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Donnerstag, 17. April 2014

Eine Ohrfeige hat noch niemandem geschadet!

Das war eines der Themen, die im Rahmen einer Erörterung zur Auswahl standen, die meine Siebtklässler vor den Ferien schreiben mussten. Gerade bin ich am Korrigieren und bin ganz berührt von einer Arbeit und dem Bewusstsein, das hier zum Ausdruck kommt.
Da schreibt ein Mädchen: Man sollte als Elternteil immer aufzeigen, wie es besser wäre, wie es also anders geht.

Ich finde diesen Gedanken umwerfend, auch umwerfend wichtig. Auch das Bewusstsein, das dahinter steckt.
Eltern haben die Aufgabe, Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Und indem sie das tun, lehren sie ihr Kind, dass es darum geht, Lösungsmöglichkeiten zu finden.

Wie wertvoll !!

Sie fällen nicht Urteile oder nehmen Exekutionen vor, wie sie manchmal mein Vater an mir vollzog, wenn meine Mutter mit ihren Ohrfeigen bei mir nicht mehr genug Resonanz fand.

Heute haben sich die Schläge von Eltern mehr nach innen verlagert. Kinder zu schlagen, ist heute öffentlich verpönt, ja, in Deutschland - mittlerweile sogar auch in Bayern, wo sich Körperstrafen, auch in der Schule, am längsten gehalten haben - verboten.
Deshalb hat wohl die Fähigkeit, innerlich zu schlagen, innerlich jemand in die Ecke zu stellen, zugenommen.
Auch sie gilt es zunehmend zu enttarnen.
Verboten ist sie nicht. Vielleicht, weil man sie nicht beweisen kann.
Eine Ausrede.
Die Schwarze Pädagogik hat sich nach innen verlagert.
Unsere Aufgabe: sie zu enttarnen.

Was Sie lesen sollten: den Abschnitt "Situation heute" bei Wikipedia "Körperstrafen".
Unter anderem heißt es da:

"Eine 2004 von der Universität Freiburg durchgeführte Studie ergab, dass 43,9 % der befragten Eltern in der Deutsch- und Westschweiz innerhalb des letzten Jahres eine Körperstrafe erteilt hatten. Gleichzeitig stieg der Anteil der Eltern, die angaben, ihre Kinder nie körperlich bestraft zu haben, von 13,2 % im Jahr 1990 auf 26,4 %."

Geschlagen wird noch öfter, als wir denken.

"Entgegen den gesetzlichen Bestimmungen in Deutschland wird in offiziellen religiösen Unterweisungen für deutsche Moslems die Prügelstrafe gegen Kinder und Jugendliche teilweise ausdrücklich gefordert."
Und Gleiches gilt, wenn auch nicht so offiziell, für einige christlich-fundamentalistische Kreise.

Übrigens hat sich schon Platon für gewaltfreie Erziehung ausgesprochen.
Und nach wie vor berührend ist jene Episode über eine Mutter, die ihr Kind "erzieht", erzählt von Astrid Lindgren in ihrer 1978 gehaltenen Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels.
Veröffentlicht auch in Die Welten meiner und unserer inneren Kinder

Kommentare:

Pony hat gesagt…

Eine kluge junge Dame, diese Schülerin. Und sie hat soo Recht! In meinen Augen zeigt Gewalttätigkeit gegenüber Kindern bzw. Schutzbefohlenen meist die Hilflosigkeit der Täter. Es ist einfach und schnell und man muss nicht nachdenken, bzw. das Fehlverhalten erklären.

Ich hatte früher eine Freundin, die oft von ihrer Mutter Ohrfeigen bekommen hat und warum? Weil sie sich nicht so verhalten hat, wie die Mutter es getan hätte. Ihr eine zu scheuern ging offenbar schneller, statt ihr das (ihrer Meinung nach) richtige Verhalten aufzuzeigen.

Einer Kommilitonin wurde durch eine Ohrfeige von einem Elternteil die Nase gebrochen. Da war sie 6 Jahre alt. Wenn ich überlege, wie stark mein Freund ist und wie groß seine Hände sind, könnte er damit sicherlich noch Erwachsenen mit "nur einer Ohrfeige" ordentlich Schaden zufügen.

Von den psychischen Folgen mal abgesehen, werden auch die körperlichen einfach immer noch viel zu klein geredet!

Liebe Grüße und ein schönes Feiertagswochenende von Pony, die die Aufsätze zu diesem Thema sehr gern lesen würde ^^

Johannes G. Klinkmüller hat gesagt…

Liebe Pony,

schön, wieder was von Dir zu hören. Du hast mal eine so lange Zeit nicht mehr auf Deinem Blog geschrieben (damals ging´s Dir auch gar nicht gut), dass ich ihn aus den Augen verloren habe. Schön, dass Du wieder schreibst!

Ja, dreizehn Jahre und so tolle Gedanken - da staune ich.

Hab/habt wunderschöne Feiertage und liebe Grüße,

Johannes

Pony hat gesagt…

Lieber Johannes,

da hast du Recht. Momentan ist es auch eher still, da ich ein Kind erwarte und mir täglich die Zeit davon zu rennen scheint. Falls du auf dem Laufenden bleiben möchtest, kannst du gern hier vorbei schauen: http://schatzwirsindschwanger.blogspot.de/

Alles Liebe

Pony

Johannes G. Klinkmüller hat gesagt…

Oh, das ist ja toll.
Da möchte jemand auf die Erde :-))

Ja, da lese ich mit und drück Dir ganz fest die Daumen. Hab das ja auch mal mit gemacht, halt als Mann, aber das war auch spannend

Jetzt weiß ich auch, wie Du heißt, Nadja :-)

Ganz viel Ostersonne, euch Dreien!