrnehmungsorgan wird, fühlen wir uns mit unserem Herzen in der Sonne drinnen und mit der Sonne selber gehend, indem das Herz unser Sinnesorgan wird. Für uns selbst wird das Herz zu gleicher Zeit wie hinausgerückt in die Sonne, und die Sonne wird unser Auge, mit dem wir jetzt dasjenige, was anfängt, um uns herum zu sein, anschauen. Die Sonne wird jetzt zu unserem Auge, auch zu unserem Ohr, auch zu unserem Wärmeorgan. Wir haben nun nicht mehr das Gefühl, daß wir außerhalb des Sonnenhaften sind, sondern wir haben das Gefühl: Wir sind in das Sonnenhafte hineingerückt, wir stehen innerhalb des Lichtes, und unser eigenes Wesen ist Licht. Wir berühren mit unseren Lichtorganen, die wir jetzt in dem wallenden, webenden Lichte haben, die geistigen Wesenheiten. Wir werden mit unserem Seelischen jetzt verwandt der Welt, die nicht außerhalb der Sonne ist, sondern die innerhalb der Sonne ist, und zwar, ich bemerke ausdrücklich: linienhaft werden wir das, wir fühlen uns wie auf dem Weg der Sonne, linienhaft auf dem Weg der Sonne. Und geht jetzt die höhere Erkenntnis nur um ein kleines Stück weiter, dann fühlen wir uns nicht nur in der Sonne drinnen, sondern dann fühlen wir uns gewissermaßen da jenseits der Sonne.
Früher waren wir da unten so ein kleiner Mensch und sahen zur Sonne hinauf. Jetzt sind wir in die Sonne hineingekommen, fühlen uns mit unserem seelischen Wesen innerhalb der Sonne, und die Welt ist in uns, die bisher um uns herum war. Aber erst wenn wir dies errungen haben, beginnen wir zu verstehen, daß wir, wenn wir im gewöhnlichen Erdenleben schlafen, mit unserer Seele da hinausgehen. Da sind wir, wo wir so eingerichtet sind, daß wir eigentlich nur durch die Sonne wahrnehmen sollen.
Jetzt gehen wir mit unserem Seelischen da hinaus in die Welt, die uns nur durch die Sonnenreflexion klar werden kann; daher nehmen wir da nichts wahr. Wir müssen hinausrücken über das Gebiet der Sonnensphäre. (…)
Was ist es denn eigentlich, was uns abtrennt von diesem Gebiet, in dem wir leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt? Ja, man kann nichts anderes sagen als: Die Sonne ist das. Wir werden als Menschen in die physische Welt hineingeboren. Vor der Konzeption, bevor wir heruntergestiegen sind, haben wir mit der äußeren physischen Sonne nichts zu tun, nur mit dem, was hinter der Sonne als Geistiges steht, mit dem haben wir zu tun. Jetzt steigen wir in die physische Welt herunter. Da strahlt überall die Sonne hin. Was sie uns sichtbar macht auf physische Weise, das nehmen wir in unsere Gedanken, in unsere Vorstellungen auf. Diese physische Sonne verhindert uns, das Geistige zu sehen. Und wenn wir nach dem Einschlafen da draußen sind unter den Gegenständen, die sie uns sonst sichtbar macht, sind wir eben, weil wir während des Erdenlebens mit unserem physischen Leib an das Erdenleben gewöhnt sind, zu schwach, um hinauszusehen außerhalb des Sonnengebietes, und im Sonnengebiet können wir nichts sehen, denn da würden wir die anderen Wesen sehen müssen, die uns entweder als elementarische Geister oder als Geister der höheren Hierarchien in der äußeren Welt umgeben. [GA 212, S. 76ff]

Die Zeit kommt - bzw. ist schon da -, wo Menschen nicht mehr zu schwach sind, hinauszusehen über das Sonnengebiet hinaus.
Wir wissen heute, dass die Sonne nicht das ist, was uns die Astrophysik weismacht, denn aus spiritueller Sicht ist sie in erster Linie ein Portal, das uns die Türen öffnet zu weiteren Dimensionen, Bereichen und Zeiten. So wir wir uns in die Sonne fühlen können - und das mag eine wichtige Meditationsmöglichkeit sein -, so ist die Sonne auch in uns.

Deshalb sagt Thor Han, ein Plejader, in Elena Danaans "Ein Geschenk der Sterne. Kontakte mit Außerirdischen und Sammlung von Alien-Rassen":

"Sucht nicht nach Portalen: Seid ein Portal. "

Samstag, 9. Dezember 2023

Zur Herzensbildung (Teil 4): ÜBER DEN LÖWEN IN UNS

(der Beginn, Teil I findet sich hier: https://lmy.de/cyrr )

Wer den Löwen in sich hat, braucht ihn außerhalb nicht mehr fürchten. Es mag etwas - ich sage sogar: viel - Wahres an dieser Ansicht sein und Goethes „Novelle“ gibt uns ein aus dem Leben gegriffenes Beispiel über den Zusammenhang von Löwe, Feuer, Herz und Mut. In Teil V dazu mehr.

Zunächst möchte ich auf eine Geschichte verweisen, die meine Kindheit prägte und ich wünschte, Eltern würden sie ihren Kindern als Gute-Nacht-Geschichte immer mal wieder vorlesen oder erzählen; es ist jene von Daniel in der Löwengrube [https://lmy.de/aXOA].
Die Löwenenergie, die Daniel besitzt, ist dem Feuer verwandt, und so verwundert es nicht, dass sich im alttestamentarischen Buch Daniel eine vergleichbare Geschichte findet, jene von den Drei Männern im Feuerofen [https://lmy.de/ZMDd]; auch sie ist - im angesprochenen Sinne - eine wertvolle Gute-Nacht-Geschichte.

Warum solche Erzählungen wie Balsam für die Seelen sind, erklärt sich daraus, dass wir in einer Welt zunehmend ohne Prinzipien, ohne Werte, ohne Ideale leben, ohne herzenstiefe Religiosität. Gewiss gilt das nicht für alle lebenden Zeitgenossen, aber jene, die wie Daniel sowie Schadrach, Meschach und Abed-Nego zu ihrer Überzeugung stehen und mutige Bekenner eines Sinnes, der in ihnen ist und zu dem sie stehen, wenn es auch das Leben kostet, sind, finden sich doch selten.
Man spürt, wie sehr die Seele aufatmet, wenn sie solche Erzählungen hören darf, weil sie doch den Mut nicht verlieren will. Die Seele braucht in dieser Zeit mehr denn je diese Nahrung!
Gerade auch die von Kindern!

Gewiss ist der Mut eine Eigenschaft, die mehr dem Weiblichen zuteil ist, was mit der Herkunft der Frauen aus der Gruppenseele der Löwentiermenschen (vgl. Sphinxtiere) zusammenhängt, dennoch haben wir in oben erwähnten Erzählungen zugleich ein Beispiel für echte Männlichkeit und Standhaftigkeit.

Gerade vor dem Hintergrund, dass wir derzeit einen Bundeskanzler haben, der lügt und sich an krumme Absprachen nicht erinnern will (Cum-Ex) und der, bei ihm selten extrem, kaum eine männliche Seite bzw. Energie hat – man schaue nur einmal, wie er geht und dass er kaum in der Lage ist, die Hüfte zu bewegen und zum Teil fast Tippelschritte macht wie ein Kind – , wird offenbar, wie sehr sich unser Volk bzw. Kulturkreis sehnt nach einer Männlichkeit, die lebendig ist und gelebt sein will - sie darf sich auch im Äußeren zeigen. Ich glaube, dass es kein Zufall ist, dass so viele Menschen diesen Mann in seiner männlichen Unmännlichkeit immer wieder ansehen müssen; die Seele leidet, wenn sie solch menschliche Reduktion sieht, vor allem, wenn sie behebbar wäre. Sie benötigt aber dieses Lehrprogramm.
Die Seelen der Menschen leiden ganz besonders in dieser Zeit des Übergangs von der kaputten patriarchalischen Männlichkeit hin zu einer neuen kosmischen, weil viele spüren, dass das Alte geht, sie aber das Neue noch nicht wirklich sehen.
Gewiss ist, kosmisch gesehen, eine neue Männlichkeit zur Erde unterwegs und lebt hier auch schon in Ansätzen und entwickelt sich, noch aber haben zu wenige Männer bewusst das unerlöste, nicht zu erlösende, weil dem Untergang geweihte kollektive Feld einer kaputten degeneriert-patriarchalischen Männlichkeit verlassen, bewusst verlassen. Das Patriarchat hatte für eine gewisse Zeit eine Funktion im Rahmen der menschlichen Entwicklung; die Zeit aber ist nun endgültig vorbei und Frauen und Männer sollten die Erdogans, Putins, Orbans, Bidens, wie überhaupt diese ganzen alten Männer, die sich zum Teil auch in jungen Männern, gerade auch Politikern verstecken, entmächtigen. Im übrigen sollten auch Frauen aus ihrer Opferrolle, die als solche nicht stimmig ist, herauskommen, soweit sie sich darin befinden – und es tun das nicht wenige –, und sehen, dass auch eine neue Weiblichkeit gelebt sein will, eine Weiblichkeit, wie sie auf eine bisher nicht gekannte Weise das Männliche schätzt, anstatt, wie das viele zum Teil unbewusst tun, das Männliche zum Maßstab zu nehmen, an dem man erfolgreiche Weiblichkeit misst, um so sich endlich überlegen zu fühlen.- Eine totale seelische Sackgasse.

UNTERWEGS ZUR ZEHNTEN HIERARCHIE

Auf eine untrennbare Weise ist der Löwe in uns mit unserer Herzenskraft verbunden und mit dem Mut, einem Mut, der Voraussetzung dafür ist, dass wir demütig sein können vor der Größe menschlichen Seins als der zehnten Hierarchie, wie sie sich entwickelt, weil sie eine geniale Idee vorausgehender Hierarchien ist, die eine unvorstellbare Größe besitzen und im Menschentum ein Neues schaffen, etwas kosmisch ganz Neues, von dem die Bibel in Bezug auf die nächste große Phase als dem Neuen Jerusalem spricht, auf das noch der sechste und siebente Schöpfungstag folgt. Unsere Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen.
Die wunderbare Ricarda Huch, Autorin u.a. von Luthers Glaube, selbst im Übergang vom Krebs zum Löwen geboren, lässt ein sehr ehrliches, sehr schonungsloses Gedicht beginnen mit - kein Zufall dieser Zusammenhang - „Mein Herz mein Löwe“ und die ersten beiden Zeilen lauten:
Mein Herz, mein Löwe, hält seine Beute fest,
Sein Geliebtes fest in den Fängen …
Es ist übrigens bezeichnend, dass sie in ihrem eben genannten Buch mit jenen ins Gericht geht, von denen es zur Zeit viel zu viele gibt:
Die meisten Berufenen scheitern daran, dass sie nicht kämpfen und leiden wollen. Sie möchten wohl Auserwählte sein, aber, wie Papageno [in Mozarts „Zauberflöte“; Anm. J.K.], nicht durch Feuer und Wasser gehen, und gleichen Frauen, die sich nach Kindern sehnen, aber die Qual, sie zu tragen und hervorzubringen, nicht auf sich nehmen mögen. Es gibt Menschen, die dem Leiden ausweichen, und es gibt Menschen, die das Leiden suchen und denen das Leiden ausweicht; wen Gott auserwählt hat, dem zwingt er das Leiden auf. Und zwar zwingt er es ihm auf durch das Mittel, durch welches er überhaupt im Menschen wirkt, nämlich durch das Herz; insofern nun jedem sein Herz selbst angehört, macht jeder sich sein Schicksal selbst.
Unsere Erde braucht Frauen und Männer mit innerem Feuer und Löwenkraft.

HILFEN DURCH UNSERE TIERKREISZEICHEN

Den Zusammenhang von Löwe, Feuer und Herz stellt insbesondere White Eagle - in seinem letzten Leben ein großer Irokesen-Häuptling, wohl Hiawatha [https://de.wikipedia.org/wiki/Hiawatha], der legendäre Gründer des Bundes der sechs Irokesenstämme und nun wohl Mitglied der Weißen Bruderschaft - in seinem „Großen Heilungsbuch“ heraus. In dessen letztem Kapitel „Astrologie und geistiges Heilen“ betont er, wie wichtig es für das geistige Heilen sei, um die Bedeutung des Sonnenzeichens, unter dem die Menschen geboren sind, zu wissen, ihr Tierkreiszeichen. Er weiß darum, dass Löwe-Menschen - ihr Zeichen ist dem Element des Feuers zugeordnet - dazu neigen, ihr Vertrauen zu spontan und leichtgläubig zu verschenken und sich dadurch häufig heftige Enttäuschungen einzuhandeln, weiß auch, dass sie gegebenenfalls im Verhältnis zu geliebten Partnern und Kindern viel Herzenskummer und Enttäuschungen erleben, doch wirken sich diese Erfahrungen oft sehr segensreich für sie aus, öffnen sie doch das Herz des Löwe-Menschen zu echtem Verständnis, zumal im Herzen aller Feuerzeichen ein ausgeprägter Sinn für Ehrenhaftigkeit und Integrität brennt und alle Seelen unter diesem Zeichen nicht anders könnten, als im Lichte zu leben. So White Eagle.

Für alle Heiler in diesem Zeichen sei es unerlässlich, sich selbst der großen machtvollen Sonne zu öffnen, zumal es ihnen als Löwe-Geborenen leichtfalle, sich zum ewigen Licht der Sonne zu erheben und von ihrem Herzen aus alle ihre Werke zu vollbringen, von ihrem Löwe-Herzen, das wie kein anderes Organ dazu erschaffen worden sei, das solare, also das Sonnen-Feuer in sich zu entwickeln und weithin zu allen Wesen auszustrahlen.

Anmerken möchte ich hier, dass alle Tierkreiszeichen auf ihre Weise wunderbare spezifische Heilungsmöglichkeiten beinhalten, doch spielt im Tierkreiszeichen des Löwen das Herz eine ganz besondere Rolle.

Wenn Paracelsus darauf verweist, dass wir den Himmel in uns reinigen mögen, so bedeutet das in einem umfassenden Verständnis der Bedeutung des Tierkreises, dass wir alle Tierkreiszeichen in uns integrieren, damit wir zu einem umfassenden Verständnis des Kosmos gelangen.

In einem abschließenden Teil möchte ich auf die zukünftige Bedeutung des Herzens verweisen, wie es sich also weiterentwickelt in zukünftigen Entwicklungsstufen unseres Menschseins und ich möchte Goethes Novelle empfehlen, die auf wunderbare Weise zeigt, wie in unserem Menschenleben äußeres und inneres Feuer, äußerer und innerer Löwe, Mut und Herzfähigkeit zusammenhängen.

Dienstag, 14. November 2023

Nur Herzensbildung bewirkt ein Klima, in dem wir Menschen überleben (Teil II)

Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor;
Heiße Magister, heiße Doktor gar
Und ziehe schon an die zehen Jahr
Herauf, herab und quer und krumm
Meine Schüler an der Nase herum-
Und sehe, daß wir nichts wissen können!
So beginnt Goethes "Faust" - genauer gesagt: die Fausthandlung - und mancher mag sich fragen, warum man überhaupt Kinder womöglich aufs Gymnasium schickt, wenn sie doch zu der Erkenntnis des Faust kommen könnten. Zumal der im Gespräch mit seinem Famulus Wagner noch äußert:

Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen,
Wenn es nicht aus der Seele dringt
Und mit urkräftigem Behagen
Die Herzen aller Hörer zwingt.
Sitzt ihr nur immer! leimt zusammen,
Braut ein Ragout von andrer Schmaus
Und blast die kümmerlichen Flammen
Aus eurem Aschenhäuschen 'raus!
Bewundrung von Kindern und Affen,
Wenn euch darnach der Gaumen steht-
Doch werdet ihr nie Herz zu Herzen schaffen,
Wenn es euch nicht von Herzen geht.
(…)
Erquickung hast du nicht gewonnen,
Wenn sie dir nicht aus eigner Seele quillt.

Ohne Gefühl, ohne Seele geht doch Faust/Goethe zufolge offensichtlich gar nichts, schon gar nicht ohne Herz.
Wird Faust dem Anspruch selbst gerecht?
Ziemlich am Ende von "Faust II" müssen immerhin Philemon und Baucis, das alte sympathische Pärchen, sterben, weil Faust nicht glaubt, ohne die Parzelle, auf der sie leben, verzichten zu können und Mephisto mitsamt dessen Schergen losschickt mit den bekannten Folgen, dem Tod der beiden Alten.

Dessen ungeachtet:
Wird unsere Bildung den Aussagen des Faust gerecht, was Gefühl, Herz und Bedeutung der Seele als Quelle betrifft?
Ich bin kein Freund von Ironie, weil jene, die sich nicht trauen, die Wahrheit offen zu sagen, mit ihrer Hilfe ihre Unfähigkeit oder fehlende Bereitschaft zu Klarheit und Eindeutigkeit hinter ihr verstecken, hier sei sie mir aber gestattet:

Gut, dass in unserer Schule immer seltener der "Faust" gelesen wird, wo heute doch wichtiger ist, dass Schüler einen Computer oder ein Tablet bedienen sowie mit diversen scheinbar lebenswichtigen Programmen umgehen können. Immer weniger kommen Bildungspolitiker in eine Bredouille, was die Forderung, der Bedeutung von Gefühlen gerecht zu werden, betrifft; nach wie vor steht Wirtschaftswachstum an erster Stelle, und wenn Menschlichkeit und Herz eine Rolle spielen, dann höchstens, wenn sie für das ständige Wachstum notwendig sind, beispielsweise, weil sie, auf die Fahne zu schreiben, verkaufsfördernd ist.

ÜBER DAS VERHÄLTNIS VON TRADITIONELLER BILDUNG ZU HERZENSBILDUNG

Ist es also noch zeitgemäß, Goethe ernst zu nehmen? Sollte man den "Faust" nicht am besten aus dem Bildungskanon entfernen (damit niemand mehr auf dumme Gedanken kommt)? – Wobei man den "Faust" ja lesen kann, um eben gebildet zu sein - das kann doch genügen. Man kann ihn ja zu Kopf, aber nicht zu Herzen nehmen ….

Vor mir liegen zwei Bücher, der Verfasser des einen ist Dietrich Schwanitz und der Titel lautet „Bildung. Alles, was man wissen muß.“ Das klingt etwas zwanghaft und wenn einer sich das ausführliche Inhaltsverzeichnis anschaut – ich habe es auf Wortbrunnen eingescannt > https://bit.ly/49wZfXg < – dann mag in der Tat der ein oder andere Alpträume bekommen – aufgrund seiner ungeheueren Bildungslosigkeit.
Aber ist es nicht zugleich doch durchaus angebracht, das ein oder andere zu wissen, um zu verstehen, wie Menschen früher gelebt haben, warum die griechische Philosophie, unter anderem Platon und Aristoteles, einen so großen Einfluss auf unser Denken und unser Erkennen hatten, warum unsere heutigen Fähigkeiten durchaus eng mit Leonardo da Vincis Wirken zusammenhängen und dem von Galileo Galilei, Kopernikus und Einstein? Ist unser heutiges seelisches Befinden vorstellbar ohne die Werke der bildenden Kunst und der Musik, dem Schaffen Freuds oder auch C.G. Jungs? Reden wir nicht heute wie selbstverständlich mit Jung von dem Schatten und von introvertiert und extrovertiert und ist es nicht gut, dass wir gelernt haben, diesbezüglich zu differenzieren?
Wären wir nicht erheblich anders, wenn es nicht das Wissen darum und die Entwicklung des daraus folgenden Bewusstsein gegeben hätte?

Das Buch von Schwanitz umfasst übrigens 700 Seiten und das von Ernst Peter Fischer mit dem Titel „Die andere Bildung“ immerhin doch auch 450 Seiten. Unsere Welt lässt sich, so Fischer nicht ohne wissenschaftliche Kenntnisse mehr begreifen, wobei allerdings in Deutschland Naturwissenschaft und Bildung seiner Ansicht nach nicht unbedingt zusammengehören. Und im Klappentext heißt es: „Ernst Peter Fischer geht auf originelle, unverkrampfte und überaus unterhaltsamer Weise gegen diese Bildungslücke vor.“
Tatsächlich weisen seine Kapitelüberschriften – unter anderem „Die Aktualität der Alchemie und die Hartnäckigkeit der Astrologie“ (Kap. 4), „Der Kosmos und seine Grenzen“ (Kap. 5), „Eine verschränkte Welt – Die Lektion der Atome“ (Kap. 6) – auf eine bemerkenswerte und durchaus originelle Herangehensweise an den Sinn von Wissen und dessen Aneignung hin.
Zweifelsohne ist man ein ganzes Stück weiter in Sachen Bildung, wenn man eines der beiden Bücher liest, aber die meisten überleben doch ohne ihre Lektüre – und fühlen sich nicht unbedingt ungebildet.
Niemand bestreitet, dass ein gewisses Maß an Bildung sinnvoll ist und der ein oder andere wird ein recht bildungsbürgerliches Buch gelesen haben, das er nicht missen möchte, sei es ein Buch über die faszinierende Malerei der Renaissance, über Tut ench Amun, über das Schaffen eines Beethoven oder was es mit der Quantenphysik auf sich hat.
Nun vertritt allerdings der ein oder andere Forscher die Auffassung, dass sich das Wissen, das es auf unserer Erde gibt, mittlerweile innerhalb von 5 - 7 Jahren verdoppelt, in der Vergangenheit nicht so schnell, aber in den letzten zwei, drei Jahrzehnten doch zunehmend schneller. Ist es dennoch sinnvoll, sich auf die bisher gängige Weise bilden zu wollen? Wenn doch alles heute eh per Computer beziehungsweise Smartphone nachschlagbar ist?
Ist es nicht sind sinnvoller, sich weniger zu bilden, stattdessen zu lernen, Wissen zu verwalten und mit diversen Wissensspeichern umzugehen?

MACHT BILDUNG GLÜCKLICH?

Bildung hat ja, wie wir im ersten Teil zum Thema Herzensbildung entnehmen konnten, nicht unbedingt zu mehr Menschlichkeit geführt. So mag letztendlich jeder selbst entscheiden, welchen Stellenwert er der traditionellen Bildung und dem traditionellen Bildungskanon zumisst.
Die Frage, die hinter allem steht, ist doch schon immer und heute besonders: Macht Bildung glücklich? Bringt sie uns unserem Lebensziel näher? Hat überhaupt, sich Gedanken über sein Lebensziel zu machen, bisher gar nicht zu unserem Bildungskanon gehört? Oder ob es wichtig ist zu wissen, warum wir unter unseren Zeitverhältnis leben? Ist es wichtig zu wissen, ob es Ewigkeit gibt?
Viele werden mit mir der Auffassung sein, dass obige Fragen nur jeder für sich beantworten kann. Die meisten mögen mit mir der Auffassung sein, dass, ein gutes Buch zu lesen, sinnvoller ist, als vor dem Fernseher zu hocken, dass eine Veranstaltung zu besuchen, in der es um naturwissenschaftliche oder geisteswissenschaftliche Themen geht, lohnenswert ist, weil solch ein Besuch Fragen in uns beantworten kann oder neue wichtige aufwirft. Ich persönlich habe es immer für erweiternd empfunden, wenn ich ein Buch, sei es ein naturwissenschaftliches oder ein geisteswissenschaftliches gelesen habe. Diverse Bücher haben mein Leben sehr geprägt und ich möchte sie nicht missen, auch wenn sie einer traditionellen Bildungsrichtung entsprachen.
Aus meiner Sicht ist es zudem unabdingbar, dass wir unseren Geist schulen, unsere Fähigkeit, logisch zu denken, weiterentwickeln, damit wir in der Lage sind, einen Fake von der Wahrheit zu unterscheiden, erkennen können, inwieweit Informationen korrekt sein mögen, jemand ehrlich und aufrichtig spricht.
Es mag jemanden, dessen innere Persönlichkeit stärker auf den Gefühlsbereich ausgerichtet ist, recht schwerfallen, doch gerade für ihn ist es wichtig, auch in letzterem Bereich gewisse Fähigkeiten zu haben bzw. zu entwickeln und zu schulen. Natürlich gilt umgekehrt auch für jemanden, dessen innere Persönlichkeit stärker auf die mentale Ebene ausgerichtet ist, sich um seinen Gefühlsbereich zu kümmern.
Gerade für ihn, aber generell für alle ist es unabdingbar, an den eigenen Gefühlen zu arbeiten, seine Fähigkeiten für Empathie und Mitgefühl weiterzuentwickeln, sich selbst zu erkennen, um auch die Welt und den anderen besser zu erkennen.

ALLE DINGE ENTSTEHEN IM GEIST

Ich halte (traditionelle) Bildung für wichtig. Ich halte es für wichtig zu wissen, was es mit einer materiellen und mit einer geistigen Auffassung von Wirklichkeit auf sich hat und welche Folgen Einseitigkeiten haben. Zugleich halte ich es für unabdingbar, sich darum zu bemühen, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, was das Dhammapada, die gesammelten Buddhaworte also, anspricht, wenn es dort heißt:

Alle Dinge entstehen im Geist,
Sind unseres mächtigen Geistes Schöpfung.
(hier dazu mehr: https://bit.ly/3MGY1Pj)

Gibt es ein Leben nach dem Tod? Gibt es mehrere Inkarnationen?
Warum gibt es einen unbewussten Teil der Seele und einen bewussten?
Warum sind Menschen so unterschiedlich?
Ist Bildung, die den Raum der Seele erfasst und sich um ihn kümmert, wichtig und warum legt unsere Schulbildung so wenig Wert darauf?

Die meisten Menschen in meinem Umfeld beantworten diese Frage mit ja und ich muss gestehen, dass mir Mitbürger, denen die seelisch geistigen Hintergründe ihres eigenen Seins und des Geschehens auf der Erde wichtig sind, immer wichtiger wurden.

Menschen, die sich für den Raum der Seele nicht interessieren, sind gewiss von ihrer menschlichen Existenz her gesehen genauso wertvoll wie andere, die sich um jenen kümmern, doch ist der Weg der Ersteren nicht mehr der meine, weil für das Überleben der Erde jene notwendig sind, die durch ihr inneres seelisches Engagement und den Willen, erkennen zu wollen, was, wie es Faust sagt, die Welt im Innersten zusammenhält, meines Erachtens die Entwicklung der Erde vorwärts treiben und dafür sorgen dass sie nicht im Morast des Werteverfalls und zwanghaft ständigen Wirtschaftswachstums untergeht.

WARUM DREI KREUZE AUF GOLGATHA STEHEN

Eine meiner wichtigsten Erkenntnisse war, als mir klar wurde, dass es im Rahmen des Lebens, in dem sich die üblichen Dualismen befehden, sei es der Westen versus dem Osten, sei es gut versus böse oder - um es mit Odysseus/Homer zu sagen - Skylla versus Charybde, nie Frieden gibt.
Es wird keinen Frieden geben, so sehr sich auch Politiker um diverse Friedensprogramme bemühen; sie werden in der Welt der Dualität zum Scheitern verurteilt sein. Es ist die Welt der Zwei. Frieden allein gibt es für mich in der Welt der Drei, der Trinität. In ihr geht, um es auf unsere Erdenwelt zu übertragen, um einen Weg des Friedens zwischen dem einen und dem anderen Pol. Es ist der Weg des Mitgefühls für sich und den anderen, es ist der Weg der Freude, der Sanftmut, der Hilfsbereitschaft und Liebe, der Geduld und Güte. Der Grund, warum auf Golgatha drei Kreuze standen und nicht nur eines, besteht genau darin dass das mittlere Kreuz zwischen den beiden anderen steht, die ohne dass Kreuz Christi nie Frieden finden und Auferstehung eines Bewusstseins, das die Welt verändert.

Herzensbildung bedeutet, dass es eine Bildung geben muss, die danach schaut, ob das Herz gefördert wird durch sie, ob es nicht eben nur ein wirtschaftliches Wachstum gibt, sondern ein seelisch geistiges. Politiker, die auf Letzteres nicht achten, haben meines Erachtens nicht verstanden, um was es wirklich geht und was unsere Erde vor dem Verfall rettet. Es ist der Parzival-Weg, den die Menschheit geht, tut sie es nicht, geht sie an sich selbst zu Grunde.
Es tut Not dass mehr und mehr Menschen Bildungspolitiker und Politiker überhaupt fragen, ob sie denn wissen, was mit dieser Art von Herzensbildung gemeint ist. Wissen sie es nicht, sind sie fehl am Platz und sollten einen Einkaufsmarkt oder eine Bankfiliale leiten, nicht aber für Menschen, für ein Volk zuständig sein, vor allem nicht für Kinder.

HERZENSBILDUNG UND MÄRCHEN

Herzensbildung fragt aber dem Wort nach auch danach, wie sich in einzelnen Menschen ein lebensvolles Herz bildet.
Da spielen in der frühen Kindheit Märchen eine überaus wichtige Rolle; manche versuchen sie ja in Misskredit zu bringen, indem sie darauf hinweisen, wie brutal manche Märchen sind. Davon abgesehen, dass die Seele des Kindes oft die Geistessprache der Märchen intuitiv versteht, ist doch, was Erwachsene heute Kinderseelen zumuten, zumeist viel brutaler. Ich habe einmal gelesen, wieviel Tote ein Kind in den Medien gesehen hat, bis es zwölf Jahre alt ist; ich weiß die genaue Zahl nicht mehr (es waren mehrere tausend): jedenfalls war ich total erschüttert.
Wichtig, gerade auch für Jungen, sind Heldensagen, denn sie stärken das Männliche im Heranwachsenden, und diese Männlichkeit bedarf der Vorbilder (vor allem, wenn kein Vater da ist und sei es auch, dass er da ist, aber in Wirklichkeit nicht, weil er nicht wirklich ein Mann ist). Nicht von ungefähr war es ja früher so, dass Jugendliche Karl May verschlungen haben oder die Geschichten um den Häuptling Tecumseh und andere mehr.
Am allerwichtigsten sind natürlich Erwachsene, vor allem Eltern, in denen ein liebevolles Herz schlägt; Kinder suchen sich ja in dieser Hinsicht gegebenenfalls Ersatz-Eltern aus und manche Lehrer, manche Lehrerin erfüllen diese Funktion, manche Oma oder Opa, der Trainer im Sportverein, die Pfarrerin einer Kirchengemeinde. Im Grunde aber kann kein Mensch das lebensvolle Herz eines Vaters oder meiner Mutter ersetzen, und Menschen, die diese missen müssen, haben sich oft selbst die Seelenaufgabe gestellt zu erkennen, dass ihnen diese Liebe fehlt – und damit auch oft Vertrauen ins Leben – und dass sie diese Liebe in ihrem Leben auf ihre Weise finden müssen.

HERZENSTIEFE ENTSTEHT IM VERLAUFE VIELER LEBEN

In seinen vielen Leben wird jeder Mensch mit einer solchen Lebenskonstellation in Sachen Liebe mindestens einmal konfrontiert, meistens mehrfach.
Ein liebevoller Herz entwickelt sich nicht in einem einzigen Leben. Wir nehmen Erfahrungen aus einem früheren Leben in ein nächstes mit und daher können wir auch Menschen kennen, denen wir eine solche Herzenstiefe anspüren, wie sie kaum in einem einzigen Leben gewachsen sein kann. Andererseits gibt es so genannte junge Seelen, die ihr Herz noch nicht so weit entwickelt haben können und denen man das durchaus nachsehen mag: Donald Trump beispielsweise ist meines Erachtens eine solche junge Seele.

EIN HERZ, SO GROß WIE DIE WELT SELBST

Die meisten von uns wissen aus eigener Erfahrung, wie sehr Leid Menschen verändern, ein Herz weich werden lassen kann und zu einem Fühlen und Erfahren führt, was aus großen Schmerzen heraus gewachsen ist.
Herzensbildung ist gewachsen aus und in Mitgefühl und hier gibt es kein Ende der Entwicklung, denn ein mitfühlendes Herz ist so groß wie unsere Welt selbst.
In einem dritten Beitrag möchte ich noch darauf eingehen, welche Bedeutung dem Mut zukommt. Menschen mit wirklichem Herzen sind mutige Menschen; noch gibt es zu wenige auf unserer Erde davon.
Und vergessen wir nicht: Ohne Mut ist wahre Demut nicht möglich. Sie folgt in ihrer Entwicklung dem Mut.
Ohne Demut aber gibt es kein Verständnis des Erhabenen, wahrer Größe und des Ewigen.

Abschließend möchte ich noch anmerken, dass es gewisse Signale gibt, die Hinweise auf eine sich im Leben zunehmend bemerkbar machende Herzensbildung sind. Der ein oder andere mag seine persönlichen Erfahrungen haben. Eine ist jene, die den ein oder anderen spüren lässt, dass das bisherige Zentrum, der Kopf, sich Richtung Herz bewegt, dass Kopfwissen Herzwissen werden will (was auf keinen Fall bedeutet, dass dem logischen und klaren Denken weniger Bedeutung zukommt, im Gegenteil). In der geisteswissenschaftlichen Lehre eines Rudolf Steiner verbindet sich diese Entwicklung mit dem Wirken des ehemaligen Erzerzengel und nunmehrigen Archai Michael. Diesem feurigen Gedankenfürsten des Weltalls, wie ihn Steiner bezeichnet, kommt die Aufgabe zu, das Herz des Menschen zu ermächtigen. Er ist nach Steiner der Fürst der kosmischen Intelligenz, der allein in der Lage ist, den für viele so faszinierenden Intellekt, der in Wirklichkeit tot und geistlos ist, als ein Ergebnis des Wirkens von Ahriman/Satan aufzuzeigen. Beide Wesenheiten sind, gerade was den Intellekt betrifft, größtmögliche Gegenspieler. Dies zu wissen kann ein großes Plus auf dem Weg zum eigenen Herzen sein.
Dazu ein andermal mehr

Donnerstag, 30. März 2023

⚜️ EIN JEDER SIEHT, WAS ER IM HERZEN TRÄGT ⚜️

Obige Aussage aus Goethes „Faust“ geht weit über Saint-Exupérys „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“ hinaus. Diese Bemerkung des Fuchs' will - so verstehe ich sie - darauf aufmerksam machen, dass nur unter maßgeblicher Beteiligung des Herzens die Wahrheit zu erkennen möglich ist. Etwas gut zu sehen bedeutet doch, möglichst die Wahrheit zu sehen. Und nur selten sehen wir sie - wie beispielsweise in der wahrhaftigen Schönheit einer blühenden Blume - auf der physischen Ebene; zumeist doch auf einer seelisch-geistigen, nur dem inneren Auge sichtbaren.

Warum ich nicht mehr in die Kirche gehe, ist, weil ich viel zu selten mal einen Gottesdienst gehört habe, wo ich das Gefühl hatte, da glaubt und sieht und spricht jemand von Herzen. Spricht von seiner Herzenswahrheit.

Zu oft - und das gilt nun wirklich nicht nur für die Kirche (nur erwartet da mancher noch anderes … mehr Herz … seit wann aber auch hat unsere Weise, religiös zu sein, mit dem Herzen zu tun …) - sind Münder reine Buchstaben-Verstreu-Vorrichtungen.

Jemand sieht mit dem Herzen und spricht aus dem Herzen.
Haben wir Mitmenschen in unserer Umgebung, die das immer wieder vermögen - niemand wird diese Fähigkeit ständig besitzen -, dann dürfen wir höchst dankbar sein.

Die Aussage der Lustigen Person aus dem „Vorspiel auf dem Theater“, dass ein jeder sieht, was er im Herzen trägt, würde, wenn die Menschen verstünden, was damit gemeint und was damit im Grunde über sie ausgesagt ist, die Mehrheit unter ihnen - also unter uns - schlagartig verstummen lassen und Facebook, Twitter, Whats App, Telegram und vergleichbare Wort-Müllhalden zu recht verwaisten Orten machen.
Denn wenn man zum Maßstab nimmt, was die Menschen sehen und aussprechen, dann gleichen die Herzen zu vieler Menschen niveaulosen, herzlosen Mülldeponien, deren Sumpf seinen Sauerstoff aus der Tatsache erhält, andere niederzumachen, Recht zu behalten oder einfach auch eine Meinung abzugeben, wo nichts zu sagen, das Niveau der Menschheit heben würde.

Die Menschen können nur sehen, sagen, fühlen, was in ihrem Herzen ist.
Das ist der Grund, warum so viele Dinge und Personen unterschiedlich beurteilt werden. Oder gleich, aber gleich hässlich.

Was immer Menschen sehen und schreiben, weil sie es zu sehen glauben, macht in erster Linie eine Aussage über ihr Herz und was sich darin befindet.
All unsere Äußerungen machen also eine Aussage über den Gehalt unseres Herzens.
Das könnte manchen erröten lassen ...
Deshalb sind viele Auseinandersetzungen so schrecklich, weil Herzmüll auf Herzmüll trifft und sich noch zu überbieten sucht.

Wir können an Dingen und Personen nur sehen, was wir im Herzen haben.

In vielen Leben - zusätzlich zu dem, was unser aktuelles Leben ausmacht - haben wir auch vieles Dunkle in uns angereichert. Deshalb können wir es auch sehen. Und das ist nicht schlimm. Es ist der Weg von uns Menschen, unser Inneres zu veredeln, so kitschig das für manchen klingen mag. Es ist es aber ganz und gar nicht!

Eigentlich müssten wir doch auch viel Liebevolles, Schönes, Friedvolles in uns haben - oder nicht?

Wenn man sieht, was die Menschen im Herzen haben und äußern, weil sie darüber verfügen, dann sollten wir dem, was unser Herz zu einer Schatzkammer von Wertvollem machen kann, endlich mehr Raum geben. Wir täten auch unseren Kindern und Nachkommen einen großen Gefallen.

Es gibt ein Herz der Menschheit.
Und wir sind dafür verantwortlich, was wir und unsere Kinder damit sehen können. Helfen wir uns und vor allem auch ihnen doch, viel wahrhaft Schönes sehen zu dürfen.

Dies bewusster zu ermöglichen, ist ab sofort möglich.

Donnerstag, 9. Dezember 2021

Die kaputte Männlichkeit geht derzeit über alle Grenzen. - Heilung durch das Ur-Weibliche.

Was sich im Moment auf der Erde abspielt, ist, dass das männliche Prinzip über alle Grenzen geht. Das geschieht, indem alles unter Kontrolle gebracht werden soll. Damit liegt eine Situation vor, wie wenn im menschlichen Gehirn die rechte Hälfte blockiert wäre und allein die linke arbeitet. Solch eine Situation führt nicht nur bei Kindern in der Schule zu (Lern-)Krisen, sondern auch bei Erwachsenen. Dass nicht wenige durchdrehen oder ungewohnt aggressiv sind, ist darauf zurückzuführen.

Unter diesen Bedingungen auf der Erde kann das gesunde Weibliche, das Urweibliche kaum agieren.
Ich meine mit dem Weiblichen nicht gender-verseuchtes Weibliches, jenes also, über das viel zu viel geredet und dessen wahrer Kern viel zu wenig verstanden wird. Dagegen meine ich jene Kraft und Energie, die in Zusammenarbeit mit dem Ur-Männlichen eine Harmonie anstreben kann, unter der Wachstum und Erkennen möglich ist.
Dieses Ur-Männliche existiert ebenfalls kaum mehr. Was existiert, ist eine Perversion des Männlichen, das im Übrigen auch in vielen Frauen zu finden ist, gerade in solchen Frauen wie Angela Merkel und von der Leyen, die mehr oder weniger weiblich erscheinen, aber in sich machtbesesssen und durch ein falsches männliches Prinzip korrumpiert sind (und mögen sie auch noch so viel KInder haben).
In dieser Situation kann, wie gesagt, das wahrhaft Weibliche auf der Erde kaum existieren. Es muss im Grunde im Orbit warten, bis es wieder auf der Erde Fuß fassen kann.
Das wird an Weihnachten geschehen.
Das krankhaft Männliche aber wird alle Kräfte mobilisieren, um an der Macht zu bleiben. Deshalb können noch eine ganze Weile sehr große gesellschaftliche Spannungen und im Menschen selbst krankhafte Prozesse auftreten.
Momentan ist es ohnehin so, dass viele Krankheiten im Menschen aus globalen Ursachen heraus kommen; der Mensch ist hier nur ein Spiegel des Kampfes, der auch im Kosmos tobt. Im einzelnen Menschenkörper kann sich das ganz unterschiedlich niederschlagen.
Es geht jedoch darum, dass Menschen, viele Menschen auf der Erde loslassen: ihr alten Bilder, Ideen, Muster, Vorstellungen von Gott und der Welt, von Liebe, von Weiblichkeit, von Männlichkeit, von dem, wie sie gern leben möchten.
Deshalb wird die Menschheit momentan so geschüttelt.
Davon abgesehen, dass Corona viele Ursachen hat - unter anderem ist der Virus eine Reaktion der Natur auf den Umgang der Menschen mit mit der gequälten Tierwelt, mit den dem Mammon geopfertenBäumen, dem verseuchten Wasser usw. - lässt dieser Virus in mehr und mehr Menschen heraufdämmern, wie kaputt eine falsche Männlichkeit ist, weil sie jegliches Vertrauen in die Heilkraft der Seele von der Erde vertreiben will - und damit auch den göttlichen Geist.

Panik und Angst führen dazu, dass viele Menschen ihre überkommenen Muster loslassen, die eine seelische Weiterentwicklung blockieren.
Wer kann, mag Vertrauen haben, dass die Zukunft schon längst begonnen hat. Menschliche Seelen werden im neuen Jahr neue Wege gehen können, die viele noch gar nicht kennen. So wie wir manchmal morgens aufwachen und blitzartig wissen, wie wir ein Problem lösen können, so werden neue Ideen und Entwicklungen möglich sein. Uns sollte nicht erschrecken, dass manche älteren Brüder, wie wir sie aus den Märchen kennen, da ganz laut herumbrüllen, herumzerren, wissenschaftliche Erkenntnisse beschwören und sich aufplustern.
Mehr und mehr Menschen werden erkennen, wie lächerlich, unbefriedigend und zukunftslos das ist, was sie jetzt noch ernst nehmen. Sie werden der Kraft des Herzens vertrauen lernen.

Mittwoch, 16. Oktober 2019

Es gibt Namen, die beflecken / Die Lippen, die sie nennen, / Die Erde mag sie nicht decken ... - Ricarda Huchs "Mein Herz, mein Löwe"!

Mein Herz, mein Löwe, hält seine Beute fest,
Sein Geliebtes fest in seinen Fängen,
Aber Gehaßtes gibt es auch,
Das er niemals entläßt
Bis zum letzten Hauch,
Was immer die Jahre verhängen.
Es gibt Namen, die beflecken
Die Lippen, die sie nennen,
Die Erde mag sie nicht decken,
Die Flamme mag sie nicht brennen.
Der Engel, gesandt, den Verbrecher
Mit der Gnade von Gott zu betauen,
Wendet sich ab voll Grauen
Und wird zum zischenden Rächer.
Und hätte Gott selbst so viel Huld,
Zu waschen die blutrote Schuld,
Bis der Schandfleck verblasste, –
Mein Herz wird hassen, was es haßte,
Mein Herz hält fest seine Beute,
Daß keiner dran künstle und deute,
Daß kein Lügner schminke das Böse,
Verfluchtes vom Fluche löse.
                                  (Ricarda Huch, 1864-1947)

Es gibt eine Vergebens-Esoterik, gern auch aus der Ecke der Licht-und-Liebe-Fraktion, der man mit höchster Vorsicht gegenüberstehen sollte, denn sie wird betrieben von Menschen, die, bevor sie ihre Gefühle wirklich ausgelotet haben, schon vergeben.


Ricarda Huch (1864-1947), wohl einer der weisesten Frauen, die Deutschland je gesehen hat, zudem eine überzeugte Christin, gibt in obigem Gedicht Töne von sich, die so gar nicht passen wollen zu jemandem, der mit dem Buch „Luthers Glaube” ein Werk geschaffen hat, das fast auf jeder Seite eine Offenbarung ist.

Hier in diesem Gedicht geht es ihr um die Verlogenheit, die in dem Schminken des Bösen steckt, um das Umschminken von Bösem in Gutes. Böse bleibt böse. Noch bis in die letzten Zeilen hinein bleibt Ricarda Huch unerbittlich. Selbst gegen göttliches Reinwaschen scheint sie sich zu stellen.


So viel ich weiß, hat Ricarda Huch dieses Gedicht 1947, in ihrem Todesjahr also, geschrieben, sie, die von Thomas Mann 1924 als Erste Frau Deutschlands bezeichnet wurde und die als erste Frau 1926 in die Preußische Akademie der Künste einzog, um sie 1933 konsequent wieder zu verlassen.

Ganz wohl fühle ich persönlich mich angesichts der unerbittlichen Worte, die dem Hass das Wort reden, nicht. Noch in die Zukunft hinein – die Verwendung des Futurs dokumentiert das – legt sie sich fest. Die Rigorosität ihrer Aussage ist unverkennbar. Ich vermute, sie hängt zusammen mit dem, was sie über viele Jahre mit ansehen musste. Das hinterlässt gerade in einer so sensiblen Seele Spuren, und es mag sein, dass sie auch deshalb zu solchen Worten griff, weil sich abzuzeichnen begann, dass sich in Deutschland eine Kultur des Von-nichts-mehr-wissen-Wollens und Hinwegsehens andeutete. 

Mir persönlich ist eine Aussage wie die ihre, auch wenn sie aus christlicher Sicht fragwürdig sein mag, zehnmal lieber als das Gesäusel berufsmäßiger Vergebens- und Vergessenskünstler. 
Ricarda Huchs "Hass" dünkt mir eh viel eher ein gerechter und wahrlich gerechtfertigter Zorn zu sein, der sich gegen jene richtet, die scheinheilig vergeben, in Wirklichkeit aber das Böse - auch in sich - nur schminken.

PS: In meinem Kommentar (ggf. auf "Kommentare" klicken) revidiere ich die Sichtweise des letzten Satzes insofern, als ich Hass nicht mehr in Zorn umdeuten mag, vielmehr für wichtig halte, den Hass als solchen anzunehmen, weil diese Annnahme den Weg freigibt, ihn zu überwinden und den Weg der Heilung zu beschreiten. Insofern ist Ricarda Huchs Gedicht, so belastend auch ihr Hass sein mag, auf dem Weg zur Heilung, denn nur das Sich-Bekennen zu dem, was in einem ist, hilft auf dem Weg zur Wahrheit.

Samstag, 5. Oktober 2019

Gertrud Kolmars Erntedank: "O Herz! O Frucht! O Zeit! O Wille! / Wie lieblich seid ihr hergereift!" - Nichts geht verloren!

                    

Wappen von Zinna  
 
In Blau eine goldgewandete Frauengestalt, die in
der rechten Hand eine Traube trägt und einen
Apfel in der linken.

O Herz! O Frucht! O Zeit! O Wille!
Wie lieblich seid ihr hergereift!
Wie hat euch Hand der Sommerstille
Mit sonngemaltem Glanz gestreift,
Wie scheint ihr sanft mit gelber Schale
Und flimmert heiß mit blühndem Rot
Und geht geschmückt zum ew'gen Mahle,
Da selbst ihr Speise seid und tot.

Das aber ist, wofür ihr glühtet,
Ihr Hauch und Strahl euch angeschmiegt
Und tief den kleinen Kern behütet,
Der braun und blinkend in euch liegt.
Die Wange, klar von Regenzähren,
Hobt lächelnd ihr dem Lichte nach
Und lauschtet froh der Säfte Gären,
Das süß und singend in euch sprach.

Wohl allem, was nicht siech gefallen,
Schon vor des Pflückers Griff und Schnitt,
Was nicht verdorrt aus Feuerkrallen,
Verfault aus schleim'ger Feuchte glitt,
Was, wenn es Erntehand verschmähte,
Zu jener Scholle legt ein Wind,
Die selber säte, selber mähte
Und immer Mutter war und Kind.

Was singt wie Herz mit roten Saiten,
Erglüht wie Apfels goldne Stirn
Und aufwirft über Jahresbreiten
Den Arbeitstag von Pflug und Hirn,
Das ruht einst müd' im Erdensinnen,
Vom Winterschneesturm ungeweckt,
Und träumt nur weißes, leises Rinnen,
Das liebend seine Spuren deckt.

Glühen, um zu sterben? - In der Tat, so sieht es Gertrud Kolmar im Übergang von der ersten zur zweiten Strophe:
Da selbst ihr Speise seid und tot. // Das aber ist, wofür ihr glühtet . . .

Glühen, um zu sterben: das ist Goethes ewiges Stirb und Werde, was zugleich ein Werde, um zu sterben ist, eine Aussage, die man nur versteht, wenn man weiß, dass der Tod nur eine andere Form des Lebens ist, ein Leben, das wir Tod nennen, weil die Zeit zwischen den Leben für uns Menschen eine black box geworden ist, in die uns unsere über Jahrhunderte gewachsene materialistische Sicht auf das Leben verwehrt, Einblick zu nehmen. Wenn wir es könnten, würden wir wahrnehmen können, was alles wir im Leben zwischen unseren Leben taten, um in unserem augenblicklichen sinnvoll tätig zu sein. Vermutlich würden nicht wenige Zeitgenossen - vielleicht auch wir - viel bewusster mit unserer Lebenszeit umgehen, die wir doch so gründlich vorbereiteten.

Uns ist ebenso die Sicht auf das Erdinnere verwehrt, wo sich träumend neues Leben vorbereitet - und die letzten Zeilen des Gedichtes verweisen genau darauf - , so wie wir in unseren Nächten von neuen Tagen träumen und sie vorbereiten. Das Gedicht Wappen von Zinna klingt in tiefem Frieden aus, wissend, dass unter dem Winterschnee etwas vor sich geht, was Joseph von Eichendorff in seiner Wünschelrute so erfasst:
Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort.
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

Die erste Strophe besingt Wachstum und Gedeihen und erinnert an Matthias Claudius´ Erntedank-Hymnus und wir verstehen nun, warum die letzte Zeile der ersten Strophe in keinster Weise negativ zu verstehen ist.

Die zweite lässt uns das Wappen von Zinna tiefgehender verstehen und noch die erste Hälfte der dritten Strophe singt ein Loblied auf die Ernte; doch das Wohl allem des Stropenauftaktes gilt eben auch jenem, was sich im Kreislauf der Natur, ohne geerntet worden zu sein, zur Scholle legte, die nimmt und wieder gibt.

Dieses Gedicht, das zu den Preußischen Wappengedichten von Gertrud Kolmar gehört, zeigt das gewachsene Sprachbewusstsein der Dichterin, das sich bis zu dem Zeitpunkt, als sie in deutscher Sprache zu schweigen begann, bevor ihre Stimme in Auschwitz endgültig für uns Lebende verlorenging, mehr und mehr zu zeigen wusste. In den vier Strophen des in vierhebigem Jambus durchweg kreuzgereimten Gedichtes zeigen sich viele formale Mittel, seien es Anaphern, Alliterationen, Binnenreime, Dikola oder auch Metaphern, denen insofern eine hohe Bedeutung zukommt, weil an keiner Stelle von Gott dem Herrn, von dem Matthias Claudius in Wir pflügen und wir streuen zu singen weiß, die Rede ist, doch von der Hand der Sommerstille, von sonngemaltem Glanz und ew´gem Mahle. 

Wie so oft erweist es sich, dass sich eine innere Religiosität und das Wissen um unser Werden und Vergehen, um das Geheimnis von Tod und Leben, überzeugender kundtut, wenn es leise angesprochen wird, als laut und oberflächlich.

Diese weitgehend vergessene gewaltige Dichterin deutscher Sprache weiß um all dies und die ersten beiden Zeilen dieses Gedichtes teilen uns mit, wie herzinnig ihr Ausruf gemeint kann; man vermag es zu fühlen, wie sehr sie die Traubem und Äpfel des Lebens, die die Frau des Wappens hochhält, schätzt:

O Herz! O Frucht! O Zeit! O Wille!
Wie lieblich seid ihr hergereift!


Möge auch uns eine solche Wertschätzung möglich sein! 

Mittwoch, 19. Juni 2019

Mann ohne Herz:: "Ich geh dir nach. / Wohin dein Herz mich führe . . ." Ein Rilke-Gedicht für Gender-Zeiten


Ich geh dir nach, wie aus der dumpfen Zelle
ein Halbgeheilter schreitet: in der Helle
mit hellen Händen winkt ihm der Jasmin.
Ein Atemholen hebt ihn von der Schwelle, -
er tastet vorwärts: Welle schlägt um Welle
der großbewegte Frühling über ihn.

Ich geh dir nach in tiefem Dirvertrauen.
Ich weiß deine Gestalt durch diese Auen
vor meinen ausgestreckten Händen gehn.
Ich geh dir nach, wie aus des Fiebers Grauen
erschreckte Kinder gehn zu lichten Frauen,
die sie besänftigen und Furcht verstehn.

Ich geh dir nach. Wohin dein Herz mich führe
frag ich nicht nach. Ich folge dir und spüre
wie alle Blumen deines Kleides Saum..
Ich geh dir nach auch durch die letzte Türe,
ich folge dir auch aus dem letzten Traum ...

Ein echter Rilke: Schöne, einlullende Bilder.
Aber nicht jede Frau wollte wohl von dem Halbgeheilten eingeholt werden.
Zumal er von seinem Herzen nicht spricht.
Mancher könnte das Gedicht so befremdlich empfinden wie den Gender-Hype. 

Mehr dazu hier: https://bit.ly/2x3p5kL

Dienstag, 14. Mai 2019

In meinem Duden steh´n sie drin: gedankenbekümmert, glührot, wiegenliedheimlich, neugierklug, mondbeglänzt.

Am blassen Meeresstrande
Saß ich gedankenbekümmert und einsam.
Die Sonne neigte sich tiefer, und warf
Glührote Streifen auf das Wasser,
Und die weißen, weiten Wellen,
Von der Flut gedrängt,
Schäumten und rauschten näher und näher -
Ein seltsam Geräusch, ein Flüstern und Pfeifen,
Ein Lachen und Murmeln, Seufzen und Sausen,
Dazwischen ein wiegendliedheimliches Singen -
Mir war' als hört' ich verschollne Sagen,
Uralte, liebliche Märchen,
Die ich einst, als Knabe,
Von Nachbarskindern vernahm,
Wenn wir am Sommerabend,
Auf den Treppensteinen der Haustür,
Zum stillen Erzählen niederkauerten,
Mit kleinen, horchenden Herzen
Und neugierklugen Augen; -
Während die großen Mädchen,
Neben duftenden Blumentöpfen,
Gegenüber am Fenster saßen,
Rosengesichter,
Lächelnd und mondbeglänzt.

Unvergessener Heinrich Heine.
Noch die letzte Zeile von "Abenddämmerung" zeigt, wie wichtig es ist, dass es ein Partizip Präsens und ein Partizip Perfekt gibt. Wie Jakim und Boas stehen sie da, wie jene Säulen. Eingangsworte zum Vermächtnis unserer Sprache. Wirklich ein Tempel!

Freitag, 2. März 2018

Mein Herz, mein Löwe, hält seine Beute fest ... Ricarda Huch, eine leidenschaftliche und deshalb so weise Frau!

Mein Herz, mein Löwe, hält seine Beute fest,
Sein Geliebtes fest in seinen Fängen,
Aber Gehaßtes gibt es auch,
Das er niemals entläßt
Bis zum letzten Hauch,
Was immer die Jahre verhängen.
Es gibt Namen, die beflecken
Die Lippen, die sie nennen,
Die Erde mag sie nicht decken,
Die Flamme mag sie nicht brennen.
Der Engel, gesandt, den Verbrecher
Mit der Gnade von Gott zu betauen,
Wendet sich ab voll Grauen
Und wird zum zischenden Rächer.
Und hätte Gott selbst so viel Huld,
Zu waschen die blutrote Schuld,
Bis der Schandfleck verblasste, -
Mein Herz wird hassen, was es haßte,
Mein Herz hält fest seine Beute,
Daß keiner dran künstle und deute,
Daß kein Lügner schminke das Böse,
Verfluchtes vom Fluche löse.


Es gibt eine Vergebens-Esoterik, gern auch aus der Ecke der Licht-und-Liebe-Fraktion, der man mit höchster Vorsicht gegenüberstehen sollte, denn sie wird betrieben von Menschen, die, bevor sie ihre Gefühle wirklich ausgelotet haben, schon vergeben.

Ricarda Huch (1864-1947), wohl einer der weisesten Frauen, die Deutschland je gesehen hat, zudem eine überzeugte Christin, gibt in obigem Gedicht Töne von sich, die so gar nicht passen wollen zu jemandem, der mit dem Buch „Luthers Glaube” ein Werk geschaffen hat, das fast auf jeder Seite eine Offenbarung enthält.
 

Hier in diesem Gedicht geht es ihr um die Verlogenheit, die in dem Schminken des Bösen steckt, um das Umschminken von Bösem in Gutes. Böse bleibt böse. Noch bis in die letzten Zeilen hinein bleibt Ricarda Huch unerbittlich. Selbst gegen göttliches Reinwaschen scheint sie sich zu stellen.
So viel ich weiß, hat Ricarda Huch dieses Gedicht in ihrem Todesjahr geschrieben und sie, die von Thomas Mann 1924 als erste Frau Deutschlands bezeichnet wurde, die als erste Frau 1926 in die Preußische Akademie der Künste einzog, um sie1933 konsequent wieder zu verlassen, hat dieses Gedicht zwei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ganz bewusst so formuliert, vielleicht, weil sie fürchtete, dass das fürchterlich Böse der Vergangenheit zu schnell in Vergessenheit geraten könnte.
 

Dass diese Frau ein großes Herz hatte, wissen wir, und wie ein Löwe auch zu sein vermag und was das Video dokumentiert, das wusste sie. Sie war eine leidenschaftliche Frau mit ehrlichen Gefühlen. Deshalb nur hatte sie ein großes, großes Herz, so wie jener Löwe …

Dienstag, 1. September 2015

Herz im Himmel!

Wenn jemand von sich sagt, er liege im Gras und sein Herz sei im Himmel - wo ist es dann?
Da oben sind doch nur Gase und Gesteinsbrocken und eine Atmosphäre, in der wir nicht leben können.
Der Engländer spräche hier von sky.
Jemand aber, der sagt, sein Herz sei im Himmel, der spricht doch von heaven.

Warum aber glauben wir fast selbstverständlich, dass der Dichter den Menschen, der da im Gras liegt - es kann eine Frau, es kann ein Mann sein - sicherlich in den Himmel nach oben schauen lässt?

Weil wir mit den Augen gewohnt sind, nach außen zu schauen. 

Deshalb schauen wir nach oben, zu den Sternen. Sonst würden wir nach innen schauen. Da aber suchen wir den Himmel so ohne Weiteres nicht, obwohl er eigentlich da nur sein kann. - Oder?

Es gibt noch einen anderen Grund: Wenn wir schauen, vor allem, wenn wir mit dem Herzen schauen, dann tun wir das wie ein Kind. Und das singt:




Weißt du, wie viel Sternlein stehen
An dem blauen Himmelszelt
Weißt du, wieviel Wolken gehen
Weit hin über alle Welt 
Gott der Herr hat sie gezählet 
Dass ihm auch nicht eines fehlet 
An der ganzen großen Zahl.


Unser inneres Kind interessiert nicht, was da oben wirklich ist. Und da ist ja ohnehin viel mehr, als wir wissen; schließlich wissen wir und kennen nach wissenschaftlicher Auffassung ungefähr fünf Prozent vom sky.

Und ein Kind singt auch:


Wer hat die schönsten Schäfchen?
Die hat der goldne Mond,
der hinter unsern Bäumen
am Himmel droben wohnt.


Übrigens die erste Strophe eines Liedes, das der Dichter des Deutschlandliedes Hoffmann von Fallersleben schrieb.

Wie ich darauf kam? 
Weil mir ein Gedicht von Arno Holz - er lebte von 1863 bis 1929 - über den Weg lief und ich basserstaunt war, von ihm, den ich als naturalistischen Dichter par excellence, mir bekannt durch Drama und Prosa, die er mit Johannes Schlaf zusammen verfasste, vom Studium her noch kannte, solche Zeilen zu lesen. Sie stammen aus seinem als Weltgedicht konzipierten Gedichtzyklus Phantasus, der sein Weltbild präsentieren und die inneren Kräfte vermitteln sollte, die diese Welt ausmachen, wobei es weit mehr als 3000 Seiten umfasste. 
Arno Holz war mit seinen Ansichten und seinen literarischen Plänen ein hochinteressanter Mann, der es allerdings nie bis in die vorderste Reihe seiner Dichterkollegen brachte; für seine Entwicklung aber mag jenes Leben um die Jahrhundertwende eminent wichtig gewesen sein - nun aber zu seinem Gedicht:


Hinter blühenden Apfelbaumzweigen,
steigt der Mond auf.

Zarte Ranken,
blasse Schatten, 
zackt sein Schimmer in den Kies.

Lautlos fliegt ein Falter.

Ich strecke mich selig ins silberne Gras
und liege da
das Herz im Himmel!


Die letzte Zeile berührt zutiefst, weil sie einen Bogen spannt von der Erde zum Himmel und zurück.
Das ist einfach auch ein berührender Gedanke, dass jemand sein Herz im Himmel habe, obwohl er auf der Erde im vom Mond beschienenen Gras liegt.
Irgendwie denkt man, es hat dies alles mit Liebe zu tun, mit einer persönlichen, vielleicht aber auch mit einer kosmischen.

Das Herz im Himmel jedenfalls, das mag man mitnehmen als eine Vorstellung, die weniger Gedanken als vielmehr Gefühle auslöst und die jedem Herzen und der Brust, in der es schlägt, guttun.

Zugleich lassen mich die Worte und Gedanken dieses Gedichtes diesen Arno Holz, dessen Herz jetzt hoffentlich im heaven schlägt, auf ganz neue Weise wahrnehmen.
Wie viele Menschen lebten und leben unter uns, von denen wir nichts wissen und per Zufall - weil es uns zufällt - etwas von ihnen erfahren, was viel zu schade ist, vergessen zu werden.

Freitag, 7. Februar 2014

Die Tribute von Panem - Das Herz des Bäckers.


Eine kleine Episode ist es, die mich am Anfang des Buches von Suzanne Collins, den Tributen von Panem, besonders berührt:

Als Primrose Everdeen aus einer der beiden Glaskugeln als weibliches Tribut des Distrikt 12 für den jährlich stattfindenden Kampf der 24 Teilnehmer, allesamt Tribute ihrer Distrikte, gezogen wird, ist es ihre Schwester Katniss Everdeen, die sich opfert, um an ihrer Stelle an dem Kampf auf Leben und Tod, den die 24 Jungen und Mädchen austragen müssen, teilzunehmen. Sie werden in einer riesigen Freilichtarena eingesperrt und über mehrere Wochen hinweg müssen sich die Teilnehmer bis auf den Tod bekämpfen; nur einer darf überleben.

Dieses schreckliche Ereignis findet statt, damit die Distrikte alljährlich daran erinnert werden, welche Konsequenzen ein Aufstand gegen das Kapitol hat.
Damals hatten 13 Distrikte einen Aufstand gewagt und 12 waren besiegt, der 13. war ausgelöscht worden.
Ab diesem Zeitpunkt müssen nun jedes Jahr jeder Distrikt einen Jungen und ein Mädchen für die Teilnahme dieses schrecklichen Ereignisses stellen; es sind die sogenannten Tribute.

Schockiert nimmt Katniss zur Kenntnis, dass ausgerechnet als ihr männliches Pendant ein Junge namens Peeta Mellark aus dem Distrikt 12 gezogen wird; sie kennt ihn gut, wenn sie auch noch nie mit ihm gesprochen hat.

Nach dem Tod ihres Vaters, der bei einem Minenunfall ums Leben gekommen war, war ihre Mutter in eine tiefe Depression verfallen und sie, Katniss, hatte sich um ihre kleine Schwester und die Mutter kümmern müssen. Es kam eine Zeit, da sie nichts mehr zu essen hatten und auch Katniss selbst in Mülltonnen nichts mehr fand, was die kleine Familie hätte am Leben erhalten können.

Eines Tages ist sie vollkommen am Ende und bricht vor einer Bäckerei zusammen.

Sie nimmt den Geruch von frisch gebackenem Brot wahr, als sie auch schon die Bäckersfrau anschreit, sie solle machen, dass sie wegkomme, sonst hole sie die Friedenswächter - so wurden die Schergen des Kapitols genannt.
Auf einmal nimmt Katniss einen blonden Jungen wahr, der hinter dem Rücken der Mutter hervorspäht.
Die Bäckersfrau kehrt in die Backstube zurück; man hört nur hin und wieder ihr hässliches Gekeife, als Katniss den Jungen sieht, der zwei verbrannte Laib Brot in den Armen hält. Seine Mutter kreischt, er solle sie den Schweinen geben, doch wirft er sie Katniss zu.
Für die kleine Familie sind die Brote, die Katniss sofort unter ihrer Kleidung verbirgt und nach Hause bringt, Rettung und eine unglaubliche Labsal.

Am nächsten Morgen kommt Katniss der Gedanke, ob der Junge absichtlich die Brote habe ins Feuer fallen lassen, damit er sie wegwerfen müsse, wofür er Prügel erhielt, in der Absicht, sie Katniss zuwerfen zu können. Wenig später sieht sie den Jungen in der Schule mit geschwollener Wange und blauem Auge.

Dieser Junge ist es nun, der als Tribut aus der Glaskugel, in der sich die Namen der männlichen Kinder des Distrikts 12 befinden, gezogen wird. Sie kann nur hoffen, dass sie ihn nicht töten muss, um zu überleben, sondern dass er vorher getötet wird von Kindern aus den anderen 11 Distrikten.

Bevor die 24 Tribute in die Arena geschickt werden, dürfen sie sich von ihren Angehörigen verabschieden und weiteren Personen.
Katniss hat sich gerade von ihrer Mutter und Primrose verabschiedet, als der Vater von Peeta auftaucht, Bäcker von Beruf, Mann dieser schrecklichen Bäckerfrau und es heißt nun im Text:



Der Bäcker setzt sich verlegen auf die Kante eines Plüschstuhls. Ein großer, breitschultriger Mann mit Brandnarben von den vielen Jahren am Backofen. Er muss sich eben erst von seinem Sohn verabschiedet haben.
Er zieht eine weiße Pappschachtel aus der Jackentasche und reicht sie mir. Ich öffne sie und finde Plätzchen darin. Ein Luxus, den wir uns niemals leisten können.
"Danke", sage ich. Der Bäcker ist auch unter angenehmeren Umständen kein gesprächiger Mensch, aber heute findet er gar keine Worte. "Ich habe heute Morgen ihr Brot gegessen. Mein Freund Gale hat ihnen ein Eichhörchen dafür gegeben." (Katniss jagte mit ihrem Freund Gale im Wald, um die Familie ernähren zu können und tauschte Wild gegen andere Lebensmitteln ein) Er nickt, als würde er sich an das Eichhörnchen erinnern (...)
Dann fällt mir nichts mehr ein und deshalb sitzen wir schweigend da, bis ein Friedenswächter ihn zum Gehen auffordert. Er steht auf und räuspert sich. "Ich werde auf das kleine Mädchen aufpassen. Du kannst dich darauf verlassen, dass sie zu essen hat."

Da verliert ein Vater seinen eigenen Sohn, doch er weiß, wie sehr sich Katniss Sorgen um ihre Mutter und vor allem die kleine Schwester macht, die ihr der liebste Mensch auf der Erde ist.
Und obwohl er sogar schlimmstenfalls damit rechnen muss, dass Katniss seinen Sohn umbringt, kommt er, um Katniss zu sagen, dass er sich um ihre kleine Schwester kümmert.

Was für ein Mensch.
Was für ein Herz muss er  haben!
Diese Stelle, so unscheinbar und kurz gefasst sie ist, geht mir sehr nahe.