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Freitag, 24. August 2018

Ein Weniges zum Thema Reinkarnation von Goethe:

» …ich möchte mit Lorenzo von Medici sagen, daß alle diejenigen auch für dieses Leben tot sind, die kein anderes hoffen; allein solch unbegreifliche Dinge liegen zu fern, um ein Gegenstand täglicher Betrachtung und gedankenzerstörender Spekulation zu sein. Und ferner: wer eine Fortdauer glaubt, der sei glücklich im stillen, aber er hat nicht Ursache, sich darauf etwas einzubilden …
Die Beschäftigung mit Unsterblichkeitsideen«, fuhr Goethe fort, »ist für vornehme Stände und besonders für Frauenzimmer, die nichts zu tun haben. Ein tüchtiger Mensch aber, der schon hier etwas Ordentliches zu sein gedenkt und der daher täglich zu streben, zu kämpfen und zu wirken hat, läßt die künftige Welt auf sich beruhen und ist tätig und nützlich in dieser. Ferner sind Unsterblichkeitsgedanken für solche, die in Hinsicht auf Glück hier nicht zum besten weggekommen sind ...«

Johann Peter Eckermann «Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens», aus dem Gespräch vom 25. Februar 1824.

Kommentare:

Gisela Seidel hat gesagt…

Lieber Johannes,

zunächst einmal vielen Dank für Ihren Besuch auf meiner HP.

Goethe hielt mal wieder wenig von den "Weibsleuten" die den Tag lang aus lauter Langeweile über Reinkarnation und Wiedergeburt philosophierten. Er konnte nicht daran glauben, denn er sah alles nur Äußerlich, Schiller hingegen betrachtete das Leben von Innen.

Ich möchte hier den Bibeltext nennen, wo Jesus über das Wasser schreitet. Matthäus 14, 22-33. In der Bibel bedeutet 'Wasser' immer die Zeit. Da Jesus nicht untergeht, sieht man, dass er zur Ewigkeit gehört. Ihm kann das Wasser nichts anhaben. Petrus aber versinkt, weil er Teil des Weltlichen ist und der Zeit angehört. Doch Jesus rettet ihn vom Tod, von der Vergänglichkeit. Diejenigen, die an Gott glauben, werden demnach nicht vergehen. Sonst würde er im Psalm 90 nicht sagen: "Kehret zurück, ihr Menschenkinder."

Sicherlich wird jedes Ego irgendwann sterben. Man muss sich die Leben wie Perlen an der Schnur vorstellen. Unser Bild passt in kein Spiegelbild.

Beste Grüße und bis bald,
Gisela

Gisela Seidel hat gesagt…

Johann Wofgang von Goethe zur Wiedergeburt:

"Wenn einer 75 Jahre alt ist, kann er nicht fehlen, dass er mitunter an den Tod denke. Mich lässt dieser Gedanke in völliger Ruhe, denn ich habe die feste Überzeugung, dass unser Geist ein Wesen ist ganz unzerstörbarer Natur; es ist ein Fortwirkendes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Es ist der Sonne ähnlich, die selbst unsern irdischen Augen unterzugehen scheint, die aber eigentlich nie untergeht, sondern unaufhörlich fortleuchtet."
(2.5.84 an Eckermann)

"Ich bin gewiss, wie Sie mich hier sehen, schon tausendmal dagewesen und hoffe wohl noch tausendmal wiederzukommen."
(25.1.1813 an Johann Daniel Falk)

Liebe Grüße
Gisela

Johannes G. Klinkmüller hat gesagt…

Liebe Gisela,

danke für Ihre Kommentare!

Ich habe schon, als ich auf Ihrer Web-Site vorbeischaute, gesehen, wie ernsthaft Sie sich mit Themen auseinandersetzen, u.a. mit dem Thema Vergänglichkeit und Tod. Auch mich begleitet das ein Leben lang. Meine Zulassungearbeit an der Uni zum Deutsch-Examen habe ich zum Thema "Tod und Altern im Werk von Max Frisch" geschrieben und als mein Vater starb, der so christlich schien, habe ich gemerkt, wie schwierig die Sache mit dem Tod ist, denn obwohl er so fromm war, konnte er nicht loslassen und hatte Angst vor dem Tod. Ich habe daran gesehen, wie wichtig es ist, ehrlich sich selbst gegenüber zu sein, denn Dinge sind schnell gesagt, aber sie stimmen nur, wenn sie ehrlich aus der Tiefe kommen.

Goethe zum Beispiel hatte großen Angst vor dem Tod; nicht einmal das Sterben seiner Frau konnte er begleiten. Er ist allerdings sehr friedlich im Stuhl eingeschlafen, so viel ich weiß. Er hat sich ja auch in seinem Werken vielfach mit dem Tod auseinandergesetzt und im Grunde gut vorbereitet.
Ja, er glaubte an Reinkarnation und äußerte einmal zu seinem Verhältnis von Frau von Stein, dass sie wohl einmal Bruder und Schwester gewesen seien. Auf diesem Denken basiert auch das wunderbare Gedicht "Warum gabst Du uns die tiefen Blicke" ( https://bit.ly/2RBVzf9 - falls es Sie interessiert).

Das Thema Wasser finde ich auch sehr spannend. Sicherlich hat es mit der Zeit zu tun, es fließt ja, wie sie. Es werden der Wasserebene aber auch die Emotionen, die Leidenschaften und Gefühle zugeordnet, denn Petrus ging unter, weil er Angst bekam, eben weil er seinen Blick von Jesus wegwandte und auf das durch den Wind aufgewühlte Wasser sah; in seinen Emotionen, in seinen Ängsten ging er unter; Jesus aber ist der Meister des Wassers, der Meister seiner Gefühle, Leidenschaften, Triebe. Wasser ist ja eine seelische Ebene, und so ist auch der Gang des Volkes Israel durch das Rote Meer eine seelische Prüfung, voll notwendigen Vertrauens in die Wolke und die Feuersäule, die führen. Und es ist eben kein Zufall, dass die Ägypter in diesem Element untergehen.

In meinem Balladen-Video habe ich mich mit dem Thema etwas ausführlicher auseinandergesetzt, denn Schillers Ballade "Der Taucher" ist vor allem eine Ballade, die über den Weg der Seele in die eigenen Tiefen Auskunft gibt (wenn Sie Interesse haben: in meinem Video über die Weisheit der Volkslieder bin ich auf die Bedeutung des Wassers in den Volksliedern eingegangen https://bit.ly/2FuNd4g ab Minute 43.50 bzw. in meinem Balladen-Video https://bit.ly/2J3m21x ab Minute 24.50 - fühlen Sie sich aber bitte nicht unter Druck gesetzt, es ist nur für den Fall, dass Sie Lust dazu haben).

Haben Sie eine gute Zeit; vielleicht begegnen wir uns ja hin und wieder auf unseren Seiten; das wäre doch schön!

Liebe Grüße,
Johannes Klinkmüller