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Freitag, 26. Juni 2026

🌟 Die "Blume des Lebens": Ursymbol des Kosmos und Wegweiser in unsere innere Ewigkeit 🌟

Mancher mag die Blume des Lebens für ein geniales geometrisches Produkt halten, doch ist sie weit mehr. Für Jeanne Ruland war sie "das lebendige, feinstoffliche Schöpfungsmuster, das feinstoffliche Gewebe des ewigen Lebens, die Matrix allen Seins, die morphogenetische Struktur der Realität, die universelle Sprache des Lichts, die vollkommene Ordnung hinter allem Sein."

Vor allem aber vermittelt die Blume des Lebens, dass der Kreis die Grundlage ist von allem, was ist. "Alles hat die Form eines Kreises", so vermitteln die Plejader über Pavlina Klemm, und: 
damit du dich an das makellose Lichtnetz des Universums anbinden kannst, genügt es zu verstehen, dass alles aus Kreisen besteht. Genauso wie dein geometrisches Netz. Das gilt es zu verstehen: Die ursprüngliche und grundlegende Signatur des Universums, der Code des Universums, besteht aus Kreisen. Der lichtvolle Gencode des Universums und eures Seins – ist ein Kreis, sind Kreise, verbundene Kreise und einander überschneidende Kreise.
So kann uns bewusst werden, dass, wenn wir einen tiefen Blick auf die Blume des Lebens werfen, dieses Symbol und seine geometrische Essenz uns die Grundlage unseres Seins und die Grundlage der Geburt aller lebenden und nicht lebenden Formen erblicken lässt.

In Band 5 ihrer Lichtbotschaften von den Plejaden gibt Pavlina Klemm eine schlichte und doch - wie ich finde - sehr wirkungsvolle meditative Übung der Plejaden weiter, die uns mit dem kosmisch-morphogenetischen Feld verbindet und die man immer, wenn man sie benötigt, verwenden kann. Sie stärkt und stabilisiert unser Gesamtsystem und schützt uns vor den "Fallen" und dem Negativen der irdischen Welt. In ihrem Mittelpunkt steht die Blume des Lebens, in die sich der Übende stellt. - Ich kann sie nur empfehlen.

Ich erinnere mich, dass ich vor vielen Jahren auf einen Vortrag eines Muskokee-Medizinmannes namens Phillip Deere gestoßen bin, überschrieben Der Kreis, den er 1978 an der Universität von Zürich hielt und der später auch über das Schweizer Radio ausgestrahlt wurde. Faszinierend für mich ist, wie sehr sein Vortrag dem Kreis die Bedeutung zumisst, wie wir sie in den Worten einer Jeanne Ruland, einer Pavlina Klemm und denen der Plejaden finden:

Die indianische Tradition lehrt uns, dass der Glaube an den Kreis allen indianischen Völkern gemeinsam ist.
Der Kreis bedeutet Lebenszyklus. Er ist den indianischen Völkern heilig.
In der Vergangenheit wurden Zeremonien im Kreis abgehalten. Für Versammlungen und Zusammenkünfte saßen wir immer im Kreis. Im Kreis können wir uns alle ansehen. Wir können die anderen Menschen verstehen. Das System in den öffentlichen Schulen erlaubt uns nicht, ins Gesicht des anderen Menschen zu blicken. Die Sitzanordnung – wie auch in diesem Raum – ist so, dass wir nicht in das Angesicht unseres Bruders und unserer Schwester blicken dürfen. Wir sitzen einer hinter dem andern und sehen nur Hinterköpfe. Daher wissen wir nicht, ob der Mensch vor uns lacht oder weint, weil es uns nicht erlaubt ist, sein Angesicht zu sehen. (...)
Auf der ganzen Welt tanzen die Menschen im Kreis und reichen sich die Hände. Wann haben wir den Kreis verloren? Wann haben wir den Rundtanz verloren? Wann die Achtung und die Liebe für den Mitmenschen? Als wir individualisiert wurden, da haben wir all dies verloren. Das System hat die Menschen entmenschlicht. Wir wurden zu verwirrten Menschen, ohne Respekt für jemanden außer uns. Das heutige Wertsystem hat uns vom natürlichen Dasein getrennt.
Die Schule des indianischen Weges oder die Überlebensschule, die ich gegründet habe, hat auch die Form des Kreises. Der Kreis ist uns heilig, denn alle natürlichen Dinge fangen mit einem Kreis an: die Sonne, der Mond, die Erde, die Früchte, alles hat die Form des Kreises. Weil wir nicht an das Viereck glauben, stehen unsere Trommeln im Kreis und wir tanzen im Kreis. Wir verstehen die Vierecktänze überhaupt nicht. In diesem Kreis, von dem wir gesprochen haben, ist auch der Schöpfer mit eingeschlossen. Unsere christlichen Lehrer sagen, der Schöpfer sei irgendwo in der Höhe, aber unsere indianischen Lehrer sagen, dass der Schöpfer im Kreis ist. Der Schöpfer kann aber auch im Baum sein, in der Sonne, im Mond, im Tier, in den Vögeln oder im menschlichen Wesen selbst.

Ich gebe den Vortrag auf meinem Blog Wortbrunnen ein und verlinke ihn am Schluss. Ich finde ihn tief berührend.

In der Tat sind wir individualisiert und das ist ein notwendiger Schritt in der Entwicklung eines jeden Menschen. Dennoch können wir in den Kreis eingebunden sein, in den Kreis unserer Mitmenschen und den allen Seins. Im Kreis zu sein und Individuum zu sein, ist kein Widerspruch. Wir können beides zugleich sein und das ist auch unsere Lernaufgabe als Mensch.

Anmerken möchte ich noch, wie wichtig den Plejadern ist, auf die Bedeutung der Reinheit unseres Herzens hinzuweisen. Sie lassen uns wissen:
Damit du dich gut anbinden und die geometrische Ordnung des Universums nutzen kannst, ist deine Bewusstwerdung darüber wichtig, dass deine Herzenskraft und seine Reinheit die Stabilität deines geometrischen Netzes und seine Anbindung an das Universum gewährleisten. Die Reinheit deines Herzens ist das, was dich nährt, was dich existieren lässt und dich mit den reinsten Formen des Universums und seiner Liebe verbindet.

Abschließend sei darauf hingewiesen, dass sich die Blume des Lebens in unseren Alltag einbinden lässt. Man kann ein Glas Wasser auf sie stellen und schluckweise über den Tag verteilt trinken; das Glas sollte nur einen glatten Boden haben und ohne Struktur und Aufschrift sein.
Das Symbol der Blume des Lebens lässt sich auch im Haus, an Fenstern, Türen oder Eingangstüren platzieren; besonders in den Räumen, die keine gute Energie haben, bewährt sich die Verwendung der Blume des Lebens.

Hier der Link zum gesamten Vortrag:
https://wortbrunnen.wordpress.com/2026/06/26/die-bedeutung-des-kreises-fur-unser-leben-ein-vortrag-des-muskokee-medizinmannes-philip-deere/ 




Dienstag, 5. Oktober 2021

Prof. Dr. Teuchert-Noodt über die digitale Revolution und die Entfremdung schulischen Lernens von kindgemäßem Lernen



Den ein oder anderen Handy-Freak mag obiger You-Tube-Beitrag nicht sonderlich erfreuen, Professor Teuchert-Noodt allerdings wendet sich natürlich nicht generell gegen die Verwendung von Smartphones und Tablets, sondern gegen deren Verwendung im Rahmen der Erziehung, der Schule. 

Der Beitrag ist allerdings sehr (zu) fachwissenschaftlich und ausgesprochen abstrakt gehalten und ich persönlich habe auch Schwierigkeiten mit der Tatsache, dass Versuche an Tieren wie selbstverständlich einbezogen werden; 
das unten verlinkte Interview zu lesen ist für Otto Normalverbraucher wie mich zielführender und sehr zu empfehlen.

Vergessen wir nicht, die Reizüberflutung in der Schule nimmt zunehmend zu: Nicht wenige Schulen verwenden elektronische Tafeln (die Aufrüstung ist in vollem Gange - https://bit.ly/3Fcay87), mittels deren alle Tafelanschriebe gespeichert werden und alles aus dem Internet auf der Tafel eingeblendet werden und auch der Lehrer beispielsweise zu Hause vorbereitete Aufschriebe auf diese Weise einbringen kann. 
Die Möglichkeiten klingen verlockend, aber sie führen dazu, dass zunehmend fremdes Gedankengut in immer abstrakterer Form die Innenwelt der Kinder überflutet, wobei die Bilderflut suggeriert, dass alles doch wenig abstrakt, weil bildgeprägt sei; doch die Flut der Bilder macht diese inkommensurabel, auf Deutsch: ungenießbar.
Die Seele wird ihrer selbst entfremdet, das Herz, Herzwissen und -weisheit spielen noch weniger eine Rolle als bisher.
Zum anderen wird immer weniger mit den Kindern zusammen durch den Lehrer an der Tafel selbst entwickelt werden, zumal, wie gesagt, auch der Lehrer selbst auf digitalisierte Aufschriebe zurückgreifen kann. 
Für diesen ist der Zugriff auf in der Medienwelt Vorgestanztes zudem sehr verlockend. 

Die Tafel mit Kreide also hat zunehmend ausgedient; Kinder und Jugendliche tun sich allerdings im Umgang mit dem digitalen Stift schwer. Sie selbst sind eh mit ihren Tablets beschäftigt, mit denen die Klassen ausgerüstet werden. Damit fällt auch das persönliche Schreiben weg. Im Grunde wird auch das Sprechen reduziert, wenn man weiß, wie die digitale Welt Menschen in Beschlag nimmt. Der Austausch geht gern dann auch über das Weiterreichen von Links ...

Ich möchte - das ist ein ganz anderer Aspekt - nicht wissen, welche gesundheitlichen Folgen die massive Bestrahlung der Lehrer durch E-Tafeln hat, da sie Vormittage lang direkt vor diesen elektronischen Power-Tafeln stehen und von weiteren Endgeräten (Computer, Lesegerät, Beamer von oben) umgeben sind; in 10 bis 20 Jahren wissen wir mehr - ich vermute, für die Gesundheit nicht weniger Lehrer wird es dann zu spät sein. Dass Tablets und E-Tafeln auch den Schülern nicht guttun - wen interessiert das noch im Rahmen des digitalen Hypes.

Irgendwann wird man wieder erkennen, dass Lernen bedeutet, von Grund auf etwas zu verstehen und gemeinsam darüber zu sprechen, viel zu sprechen ...

PS Hier findet sich das oben angesprochene aufschlussreiche Interview zu dem Thema mit der Neurowissenschaftlerin: https://www.diagnose-funk.org/.../artikel/detail&newsid=1543

Donnerstag, 22. Februar 2018

Donald Trump ist grenzenlos bescheuert, unsensibel, mentally disturbed - er will Lehrer bewaffnen ... :-(((

Wer jetzt noch nicht erkannt hat, wes Geistes Kind der Mann ist, dem ist echt nicht zu helfen.

Da sitzen im Weißen Haus Schülerinnen und Schüler in einer Runde, die zum Teil, während sie sprechen, anfangen zu weinen, weil sie einen Freund oder Schulkameraden verloren haben, und an deren Schule 17 junge Menschen brutal erschossen worden sind (wobei es in der Runde sorgfältig ausgewählte Schüler waren, die eigentlich nicht hätten weinen sollen).

Und dem Mann, ihrem Präsidenten, fällt nichts anderes ein, als Lehrer bewaffnen zu wollen.
(Bereits letzte Woche hatte seine tolle Bildungsministerin Betsy deVos dasselbe gefordert.)

Vor allem hebt er darauf ab, dass es um geistige Gesundheit gehe (die Waffen sind bekanntlich nicht das Problem, sondern die Menschen, so die sloganartige Wiederholung immer desselben Mantras der Waffenindustrie und von Trump) und dass der Täter von Parkland eben ein geistig kranker Mann gewesen sei, mentally disturbed, wie der Herr Präsident meinte.

Wenn er doch nur endlich merken würde, dass er mit seinen Ansichten ständig demonstriert, dass in erster Linie er mentally disturbed, also geistig krank ist und dass ein großes Problem der USA ist, dass sie einen geistig kranken Präsidenten haben.

In dem Bericht der Süddeutschen heißt es am Ende:

Statt weniger Waffen, wie Hunderttausende Schüler landesweit fordern, könnte das Massaker von Parkland jetzt also dazu führen, dass es bald mehr Waffen an amerikanischen Schulen gibt. Das wird vor allem die mächtige US-Waffenlobby NRA freuen. Trumps "Listening Session" ist ganz in ihrem Sinne verlaufen. Die etwa 30 Millionen US-Dollar, die die NRA in Trumps Wahlsieg investiert hatte, waren offenbar gut angelegt.

Doch die Rechnung Trumps könnte nach diesem Massaker nicht mehr aufgehen. Schüler und Eltern gehen zu Hunderttausenden auf die Straße und es sieht so aus, dass nach einer Woche diesmal nicht ein weiteres Massaker mit Hilfe der Senke der Vergessenheit durch Trump und die Waffenindustrie entsorgt werden kann. - Der Bundesstaat Florida allerdings hat bekanntlich wenige Tage nach dem Massaker strengere Waffengesetze abgelehnt . . . seit wann sind 17 tote Kinder ein Grund, etwas zu ändern  . . .

*  *  *
PS.
Bemerkenswert ist übrigens auch, was bei focusonline zu lesen ist: Trump  hatte auf seinem Notizzettel an letzter Stelle eine Bemerkung stehen, die lautete: "I hear you". - Ein Trump weiß wohl, dass er es vergessen könnte, dass er Mitgefühl zu zeigen hat (mittlerweile könnte auch den letzten Amerikanern bewusst geworden sein, was sie an Obama hatten).

Donnerstag, 7. Januar 2016

Die großen Städte täuschen den Tag, die Nacht, die Tiere und das Kind!

Vor 100 Jahren geschrieben, trifft heute mehr denn je zu, dass unser Leben seine Struktur und Ordnung verliert. Unsere Gesellschaft und ihre Politiker haben das eine innere und äußere Ordnung gebende Christentum einer multikulturellen Verflachung preisgegeben, bevor sie den Wert ihrer eigenen Religion verstanden haben.
Deshalb fürchtet diese Gesellschaft zu weiten Teilen auch den Islam, weil sie spürt, dass diese Religion und ihre Vertreter diese Lücke zu füllen bereit sind.

Zunächst möchte ich die Zeilen, die mich zu den folgenden Gedanken angeregt haben, in ihrer ursprünglichen Gestaltung zitieren. Ich fand sie in Rainer Maria Rilkes Stundenbuch, in dessen drittem Teil, dem Buch von der Armut und dem Tode; es heißt dort:


Die großen Städte sind nicht wahr; sie täuschen
den Tag, die Nacht, die Tiere und das Kind;
ihr Schweigen lügt, sie lügen mit Geräuschen
und mit den Dingen, welche willig sind.

Wir wissen, dass die beiden folgenden Jahrzehnte nach Verfassen des Stundenbuchs, das Rilke 1903 vollendete, in der deutschen Literatur eine Fülle von Gedichten hervorgebracht haben, die sich mit dem Thema Stadt auseinandersetzten, in das auch alle Ängste vor dem, was kommen würde - und viele Expressionisten ahnten den kommenden Weltkrieg voraus (manche sehnten ein großes Donner-Wetter auch herbei) - hineinprojiziert wurde. Viele Künstler aber traten auch der Stadt deshalb so skeptisch gegenüber, weil ihr Wachstum mit einem hemmungslosen Fortschritt gleichgesetzt wurde, wobei man nicht vergessen darf, dass um 1900 Berlin 1,7 Millionen Einwohner umfasste, eine für damalige Verhältnisse keineswegs geringe Zahl.
Heute mögen wir eine solche Angst angesichts der nunmehr vorhandenen Giga-Städte belächeln (vor wenigen Jahren konnten wir der Presse entnehmen, China plane eine 42 Millionen umfassende Stadt); doch mancher wird diese Ängste nachvollziehen können.
In ihnen offenbarte sich ja ein großes Unbehagen an dem, was empfindsame Menschen auf die Menschheit zukommen sahen, und es ist kein Fortschritt, dass heute Menschen dieses Unbehagen überwiegend nicht mehr empfinden.
Viele haben es in eine dunkle Ecke gestellt, aus der es manchmal als unkontrollierte Angst hervorschnellt. Der, den sie aber betrifft und aus dem eigenen Inneren heraus trifft, weiß oft nicht um deren Ursprung. Solch eine Angst kann im Einzelfall mit einem persönlichen Schicksal zusammenhängen; ich vermute aber, öfter, als wir denken, mag sie ein verdrängtes Unbehagen an einer Kultur zeigen, der es bisher nur in Ansätzen gelungen ist, Menschlichkeit und Fortschritt zu verknüpfen. Das liegt auch daran, weil Politiker aller Herren Länder, aber nicht nur sie, sich sofort flach auf den Boden legen und den Mund aufsperren, wenn Geld gerollt kommen könnte.
Es waren nicht nur Literaten, sondern auch ein Maler wie Edgar Munch, dessen Bild Der Schrei jene Zeit damals am bemerkenswertesten kennzeichnet, der, sein Inneres offenlegend, sagte: Ich fühlte das große Geschrei durch die Natur.


Ohne Natürlichkeit gibt es keine Menschlichkeit

Auch für Rilke ist das Verhältnis zur Natur und gelebte Natürlichkeit ein Gradmesser. Nur wenig vor jenen oben zitierten Zeilen finden wir noch weitere aufschlussreiche, die lauten:

Denn, Herr, die großen Städte sind
verlorene und aufgelöste

und es heißt weiter:

Da leben Menschen, leben schlecht und schwer,
in tiefen Zimmern, bange von Gebärde,
geängsteter denn eine Erstlingsherde;
und draußen wacht und atmet deine Erde,
sie aber sind und wissen es nicht mehr. 
Da wachsen Kinder auf an Fensterstufen,
die immer in demselben Schatten sind,
und wissen nicht, daß draußen Blumen rufen
zu einem Tag voll Weite, Glück und Wind, –
und müssen Kind sein und sind traurig Kind.

Aufschlussreich ist, dass Rilke von „deine(r) Erde“ spricht, so, als ob er darauf hinweisen wolle, dass der Mensch jene im Ersten Buch Mose ihm übertragene Verwantwortung für die Schöpfung nie wirklich verantwortlich übernommen habe.

Nicht, dass ich im Übrigen glaube, dass alle Kinder traurig sind, doch die Frage, die Rilke letztendlich aufwirft, ist, ob mittlerweile Kinder wissen, dass draußen Blumen rufen und Erwachsene das Atmen der Erde wahrnehmen.

Innenstädte: kinderfreie Räume

Muss auch heute noch die Mehrheit der Kinder dieser Erde Kind sein, wie Rilke formuliert, oder dürfen sie es mittlerweile sein?

Auch heute ist es noch so, dass, wenn in der Mitte einer Stadt eine Freifläche vorhanden ist, sie mit Appartementwohnungen, Büros, einem Einkauf-Center oder einem Hotel bestückt wird, bevor ein Kinderspielhaus dorthin kommt, womöglich mehrstöckig, damit es auch bei Regen und im Winter Raum zum Spielen gäbe.

Wir haben Kinder nicht aus Innenstädten vertrieben, aber nur deshalb, weil sie dort letztendlich noch nie einen Raum fanden, wir könnten auch sagen: eine Herberge.

Rilke spricht auch von Erwachsenen und mancher mag sagen: Die Mehrheit lebt doch keineswegs schlecht und schwer. 
Es gilt allerdings zu sehen, welcher Aufwand betrieben wird, um Gefühle zu übertönen, die der Unnatürlichkeit des Lebens Ausdruck verleihen möchten.

Rilke sagt ausdrücklich: Die großen Städte sind nicht wahr.

Das ist bemerkenswert und knüpft an einen religionsübergreifenden Gedanken an, der im Christentum sich in der Aussage Jesu zeigt, dass sein Reich nicht von dieser Welt sei, und im fern-östlichen, insbesondere im hinduistischen Denken Ausdruck in der Sichtweise findet, dass Leben auf der Erde Maya sei, eine große Illusion.

Immer dann, wenn es Menschen gelingt, Wahrheit auf unserer Erde, also auch im Leben der Menschen sichtbar werden zu lassen - und Wahrheit mag hier auch ein Synonym für Natürlichkeit und wahre Menschlichkeit sein -, sind sie zum einen höchst gefährdet, zum anderen aber gehören solche Momente zu den Sternstunden menschlichen Lebens, weil sie beide Reiche verbinden, das, was in der Alchemie als mysterium coniunctionis bezeichnet wird.

Ich persönlich glaube, dass die Aussage, dass Gottes Reich nicht von dieser Welt sei, nicht bedeutet, dass unsere Erde die Möglichkeit einer gemeinsamen Existenz ausschließt, sondern dass sie angesichts einer Baals- und Börsenkultur nicht möglich ist, wenn sie aber vorkommt, eben jenes mysterium coniunctionis meint, was in der Alchemie höchstes Ziel des Lebens ist, die Hochzeit von Himmel und Erde, von himmlischem und irdischem Bewusstsein.

Dazu müsste ein Interesse daran vorhanden sein.

Das aber ist nicht vorhanden. Man muss nur sehen, mit welcher Dumpfheit einer der derzeit renommiertesten Naturwissenschaftler, Stephen Hawking, ein Weltbild proklamiert, das die geistige Tradition dieses Planeten negiert. Das wäre weiter nicht bemerkenswert, weil Hawkings Denken fast infantil und zu offensichtlich linkshirnig und einseitig ist, wenn es nicht so wäre, dass die Flachheit seiner als Trojaner verpackten spirituellen Aussagen eine Spur blinder Gefolgschaft zeitigt.

Kann menschliches Bewusstsein überhaupt noch genesen?

Diese Frage stellt sich fast zwangsläufig.
Ich denke, dass es möglich wäre, wenn wir unserem Leben wieder Struktur und Ordnung und Sinn gäben.

Ich erinnere mich, dass ich vor vielen Jahren einmal ein Kind, weil es mehrfach verhaltensauffällig gewesen war, ein Bild zum Thema Ordnung zu zeichnen bat. 
Weil es so privat ist und aus Datenschutzgründen kann ich es nicht einscannen, aber es ist für mich auch heute noch erschütternd und zeigt einen Tisch unter einer Lampe. Und um den Tisch herum liegen die Stühle kreuz und quer auf dem Boden.

Dieser Tisch war der Familientisch und dieser so begabte Junge hat damit gemalt, woran seine Seele leidet, ein Leid, dass sie mit in die Schule brachte und dort über sein Verhalten Ausdruck finden ließ.

Ich weiß noch sehr genau, dass die Eltern dieses Kindes der Psychotherapeutin, die dem Kind helfen sollte, dieses Bild nicht gegeben haben (ich hatte es ihnen zukommen lassen). Die Psychologin hätte sofort gesehen, dass sie mit den Eltern zu arbeiten hat, nicht mit dem Kind (was ohnehin meistens am sinnvollsten zu geschehen hat, aber oft nicht durchführbar ist, weil sich Eltern ihren Versäumnissen nicht stellen wollen, ihren Fehlern, die sie selbst negativ werten, die allerdings menschlich und verständlich sind und nur jene Steine werfen lassen, die von ihren eigenen Schwächen ablenken wollen).

Unser Leben braucht Ordnung und Struktur. Vor allem brauchen Kinder Ordnung und Struktur. Sie brauchen den Familientisch und sie brauchen die gemeinsamen Zeiten, auch Essenszeiten, im Rahmen deren klar sein muss, dass das Smartphone aus ist und niemand niemandes Raum einschränkt.

Wie sehr ist das Smartphone zum Symbol einer fehlenden Wertschätzung gegenüber dem Nächsten geworden. Es ist ständig on, mehr, als die meisten Menschen für ihre Mitmenschen im persönlichen Gespräch online sind.

Der Sinn von Zyklen, Ritualen, Gebräuchen und Festen

Es gibt allerdings wieder vor allem ländliche Orte und dort lebende Menschen, die ein Bewusstsein dafür entdeckt haben, wie wertvoll es war und ist, dass Feiertage und festliche Anlässe dem Leben Struktur gaben, so, wie zu früheren Zeiten wie selbstverständlich der Sonntag dem wöchentlichen Leben Struktur gab. 
Es ist kein Zufall, dass man in jeden Kreis mit Hilfe des halben Kreisdurchmessers sieben Kreise einzeichnen kann, wobei der siebte inmitten der sechs anderen diese um sich schart und sozusagen deren Zentrum ist. Es ist, als ob uns die Geometrie auf den Sinn des Wochenzyklus verweisen wolle, so wie es im jüdisch-kabbalistischen, biblischen (Jesaja 40,12), pythagoreisch-platonischen Denken wie auch bei Kepler und anderen fest verankert ist, dass Zahlen Wegmarken des geistigen Weges sind. 
Sie wissen zu er-zähl-en, mehr als wir zumeist ahnen.

Es ist ein wertvoller Aspekt unseres Lebens, dass nämlich unser Bewusstsein Grenzen überwindet, Grenzen von Zeit und Raum, wie es Einstein gelang, Grenzen von Himmel und Erde, wie es Buddha und Jesus taten wie vor ihnen und nach ihnen andere auch, wenn auch nicht so wegweisend, wie es durch den Achtfachen Pfad und die sieben Seligpreisungen geschah.

Dass aber das konkret und real existierende Leben solcher Grenzen im Sinne von Strukturen bedarf, damit es seine Leben ermöglichende Ordnung nicht verliert, ist außer Blickes geraten und entschwindet mehr und mehr unserem Bewusstsein.

Klar kann man Läden rund um die Uhr öffnen, was noch nicht der Fall ist. Aber sicher ist, dass die Ladenöffnungszeiten bis 22 Uhr in den Großstädten und ihren Randgebieten vielen Kindern immer wieder Vater und Mutter nehmen, vielen Frauen den Mann und vielen Männern die Frau, denn jemand, der bis 22 Uhr arbeitet, verändert nicht nur sich, sondern seine ganze Umgebung, insbesondere deren Lebensqualität - notgedrungen.

Die aus den Fugen geratene Struktur liegt im Detail:

Ein Zug von München nach Hamburg hält möglichst selten, weil es ja nicht um Menschen geht, die zu- oder aussteigen möchten, sondern um die Zeit und wie schnell die Bahn eine Strecke zurücklegen und sagen kann: In 5 Stunden bringt die DB sie von München nach Hamburg. Mit schnelleren Trassen wird es in vier Stunden sein können, vielleicht geht es noch schneller.

Wir haben längst akzeptiert, dass diese Steigerung sein muss und dass Menschen dafür gesorgt haben, dass die Zeit uns regiert; es ist das Regiment des citius, altius, fortius. Wie recht doch Michael Ende mit seinem Momo hatte. Als Schullektüre ist das Buch in der heutigen Zeit zu umfangreich. Kein Mensch hat mehr Zeit für Sätze wie die Worte von Meister Hora:

So wie ihr Augen habt, um das Licht zu sehen und Ohren, um Klänge zu hören, so habt ihr ein Herz, um damit die Zeit wahrzunehmen. Und alle Zeit, die nicht mit dem Herzen wahrgenommen wird, ist so verloren wie die Farben des Regenbogens für einen Blinden oder das Lied eines Vogels für einen Tauben. Aber es gibt leider blinde und taube Herzen, die nichts wahrnehmen, obwohl sie schlagen.

Wird Deutschland gewöhnlich?

Deutschland hat in der letzten Zeit auf fatal gekonnte Weise das Bild einer fairen und inneren Werten verpflichteten Nation zerstört, um die sich vorausgehende Generationen bemüht haben. Da ist ja nicht nur der VW-Skandal oder die Tatsache, dass der Bundesnachrichtendienst unmittelbare Nachbarn und „Freunde“ bespitzelte. Deutsche Sportfunktionäre standen auch nicht nach im Kaufen, was gekauft werden muss. Und obwohl unsere Politiker wussten, wem sie da in Wirklichkeit Waffen lieferten, wurde es dennoch getan. Nun heuchelt ein Sigmar Gabriel, man müsse den Waffenexport Richtung Saudi Arabien neu überdenken. Als ob er nicht schon immer gewusst hätte, wem er da Waffen liefern lässt, einem Staat, der den IS unterstützt und weltweit mit an führender Stelle im Köpfen von Menschen steht.
Kaschiert wird das Ganze durch Worthülsen wie Strategische Partnerschaft und Ähnliches.

Auch das Bildungswesen wird immer unnatürlicher.

Eine Einstellung hält Einzug, die alle Natürlichkeit außer Kraft setzt. Sogenannte Interaktive Whiteboards ersetzen zunehmend die Kreidetafeln. Die Vorteile der ersteren sind gewiss nicht zu übersehen, immerhin können Tafelanschriebe abgespeichert und einen oder mehrere Tage später wieder aufgerufen werden, angeschlossene Dokumentenkameras ermöglichen, dass Schülerhefte oder Buchseiten sofort eingelesen und auf der elektronischen Tafel sichtbar gemacht werden können und einer Besprechung zur Verfügung stehen. Genauso können in Minutenschnelle Internetseiten aufgerufen und You-Tube-Filme eingespielt werden, und das in tafelgroßem Format. 
Wenn solche elektronischen Tafeln eine Alternative zur weiterhin vorhandenen Kreidetafeln wären, auf denen Schüler nun einmal besser schreiben und z.B. geometrische Skizzierungen gerade auch für und durch Kinder viel besser vorgenommen werden können, wäre das alles ja in Ordnung, aber das lässt der Platz in den Unterrichtsräumen kaum zu. In mehr und mehr Schulen verschwindet die gute alte Kreidetafel. - Warten wir im Übrigen einmal ab, wie der Gesundheitszustand von Lehrerinnen und Lehrern sich entwickelt, die täglich diesen Tafeln, Beamern und weiteren Geräten sehr direkt und nah ausgesetzt sind (Whiteboards und Beamer werden in der Regel nicht abgeschaltet, auch nicht, wenn sie nicht verwendet werden).

Jedenfalls haben diese viele hunderte von Euro teuren Whiteboards zur Folge, dass die Räume in den Pausen abgeschlossen werden müssen, da diese Anschaffungen viel zu teuer sind, als dass sie unbeaufsichtig gelassen werden könnten, was wiederum zur Folge hat, dass Klassen sich vor den abgeschlossenen Klassenräumen auf den Fluren aufhalten und morgens, bevor der Lehrer erscheint, nicht gemütlich den eigenen Klassenraum aufwärmen können, sondern diesen erst mit Erscheinen des Lehrers betreten können. Ja, in mehr und mehr Schulen gibt es keine Klassenräume mehr, sondern zunehmend nur noch Fachräume, Fachräume für Deutsch, Geschichte, Religion … - das gute alte Klassenzimmer ist deutlich auf dem Rückzug.

Schule wird meines Erachtens zunehmend entseelter.

Diese ganze Entwicklung im Zusammenhang mit den Interaktiven Whiteboards - faszinierend, diese Namensgebungen - führt aber auch dazu, dass sich Schüler auch in der Schule an eine immer höhere Reizfrequenz gewöhnen. Wenn Methoden und Materialien in solcher Hülle und Fülle vorhanden sind, reduziert sich die Bereitschaft des Einzelnen, sich einem Text, gar einer Textpassage eine Stunde lang oder gar länger zu widmen. 
Dass Studenten zunehmend der Fähigkeit ermangeln, einen Text zu verstehen, wen wundert das?
Und natürlich stehen Lehrer ebenfalls in Gefahr, sich der Überfülle an Material zuungunsten der Arbeit an Text und Wort zu bedienen.

Die strukturierende, sinnstiftende Bedeutung des Christentums

Aus Parteiprogrammen ist ersichtlich, dass Menschen, die sie schreiben, keine Vorstellungen mehr davon haben, was menschliches Leben fundamental ausmacht. Viel zu sehr sind die dort formulierten Grundlagen zu Hülsen degeneriert. Was ganz basal menschliches Leben ausmacht, wird nicht mehr benannt. Der vorhandene Raum wird für Worthülsen, die sich gut lesen, die in Wirklichkeit niemand mehr ernst nimmt, gebraucht.

Das Christentum, das strukturierend wirkte mit seiner Rhythmisierung der Woche und des ganzen Jahres, seinen Feiertagen, die es gliederten und ihm ein Gepräge gaben, ist nie in dieser sinnstiftenden Bedeutung wirklich erkannt worden. Nicht nur Kinder, auch wir Erwachsene brauchen Ordnung und Struktur, wir brauchen Rituale von Raum und Zeit. 
In den Wohnungen und Häusern von Römern ebenso wie bei den Indianern gab es diese heiligen Orte. Es war ein Segen für dieses Land, dass es von einem Geflecht solch heiliger Orte in Form der Kirchen durchzogen und strukturiert war. Irgendwann wird es allerdings den ersten Richter geben, der das Läuten von Glocken kippt. Dröhnendes Autogehupe anlässlich von Hochzeiten und Festgegröle wird sicherlich weiterhin sein dürfen, ja zunehmen.

Menschengerechte Schöpfung ist ordnungs- und damit sinngebend, denn Ordnung stiftet Sinn in Raum und Zeit.
Zu früheren Zeiten war den Menschen bewusst, dass ihre heiligen Orte nicht von ihnen gewählt waren, sondern von ihnen entdeckt wurden, so, wie sie Ordnung als Geschenk begriffen. 
In der Bezeichnung der Griechen für das All als Kosmos, übersetzt Ordnung, findet dies auch noch seinen Widerhall. Sie begriffen Ordnung nicht nur als räumliche Ordnung, sonst hätte sie jenen Gott, der ihr Goldenes Zeitalter regierte, nicht Zeit, nicht Kronos genannt.

Unordnung macht krank, innere wie äußere

Es hat nicht einmal primär etwas mit Tradition oder einer konservativen Grundhaltung zu tun, dass menschliches Leben der Ordnung und Struktur bedarf, sondern mit der Tatsache, dass Leben ohne Ordnung und Struktur krank macht.

Ganz- und Heil-Sein setzt Ordnung und Struktur voraus. Nicht von ungefähr zeigt sich dies in den großen Symbolen der Menschheit, die geprägt sind von Kreis und Quadrat, von der Drei- und der Vierzahl.

Es ist kein Zufall, dass die Maße der Arche Noah und der Bundeslade so genau angegeben waren (waren deshalb, weil dieses Bewusstsein längst erloschen ist), genauso wenig wie die Tatsache, dass zu Beginn menschlichen Lebens die Siebenzahl eine zentrale Rolle spielte.

Mancher mag den Untertan von Heinrich Mann gelesen haben, jenes Werk, das so entblößend zeigt, welche geistige Mentalität zum Dritten Reich führte und zu einer Vorstellung von Ordnung und Struktur, die niemand mehr will. Immer aber wird es eine Gratwanderung sein, dass Menschen eine lebendige Ordnung und Struktur leben und sie nicht pervertieren in eine geistige Enge (leider dann auch manchmal eine konzentrierte äußere), die nicht zulassen kann, dass Leben und Bewusstsein sich ständig erweitern, so wie es das Weltall tut.

Licht stiftet Bewusstsein und es stiftet auch noch heute - obwohl die Quellen kaum jemand noch ernst nimmt - Zeichen, Zeiten, Jahre und Tage (1. Mose 1,14)
Lichtordnungen sind Zeitordnungen; sie geben Sinn, so wie das Licht jedes Tages uns Sinn geben will.

Vielleicht ist die sogenannte Dunkle Energie viel zu hell für uns

In einer Zeit, die sich so gewaltig und gewaltig schnell verändert, braucht unser Leben eine Ordnung und Struktur. Sie besteht in einer ausgeglichenen Balance zwischen Tag und Nacht, Vorwärtsstürmen und Stillesein, Einatmen und Ausatmen, erweitern und sich wieder fokussieren (Systole und Diastole, wie es Goethe nennt und wie sein ganzer Faust strukturiert ist), sich veräußern und sich verinnerlichen.

Eine Lösung könnte sein, dass Parteien in ihren Parteiprogrammen Abstand nehmen von ihren Worthülsen und in ihren Vorstellungen für eine gesunde Gesellschaft auf die Gesetze des Lebens, auf dessen Struktur und Ordnung konkret eingehen. Vielleicht würden sie dann erkennen, dass die sinnstiftenden Angebote des Chistentums nicht nur in Worten bestanden, sondern tatsächlich eine strukturgebende geistige Macht waren.

Wer weiß, vielleicht ist jene Dunkle Energie, die wir suchen und die für die Ausdehnung des Alls verantwortlich gemacht wird - eine Ausdehnung, die sich ja zudem ständig beschleunigt - gar nicht dunkel, sondern so hell, dass es besser ist, dass wir sie noch nicht sehen können. Es könnte ein Licht sein, dessen Ordnung wir noch nicht verstehen.

Wie es scheint, haben wir allerdings noch nicht einmal den Wert jener Ordnung wirklich verstanden, die Sonne und Mond geben wollen.




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Buchveröffentlichung Gedichtinterpretationen gestalten lernen
Für Oberstufenschüler und alle, die verstehen möchten, auf 
welche Weise Inhalt und Form von Gedichten in unsere 
Tiefenstruktur hineinwirken. - Mehr unter diesem LINK

Dienstag, 8. September 2015

Schultütengeschichte

Heute im Hessischen Rundfunk gehört im Rahmen einer Sendung, in der Hörer Geschichten um den ersten Schultag zum besten gaben.
Da gab eine Hörerin aus ihrer Familie, in der wohl die Schultüte von Generation zu Generation weitergegeben wird, die Schultütengeschichte über ihre Oma weiter, die gefragt worden war, als sie nach dem ersten Schultag nach Hause kam, wie es denn gewesen sei:

Gut, aber die wollen, dass ich morgen wiederkomme.

:-))

Samstag, 19. Juli 2014

Wie kommt der Karlfried durch den Dürckheim? - Über die Bedeutung von Vornamen und Familiennamen.


Endlich mal wieder Zeit für einen Post. In über 30 Jahren meines Lehrerdaseins habe ich es nicht geschafft, die letzten Arbeiten so zu legen, dass ich nicht fast jedes Jahr zum Ende hin in absoluten Stress komme, noch dazu, wenn alle Zeugnis-Noten ausgerechnet und entschieden sein müssen.

Es ist einfach beim Korrigieren unheimlich anstrengend, die Gedanken von Menschen nachzuvollziehen, vor allem, wenn sie manchmal etwas verworren sind und man gern Hinweise geben möchte, wie das zu vermeiden ist. Und dann die Noten . . .

Für Jugendliche, die gute erhalten, kein Problem. Wer aber gibt gern Noten, wenn sie nicht gut sind? – Ich vermute, vor dem habe ich mich immer jedes Jahr möglichst lange gedrückt, jedenfalls vor der letzten Serie der Arbeiten.

Wer weiß, vielleicht hängt das alles bei mir mit dem folgenden Thema zusammen:

In Meyer-Galows Buch Leben im Goldenen Wind, das ich nicht generell empfehlen möchte, weil es für mich doch einige Schwächen aufweist, es aber auf der anderen Seite zwei wertvolle Kostbarkeiten enthält und viele oft sehr ausführlich zitierte Buchpassagen, die dem ein oder anderen auch durchaus Anregungen sein könnten auf seinem Weg, den Goldenen Wind in sein Leben zu integrieren, findet sich jedenfalls eine Kostbarkeit, die ich außerordentlich wichtig finde - die zweite im Übrigen ist das zweiseitige Kapitel über den Goldenen Wind und dessen Symbolik.

Die erste Perle bezieht sich auf die Bedeutung des Vornamens und die Rolle des Nachnamens in unserem Leben. Meyer-Galow verweist auf Karlfried Graf Dürckheim, den 1988 in Todtmoos verstorbenen Diplomaten, Psychotherapeuten, Zen-Lehrer und weltweit gelesenen Buchautor, der immer sehr gerne gesagt habe:

Die wichtigste Aufgabe in meinem ganzen Leben war immer wieder die Frage: Wie kommt der Karlfried durch den Dürckheim?
Der Weise aus Todtmoos, der sein therapeutisches Zentrum im Schwarzwald gründete, wies darauf hin, dass der Vorname unser Wesen symbolisiere. Gemeint ist der Vorname, wie er im Stammbuch eingetragen ist, auf keinen Fall eine abgekürzte Version, womöglich eine indisch-esoterische Variante oder sonst etwas, was man gern sein oder wie man sich gern inszenieren möchte.

Der Nachname steht nach Meyer-Galow für das, was wir in der Welt erreicht haben, er bezeichnet ihn als "ICH in der Welt".

Schiller, für den das Thema der Unterscheidung von Sein und Schein ein zentrales Thema z. B. in seiner Maria Stuart war, würde ihn dem Schein zuordnen. Er beinhaltet unsere Rollen, die wir beruflich spielen, die Funktionen, die wir innehaben, was wir an Verpflichtungen übernommen haben, was eben alles der Nachname so generationenübergreifend beinhaltet und weitergibt: die Familie. Ein schwerer Packen!

Nicht, dass dieser Nach-Name grundsätzlich von unserem wahren Wesen getrennt sein muss - oft aber ist er es.

Nach Meyer-Galow sieht unsere persönliche Ausgangssituation in der Regel so aus:





Es heißt bei ihm:
Der dicke Strich unter Ihrem Namen ist Ihr ganzes Dilemma. Mit dem Strich trennen Sie Ihren Vornamen von Ihrem Nachnamen ab. Als Kind wurden Sie nur mit Ihrem Vornamen angesprochen. Sobald Sie erwachsen sind, spricht man Sie in der Regel nur mit Ihrem Nachnamen an. Der Nachname steht also gewissermaßen für das, was Sie in der Welt erreicht haben. Es symbolisiert Ihr ICH in der Welt. (...) Sie haben es gar nicht gemerkt, dass ihr ICH durch eine dicke Mauer zunehmend vom Wesen getrennt wurde (...) Es geht für Sie und für alle anderen Leserinnen und Leser um ENTGRENZUNG Ihres ICH.
Auf was Meyer-Galow nicht aufmerksam macht, ist, warum der Nachname, den er besser auch als Familienname bezeichnen würde, all die Normierungen enthält, die das ICH so stark machen und das Wesen reduzieren, minimieren: weil dieser Name für all die familiären Normierungen und Gesetzlichkeiten steht, die eine Familie mit sich bringt. Als Namensgeber gibt der Vater sein Bewusstsein weiter und, wenn er es nicht reflektiert hat, das Bewusstsein seiner ganzen Familie und all der Väter, die hinter ihm stehen.

Jede Familie hat ihre Gesetzlichkeiten, mittels deren festgelegt ist, wie gelobt wird, wie bestraft wird, wie Liebe praktiziert wird, wie über andere gesprochen wird, wie man dem Leben gegenüber tritt, ob offen und vertrauend oder vorsichtig, ja skeptisch. Und da in Mann und Frau, in Vater und Mutter zwei Familienkreise aufeinandertreffen, können sich Gesetzlichkeiten widersprechen oder - z. B. für die Kinder - sehr widersprüchlich sein. - So empfinden Kinder dann das Leben, empfinden dann, oft unbewusst, eine Unvereinbarkeit des Männlichen mit dem Weiblichen oder eine große Harmonie, ein wertvolles Sich-Ergänzen, ein Gemeinsam-stark-Sein.

Im Rahmen dieser familiären Gesetzlichkeiten ist also beileibe nicht alles schlecht, keineswegs, da kann z.B. ein überzeugendes Wertebewusstsein verankert sein, die Bereitschaft, in die Welt zu gehen und zu wirken.

Allerdings, in diesen althergebrachten Namen stecken auch die ganzen überholten Familienmuster drin, die uns unentrinnbar normieren, wenn wir ihnen nicht ihre Macht nehmen.

Und diese Muster sind mächtig, ja oft letztendlich todbringend, todbringend für unser Wesen.

Man sieht und spürt es Menschen oft an, wie wenig in ihnen wirklich lebt, wie viel in ihnen abgestorben ist. Erschütternde Beispiele der Macht von Familien finden wir immer wieder, man denke nur an Franz Kafkas Brief an seinen Vater, ein einziger Aufschrei nach Leben. – Nie abgesandt!

Familienstrukturen können Kindern die Luft zum Atmen nehmen. Nicht von ungefähr war Franz Kafkas Lunge so krank, musste er doch recht früh sterben.

Nicht in allen Familien sind, wie gesagt, diese Muster gleichermaßen stark. Meine Familie hatte jede Menge starker Muster!

Das alles kann dann dazu führen, dass die - überholten - gesellschaftlichen Muster so stark wirken können. Oft zementieren sie ja familiäre Muster endgültig.

Manchen lässt die Familie große Freiheiten. Solche Menschen gibt es auch; bisweilen haben sie es nicht leicht; sie werden sehr beneidet. In ihnen spiegelt sich ja eine Freiheit, die die meisten nicht haben.

Fortsetzung
hier

Donnerstag, 17. April 2014

Eine Ohrfeige hat noch niemandem geschadet!

Das war eines der Themen, die im Rahmen einer Erörterung zur Auswahl standen, die meine Siebtklässler vor den Ferien schreiben mussten. Gerade bin ich am Korrigieren und bin ganz berührt von einer Arbeit und dem Bewusstsein, das hier zum Ausdruck kommt.
Da schreibt ein Mädchen: Man sollte als Elternteil immer aufzeigen, wie es besser wäre, wie es also anders geht.

Ich finde diesen Gedanken umwerfend, auch umwerfend wichtig. Auch das Bewusstsein, das dahinter steckt.
Eltern haben die Aufgabe, Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Und indem sie das tun, lehren sie ihr Kind, dass es darum geht, Lösungsmöglichkeiten zu finden.

Wie wertvoll !!

Sie fällen nicht Urteile oder nehmen Exekutionen vor, wie sie manchmal mein Vater an mir vollzog, wenn meine Mutter mit ihren Ohrfeigen bei mir nicht mehr genug Resonanz fand.

Heute haben sich die Schläge von Eltern mehr nach innen verlagert. Kinder zu schlagen, ist heute öffentlich verpönt, ja, in Deutschland - mittlerweile sogar auch in Bayern, wo sich Körperstrafen, auch in der Schule, am längsten gehalten haben - verboten.
Deshalb hat wohl die Fähigkeit, innerlich zu schlagen, innerlich jemand in die Ecke zu stellen, zugenommen.
Auch sie gilt es zunehmend zu enttarnen.
Verboten ist sie nicht. Vielleicht, weil man sie nicht beweisen kann.
Eine Ausrede.
Die Schwarze Pädagogik hat sich nach innen verlagert.
Unsere Aufgabe: sie zu enttarnen.

Was Sie lesen sollten: den Abschnitt "Situation heute" bei Wikipedia "Körperstrafen".
Unter anderem heißt es da:

"Eine 2004 von der Universität Freiburg durchgeführte Studie ergab, dass 43,9 % der befragten Eltern in der Deutsch- und Westschweiz innerhalb des letzten Jahres eine Körperstrafe erteilt hatten. Gleichzeitig stieg der Anteil der Eltern, die angaben, ihre Kinder nie körperlich bestraft zu haben, von 13,2 % im Jahr 1990 auf 26,4 %."

Geschlagen wird noch öfter, als wir denken.

"Entgegen den gesetzlichen Bestimmungen in Deutschland wird in offiziellen religiösen Unterweisungen für deutsche Moslems die Prügelstrafe gegen Kinder und Jugendliche teilweise ausdrücklich gefordert."
Und Gleiches gilt, wenn auch nicht so offiziell, für einige christlich-fundamentalistische Kreise.

Übrigens hat sich schon Platon für gewaltfreie Erziehung ausgesprochen.
Und nach wie vor berührend ist jene Episode über eine Mutter, die ihr Kind "erzieht", erzählt von Astrid Lindgren in ihrer 1978 gehaltenen Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels.
Veröffentlicht auch in Die Welten meiner und unserer inneren Kinder

Montag, 14. April 2014

Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern ...



… das habt ihr mir getan. – An Henri scheiden sich die Geister.

Der Fall erregt die Republik:
Die Süddeutsche, der Stern, die Stuttgarter Nachrichten, die FAZ, die SWR-Landesschau, der Deutschlandfunk – das ist nur eine kleine Auswahl der Medien, die über Henri berichten.

Mittlerweile – Stand Montag, 15 Uhr – steuert die Online-Petition auf change.Org 13-tausend Unterschriften zu.

Es geht um das Thema Inklusion. Henri hat ein Down-Syndrom. Seine Mutter möchte – von Henri selbst und seinen ehemaligen Klassenkameraden ist in fast allen Medien leider und seltsamerweise kaum, wenn nicht sogar nie die Rede -, dass ihr Kind mit seinen Klassenkameraden auf das Gymnasium Walldorf wechselt. Die dortige Schulkonferenz – ein Gremium, in dem Vertreter von Lehrern, Eltern, Schülern und der Schulleitung sitzen – hat sich gegen Henris Aufnahme ausgesprochen.

hier weiterlesen
Bildquelle: change.org

Samstag, 12. April 2014

Vom Glück, das es gibt, wenn man sicher sein kann, nicht verletzt zu werden.


Trotz Ferien war ich heute nochmal in der Schule, um die Aufschriebe aus den Gruppenarbeiten meiner Kollegen im Rahmen unseres pädagogischen Wochenendes in Bad Wildbad für eine Personalversammlung zu sichten.

Dabei fiel mir das Plakat auf, auf dem wir die Un- bzw. Zufriedenheit mit den pädagogischen Tagen zum Ausdruck gebracht hatten. Obwohl alle auch einen Teil des Wochenendes geopfert hatten, der normalerweise für die Familie oder Korrekturen gebucht ist, war die Reaktion sehr positiv und ich musste an jene Übung denken, die wir zum Abschluss auf Vorschlag von Sigrid Tomberg, die uns zusammen mit ihrem Mann Günter Tomberg durch die zwei Tage geleitet hatte, machten:

Wir saßen in Gruppen zusammen und jedem wurde aus der Gruppe ein Anderer zugeteilt, dem er drei positive Eigenschaften zuschreiben sollte. Das war wirklich spannend und ich wusste, dass ich nicht das Allerweltsübliche schreiben wollte.

Um genau diese Aufgabe hatte ich nämlich meine letzte Klasse, in der ich Klassenlehrer war, gebeten: Jeder sollte jedem aus der Klasse einen positiven Satz zu- und aufschreiben. Ich machte mir dann die Mühe, für jeden die 25 positiven Sätze der anderen auf ein Blatt zusammenzuschreiben. Puh, viel Arbeit, aber dennoch, wie ich noch heute finde, lohnenswert.

Was mir nur aufgefallen war: Wie oft stand da: Peter ist nett / Sandra ist freundlich und nett / Jan ist nett ...

Es blieb mir gar nichts übrig, als die Bitte zu äußern, das Wort nett zu vermeiden und auch gut gelaunt und ähnliche stereotype Wendungen.

Am Schluss hatten jedenfalls alle ein schön gestaltetes Blatt mit Sätzen der KlassenkameradInnen und ich bin sicher, einige heben sich das ihre gut auf. Von manchen Aussagen, die sich die Kinder zuschrieben, war ich echt berührt, und ich kann mir vorstellen, mancher hat das ein oder andere, was er da über sich las, so noch nicht vernommen.

Ich erinnere mich, dass es mir nicht so leicht fiel, dem Kollegen, der mir zugeteilt war, etwas ganz Spezifisches mitzugeben; es gelang jedoch; und zuallermeist gelang es auch den Kollegen aus meiner Gruppe für den ihm bzw. ihr Zugeteilten.

Weshalb ich davon schreibe: Während ich mit der Sichtung in der Schule beschäftigt war, kam mir in den Sinn, wie schön die Atmosphäre in der Gruppe bei dieser Aufgabe war. Ja, im Nachhinein finde ich:

Es herrschte eine Form von Glück.

Und mir kam auch, als ich darüber sann, der Grund, weshalb das so sein konnte:

Jeder von uns konnte sicher sein, nicht verletzt zu werden.

Nun mag mancher denken: Was werden erwachsene Menschen - zumal unter KollegInnen - Angst haben, verletzt zu werden?!

Ich glaube, dass wir unbewusst viel mehr Ängste, als wir ahnen, haben, auch Ängste, wir könnten verletzt werden.

Vor allem dann, wenn es ins Persönliche geht. Da liegt die Seele blank.

Ich bin mir sicher, als Kind habe ich diese Angst zu Hause oft gehabt.

Und in der Schule auch, weil ich ein sehr mittelmäßiger Schüler war, dem Lehrer nicht übermäßig wohl gesonnen waren; da bekam man schnell mal eine Verletzung durch einen lapidar dahingesagten Satz des Lehrers ab.

Jedenfalls, wenn ich an die vielleicht 40 Minuten zurückdenke, in der wir diese Übung machten, dann kommt es mir vor, als wären wir unter einer goldenen Glocke vereint gewesen. Alle Gesichter haben ein Strahlen im Gesicht gehabt, vor allem in der Phase, als alle gespannt darauf waren, was nun der Andere Erfreuliches über sich hören würde.


Übrgens: Eines der Themen dieses Pädagogischen Wochenendes war Lehrergesundheit.

In diesem Moment, wo wir strahlten, waren wir wirklich gesund!

Es war so schön, weil keiner Angst haben musste, es könnte jetzt etwas Schräges oder Verletzendes kommen.

Wie schön ist es, wenn Menschen sehr persönlich miteinander umgehen und trotzdem vor Glück strahlen dürfen!

Vielleicht überhöhe ich das Geschehen von damals im Nachhinein ein wenig - aber ich glaube, das ist nicht einmal der Fall.

Über was mich das alles auch nachdenken lässt: 


Wie es Schülern in der Schule geht und wie sehr Schule auch solcher Zeiten und Räume bedarf, wo gerade Kinder - gerade auch im ganz normalen Unterricht - sicher sein und vor Glück strahlen können, weil es diese Sicherheit gibt, die zu den schönsten Gewissheiten des Lebens gehört: 

geschützt zu sein vor Verletzungen.

Und Lehrer sollten eines wissen: 
Nur, wenn ihre Schüler wirklich gesund sind, sind auch sie selbst gesund!

Freitag, 1. November 2013

Retten wir den Konjunktiv - und mit ihm viel mehr!

Martin Luthers Bibelübersetzung war im Grunde der erste Duden Deutschlands, und die zeitnahe Aufeinanderfolge von Gutenbergs Buchdruck mittels beweglicher Lettern und der Bibelübersetzung ins Deutsche sind eine der Sternstundenzeiten unserer Kultur.
Fast ein Drittel aller lesekundigen Deutschen besaß recht schnell die damals noch nicht ganz vollständige Übersetzung der Bibel.
Der Reformationstag, der vor allem an Luthers Wirken gegen Ablasshandel und Simonie - wobei bekanntlich Ämterschacherei kein spezifisch kirchliches Phänomen ist - erinnert, ist mir Anlass, auch an die oben angesprochene Leistung des in Eisleben geborenen Theologieprofessors zu erinnern.
Einer der für mich bedeutendsten Sätze seiner so eigenwillig gekonnten, weil zugleich prägnanten Übersetzung ist jener, wie er sich in den Evangelien von Matthäus und Markus findet:

Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele.

Das ist Konjunktiv II in Reinkultur  . . .

Donnerstag, 20. Juni 2013

Glück hinterlässt keine Narben. – Je mehr Inseln des Glücks wir in uns erschaffen ...


Heute bin ich wieder mit meiner goldigen Ethik-Gruppe im Kreis gesessen und unser Thema war Lebensläufe.

Jeder sollte zunächst im Stillen einen Gegenstand aus seiner Kindheit auswählen, ihn pantomimisch darstellen und etwas dazu erzählen.

Wir kamen dann auf Erlebnisse aus unseren Kindheiten zu sprechen und irgendwann sagte ich, dass mir auffalle, dass sie vor allem Ereignisse und Erlebnisse erzählen, die mit Traurigem, Negativem, mit Tod und Krankheit verbunden sind.
Mir ist übrigens dabei bewusst geworden, wie viel Kinder schon im Alter von dreizehn, vierzehn Jahren an Leid erlebt haben, wie viel Krankenhaus, Unfälle, Krebs in der Familie ...

Jedenfalls fragte ich dann, warum das denn so sei, und ein Mädchen sagte, dass Leid und Krankheit eben Narben hinterlasse, die man sehen und spüren könne.


Ja, sagte ich dann, da hast Du Recht, Glück hinterlässt keine Narben.

Was hinterlässt Glück dann?

Offensichtlich stehen die Glücksgefühle in ihrer Wirkung auf uns und unser Erinnerungsvermögen weit hinter den Leid- und Trauergefühlen zurück.

Warum das so ist - und ich glaube, das wird das Thema unserer nächsten Ethikstunde sein:

Ein Punkt hängt sicherlich mit dem bekannten Spruch only bad news are good news - nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten - zusammen, weil sich die Menschen eher für die Gefahr, die Angst, das Leid (vor allem anderer) interessieren.
Das aber kommt nicht von ungefähr.
Sicherlich hat es evolutionspsychologische Gründe: 


Als Steinzeitmenschen war Überleben damit verbunden, keine mögliche Gefahr unbeachtet zu lassen. Und da die Gefahr uns nicht aus dem Fernseher oder Computer ansprang, sondern wenn, dann ganz real hinter dem nächsten Busch lauern konnte, mussten wir zwangsläufig alles, auch ein Gerücht, das der Nachbar mitbrachte - und sei es eines über eine Löwenspur oder einen vagabundierender Menschen - ernst nehmen.

Das mag der Grund sein, warum wir fast noch automatisiert auf Negatives sofort anspringen, was sich Zeitungen, Fernsehen und andere diverse Formen von Medien, bis leider hin zu den Kinder(Computer-)spielen zu Nutze machen.

Eine Notwendigkeit aber besteht nicht mehr dazu, jedenfalls gewiss nicht in dem Ausmaß, in welchem dadurch Geld dazu gebracht wird, in die Portemonnaies von Bad-News-Produzenten zu fließen.

Leider ist es so, dass Kinder genau aus diesem Grund von frühester Kindheit an auf die Steinzeitprogrammierung konditioniert werden.

Und es kommt hinzu, was ich in einem früheren Post angesprochen habe – und das ist ein weiterer Punkt: 
Wir nehmen auf, nehmen wahr und übernehmen nur gar zu gerne, was uns nach unten zieht, der Schwerkraft geben wir uns nur gar zu gern hin ... das ist so bequem ... in den Sessel des Negativen fällt es sich wie von selbst ...

Wie können wir umsteuern?

Das Glück und seine Gefühle brauchen unsere tatkräftige Unterstützung!

Wir dürfen in uns das Glück markieren, hervorheben, ins Licht bringen.


Je mehr Inseln des Glücks wir auf diese Weise bewusst erschaffen,
desto früher wird es in uns einen 
Kontinent des Glücks 
geben können.

Donnerstag, 25. April 2013

"Ich glaube an Gott, auch wenn er schweigt!"

Bei meiner Unterrichtsvorbereitung gestern bin ich auf ein Zitat gestoßen, das mich erstmalig, obwohl ich es schon öfters gelesen hatte, hat stutzen lassen. Es ging um die Bewältigung des Tsunamis 2005, mit dem die Menschen unserer Erde kaum fertig wurden; fassungslos standen damals die allermeisten dieser Katastrophe gegenüber. 
Die Leonberger Kreiszeitung hat damals Vertreter der Religionen befragt, warum Gott so schweres Leid zulasse.

Der katholische Bischof von Aachen gab als Antwort u.a. die Worte von Juden wieder, die diese in ihrer schwärzesten Zeit an die Wand eines Kellers in Köln geschrieben haben:


Ich glaube an die Sonne, auch wenn sie nicht scheint.
Ich glaube an die Liebe, auch wenn ich sie nicht fühle.
Ich glaube an Gott, auch wenn er schweigt.

Ich habe großen Respekt vor den Worten der Juden, die dies geschrieben haben. Und ich kann mir vorstellen, dass sie ein Schweigen Gottes wahrnahmen. 
Nur glaube ich persönlich: Gott schweigt nicht.

Gott schweigt nie. 

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Liebe zu irgendeinem Zeitpunkt aufhört, ihre Strahlen zu senden.
Nein, wenn wir Gott als Schweigenden wahrnehmen, dann deshalb, weil wir ihn nicht hören können. – Das aber liegt nicht an ihm. Lange Zeit haben wir Menschen keinen Wert auf dieses Hören gelegt. Und jede Fähigkeit, die nicht geschult und geübt wird, zieht sich zurück.

Dann wollen wir auf einmal hören – nur wie?

Es ist die Schule des Leids, die unsere Hörfähigkeit schult. Und diese Schule kann unendlich brutal sein. Nur liegt das nicht an Gott, es liegt nicht an der Liebe.

Letztendlich wollen wir Menschen über dieses Leid wieder wirklich hören lernen!

Oft kommt vor dem Hören ein Glauben.

Eine oft gestellte Frage: Muss Leid sein?
Ich glaube nicht, die Schule des Leids muss nicht sein.
Die Alternative:
Die Schule des Glaubens.

Glaube, Liebe, Hoffnung.
Das sind die paulinischen Tugenden. 
Kein Zufall.

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Grammatikunterricht ist Menschenkunde.

Eigentlich hätte ich, so mag mancher denken, besser schreiben sollen: Grammatikunterricht beinhaltet auch Menschenkunde.

Aber ich meine tatsächlich: Grammatikunterricht ist Menschenkunde.

In jeder Klasse, in der wir Grammatik machen, frage ich unvermttelt zwischendrin, wenn wir gerade Fälle bestimmen, Adverbiale benennen oder Objektsätze aufspüren:

Mit was ist ein Satz, mit was sind Sätze, die in ihrem Aufbau so unterschiedlich sein können, vergleichbar?

Tatsächlich – Sätze sind wie Menschen:

Es gibt einfache, klare, kurze Sätze.
Auch Menschen können so sein: unkompliziert, klar und gerade heraus.

Es gibt Sätze mit logischen Beziehungen: Da wird eine kausaler Zusammenhang hergestellt ( ... weil er es eilig hatte) oder ein finaler (... damit es auch jeder sieht) oder es wird ein Gegengrund aufgezeigt (... obwohl alle dagegen waren).
Das sind Menschen, die Wert darauf legen, dass etwas transparent ist, in einen logischen Zusammenhang gestellt wird. Manchmal sind es auch Menschen, die zwanghaft alles begründen müssen ...

Es gibt Sätze, die sind unvollständig oder lassen einfach ein Verb weg.
Menschen sind gern auch emotional und dann pfeifen sie auf Korrektness.
Manche sind  n u r  so. Von denen merken es einige nicht und manche sind absichtlich so, weil sie ein Leben lang ein Kind bleiben wollen :-))

Und dann gibt es natürlich die total überfrachteten Sätze à la Thomas Mann. Sie sind bisweilen - das empfindet jeder ein bisschen anders - schrecklich aufgeplustert. Wenn die Verständlichkeit auf der Strecke bleibt, ist das natürlich für die, die so schreiben und sprechen, ein notwendiges Opfer für die Selbstdarstellung, denn viele können nicht so schreiben, geschweige denn denken; und darauf möchte man schon aufmerksam machen: Schau, ich kann es!
Und so gibt es auch Menschen, die gar nicht unbedingt verstanden sein wollen, die vor allem ihr Ich zur Schau stellen und erwarten, dass sie dafür, wie Thomas Mann, schon den Nobelpreis bekommen.

Dann gibt es Texte, die spielen mit Sprache. Da kommt auf einmal ein Punkt. Und nach dem Punkt geht der Satz in der nächsten Zeile weiter. Markus Zusak macht das hin und wieder.
Das ist sein inneres Kind, das spielt mit Sprache und freut sich und klopft sich auf die Schenkel und lacht, weil es weiß: Da stolpert der ein oder andere, stutzt, findet das komisch ... 
Übrigens sind solche Sätze nicht nur dem Spaß geschuldet; dahinter steckt auch oft Sinn ... wenn Verstehen nämlich zu selbstverständlich wird, dann wird es gefährlich.

Natürlich gibt es noch viele Zwischenstufen und mehr Satzformen, so viele eben wie Menschentypen ... :-))
Gewiss gibt es darunter Menschen, die haben für die jeweilige Situation die richtige Sprache, die können sich auch auf ihren Gegenüber einstellen, finden die richtigen Worte ... ehrliche Worte, auch das ist wichtig ... wir spüren das ...

Belassen wir es dabei einmal.

Wie die Menschen die Welt ergreifen und auf sie zugehen, das zeigt sich in ihrer Sprache.
Und an ihr zeigt sich auch, dass man dieses Zugehen verändern kann. Denn Sprache kann man verändern.
Wenn man sie sich bewusst macht, ist das eine relativ gute Übung, das Unbewusste aus seinem Dunkel zu ziehen ins Licht. 
Und dann ist Veränderung möglich.
Das ist mit das Wichtigste, um was es im Leben geht: Unbewusstes aus dem Dunkel zu holen, damit es  uns nicht dominiert, ohne dass wir es merken.

So kann man sich in der Sprache von überflüssigem Schnick-Schnack befreien. Man kann sich eine Zeitlang wirklich auf das Wesentliche konzentrieren, indem man nicht das rote Auto mit seinem Schiebedach und dem aufgemotzten Auspuff, der ständig silbergraue Wölkchen austößt, elanvoll und mit Schwung in die eigentlich zu enge Garageneinfahrt einfahren lässt, sondern einfach ein Auto.
Manchmal ist es gut, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Nicht umsonst sagt Angelus Silesius: Mensch werde wesentlich!
Oder die Bibel: Eure Rede sei Ja, Ja, Nein, Nein, und was darüber ist, das ist von übel.

Nur darf man ruhig viele Möglichkeiten haben, denn bisweilen schlägt die Sprache Purzelbäume, und es ist gut, wenn das ein Mensch auch kann, sich einfach auch mal gehen zu lassen, zu purzeln, zu lachen, zu ...

In jedem Fall ist es gut, wenn die Sprache nicht mit den Menschen macht, was sie will, sondern wenn dem Menschen Sprache zur Verfügung steht. 
Im Sport ist das auch so: Wenn Kinder Basketball spielen lernen, dann macht der Ball oft mit ihnen, was er will. Er prellt durch die Halle und dahinter sieht man einen Jungen, der schaut, dass der Ball nur annähernd bei ihm bleibt ...
Später ist es dann so, dass der Basketball wie mit dem Magneten angezogen wieder in die Hand zurückkehrt und sie verlässt, wann der Junge das möchte. 

Deshalb - und damit wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt - ist Sprachbetrachtung Menschenkunde, und die ließe sich fortsetzen, z.B. wie Menschen die Tempora gebrauchen. Davon vielleicht ein andermal mehr. Aber es ist wichtiger als man denkt, denn manche Menschen sind zum großen Teil ihre eigene Vergangenheit, ja manche sind es ausschließlich ...

Samstag, 8. Dezember 2012

Advent findet in unseren Schulen nicht statt! - Ob das eigentliche Weihnachten nur stört?

Vielleicht ist es eine Alterserscheinung und ich leide deshalb darunter; schon im letzten Jahr ist es mir so gegangen wie in diesem:

Die meisten Klassenzimmer tragen keinen Adventsschmuck, keine Sterne finde ich an den Fenstern, keinen Kranz, den man vorne auf dem Lehrerpult anzünden könnte.

Da ist uns jedes Kaufhaus voraus.
So makaber das ist, denn ein Kaufhaus weiß nun mal nicht, was es mit Weihnachten auf sich hat, allerdings die Herren Karstadt und Co schon .... Klingelingelingeling ...

Was mir in den vergangenen Jahren aufgefallen ist: Selbst wenn Religionslehrer Klassenlehrer sind, findet im Klassenraum kein Advent statt. In den Religionsbüchern im Unterricht schon ... in den Büchern ...
Das ist, wie wenn im Biologie-Unterricht Schmetterlinge besprochen werden, und einer fliegt aus Versehen ins Zimmer rein ... da muss er aber schnell abhauen, sonst kriegt er eins mit der Klappe ... wegen Unterrichts-Störung ...
Allerdings: An den Lehrern sollte man das Phänomen nicht festmachen. Anstatt dass wir ein G10 haben mit mehr Zeit dafür, einen ganzheitlichen Menschen heranzubilden, hat das Kultusministerium G8 eingeführt: kein Wunder, gehen für Advent und Weihnachten die Lichter aus. Ohnehin stellt sich die Frage,

ob das eigentliche Weihnachten in Wirklichkeit nur stört?

Wenigstens steht ein Weihnachtsbaum am Eingang unserer Schule. Den spendiert die Stadt. Immerhin ...


Vielleicht darf der auch bald nicht mehr aufgestellt werden, weil er ein christliches Symbol ist und wir doch interkulturell sind.
Im Berlin Wowereits sind Weihnachtsbäume bestimmt bald verboten. Und Angela Merkel macht da bestimmt mit, um keine muslimischen Gefuhle oder was auch immer zu verletzen.

Der innere Advent, das innere Weihnachten sind eh schon längst abgeschafft, vielleicht schaffen sich Advent und Weihnachten vollends von selbst ab.

Dass da Wowereit und Co nicht nachhelfen, liegt daran, dass sie sich sonst z.B. mit dem ganzen Einzelhandel anlegen würden ... und das wollen sich weder Berlins OB noch Merkel leisten ... Merkantiles ist eh per se bei uns ein Argument ... da sind die Parteien dann auf einmal parteiübergreifend weihnachtlich.

In meiner Klasse hat eine Oma einen Adventskranz gebastelt, extra für uns, wie schon im letzten Jahr.

Omas machen das gern, und bisher hat sich immer in einer Klasse, in der ich Klassenlehrer war, eine Oma gefunden, die einen Adventskranz für uns gemacht hat.
In manchem Jahr hat auch schon mal eine Schüler-Bläsergruppe in der Großen Pause Weihnachtslieder intoniert.  Manche haben da kurz von ihrem i-Phone aufgeschaut oder einen Video gedreht ...
Einen Weihnachts-Gottesdienst gibt es am letzten Schultag vor den Ferien immer! Und den gestalten auch Schüler mit. Auch Schüler des Schülerbibellesekreis; erstaunlich, dass es das noch gibt. Ich glaube nicht, dass es noch viele Schule gibt, in denen Schüler aus christlichen Motiven heraus im Kreis sitzen. – Dazu gehört heute wieder Mut.

Wie allerdings soll es wirklich Weihnachten in den Seelen der Kinder werden, wenn der Advent in der Schule nicht stattfindet? Und ich rede ganz und gar nicht nur von der Schule, an der ich unterrichte.


Auf einen Schlag werden am letzten Schultag die Jugendlichen ins Weihnachten entlassen ... na das muss eine Überraschung sein ...
Immerhin haben dann die Elf-Jährigen meiner sechsten Klasse in den letzten 8 Schultagen vor den Weihnachtsferien 5 Klassenarbeiten geschrieben und überstanden ...

Was war das nochmal, Weihnachten?

Sowas Ähnliches wie Ostern?
Wann war das nochmal mit den Eiern und wann war das mit dem Baum?
Oder Pfingsten? 
Pfingsten, das sind doch die Inseln neben den Malediven, war´s nicht so ... 
Weihnachten, jetzt, klar, das, genau das sind doch die Inseln, Weihnachtsinseln ...

Weihnachten ist wirklich eine Insel ... 
... und das Wasser steigt und steigt ... 
... bald sieht man womöglich von dieser Insel kein Land mehr ...

Ob ein Noah schon eine Arche baut?

Und ob es diesmal hoffentlich auch eine internetfähige Arche ist?

Sonst nehmen wir einfach die Titanic!