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Mittwoch, 11. Juni 2008

Das männlich-weiblich-göttliche Urwesen des Menschen: Seelenpartnerschaft und erste Ehe


Schade, dass Luther bisweilen die Bibel nicht wörtlicher übersetzt hat, wobei ich seine Übersetzungsleistung insgesamt absolut bewundere.
Aber dass er den Menschen des Öfteren viele Himmel vorenthalten hat, finde ich einfach bedauerlich, denn im Griechischen steht z. B.:

Vater unser, der du bist in den Himmeln …


Luther spricht in seiner Übersetzung leider nur von einem Himmel. Eine Unbedachtsamkeit mit Folgen liegt vor allem in der Übersetzung der ersten Schöpfungsgeschichte. Luther übersetzte:

Gott schuf den Menschen ihn zum Bilde, 
zum Bilde Gottes schuf er ihn;
und er schuf sie, einen Mann und ein Weib.

In ihren Auswirkungen ist diese Übersetzung verhängnisvoll. Korrekt übersetzt muss die Stelle lauten:

Gott schuf den Menschen ihn zum Bilde,
zum Bilde Gottes schuf er ihn;
und er schuf sie, Mann-Frau
(männlich-weiblich zu übersetzen ist auch möglich). -

Im Hebräischen steht kein und, das dazu berechtigte, von Mann und Frau zu sprechen. Gott schuf nicht Mann und Frau; Gott schuf ein Wesen! Es war männlich-weiblich zugleich.Gott ist Geist, ein Geistwesen. Und er schafft den Menschen nach seinem Bilde, also schafft er ihn ursprünglich auch als Geistwesen. Dieses Geistwesen ist männlich-weiblich zugleich. Es gibt nur in der Vorstellung der Menschen diese Trennung, nämlich einen Herr Gott und eine Frau Gott (letztere ohnehin kaum … ernsthaft wirklich nur in der Frauenbewegung und in einer weiblichen Theologie).Ich persönlich vermisse ohnehin, dass es kein Mutter unser gibt, wohl aber ein Vater unser. Letztendlich hat das auf ungute Weise das Patriarchat bestätigt und zu der aggressiven Seite des Monotheismus beigetragen, die die Menschheit in viele Religionskriege geführt hat. Priester und Geistliche haben immer wieder Waffen gesegnet; vielleicht wäre ihnen das mit einem Ave Maria auf den Lippen und im Herzen schwerer gefallen, wenn nicht gar unmöglich gewesen.Gott als männlich-weibliches Wesen schafft den Menschen nach seinem Bilde, eben auch Mann-Frau, männlich-weiblich. Luther übersetzt hier m. E. eindeutig falsch. Das ursprüngliche Wesen des Menschen ist eine Einheit, keine Zweiheit.
Dieses männlich-weiblich-göttliche Wesen ist die erste Ehe.

In Bezug auf die oben angesprochene korrekte Übersetzung habe ich mich mehrfach vergewissert, u.a. bei meinem ehemaligen Hebräisch-Lehrer, der zu seiner Zeit damals in unserem Oberschulamtsbezirk das Hebraicum abnahm, also eine anerkannte Fachkraft war.
Im Wesen Gott sind beide Geschlechter angelegt bzw. vereint, sie sind eins, eine Einheit, einfältig, in Eins gefaltet.
Seit Urzeiten gehören zwei Wesensteile, die sich später trennen, zusammen – davon berichtet die zweite Schöpfungsgeschichte der Bibel; ich gehe in einem der nächsten Posts darauf ein. Auf diesem Hintergrund wird verständlich, warum es im Matthäusevangelium (Kap. 19,.6) und im Markusevangelium (Kap. 10,9) gleichermaßen anlässlich des Sakramentes der Ehe heißt:


Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.

Gott hat den Menschen als Yin-Yang-Wesen geschaffen, somit zusammengefügt; es gibt also das Wesen, das genau zu mir passt.
Luther, dem dieses Denken zu seiner Zeit durchaus fremd sein konnte (wenn auch nicht musste), verschleiert durch seine Übersetzung den richtigen Zugang zu unserem Wesen.
Intuitiv erfassen Dichter bisweilen den wahren Tatbestand, Schiller ist dafür ein Beispiel.
Seiner großen Liebe Laura schreibt er in einem seiner berühmten Laura-Gedichte:

Innig mir verbunden
Warst du in Äonen, die verschwunden;
Meine Muse sah es auf der trüben
Tafel der Vergangenheit geschrieben:
Eins mit deinem Lieben!


Und in innig festverbundnem Wesen,
Also hab´ ich´s staunend dort gelesen,
Waren wir ein Gott,ein schaffend Leben,
Und uns ward, sie herrschend zu durchweben,
Frei die Welt gegeben.
[Hervorhebungen durch mich]

Schiller weiß, dass er wie alle Menschen nun getrennt von seiner Liebe ist, deshalb klingt die letzte Strophe so schmerzlich:


Weine, Laura! dieser Gott ist nimmer,
Du und ich des Gottes schöne Trümmer,
Und in uns ein unersättlich Dringen
Das verlorne Wesen einzuschlingen,
Gottheit zu erschwingen.

Die Einheit des verlorenen Wesens möchte Schiller wieder erlangen. So, wie es ist, fühlt er sich sozusagen als Trümmerteil.
Auf die Institution Ehe und auf das, was bisweilen Dualseele oder Seelenpartnerschaft genannt wird, wirft dies ein bezeichnendes Licht, davon
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