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Freitag, 18. Juli 2025

Die fünfte Reue Sophias. – Franz Alt und sein Golgathaverständnis: "Weiche von mir, Satan!"

Wie groß und überzeugend ist die Bereitschaft Sophias im Rahmen ihres vierten Reuegesangs zu einer fundamental ehrlichen Bestandsaufnahme, zu einer schonungslosen Analyse ihrer Situation, wie groß die Bereitschaft zu benennen, wie das Verhältnis des Lichtes zu ihr ist und wie sehr sie auf die Rettung durch das Licht hofft.

Sie beginnt ihren fünften Reuegesang mit einem Lob auf das Licht, um dann wieder überzugehen zu einer schonungslosen Bestandsaufnahme ihrer Situation verbunden mit einem Ausblick voller Hoffnung.
Ihr Umgang mit ihrer Situation mag eine Hilfe, ja - wenn wir wollen - eine Vorlage sein für uns, wie wir mit dem Licht und Gott sprechen können.

Die Realität von sogenannten Christen in unserem Land sieht zum Teil gänzlich anders aus. Wie selbstgefällig und überheblich handeln und reden manche, wie bar echter Reue. Ich möchte dies zu Beginn dieses und der drei folgenden Reuegesänge an vier Beispielen deutlich machen.

Einige unter uns dürften Bücher von Franz Alt kennen oder gar gelesen haben, bekannt sind vor allem „Frieden ist möglich. Die Politik der Bergpredigt.“ bzw. „Liebe ist möglich. Die Bergpredigt im Atomzeitalter.“
Mit „Jesus – der erste neue Mann.“ fand sich Franz Alt auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Insgesamt listet Wikipedia über 30 von ihm geschriebene Bücher und Veröffentlichungen auf. In den Buchrezensionen werden ihm immer wieder Lobeshymnen gesungen, die kritischen Rezensionen gehen aber sehr eindeutig im Hinblick auf sein Wirken in Richtung ideologischer Vorstellungen, die sich an modisch-kritischen Themen unserer Zeit orientieren (der ökologische Jesus, der pazifistische Jesus, der feministische Jesus), immer wieder wird ihm auch New-Age-Besserwisserei und eine gewisse parteipolitische Haltung mit erkennbarem Hang zur Selbstdarstellung vorgeworfen; in diesen Zusammenhang gehören seine offenen Briefe an Helmut Kohl und Angela Merkel, und als ob er noch nicht ausgelastet genug gewesen sei, engagierte er sich noch in dem Bahn-Bauprojekt "Stuttgart 21".

Für mich ist die entscheidende Frage: Leuchtete Franz Alt bei seinem vielen Schreiben das Licht, nach dem eine Sophia so strebte, erstrebte er die Weisheit, die uns Sophia vermitteln kann, gerade deshalb, weil sie durch tiefe und lichtlose Täler ging? Finden wir bei ihm diese Demut gegenüber dem Licht, die eine Sophia auszeichnet? Oder ist Franz Alt einfach nicht weise, sondern ein typischer Intellektueller unserer Zeit, nicht weise also, sondern schlau?

Ich war doch sehr verblüfft, als ich von einem Mann, der mehrere Bücher über Jesus geschrieben hat und von dem man doch also annehmen darf, dass er um den zentralen Punkt von Jesu Mission auf der Erde weiß, in einem Video den Satz hörte:
Ich kann mir gut vorstellen, dass das ganze Ostergeheimnis nichts anderes ist als eine Nahtoderfahrung (…) Das ist für mich kein Glaubensproblem, sondern eine Frage des gesunden Menschenverstandes.
Wenn Jesus Franz Alts Buchtitel nach der erste neue Mann ist, dann eigentlich doch deshalb, weil durch sein Wirken und Sein für uns Menschen der Weg zur Auferstehung gebahnt wurde, zur Auferstehung eines neuen Bewusstseins, was dadurch möglich wird, dass mit und in Jesus auf Golgatha der göttliche Sohn Christus stirbt, ein Geschehen in einer Dimension, die vielen Menschen noch in seiner Bedeutung nicht wirklich zugänglich ist.
Goethe hat darum gewusst, sein Gedicht „Selige Sehnsucht“ beginnt deshalb mit: „Sagt es niemand, nur den Weisen, / Weil die Menge gleich verhöhnet, / Das Lebend’ge will ich preisen, / Das nach Flammentod sich sehnet.“
Goethe wusste, dass das Geheimnis um den Flammentod der Seele, die in seinem Gedicht als Schmetterling diesen Tod erleidet, nur wirklich weisen Menschen zugänglich ist. Deshalb spricht der bloß schlaue Franz Alt von einem nicht wirklichen Tod, sondern von einem Nahtod. Er hat den Tod Jesu, der für alle Tode steht, die Menschen seelisch sterben, wenn etwa fundamental Neues in ihnen auferstehen will, nicht verstanden.
Goethe lässt uns in der letzen Strophe wissen: „Und so lang du das nicht hast, / Dieses: Stirb und werde! / Bist du nur ein trüber Gast /Auf der dunklen Erde.“
Um den Sinn unserer Existenz auf der Erde wissen wir nur, wenn wir die Bedeutung des Todes von Jesus verstehen. Weil er diesen Weg ging, dürfen wir heute in einem irdischen Leben zu dem Bewusstsein der Auferstehung gelangen. Wir sterben auch in diesem Leben oder einem folgenden den Tod auf Golgatha, jeder auf seine Weise.
Dann dürfen wir auch Pfingsten erleben.

Das alles hat Franz Alt nicht verstanden Für ihn gibt es keinen wirklichen Tod Jesu, deshalb kann es für ihn auch keinen wirklichen Ostersonntag geben, keine Auferstehung, kein Pfingsten.

Eine bemerkenswerte Stelle, die Alt mehr als nur zu denken hätte geben müssen, finden wir in Matthäus 16:
Wir lesen, dass Jesus seine Jünger darauf vorzubereiten beginnt, dass er nach Jerusalem gehen und dort sterben, dass er aber am dritten Tag auferstehen wird (so sprach er und das steht dort klipp und klar !)
Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen, und sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weiche von mir, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.
Wie viel hat der Mann, Franz Alt, über Jesus und die Bergpredigt geschrieben!! Verstanden hat er weder sie noch ihn! Auch wenn es noch so klug klingt, wie und was er schreibt. Deshalb kommt in Wirklichkeit nichts Wertvolles in unserer Seele an in dem, was er von sich gibt.
Was er tut, ist ja noch gravierender als das, was Petrus macht: Jesus weist die Jünger darauf hin, dass er sterben wird, Alt aber sagt: In Wirklichkeit ist er gar nicht gestorben …
Jesus würde zu ihm sagen und, ich vermute, er hat es bereits getan:"Weiche von mir, Satan!"

Wenn Alt über Liebe schrieb, dann hat er die größte Liebestat, die alle Liebe göttlich machen kann und will, gar nicht verstanden: diese göttliche Liebe beendet durch den realen Tod Jesu die Trennung von Tod und Leben; in dem Sinn, wie wir heute über Tod und Leben denken, das gibt es für Menschen, die sich zu einem Christus-Bewusstsein zu entwickeln vermochten, nicht mehr.
Das aber versteht der gesunde Menschenverstand nicht, das versteht ein Franz Alt nicht.
Denken in göttlichem Sinne ist nicht mehr linear, dieses Denken ist unbeschreiblich und deshalb ist die Weisheit einer Sophia so schwer zu erfassen; es kann nur der erfassen, dem das alte Denken stirbt. Wenn Menschen aber dieses Sterben, dieses Goethesche „Stirb“ nicht haben, dann fehlt ihnen auch das „Werde“ dann bleibt ihr Denken, so formuliert es Goethe, trübe, so wie ihr Dasein.

Franz Alt schrieb und schrieb und schrieb; wie ein Don Juan auf der Suche und Sucht nach Liebe von Bett zu Bett sprang und sie doch nie erreichte, so springt Franz Alt von Buch zu Buch, weil er sich das Verständnis von Liebe und Weisheit auf diese Weise erschreiben wollte. In Wirklichkeit hatte er Angst, etwas Entscheidendes in sich sterben zu lassen.

Warum ich darüber schreibe: All den vielen Büchern Alts fehlt die göttliche Weisheit, das göttliche Licht. Es kann in ihnen nicht vorhanden sein. 
Für mich ist wichtig, dass wir vorsichtig sind mit dem, was Menschen so Schlaues sagen und schreiben. Für mich ist wichtig, dass wir ein Gespür dafür entwickeln, ob Menschen mit dem wahren Licht, das Sophia so intensiv suchte und fand, in Kontakt sind - vielleicht sind sie es nicht immer, aber doch immer wieder. Ob sie in Kontakt mit der wahren Weisheit sind, nicht immer, aber ob sie danach streben, das ist wichtig.
Zu solchen Menschen sollten wir uns hingezogen fühlen und sie suchen, mit ihnen in Gemeinschaft gehen, Menschen, die wissen, warum Jesus Christus für uns ganz real auf Golgatha starb! Oft sind es keine Vielschreiber. Aber die Gemeinschaft mit ihnen und ihre ehrlichen Worte tun unserer Seele gut. Und gut für unsere Seele ist, wenn wir zu Menschen mit einem Verstand a là Franz Alt und ihrem tödlich kranken Bewusstsein sagen: "Weiche von mir, Satan!
"
Weil Jesus Petrus liebte, wies er ihn so deutlich zurecht! Dann kann Erkennen, kann Metanoia, kann Reue einsetzen.

Wenden wir uns der fünften Reue zu und denken wir daran, dass Sophia nur im Wirrwarr des Chaos, dem sie ausgesetzt ist, ihren Bedarf an Göttlichkeit und das Wirken der Gottheit erkennen kann. Aus der Verwirrung und dem Chaos in den niederen evolutionären Welten wird letztlich für Sophia und für uns der eigentliche Wandel hervortreten.
Dann werden, wie es in der 4. Reue heißt, selbst alle Archonten der materiellen Welt, dich, oh Licht fürchten, andere dagegen – wie eben auch Sophia – werden sich mit dem gereinigten Licht kleiden. 
Vollziehen wir den Weg der Reue mit, dass auch wir dieser Kleidung teilhaftig werden:

5. Reue
Und es geschah, als alle materiellen Emanationen von Selbst-Willen schwer auf ihr lasteten, dass Sophia laut weinte und die fünfte Reue gab, indem sie sprach:
1 Oh Licht meiner Erlösung, ich singe dir Lob in der Region der Höhe und auch im Chaos.

2 Ich singe dir Lob in meinem Lied, mit dem ich in der Höhe Hymnen bildete, und mit dem ich an dich Hymnen bildete, als ich im Chaos [in den niederen Welten] war. Möge es deine Gegenwart erreichen, und bitte höre, oh Licht, auf meine Reue.

3 Meine Kraft ist in die Finsternis gesunken, und mein Licht ist ins Chaos abgestiegen.

4 Ich selbst werde wie die Archonten des Chaos, sie, die in die Finsternis unten hinabgestiegen sind; ich werde zu einem materiellen Körper, ohne jemanden in der Höhe, der mich errettete.

5 Ich werde auch wie die Substanzen, deren Kraft aufgebraucht ist und in das Chaos ausgeschieden werden, solche, die du nicht in der Erlösung für wert befandest und die auf dein Gebot hin übriggelassen werden, um zu vergehen.

6 Nun haben sie mich unten in die Finsternis gestellt, in tote Finsternisse und Materien, die keine Kraft in sich haben.

7 Du hast dein Gebot über mich gebracht und alles, was du bestimmt hast,

8 und dein Geist hat sich zurückgezogen und mich verlassen. Auch sind auf deinen Befehl die Emanationen meines Äons mir nicht zu Hilfe gekommen, sondern haben mich verabscheut und sich von mir ferngehalten, und immer noch bin ich nicht vollkommen ausgelöscht.

9 Aber mein Licht ist in mir geschwächt, und ich habe mit allem Licht, das mir noch geblieben ist, nach dem Licht gerufen, und ich habe meine Hände nach dir ausgestreckt.

10 Nun, oh Licht, wirst du nicht dein Gebot im Chaos erfüllen, und die Befreier, werden sie nicht kommen, wie du es ihnen befohlen hast, in der Finsternis aufzustehen, um deine Jünger zu sein?

11 Werden sie nicht das Mysterium deines Namens im Chaos sprechen?

12 Oder werden sie eher deinen Namen in der Substanz des Chaos sprechen, die du nicht reinigen wirst?

13 Doch ich habe dich gepriesen, oh Licht, und meine Reue wird dich in der Höhe erreichen.

14 Möge dein Licht über mich strömen,

15 denn sie haben mir mein Licht genommen, und ich bin seit der Zeit, da ich emaniert wurde, in heftigem Schmerz wegen dem Licht. Und nachdem ich auf das Licht in der Höhe geblickt hatte, blickte ich nach unten auf die Lichtkraft im Chaos; und ich machte mich auf und stieg hinab.

16 Dein Gebot fand mich, und die Ängste, die du für mich festgelegt hast, führten mich in Verwirrung.

17 Und sie haben mich wie zahlreiche Wasser umzingelt, sie haben mich fortwährend gemeinsam zu jeder Zeit ergriffen.

18 Und durch dein Gebot hast du meinen Schutz-Emanationen nicht gewährt, mir zu Hilfe zu kommen, noch hast du meinem Gepaarten erlaubt, mich aus meinem Leiden zu erlösen.
🌟

Dies ist die fünfte Reue, welche Pistis Sophia im Chaos von sich gab, als alle materiellen Emanationen von Selbst-Willen sie weiterhin bedrohten.
(...)
Jesus spricht: Nun komme du, Philippus, nach vorn und verkünde die Lösung der fünften Reue von Pistis Sophia, und nimm dann wieder deinen Platz ein und schreibe alle Belehrungen, die ich äußern werde, bis die Zahl deines Anteils der Aussagen über das Königreich des Lichts, die du aufzeichnen sollst, vollendet ist.

Und Philippus antwortete und sprach zu Jesus, „Mein Herr, höre mir zu, dass ich die Lösung ihrer Reue gebe. Denn deine Kraft hat darüber früher durch David im 88. Psalm prophezeit, indem er sprach:

1 YHWH, Gott meiner Errettung, bei Tag habe ich nach dir gerufen, des Nachts habe ich vor dir gewartet.

2 Lass mein Gebet vor dir aufsteigen; neige dein Ohr meinem Lied.

3 Denn meine Seele ist mit Elend durchtränkt, und mein Leben nähert sich den unteren Tiefen.

4 Ich bin mit jenen gezählt, die in die Grube hinabgehen; ich bin wie ein kraftloser Mann geworden.

5 Ich werde wie die Toten, die frei sind, betrachtet, wie die Geschlagenen, die in Gräbern liegen, an die du dich nicht mehr erinnerst und die von deiner helfenden Hand abgeschnitten sind.

6 Du hast mich in die niederste Grube gelegt, in die Finsternis der tiefsten Schlucht.

7 Dein Zorn hat sich auf mich geheftet, und deine Wellen haben mich gepackt. Selah.

8 Du hast mir meine Freunde entfremdet; du hast mich ihnen zum Abscheu gemacht. Ich bin eingesperrt, und ich kann nicht heraus.

9 Meine Augen trauern wegen meiner Not; ich habe nach dir gerufen YHWH, jeden Tag; meine Hände habe ich nach dir ausgestreckt.

10 Wirst du für die Toten Wunder wirken? Werden nicht jene, die niedergeworfen wurden, aufstehen und dich preisen? Selah.

11 Werden sie nicht bestimmt deinen Namen in den Gräben aussprechen?

12 Und deine Rechtschaffenheit im Land des Vergessens?

13 Und zu dir, YHWH, rufe ich um Hilfe, und am Morgen ist mein Gebet früh vor dir.

14 Warum verbirgst du dein Angesicht vor mir?

15 Denn ich bin betrübt und nahe am Tod. Ich erhöhte mich selbst und wurde gedemütigt.

16 Dein strenger Zorn überwältigte mich, und deine Schrecken haben mich zum Schweigen gebracht.

17 Sie umkreisen mich wie Wasser den ganzen Tag; sie überschwemmen mich alle gleichzeitig.

18 Du hast mir den Freund und Gefährten entfremdet; meine Bekannten werden von meinem Leid ferngehalten.“
🌟

Dies ist nun die Lösung des Mysteriums der fünften Reue, die von Pistis Sophia gegeben wurde, als man sie im Chaos verfolgte.

Freitag, 14. März 2025

*Unsere Zeit: eine Zeit intensivster Herrschaft des Gottes Mammon. – Wenn Musk/Trump sich ausagiert haben, werden sich Menschen abwenden von plattem Wohl-stand hin zu seelisch-geistigem Wohler-gehen!


Es ist kein Zufall, dass Elon Musk und Donald Trump momentan in den Köpfen so vieler Menschen herumspuken und in ihre Gedankenwelt so massiv eingreifen.
Der eine ist (noch) der reichste Mann der Erde, beschimpft auf X auf übelste Weise Menschen (vor allem, wenn sie nicht rechts sind), entlässt gnadenlos Leute, darunter auch viele, die eine Familie ernähren, zeigt sich zugleich aber immer wieder sehr bewusst mit einem seiner dreizehn Kinder in der Öffentlichkeit, wobei ihm als einem, der absolut autistische Züge aufweist, Werte, auch familiärer Natur, im Zweifel völlig schnuppe sind (und das bei den vielen Familien, die er hat).

Sein Moritz heißt Donald Trump, dessen Lieblingswort „Deal“ ist. Dealmaker zu sein ist sein Lebenselexier.

Warum ist es kein Zufall, dass beide momentan so sehr die Weltbühne beherrschen?
Es wird durch sie vor aller Augen deutlich und auf die Spitze getrieben, was geschieht, wenn Mammon die Welt regiert.

Mammon kennen manche aus John Miltons „Paradise Lost“, wo er ein gefallener Engel ist, der sich gegen Gott auflehnt oder auch aus Michael Endes Kinderbuch „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“, wo Mammon als infernalischer Finanzminister auftaucht.
In Goethes „Faust“ nimmt Faust in der Szene "Walpurgisnacht", mit Mephisto in der Nacht zum 1. Mai auf dem Brocken unterwegs, einen morgenrötlich trüben Schein wahr, worauf Mephisto, nichts anderes als ein Seelenanteil auch von uns, Faust darauf hinweist, dass Mammon den Berg erglühen lässt. Es ist jene Energie, die das Treiben dieser Nacht befeuert und die u.a. vorhanden ist, wenn sich Sexualität und Geldenergie verselbständigen und unkontrolliert in der Seele der Menschen ihr Unwesen treiben.

„Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“
Die Aussage von Jesus in Matthäus 6,24 ist unmissverständlich.

Mammon ist ein aus dem Aramäischen entlehnter Begriff und bedeutet „Besitz“ und dieses Wort macht darauf aufmerksam, worin die Problematik von Besitz und dem schnöden Mammon, einer Formulierung, die selbigen mit Geld identifiziert, besteht:
Besitz ergreift Besitz und vor allem gilt dies für Geld. Deshalb ist die Formulierung der Bibel, dass es leichter sei, dass ein Kamel durch ein Nadelör gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme, so unerbittlich eindeutig: zu viele unterschätzen die Sogwirkung des Geldes und Besitzes und sind weit davon entfernt, um die Freiheit zu wissen, die sich mit Besitzlosigkeit verbindet. Diese wertvolle Freiheit ist heute der Menschheit weitgehend unbekannt.

Mammon ist der Gott der Hemmnis, der Hindernisse, er verhindert den Fortschritt, den geistigen, die seelische Entwicklung. Das wird uns derzeit noch einmal so richtig vor Augen geführt, denn für Elon Musk und Donald Trump, die für Millionen von Menschen auf diesem Planeten stehen, ist nur der etwas wert, der Besitz und Geld vorweist; wer beides nicht vorweisen kann, hat im Grunde keine Lebensqualifikation.
Wie weit sind diese beiden und ihre Millionen Brüder im Geiste von jenem so bedeutsamen Wort Jesu entfernt:„Was ihr getan habt einem unter meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan!“
Es bezieht sich auf jene, die heute als gering, als minderbemittelt und damit im Grunde als gesellschaftlich wertlos gelten. Für die Trumps und Musks dieser Welt existieren sie möglichst nicht.

Es wird eine Zeit kommen, und ich vermute, sie könnte schneller kommen, als wir ahnen, weil die Zeit zur Zeit sich zunehmend beschleunigt, wo die Dominanz von Geld zu Ende geht und es u.a. auch keine Börse - die auch symbolisch für ein pervertiertes menschliches Bewusstsein steht - mehr geben wird; eigentlich ist ihre Existenz unfassbar, stehen doch immer wieder Menschen ratlos vor ihr, staunend, wie sie jetzt wieder reagiert, die innerhalb von Minuten Billionen an Euro oder Dollar vernichten kann und die ganz offensichtlich von Kräften geschaffen wurde, die Menschen an eine Form von Abhängigkeit gewöhnen wollten, die sinnlos und menschenunwürdig ist.

Ein Mann, der ständig Tatsachen verdreht und zu den größten öffentlichen Lügnern der Weltgeschichte zählt, der seine Entscheidungen und sein Verhalten von seinen unausgegorenen Emotionen abhängig macht - und aus geistiger Sicht sind Emotionen fast das Gegenteil von Gefühlen - bestimmt momentan auf eine Weise das Geschehen auf der Welt, und die Welt, vor allem das amerikanische Volk, schauen weitgehend nur zu.
Im Grunde ist Donald Trump mit seiner Verlogenheit und seinem exzessiven Egoismus ein Fall für den Psychiater.
Stattdessen benutzt er hemmungslos eine Nation, um sein erratisches Unwesen zu treiben und sein Ego samt entsprechenden Emotionen auszuagieren.

Ich möchte sagen: All das muss offensichtlich so sein, weil anders viele Menschen nicht erkennen, dass, wer auf Wohl-stand setzt, eben steht und stehenbleibt, damit zurückbleibt;
dass es aber in Wirklichkeit nicht um Wohlstand gehen kann, sondern um Wohler-gehen, um Vorwärtsgehen im seelisch-geistigen Bereich.

Mein nächstes Video zu "Faust I", in dessen Mittelpunkt die Walpurgisnachtszene stehen wird, möchte ich überschreiben: „Immer mehr Männer verlassen den Brocken.“
In der Tat glaube ich, im Gegensatz zu dem, was sich so vordergründig anzeigt und abspielt, dass gerade auch Männer, denen ja nach Ansicht des Anthroposophen Steiner die kosmische Tiefe des weiblichen Geschlechtes fehlt und die dem Irdischen sehr zugeneigt sind, seelisch aufwachen. Die momentane Trump-Zeit und das, was in ihrem Rahmen noch geschehen wird, wird dieses Aufwachen maßgeblich befördern. Auch deshalb, weil die Verkommenheit einer überholten Männlichkeit, wie sie viele, nicht nur Trump und Musk zeigen, deutlich zutage tritt.
Kein Wunder, dass sich Gaia, unsere Erde, als weiblich-fühlsames Wesen mit Äußerungen und Reaktionen, die uns Menschen erschrecken werden, zunehmend nicht mehr zurückhalten wird.

Freitag, 10. Mai 2024

Eduard Mörike hätte Homunculus retten können! - Von der morgendlichen Schwierigkeit mancher Menschen, den neuen Tag anzugehen.

Homunculus zerschellt am Ende des zweiten Aktes von „Faust II“ am Muschelwagen der Galatee, der Tochter des Meeresgottes Nereus, die unterwegs zum großen ägäischen Meeresfest ist. Es blitzt und flammt und jene Gestalt, die von Wagner, den wir noch als Famulus von Faust aus „Faust I“ kennen und der inzwischen zu akademischen Ehren gelangt ist, im Laboratorium geschaffen worden war, ist nicht mehr. 

Thales, wie Anaxagoras, Faust und Mephisto in Griechenland zur großen Meeresfete unterwegs, lässt uns teilhaben an jenem Augenblick, der das Scheitern der Menschwerdung des Homunculus wiedergibt. Gerade noch war HOMUNCULUS superglücklich in den Wassern des Meerres und dünkt sich mehr denn je dem Ziel nahe, Mensch werden zu können:
In dieser holden Feuchte 
Was ich auch hier beleuchte, 
Ist alles reizend schön

 Und der Meeresgott PROTEUS bestärkt (scheinheilig, wie sich gleich herausstellt) ihn in seiner Ansicht: 

In dieser Lebensfeuchte
Erglänzt erst deine Leuchte
Mit herrlichem Getön.
Selbst NEREUS, ein Meeresgott allerdings anderen Charakters als Proteus, unterstützt diese Sicht:
Welch neues Geheimnis in Mitte der Scharen
Will unseren Augen sich offengebaren?
Was flammt um die Muschel, um Galatees Füße?
Bald lodert es mächtig, bald lieblich, bald süße,
  
Als wär' es von Pulsen der Liebe gerührt.

 Wobei sich bereits in diesen Worten andeutete, was THALES im Anschluss dann feststellen muss:

Homunculus ist es, von Proteus verführt…
Es sind die Symptome des herrischen Sehnens,
Mir ahnet das Ächzen beängsteten Dröhnens;
Er wird sich zerschellen am glänzenden Thron;
Jetzt flammt es, nun blitzt es, ergießet sich schon.

Wer oder was ist Homunculus?

„Homo“ kommt aus dem Lateinischen und heißt „Mensch“. Homunculus“ bedeutet „Menschlein“. Mit diesem Wort bezeichnete man im späten Mittelalter einen Menschen, der künstlich - oder sagen wir magisch und/oder mit alchemistischen Verfahren - erzeugt wird; damals glaubte man, dass das geht und Paracelsus, der berühmte und sicherlich hoch hellsichtige Arzt, der in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebte, hat sich dazu geäußert. Solch ein Homunculus war natürlich nur ein astrales Wesen, also ein Seelenwesen; als solches konnte es allerdings durchaus existieren. Das erscheint manchem unwahrscheinlich, doch vergessen wir nicht, dass wir schon mit jedem Wutanfall sogenannte Elementale erzeugen, auch eine Art seelischer Wesen (die niemandem guttun). Der Homunculus im „Faust II“ ist von Wagner, dem Famulus Fausts, bekannt aus dem ersten Teil des „Faust“, wie erwähnt, im Laboratorium erschaffen worden; die „Klassische Walpurgisnacht“, jene Szene im zweiten Akt des "Faust II", die allein fast so umfangreich ist wie ein Theaterstück, vermittelt immer wieder den so intensiven Wunsch des Homunculus, ein Mensch aus Fleisch und Blut zu werden. 

Leben im Jenseits

Wir haben bekanntlich einen Astralleib, mit dem wir nachts in der geistigen Welt unterwegs sind zusammen mit unserem Ich, während unsere physischer Leib und unser Ätherleib im Bett liegen. In der geistigen Welt sind wir ja – natürlich abhängig auch vom Entwicklungsstand der Seele – in Kontakt mit hohen geistigen Wesen, mit unseren Ahnen oder uns bekannten Verstorbenen; natürlich lernen wir auch neue Menschen kennen, mit denen wir uns vielleicht für das nächste Leben verabreden; wir gehen in Schulen und gehen Tätigkeiten nach, singen in einem Chor, spielen in einem Orchester, malen oder gehen anderweitigen Tätigkeiten nach. Eines meiner ersten esoterischen Bücher, das ich gelesen habe, war „Das Leben in der unsichtbaren Welt“; es ist aus dem Jenseits diktiert von einem englischen Schriftsteller und Priester, der als Verstorbener einem englischen Medium namens Anthony Borgia seine Erfahrungen aus der geistigen Welt mitteilte und es ist bis heute eines der faszinierendsten Bücher für mich gewesen, weil es - jedenfalls war das mein Eindruck damals - ein für mich glaubwürdiges Bild des Lebens im Jenseits vermittelt. Es gibt dort Lernhallen, in denen wir uns aufhalten, Häuser der Erholung für vom irdischen Leben geplagte Seelen, eine Sphäre, in der wir künftige Arbeiten auf der Erde vorbereiten, es gibt Tätigkeiten die wir als Freizeitgestaltungen bezeichnen könnten, eine Sphäre für Kinder, aber auch eine sehr bedrückende dunkle Sphäre, in der Seelen existieren.

Wenn man das Buch liest, kann man sich vorstellen, durchaus Schwierigkeiten zu haben, wieder auf die Erde zu wollen. Allein das Kapitel über Musik ist höchst faszinierend und es heißt, dass im Jenseits die geistigen Klangvorstellungen dort beginnen, wo die irdischen aufhören. Es gibt Orchester und Musikinstrumente, die mit unseren nur bedingt vergleichbar sind, weil sie einen Klangzauber entfalten, den wir uns kaum vorstellen können.

In diesen Sphären bewegen wir uns auch in der Nacht und ein Rudolf Steiner nimmt darauf Bezug, wenn er schreibt, dass wir uns dort nirgends begrenzt fühlen, wie ausgegossen über alles Weltenlicht, allen Weltenton, über alles Weltenleben. 

Der Abgrund zwischen Diesseits und Jenseits

Bemerkenswert nun ist, das zwischen jener Sphäre und unserem Leben auf der Erde ein Abgrund existiert, von dem Rudolf Steiner spricht; ich greife auf ihn zurück, weil ich dessen Vorhandensein nirgends so klar angesprochen gefunden habe wie in seinen Schriften, u. a. in der GA 273, in deren Mittelpunkt der zweite Teil des „Faust“ steht.

Jeden Morgen nun und jeden Abend überwinden wir diesen Abgrund, auch übrigens genauso bei der Geburt oder anlässlich unseres Todes. Wenn wir nun zu den Menschen gehören, die morgens eine Erinnerung mitbringen von jener jenseitigen Welt, auch wenn sie eher unbewusst ist, lässt sich leicht vorstellen, wie wir das Hier und Jetzt in diesem Moment empfinden. Gerade noch waren wir wahrer Mensch, unbegrenzt, erfüllt mit himmlischen Eindrücken und mit einem Schlag sind wir nur noch ein Menschlein, schrecklich reduziert (so empfinden wir uns dann zumeist jedenfalls), verglichen mit vorher, also den nächtlichen Erlebnissen im Jenseits. 
Diesen Kontrast wahrnehmen zu müssen, wenn es einem widerfährt, ist einfach hammerhart.

Manche Menschen also haben Schwierigkeiten, in den Tag zu finden, ja sogar vielleicht Angst vor bzw. beim Aufwachen, vielleicht auch einfach ein flaues Gefühl. 

Die Alternative: Regenbogen oder Jakobsleiter

Wenn wir von der Existenz des Abgrundes wissen, ist uns bewusst, dass eben angesprochene Gefühle sich durchaus im Rahmen der Normalität bewegen und absolut nachvollziehbar sind; nur die meisten nehmen sie nicht wahr - oder nur ganz entfernt In Zukunft werden vielleicht mehr und mehr Menschen diese Diskrepanz wahrnehmen und den Übergang neu gestalten wollen.

Die angesprochene Diskrepanz wahrnehmen zu dürfen ist im Übrigen im Grunde eine Gnade, denn sie entspricht einer Stufe geistiger Erkenntnis, mit der wir umzugehen lernen dürfen. Mit unserem Bewusstsein, das über das Materielle hinausreicht, ist dies möglich, möglich, den Abgrund zum Regenbogen werden zu lassen oder eine innere Jakobsleiter sozusagen installieren zu dürfen, die bekanntlich Jakob, auf der Flucht vor seinem Bruder Esau, sieht, als er nachts schlafend auf dem Erdboden liegt; auf ihr steigen Engel, Trostbringer  und Helfer zugleich, auf und nieder; oben sieht er Gott selbst.

In „Faust I“ nimmt das Faust wahr:
Wie alles sich zum Ganzen webt,
Eins in dem andern wirkt und lebt!
Wie Himmelskräfte auf und nieder steigen
Und sich die goldnen Eimer reichen!
Mit segenduftenden Schwingen
Vom Himmel durch die Erde dringen,
Harmonisch all das All durchklingen!
Im ersten Teil dieses Werkes hält Faust das Geschehen nur für ein Schauspiel, doch ist es die Realität einer möglichen Verbindung zwischen den Welten über den Abgrund hinweg. Der Anthroposoph Rudolf Steiner spricht ja immer wieder von dem notwendigen übersinnlichen Bewusstsein, das wir erwerben können. Und ein Teil dieses Bewusstseins ist das Wissen um diesen Abgrund, das Wissen um ein Menschsein im Jenseits und ein Menschsein im Hier und Jetzt. 

Statt Ausreden eine lebendige Vorstellung entwickeln

Er schreibt: 
Wir kommen aus der geistigen Welt, suchen durch die Empfängnis und die Geburt das physische Dasein. Im physischen Dasein treten wir entgegen demjenigen, was aus dem physischen Dasein uns als unser Leib gegeben wird. Jeden Abend kehren wir zurück in die Welt, aus der wir heraustreten durch die Geburt; jeden Morgen müssen wir die Geburt bildhaft erneuern, indem wir wiederum in den physischen Körper untertauchen. Da können wir fühlen, wie wir von außen hereinkommend nicht das erreichen, was der Mensch ist, sondern wie uns nur der Homunkulus, das Menschlein, das embryonale Menschentum entgegentritt, und wie schwierig es ist, zum wirklichen Menschen zu kommen. Wir könnten zum wirklichen Menschen kommen, wenn es uns gelingen würde, knapp vor dem Aufwachen, wenn alle Entwickelungsmöglichkeiten der Nacht ausgeschöpft sind, eine ganz helle Vorstellung zu haben. Diese helle Vorstellung wäre eine Weltvorstellung; diese helle Vorstellung wäre so, daß wir uns nirgends begrenzt glaubten, daß wir uns ausgegossen fühlten über die Welt; daß wir uns ausgegossen fühlten über alles Weltenlicht, allen Weltenton, über alles Weltenleben. Vor uns etwas wie einen Abgrund; jenseits des Abgrundes die Fortsetzung desjenigen, was wir gerade noch fühlen, bevor wir den Abgrund betreten beim Aufwachen: Wärme. Wärme, sie strömt über den Abgrund hinüber. Nun aber treten wir über den Abgrund ein durch das Aufwachen in Luft, Wasser, Erde, die ja unseren eigenen Organismus zusammensetzen.
Steiner deutet an, dass der Abgrund nicht der sein muss, als den wir ihn gegebenenfalls empfinden.
Der erste Schritt, dem Abgrund seinen Schrecken zu nehmen, wäre ein Bewusstsein für die geistigen Tatsachen, die unser Sein ausmachen. Wir sind eben nicht krank oder unnormal mit oben angesprochenen Problemen beim In-den-Tag-Treten. Wir können den Abgrund annehmen; er gehört zum Menschsein. Wir wissen: er ist nicht zementiert, unsere Seele entwickelt sich weiter und weiter; den Abgrund annehmen, um ihn bewusst zu wissen: das ist der erste Schritt.

Im folgenden deutet Steiner einen weiteren an:
Die lebendige Vorstellung, die wir haben, die ein Sich-Erleben im Licht, im Weltenton, im Weltenleben wäre, die ein Sich-Zusammenfinden wäre mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien, die ebensogut sich verbunden fühlen würde mit den Wesen der höheren Hierarchien, wie sich hier der physische Leib verbunden fühlt mit dem mineralischen, mit dem pflanzlichen, mit dem tierischen Reich, diese Vorstellung, die wir entwickeln würden, wenn der Schlaf knapp vor dem Aufwachen an uns sein Werk getan hätte, die müssten wir mitbringen ins Aufwachen hinein, müssen wir hineinversenken in unseren Leibesmenschen. Dann würden wir das verstehen können, was der Leibesmensch ist. Aber, ach: Die Götter wollen's nicht leiden. Wir tauchen unter. Es flammt auf, es blitzt .. - das bemerken wir kaum.
Wir müssen … schreibt Steiner, und das gleich zweimal.

Wir müssen die lebendige Vorstellung vom Sich-Erleben im Licht, im Weltenton, im Weltenleben, vom Zusammenfinden mit den höheren Hierarchien, die müssten wir mitbringen ins Aufwachen.

Ist das möglich? - Ich sage ja.

Steiner spricht sehr oft von Moral und meint nicht das, was die meisten Menschen unter ihr verstehen, sondern er meint mit ihr verantwortungsvolle Freiheit, unsere Entscheidung, etwas zu tun. - Bei den meisten Menschen hapert es genau daran.

Wir müssen nicht zu jener Freiheit des Geistes kommen, nicht die angesprochene lebendige Vorstellung mitbringen, die uns eigentlich zur Verfügung steht. Wir können zu ihr kommen. Wir dürfen. 
Viele haben nicht verstanden, dass das im Grunde eine Gnade ist: Wir dürfen uns weiterentwickeln. Und wenn wir wollen, nicht nur im Schneckentempo.

„Die Götter wollen´s nicht leiden“, schreibt Steiner und zitiert damit aus dem „Faust II“, und zwar die Doriden, die bejammern, dass die Götter keine ewige Treue zulassen.

Ob das nur eine Ausrede ist? So wie viele reden, ausreden und nichts tun? 

Epimetheus zu sein ist so bequem ...

Die Götter, manche Götter ganz besonders, aber nicht alle, wollten schon immer manches nicht leiden. Hera wollte Helena nicht mit Paris nach Troja ziehen lassen, weil er sie nicht zur schönsten Göttin gekürt hatte. Hera ist eine luziferische Göttin, die den Menschen dazu verhalf, ein Individuum zu werden. Wenn es nach ihr geht, sollen sie aber dabei stehenbleiben und nicht gemeinschaftsfähig werden. Wir sollten ihr nur bis zu einem gewissen Grad trauen.

Zeus wollte die Menschen nicht selbständig werden lassen; er hätte so gern dafür sorgen wollen, dass sie ein recht schönes Leben leben, aber abhängig bleiben von ihm, von gewissen Göttern. Es lohnt sich, Wagners „Ring des Nibelungen“ anzuhören; dessen vierter Teil ist mit „Die Götterdämmerung“ überschrieben: die alten Götter dämmern hinweg (damit endet der „Ring“). Zukünftig gibt es einen Prometheus (übersetzt der Vorausdenkende, der Vordenkende), der Zeus und Co. als Entwicklungsbremser der Menschen verjagt, der um seines Vorhabens willen sehr zu leiden hat (er wird an einen kaukasischen Felsen geschmiedet und ein Adler pickt ihm ständig die Leber weg - bis Herakles kommt und ihn befreit) und er hat einen Bruder namens Epimetheus (übersetzt der Nachdenkende, der Nachdenkliche), der das Tun seines Bruders unter den Menschen hintertreibt, ohne böse Absicht, aber er tut es.

Zu viele unter den Menschen sind ein Epimetheus, zu wenige ein Prometheus.

Goethe hat Prometheus ein Denkmal in einer Hymne gesetzt, die beginnt:
Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst,
Und übe, dem Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn;
Musst mir meine Erde
Doch lassen stehn,
Und meine Hütte, die du nicht gebaut,
Und meinen Herd
Um dessen Glut
Du mich beneidest.
Ich kenne nichts ärmers
Unter der Sonn’ als euch, Götter!
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät,
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Toren.
Prometheus verhöhnt Zeus nach allen Regeln der Kunst. Sein und das Tun der Götter insgesamt sei so nutzlos wie das eines Knaben, der Disteln köpft, und wenn es nicht Kinder und Toren gäbe, ginge es ihnen noch kümmerlicher als jetzt schon.

Es gibt aber eben auch Götter, von denen Steiner an anderen Stellen spricht, die wollen, dass der Mensch ein bewusstes Wesen wird, nicht abhängig von Göttern, die ihn an der Leine behalten wollen, damit er weiterhin für ihr Nektar und Ambrosia sorgt, die wollen, dass der Mensch seine eigene Göttlichkeit wiedererkennt, seinen göttlichen Ursprung. Dazu ist es notwendig, dass er das Wissen und Bewusstsein, das er jenseits des Abgrundes - in Goethes so anspruchsvoll zu lesendem „Märchen“ ist dort das Land der schönen Lilie - im Schlaf hat, mehr und mehr über den Abgrund transportiert in sein Tagesbewusstsein. Es deutet sich schon an, wie er das schaffen kann - ich komme darauf zu sprechen - und an eine weitere Möglichkeit und große Hilfe sei hier erinnert: 
In meinem letzten Video habe ich auf die Musik Richard Wagners verwiesen und dass sie - insbesondere natürlich beispielsweise das Vorspiel zum „Parsifal“ - verbindet mit dem Christusbewusstsein, so unglaublich das auch klingen mag [> https://lmy.de/YPYiY]. Es ist eben allerdings auch notwendig, dass wir von ihr Gebrauch machen, ab und an auch einen Blick werfen auf die Sixtinische Madonna Raffaels, über deren Bedeutung ich an anderer Stelle geschrieben habe - wir blicken ja, indem wir sie anblicken, auf etwas Phänomenales; in meinem nächsten Video, vermutlich überschrieben „Durchbruch zur Mater gloriosa“, werde ich am Schluss noch einmal auf die Bedeutung der Madonna eingehen.

Leider gibt es jedoch auch den Epimetheus mit seiner lähmenden Energie, der so fürsorglich ist, ja, und immer wieder sagt er uns: Lass uns doch erst mal in Ruhe nachdenken, tun wir doch nichts übereilt. - Damit aber nimmt er uns oft die intuitiven Impulse, in denen sich der Prometheus in uns kundtut.

Homunculus in Goethes „Faust“ übrigens scheitert krachend mit seinem Versuch, ein Mensch aus Fleisch und Blut zu werden; er zerschellt am Muschelwagen der Tochter des Meeresgottes Nereus, am Gefährt Galatees, von „herrischen Sehnen“ getrieben, „von Pulsen der Liebe gerührt“.

Der griechische Philosoph Thales wird am Ende der „Klassischen Walpurgisnacht“ - wie oben erwähnt - Zeuge der Untergangs von Homunculus. Das Menschlein zerschellt. Dem korrespondiert in gewisser Weise, wie angesprochen, unser Aufwachen. Homunculus ist ja eine Seelengestalt, wenn wir so wollen, ein Astralleib. Ihm gelingt es nicht, trotz intensiven Bemühens - die „Klassische Walpurgisnacht“ gibt Zeugnis davon - Fleisch und Blut zu werden. Wenn unser Astralleib beim Aufwachen zurückkehrt aus dem Jenseits, und sich wieder in den Körper einloggt, dann zerschellen wir ja nicht. Aber wie gesagt, es gibt Menschen, die fühlen sich beim Aufwachen fast zerschellt oder Ähnlichem vergleichbar - es gibt da ja viele Abstufungen, nicht immer ist Lustlosigkeit dem Leben gegenüber darauf zurückzuführen, aber es kann auch damit zusammenhängen.

Ich habe eine liebe Bekannte, mit der ich mich kürzlich über dieses Thema unterhalten habe und sie, fast neunzigjährig und seit Jahrzehnten überzeugte Anthroposophin (aber wohltuend zur Distanz fähig), hat mir erzählt, dass sie schon immer diese Schwierigkeiten gehabt habe, in den Tag zu gelangen und oft eineinhalb Stunden brauche, bis sie sich fähig fühle, ihn anzugehen. Ihr helfe, so hat sie mich wissen lassen, Zeilen Rudolf Steiners, die sie mir dann auswendig vortrug - man hat sie übrigens auf einem Notizzettel von ihm gefunden -, nachzulesen heute in der GA 268:
O Gottesgeist erfülle mich,
Erfülle mich in meiner Seele;
Meiner Seele leihe starke Kraft,
Starke Kraft auch meinem Herzen,
Meinem Herzen, das dich sucht,
Sucht durch tiefe Sehnsucht,
Tiefe Sehnsucht nach Gesundheit,
Nach Gesundheit und Starkmut
Starkmut, der in meine Glieder strömt,
Strömt wie edles Gottgeschenk,
Gottgeschenk von dir, o Gottesgeist,
O Gottesgeist erfülle mich.
Ich habe sie mir dann nochmal vortragen lassen; sie haben eine so intensive Energie und Rosemarie hat sie so seelenerfüllt vorgetragen, dass ich sie auch auswendig lerne. 
Wie wertvoll diese Bausteine sind, mit denen wir unser Bewusstsein bauen!

Der kaukasische Felsen, Sinnbild der Materie, an die wir gefesselt sind

Ich möchte erst nochmal kurz auf den Adler und die Leber des Prometheus zu sprechen kommen:
Dass der Adler - zum Teil wird er auch als Geier bezeichnet - dessen Leber frisst, die sich aber ständig regeneriert, ist ja als Bild schon etwas unappetitlich. Aber es ist eben ein Bild für seelisches Geschehen:

Wir Menschen als Prometheus bezahlen für die Freiheit, die wir uns von den Göttern genommen haben, schon auch einen Preis und den bezeichnet das uralte indische Wissen mit Kama, der Begierde, dem Trieb zu leben; ursprünglich war das gar nichts Negatives; mittlerweile hat sich Kama längst weiterentwickelt, mit dem Denken verbunden, ist uns bewusst geworden und hat sich in zwei Richtungen gespalten: der Begierde, der es nur darum geht, befriedigt zu werden, und einer Begierde, die sich in Streben verwandelt hat über die begierdenhafte Liebe hinaus zu einer geistigen Liebe, die die Begierde immer mehr umwandeln will. Möglich ist das durch die menschliche Ich-Kraft; sie ermöglicht uns eben bewusstes, eigenständiges Handeln, das in die unterschiedlichsten Richtungen ausschlagen kann. Der Raub der Helena durch Paris gilt in den Mysterien des Altertums für das Geschehen, das versinnbildlicht, dass Kama zu einer niedrigen Form der Begierde geworden ist (und nicht zufällig zu einem Krieg geführt hat). Anders ausgedrückt: unser unentwickelter Astralleib nagt mit seinen Begierden und Süchten an dem Leben und der Leber und ruiniert beides (nur weil wir nachts in der Geistigen Welt sind, regeneriert sich die Leber immer wieder und unser physisches Leben - so wie Anfortas nur überleben kann, weil ihm in regelmäßigen Abständen der Gral gezeigt wird).

Deshalb ist es so gekonnt von Goethe dargestellt, dass er den Homunculus am Muschelwagen der Aphrodite, von dieser der Galatee, die den Elementen als Tochter des Meeresgottes so nahesteht, zur Verfügung gestellt, mit flammend blitzhaftem Aufleuchten zerschellen lässt. So einfach ist Menschwerdung bzw. Hineingeborenwerden in den Tag nicht. Gerade noch - kurz vor dem Aufwachen - war man im Devachan, im Himmel, unter Seinesgleichen; und mit einem Schlag landet man auf der anderen Seite des Abgrundes; der Tag fordert sein Recht. Wenn man eine Empfindung dafür hat, dann empfindet man das so oder in möglichen Abstufungen. So wie wir hier mit unserem Körper wie selbstverständlich verbunden sind, so wie die mineralische, pflanzliche und tierische Ebene zu unserer Lebenswirklichkeit wie selbstverständlich gehört, so gehören im Jenseits die Wesen dort wie selbstverständlich zu uns. - Und auf einmal soll alles ander sein?

Ja, wir schlagen im Diesseits auf, weil es eine Grunderfahrung der 10. Hierarchie, die wir Menschen sind [> https://lmy.de/HzqBm], ist, zu erfahren und zu wissen: ohne Geist ist alles anders. Ohne Geist ist das Leben im Diesseits rein materiell, im Grunde ist das die Hölle.

Die meisten empfinden doch aber die Hölle, wenn sie extrem ohne Geist leben wollen, nicht als Hölle? Der Grund ist, dass es sehr unterschiedliche Geister gibt. Und den Geist beispielsweise, der uns das Leben ohne Christusgeist schmackhaft macht, nennt die Bibel Satan; Steiner nennt ihn Ahriman.

Wir müssten die Vorstellungen, die wir kurz vor dem Aufwachen haben, mitnehmen können über den Abgrund. Es ginge, aber was machen wir stattdessen - Steiner schreibt:
Statt in uns selber hineinzuschauen, schauen wir aus dem Auge heraus, statt in uns selber hineinzuhorchen, hören wir aus dem Ohre heraus, statt in uns selber hineinzufühlen, fühlen wir mit den Tastnerven aus der Haut heraus. Homunkulus, der aufleben würde und zum Menschen werden, wenn wir nicht untertauchen würden in das, was durch die physischen Augen nur erreichbar liegt, durch die physischen Ohren, durch den physischen Ton, durch das physische Getaste nur erreichbar liegt, Homunkulus zerschellt in dem Augenblicke an dem Widerstand der Elemente. Das Augenlicht flammt auf statt des Weltenlichtes, der Ohrenton beginnt statt des Weltentones, das Körperleben beginnt statt des Weltenlebens: Homunkulus zerschellt. Und wenn man es bewußt erlebt, so ist der Schluß der «Klassischen Walpurgisnacht» erlebt. So ist dieser Schluß der «Klassischen Walpurgisnacht» aus dem wahren, wirklichen Leben genommen.
Halten wir fest, dass die meisten Menschen morgens kein Zerschellen verspüren oder schreien wie ein Baby, wenn es im Diesseits ankommt und auf einmal etwas schrecklich vermisst. Halten wir aber auch fest, dass die ein oder andere Seele reagiert auf das Diesseits und nicht weiß, warum sie sich morgens einfach unwohl fühlt oder lange braucht, bis sie zu sich kommt. 

Bewusste Gestaltung des Aufwachgeschehens

In den Worten Steiners liegt zugleich auch der Hinweis, dem Schicksal des Zerschellens zu entgehen bzw. jenem Schicksal, das eigentlich noch schlimmer ist: nicht zu zerschellen, aufzuwachen und zu leben, womöglich in der Hölle, d. h. unter der Regie Ahrimans, im Grunde seelisch zerschellt, ohne es zu merken. Leben ohne Sinn. Ohne Entwicklung.

Eine Möglichkeit, den Hinweis Steiners umzusetzen, wäre: aufzuwachen und einen Moment oder zwei oder drei, vielleicht zwei Minuten oder fünf oder gar zehn innezuhalten, vergangene Bilder in sich wachzurufen, wie es war, zwei Minuten vor dem Aufwachen oder, falls sie uns nicht mehr präsent sind, sich vorzustellen, wie es gerade gewesen sein mag, in der Wärme des großen Engelwesens Michael oder Maria Magdalenas. Der oder die ein oder andere mag das ein oder andere himmlische Wesen ansprechen. Die freuen sich. Jene Wesen wünschen sich die Verbindung zu uns Menschen, aber sie muss von uns ausgehen. Das ist anders als früher, als diese Wesen auf die Menschen zugingen. Wir leben heute in einer Zeit, in der der Mensch entscheidet, was er tut und mit wem er Umgang hat.

Und nachdem wir noch einmal bewusst in jener Wärme uns aufhielten, gehen wir nicht einfach, sondern laden die Wesen ein, uns nach drüben zu begleiten. Das tun sie gern, aber sie wollen eingeladen sein. Und wir gehen dann bewusst mit ihnen über den Abgrund, der dann kein Abgrund mehr ist, sondern vielleicht die Jakobsleiter (wenn wir uns vorstellen, dass der Abgrund von oben nach unten besteht) oder der Regenbogen (wenn wir uns den Abgrund auf der horizontalen Ebene vorstellen).

Eine weitere Möglichkeit der Umsetzung wäre, dass wir nach dem Aufwachen nicht für eine überschaubare Zeit zurückgehen, sondern im Diesseits bleiben und jene Wesen, um die wir wissen oder die wir uns vorstellen, bitten, zu uns zu kommen und ihre Wärme und ihre heile Welt mitzubringen. Wir lassen gleichsam unser Bett umwärmt und umstrahlt sein von ihnen. Sie bringen jenen Geist mit, den wir durch das Gebet O Gottesgeist, erfülle mich … in uns verankern können.

Am besten, Du probierst aus, welche Methode für Dich die richtige ist; oft ergibt sie sich ganz spontan.

Seit einigen Wochen stehe ich auf und gehe als eine der ersten Wege zu meinem Disc-Player, um das Vorspiel von Wagners Parsifal-Oper erklingen zu lassen zusammen mit den sich anschließenden Worten des Gurnemanz: „Hört ihr den Ruf? Nun danket Gott, / dass ihr berufen, ihn zu hören!“ (und dann kommt ja eine wunderschöne, wenn auch kurze Sequenz, für mich ist sie wie ein Choral) Und ich liebe auch die Stelle, als Gurnemanz, der dem Ritter, der die Schmerzen des zu Tode verwundeten Gralskönig Anfortas anspricht, antwortet:“ihm hilft nur Eines, – / nur der Eine!“ - Es hilft nur, weiß er, der kommen soll, der reine Tor, der zum Parsifal geläuterte Mensch, der Parsifal in mir, in uns (Link s.o.).

Ich weiß noch, wie nach einigen Tagen des morgendlichen Hörens in mir auf einmal ein Begriff präsent war - es war das Wort „Heimat“ - und eine Stimme in mir sagte: Diese Musik ist deine Heimat. - Ich hab das dann immer mehr erfasst, wie diese Musik für mich tatsächlich einen morgendlichen Raum der Heimat schafft und er die Heimat ist, in der ich zuhause bin. Anderen Menschen geht es anders, ihnen ist ihre Familie Heimat, wieder anderen tatsächlich ein Haus, ihr Haus - wie auch immer, jede Art ehrlich empfundener Heimat ist wertvoll. Ich habe eben meine Heimat gefunden als jemandem, dem es so geht wie manchem anderen, der auch das Gefühl hat, weder geographisch noch durch und mit anderen Menschen eine Heimat zu haben, weil er sich auf der Erde doch ziemlich alleine fühlt. Vielleicht wächst das noch stärker unter Menschen: dass wir geistig zusammenwachsen und es zunehmend Menschen gibt, die mir ein Heimatgefühl geben (mit sehr wenigen, aber mir wertvollen Menschen fühle ich mich durchaus verbunden), Menschen, denen ich nicht familiär oder durch eine Partnerschaft verbunden bin, sondern geistig, mit denen man sich vielleicht regelmäßig trifft und eine Verbindung im Geistigen entsteht, die Heimat herstellt, hier auf der Erde … vielleicht und ja, ziemlich sicher gibt es das unter Menschen auch schon an der ein oder anderen Stelle auf der Erde und die Zahl solcher Verbindungen nimmt zu.

Zusammen mit der Musik gibt es andere Gegenstände oder Begriffe oder Gedanken, die den Raum der Heimat bilden: bei mir ist es noch Raffaels „Sixtinische Madonna“ und z. B. auch noch mein Konfirmationsspruch an der Wand, der mir wichtig ist, obwohl ich nicht mehr in dem Verein bin, durch den er mir überreicht wurde: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen: Du bist mein!

Sich seinen ganz spezifischen Raum der Heimat zu schaffen, vielleicht aus unterschiedlichen Dingen, das ist deshalb wichtig, weil unser Sein sich in einer Waage zeigt, und auf der einen Waagschale finden wir das Jenseits, mit all dem, wo wir uns jede Nacht wohl fühlen, zuhause sind, und es gibt eben jene Schale, die des Tages sozusagen, wo wir uns um eine geistige Heimat selbst bewusst zu kümmern haben.

Was ich - und das möchte ich abschließend noch weitergeben - an den Mythen und der Literatur, seien es Gedichte, eine Novelle oder ein Schauspiel, wenn sie spirituelle Themen verarbeiten, so toll finde, ist, dass sie nicht so trocken daherkommen wie Bücher über das geistige Erwachen oder Vergleichbares, sondern in den Handlungen und Erlebnissen lebt etwas mit, dass das, worum es geht, mit dem Leben verbindet und uns damit das Thema so nahebringt - mir geht es jedenfalls so.

So ist es mir auch ergangen, als mir das Gedicht des 21-jährigen Mörike begann nahezugehen und ich mehr und mehr empfand, was der junge Mann da wirklich verarbeitet hat: seinen Umgang mit dem Aufwachen. Es ist überschrieben mit An einem Wintermorgen, vor Sonnenaufgang. Mörike hat es winters geschrieben; ich könnte es heute jemandem vorlesen und würde es überschreiben: "An einem Maimorgen, vor Sonnenaufgang“ oder „An einem Frühlingsmorgen, vor Sonnenaufgang“.

Dieses Gedicht hat einen Energie, die Abgründe überbrückt. Es ist die Kraft und Zuversicht der Jugend, die ihm diese Energie gibt und ich möchte jenen, die mit oben angesprochenen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, empfehlen, es auswendig zu lernen und es morgens sich zuzusprechen:

O flaumenleichte Zeit der dunkeln Frühe!
Welch neue Welt bewegest du in mir?
Was ist´s, dass ich auf einmal nun in dir
Von sanfter Wollust meines Daseins glühe?

Einem Kristall gleicht meine Seele nun,
Den noch kein falscher Strahl des Lichts getroffen;
Zu fluten scheint mein Geist, er scheint zu ruhn,
Dem Eindruck naher Wunderkräfte offen,
Die aus dem klaren Gürtel blauer Luft
Zuletzt ein Zauberwort vor meine Seele ruft.

Bei hellen Augen glaub´ ich doch zu schwanken;
Ich schließe sie, dass nicht der Traum entweiche.
Seh´ ich hinab in lichte Feenreiche?
Wer hat den bunten Schwarm von Bildern und Gedanken
Zur Pforte meines Herzens hergeladen,
Die glänzend sich in diesem Busen baden,
Goldfarb´gen Fischlein gleich im Gartenteiche?

Ich höre bald der Hirtenflöten Klänge,
Wie um die Krippe jener Wundernacht,
Bald weinbekränzter Jugend Lustgesänge;
Wer hat das friedenselige Gedränge
In meine traurigen Wände hergebracht?

Und welch Gefühl entzückter Stärke,
Indem mein Sinn sich frisch zur Ferne lenkt!
Vom ersten Mark des heut´gen Tags getränkt,
Fühl´ ich mir Mut zu jedem frommen Werke.
Die Seele fliegt, soweit der Himmel reicht,
Der Genius jauchzt in mir! Doch sage,
Warum wird jetzt der Blick von Wehmut feucht?
Ist´s ein verloren Glück, was mich erweicht?
Ist es ein werdendes, was ich im Herzen trage?
– Hinweg, mein Geist! hier gilt kein Stillestehn:
Es ist ein Augenblick, und alles wird verwehn!

Dort, sieh! Am Horizont lupft sich der Vorhang schon!
Es träumt der Tag, nun sei die Nacht entflohn;
Die Purpurlippe, die geschlossen lag,
Haucht, halb geöffnet, süße Atemzüge:
Auf einmal blitzt das Aug` und, wie ein Gott der Tag
beginnt im Sprung die königlichen Flüge.
Bei Mörike blitzt es auch, aber es hat kein Zerschellen zur Folge, sondern der Tag, wie ein Gott, beginnt seine königlichen Flüge. Vorher aber nimmt er auch einen Kontrast war: da sind seine traurigen Wände, in die hinein gar nicht passen will, was ihm vorher zuteil wurde. Zunächst geht es ihm so, wie jenem, der, wie oben empfohlen, aufgewacht ist und sich zurückerinnert: Da ist die Seele so rein und klar wie ein Kristall, ein Zustand, wie wir ihn im Diesseits nicht kennen. Mörike allerdings muss sich gar nicht zurückerinnern, so übermächtig wirkt, woher seine Seele kommt, noch in ihm wie von selbst. Es sind lustvolle und heilige Gefühle zugleich; ja, Heiligkeit darf lustvoll sein. Nur weiß er nicht so recht, ob er von einem verlorenen Glück sprechen soll oder ob er ein werdendes im Herzen trägt.

Ein werdendes Glück?

Ja, ein werdendes. In diesem Gedicht finden wir die Kraft der Geburt, die Kraft des Neuen, die gelebt sein will und es ist kein Zufall, wenn Rudolf Steiner schreibt:
Die Kraft, welche der Konzeption, der Empfängnis, dem Embryonalen, der Geburt zugrunde liegt, ist nur eine ausgebreitetere, intensivere Kraft, aber sie ist gleicher Art, ist ganz dieselbe Kraft eigentlich wie diejenige, die uns aus dem nächtlichen Schlafe oder auch aus dem Erkenntnisschlafe zurückzaubert in das körperliche Wachsein. Jeden Morgen, wenn wir aufwachen, wachen wir auf durch dieselbe Kraft, die nur in anderer Intensität da ist, durch die ein Mensch empfangen, getragen, geboren wird.
Das eben ist der Grund, warum der einundzwanzigjährige Mörike sie so königlich und göttlich wahrnimmt.

Wenn uns älteren Menschen nicht gelingen mag, die Kraft der Geburt zu sehen, dann hängt das natürlich mit den Erfahrungen unseres Lebens zusammen, womöglich auch mit karmischen Einflüssen, die sich mittlerweile aktualisiert haben und die uns den Zugang zu jener Kraft verstellen. Mörikes Gedicht führt uns zu ihr, jener jugendlichen Kraft, deren wir uns teilhaft machen dürfen, wenn wir wollen. Seine Zeilen auswendig zu lernen, um sie mit ganzer Intensität unserem Inneren zuzuführen, ist ein Weg der Heilung, den wir gehen können.

Montag, 4. September 2023

Möglich, dass okkulte Kräfte am Tod Schillers beteiligt waren.

In seinem Buch „Die sieben Stufen der Einweihungen. Goethes ´Faust´ als Urbild der modernen Initiation“ äußert der Verfasser Manfred Schmidt–Brabant, dass „Steiner ausdrücklich die Tatsache (bestätigt), dass Schiller ermordet wurde“ - auf diesen Umstand weist der Verfasser insgesamt dreimal hin. In der Begründung heißt es, dass Schiller im Begrifft gewesen sei, intimste Geheimnisse der Templer-Esoterik direkt in seinen Dramen zur Offenbarung zu bringen.
Nun hat Rudolf Steiner meines Wissens an keiner Stelle seines umfangreichen Werkes das so formuliert. Fakt ist, dass er 1916 in der GA 172 formulierte: “Schillers früher Tod rührte von nichts anderem her als davon, daß sein Organismus verbrannt wurde durch seine mächtige seelische Lebenskraft.“
Dazu steht seine Aussage von 1924 (GA 310) im Widerspruch, in der es heißt, man könne „nicht anders, als aus dem Krankheitsbilde die Vorstellung zu haben, da ist auf irgendeine, wenn auch ganz okkulte Weise mitgeholfen worden an dem schnellen Sterben Schillers.“

Für mich besteht ein gewaltiger Unterschied darin, ob Kräfte mitgeholfen haben oder ob sie es waren, die gemordet haben. Meines Erachtens ist die Tatsache, dass Schmidt–Brabant seine eigenwillige Formulierung Rudolf Steiner unterstellt, grob fahrlässig. Zu Gunsten von Letzterem gehe ich im Übrigen davon aus, dass er 1924 nicht mehr in Erinnerung hatte, sich einmal ganz anders hinsichtlich des Todes von Schiller geäußert zu haben, ansonsten hätte er doch darauf hinweisen müssen, dass er seine Sichtweise geändert habe und zu neuen Erkenntnissen hinsichtlich Schillers Tod gekommen sei.
Fakt ist, dass sich das Ergebnis der Autopsie der Leiche Schillers wie ein anatomisches Gruselkabinett liest (der Autopsie-Bericht hier: https://bit.ly/3qJkx2t ).

Schiller war Zeit seines Lebens kränklich, aber dass seine Organe innerlich so aussahen, war doch nicht zu erwarten, beweist aber für mich, wie groß und kraftvoll der Geist dieses Mannes war, so dass er so lange am Leben bleiben konnte. Man denke nur, was er in 46 Jahren seines Lebens zu leisten vermochte: Schauspiele wie sein „Wallenstein“, „Wilhelm Tell“, „Don Carlos“, Balladen wie „Die Bürgschaft“ oder „Der Taucher“ oder auch seine ästhetischen Briefe geben davon Zeugnis (die „Räuber“, die meistens in der Schule gelesen wurden - heute wohl eh nicht mehr -, sind dagegen inhaltlich unstimmig und dürftig und eher eine Jugendsünde).

Was den okkulten Kreisen in Deutschland so viel Unbehagen bereitete, war, dass Schiller im Zusammenhang mit seinem Fragment gebliebenen „Demetrius“ sich mit dem Gedanken trug, sich zu äußern zu der Tatsache, dass man die Menschheit spirituell bewusst in Unfreiheit hielt, weil der Mensch eben nicht, wie ihm vermittelt wurde, durch den Sündenfall vom Himmel und dem Göttlichen abgeschnitten war - wenn es je so gewesen sein sollte, dann hätte ohnehin Christus mit seinem Tod auf Golgatha und der Auferstehung diesen Weg neu gebahnt –, und dass für ihn die Möglichkeit besteht, (auch ohne die Kirche) zu einer Freiheit in Gott zu gelangen, einer Freiheit, die sich auswirkt auch auf ein Leben auf der Erde ohne Gängelei durch einen Staat, der unverhältnismäßig in die Rechte seiner Bürger eingreift, und einer Kirche, die dies auf spiritueller Ebene ebenso tut, wobei sie in ihrer Praxis die Hälfte der Menschheit, nämlich alle Frauen, aus ihrer Theologie und seelsorgerlichem Tun verbannt, und das, obwohl diese genau wie Männer Geschöpfe Gottes sind. Schmidt-Brabant weist darauf hin, dass die Templer diesen Weg gehen wollten, einen Weg, der den Menschen befähigt hätte, die Folgen der Erbsünde, des Sündenfalls aufzuheben und frei zu werden von der Herrschaft des Papstes und des Kaisers.
Der Templerorden hat dies mit seiner Vernichtung bezahlt, viele Templer mit Folter und Tod. Jedoch ist das Wissen dieses Ordens aus dem spirituellen Bewusstsein der Menschheit nie verschwunden.
Dass okkulte Kreise am Tod Schillers mitgewirkt haben, mag außer Frage stehen, dass sie aber ihn ursächlich ermordet haben - so die Formulierung Schmidt-Brabants - halte ich angesichts des körperlichen Zustandes von Schiller für maßlos übertrieben.

Dennoch.: das Gerücht hält sich, dass die Illuminaten [https://bit.ly/3sCznbA] für sein Ableben gesorgt haben. Zu sehr widersprach Schillers Denken und Schreiben ihren Vorstellungen einer politischen Gestaltung der Nationen. Schiller war ihnen zu national gesinnt; schon sein ´Wallenstein´ und sein ´Wilhelm Tell´ entsprachen nicht ihren Vorstellungen und sein ´Demetrius´, der unvollendet blieb, schien in eine ähnliche Richtung zu zielen.
Makaber mutet an, dass sein großer Freund und Bruder im Geiste, Johann Wolfgang von Goethe, selbst nicht nur Freimaurer, sondern wohl auch Illuminat war; jedenfalls scheint ein Dokument das zu belegen. Allerdings vermute ich: Goethe mag selbst gefährdet gewesen sein.

Natürlich gibt es sie heute noch, diese angesprochenen okkulten Kräfte, doch sie müssen nicht öffentlich erkennbarer aktiv werden, weil sie sich um die Unfreiheit der Menschen keine Sorgen machen müssen. Wahre Freiheit ist mit geistig spiritueller Freiheit untrennbar verbunden, und von jener ist die Menschheit nach wie vor noch weit entfernt. Sie gibt sich der Illusion hin, dass ein Etwas, das sich „Demokratie“ nennt, die die Menschen anregt, alle vier Jahre ihre Stimme abzugeben, dann aber nicht mehr einzufordern und in der Wahlurne bestattet zu lassen, zu Freiheit führen könne.
Allerdings ist unübersehbar, dass eine Götterdämmerung hinsichtlich unserer Politiker einsetzt und mehr und mehr Mitbürger erkennen, dass wir in diesen Positionen Menschen brauchen, die nicht systematisch durch das derzeitige Parteien-System verbogen und korrumpiert werden, sondern Ihre Entscheidungen möglichst aus dem Herzen heraus frei treffen mit dem Ziel, Menschlichkeit zu fördern. Sie gilt es einzufordern, und nicht den Reichtum weniger zu realisieren. Gerade an letzterem Tatbestand aber arbeiten okkulte Kräfte ebenso wie die Kirche, die genau das Kamel ist, das nicht durch jenes Nadelör kommt, von dem die Bibel spricht.

Freitag, 21. Juli 2023

Die Macht der Sorge. - Von drei zentralen Lebenshemmnissen.

Einmal mehr ist es Goethe, der gegen Ende seines leider viel zu wenig beachteten „Faust II“ darauf verweist, woran selbst Menschen, die doch immerhin schon die Kraft hatten (wenn sie auch nicht ganz erfolgreich waren), in die Tiefen unseres Bewusstseins, in das Reich der Mütter, wie es Goethe nennt, hinabzusteigen und  mit diesem Gang in die Tiefen menschlichen Seins immerhin auf den Spuren eines Odysseus, Herakles oder Orpheus wandeln, noch scheitern.

Faust erhält gegen Ende seines Lebens Besuch von vier Damen, der Schuld, dem Mangel, der Not und der Sorge. Doch nur die Sorge kann in sein Inneres gelangen:

FAUST:
Die Pforte knarrt, und niemand kommt herein.
Ist jemand hier?

SORGE:
Die Frage fordert Ja!

FAUST:
Und du, wer bist denn du?

SORGE:
Bin einmal da.

FAUST:
Entferne dich!

SORGE:
Ich bin am rechten Ort.

FAUST:
Nimm dich in acht und sprich kein Zauberwort.

SORGE:
Würde mich kein Ohr vernehmen,
Müßt' es doch im Herzen dröhnen;
In verwandelter Gestalt
üb' ich grimmige Gewalt.
Auf den Pfaden, auf der Welle,
Ewig ängstlicher Geselle,
Stets gefunden, nie gesucht,
So geschmeichelt wie verflucht.--
Hast du die Sorge nie gekannt?

FAUST:
Ich bin nur durch die Welt gerannt;
Ein jed' Gelüst ergriff ich bei den Haaren,
Was nicht genügte, ließ ich fahren,
Was mir entwischte, ließ ich ziehn.
Ich habe nur begehrt und nur vollbracht
Und abermals gewünscht und so mit Macht
Mein Leben durchgestürmt; erst groß und mächtig,
Nun aber geht es weise, geht bedächtig.
Der Erdenkreis ist mir genug bekannt,
Nach drüben ist die Aussicht uns verrannt;
Tor, wer dorthin die Augen blinzelnd richtet,
Sich über Wolken seinesgleichen dichtet!
Er stehe fest und sehe hier sich um;
Dem Tüchtigen ist diese Welt nicht stumm.
Was braucht er in die Ewigkeit zu schweifen!
Was er erkennt, läßt sich ergreifen.
Er wandle so den Erdentag entlang;
Wenn Geister spuken, geh' er seinen Gang,
Im Weiterschreiten find' er Qual und Glück,
Er, unbefriedigt jeden Augenblick!

SORGE:
Wen ich einmal besitze,
Dem ist alle Welt nichts nütze;
Ewiges Düstre steigt herunter,
Sonne geht nicht auf noch unter,
Bei vollkommnen äußern Sinnen
Wohnen Finsternisse drinnen,
Und er weiß von allen Schätzen
Sich nicht in Besitz zu setzen.
Glück und Unglück wird zur Grille,
Er verhungert in der Fülle;
Sei es Wonne, sei es Plage,
Schieb er's zu dem andern Tage,
Ist der Zukunft nur gewärtig,
Und so wird er niemals fertig.

Faust, dem nach Ende seines Erdenlebens von der Geistigen Welt durch die Anwesenheit hoher Wesen, die seine Seele nach oben tragen, bestätigt wird, wie wertvoll er ist, obwohl er doch kurz zuvor noch am Tode von Philemon und Baucis, dem so sympathischen Pärchen beteiligt war, indem er einmal mehr auf die Mithilfe des Mephistopheles hereinfiel, vermittelt uns - und das ist doch gerade für unsere Corona-Ukraine-Inflations- und politikverdrossene Zeit so wichtig, wie gut es wäre, wenn wir nicht auf die Sorge abfahren.

Tatsächlich gibt es drei große Hemmnisse für unsere seelische Entwicklung, die auch Faust durchlebt hat, die aber leider auf unserer Erde von uns Menschen ausgiebig praktiziert werden:

Anlässlich des zum Tode verurteilten Gretchens und dem Tod des gemeinsamen Kindes schiebt er die Schuld natürlich auf andere - in seinem Fall auf Mephisto.
Er tut sich selbst Leid (Faust wollte vor allem sein Leid, das darin bestand, das Leid eines anderen Menschen ertragen zu müssen,  beseitigen, indem er Gretchen rettet) und
er kann sich der Sorge auch kurz vor seinem Tod nicht verschließen.

Die Schuld immer bei anderen zu suchen und Selbstmitleid sind tödlich für jede seelische Entwicklung.
Wer den „Faust“ ernst nimmt, verjagt zudem die Sorge aus seinem Leben. Sie ist einer der letzten, wenn nicht der letzte Hemmschuh vor einer möglichen Erlösung unserer Seele, für eine Verbindung mit unserem Ewig-Weiblichen, dem Ewigen unserer Seele.
Wer das Christliche um des Christlichen und Biblisches um der Bibel willen ablehnt oder verachtet, mag darüber hinweglesen, dennoch lautet ein mehrfach im Neuen Testament in unterschiedlicher Gestaltung angesprochener Hinweis:“Sorget nicht für den anderen Morgen.“
Für unseren Alltag, unser Leben verweist uns das darauf, dass wir unsere Energien, unsere gedanklichen Energien, die sich in so vielen Lamentationen über den Zustand der Erde äußern, nicht in entsprechende Artikel und Beiträge hineinpulvern sollen. Sich gegenseitig über Gefahren und Bedrohungen zu informieren, ist das eine; das andere ist, dass man zugleich mitvermitteln mag:
Sorge ist ein Mittel geistiger Kräfte, wie sie sich in der Gestalt des Mephisto finden, die Seele von sich selbst abzulenken, abzuschneiden. Mephisto sorgt(!) dafür, dass Gretchens Mutter und Bruder so früh sterben; er ist am Tod von Philemon und Baucis beteiligt und bemüht sich rührend um unsere Sorgen. Nur tut er es sich selbst zuliebe.
Angst spielt dieselbe Rolle!
Im "Faust" kann Mephistopheles nicht verhindern, wie sehr am Ende das Göttlich-Weibliche in der Gestalt des Doctor Marianus und der Mater gloriosa in den Mittelpunkt rückt und dass es heißt:

Alles Vergängliche
Ist nur ein Gleichnis;
Das Unzulängliche,
Hier wird's Ereignis;
Das Unbeschreibliche,
Hier ist's getan;
Das Ewig-Weibliche
Zieht uns hinan.

Bleibt noch anzumerken, dass Goethe womöglich heute seinen Schluss anders formuliert hätte und nicht nur davon gesprochen hätte, dass das Ewig-Weibliche uns hinanzieht, sondern dass auch wir aktiv auf unser Ewig-Weibliches zugehen mögen.
Wir tun es auch dadurch, dass wir dazu beitragen, in unserer Erdenwirklichkeit die Sorge zu entsorgen.

Sonntag, 2. Juli 2023

"Du siehst, mit diesem Trank im Leibe, / Bald Helenen in jedem Weibe." - Über männliches Lieben und/oder Begehren.

Im 3. Video zum ersten Teil von Goethes "Faust" möchte ich offenlegen, wie gewisse Kräfte - wir nennen sie Schlange/Luzifer bzw. Satan/Ahriman - aktiv dafür Sorge tragen wollen, dass die Seele des Menschen sich nicht in die Richtung entwickelt, welche die eigentliche Alternative zu ihnen wäre: in Richtung auf das Ewig-Weibliche. In der Gestalt Margaretes offenbart sich, welchen Angriffen das Weibliche ausgesetzt ist und wie sehr es allein dazustehen scheint.
Was es mit der Bedeutung der Geschlechter auf sich hat, ist leider vielen Menschen nicht mehr klar - der ganze Gender-Hokuspokus ist darauf angelegt, die Bedeutung der Geschlechter zu destruieren. Die weltweiten Irritationen und der Kampf, den viele Menschen ausfechten, um zu ihrem Geschlecht stehen zu dürfen, zeigt, welches Chaos in den Seelen derzeit herrscht; doch Chaos ist Voraussetzung für eine neue Ordnung, für ein neues, erweitertes Bewusstsein.

Ein Verständnis für die Bedeutung des Männlichen und Weiblichen ist Voraussetzung für eine gesunde, heilsame seelisch-geistige Entwicklung der Menschen und der Menschheit. Es kommt nicht von ungefähr, dass die oben angesprochenen Kräfte die wahre männliche Kraft in der Gestalt des Faust korrumpieren. Nicht nur in Bezug auf den Faust sondern auch in Bezug auf unsere derzeitige aktuelle Situation ist es notwendig, dass eine starke weibliche Kraft das Männliche unterstützt, seine kosmische Bedeutung wiederzufinden. Gewiss zeigt sich auf unserer Erde, dass auch das Weibliche sehr gefährdet ist und wir werden gewahr, wie sehr nicht wenige Frauen die Achtung vor sich selbst verlieren. Umso wichtiger ist, dass viele Menschen, Frauen, aber auch Männer, die luziferisch-satanischen Attacken durchschauen. Je mehr sie bewusst werden; desto weniger Wirkung können sie entfalten.

Was der Menschheit fehlt, ist die Erkenntnis, dass in allem, was wir tun, ein kosmischer Bezug enthalten ist. Das Ewige kommt allein aus dem Kosmos; das gilt für das Ewig-Weibliche und Ewig-Männliche.
Goethes Faust ist darauf angelegt, Attacken, die ein neues Bewusstsein verhindern wollen, zu offenbaren. Noch am Ende des 2. Teiles wird die Sorge als luziferisch-ahrimanische Angriffsmöglichkeit entlarvt.
Am Ende des ersten Teiles, dem wir mit einem 4. Video gerecht werden wollen, zeigt sich, dass Rettung von einer Seite kommt, mit der heute leider die wenigsten Menschen noch rechnen.

Faust-Leser lassen sich da nicht beirren. Zu eindrücklich gestaltet Goethe, wie sich aus einer persönlich engsten Situation eine himmlische Weite entfalten kann. Faust kann dies im ersten Teil nicht erkennen; zu sehr hat er sich Mephisto ausgeliefert.
Gretchen erkennt sie; wir müssen nicht, wie Margarete, sterben, um sie wahrnehmen zu können. Wir können von Faust lernen, wie wir uns nicht verhalten sollten. Es gilt, was schon zu Beginn des Faust geschrieben steht: Ein jeder sieht, was er im Herzen trägt.“

Was wir dort tragen, darüber entscheiden wir jeden Tag. Wie wichtig es ist, das zu beherzigen, darauf weist Goethes „Faust“ hin.

Samstag, 17. Juni 2023

Faust I(2) "Lass in den Tiefen der Sinnlichkeit / Uns glühende Leidenschaften stillen"!

Vor allem, wenn wir sie nicht zur Kenntnis nehmen, sind wir der Schlange (alias Luzifer) und Satan (alias Ahriman) ausgesetzt; von Freiheit sollten wir dann nicht sprechen.

In seinem "Faust" gestaltet Goethe unsere möglichen Formen der Abhängigkeit und dementsprechend die Gerissenheiten der beiden geistigen Kräfte; zugleich wird im Laufe des Gesamtwerkes deutlich, wie wir mit ihnen umgehen können, denn es ist kein Zufall, dass in "Faust II" Luzifer Faust den Schlüssel zum Reich der Mütter geben muss, selbst aber nicht dahin absteigen kann.
Mit dem "Faust" hat Goethe eine Möglichkeit geschaffen, für unser Leben Entscheidendes wahrzunehmen. Die Faust-Videos wollen dabei eine Hilfe sein.
Letztendlich geht es darum, Luzifer und dem Satan furchtlos zu begegnen und sie in uns zu erlösen. Den Schlüssel dazu finden wir am Fuße des Kreuzes von Golgatha.


Samstag, 13. Mai 2023

Satan, Luzifer, Teufel, Mephisto: (Ur-)Kräfte, die in Goethes "Faust" wirksam sind

Als Kind wuchs ich in einer superchristlichen Familie auf. Und so, wie mir unklar blieb, warum mal von Christus, mal von Jesus, mal von Jesus Christus gesprochen wurde, so blieb mir auch unklar, was es mit dem Teufel und dem Satan auf sich hat, wobei es da auch noch einen Luzifer gab und eine Schlange.
Auf dieses Thema komme ich zwar erst genauer im zweiten meiner geplanten Faust-Videos zu sprechen, aber dass zu Beginn der goetheschen Tragödie "Der Herr" Mephistopheles auf den Faust aufmerksam macht und ihn damit sozusagen jenem ans Messer liefert, könnte doch befremdlich sein, wobei genau dies auch mit Hiob, nachzulesen im "Buch Hiob" des Alten Testamentes, geschieht.
Im Rahmen des geistigen Kosmos finden wir bekanntlich 9 Hierarchien, von den Engeln angefangen über die Elohim und Throne bis zu den Seraphim; der Mensch nun ist die 10. Hierarchie; mit ihm, kommt etwas völlig Neues in den Kosmos: eine Form der Freiheit,  die es bisher so nicht gab  und die es zu erwerben gilt. Dass das Erreichen dieser Freiheit ungeheuer schwer ist und dem Menschen nicht viel mehr als in Ansätzen zur Verfügung steht, steht für mich außer Frage. Um zu ihr zu gelangen muss des Menschen Seele durch eine völlige Gottesferne hindurch, wie wir sie heute noch im Materialismus erleben, um sich in freier Entscheidung dem Göttlichen zuzuwenden, das für den Menschen noch sehr abstrakt ist, weshalb er sich mit diesem Schritt auch sehr schwer tut. In unserer Zeit ringen manche Menschen verstärkt um ein Bewusstsein, was es mit diesem Göttlichen auf sich hat.
Der geistige gesamtkosmische Entwicklungsweg des Menschen entspricht dem Lebensweg des Menschen von der Zeugung bis zum Tod. Der sogenannte Sündenfall steht dabei für die Pubertät der Menschheit.
Goethe nun hat in der Gestalt des Dr. Heinrich Faust einen Menschen dargestellt, der zwar wissen möchte, was die Welt im Innersten zusammenhält und zum Ewig-Weiblichen gelangen möchte - deutlich wird das vor allem im zweiten Teil des Faust - der sich aber dabei verdammt schwertut und im ersten Teil ein sehr unbedarftes Mädchen in Tod und Verderben treibt. Doch die wertvollen Entwicklungsschritte, die Faust im zweiten Teil gelingen, sind nur möglich, weil er sich im ersten auf Mephistopheles einließ, ein  junges Mädchen mit dessen Hilfe meinte, schwängern zu müssen, mit jungen Hexen auf dem Brocken tanzte und anderem mehr.


Samstag, 15. April 2023

"Es war ein König in Thule": Warum Gretchen diesen König für eine beispielhafte Liebe wählt und man in Deutschland sich dem zweiten Teil des Faust endlich zuwenden sollte ...

Für mich ist das Thule-Lied eines der schönsten Liebeslieder und in Goethes Tragödie singt es Gretchen, sich zum Schlafengehen ausziehend, und erfindet es damit zugleich.
Gerade hat sie einen Mann kennengelernt, Faust, der zwar gut und gern an die zwanzig Jahre älter als sie sein mag, aber offensichtlich sagt ihr Herz ja zu ihm.
Sonst könnte sie nicht diese Töne und Worte finden:
Es war ein König in Thule
Gar treu bis an das Grab,
Dem sterbend seine Buhle
Einen goldnen Becher gab.
Es ging ihm nichts darüber,
Er leert ihn jeden Schmaus;
Die Augen gingen ihm über,
Sooft er trank daraus.
Und als er kam zu sterben,
Zählt er seine Städt im Reich,
Gönnt alles seinem Erben,
Den Becher nicht zugleich.
Er saß beim Königsmahle,
Die Ritter um ihn her,
Auf hohem Vätersaale,
Dort auf dem Schloß am Meer.
Dort stand der alte Zecher,
Trank letzte Lebensglut
Und warf den heiligen Becher
Hinunter in die Flut.
Warum wählt sich Margarete in ihrem Lied einen König - und dann nicht gerade den jüngsten?
Er ist nicht verheiratet, sondern liebt eine Geliebte, die ihn offensichtlich auch liebt und für ihre Liebe ein Symbol findet, einen goldenen Becher.
Für ihren königlichen Geliebten bedeutet er alles; die Liebe zu seiner verstorbenen Liebe ist dem König wichtiger als alles Gut und Geld.
Gretchen wählt ihn, weil dieser Mann eine Reife besitzt, die der Liebe fähig ist.
Bevor er stirbt, übergibt er den Becher dem Meer, der Ewigkeit. Für ihn ist ihrer beider Liebe nicht zu Ende, sondern sie setzt sich fort in Ewigkeit.
Solch eine Liebe wünscht sich Gretchen.
Was sie nicht weiß, ist, dass in ihrer Liebe zu Faust Mephistopheles mitmischt, der Faust mittels eines Hexengebräus präpariert hat, damit er, wie es bei Goethe heißt, Helena in jedem Weibe sähe.
Doch mit Helena hat es eine besondere Bewandtnis, denn wie wir aus den griechischen Mysterien wissen, war Helena gar nicht in Troja, sondern Paris fiel auf ein Bild, ein Eidolon herein, wie es dort heißt.
Männer glauben meist, sie führen Helena nach Hause, in Wirklichkeit aber existiert diese nur in ihrer Phantasie, ein (Abzieht)Bild, wie es in Soldatenspinden, Männerphantasien und diversen Illustrierten zu finden ist, eine seelenlose Realität, die mit wahrer Schönheit nichts zu tun hat.
Was dann folgt, ist, was man oft als Ehe bezeichnet ...
Was es mit der wahren Helena auf sich hat, erzählt Goethes „Faust“ in dessen zweitem Teil und es wird Zeit, dass Menschen des deutschen Kulturbereichs sich ihm widmen, damit Männer nicht mehr ´lieben´ mit ´begehren´ verwechseln und auch Frauen sich um das Ewig-Weibliche kümmern. Schon ein Bemühen darum kann uns der wahren Liebe näher- und nahebringen. Das Lied deutet an, dass die Liebenden dort darum wussten und der erste Teil des „Faust“ deutet ebenfalls an, dass auch Gretchen diese Liebe anstrebte. Leben konnte sie diese Liebe nicht. Im Gegenteil endet dieser Teil der Tragödie mit vier tödlichen Opfern, ihrer Mutter, ihrem Bruder, ihrem Kind (das nie wirklich ein Kind von Faust war) und auch sie wird gerichtet.
Das muss nicht (mehr) sein.
Auch deshalb ist der zweite Teil des „Faust“ empfehlenswert.

Samstag, 8. April 2023

OSTERN KANN LEBEN RETTEN, KANN SEELEN VERJÜNGEN

Eines der anschaulichsten Dokumente und Belege hierfür verdanken wir Goethe und was er im Verlauf seines Lebens als persönliche Wahrheit niederschreiben konnte, denn in den ersten Fassungen des „Faust“ kommt jene Szene nicht vor, als Faust kurz davor ist, sich das Leben zu nehmen, er den braunen Saft schon in die Phiole eingefüllt hat und zu sich sagt:
Der letzte Trunk sei nun, mit ganzer Seele,
Als festlich hoher Gruß, dem Morgen zugebracht!
(Er setzt die Schale an den Mund.)
in der Regieanweisung heißt es dann weiter:
Glockenklang und Chorgesang.
Und der Text fährt fort_
CHOR DER ENGEL:
Christ ist erstanden!
Freude dem Sterblichen,
Den die verderblichen,
Schleichenden, erblichen
Mängel unwanden. 

FAUST:
Welch tiefes Summen, welch heller Ton
Zieht mit Gewalt das Glas von meinem Munde?
Verkündigt ihr dumpfen Glocken schon
Des Osterfestes erste Feierstunde?
Ihr Chöre, singt ihr schon den tröstlichen Gesang,
Der einst, um Grabes Nacht, von Engelslippen klang,
Gewißheit einem neuen Bunde?

Wenn eine große Seele wie Goethe nicht in der ersten Fassung, dem Urfaust, und auch nicht in der ersten Veröffentlichung („Faust. Ein Fragment“) diese Zeilen eingebracht hat, dann deutet das auf etwas Wichtiges hin: 
die oben zitierten Zeilen sind ihm als ein Seelenereignis zuteil geworden. Deshalb können sie Jahre später auf einmal auftauchen.

Faust ist dabei, Selbstmord zu machen, zu verzweifelt ist er, nachdem ihn der Erdgeist hat abfahren lassen, wo er sich doch wie ein Gott vorkam und nun sich wie ein Wurm vorkommt, der den Staub durchwühlt.

Der Chor der Engel und Fausts Fragen sind nicht nur etwas Hingeschriebenes, ein guter Einfall. Sie sind in der Goetheschen Realität, in seiner Seelenrealität ein Ereignis. - Ostern ist ihm Wirklichkeit. Seelische Wirklichkeit.
Mir stellt sich die Frage, wie tief meine Oster-Realität geht ....
Ostern gibt es nur wirklich in der Tiefe der Seele.

Viele dichterische Figuren tauchen ja auf dem astralen Plan gar nicht auf - oder nur sozusagen als Mumien. Das Personal eines Shakespeare, zum Teil auch das eines Goethe, das ist dort vorhanden. Es ist erlebte und zu erlebende Realität, die sich auch in die Seelen der Leser oder Zuschauer einschreiben kann.

Goethe hat mit seiner Seele begriffen: Es gibt diese Osterglocken, diese Ostertöne. Christ ist erstanden. Warum also sollte ich sterben?

Ostertöne und Osterglocken retten Leben.

Sie können das, weil sich die Seele eines Faust, eines Goethe erinnert, was ihm sich als Kind und Jugendlicher in sein Inneres eingeschrieben hat - wie schlimm, dass das heute kaum mehr geschieht. Es ist eine unserer wichtigsten Aufgaben, Kindern und Jugendlichen von all dem wieder zu erzählen - wenn möglich, von Herzen.

 Jedenfalls sind die folgenden Goetheschen Zeilen kein Zufall, sie sin geboren aus tiefer Seele:

Was sucht ihr, mächtig und gelind,
Ihr Himmelstöne, mich am Staube?
Klingt dort umher, wo weiche Menschen sind.
Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube;
Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.
Zu jenen Sphären wag ich nicht zu streben,
Woher die holde Nachricht tönt;
Und doch, an diesen Klang von Jugend auf gewöhnt,
Ruft er auch jetzt zurück mich in das Leben.
Sonst stürzte sich der Himmelsliebe Kuß
Auf mich herab in ernster Sabbatstille;
Da klang so ahnungsvoll des Glockentones Fülle,
Und ein Gebet war brünstiger Genuß;
Ein unbegreiflich holdes Sehnen
Trieb mich, durch Wald und Wiesen hinzugehn,
Und unter tausend heißen Tränen
Fühlt ich mir eine Welt entstehn.
Dies Lied verkündete der Jugend muntre Spiele,
Der Frühlingsfeier freies Glück;
Erinnrung hält mich nun, mit kindlichem Gefühle,
Vom letzten, ernsten Schritt zurück.
O tönet fort, ihr süßen Himmelslieder!
Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder! 

Tränen sind im Werk Goethes oft ein Zeichen der Verjüngung.

Ostern kann eine Seele retten.
Ostern kann unsere Seele verjüngen.