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Mittwoch, 25. September 2019

"Ein Beispiel von ewiger Liebe". Ein Gedicht von Erich Kästner, das die Existenz unserer Schwesterseele anspricht.


Kurt Tucholskys Augen in der Großstadt und Erich Kästners Ein Beispiel ewiger Liebe thematisieren einen spirituellen Tatbestand, der bisher in den Interpretationen untergegangen ist, weil die traditionelle Germanistik sich des Themas der Schwesterseele - oder Dualseele, wie sie vor allem in der esoterischen Szene auch genannt wird - nicht bewusst ist. Dabei findet sich diese seelische Wirklichkeit immer wieder in Lyrik, Prosa und Schauspiel angesprochen, ursächlich in Platons Symposion, in der biblischen Genesis und ebenso  im Nibelungenlied sowie im Volkslied von den Königskindern, aber auch in den ´Nebeln von Avalon´, Marc Levys „Sieben Tage für die Ewigkeit” oder auch in Horvaths ´Jüngstem Tag´. - Jeder Mensch ist von dieser seelischen Realität betroffen, deshalb ist es wichtig, dass sie in den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit rückt. Ihre Kenntnis erleichtert unsere seelische Entwicklung. Ihrer Bedeutung wird im Video durch eine Passage aus O.M. Aivanhovs "Liebe und Sexualiät" Rechnung getragen, in deren Rahmen er sich zum Thema der Schwesterseele und zu ganz besonderen Augen-Blicken äußert.

Hier das Kästner-Gedicht:

Erich Kästner
Ein Beispiel von ewiger Liebe

Im gelben Autobus ging's durch den Ort.
Schnell hinein. Schnell heraus.
Erstes Haus. Letztes Haus.
Fort.

Hab ich den Namen vergessen?
Ob ich ihn überhaupt las?
Es war eine Kleinstadt in Hessen,
zwischen Reben und Gras.

Du standest am Gartenrand,
als du mich plötzlich erblicktest.
Zärtlich hob ich die Hand.
Du nicktest.

Darf ich nicht Du zu dir sagen?
War keine Zeit dazu,
lang um Erlaubnis zu fragen.
Ich sag du.

Ich wünschte so sehnlich,
ich stünde bei dir.
Ging dir's nicht ähnlich?
Ging dir's wie mir?

Der Zufall hat keinen Verstand.
Es heißt, er sei blind.
Er gab und entzog uns hastig die Hand,
wie ein ängstliches Kind.

Ich bin entschlossen, fest daran zu glauben,
daß du die Richtige gewesen wärst.
Du kannst mir diese Illusion nicht rauben,
da du sie nicht erfährst.

Du lehntest lächelnd am grünen Staket.
Es war im Taunus. Es war in Hessen.
Ich habe den Namen des Orts vergessen.
Die Liebe besteht.

Nach Platon haben die Götter jenen Teil von uns, nach dem wir uns seitdem so sehr sehnen und der einzig zu uns gehört, von uns getrennt. Es gibt sie also, diese eine, wahre Liebe; überraschend viele Schriftsteller nehmen auf dieses Thema Bezug, neben oben genannten u.a. auch Schiller in seinem Gedicht Das Geheimnis der Reminiszenz oder Hölderlin in An die Unerkannte.
Der Religionsphilosoph, Psychologe und spirituelle Lehrer Omraam Mikhaël Aïvanhov (!900-1986) merkte zu diesem Thema an:

Ihr tragt ihr Bild in euch, aber so tief vergraben, dass ihr es nicht klar erkennt. Manchmal fällt euch jemand auf der Straße auf, und ihr denkt:"Das ist sie. Ja, sie ist´s", als wäre dieser Mensch mit dem inneren Bild identisch. Im selben Augenblick ist euer Leben wie verwandelt, und ihr setzt alles daran, diesen Menschen wiederzufinden . . .




Dienstag, 27. August 2019

"Einmal wandelt Läuten durch mich hin" - Gertrud Kolmar, unterwegs in ihre Heimat und zu ihrer Schwesterseele!

Liest jemand an heißen Spätsommertagen Gedichte?

Eher nicht.

Aber es drängt mich, dieses Gedicht von Gertrud Kolmar dennoch zu veröffentlichen und jemandem, der doch liest, mitzuteilen. Es ist eines meiner Lieblingsgedichte von ihr; sie schrieb es in jenem poetisch für sie so fruchtbaren Jahr 1917, dreiundzwanzigjährig, und es deutet sich ihre Tiefe, die sie später u.a. in ihren Wappengedichten und dem Zyklus Welten uns zeigt, mehr als nur an. Sie weiß um eine Zeit, in der wir einmal wieder reine Seele sein werden mit all den Erfahrungen, die uns jetzt ereilen und die wir den himmlischen Mitbewohnern, die uns auf unserer Reise über die Erde so aufmerksam verfolgen, spürend, wie schwer erkauft unsere Erfahrungen oft sind, aber zugleich uns bewundernd und teilnehmen wollend, weil sie ihnen nicht vergönnt waren, seien sie Cherubim, Seraphim, Throne, Erzengel, Engel. dann mitbringen werden.

Gertrud Kolmar weiß um das Es war einmal der Märchen, das auf jene Zeit anspielt, als wir aufbrachen, und sie wiederholt diese magische Formel in ihrem ersten Wort und verwandelt in und mit ihm die Vergangenheit zugleich in eine uns erwartende Zukunft.

Sie weiß darum, dass wir eine sozusagen vertikale Schwesterseele haben - die Germanen und die nordischen Mythen nannten sie Walküren - die in ewigen Regionen sich aufhält, um unseren Weg abzusichern, weswegen sie als unverlierbarer Teil von uns, als wir abstiegen, zurückblieb.

Sie weiß auch um etwas, was wir Schwesterseele auf einer horizontalen Ebene nennen könnten, jener Teil, von dem wir uns trennten - die Bibel bezieht sich mit jener Stelle darauf, als Gott aus der Rippe Adams (was bekanntlich Mensch, nicht Mann bedeutet) die Frau erschuf -, um wirklich zu erfahren, was Liebe sei, Liebe, die wir sehnsüchtig in dem verlorenen Teil suchen und so oft nicht finden und deshalb erst wirklich wertschätzen lernen. 
In unseren Erdenwanderungszeiten begegnen wir in unseren vielen Leben ingesamt zwölfmal unserer Schwesternseele, so habe ich gelesen und halte es für durchaus der Wahrheit entsprechend, und wir können so oft nachlesen, dass solche Begegnungen leider auch sehr unglücklich ausgehen können - Shakespeare hat es in Romeo und Julia abgebildet, die Volkslieder in jenem Lied von den Königskindern, Schiller in Reminiszenz, Ödon von Horvath in seinem Schaupiel Das jüngste Gericht, Marc Levy in Sieben Tage für die Ewigkeit, das Nibelungenlied in der unerfüllten Liebe Brünhildes zu ihrem wahren Mann Siegfried - die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen; selbst Nietzsche spricht in Also sprach Zarathustra von ihr: Hast du nicht die Schwester-Seele zu meiner Einsicht? Zusammen lernten wir alles; zusammen lernten wir über uns zu uns selber aufsteigen und wolkenlos lächeln . . .

Woher weiß die junge Gertrud Kolmar darum? Ich vermute, dass das in ihrer Familie gelebte Judentum dieses Wissen nicht unbedingt zuließ, vielleicht aber die Kabbala, zu der sie womöglich Zugang besaß - darüber habe ich aber keine Informationen.
Hier nun dieses wunderschöne Gedicht: 

Einmal
 
Einmal wandelt Läuten durch mich hin,
Seelensingen - eine Glocke tönt,
Glocke, der ich reines Echo bin,
Nicht mehr Fleisch, das sündig jauchzt und stöhnt.

Bin ein Sprößling dann des grünen Baums,
Sinnbild ew'gen Werdens, ew'ger Rast,
Und mein Leib, der Rest des Menschentraums,
Steht und wartet, daß er Wurzel faßt.

Einmal bist du Trug, mein Leib, mein Stamm,
Der du heute noch mir Wahrheit heißt,
Einmal bist du tot, bist Erde, Schlamm,
Doch ich leb', ein Nichts, ein Alles: Geist.

Bald!

Denn schon hör' ich, wenn den bitt'ren Tag versüßt
Irgendwo mir eine Vogelkehle,
Liebe, ferne Stimme, die mich lautlos grüßt:
»Schwesterseele!«

Dienstag, 14. April 2015

Schmetterlingsflügel sehen aus wie Harfen - beide erinnern uns an unser ursprüngliches Sein!

Vorhin las ich den Gedanken, dass Musik nicht nur von Instrumenten komme, sondern dass echte Musik jene sei, welche die Saiten des Geistes zum Klingen bringe und dass klares, reines Denken dem Klang einer Harfe gleiche.

Ich glaube, jeder liebt Harfenmusik, die so wunderbar perlen kann, einem Perlenkranz von Tönen vergleichbar, der auf den Hörer niederregnet.

Es ist schon seltsam, dass Menschen, die Harfen spielen, immer sehr anmutig aussehen. Wirklich, Harfenmusik ist himmlische Musik.

Klar gibt es Witze über Engel, die auf Wolken sitzen und Harfen spielen und fast jeder kennt die Geschichte des bayrischen Schriftstellers Ludwig Thoma vom Dienstmann 172, Aloisius Hingerl, der nach seinem Ableben eine Harfe und eine Wolke zugeteilt bekam, aber aufgrund seines Fluchens und der Tatsache, dass er sein Manna, sein Bier also und seinen Schmaizla so vermisste, nicht im Himmel zu gebrauchen war und deshalb von Gott, weil dieser Job bedingte, dass er immer wieder aus dem Himmel flüchten konnte, dazu ausersehen wurde, der bayrischen Staatsregierung die göttlichen Ratschläge zu überbringen. Allerdings endete bekanntlich bereits Aloisius´ erste Mission im Hofbräuhaus. Dass die bayrische Regierung seitdem auf die göttlichen Eingebungen wartet - für diesen Schluss-Satz seiner köstlichen Geschichte wurde Ludwig Thoma 1911 übrigens zu einer Geldstrafe verdonnert.

So viel hat sich in Bayern also noch nicht verändert.

Zurück aber zur Harfenmusik, zur Harfe und der Tatsache, dass mir vorhin bei oben zitierten Sätzen in den Sinn kam, dass Schmetterlingsflügel wie Harfen aussehen. Ihre Formen haben mich jedenfalls in meinen Gedanken, als ich so am Tisch saß und über die Sätze und überhaupt ins Sinnieren kam, an Harfen erinnert.

Wir wissen, dass der Schmetterling eines der Symbole für die menschliche Seele ist. So kostbar, so schön, so unberührbar wie Schmetterlinge sind im Grunde menschliche Seelen. Die Verwandtschaft von Schmetterlingen und der Seelensymbolik zeigt, wie behutsam wir mit allem Seelischen umgehen sollten, wie vorsichtig und zartfühlend mit unserer eigenen und denen unserer Nächsten.

Und noch etwas kam mir in den Sinn:

Wir Menschen sind ja als Yin-Yang-Wesen geschaffen, männlich-weiblich zugleich, wie es, präzise übersetzt im hebräischen Urtext heißt.

Schmetterlinge haben im Grunde zwei Harfenflügel, die diese beiden eben angesprochenen Seiten zeigen und sie zum Ausdruck bringen.

Vielleicht mag daher kommen, wie versonnen wir gerne sind, wenn wir Harfenmusik hören oder Schmetterlinge sehen. Nur Weniges gibt, es, was so viele Menschen gleichermaßen so friedlich stimmt.

Schmetterlinge und Harfen erinnern uns an unser ursprüngliches Sein.






Dienstag, 10. Februar 2015

Wir träumten voneinander und sind davon erwacht . . .

Friedrich Hebbel (1813-1863) hat Gedichte über Liebe geschrieben, die in ihrer Art einmalig sind und für mich eine große spirituelle Tiefe aufweisen.

Das folgende Gedicht deutet das, was man als Schwesternseele oder als Dualseele bezeichnet nur an, dennoch ist Hebbels Wissen darum offensichtlich, wenn es vielleicht auch "nur" intuitiver Natur war. 
In der dritten Strophe geht Hebbel auf eine Ebene, die deutlich macht, dass hier zwei ihre Einheit finden, dort, wo ihre Heimat ist; dafür steht der Grund, ihr Urgrund. 
Die Lilie deutet die Reinheit dieses Geschehens an und der Kelch dessen Heiligkeit:

Ich und du

Wir träumten von einander
Und sind davon erwacht,
Wir leben, um uns zu lieben,
Und sinken zurück in die Nacht.

Du tratst aus meinem Traume,
Aus deinem trat ich hervor,
Wir sterben, wenn sich eines
Im andern ganz verlor.

Auf einer Lilie zittern
Zwei Tropfen, rein und rund,
Zerfließen in eins und rollen
Hinab in des Kelches Grund.




Link zu meinem Webinar zu diesem Thema hier
mehr zu diesem Thema auch hier

Sonntag, 10. November 2013

Wenn zwei Seelenverwandte aufeinandertreffen . . .



Gestern in einem Film gesehen und gehört:

Wenn zwei Seelenverwandte aufeinander treffen,
dann ist das wie ein Gottesurteil.

Dann muss diese Liebe gelebt werden.






Montag, 17. Mai 2010

"anima naturaliter religiosa". – Was das baden-württembergische Abitur 2010 an Bewusstsein voraussetzt.



Ich teile die Ansicht C.G. Jungs, dass die Seele des Menschen von Natur aus religiös sei. Dem Schweizer Psychologen offenbarte sich diese Sicht auf die menschliche Seele, mit der er sich deutlich von seinem Vorgänger Freud distanzierte, für den Religion eine Illusion war, dadurch, dass er erkannte, dass die menschliche Seele in Träumen und in der psychoanalytischen Arbeit, ob sie will oder nicht, religiöse Bilder aus dem Unbewussten in das Bewusstsein steigen lässt, Bilder der Ganzheitlichkeit, Bilder, in denen wir Kreise finden, Symbole der Trinität, Schlangensymbole und Ähnliches. Jung als moderner Alchemist erkannte, was diese Bilder bedeuten. Sie weisen auf den religiösen Urgrund der Seele. Auch ein Atheist kann ihre Auferstehung in seinen Träumen nicht verhindern. Gott sei Dank!


Dass dieses Wissen heute kein Allgemeingut ist, hängt mit dem Herodeskräften zusammen, wie sie die Bibel nennt; die ägyptische Mythologie spricht von der Zerstückelung des Osiris. Osiris wurde verführt durch Typhon. Wir können ihn auch den Herodes Ägyptens nennen. Der Tod des Osiris und seine Zerstückelung, sein Tod symbolisiert die Zerrissenheit des modernen Menschen, der den Typhon-Herodes-Kräften erliegt. Immer noch sucht Isis, die Mutter, ihren Sohn Osiris. Es ist die Suche des Ewig-Weiblichen, von dem Goethe am Ende des Faust II spricht, die so gern unserem Suchen begegnen möchte. Die Liebe dieser Großen Mutter will den Menschen heilen.
Die Symbolik der Mutter hat zu allen Zeiten eine große Rolle gespielt, wir finden sie in der Gestalt der Isis, der Diana, der Sophia, Marias ...
Sie steht im Gegensatz zur Negativ-Macht der Mütter, mit denen sich Faust im Faust II konfrontiert sieht, die ihre Kinder nicht freigeben, im Grunde sie verschlingen. Um ein Haar wäre auch Siegfried diesem Drachen zum Opfer gefallen. Um ein Haar hätte dieser Drachen ihn erdrückt, so wie viele Mütter ihre Kinder erdrücken. Das ist leider eine Realität. Sie findet sich im Bild des Mutterdrachen, ein Thema, von dem bekanntlich das Grimm-Märchen Eisenhans handelt.

Nun finden wir im Abitur 2010 im Rahmen des Gedichtvergleichs zwei Gedichte, deren Thematik in die Richtung einer Liebe geht, wie sie die wahre Mutter symbolisiert. Auf das Gedicht von Volker Braun, Hingebung, möchte ich bei Gelegenheit noch eingehen; ich werde es dann hier verlinken. Dieses Gedicht thematisiert Selbstfindung durch Hingabe, Selbsterfüllung durch Liebe. Ein gewaltiges Thema, vielleicht DAS Thema unseres Lebens.
Das andere Gedicht, Rilkes Die Liebende steigt in die Urgründe unseres Seins, und ich muss sagen, dass die Damen und Herren, die beide Gedichte auswählten, viel Vertrauen in die Kenntnisse ihrer Kollegen hatten, diese Urgründe vermittelt zu haben, damit Schüler in ihrem Abitur darauf Bezug nehmen können.
Sie dokumentierten mit ihrer Wahl zugleich ihre Auffassung von Literatur als Spiegel der menschlichen Seele, die nur zu begreifen ist, wenn wir sie im Sinne C.G. Jungs sehen. Rilke zumindest kann man nur verstehen, wenn man diesen Dichter als zutiefst religiös begreift. Wie hoffnungsvoll hingegeben von meinen Kollegen zu glauben, dieses Wissen und diese Sicht auf die Liebe und das Leben bei den unterrichtenden Kollegen und den Schülerinnen und Schülern voraussetzen zu können; auch die Elternhäuser müssen ja zu dieser Sicht beigetragen haben.

Unter den über 40 Abitur-Arbeiten, die ich dieses Jahr korrigieren "durfte", waren leider nur drei, die den Gedichtvergleich nahmen, aber immerhin eine Schülerin - der Schrift nach war es eine Sie - hat bei der Liebe, wie sie sich im Rilke-Gedicht findet, gesprochen von der Liebe zwischen Seelenpartnern, ein Gedanke, der sich natürlich im Erwartungshorizont des Oberschulamtes nicht findet.
Nun ja, ehrlich gesagt bin ich auch weit davon entfernt zu glauben, dass die Dortigen Literatur so verstehen wie ich und wie ich es oben mir selbst glauben machen wollte. Und ich glaube auch nicht, dass unsere Schulbildung ein Verständnis erreichen will und ein Bewusstsein, dass die Seele von Natur aus religiös sei.
In unserer Bildung geht es mittlerweile vor allem um Präsentation, Portfolio und Mindmap ... Word ist wichtiger als das Wort und Wahrheit zählt vor allem dann, wenn sie als Tabelle kalkuliert werden kann ...
Herodes-Typhon hat alles im Griff. Und beide können beruhigt sein: noch bleibt Osiris zerstückelt.
Dessen ungeachtet erlaube ich mir meinem Unterricht an einer Maxime, an einem Leitgedanken auszurichten, der sich in diesem Worten erfassen und zusammenfassen lässt:

anima naturaliter religiosa.

Sonntag, 2. August 2009

Dem Ewig-Weiblichen auf der Spur: Marc Levys "Sieben Tage für die Ewigkeit"


Es ist die Reinheit Margaretes, die den Erdenbürger und Wissenschaftler Faust so anzieht, dass er alles dransetzt, um Gretchen in sein Bett zu bekommen. Und Mephistopheles, der Gesandte der Hölle, muss auf Fausts Geheiß in der Tat seine ganze Kunst aufbieten, um dessen Ziel Wirklichkeit werden zu lassen. Schließlich ist es so weit:
Faust schwängert Gretchen - und lässt sie schmählich sitzen. Sie weiß sich nicht anders zu helfen, als ihr Kind umzubringen. Im Kerker auf ihren Tod wartend, versucht Faust, sie zu befreien, doch Gretchen graut vor diesem Mann. Als Mephistopheles abgehend sarkastisch bemerkt: "Sie ist gerichtet!", tönt eine Stimme von oben:"Ist gerettet."
Gretchen hatte noch im Tod ihre seelische Reinheit bewahrt.
Auch im zweiten Teil des Faust ist jener nicht wesentlich geläutert. Noch am Ende müssen ein altes Ehepaar, Philemon und Baucis, sterben, weil Faust seine Machtgelüste ausleben muss.
Dennoch: Als er stirbt, holen die Engel in Begleitung des Dr. Marianus und im Beisein Margaretes den unsterblichen Teil von Faust und es fallen die berühmten Worte:
Das Ewig-Weibliche
Zieht uns hinan.


Tatsächlich bewahrheitet sich diese Weisheit auch in Marc Levys Werk.
Ist es im Faust Gott selbst, der Mephistopheles auf den Dr. Faust aufmerksam macht und ihn dessen Versuchung anheim gibt, sich sicher seiend, dass es dem Versucher nicht gelinge, Faust von seinem guten Wege abzubringen, so treten auch in Marc Levys Buch Gott, alias Sir oder Houston, und Luzifer, alias Satan oder President, in den Wettstreit um die Herrschaft auf der Erde. Der CIA, das Haus Gottes, der CENTRAL INtELLIGENCE OF THE ANGELS hatte erkannt, dass die Erde ausgangs des 20. Jahrhunderts in höllischer Gefahr war und dass die dauernde Rivalität zwischen den großen Antipoden Gott und Luzifer maßgeblich daran beteiligt war. Deshalb ließ ER sich auf eine Wette mit Luzifer ein, deren Ausgang darüber entscheiden sollte, wer im 21. Jahrhundert das Sagen auf der Erde habe.
Beide schicken ihre besten Agenten ins Feld, auf Gottes Seite ist es Zofia, sein schönster Engel, von Beruf verantwortlich für Sicherheit des Dock 80 im Hafen von San Francisco, und immer bereit, anderen zu helfen; auf Satans Seite ist es dessen bester Mitarbeiter Lukas, stets bereit, Menschen umzubringen, ab und zu eine Frau zu vernaschen, Autos zu klauen und diese nach Gebrauch über die Kaimauer ins Wasser zu kippen.
Beide haben 7 Tage Zeit, den Kampf für sich zu entscheiden.
Verblüfft und entsetzt müssen Gott und Satan jedoch feststellen, dass Z/Sofia und Lukas aus dem Ruder laufen, als sie aufeinander treffen, weil sie sich ineinander verlieben. Ja, Lukas ist schlussendlich am Tag 6 sogar bereit, seine Mission zu kippen zu Gunsten seiner großen Liebe, er schreibt Abschied nehmend - und sein Schreiben bringt zum Ausdruck, was die Liebe vermag, dass nämlich sogar die Hölle auf ihre Rechte verzichtet:

Indem ich mich opfere, ermöglichen wir den Sieg der Deinen, und sie werden dir vergeben, was auch immer du getan haben magst. Kehre heim, meine Liebste zurück in dieses Haus, welches das Deine ist und so gut zu Dir passt ... Dort, wo du nicht existierst, existiere auch ich nicht mehr ... Zu wissen, dass du da bist, irgendwo auf dieser Erde, wird in der Hölle mein kleines Eckchen vom Paradies sein.
Du bist mein Bachert.
Ich liebe dich.
Lukas.

Nicht zu fassen: die Liebe bringt es zustande, dass der beste Agent der Hölle sogar den Himmel in die Hölle Einzug halten lässt! Bachert ist im Übrigen ein Synonym Levys für Seelenpartner.

Die Meinungen über diesen Roman gehen in den einschlägigen Rezensionen weit auseinander. Sie reichen von Kitsch bis: "Ich habe bei der Lektüre geweint".

Womöglich hat Marc Levy DAS Thema des 21. Jahrhunderts vorweggenommen. Steigt die Erde die Jakobsleiter hinauf oder geht sie den Bach runter?

Und im Rahmen dieser Fragestellung geht es darum, warum es Liebe gibt und ob es den Bachert gibt, wie es Marc Levy nennt, unsere andere Hälfte.
In einen Gespräch zwischen Gott und Sofia hört sich das so an:


»Du wolltest mich sprechen?«

»Ich wollte Sie nicht stören, Sir.«
»Du störst mich nie. Hast du ein Problem?«
»Nein, eine Frage.«
Sirs Augen wurden noch heller.
»Ich höre, meine Tochter.«
»Wir verbringen unsere Zeit damit, Liebe zu predigen, aber wir Engel verfügen nur über Theorien. Also, Sir, was ist die Liebe auf Erden wirklich?«
Er betrachtete den Himmel und legte den Arm um Zofias Schulter.
»Es ist die schönste Sache, die ich erfunden habe! Die Liebe ist ein Stückchen Hoffnung, die ständige Erneuerung der Welt, der Weg ins Gelobte Land. Ich habe den Unterschied geschaffen, damit die Menschheit ihre Intelligenz entwickelt: Eine homogene Welt wäre zum Sterben traurig! Und für denjenigen, der es verstanden hat, zu lieben und geliebt zu werden, ist der Tod nur ein Augenblick des Lebens.«
Fieberhaft zeichnete Zofia einen Kreis mit der Fußspitze in den Kies.
»Aber die Geschichte mit dem Bachert, ist die wahr?«
Gott lächelte und ergriff ihre Hand.
»Derjenige, der seine zweite Hälfte findet, bringt es weiter als die ganze Menschheit. Eine schöne Geschichte, nicht wahr? Nicht der Mensch als solcher ist einmalig - wenn ich ihn so gewollt hätte, hätte ich ihn so erschaffen -, sondern er wird es erst dann, wenn er anfängt zu lieben. Die Schöpfung ist vielleicht nicht vollkommen, aber es gibt nichts Vollkommeneres auf der Welt als zwei Menschen, die sich lieben.«
»Jetzt verstehe ich es besser«, sagte Zofia und zog eine gerade Linie durch die Mitte des Kreises.
Er erhob sich, schob die Hände wieder in die Taschen und schickte sich zum Gehen an, doch plötzlich legte Er eine Hand auf Zofias Kopf und sagte mit sanfter, verschwörerischer Stimme:
»Ich will dir ein großes Geheimnis anvertrauen, die einzige und große Frage, die ich mir vom ersten Tag an stelle: Habe ich wirklich die Liebe erfunden, oder hat die Liebe mich erfunden?«
Gott entfernte sich mit leichtem Schritt und betrachtete seinen Schatten im Wasser. Zofia hörte ihn brummen:
»Sir hier, Sir da, es wird wirklich Zeit, dass ich in diesem Haus einen Vornamen finde, mit dem Bart haben sie mich schon alt genug gemacht.«
Er wandte sich zu Zofia um und fragte: »Was hältst du von Houston als Vorname?«
Verblüfft sah Zofia ihn davongehen, die wundervollen Hände im Rücken verschränkt und weiter vor sich hinmurmelnd:
»Sir Houston, vielleicht ... Nein, Houston, das ist ideal!«
Schließlich verklang die Stimme hinter einem großen Baum.

Ein weiterer Post zu Marc Levys Buch: hier

Mittwoch, 11. Juni 2008

Das männlich-weiblich-göttliche Urwesen des Menschen: Seelenpartnerschaft und erste Ehe

Schade, dass Luther bisweilen die Bibel nicht wörtlicher übersetzt hat, wobei ich seine Übersetzungsleistung insgesamt absolut bewundere.


Aber dass er den Menschen des Öfteren viele Himmel vorenthalten hat, finde ich einfach bedauerlich, denn im Griechischen steht z. B.:


Vater unser, der du bist in den Himmeln …


Luther spricht in seiner Übersetzung leider nur von einem Himmel. Eine Unbedachtsamkeit mit Folgen liegt vor allem in der Übersetzung der ersten Schöpfungsgeschichte. Luther übersetzte:
Gott schuf den Menschen ihn zum Bilde,
zum Bilde Gottes schuf er ihn;
und er schuf sie, einen Mann und ein Weib.

In ihren Auswirkungen ist diese Übersetzung verhängnisvoll. Korrekt übersetzt muss die Stelle lauten:

Gott schuf den Menschen ihn zum Bilde,
zum Bilde Gottes schuf er ihn;
und er schuf sie, Mann-Frau
(männlich-weiblich zu übersetzen ist auch möglich). -

Im Hebräischen steht kein und, das dazu berechtigte, von Mann und Frau zu sprechen. Gott schuf nicht Mann und Frau; Gott schuf ein Wesen! Es war männlich-weiblich zugleich.Gott ist Geist, ein Geistwesen. Und er schafft den Menschen nach seinem Bilde, also schafft er ihn ursprünglich auch als Geistwesen. Dieses Geistwesen ist männlich-weiblich zugleich. Es gibt nur in der Vorstellung der Menschen diese Trennung, nämlich einen Herr Gott und eine Frau Gott (letztere ohnehin kaum … ernsthaft wirklich nur in der Frauenbewegung und in einer weiblichen Theologie).Ich persönlich vermisse ohnehin, dass es kein Mutter unser gibt, wohl aber ein Vater unser. Letztendlich hat das auf ungute Weise das Patriarchat bestätigt und zu der aggressiven Seite des Monotheismus beigetragen, die die Menschheit in viele Religionskriege geführt hat. Priester und Geistliche haben immer wieder Waffen gesegnet; vielleicht wäre ihnen das mit einem Ave Maria auf den Lippen und im Herzen schwerer gefallen, wenn nicht gar unmöglich gewesen.Gott als männlich-weibliches Wesen schafft den Menschen nach seinem Bilde, eben auch Mann-Frau, männlich-weiblich. Luther übersetzt hier m. E. eindeutig falsch. Das ursprüngliche Wesen des Menschen ist eine Einheit, keine Zweiheit.
Dieses männlich-weiblich-göttliche Wesen ist die erste Ehe.
In Bezug auf die oben angesprochene korrekte Übersetzung habe ich mich mehrfach vergewissert, u.a. bei meinem ehemaligen Hebräisch-Lehrer, der zu seiner Zeit damals in unserem Oberschulamtsbezirk das Hebraicum abnahm, also eine anerkannte Fachkraft war.
Im Wesen Gott sind beide Geschlechter angelegt bzw. vereint, sie sind eins, eine Einheit, einfältig, in Eins gefaltet.
Seit Urzeiten gehören zwei Wesensteile, die sich später trennen, zusammen – davon berichtet die zweite Schöpfungsgeschichte der Bibel; ich gehe in einem der nächsten Posts darauf ein. Auf diesem Hintergrund wird verständlich, warum es im Matthäusevangelium (Kap. 19,.6) und im Markusevangelium (Kap. 10,9) gleichermaßen anlässlich des Sakramentes der Ehe heißt:


Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.

Gott hat den Menschen als Yin-Yang-Wesen geschaffen, somit zusammengefügt; es gibt also das Wesen, das genau zu mir passt.
Luther, dem dieses Denken zu seiner Zeit durchaus fremd sein konnte (wenn auch nicht musste), verschleiert durch seine Übersetzung den richtigen Zugang zu unserem Wesen.
Intuitiv erfassen Dichter bisweilen den wahren Tatbestand, Schiller ist dafür ein Beispiel.
Seiner großen Liebe Laura schreibt er in einem seiner berühmten Laura-Gedichte:

Innig mir verbunden
Warst du in Äonen, die verschwunden;
Meine Muse sah es auf der trüben
Tafel der Vergangenheit geschrieben:
Eins mit deinem Lieben!

Und in innig festverbundnem Wesen,
Also hab´ ich´s staunend dort gelesen,
Waren wir ein Gott,ein schaffend Leben,
Und uns ward, sie herrschend zu durchweben,
Frei die Welt gegeben.
[Hervorhebungen durch mich]
Schiller weiß, dass er wie alle Menschen nun getrennt von seiner Liebe ist, deshalb klingt die letzte Strophe so schmerzlich:

Weine, Laura! dieser Gott ist nimmer,
Du und ich des Gottes schöne Trümmer,
Und in uns ein unersättlich Dringen
Das verlorne Wesen einzuschlingen,
Gottheit zu erschwingen.

Die Einheit des verlorenen Wesens möchte Schiller wieder erlangen. So, wie es ist, fühlt er sich sozusagen als Trümmerteil.
Auf die Institution Ehe und auf das, was bisweilen Dualseele oder Seelenpartnerschaft genannt wird, wirft dies ein bezeichnendes Licht, davon hier mehr.

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