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Dienstag, 28. Dezember 2010

Herodes - Mordenergie gegen innere Kinder



























Bei Wikipedia lese ich, dass der Kindermord historisch nicht belegt ist:
> Als Kindermord in Bethlehem wird der biblischen Überlieferung nach der Mord an allen Jungen Bethlehems auf Befehl König Herodes des Großen bezeichnet. Laut dem Matthäusevangelium soll Herodes nach Jesu Geburt alle Knaben ermordet haben. [...] Der christlichen Tradition nach werden die Opfer mit dem Begriff Unschuldige Kinder bezeichnet. Wissenschaftlich wird die Geschichte allgemein angezweifelt, da diese Tat durch keine weitere Quelle historisch belegt ist und auch niemals belegt werden kann. […]
Während die griechische Liturgie 14.000 ermordete Knaben nennt und mittelalterliche Autoren bis zu 144.000 Opfer annahmen, sprachen spätere Theologen […] auf Grund der anzunehmenden Größe des Ortes Bethlehem zu biblischen Zeiten nur noch von etwa sechs bis zwanzig erschlagenen Kindern. […]
Es ist zwar belegt, dass Herodes der Große ein so striktes und grausames Regiment geführt hat, und dass er neben Dutzender politischer Gegner sogar einige seiner Verwandten ermorden ließ. Bei dem jüdisch-römischen Historiker Josephus, der alle bekannt gewordenen Verbrechen des Herodes besonderes ausführlich dargestellt hat, wird von einem Kindermord in Bethlehem allerdings nichts berichtet.


Ich sollte mal versuchen, den Wikipedia-Artikel zu erweitern, um aufzuzeigen, dass diesbezüglich, wie fast immer in der Bibel, eine tiefe symbolische Bedeutung verborgen liegt.
Leider muss man hier sagen, denn: Herodes ist oft ein Teil von uns.
Wäre mal interessant zu verfolgen, wie vor diesem Hintergrund die Wikipedia-interne Diskussion verläuft, wenn dieser Aspekt eingebracht wird. – Vielleicht mach ich das mal und dokumentiere es hier.
Bezeichnend ist doch allemal, wie Menschen reagieren, wenn sie mit sich konfrontiert werden, genauer: mit einem Teil von sich.


Man kann ihn, diesen Teil, umbringen.


Wie Herodes die Kinder.


Wie Sophisten, Pharisäer und andere Sokrates, Jesus, Johannes Hus, Giordano Bruno, Mahatma Gandhi, Martin Luther King, Frère Roger, Benazir Buttho …
In Benazir Buttho haben Menschen die Hoffnung auf Weiblichkeit im Umgang miteinander töten wollen. - Gott sei Dank stirbt die Hoffnung nie ...

Herodes ist ein Teil von uns.
Deutlich wird das, wenn wir Menschen begegnen, bei denen es diese Herodeskräfte geschafft haben, ihre inneren Kinder zum Schweigen zu bringen, ja zu töten [falls das möglich ist; irgendwie hoffe ich, dass es nicht möglich ist].


Dann nämlich wird der Erwachsene zum Herodes.

So, wie jemand, dem man zu viel Scham eingeimpft hat, zur Schampersönlichkeit werden kann, so kann jemand, bei dem die Herodeskräfte mehr und mehr die Persönlichkeit dominieren, zum Herodes selbst werden. –
Und wehe, so jemand ist Lehrer … auch das gibt es leider.
Welches Kind da nicht den Rücken krumm macht, das wird rund gemacht, oft unter maßgeblicher Beteiligung der Eltern. Bis die Persönlichkeitsstruktur bis zur Unkenntlichkeit verbogen ist.

Wie nun haben wir uns diesen Teil in uns, den wir als Herodes bezeichnet haben, jenen ganz und gar lieblosen Erwachsenen vorzustellen und was hat es mit dem inneren Kind auf sich?
Die folgenden Informationen habe ich mit leichten eigenen Veränderungen dem - wie ich finde - zweitbesten Buch zum Thema > Inneres Kind <, Erika J. Chopichs und Margaret Pauls "Aussöhnung mit dem inneren Kind" entnommen:

> Unser inneres Kind ist jener Persönlichkeitsteil in uns, der das ganze Spektrum intensiver Gefühle - Freude und Schmerz, Glück und Traurigkeit erlebt. Das innere Kind lebt in der Sphäre von Sein, Fühlen und Erleben, die der rechten Gehirnhälfte zugeordnet ist.
Im Gegensatz dazu steht der Erwachsene, der über das Machen, Denken und Handeln der linken Gehirnhälfte gebietet, zugleich aber eben­falls über eine ganze Skala von Gefühlen verfügt. »Tun« be­zieht sich auf die äußere Welt und auf Aktivität, während »Sein« sich auf die Existenz auf einer inneren, emotionalen und spirituellen Ebene bezieht. »Tun« ist eine äußere Erfahrung, während »Sein« eine innere Erfahrung ist. [...]
In unserem inneren Kind sind die Gefühle, Erinnerungen und Erfahrungen aus der Kindheit gespeichert, an die wir uns zurückerinnern können, wenn wir versuchen, von ihm zu lernen.
Wir können das Kind auf unterschiedliche Weise betrachten: als Kind, das vom inneren Erwachsenen geliebt wird, und als Kind, das nicht geliebt, das kritisiert, vernachlässigt und vom inneren Erwachsenen verlassen wird. Es gibt aber nur ein einzi­ges inneres Kind. Zu jedem Zeitpunkt wird dieses Kind vom inneren Erwachsenen entweder geliebt oder nicht geliebt, und seine Gefühle und sein Verhalten resultieren direkt daraus, ob der innere Erwachsene die Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle des Kindes kennenlernen und die Verantwortung für sie über­nehmen möchte oder ob er sich vor diesem Wissen und dieser Verantwortung schützen will.
Wenn der innere Erwachsene sich davor schützen möchte, die Gefühle und Bedürfnisse des Kindes wahrzunehmen und es ablehnt, die Verantwortung für sie zu übernehmen, dann trennt er sich durch die verschiedenen Formen von Selbstanklage, Vernachlässigung und Bequemlichkeit von seinem inneren Kind. 


Auch Herodes wollte sich vor solchen Herausforderungen schützen.
Auch Herodes fühlte sich bedroht. - Bedroht durch ein Kind, das Liebe in die Welt brachte.
Der lieblose Erwachsene, genannt Herodes, sah sein Regime gefährdet. Dieser Verunsicherung begegnete er radikal.
Radikal wollte er sich von allen Kindern entsprechenden Alters trennen. - Damit er sich der Herausforderung des göttlichen Kindes nicht stellen muss, der Liebe.
Wenn das Kind erwachsen ist, werden die Menschen den Erwachsenen umbringen, damit sie sich der Herausforderung jenes Kindes, das in ihm lebt, nicht stellen müssen: der Liebe.
Geschehen auf Golgatha.

Zurück zu dem Erwachsenen auf dem Herodesweg: Er entscheidet sich dafür, keine Verantwortung für die Freude des Kindes zu überneh­men. Er misst Aufgaben, Regeln, Verpflichtungen und Scham- und Schuldgefühlen einen größeren Wert bei als dem Gefühl, in Kontakt mit sich selbst zu sein.
Der lieblose Erwachsene spaltet so das innere Kind ab und lässt es durch seine Entschei­dung, ein autoritärer oder gleichgültiger Elternteil zu sein, im Stich.
Wenn der lieblose Erwachsene autoritär ist, dann ist er kritisch, verurteilend, herabsetzend und/oder kontrollierend.
Der lieblose Erwachsene sagt sowohl seinem inneren Kind als auch einem Kind in seiner Lebenswirklichkeit, dass es schlecht, falsch, unzulänglich, dumm, selbstsüchtig oder unwichtig sei, und erklärt seine Gefühle für unwichtig. Er versucht, das Kind zu kontrollie­ren, indem er ihm sagt, was es tun sollte oder nicht tun sollte, und hält ihm all die schlimmen Dinge vor, die passieren kön­nen, wenn es etwas »nicht richtig« macht.
Der lieblose Er­wachsene sagt dem Kind, dass es nur dann liebevoll sei, wenn es sich selbst aufopfere, und dass es selbstsüchtig sei, sich selbst glücklich zu machen. [...]

Der lieblose Erwachsene, der lieblose Gebote der El­tern und der Gesellschaft verinnerlicht hat, zwingt dem inne­ren Kind Regeln auf, die nach Melody Beattie u.a. in folgenden Glaubensmustern ihren Niederschlag finden - eine Auswahl:

• Spüre deine Gefühle nicht, und sprich nicht über sie.
• Denke nicht, suche nicht nach Lösungen und triff keine Entscheidungen - du weißt möglicherweise nicht, was du willst oder was das Beste für dich ist.
• Nimm Probleme nicht wahr, erwähne sie nicht und löse sie nicht - es ist nicht gut, welche zu haben, vertusche sie besser; Du wirkst sonst nur schwach.
• Sei gut, anständig, perfekt und stark.
• Sei nicht, wer du bist, denn das ist nicht gut genug.
• Sei nicht egoistisch, stelle dich nicht an die erste Stelle, sage nicht, was du willst oder brauchst, sage nicht nein, setze keine Grenzen, und sorge nicht für dich - sorge immer für andere.
• Verletze die Gefühle der anderen nicht; mache sie nicht wütend.
• Sei nicht lustig oder albern, und genieße dein Leben nicht - es kostet Geld, macht Lärm und ist nicht nötig.
• Vertraue nicht dir selbst, deinem höheren Selbst, dem Prozeß des Lebens oder bestimmten Menschen - setze statt dessen Vertrauen in betrügerische Menschen; reagiere dann überrascht, wenn sie dich hereinlegen.
• Sei nicht offen, ehrlich oder direkt - sprich in Andeutungen, manipuliere, bringe andere dazu, für dich zu sprechen. Er­rate, was sie wollen und brauchen, und erwarte von ihnen, dass sie dasselbe für dich tun.
• Komme niemandem nahe - du machst dich dadurch verletz­bar.
• Störe das bestehende System nicht, indem du wächst oder dich veränderst.
• Mache immer ein fröhliches Gesicht, egal wie du dich fühlst oder was du zu tun hast.

Unser liebloser Erwachsener zwingt diese Regeln und falschen Überzeugungen unserem inneren Kind fortwährend auf und setzt somit die Lieblosigkeit, die er selbst in seiner Kindheit erfahren hat, permanent fort. Sowohl der autoritäre als auch der gleichgültige innere Er­wachsene geben dem inneren Kind das Gefühl, ungeliebt und im Stich gelassen zu sein. Das Kind folgert daraus, dass es schlecht, falsch, nicht liebenswert, fehlerhaft, unwichtig, unbe­deutend und unzulänglich sei, und diese falschen Überzeugun­gen erzeugen Gefühle von Angst, Scham und Schuld. Der lieblose Erwachsene ist im Allgemeinen ein Abbild der Lieblosigkeit seiner Eltern, Großeltern, Geschwister, Lehrer, geistlichen Führer oder anderer Rollenvorbilder und Autori­tätspersonen. Wir alle neigen dazu, auf dieselbe Art auf unser inneres Kind zu reagieren wie unsere Eltern oder Bezugsperso­nen, und somit erzeugen wir immerfort aufs Neue unseren Schmerz und das Gefühl des Getrenntseins. Wir können unser inneres Kind auf dieselbe Art kritisieren, anlügen, beschuldigen oder abwerten, wie wir selbst als Kind kritisiert, angelogen, beschuldigt und abgewertet worden sind, und wir benutzen dazu oft dieselben Worte, Sätze und Handlungen.

Im Folgenden finden wir einige der falschen Glaubensmuster, die wir vielleicht verinnerlicht haben, als wir dem Einfluss unserer Eltern ausgesetzt waren:

• Ich kann mich selbst nicht glücklich machen. Ich kann mich selbst nicht so glücklich machen, wie jemand anders oder etwas anderes es könnten. Ich kann nicht selbst für mich sorgen.
• Ich verdiene es gar nicht, glücklich zu sein.
• Ich kann mit Schmerz nicht umgehen, besonders mit dem Schmerz der Ablehnung und des Verlassenseins, dem Schmerz meines Alleinseins.
• Andere sind für meine Gefühle verantwortlich, und ich bin für ihre Gefühle verantwortlich.
• Ich kann selbst kontrollieren(!), wie sich die anderen mir gegenüber fühlen und wie sie mich behandeln.
• Mich selbst glücklich zu machen ist egoistisch und deshalb falsch.
• Der Kern meines Wesens ist schlecht, falsch, nicht liebens­wert oder sonstwie fehlerhaft.

Solange wir aus diesen falschen Überzeugungen heraus han­deln, werden wir es möglicherweise nicht schaffen, uns unserem inneren Kind gegenüber liebevoll zu verhalten. Wir werden keine Verantwortung für unsere eigenen Gefühle übernehmen und uns nicht für das Lernen entscheiden.

Deshalb: ein klares NEIN dem HERODESWEG. Ein klares JA zum Weg des "ICH BIN", zum Weg der Selbstliebe, ohne die keine wahre Liebe möglich ist.

Liebe soll kein Opfergang sein; das ist sie ohne Selbstliebe.
Selbstliebe soll kein Selbstzweck sein; das ist sie ohne Liebe.

Liebe und Selbstliebe sind das Yin und Yang göttlichen Seins.


Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Hallo liebe Barbara, ich freu mich, wenn Du mich besuchst. Hab das Drama vorgestern um Deine Website-Revision mitbekommen und so gut nachvollziehen können, wie es Dir ging. Vielleicht ist es ja ein Wink, dass Du noch eine Veränderung vornimmst, an die Du gar nicht gedacht hast; vielleicht betrifft es das Verhältnis von Wort und Bild ...
Das Buch kauf ich mir auf jeden Fall, großen Dank für den Tipp. Ich bin immer froh, wenn meine eigenen Gefühle von früher Worte finden, das ist ja so wichtig ... ich hatte eine ziemlich schlimme Kindheit, ein bigottes Elternhaus ...
Und natürlich bin ich froh, wenn ich Kinder auch in der Schule besser verstehe; das eine hängt eh mit dem anderen zusammen.
Liebe Grüße von Johannes
Gibt´s eigentlich in Deinem Blog einen Eintrag am Barbaratag? - Kann mich gar nicht dran erinnern ... wahrscheinlich hast Du das schon früher mal gemacht, find das nur so faszinierend mit dem Zweig und so ... :-)

Johannes hat gesagt…

Ich glaub da an mehr, weil ich auch denke, dass uns Heilige begleiten - so wie es ja z.B. Hermann Hesse im Steppenwolf auch sieht (mit Mozart und Goethe als "Unsterblichen") - wenn wir wollen ... das ist ihr "Job".
Die Energie dieser Heiligen Barbara ist für mich von echt großer Bedeutung; welchen Heiligen gibt es, dessen Symbol an Weihnachten blüht ... überleg mal ... :-)
find ich echt eine Wucht!
Heilige Barbara :-))