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Montag, 4. September 2023

Möglich, dass okkulte Kräfte am Tod Schillers beteiligt waren.

In seinem Buch „Die sieben Stufen der Einweihungen. Goethes ´Faust´ als Urbild der modernen Initiation“ äußert der Verfasser Manfred Schmidt–Brabant, dass „Steiner ausdrücklich die Tatsache (bestätigt), dass Schiller ermordet wurde“ - auf diesen Umstand weist der Verfasser insgesamt dreimal hin. In der Begründung heißt es, dass Schiller im Begrifft gewesen sei, intimste Geheimnisse der Templer-Esoterik direkt in seinen Dramen zur Offenbarung zu bringen.
Nun hat Rudolf Steiner meines Wissens an keiner Stelle seines umfangreichen Werkes das so formuliert. Fakt ist, dass er 1916 in der GA 172 formulierte: “Schillers früher Tod rührte von nichts anderem her als davon, daß sein Organismus verbrannt wurde durch seine mächtige seelische Lebenskraft.“
Dazu steht seine Aussage von 1924 (GA 310) im Widerspruch, in der es heißt, man könne „nicht anders, als aus dem Krankheitsbilde die Vorstellung zu haben, da ist auf irgendeine, wenn auch ganz okkulte Weise mitgeholfen worden an dem schnellen Sterben Schillers.“

Für mich besteht ein gewaltiger Unterschied darin, ob Kräfte mitgeholfen haben oder ob sie es waren, die gemordet haben. Meines Erachtens ist die Tatsache, dass Schmidt–Brabant seine eigenwillige Formulierung Rudolf Steiner unterstellt, grob fahrlässig. Zu Gunsten von Letzterem gehe ich im Übrigen davon aus, dass er 1924 nicht mehr in Erinnerung hatte, sich einmal ganz anders hinsichtlich des Todes von Schiller geäußert zu haben, ansonsten hätte er doch darauf hinweisen müssen, dass er seine Sichtweise geändert habe und zu neuen Erkenntnissen hinsichtlich Schillers Tod gekommen sei.
Fakt ist, dass sich das Ergebnis der Autopsie der Leiche Schillers wie ein anatomisches Gruselkabinett liest (der Autopsie-Bericht hier: https://bit.ly/3qJkx2t ).

Schiller war Zeit seines Lebens kränklich, aber dass seine Organe innerlich so aussahen, war doch nicht zu erwarten, beweist aber für mich, wie groß und kraftvoll der Geist dieses Mannes war, so dass er so lange am Leben bleiben konnte. Man denke nur, was er in 46 Jahren seines Lebens zu leisten vermochte: Schauspiele wie sein „Wallenstein“, „Wilhelm Tell“, „Don Carlos“, Balladen wie „Die Bürgschaft“ oder „Der Taucher“ oder auch seine ästhetischen Briefe geben davon Zeugnis (die „Räuber“, die meistens in der Schule gelesen wurden - heute wohl eh nicht mehr -, sind dagegen inhaltlich unstimmig und dürftig und eher eine Jugendsünde).

Was den okkulten Kreisen in Deutschland so viel Unbehagen bereitete, war, dass Schiller im Zusammenhang mit seinem Fragment gebliebenen „Demetrius“ sich mit dem Gedanken trug, sich zu äußern zu der Tatsache, dass man die Menschheit spirituell bewusst in Unfreiheit hielt, weil der Mensch eben nicht, wie ihm vermittelt wurde, durch den Sündenfall vom Himmel und dem Göttlichen abgeschnitten war - wenn es je so gewesen sein sollte, dann hätte ohnehin Christus mit seinem Tod auf Golgatha und der Auferstehung diesen Weg neu gebahnt –, und dass für ihn die Möglichkeit besteht, (auch ohne die Kirche) zu einer Freiheit in Gott zu gelangen, einer Freiheit, die sich auswirkt auch auf ein Leben auf der Erde ohne Gängelei durch einen Staat, der unverhältnismäßig in die Rechte seiner Bürger eingreift, und einer Kirche, die dies auf spiritueller Ebene ebenso tut, wobei sie in ihrer Praxis die Hälfte der Menschheit, nämlich alle Frauen, aus ihrer Theologie und seelsorgerlichem Tun verbannt, und das, obwohl diese genau wie Männer Geschöpfe Gottes sind. Schmidt-Brabant weist darauf hin, dass die Templer diesen Weg gehen wollten, einen Weg, der den Menschen befähigt hätte, die Folgen der Erbsünde, des Sündenfalls aufzuheben und frei zu werden von der Herrschaft des Papstes und des Kaisers.
Der Templerorden hat dies mit seiner Vernichtung bezahlt, viele Templer mit Folter und Tod. Jedoch ist das Wissen dieses Ordens aus dem spirituellen Bewusstsein der Menschheit nie verschwunden.
Dass okkulte Kreise am Tod Schillers mitgewirkt haben, mag außer Frage stehen, dass sie aber ihn ursächlich ermordet haben - so die Formulierung Schmidt-Brabants - halte ich angesichts des körperlichen Zustandes von Schiller für maßlos übertrieben.

Dennoch.: das Gerücht hält sich, dass die Illuminaten [https://bit.ly/3sCznbA] für sein Ableben gesorgt haben. Zu sehr widersprach Schillers Denken und Schreiben ihren Vorstellungen einer politischen Gestaltung der Nationen. Schiller war ihnen zu national gesinnt; schon sein ´Wallenstein´ und sein ´Wilhelm Tell´ entsprachen nicht ihren Vorstellungen und sein ´Demetrius´, der unvollendet blieb, schien in eine ähnliche Richtung zu zielen.
Makaber mutet an, dass sein großer Freund und Bruder im Geiste, Johann Wolfgang von Goethe, selbst nicht nur Freimaurer, sondern wohl auch Illuminat war; jedenfalls scheint ein Dokument das zu belegen. Allerdings vermute ich: Goethe mag selbst gefährdet gewesen sein.

Natürlich gibt es sie heute noch, diese angesprochenen okkulten Kräfte, doch sie müssen nicht öffentlich erkennbarer aktiv werden, weil sie sich um die Unfreiheit der Menschen keine Sorgen machen müssen. Wahre Freiheit ist mit geistig spiritueller Freiheit untrennbar verbunden, und von jener ist die Menschheit nach wie vor noch weit entfernt. Sie gibt sich der Illusion hin, dass ein Etwas, das sich „Demokratie“ nennt, die die Menschen anregt, alle vier Jahre ihre Stimme abzugeben, dann aber nicht mehr einzufordern und in der Wahlurne bestattet zu lassen, zu Freiheit führen könne.
Allerdings ist unübersehbar, dass eine Götterdämmerung hinsichtlich unserer Politiker einsetzt und mehr und mehr Mitbürger erkennen, dass wir in diesen Positionen Menschen brauchen, die nicht systematisch durch das derzeitige Parteien-System verbogen und korrumpiert werden, sondern Ihre Entscheidungen möglichst aus dem Herzen heraus frei treffen mit dem Ziel, Menschlichkeit zu fördern. Sie gilt es einzufordern, und nicht den Reichtum weniger zu realisieren. Gerade an letzterem Tatbestand aber arbeiten okkulte Kräfte ebenso wie die Kirche, die genau das Kamel ist, das nicht durch jenes Nadelör kommt, von dem die Bibel spricht.

Samstag, 7. September 2019

Aber ach! du lebst im Licht, / Meiner Liebe lebst du nicht – Friedrich Schillers "An Emma"

Der Name Emma ist übrigens wieder modern. Seit 10 Jahren gehört er regelmäßig zu den 10 häufigsten Mädchennamen in Deutschland und führt momentan die Liste der beliebtesten Vornamen an. 

Friedrich Schiller: An Emma
Weit in nebelgrauer Ferne / Liegt mir das vergangne Glück,
Nur an einem schönen Sterne / Weilt mit Liebe noch der Blick.
Aber wie des Sternes Pracht / Ist es nur ein Schein der Nacht.
Deckte dir der lange Schlummer, / Dir der Tod die Augen zu,
Dich besäße doch mein Kummer, / Meinem Herzen lebtest du.
Aber ach! du lebst im Licht, / Meiner Liebe lebst du nicht.
Kann der Liebe süß Verlangen, / Emma, kanns vergänglich sein?
Was dahin ist und vergangen, / Emma, kanns die Liebe sein?
Ihrer Flamme Himmelsglut, / Stirbt sie wie ein irdisch Gut?

Der Name Emma, so lesen wir auf einer Seite der Gesellschaft für Deutsche Sprache, stellt eine Kurzform von Namen dar, die vom germanischen Wort ermana, irmina abgeleitet wurden, das so viel wie ›Erde, Welt; weltweit umfassend, allumfassend‹ bedeutet, etwa Ermelina, Ermengilda, Ermengard.  

Man mag zu Alice Schwarzer stehen wie man will - mir persönlich ist sie nicht sonderlich sympathisch -, aber mit dem Namen ihrer Zeitschrift hatte sie schon einen gewissen Riecher. Und auch wenn man wie ich kein Freund eines Feminismus ist, der von einer sinnvollen Bewegung, die Frauenrechte bewusst vertrat, sich längst verabschiedet hat hin zu einer unbalancierten Selbstverwirklichungsmanie einzelner Frauen, so sind doch die Verdienste von Alice Schwarzer auch für mich unbestritten, ganz davon abgesehen, dass von einer wirklichen gesellschaftlichen Balance der Geschlechter in Deutschland noch immer nicht gesprochen werden kann - von anderen Gegenden unseres Planeten und ewig gestrigen religiösen Bekenntnissen, die Gott Vater (oder wie er auch immer heißt) zum Männlichkeitspopanz stilisieren müssen, einmal ganz abgesehen (so leicht lässt sich innere Zwanghaftigkeit und reduziertes Bewusstsein eben nicht überwinden: Ach Emma!)

Samstag, 19. Juli 2014

Wie kommt der Karlfried durch den Dürckheim? - Über die Bedeutung von Vornamen und Familiennamen.


Endlich mal wieder Zeit für einen Post. In über 30 Jahren meines Lehrerdaseins habe ich es nicht geschafft, die letzten Arbeiten so zu legen, dass ich nicht fast jedes Jahr zum Ende hin in absoluten Stress komme, noch dazu, wenn alle Zeugnis-Noten ausgerechnet und entschieden sein müssen.

Es ist einfach beim Korrigieren unheimlich anstrengend, die Gedanken von Menschen nachzuvollziehen, vor allem, wenn sie manchmal etwas verworren sind und man gern Hinweise geben möchte, wie das zu vermeiden ist. Und dann die Noten . . .

Für Jugendliche, die gute erhalten, kein Problem. Wer aber gibt gern Noten, wenn sie nicht gut sind? – Ich vermute, vor dem habe ich mich immer jedes Jahr möglichst lange gedrückt, jedenfalls vor der letzten Serie der Arbeiten.

Wer weiß, vielleicht hängt das alles bei mir mit dem folgenden Thema zusammen:

In Meyer-Galows Buch Leben im Goldenen Wind, das ich nicht generell empfehlen möchte, weil es für mich doch einige Schwächen aufweist, es aber auf der anderen Seite zwei wertvolle Kostbarkeiten enthält und viele oft sehr ausführlich zitierte Buchpassagen, die dem ein oder anderen auch durchaus Anregungen sein könnten auf seinem Weg, den Goldenen Wind in sein Leben zu integrieren, findet sich jedenfalls eine Kostbarkeit, die ich außerordentlich wichtig finde - die zweite im Übrigen ist das zweiseitige Kapitel über den Goldenen Wind und dessen Symbolik.

Die erste Perle bezieht sich auf die Bedeutung des Vornamens und die Rolle des Nachnamens in unserem Leben. Meyer-Galow verweist auf Karlfried Graf Dürckheim, den 1988 in Todtmoos verstorbenen Diplomaten, Psychotherapeuten, Zen-Lehrer und weltweit gelesenen Buchautor, der immer sehr gerne gesagt habe:

Die wichtigste Aufgabe in meinem ganzen Leben war immer wieder die Frage: Wie kommt der Karlfried durch den Dürckheim?
Der Weise aus Todtmoos, der sein therapeutisches Zentrum im Schwarzwald gründete, wies darauf hin, dass der Vorname unser Wesen symbolisiere. Gemeint ist der Vorname, wie er im Stammbuch eingetragen ist, auf keinen Fall eine abgekürzte Version, womöglich eine indisch-esoterische Variante oder sonst etwas, was man gern sein oder wie man sich gern inszenieren möchte.

Der Nachname steht nach Meyer-Galow für das, was wir in der Welt erreicht haben, er bezeichnet ihn als "ICH in der Welt".

Schiller, für den das Thema der Unterscheidung von Sein und Schein ein zentrales Thema z. B. in seiner Maria Stuart war, würde ihn dem Schein zuordnen. Er beinhaltet unsere Rollen, die wir beruflich spielen, die Funktionen, die wir innehaben, was wir an Verpflichtungen übernommen haben, was eben alles der Nachname so generationenübergreifend beinhaltet und weitergibt: die Familie. Ein schwerer Packen!

Nicht, dass dieser Nach-Name grundsätzlich von unserem wahren Wesen getrennt sein muss - oft aber ist er es.

Nach Meyer-Galow sieht unsere persönliche Ausgangssituation in der Regel so aus:





Es heißt bei ihm:
Der dicke Strich unter Ihrem Namen ist Ihr ganzes Dilemma. Mit dem Strich trennen Sie Ihren Vornamen von Ihrem Nachnamen ab. Als Kind wurden Sie nur mit Ihrem Vornamen angesprochen. Sobald Sie erwachsen sind, spricht man Sie in der Regel nur mit Ihrem Nachnamen an. Der Nachname steht also gewissermaßen für das, was Sie in der Welt erreicht haben. Es symbolisiert Ihr ICH in der Welt. (...) Sie haben es gar nicht gemerkt, dass ihr ICH durch eine dicke Mauer zunehmend vom Wesen getrennt wurde (...) Es geht für Sie und für alle anderen Leserinnen und Leser um ENTGRENZUNG Ihres ICH.
Auf was Meyer-Galow nicht aufmerksam macht, ist, warum der Nachname, den er besser auch als Familienname bezeichnen würde, all die Normierungen enthält, die das ICH so stark machen und das Wesen reduzieren, minimieren: weil dieser Name für all die familiären Normierungen und Gesetzlichkeiten steht, die eine Familie mit sich bringt. Als Namensgeber gibt der Vater sein Bewusstsein weiter und, wenn er es nicht reflektiert hat, das Bewusstsein seiner ganzen Familie und all der Väter, die hinter ihm stehen.

Jede Familie hat ihre Gesetzlichkeiten, mittels deren festgelegt ist, wie gelobt wird, wie bestraft wird, wie Liebe praktiziert wird, wie über andere gesprochen wird, wie man dem Leben gegenüber tritt, ob offen und vertrauend oder vorsichtig, ja skeptisch. Und da in Mann und Frau, in Vater und Mutter zwei Familienkreise aufeinandertreffen, können sich Gesetzlichkeiten widersprechen oder - z. B. für die Kinder - sehr widersprüchlich sein. - So empfinden Kinder dann das Leben, empfinden dann, oft unbewusst, eine Unvereinbarkeit des Männlichen mit dem Weiblichen oder eine große Harmonie, ein wertvolles Sich-Ergänzen, ein Gemeinsam-stark-Sein.

Im Rahmen dieser familiären Gesetzlichkeiten ist also beileibe nicht alles schlecht, keineswegs, da kann z.B. ein überzeugendes Wertebewusstsein verankert sein, die Bereitschaft, in die Welt zu gehen und zu wirken.

Allerdings, in diesen althergebrachten Namen stecken auch die ganzen überholten Familienmuster drin, die uns unentrinnbar normieren, wenn wir ihnen nicht ihre Macht nehmen.

Und diese Muster sind mächtig, ja oft letztendlich todbringend, todbringend für unser Wesen.

Man sieht und spürt es Menschen oft an, wie wenig in ihnen wirklich lebt, wie viel in ihnen abgestorben ist. Erschütternde Beispiele der Macht von Familien finden wir immer wieder, man denke nur an Franz Kafkas Brief an seinen Vater, ein einziger Aufschrei nach Leben. – Nie abgesandt!

Familienstrukturen können Kindern die Luft zum Atmen nehmen. Nicht von ungefähr war Franz Kafkas Lunge so krank, musste er doch recht früh sterben.

Nicht in allen Familien sind, wie gesagt, diese Muster gleichermaßen stark. Meine Familie hatte jede Menge starker Muster!

Das alles kann dann dazu führen, dass die - überholten - gesellschaftlichen Muster so stark wirken können. Oft zementieren sie ja familiäre Muster endgültig.

Manchen lässt die Familie große Freiheiten. Solche Menschen gibt es auch; bisweilen haben sie es nicht leicht; sie werden sehr beneidet. In ihnen spiegelt sich ja eine Freiheit, die die meisten nicht haben.

Fortsetzung
hier

Sonntag, 14. März 2010

Wer verträgt die ganze Wahrheit über sich? - Die Wahrheit ist: NIEMAND!

Es ist schon eine Weile her, dass ich für viele Jahre regelmäßig nach Paris zu meinem Freund Bernard fuhr, einem ehemals exzellenten Balletttänzer und Körpertherapeuten. Von ihm habe ich viel über den menschlichen Körper gelernt und mein Körper hat viel gelernt. Bernard sah die Menschen an und wusste über sie Bescheid. Er verstand die Sprache des Körpers zu hören, zu lesen und hat mit Hilfe eines von ihm wieder entwickelten Verfahrens, das ursprünglich aus dem alten Ägypten stammt, Stück für Stück den Menschen, die mit ihm arbeiteten, Puzzleteile ihrer körperlichen Freiheit zurückgegeben. – Und damit auch ihrer seelischen.

Eines Tages hat er mir erklärt, dass es gar nicht möglich sei, alle Verspannungen des Körpers auf einmal zu lösen; kein Mensch könne das aushalten, er würde von der frei gesetzten Energie überflutet werden.

Damals war mir das ein völlig neuer Gedanke und ich habe nicht so recht verstehen können, was er meinte, wenn er davon sprach, dass er in den Sitzungen gewaltigen Energien ausgesetzt sei, wenn sie sich freisetzten; oft werden Menschen bekanntlich versteckt oder offen aggressiv, wenn etwas in ihnen zu Tage tritt, was sie nicht sehen wollen oder nur widerwillig ansehen können.

Heute möchte ich sagen: Jeder Mensch würde, wenn seine Energie in Gänze freigesetzt würde, von dieser entfesselten Energie zerissen werden. Wir ahnen nicht, wie viel von ihr in Verspannungen des Körpers und Verwerfungn der Seele gebunden ist. In diesen Bindungen steckt zugleich eine tiefe Weisheit und ein notwendiger Schutz.

Wer seine Seele und seinen Körper der Freiheit und Weisheit öffnen darf und kann, ist zudem zutiefst gefährdet. Denn er muss die zunehmende Offenheit des Körpers und der Seele schützen. Wird er doch immer empfindsamer.

Der Wahnsinn Nietzsches und Hölderlins beispielsweise und der frühe Tod vieler sensibler Künstler hängen damit zusammen, dass es damals kaum jemand gab, der ihnen helfen konnte; auch heute noch muss man das Glück haben, auf einen guten Therapeuten und/oder einen Menschen zu treffen, der nicht wertet, sondern hört, sieht, versteht, weil er vieles selbst erlebt hat; nicht umsonst war der Schmetterling in Griechenland Symbol der Seele; kaum etwas ist so verletzbar und zugleich schützenswert.

Niemand wird einen Steinway-Flügel auf eine Verkehrsinsel stellen, den wunderbaren Körper eines Balletttänzers wird niemand in einen Boxring beordern. Beides, beide würden zugrunde gehen.

So ist es mit der zarten Seele, sie sich von ihren Hornhäuten und Krebszellen befreien darf.


Wer sich jedoch zu Wahrheit und Weisheit, unendlicher Intuition und Gefühl Zugang verschafft und nicht reif dafür ist, geht zugrunde.

Das ist der Grund, warum so vielen Drogenopfern nicht zu helfen ist. Wer seine Seele mittels Drogen öffnet, erlebt zwar bisweilen ungeahnte Trips, aber er ist auch ungeahnt offen für dunkle Energien, die ihn überfluten. Kaum ein Therapeut wird ihm helfen können.

Deshalb sind viele Abhängige so gravierend abhängig; es ist nicht nur die körperliche Abhängigkeit …

Märchen haben dieser Tatsache bildhaften Ausdruck verliehen.

Wer sich das Sesam öffne Dich ergaunert, muss schlimmstenfalls sterben. Mit Ali Babas Bruder geschieht das und auch das Grimm-Märchen Simeliberg erzählt davon. Die Tür zum Berg ist die Tür zum eigenen Inneren; man muss wissen, wie man hineinkommt, damit man auch wieder heil hinauskommt, wenn es angesagt ist. Wenn man aber den Zugang findet - und bisweilen geschieht das zunächst über Träume - findet man wie Heinrich in Novalis´ Heinrich von Ofterdingen die Blaue Blume, zusammen mit dem Gral eines der höchsten Menschheitssymbole.

Im Grunde geschieht im Nibelungen-Lied Vergleichbares. König Gunther aus Worms erobert mit Hilfe Siegfrieds eine Frau, Brünhilde aus Isenstein, der er nicht gewachsen ist.

Aus der Eddha wissen wir, dass es in Wahrheit Siegfrieds eigene Frau ist, eine Walküre, die er für Gunther erobert. Nur Siegfried selbst ist ihrer Energie wirklich gewachsen. Doch er erkennt sie aufgrund eines ihm durch seine zukünftige Schwiegermutter verabreichten Vergessenstranks nicht mehr.

Diesen Hintergrund verschweigt das deutsche Nibelungenlied. Das Blutbad auf der Etzelburg und der Tod Siegfrieds sowie der Burgunden, das ganze Gemetzel des Schlusses also ist eine Folge der Tatsache, dass Gunther sich auf hinterhältige Weise, mit Hilfe der Tarnkappe Siegfrieds und dessen Kraft, Zugang zu einer Energie in Gestalt Brünhildes verschafft, die für ihn um ein vielfaches zu groß ist.

Wie die Schalen einer Zwiebel müssen Ring für Ring die Türen geöffnet werden, die den Menschen seiner inneren Wahrheit und Größe näher bringen. Wer das nicht berücksichtigt, muss die Konsequenzen tragen. Friedrich Schiller hat in seiner Ballade Das verschleierte Bild zu Sais dieser Tatsache ein literarisches Denkmal gesetzt.

Wer noch glaubt, im Unbewussten seiner Seele würden nur ein paar harmlose Fischchen herumschwimmen, keine Haie, Rochen und anderes Ungetier, sollte Schillers Taucher aufmerksam lesen, denn was der Knappe sieht, sind im Grunde die Seelentiefen eines jeden Menschen. Es ist das Verdienst von Hieronymus Bosch, diese Welt ins Bild gesetzt zu haben.

Zwei Seelen wohnen - und Goethe weiß, warum er hier ein "ach" einfügt - in unserer Brust ...

Mittwoch, 5. November 2008

Von den Wirklichkeiten des Wassers (II): Der sinkende Petrus - auch das sind wir!

Nie hätte Petrus gedacht, dass er einmal auf dem Wasser gehen würde, wiewohl er ein Typ Mann war, der sich eigentlich alles zutraute, der später, wenn er in eine Bredouille kommen wird, einem Soldaten ein Ohr abschlägt, der, wenn er ein Brot in die Hand nimmt, es spielend zum Brötchen macht.
Eben jedoch hat er noch gewaltig die Hosen voll, denn der Kahn, in dem er mit anderen Jüngern sitzt, schlingert gewaltig auf dem See und er weiß genau, dass für ihn als passioniertem Nichtschwimmer bei diesem Wellengang das Ufer kaum zu erreichen ist. Da, auf einmal, taucht auf dem Wasser ein Gespenst auf, das sich als Jesus entpuppt. 
Das nun imponiert Petrus gewaltig; so einfach auf dem Wasser zu gehen, das möchte er auch, und er sagt zu Jesus, er solle ihn zu sich kommen heißen. Diese Garantie nun wollte er doch haben, dass er sozusagen auf göttliche Aufforderung hin auf dem Wasser geht. Und tatsächlich sagt Jesus zu ihm: "Komm her!"
Dieses Geschehen hat eine reale  und eine symbolische Ebene.
Für erstere erhebt sich die Frage, ob sich alles wirklich so abgespielt hat. 
Eine Diskussion über diese Frage verstellt den Blick auf eine weitere, nächste Ebene, die wir erkennen, wenn wir Johann Wolfgang von Goethes Sicht auf die Wirklichkeit des Wassers verstehen, die er angesichts des Staubbachfalls im wunderschönen Lauterbrunnental niederschreibt:

Des Menschen Seele 
Gleicht dem Wasser ...

Wir wissen, dass bis ins Mittelalter hinein der Mensch in vier elementare Ebenen eingeteilt wurde: in die des Erdelements, die bis zu den Hüften sich erstreckte, die des Wassers - bis zum Solarplexus, der Luft (Brust, Lunge, Bronchien) und des Feuers, die also die Kopfzone erfasste.
Übrigens wurden auch die Evangelisten diesen Elementen zugeordnet:
Matthäus dem Element der Luft, welches in unmittelbarem Zusammenhang steht mit der Fähigkeit zu gedanklicher Kraft;
Markus dem des Feuers und dem Tierkreiszeichen des Löwen, was kein Wunder ist, leitet sich doch sein Name von dem lateinischen Gott Mars und seinen gewaltigen lichtvollen kriegerischen Kräften ab;
Lukas dem Element der Erde im Zeichen des Stieres und schließlich 
Johannes, ursprünglich im Zeichen des Skorpions dem Wasserelement zugeordnet. 
Dieser Jünger war der Lieblingsjünger Jesu, dessen Herzen er am nächsten lag, was in der Sprache der Bibel schlicht bedeutet, dass er dem großen göttlichen Herzen sich am meisten anverwandeln konnte. Johannes überwand die Gebundenheit an die Tierkreiszeichen, eine Aufgabe, von der auch Paracelsus spricht, wenn er meint, dass es gelte, den Himmel in uns zu reinigen. Nicht mehr in irgendeiner Form von den stellaren Konstellationen zum Zeitpunkt der Geburt abhängig zu sein, war das Ziel von Paracelsus, dem großen Arzt, und Johannes.
Das Zeichen des Adlers für den Lieblingsjünger Jesu weist auf seine Fähigkeit hin, Göttliches und Menschliches zu verbinden.

Zurück zu der Bedeutung des Wassers: 
Jesus ist der Meister des Wasserelementes, dem alle Gefühle zugeordnet sind. Ein Meister des Wassers kann in seine unendliche Tiefen tauchen, er kann darin schwimmen, er kann auf diesem Element gehen - wie er möchte. Alle Emotionen der Menschen sind ihm vertraut, nichts ist ihm unbekannt.
Die Symbolik des Auf-dem-Wasser-Gehens sagt uns: Jesus ist der Meister dieses Elementes, nicht sein Beherrscher, sondern sein Vertrauter.
Solange Petrus auf diesen Meister bei seinem Gehen über das Wasser schaut, ist er dessen Kraft und Fähigkeit teilhaftig. In ständigem Kontakt mit dem Meister ist er ein vollkommener Schüler.

In jenem Moment, als Petrus auf einmal diesen Windstoß, der da so heftig von der Seite kommt, spürt und meint, das Wasser kontrollieren zu müssen, indem er einen Blick seitwärts wirft, verliert er den Kontakt zu Jesus und säuft so schnell ab, dass er kaum mehr um Hilfe rufen kann.
Genau das geschieht uns tagtäglich, wenn wir zweifeln, wenn wir gespalten sind; denn das bedeutet Zwei-fel: in zwei gefaltet, gespalten zu sein.
Aller Zweifel zerreißt uns, trennt uns von uns selbst, von unserem inneren Kern, dem Himmel in uns.
Zweifel und Angst unterbrechen den Kontakt zum Göttlichen und schon trägt das Wasser nicht mehr; wir gehen in ihm unter. Strudel von Angst, von Neid,  von Hass und allen möglichen trüben Emotionen lassen uns in den Wassern der eigenen Seele schier untergehen. Und welche Erfahrungen man in den Tiefen des Wassers machen kann, hat niemand anders als Friedrich Schiller in seiner Ballade Der Taucher so überzeugend gestaltet.
Manche bleiben wie Narziss ewig an der Oberfläche, andere haben den Mut, die Seele zu erkunden.
Gut, wenn man wie der Edelknecht im Taucher mit einem goldenen Becher wieder auftauchen darf.

Wie wunderbar diese Verbindung zum Göttlichen sein und aussehen kann, wenn man unverwandt, wie Petrus zu Beginn, Jesus anschaut, hat die hochverehrte Ricarda Huch in einem der schönsten Sonette, die ich kenne, gestaltet:

Du warst in dieser götterlosen Zeit,
Wo trübe Träumer ohne Lichtgedanken
Wie leere Schiffe unterm Himmel schwanken,
Der Stern, der mich geführt hat und gefeit.

Die Spur, die du gegangen, zu betreten,
dass ich nicht irrte, war mein hohes Ziel.
Von irdischen Geschäften, Drang und Spiel
Trug mich empor das Glück dich anzubeten.

Wie nachts ein Segel steuernd heimatwärts
Der Leuchte zu die schweren Nebel spaltet
Und so gelenkt sich in den Hafen rettet,

Ging ich getrost, den Blick an dich gekettet,
Die Hände gläubig auf der Brust gefaltet,
Durch Flut und Dunkel an dein strahlend Herz.

Mittwoch, 11. Juni 2008

Das männlich-weiblich-göttliche Urwesen des Menschen: Seelenpartnerschaft und erste Ehe

Schade, dass Luther bisweilen die Bibel nicht wörtlicher übersetzt hat, wobei ich seine Übersetzungsleistung insgesamt absolut bewundere.


Aber dass er den Menschen des Öfteren viele Himmel vorenthalten hat, finde ich einfach bedauerlich, denn im Griechischen steht z. B.:


Vater unser, der du bist in den Himmeln …


Luther spricht in seiner Übersetzung leider nur von einem Himmel. Eine Unbedachtsamkeit mit Folgen liegt vor allem in der Übersetzung der ersten Schöpfungsgeschichte. Luther übersetzte:
Gott schuf den Menschen ihn zum Bilde,
zum Bilde Gottes schuf er ihn;
und er schuf sie, einen Mann und ein Weib.

In ihren Auswirkungen ist diese Übersetzung verhängnisvoll. Korrekt übersetzt muss die Stelle lauten:

Gott schuf den Menschen ihn zum Bilde,
zum Bilde Gottes schuf er ihn;
und er schuf sie, Mann-Frau
(männlich-weiblich zu übersetzen ist auch möglich). -

Im Hebräischen steht kein und, das dazu berechtigte, von Mann und Frau zu sprechen. Gott schuf nicht Mann und Frau; Gott schuf ein Wesen! Es war männlich-weiblich zugleich.Gott ist Geist, ein Geistwesen. Und er schafft den Menschen nach seinem Bilde, also schafft er ihn ursprünglich auch als Geistwesen. Dieses Geistwesen ist männlich-weiblich zugleich. Es gibt nur in der Vorstellung der Menschen diese Trennung, nämlich einen Herr Gott und eine Frau Gott (letztere ohnehin kaum … ernsthaft wirklich nur in der Frauenbewegung und in einer weiblichen Theologie).Ich persönlich vermisse ohnehin, dass es kein Mutter unser gibt, wohl aber ein Vater unser. Letztendlich hat das auf ungute Weise das Patriarchat bestätigt und zu der aggressiven Seite des Monotheismus beigetragen, die die Menschheit in viele Religionskriege geführt hat. Priester und Geistliche haben immer wieder Waffen gesegnet; vielleicht wäre ihnen das mit einem Ave Maria auf den Lippen und im Herzen schwerer gefallen, wenn nicht gar unmöglich gewesen.Gott als männlich-weibliches Wesen schafft den Menschen nach seinem Bilde, eben auch Mann-Frau, männlich-weiblich. Luther übersetzt hier m. E. eindeutig falsch. Das ursprüngliche Wesen des Menschen ist eine Einheit, keine Zweiheit.
Dieses männlich-weiblich-göttliche Wesen ist die erste Ehe.
In Bezug auf die oben angesprochene korrekte Übersetzung habe ich mich mehrfach vergewissert, u.a. bei meinem ehemaligen Hebräisch-Lehrer, der zu seiner Zeit damals in unserem Oberschulamtsbezirk das Hebraicum abnahm, also eine anerkannte Fachkraft war.
Im Wesen Gott sind beide Geschlechter angelegt bzw. vereint, sie sind eins, eine Einheit, einfältig, in Eins gefaltet.
Seit Urzeiten gehören zwei Wesensteile, die sich später trennen, zusammen – davon berichtet die zweite Schöpfungsgeschichte der Bibel; ich gehe in einem der nächsten Posts darauf ein. Auf diesem Hintergrund wird verständlich, warum es im Matthäusevangelium (Kap. 19,.6) und im Markusevangelium (Kap. 10,9) gleichermaßen anlässlich des Sakramentes der Ehe heißt:


Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.

Gott hat den Menschen als Yin-Yang-Wesen geschaffen, somit zusammengefügt; es gibt also das Wesen, das genau zu mir passt.
Luther, dem dieses Denken zu seiner Zeit durchaus fremd sein konnte (wenn auch nicht musste), verschleiert durch seine Übersetzung den richtigen Zugang zu unserem Wesen.
Intuitiv erfassen Dichter bisweilen den wahren Tatbestand, Schiller ist dafür ein Beispiel.
Seiner großen Liebe Laura schreibt er in einem seiner berühmten Laura-Gedichte:

Innig mir verbunden
Warst du in Äonen, die verschwunden;
Meine Muse sah es auf der trüben
Tafel der Vergangenheit geschrieben:
Eins mit deinem Lieben!

Und in innig festverbundnem Wesen,
Also hab´ ich´s staunend dort gelesen,
Waren wir ein Gott,ein schaffend Leben,
Und uns ward, sie herrschend zu durchweben,
Frei die Welt gegeben.
[Hervorhebungen durch mich]
Schiller weiß, dass er wie alle Menschen nun getrennt von seiner Liebe ist, deshalb klingt die letzte Strophe so schmerzlich:

Weine, Laura! dieser Gott ist nimmer,
Du und ich des Gottes schöne Trümmer,
Und in uns ein unersättlich Dringen
Das verlorne Wesen einzuschlingen,
Gottheit zu erschwingen.

Die Einheit des verlorenen Wesens möchte Schiller wieder erlangen. So, wie es ist, fühlt er sich sozusagen als Trümmerteil.
Auf die Institution Ehe und auf das, was bisweilen Dualseele oder Seelenpartnerschaft genannt wird, wirft dies ein bezeichnendes Licht, davon hier mehr.

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Samstag, 22. März 2008

Ostersamstag: Neu-Ausrichtung als Jüngstes Gericht




"Niedergefahren zur Hölle" - so heißt es im Apostolischen Glaubensbekenntnis.
Gibt es also eine ewige Verdammnis?

Gibt es eine Hölle? - Gibt es ein Jüngstes Gericht?Eine ewige Verdammnis gibt es nicht. Für mich nicht: Ein Gott der Liebe verdammt nicht auf ewig.
Das hätten einige Theologen gern, damit sie besser drohen und mehr Macht über ihre Mitmenschen haben können.Aber was hat es mit dem Jüngsten Gericht auf sich?
Gegenfrage: Kennt jemand ein Ältestes Gericht?
Noch nie gehört? - Ich auch nicht.
Warum nur wird ein Gericht so dezidiert als Jüngstes Gericht bezeichnet?Für mich ist das Jüngste Gericht etwas, was immer im Augenblick stattfindet.
Es ist so jung, jünger geht´s nicht. - Kein Wunder, dass die Jünger Jesu wohl darum wussten.
Immer in der Gegenwart entscheidet sich, wohin wir uns richten, nach was wir uns ausrichten.Gerichtet-Sein bedeutet, eine Ausrichtung haben - das ist die Bedeutung, die hinter dem Wort Gericht steht.
In erster Linie hat es gar nichts mit Strafe und Urteil zu tun.
Das Wort Gericht ist der Bedeutung des Wortes (aus)richten angeschlossen.
Derselben indogermanischen Sprachwurzel zugehörig ist das Wort recht, was u.a. gerade bedeutet. Weitere Wörter aus dieser Wurzel sind das Wort (sich) recken, lenken, Regent und andere mehr.

Das Jüngste Gericht ist etwas, was uns in der Gegenwart unmittelbar ausrichtet, wenn wir diese Instanz wahrnehmen.
Diese Ausrichtung lässt den Menschen zu jeder Zeit sich entscheiden zwischen einer Hinwendung zu dem niederen Teil seiner Seele und all dem Unrat, der im kollektiven Unbewussten gespeichert ist, oder er richtet sich aus in Richtung auf sein wahres Selbst: Friedrich Schiller spricht in Über Anmut und Würde vom "höhern Selbst".
Diese Ausrichtung ist sicherlich ganz entscheidend in dem Leben nach dem Leben. Wohin sich die Seele hier ausrichtet, dort verbringt sie ihre Zeit, bis sie in ein neues Leben eintritt. Daher mag die Bedeutung des Jüngsten Gerichtes, wie es weite Teile der Christenheit auffassen, kommen.
Ein Mensch, der hier in seinem Leben sich immer wieder neu auf seine wahre Bestimmung als Mensch ausrichtet, wird in seinem Leben im Jenseits nie absinken.

Wer aber hier immer unbewusst dahingelebt hat, läuft große Gefahr, sich jenen Ebenen anzuschließen, die wir als Hölle bezeichnen. Es sind Bewusstseinsebenen niederer Natur. Bis hin zu völliger Lichtlosigkeit. Dort verkümmern auch die Augen.
Der eigentliche Trugschluss vieler Menschen liegt darin zu glauben, dass es auf der Erde weder einen Himmel noch eine Hölle gäbe. - Wer hier um das Goldene Kalb tanzt, befindet sich seelisch gesehen in der Hölle, auch wenn die Gier nach Events das eine Weile überdecken kann.
Irgendwann jedoch platzt jede Seifenblase.
Der Überlieferung nach geht Jesus zwischen seiner Kreuzigung und seiner Auferstehung in jene oben angesprochenen lichtlosen Bereiche.
Mancher mag dort sein Licht für eine Fata Morgana gehalten haben, manche mögen die Gunst der Stunde genutzt haben. Auch dies war für sie dann ein Jüngstes Gericht, die Möglichkeit einer Neu-Ausrichtung.

Für mich hat eine Kirche, die mit Pseudo-Wahrheiten wie Schuld und Sünde und Strafe und Ewige Verdammnis operiert, dazu beigetragen, dass die Menschen ihre Wahrheit in sich aus den Augen verloren haben.

Deshalb ruft Angelus Silesius:

Halt an, wo laufst Du hin,
der Himmel ist in Dir.
Suchst Du ihn anderswo,
Du fehlst ihn für und für.

Warum soll ich an Strafe, Schuld und Sünde glauben, wenn der Himmel in mir ist?
Auf was ich mich ausrichte, das ist meine Richtung, mein Jüngstes Gericht.


Ob Himmelreich, ob Hölle - darüber entscheide ich, quasi stündlich.


Donnerstag, 28. Februar 2008

Hölderlins ´Unerkannte´ ist seine Walküre


Friedrich Hölderlin (1770-1843) suchte seine Walküre und er glaubte sie in der Frau des Frankfurter Bankiers Jakob Gontard gefunden zu haben, dessen Kinder er als Hauslehrer unterrichtete. Doch als jener von des Hauslehrers Liebe zu seiner Frau Susette erfuhr, musste Hölderlin sehr schnell diese Stelle aufgeben.
In seinem Briefroman Hyperion hat er Susette Gontards in der Gestalt Diotimas gedacht, ebenso in einigen ergreifend geschriebenen und zum Teil mit Diotima überschriebenen Gedichten.

Wir verdanken dieser Liebe innige Worte, denn Hölderlin wusste um das ganz tiefe Geheimnis ihrer Beziehung, wenn er schreibt:


Eh ich Dir die Hand gegeben,
Hab ich ferne Dich gekannt.

Das Bewusstsein um jenes ferne Kennen der wahren, großen Liebe finden wir bei Schiller, bei Goethe, bei Novalis und seiner blauen Blume, bei E.T.A. Hoffmann, Hermann Hesse, Ödon von Horváth und einigen anderen ebenfalls wiedergegeben. Wir werden deren Ausgestaltungen über die Tiefen der Liebe peu à peu hier im Blog zur Sprache bringen.

Nach seinem letzten Treffen mit Susette-Diotima trieb Hölderlin unaufhaltsam dem Wahnsinn zu und ein gnädiges Geschick hat Sorge getragen, dass ihm der Tübinger Tischler Ernst Zimmer 36 Jahre lang - so lange lebte der aus Lauffen am Neckar stammende Dichter in geistiger Verwirrung - Unterschlupf und Pflege gewährte in jenem Hölderlinturm am Neckarufer, den man noch heute besichtigen kann.
Hölderlins hymnischer Stil ist in der deutschen Lyrik einmalig geblieben und die abendländische Literatur verehrt ihn als einen ihrer Größten.

Der studierte Theologe, der nie Pfarrer werden, sondern Dichter sein wollte und Hofmeister sein musste, wusste, dass ihm in Susette Gontard jene Frau begegnet war, die seiner Walküre gleicht.
Eine Vereinigung zweier solcher Seelen ist die wahre Ehe, von der es in der Bibel heißt:


Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.

Es ist dies die Ehe, für welche gilt: Wie im Himmel so auf Erden.
In der nordischen Mythologie sind Walküren Göttinnen angeblich eher niederen Ranges, welche die auf dem Schlachtfeld gefallenen Helden mitsamt ihrer Rüstung ins Reich der Toten führen. Insgeheim sind sie, die Walküren, weit mehr.
Hölderlin, dieser so sensitive Mensch, wusste um die Bedeutung von ihnen, sonst hätte er nicht in An die Unerkannte geschrieben, dass jene Unerkannte im Kampfe uns besänftigend den Harnisch löst. Das ist ein Bild der Walkürensprache. Walküren verkörpern das ganzheitliche, wahre Selbst in uns, dessen sich die meisten Menschen nicht mehr bewusst sind. - Es existiert außerhalb von Raum und Zeit.


Einige seiner Verse, die er seiner Diotima widmete, weisen auf jenes innere Wissen hin:

Ach! an deine stille Schöne,
Selig holdes Angesicht!
Herz! an deine Himmelstöne
ist gewohnt das meine nicht;
Aber deine Melodien
Heitern mählig mir den Sinn,
Dass die trüben Träume fliehen,
Und ich selbst ein andrer bin;
Bin ich dazu dann erkoren?
Ich zu Deiner hohen Ruh,
So zu Licht und Lust geboren,
Götterglückliche! wie du? -