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Dienstag, 1. September 2015

Herz im Himmel!

Wenn jemand von sich sagt, er liege im Gras und sein Herz sei im Himmel - wo ist es dann?
Da oben sind doch nur Gase und Gesteinsbrocken und eine Atmosphäre, in der wir nicht leben können.
Der Engländer spräche hier von sky.
Jemand aber, der sagt, sein Herz sei im Himmel, der spricht doch von heaven.

Warum aber glauben wir fast selbstverständlich, dass der Dichter den Menschen, der da im Gras liegt - es kann eine Frau, es kann ein Mann sein - sicherlich in den Himmel nach oben schauen lässt?

Weil wir mit den Augen gewohnt sind, nach außen zu schauen. 

Deshalb schauen wir nach oben, zu den Sternen. Sonst würden wir nach innen schauen. Da aber suchen wir den Himmel so ohne Weiteres nicht, obwohl er eigentlich da nur sein kann. - Oder?

Es gibt noch einen anderen Grund: Wenn wir schauen, vor allem, wenn wir mit dem Herzen schauen, dann tun wir das wie ein Kind. Und das singt:




Weißt du, wie viel Sternlein stehen
An dem blauen Himmelszelt
Weißt du, wieviel Wolken gehen
Weit hin über alle Welt 
Gott der Herr hat sie gezählet 
Dass ihm auch nicht eines fehlet 
An der ganzen großen Zahl.


Unser inneres Kind interessiert nicht, was da oben wirklich ist. Und da ist ja ohnehin viel mehr, als wir wissen; schließlich wissen wir und kennen nach wissenschaftlicher Auffassung ungefähr fünf Prozent vom sky.

Und ein Kind singt auch:


Wer hat die schönsten Schäfchen?
Die hat der goldne Mond,
der hinter unsern Bäumen
am Himmel droben wohnt.


Übrigens die erste Strophe eines Liedes, das der Dichter des Deutschlandliedes Hoffmann von Fallersleben schrieb.

Wie ich darauf kam? 
Weil mir ein Gedicht von Arno Holz - er lebte von 1863 bis 1929 - über den Weg lief und ich basserstaunt war, von ihm, den ich als naturalistischen Dichter par excellence, mir bekannt durch Drama und Prosa, die er mit Johannes Schlaf zusammen verfasste, vom Studium her noch kannte, solche Zeilen zu lesen. Sie stammen aus seinem als Weltgedicht konzipierten Gedichtzyklus Phantasus, der sein Weltbild präsentieren und die inneren Kräfte vermitteln sollte, die diese Welt ausmachen, wobei es weit mehr als 3000 Seiten umfasste. 
Arno Holz war mit seinen Ansichten und seinen literarischen Plänen ein hochinteressanter Mann, der es allerdings nie bis in die vorderste Reihe seiner Dichterkollegen brachte; für seine Entwicklung aber mag jenes Leben um die Jahrhundertwende eminent wichtig gewesen sein - nun aber zu seinem Gedicht:


Hinter blühenden Apfelbaumzweigen,
steigt der Mond auf.

Zarte Ranken,
blasse Schatten, 
zackt sein Schimmer in den Kies.

Lautlos fliegt ein Falter.

Ich strecke mich selig ins silberne Gras
und liege da
das Herz im Himmel!


Die letzte Zeile berührt zutiefst, weil sie einen Bogen spannt von der Erde zum Himmel und zurück.
Das ist einfach auch ein berührender Gedanke, dass jemand sein Herz im Himmel habe, obwohl er auf der Erde im vom Mond beschienenen Gras liegt.
Irgendwie denkt man, es hat dies alles mit Liebe zu tun, mit einer persönlichen, vielleicht aber auch mit einer kosmischen.

Das Herz im Himmel jedenfalls, das mag man mitnehmen als eine Vorstellung, die weniger Gedanken als vielmehr Gefühle auslöst und die jedem Herzen und der Brust, in der es schlägt, guttun.

Zugleich lassen mich die Worte und Gedanken dieses Gedichtes diesen Arno Holz, dessen Herz jetzt hoffentlich im heaven schlägt, auf ganz neue Weise wahrnehmen.
Wie viele Menschen lebten und leben unter uns, von denen wir nichts wissen und per Zufall - weil es uns zufällt - etwas von ihnen erfahren, was viel zu schade ist, vergessen zu werden.

Montag, 6. Januar 2014

Träume, unsere Himmelsleiter zwischen Unbewusstem und Bewusstsein, oben und unten, Himmel und Erde.

Gestern morgen, auf der Autobahn Richtung Würzburg unterwegs, hörte ich "zufällig" Bayern 1 als die Evangelische Morgenfeier kam, mit dem Titel, der mich sofort faszinierte:

Träume - die zweite Sprache Gottes.

Seit ich vor vielen Jahren ein Traumtagebuch geführt habe und unglaubliche Erfahrungen in Sachen Träumen machte - z.B. nahm ich mit der Zeit wahr, dass ich manchmal mehrere Träume zeitgleich träumte, oder dass ich etwas träumte, was Jahre später genau so eintrat, dass ich in einem Traum wie in der Hölle war, in einem anderen im Himmel, davon an anderer Stelle und später mehr - bin ich von Träumen wirklich fasziniert.
Und den Titel der Sendung fand ich einfach genial.

Weniger genial finde ich, dass Pfarrer Andreas Ebert seine Sendung auf einem angeblichen Goethe-Zitat, nämlich dass Träume Schäume seien, aufbaut. Ich habe es nicht als Goethe-Zitat gefunden und kann es mir auch nicht vorstellen, dass es der weise Alte aus Weimar gesagt oder geschrieben haben soll. Das war gewiss nicht seine Auffassung von Träumen.
Vielleicht verwechselt Herr Ebert es mit einer Stelle aus dem Heinrich von Ofterdingen von Novalis, jenes Büchlein, in dessen Mittelpunkt die blaue Blume steht. Dort sagt nämlich der Vater zu Heinrich, dem jugendlichen Protagonisten der Handlung, als dieser mal wieder geträumt hat, dass Träume Schäume seien, wobei wohl fast jeder weiß, dass Novalis gewusst hat, dass er hier den Vater nur ein Sprichwort wiedergeben lässt, denn Novalis selbst, wie im Grunde allen Romantikern, war kaum etwas heiliger als Träume.
In der ansonsten, wie ich finde, guten und inspirierenden Morgenfeier finden wir natürlich Hinweise zu den Josephsträumen, als also jener die schwangere Maria verlassen will, was im Übrigen echt lieb von ihm war, weil er nicht sie der öffentlichen Schande preisgegeben sehen wollte - schließlich konnte sie ja nur von einem Fremden schwanger sein, sondern ihr zuliebe selbst gehen wollte, dann aber ein Engel erscheint, der ihn darauf hinweist, dass Maria vom Heiligen Geist schwanger ist - was auch immer das bedeuten und wie es sich vollzogen haben mag; oder als Joseph die Information im Traum erhält, dass er nach Ägypten fliehen müsse, um Maria und seine Kind zu retten.
Bewundernswert, welchen Stellenwert für Joseph Träume gehabt haben müssen, dass er ihnen solch ein Vertrauen entgegenbringt.


Träume retten Leben

Träume, so sagte Andreas Ebert, seien in der Weihnachtsgeschichte Gottes Mittel und Weg, Leben zu retten. Echt schön gesagt.

Einer meiner absoluten Lieblingsträume ist der Jakobs, als er auf der Flucht vor seinem Bruder Esau erschöpft einschläft, im Traum eine Himmelsleiter sieht, auf der Engel auf und niedersteigen, am oberen Ende er aber Gott wahrnehmen darf, worauf er diese Stätte Beth-El nennt, und vom Haus Gottes spricht und dieses zugleich Pforte des Himmels nennt.
So wichtig ist mir dieser Traum, weil ich mich damals im Zusammenhang mit dem Heiligen Gral mit heiligen Steinen beschäftigt hatte; Jakob aber hatte, bevor er einschlief - seltsam, dass das die Bibel erwähnt, wo es doch scheinbar eine Nebensächlichkeit ist -, einen Stein des Ortes genommen, den er zu seinen Häupten legte.
Dieser Traum Jakobs, so sagte Andreas Ebert, ist gleichsam ein Traum übers Träumen:

Unsere Träume verbinden wie die Himmelsleiter oben und unten, Himmel und Erde. Sie überraschen uns. Sie rütteln uns auf, wenn wir dabei sind, ins Verderben zu laufen. Mit anderen Worten: Auch wenn wir uns innerlich verirren, Gott kennt noch einen Weg zu uns, zu unserer Seele. Jakob muss fliehen, weil er seinen Bruder betrogen hat. Da begegnet ihm im Traum Gott als einer, der ihn dennoch segnet und der ihm verspricht, ihn auch in die Fremde zu begleiten.

Und auch die folgende Passage fand ich klasse:

Auch scheinbar banale Träume sind sinnvoll. Sie helfen uns, die unverdauten Reste des Tagesgeschehens 
zu verarbeiten. Nachts, wenn wir träumen, geschieht in unserer Seele ein Heilungs- und Klärungsprozess, selbst wenn wir uns an den konkreten Traum nicht erinnern können.
Solche Träume könnte man mit einem Photonegativ vergleichen. All das, was tagsüber hell und klar ist und im Vordergrund steht, dunkelt sich ab und tritt in den Hintergrund. Alles, was wir übersehen oder verdrängen, all das, was tagsüber sozusagen im Schatten steht, wird beleuchtet. Das trägt dazu bei, dass unser Inneres heiler und geeinter werden kann und wir uns keine Illusionen machen über uns selbst.


Zum Abschluss zitierte der Pfarrer noch den Wüstenmönnch Evagrius aus dem 4. Jahrhundert nach Christus, der ein großer Seelenkenner gewesen sein muss:

Ob unsere Leidenschaften, unser Zorn, unser Neid, unsere Furcht, unser Stolz, unsere Trägheit wirklich geheilt sind, das zeigen uns unsere Träume. So lange uns beim Träumen all diese Begierden überfallen, ist unsere Heilung und Versöhnung noch nicht in der Tiefe abgeschlossen - und wir können Gott bitten, uns noch tiefer zu befreien und zu reinigen.

Diese Sendung animiert mich, in der Folge ab und an etwas aus meinem Traumtagebuch zu erzählen, von Träumen, in denen ich einem Tiger begegnete, in Stuttgart von einem Polizisten erschossen wurde oder Schüler schlug. Davon allerdings habe ich an anderer Stelle schon erzählt und wer mag, mag schon mal lesen: Wenn ein Lehrer Kinder schlägt - innere Kinder in unseren Träumen.

Es ist nicht so schlimm, wie es klingt :-))

Freitag, 28. Dezember 2012

215 Millionen Kinder arbeiten in Minen, Steinbrüchen und Fabriken in aller Welt. – Hilf den Kindern Indiens!

Indien ist das Weltzentrum der Kinderarbeit – fünfjährige Kinder werden an Menschenhändler verkauft, zur Arbeit gezwungen, missbraucht und geschlagen.

Eine AVAAZ-Aktion  zur Unterstützung indischer Kinder.

Samstag, 7. April 2012

Löwen sollen Lämmer werden ... Über die Kraft der Liebe


   Denn der Ew´ge herrscht auf Erden,
   Über Meere herrscht sein Blick;
   Löwen sollen Lämmer werden,
   Und die Welle schwankt zurück;
   Blankes Schwert erstarrt im Hiebe;
   Glaub´ und Hoffnung sind erfüllt;
   Wundertätig ist die Liebe,
   Die sich im Gebet enthüllt.

Kein Zufall, dass diesen Gesang drei Menschen singen, Vater, Mutter, Sohn.
Es ist der Gesang, der ein unglaubliches Geschehen begleitet: Ein Kind bezähmt einen Löwen mit seinem Gesang und seinem Flötenspiel.

Ein Feuer war ausgebrochen, ein Tiger und ein Löwe waren entsprungen.

Den Tiger hatte ein junger Edelmann mit seiner Pistole erschossen. Nicht notwendig, wie sich später erwies. Nicht nur, dass dieser Tiger der Schausteller-Familie, die ihn mit sich führte, gehorchte. Er war ein wunderbares Tier, der schönste Tiger seiner Art.
Doch Honorio war in Leidenschaft zur Fürstin entbrannt, und als der Tiger sich auf diese zubewegte, erkannte er nicht - vielleicht konnte er auch nicht erkennen, dass dieser für die Fürstin, in die er verliebt war, keine Gefahr war.
Er erschoss ihn.
Der Tiger, möglicherweise ein Opfer für menschliche Leidenschaften.

Der Löwe hatte sich in die alte Stammburg des Fürsten zurückgezogen. Auch er sollte liquidiert werden. Doch die oben erwähnten Fremden, Menschen aus einer anderen Welt, in völliger Übereinstimmung mit der Natur lebend, konnten den Fürsten überzeugen, dass der Löwe dem Knaben gehorche.

Und so war es auch.

Goethes Novelle ist hochsymbolisch. Unglaublich weise gibt sie Auskunft über das Verhältnis von Kunst und Natur, von Altem und Neuem, von Realem und Idealem, von Leidenschaften und deren Überwindung.

Sie lehrt, wie wir Menschen leben könnten und wenn man sie liest, ahnt man, was es mit der deutschen, der Weimarer Klassik auf sich hat; in ihr und in dem Alterswerk Goethes geht es darum, wie Ideale, wie Ideales, wie die höhere Natur des Menschen sich in unserem Leben verwirklichen lässt.

In dem Kind spiegeln sich die Eigenschaften unserer inneren Kindes, wenn es von ihm und dem Löwen, der knapp am Knie des Kindes hinliegt, heißt:
"... und wirklich sah das Kind in seiner Verklärung aus wie ein mächtiger siegreicher Überwinder, jener zwar nicht wie der Überwundene, denn seine Kraft blieb in ihm verborgen, aber doch wie der Gezähmte, wie der dem eigenen friedlichen Willen Anheimgegebene. Das Kind flötete und sang so weiter, nach seiner Art die Zeilen verschränkend und neue hinzufügend:

   Und so geht mit guten Kindern
   Sel´ger Engel gern zu Rat,
   Böses Wollen zu verhindern,
   Zu befördern schöne Tat.
   So beschwören, fest zu bannen
   Liebem Sohn ans zarte Knie
   Ihn, des Waldes Hochtyrannen,
   Frommer Sinn und Melodie.

Frömmigkeit und Liebe gehen bei Goethe immer Hand in Hand, und wer so lebt, dem sind, wie diesem Knaben und z.B. Daniel in der Löwengrube - und Dir, liebe Leserin, lieber Leser, wenn Du willst - Löwen zugetan.

* Euch allen wünsche ich ein löwenstarkes Osterfest *

über den Zauber des inneren Kindes und die Novelle hier mehr

Sonntag, 19. Februar 2012

Innerhalb der eigenen Zeit sein. – Über Menschen, die viel stöhnen müssen.

Nicht alle Menschen stöhnen laut. Viele, die uns durchs Leben begleiten, kurzzeitig oder länger, die uns nahe stehen oder weniger nahe, stöhnen innerlich. Wenn sie sich unbeobachtet wähnen, sieht man auf ihrem Gesicht einen gequälten Zug oder sie gehören zu denen, bei denen jede Anforderung, die an sie herantritt, als Erstes auslöst, diese abzulehnen.
Das ist sozusagen ein natürlicher Reflex, der auf einer Abwehr gegen vermeintliche Überforderung basiert.
Subjektiv ist diese Überforderung da – sie kann mehrere Ursachen haben. Eine davon kann sein, dass dieser Mensch außerhalb seines Lebensskriptes läuft – dazu ein andermal mehr. 
Eine weitere kann sein, dass er generell außerhalb seiner Lebenszeit läuft, ein Leben lang nie in seiner korrekten Lebenszeit sich befindet, das heißt, schon als Kind, womöglich schon als Säugling, aus ihr herauskatapultiert wurde.
Lebenszeit, damit wir uns nicht falsch verstehen, bezieht sich hier nicht auf die Dauer des Lebens, sondern auf die Qualität des Lebens. Und, was noch hinzukommt: Jeder Mensch hat seine ganz individuelle, ureigene Lebenszeit und Lebensqualität; nicht bei zwei Menschen ist sie gleich (wie es bei Seelenpartnern ist, ist eine andere Frage).

Wieviel Bruttosozialprodukt einer Gesellschaft aufgrund der oben angedeuteteten Tatbestände verloren geht, weil eben Menschen nicht annähernd an ihr Leistungsvermögen herankommen können, ist mit Sicherheit unbeschreiblich.


Bruttosozialprodukt ist kein Kriterium für mich; dennoch sind solche Kriterien wichtig, weil unsere derzeitigen Politiker vor allem auf Ökonomisches anspringen; wenn sie aus diesen Gründen die Lebenszeit-Qualität der Menschen in den Blick nehmen würden, wäre das auch erst mal recht. Damit könnte auch einer seelischen Perspektive eine Bresche geschlagen werden - denn sie ist das Entscheidende.


Jemand der außerhalb seiner Lebenszeit und seines Lebensskriptes läuft, kann nur gespielt glücklich sein oder glücklich sein in ganz kurzen Momenten.

Mir geht es hier und heute um das mehr oder wenige kurzzeitige Herausfliegen aus der Lebenszeit.
Vom Gefühl her ist das so, wie wenn Sie 100 Meter laufen sollen und es geht nicht richtig vorwärts. Es ist, als ob Ihnen ein Deuserband um den Körper gezurrt ist, das am Startblock festgemacht ist.

Seinen Namen hat dieses Band von einem 1993 verstorbenen Physiotherapeuten, der nicht nur für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft erfolgreich tätig war, sondern der auch auf dem Gebiet der Arbeit mit elastischen Bändern - man kann eigentlich sagen - Weltruf erlangte.

Jedenfalls: Wenn Sie 100 Meter laufen mit Deuserband, festgemacht am Startblock, dann ist Ihr Gefühl so, dass, je weiter Sie sich von Ihrem Ausgangspunkt entfernen, je mehr Sie arbeiten, werkeln, tun, es Sie desto intensiver zurückzieht. Irgendwann haben Sie womöglich das Gefühl, dass da was zum Zerreißen gespannt ist.

Das ist kein Zustand !
Aber: Wenn Sie außerhalb Ihrer Zeit laufen, dann ist das so. Dann ist der Energieaufwand, den Sie betreiben müssen, um vorwärts zu kommen, unglaublich hoch, ganz ungesund! Deshalb ist es meist auch nur eine Frage der Zeit, wenn dieser Zustand längere Zeit währt, dass Menschen krank werden, die Nase voll haben, einen Schnupfen kriegen - das ist dann die harmlosere Variante eines Signals. 

Wie fliegt man aus seiner Lebenszeit?
Meist sind es alte Verletzungen aus der Kindheit, die sich aktualisieren. Und da diese Verletzungen des inneren Kindes in aller Regel unbewusst sind, ist es schwer, ohne sachkundige Hilfe an die Ursache zu kommen. Allein aber, wenn wir uns der Tatsache bewusst sind, dass das die Ursache sein kann und wir willens sind, sie zu finden, geben wir unserem Unbewussten die Anweisung, uns zu helfen, die Ursache ans Tageslicht zu spülen.

Es kann genauso auch sein, ein Kollege lässt eine Bemerkung fallen, die oberfies ist, die Sie womöglich (vor allem, wenn Sie gern Ihre Gefühle verdrängen) gar nicht als Verletzung identifizieren. Das ist dann, wie wenn ein Giftpfeil Ihre Haut ritzt ...
Es gilt der Satz John Bradshaws: Man kann nur heilen, was man fühlt ... !!!

Die Frage ist, wie komme ich wieder in meine Zeit?
Novalis hätte sich mit der Bitte um Hilfe an seine Blaue Blume als Symbol seiner höchsten Innerlichkeit genannt, die Schiller als Höheres Selbst bezeichnet hat.
In der Tat. Religiöse Menschen werden sich an Gott oder Engel mit der Bitte um Hilfe wenden.
Andere werden mit positiven Autosuggestionen arbeiten.

Was auf jedenfall zu tun ist: Stirn - Hinterkopf halten.
Das kann man selbst tun: Man legt eine Hand an die Stirn unterhalb des Haaransatzes, die andere legt man um den Hinterkopf - nach einiger Zeit kann man die Hände wechseln.
Das ist eine aus der Kinesiologie bekannte Stressreduktion, wobei dieser Begriff m. E. nicht korrekt ist: Es ist mehr als eine Reduktion. Diese Übung kann dazu führen, dass die Meridiane, die durch die Verletzung rausgeflogen sind bzw. total ungleichgewichtig arbeiten, sich wieder balancieren. – Diese Hilfe kann auch ein Anderer Ihnen geben. Wenn es ein liebender Mensch ist, werden Sie es ziemlich schnell spüren, Ihr Atem verändert sich, sie werden auf einmal intensiv ein- und ausatmen (oft nur einmal, und Sie haben zu recht das Gefühl, alles hat sich gelöst) ... alles Signale, dass Sie wieder zurückkehren.
(Alle Eltern sollten an diesen Griff denken, wenn Ihr Kind sich verletzt hat, weint, erschüttert ist, mit einer schlechten Note heimgekommen ist ... es kann sein, dass es sich danach einfach hinlegt und schläft ... )

Sicherlich ist es notwendig, wenn dieser Zustand überdauert, Hilfe aufzusuchen, sich vielleicht auch Zeit zu nehmen, wieder zu sich zu finden durch einen Urlaub, eine Kur, etwas Neues, was man angeht, dass man z.B. einen Tai-Chi-Kurs beginnt, eine Familienaufstellung macht, regelmäßig schwimmen geht, früher ins Bett geht, den Schlaf auf neue Weise schätzt ...

Darüber habe ich jetzt noch gar nicht geschrieben: dass Menschen aus ihrer Zeit fliegen, weil sie wider den natürlichen Rhythmus agieren, die Nacht zum Tag machen, dem Unbewussten der Nacht ausweichen ... dazu ein andermal mehr.

PS: Wenn ich in meiner Zeit bin, geht mir alles leicht von der Hand ... wie selbstverständlich ... ich treffe die richtigen Menschen am richtigen Ort, weil ich selbst zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin. Wer das steuert, wenn es stimmig ist? Meine Blaue Blume - wie Novalis schreiben würde, mein Höheres Selbst - wie es Schiller nannte, oder, wie die Germanen gesagt hätten: yggdrasil in mir  :-))

Sonntag, 7. August 2011

Auf dem wehenden Banner Phantasiens gesehen

   
                ♨


Ein Kinderzimmer voller Licht gesehen

Farben aus Gold und Weiß

mit Legierungen von Rot und Gelb

Kinder die spielen und sich freuen

innere Kinder von Erwachsenen

Erwachsene die Freude zulassen

aus Freude an der Freude


Wolken aus Freude wie Kaskaden von Licht


Blitze von Licht und Freude

Ein innerer Kinderspielplatz der Sanftmut

für innere Kinder von Erwachsenen


Kinderzimmer des Friedens

Kindergärten der Güte

Kinderzimmer und Kinderspielplätze der Zukunft

manchmal schon in unserer Gegenwart


für eine Welt voller

Menschlichkeit



                ♨



Samstag, 5. März 2011

Vom Kind im Mann. Es hat viele Gesichter und spielt viele Spiele, vor allem Verstecken.

Wenn Papa mit der Märklin-Eisenbahn spielt, glänzen seine Augen. Und der Sohn muss dann die Eisenbahn auf einmal nicht alleine auf aufbauen, auch wenn der Vater bei den Hausaufgaben noch sagte: "Stell Dich nicht so doof an, das musst Du schon selbst rausbekommen!"
Beim Aufbau der Eisenbahn wird der Sohn zur Randfigur und das innere Kind des Vaters übernimmt die Regie. Und will das Kind Sohn stören, dann gibt´s im übertragenen Sinn eins auf die Finger, wie in den besten Revierkämpfen im Sandkasten des Spielplatzes.
Oder wenn die Kinder Fußball spielen und der Vater sich auf einmal den Ball schnappt und übergewichtig herumtrickst ... da zeigt sich der Bub, das Kind im Mann, bevor es gleich wieder in Deckung geht, obwohl es den Papa die ganze Zeit in den Beinen juckt mitzuspielen.
Dieses innere Kind - im Grunde ist es ja nur eine Facette, haben wir doch viele innere Kinder in uns - ist ja nicht wirklich frei und lebt nicht wirklich.
Wie sehr sich diese inneren Kinder danach sehnen gelebt zu werden, habe ich auf Theaterfortbildungen des Oberschulamtes erlebt. Wenn Erwachsene, Lehrer, anfangen zu improvisieren, zu spielen, dann blühen sie unglaublich auf, und manche Schüler würden staunen über manche Lehrerin und manchen Lehrer,  wie der sich verwandeln und originell und kreativ sein kann. Jemanden, den sie sonst nur als trockenen Lehrer kennen.
Im Alltag aber sind diese Kinder wieder weggesteckt, versteckt.
Dahinter kann unter anderem die Angst stecken, mit etwas umzugehen, was man nicht mehr unter Kontrolle haben könnte, was dann immer wieder sich meldet oder mit dem dann wirkliche Kinder auch spielen wollen.
Der Erwachsene, der in Einheit mit seinem inneren Kind lebt, hat keine Angst davor, dass dieses innere Kind, wenn es sich zeigt, ein angsteinflößendes Eigenleben führen könnte.
Was der Erwachsene aber nicht weiß, und was unser Verständnis der Wirklichkeit 2011 in der Gesellschaft noch nicht wahrgenommen hat:
Wirklich erwachsen ist nur jemand, der im Einklang mit seinem inneren Kind lebt, der es hört, wenn es etwas möchte, der ihm auch notwendige Grenzen zeigt, wenn es sich auf ungute Weise ausleben will, der Verständnis für es hat und es versteht und mit ihm Vereinbarungen trifft; beide aber leben.
Innere Kinder bedeuten ja weit mehr als Spielfreude. Innere Kinder sind unsere Intuition, unser Glaube an das Leben.
Oder hat jemand ein achtjähriges Kind schon nach dem Sinn des Lebens fragen hören oder sagen:
"Jetzt bin ich acht Jahre alt und mein Leben plätschert dahin ..."
So denkt ein Kind nicht, weil sich das Denken (noch) nicht vom Fühlen abgespalten hat und von dem Wunsch nach Er-Leben und Er-Fahrung.
Natürlich gibt es auch das Kind in der Frau.
Aber seltsam, dass man im Volksmund vom Kind im Mann spricht, nicht aber vom Kind in der Frau ...
Auf meinem Blog zum Inneren Kind gebe ich die Kurzgeschichte Ilse Aichingers wieder, überschrieben Das Fensterheater.
Gut, es ist ein Alter, dessen inneres Kind sich hier zeigt, und alten Menschen fällt es leichter, dieses wieder zu zeigen. Aber selbstverständlich ist das auch nicht. Allemal aber ist diese Geschichte lesenswert; sie lässt uns spüren, wie sehr unser inneres Kind leben will, nicht das trotzige, jähzornige, das manchmal aus uns herausbrechen mag, oder das gelähmte, sich langweilende, um Leben röchelnde, sondern das Kind, dass das Leben liebt, weil es lebt.

Dienstag, 28. Dezember 2010

Herodes - Mordenergie gegen innere Kinder



























Bei Wikipedia lese ich, dass der Kindermord historisch nicht belegt ist:
> Als Kindermord in Bethlehem wird der biblischen Überlieferung nach der Mord an allen Jungen Bethlehems auf Befehl König Herodes des Großen bezeichnet. Laut dem Matthäusevangelium soll Herodes nach Jesu Geburt alle Knaben ermordet haben. [...] Der christlichen Tradition nach werden die Opfer mit dem Begriff Unschuldige Kinder bezeichnet. Wissenschaftlich wird die Geschichte allgemein angezweifelt, da diese Tat durch keine weitere Quelle historisch belegt ist und auch niemals belegt werden kann. […]
Während die griechische Liturgie 14.000 ermordete Knaben nennt und mittelalterliche Autoren bis zu 144.000 Opfer annahmen, sprachen spätere Theologen […] auf Grund der anzunehmenden Größe des Ortes Bethlehem zu biblischen Zeiten nur noch von etwa sechs bis zwanzig erschlagenen Kindern. […]
Es ist zwar belegt, dass Herodes der Große ein so striktes und grausames Regiment geführt hat, und dass er neben Dutzender politischer Gegner sogar einige seiner Verwandten ermorden ließ. Bei dem jüdisch-römischen Historiker Josephus, der alle bekannt gewordenen Verbrechen des Herodes besonderes ausführlich dargestellt hat, wird von einem Kindermord in Bethlehem allerdings nichts berichtet.


Ich sollte mal versuchen, den Wikipedia-Artikel zu erweitern, um aufzuzeigen, dass diesbezüglich, wie fast immer in der Bibel, eine tiefe symbolische Bedeutung verborgen liegt.
Leider muss man hier sagen, denn: Herodes ist oft ein Teil von uns.
Wäre mal interessant zu verfolgen, wie vor diesem Hintergrund die Wikipedia-interne Diskussion verläuft, wenn dieser Aspekt eingebracht wird. – Vielleicht mach ich das mal und dokumentiere es hier.
Bezeichnend ist doch allemal, wie Menschen reagieren, wenn sie mit sich konfrontiert werden, genauer: mit einem Teil von sich.


Man kann ihn, diesen Teil, umbringen.


Wie Herodes die Kinder.


Wie Sophisten, Pharisäer und andere Sokrates, Jesus, Johannes Hus, Giordano Bruno, Mahatma Gandhi, Martin Luther King, Frère Roger, Benazir Buttho …
In Benazir Buttho haben Menschen die Hoffnung auf Weiblichkeit im Umgang miteinander töten wollen. - Gott sei Dank stirbt die Hoffnung nie ...

Herodes ist ein Teil von uns.
Deutlich wird das, wenn wir Menschen begegnen, bei denen es diese Herodeskräfte geschafft haben, ihre inneren Kinder zum Schweigen zu bringen, ja zu töten [falls das möglich ist; irgendwie hoffe ich, dass es nicht möglich ist].


Dann nämlich wird der Erwachsene zum Herodes.

So, wie jemand, dem man zu viel Scham eingeimpft hat, zur Schampersönlichkeit werden kann, so kann jemand, bei dem die Herodeskräfte mehr und mehr die Persönlichkeit dominieren, zum Herodes selbst werden. –
Und wehe, so jemand ist Lehrer … auch das gibt es leider.
Welches Kind da nicht den Rücken krumm macht, das wird rund gemacht, oft unter maßgeblicher Beteiligung der Eltern. Bis die Persönlichkeitsstruktur bis zur Unkenntlichkeit verbogen ist.

Wie nun haben wir uns diesen Teil in uns, den wir als Herodes bezeichnet haben, jenen ganz und gar lieblosen Erwachsenen vorzustellen und was hat es mit dem inneren Kind auf sich?
Die folgenden Informationen habe ich mit leichten eigenen Veränderungen dem - wie ich finde - zweitbesten Buch zum Thema > Inneres Kind <, Erika J. Chopichs und Margaret Pauls "Aussöhnung mit dem inneren Kind" entnommen:

> Unser inneres Kind ist jener Persönlichkeitsteil in uns, der das ganze Spektrum intensiver Gefühle - Freude und Schmerz, Glück und Traurigkeit erlebt. Das innere Kind lebt in der Sphäre von Sein, Fühlen und Erleben, die der rechten Gehirnhälfte zugeordnet ist.
Im Gegensatz dazu steht der Erwachsene, der über das Machen, Denken und Handeln der linken Gehirnhälfte gebietet, zugleich aber eben­falls über eine ganze Skala von Gefühlen verfügt. »Tun« be­zieht sich auf die äußere Welt und auf Aktivität, während »Sein« sich auf die Existenz auf einer inneren, emotionalen und spirituellen Ebene bezieht. »Tun« ist eine äußere Erfahrung, während »Sein« eine innere Erfahrung ist. [...]
In unserem inneren Kind sind die Gefühle, Erinnerungen und Erfahrungen aus der Kindheit gespeichert, an die wir uns zurückerinnern können, wenn wir versuchen, von ihm zu lernen.
Wir können das Kind auf unterschiedliche Weise betrachten: als Kind, das vom inneren Erwachsenen geliebt wird, und als Kind, das nicht geliebt, das kritisiert, vernachlässigt und vom inneren Erwachsenen verlassen wird. Es gibt aber nur ein einzi­ges inneres Kind. Zu jedem Zeitpunkt wird dieses Kind vom inneren Erwachsenen entweder geliebt oder nicht geliebt, und seine Gefühle und sein Verhalten resultieren direkt daraus, ob der innere Erwachsene die Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle des Kindes kennenlernen und die Verantwortung für sie über­nehmen möchte oder ob er sich vor diesem Wissen und dieser Verantwortung schützen will.
Wenn der innere Erwachsene sich davor schützen möchte, die Gefühle und Bedürfnisse des Kindes wahrzunehmen und es ablehnt, die Verantwortung für sie zu übernehmen, dann trennt er sich durch die verschiedenen Formen von Selbstanklage, Vernachlässigung und Bequemlichkeit von seinem inneren Kind. 


Auch Herodes wollte sich vor solchen Herausforderungen schützen.
Auch Herodes fühlte sich bedroht. - Bedroht durch ein Kind, das Liebe in die Welt brachte.
Der lieblose Erwachsene, genannt Herodes, sah sein Regime gefährdet. Dieser Verunsicherung begegnete er radikal.
Radikal wollte er sich von allen Kindern entsprechenden Alters trennen. - Damit er sich der Herausforderung des göttlichen Kindes nicht stellen muss, der Liebe.
Wenn das Kind erwachsen ist, werden die Menschen den Erwachsenen umbringen, damit sie sich der Herausforderung jenes Kindes, das in ihm lebt, nicht stellen müssen: der Liebe.
Geschehen auf Golgatha.

Zurück zu dem Erwachsenen auf dem Herodesweg: Er entscheidet sich dafür, keine Verantwortung für die Freude des Kindes zu überneh­men. Er misst Aufgaben, Regeln, Verpflichtungen und Scham- und Schuldgefühlen einen größeren Wert bei als dem Gefühl, in Kontakt mit sich selbst zu sein.
Der lieblose Erwachsene spaltet so das innere Kind ab und lässt es durch seine Entschei­dung, ein autoritärer oder gleichgültiger Elternteil zu sein, im Stich.
Wenn der lieblose Erwachsene autoritär ist, dann ist er kritisch, verurteilend, herabsetzend und/oder kontrollierend.
Der lieblose Erwachsene sagt sowohl seinem inneren Kind als auch einem Kind in seiner Lebenswirklichkeit, dass es schlecht, falsch, unzulänglich, dumm, selbstsüchtig oder unwichtig sei, und erklärt seine Gefühle für unwichtig. Er versucht, das Kind zu kontrollie­ren, indem er ihm sagt, was es tun sollte oder nicht tun sollte, und hält ihm all die schlimmen Dinge vor, die passieren kön­nen, wenn es etwas »nicht richtig« macht.
Der lieblose Er­wachsene sagt dem Kind, dass es nur dann liebevoll sei, wenn es sich selbst aufopfere, und dass es selbstsüchtig sei, sich selbst glücklich zu machen. [...]

Der lieblose Erwachsene, der lieblose Gebote der El­tern und der Gesellschaft verinnerlicht hat, zwingt dem inne­ren Kind Regeln auf, die nach Melody Beattie u.a. in folgenden Glaubensmustern ihren Niederschlag finden - eine Auswahl:

• Spüre deine Gefühle nicht, und sprich nicht über sie.
• Denke nicht, suche nicht nach Lösungen und triff keine Entscheidungen - du weißt möglicherweise nicht, was du willst oder was das Beste für dich ist.
• Nimm Probleme nicht wahr, erwähne sie nicht und löse sie nicht - es ist nicht gut, welche zu haben, vertusche sie besser; Du wirkst sonst nur schwach.
• Sei gut, anständig, perfekt und stark.
• Sei nicht, wer du bist, denn das ist nicht gut genug.
• Sei nicht egoistisch, stelle dich nicht an die erste Stelle, sage nicht, was du willst oder brauchst, sage nicht nein, setze keine Grenzen, und sorge nicht für dich - sorge immer für andere.
• Verletze die Gefühle der anderen nicht; mache sie nicht wütend.
• Sei nicht lustig oder albern, und genieße dein Leben nicht - es kostet Geld, macht Lärm und ist nicht nötig.
• Vertraue nicht dir selbst, deinem höheren Selbst, dem Prozeß des Lebens oder bestimmten Menschen - setze statt dessen Vertrauen in betrügerische Menschen; reagiere dann überrascht, wenn sie dich hereinlegen.
• Sei nicht offen, ehrlich oder direkt - sprich in Andeutungen, manipuliere, bringe andere dazu, für dich zu sprechen. Er­rate, was sie wollen und brauchen, und erwarte von ihnen, dass sie dasselbe für dich tun.
• Komme niemandem nahe - du machst dich dadurch verletz­bar.
• Störe das bestehende System nicht, indem du wächst oder dich veränderst.
• Mache immer ein fröhliches Gesicht, egal wie du dich fühlst oder was du zu tun hast.

Unser liebloser Erwachsener zwingt diese Regeln und falschen Überzeugungen unserem inneren Kind fortwährend auf und setzt somit die Lieblosigkeit, die er selbst in seiner Kindheit erfahren hat, permanent fort. Sowohl der autoritäre als auch der gleichgültige innere Er­wachsene geben dem inneren Kind das Gefühl, ungeliebt und im Stich gelassen zu sein. Das Kind folgert daraus, dass es schlecht, falsch, nicht liebenswert, fehlerhaft, unwichtig, unbe­deutend und unzulänglich sei, und diese falschen Überzeugun­gen erzeugen Gefühle von Angst, Scham und Schuld. Der lieblose Erwachsene ist im Allgemeinen ein Abbild der Lieblosigkeit seiner Eltern, Großeltern, Geschwister, Lehrer, geistlichen Führer oder anderer Rollenvorbilder und Autori­tätspersonen. Wir alle neigen dazu, auf dieselbe Art auf unser inneres Kind zu reagieren wie unsere Eltern oder Bezugsperso­nen, und somit erzeugen wir immerfort aufs Neue unseren Schmerz und das Gefühl des Getrenntseins. Wir können unser inneres Kind auf dieselbe Art kritisieren, anlügen, beschuldigen oder abwerten, wie wir selbst als Kind kritisiert, angelogen, beschuldigt und abgewertet worden sind, und wir benutzen dazu oft dieselben Worte, Sätze und Handlungen.

Im Folgenden finden wir einige der falschen Glaubensmuster, die wir vielleicht verinnerlicht haben, als wir dem Einfluss unserer Eltern ausgesetzt waren:

• Ich kann mich selbst nicht glücklich machen. Ich kann mich selbst nicht so glücklich machen, wie jemand anders oder etwas anderes es könnten. Ich kann nicht selbst für mich sorgen.
• Ich verdiene es gar nicht, glücklich zu sein.
• Ich kann mit Schmerz nicht umgehen, besonders mit dem Schmerz der Ablehnung und des Verlassenseins, dem Schmerz meines Alleinseins.
• Andere sind für meine Gefühle verantwortlich, und ich bin für ihre Gefühle verantwortlich.
• Ich kann selbst kontrollieren(!), wie sich die anderen mir gegenüber fühlen und wie sie mich behandeln.
• Mich selbst glücklich zu machen ist egoistisch und deshalb falsch.
• Der Kern meines Wesens ist schlecht, falsch, nicht liebens­wert oder sonstwie fehlerhaft.

Solange wir aus diesen falschen Überzeugungen heraus han­deln, werden wir es möglicherweise nicht schaffen, uns unserem inneren Kind gegenüber liebevoll zu verhalten. Wir werden keine Verantwortung für unsere eigenen Gefühle übernehmen und uns nicht für das Lernen entscheiden.

Deshalb: ein klares NEIN dem HERODESWEG. Ein klares JA zum Weg des "ICH BIN", zum Weg der Selbstliebe, ohne die keine wahre Liebe möglich ist.

Liebe soll kein Opfergang sein; das ist sie ohne Selbstliebe.
Selbstliebe soll kein Selbstzweck sein; das ist sie ohne Liebe.

Liebe und Selbstliebe sind das Yin und Yang göttlichen Seins.


Sonntag, 5. September 2010

Michael Endes "Unendliche Geschichte": Ein spirituelles Juwel mit unendlich wichtigen Hinweisen für die seelische Entwicklung des Menschen

In den kommenden Monaten werde ich noch einiges zu der Unendlichen Geschichte veröffentlichen (es wird unter dem tag Die unendliche Geschichte - s. Ende des Posts - abrufbar sein).

Ich möchte meine Leser darum bitten, spirituell nicht gleich esoterisch zu setzen, wie das viele immer wieder tun.
Lateinisch spiritus bedeutet ja Atem, Hauch, Seele, Geist, Leben.
An Hand dieser Bedeutungen wird bereits deutlich, dass im Grunde alles, was lebendige Wesen tun, spirituell ist, insbesondere, wenn dies im Zusammenhang mit ihrer seelischen Entwicklung geschieht. 
In diesem Sinne verwende auch ich dieses Adjektiv.

In Phantásien breitet sich das NICHTS aus, wie der Leser der Unendlichen Geschichte weiß, und die kindliche Kaiserin, die Regentin Phantásiens, ist in höchster Gefahr. Damit sind aber auch die Menschen auf ihrer menschlich-irdischen Ebene in höchster Gefahr - dazu ein andermal mehr.
Um die kindliche Kaiserin zu retten, bedarf es eines Helden, der ihr einen neuen Namen gibt. Sie findet ihn in Atréju. Dieser junge Held geht auf seine Mission und das Wie seines Aufbruchs erinnert an die Bibel und an die Tatsache, wie die künftigen Jünger Jesu zu dessen Nachfolgern werden: Angesprochen von ihm  lassen sie alles stehen und liegen und folgen ihm nach, eine erste Voraussetzung, um jünger zu werden, Jünger.
Zur Erinnerung: Die Märchenhelden sind immer die Jüngsten unter ihren Geschwistern!

Seinen Auftrag erhält Atréju von der kindlichen Kaiserin durch Caíron - wir kennen den Zentauren Cheiron, auch Chiron genannt, aus der griechischen Mythologie als gerechten und gütigen Sohn des Kronos; Chiron gilt als Vater der Heilkunst. Dieser überbringt ihm ein goldenes Amulett, das die kindliche Kaiserin dem Zentauren mit den Worten übergab: "Geh und suche Atréju auf (...) Ich setz all mein Vertrauen auf ihn (...) Frage ihn, ob er für mich und Phantásien die Große Suche auf sich nehmen will." Und Caíron setzt hinzu: "Ich weiß nicht, warum ihre Wahl auf dich gefallen ist. Vielleicht kann nur ein kleiner Junge wie du diese unmögliche Aufgabe lösen."

In der Tat, so ist es. Erwachsene sind in der Regel Bedenkenträger, die alles hin und herwenden und nicht mehr in der Lage sind, die Stimme des Herzens zu vernehmen.

Nicht, dass Atréju mit seinen 10 Jahren ein kleiner Haudrauf gewesen wäre, auch er denkt spontan, dass diese Aufgabe für ihn zu schwer sei.
Doch als ihm Caíron AURYN überreicht, das goldene Amulett, das er fortan um den Hals tragen wird - das er allerdings auch im Verlauf der Geschichte unter dramatischen Umständen und mit dramatischen Folgen verlieren wird -, spürt sein Herz durch diese Gabe der kindlichen Kaiserin, den Ruf, es heißt in der Geschichte:
"AURYN!", wiederholte Atréju ehrfürchtig. "Ich will mich des Kleinods würdig erweisen. Wann soll ich aufbrechen?"
 

Caíron wird ihm sagen, dass er sofort aufbrechen soll, und das ohne Abschied.
Und Atréju wird Folge leisten. Er kann noch Ehrfurcht empfinden, etwas, was Herzen von Erwachsenen oft nicht mehr empfinden können.

Haben Sie, lieber Leser, in Ihrer Kindheit Märchen gelesen und lesen Sie - falls Sie Kinder haben - diesen Märchen vor? Es wäre unendlich wichtig, denn eine Aufgabe, warum die großen Grimm-Märchen der Menschheit anvertraut wurden, besteht darin, dass sie den Helden in den Kindern wachrufen und ihn stärken, damit das Kind auf seine Große Suche gehen kann.

Dabei ist es sogar wichtig, dass ein Kind das Märchen hört oder selbst liest und nicht eine Verfilmung sieht, denn seine Seele muss seine ureigenen Bilder aufrufen. Diese - nicht die Bilder anderer, die es in Filmen sieht - tun ihre große Wirkung! (Doch ein Film ist immer noch besser als NICHTS.)


Held sein zu können ist eine Voraussetzung, die Große Suche zu beginnen.

Eine weitere ist, Kind sein zu können. Kind werden, das können auch Erwachsene in einem ganz positiven Sinne, so wie ich das für die Jünger des Franz von Asissi in meinem letzten Post im Rahmen meines Blogs zum Inneren Kind aufgezeigt habe.

Doch eine Voraussetzung ist auch, dass wir uns um unsere inneren Kinder in uns gekümmert haben, denn viele von ihnen haben großen Kummer, so großen, dass Mensch
en insgesamt die Stimme des Herzens nicht mehr hören können.

Manche Menschen arbeiten unbewusst an und mit ihnen; man kann diese Arbeit enorm verstärken, indem man sich bewusst um sie kümmert und dem traumatisierten, ungeliebten inneren Kind (immer sind es eigentlich viele innere Kinder entsprechend der vielen in unserer Kindheit verletzten inneren Seiten in uns) das Bild des fröhlichen, mutigen, dem Leben zugewandten inneren Kindes anbietet, damit es sich zu Mut und Lebensfreude hin befreie.
Nicht von ungefähr ist die Regentin Phantásiens eine kindliche Kaiserin !!

Michael Ende wusste, warum er diesen Roman schrieb. Er sah mit seinen inneren Augen, dass sich in der Menschheit das NICHTS ausbreitet, die große innere Leere; manche Menschen spüren dies und schreien auf. Bisweilen tun sie das auf eine Weise, die sie anderen als lächerlich erscheinen lässt, weil sie es zu impulsiv, vielen zu religiös, manchen zu moralisch tun. Doch ist es ein Impuls ihrer Seele, wie immer sich dieser äußert. 

Sicherlich bedarf die Menschheit Menschen, die dieses NICHTS, wie es sich in Phantásien ausbreitet, erkennen, auch erkennen, welche Auswirkungen dies auf unser Leben hat. Michael Ende hat es in seinem Roman aufgezeigt. Wenn man ihn liest und versteht, sieht man viele Politiker und Menschen überhaupt in des Kaisers neuen Kleidern dastehen. Denn sowohl Christian Andersen als auch Michael Ende halten uns einen Spiegel vor, der uns unsere wahre Gestalt zeigt, nackt, ohne Schmincke. Meistens wird der Spiegel zertrümmert, so wie es die böse Königin in Schneewittchen tut, weil sie nicht ihr wahres Gesicht sehen will. Manche greifen auch zum übelsten Mittel, das es gibt: Sie bringen um, was und wen sie nicht sehen möchten: die böse Königin das Schneewittchen, die Menschen Sokrates, Jesus, Johannes Hus, Giordano Bruno, Mahatma Gandhi, Martin Luther King und im Zweifel - manchmal langsam, manchmal schnell - sich selbst; oft ist ihr Herz schon lange tot, bevor ihr Selbsthass sie umbringt.

Auf Dauer wird das nichts nützen.

mehr zur Unendlichen Geschichte: hier

Sonntag, 20. Juni 2010

Erwachsene braucht das Land! – Wenn Mütter ihre Söhne und Väter ihre Töchter missbrauchen. – Woran man Nicht-Erwachsene erkennt!


Im Grunde kennt jeder vergleichbare Fälle aus seinem Bekannten- oder auch Freundeskreis, ja vielleicht von sich ...

Da heiraten zwei und wie es der Zufall will, ist doch tatsächlich im elterlichen Haus eine Wohnung frei.

Klar ist der jungverheiratete Ehemann immer sehr freundlich zur Schwiegermutter und klar kennt die Mutter immer die Geschäfte, wo man die Möbel kauft und die Bettwäsche und klar ist auch immer genau die richtige Farbe auf Lager, die die Mutter auch hat oder zumindest gut findet ...

Und klar macht der Typ mit Ohrring im Ohr die Tochter nicht glücklich; der Vater wusste es von vornherein (zumal er selbst nie Ohrringe trug ...).

Wir wissen, wie es ist, wenn Bäume zu nahe aufeinander stehen ... meistens wächst eine Seite nicht gescheit ... klar, sie geben sich Schutz ... bestenfalls pfeift kein Wind mehr durch ... :-(

Warum gibt es in der Tat so viele Menschen, die nicht erwachsen geworden sind und es vielleicht auch nie werden? Und woran erkennt man sie?

Es gibt sie, weil viele Eltern ihre Kinder in Abhängigkeit halten wollen: Wenn sie die lieben Kleinen schon aufziehen, dann sollen sie gefälligst bei Fuß bleiben, um sie im Alter zu pflegen.

Es gibt sie aber vor allem, weil zu viele Väter ihre Töchter als Frau missbrauchen und Mütter ihre Söhne dem eigenen Mann vor die Nase setzen und als Mann missbrauchen. Dieser Missbrauch geschieht meist nicht körperlich, aber es ist ein seelischer, ein energetischer Missbrauch, und ich behaupte, er kommt häufiger vor, als wir denken. Dabei gibt es natürlich viele Schattierungen und Abstufungen.

Ich glaube, dass diesem Thema bisher viel zu wenig Beachtung geschenkt worden ist.

Zu viele "Erwachsene" kompensieren das Unglück bzw. die Langeweile ihrer Beziehung mit dem Glück ihrer Kinder, die Mutter mit dem des Sohnes, der Vater mit dem der Tochter.

Dadurch können diese Jugendlichen auch keine Erwachsenen werden; die Eltern nehmen ihnen die Kraft zur Reife
Eines von mehreren Beispielen habe ich hier aufgezeigt.

Woran man sie erkennt, die Nicht-Erwachsenen:

1. Sie suchen gern und bevorzugt die Schuld bei anderen.
- Gern ist auch das Leben an sich eine Fehlkonstruktion.
- Die Politiker sind an allem schuld, die Ärzte, der Chef ist eh ein Arsch ...

2. Nicht-Erwachsene jammern gern und viel.

3. Nicht-Erwachsene verschweigen gern ihr Alter.

4. Ihr Geburtstag ist ihnen gar nicht wichtig (sie selber sich ja auch nicht).

5. Wenn sie etwas tun, weiß es die ganze Welt ...

6. Man hat immer einen Ersatz-Erwachsenen, z.B. den Chef, den Pfarrer, den lieben Gott, Udo Jürgens, das Bankkonto, den Rundum-Rechtsschutz ...

7. Der Vater sagt von seiner Tochter: Sie ist mein ein und alles.
Die Mutter sagt/denkt es von ihrem Sohn.

8. So stumpf, wie die Augen für den Ehepartner sind, so glänzend sind sie für das Kind.

9. Das Glück von anderen torpediert ein Nicht-Erwachsener, wo es geht. Oft geschieht das unbewusst. Ist es bewusst, dann ist es unsäglich liederlich und niederträchtig.

Kennen Sie nicht auch Menschen, denen Sie voller Freude etwas erzählen und die Sie mit womöglich nur einer Aussage auf den so genannten Boden der Tatsache zurückbringen ... ach ja, sagen Sie dann, so habe ich das noch gar nicht gesehen ... über ihre Freude spricht dann niemand mehr ... Sie auch nicht ... Freude am Leben ... was für ein Luxus ... und wie gefährlich ... wie konnte ich nur ... bin ich kindisch, naiv ...

Nein, Sie waren nicht naiv, ihr inneres Kind sonnte sich in Glück ... und wirklich gesund leben und sich sonnen kann das nur, wenn auch der innere Erwachsene gesund ist!

Menschen, die Glück, auch unser Glück nicht ertragen, sind in höchstem Maße toxisch; bei mir war es leider die eigene Mutter.

PS: Man kann das Nicht-Erwachsensein auch gekonnt kaschieren durch diverse Süchte: durch Sexsucht, Sportsucht, Arbeitssucht, Fernsehsucht, Computersucht, Freßsucht (wenn man schon nicht zu sich steht, dann so, dass man sich kaum erkennt) ...

Über einen, der ganz arbeitswütig-süchtig schrieb, weil er sich seine große Vaterwunde von der Seele schreiben wollte, habe ich hier geschrieben; es ist ein menschlich erschütterndes Dokument; mich jedenfalls erschüttert es jedes Mal ...

PPS: Gute Sätze zum Thema habe ich bei Regenfrau gefunden:

Teilweise geholfen hat mir das Buch: erwachsen – von Ashley Davis Prend,
dort las ich einen Auszug von Frank Pittmann:
Das Erwachsenenalter ist befreiend. Erwachsene könnnen sich selbst definieren und müssen sich nicht von denen definieren lassen, denen sie gefallen oder nicht gefallen wollen. Wenn wir erst frei sind, aus eigenem Antrieb, die richtigen Dinge zu tun, dann werden wir diese wahrscheinlich auch tun. Und wenn wir wissen, dass wir das tun, dann hat das viel mehr Kraft, uns glücklich zu machen.

Das Erwachsenenalter ist angenehm. Erwachsene sind geworden, was sie werden wollten. Der schreckliche Kampf mit Veränderungsprozessen in Körper und Seele ist vorüber. Die Angst und Verzweiflung sind fort. Wir sind angekommen. Wir sind in der Welt daheim. Wir können uns entspannen und vor der Schlafenszeit ins Bett gehen, ohne Angst haben zu müssen, etwas zu versäumen.


Dienstag, 29. Dezember 2009

Innere Kinder in der Politik: Wie alt war George Bush, als er eine ganze Nation nach Bagdad marschieren ließ?


Ich behaupte, er war 12 Jahre alt.
In Gestalt ihrer Soldaten marschierte unter Bushs Oberbefehl eine ganze Nation inclusive der 47 Staaten umfassenden Koalition der Willigen im Irak ein, in der Tat oder mittels unterstützender Gesinnung.

Vor 4 Tagen schrieb ich über Innere Kinder in Träumen. Und oft, wenn ich über diese Thematik nachdenke, kommt mir George W. Bush in den Sinn.
Mir soll es hier nicht um die fragwürdigen Umstände gehen, unter denen Bush junior Amerika in den Irak-Krieg führte - sein damaliger Außenminister Colin L. Powell hat es wohl bitter bereut, diesen gezielten Fehlinformationen auf den Leim gegangen zu sein;
auch nicht um seinen unwürdigen Boykott einer sinnvollen Umweltpolitik oder sein Verhältnis zur Todesstrafe sowohl als Gouverneur von Texas als auch als Präsident der USA. Ich will auch nicht jene Bilder aktualisieren, die seine Gesichtszüge thematisieren und eine gewisse Ähnlichkeit zu Affen herstellen.
Zu respektieren ist der Mensch.

Nur muss die Frage erlaubt sein, warum er Amerika in den Zweiten Irakkrieg - manche bezeichnen ihn auch als den Dritten Golfkrieg - führte. Jeder erinnert sich noch, dass die Amerikaner in Bagdad sofort das Ölministerium besetzten und die Anhänger Sadam Husseins in Ruhe noch in den anderen Ministerien Dokumente vernichten konnten, Gegner Sadams dagegen öffentliche Gebäude plünderten, ohne dass die Amerikaner etwas unternahmen. Ein Schelm, wer dabei nicht daran denkt (wenn er es weiß), dass Bush seine berufliche Tätigkeit auf dem Gebiet der Erdölförderung begann, wobei allerdings beide Firmen, die er gründete und besaß bzw. führte, pleite gingen.
Obwohl auch das - und hier gibt es noch andere anzuführen, ich denke nur an die Ache des Bösen, die es für ihn zu bekämpfen galt - eine fragwürdige Angelegenheit und Motivation gewesen sein könnte und für mich auch war -
mich interessiert ein menschlicher, sozusagen familiärer Aspekt:

Mir ist es einfach zu offensichtlich, dass er ein Bub war, wenn er Oberfeldmarschall spielte und eine ganze Nation dahin führte, wohin schon sein Vater im Rahmen des 1. Irakkrieges hätte eigentlich hinwollen sollen, dann aber doch den Schwanz eingekniffen hat: nach Bagdad, ins Herz des Irak.

Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass diverse Psychologen und Journalisten diesen Zusammenhang nicht gesehen und artikuliert haben. Seltsam nur, dass nie etwas über den Großen Teich gelangt ist; vielleicht doch, jedenfalls habe ich nichts darüber gelesen.

Für mich ist offensichtlich, dass eine Haupttriebfeder in den Krieg zu ziehen das Ansinnen des Buben George war, dem Vater zu beweisen, dass er ein Mann sei.
Und dass er mehr zustande bringe als der Vater.
Eben, dass es ihm gelingt, was jener als Präsident im 1. Irakkrieg nicht geschafft hatte und auch nicht wollte: nach Bagdad zu gelangen.

Ich sehe einfach diesen Gesichtsausdruck George Bushs vor mir, wenn er bisweilen hinter den Mikrophonen stand und sich sein Gesicht zu einem herausfordernden, dreisten, verzerrt-schelmischen Lächeln verzog.
Das war kein Mann, der da stand, für mich war er es nicht. Da stand ein großer Bub.

Und immer, wenn er den großen Staatsmann spielte, dann war auch dahinter versteckt dieser große Bub, der es Papa und Mama beweisen wollte: Seht her, zu was ich es gebracht habe!

Solch ein Mann ist - zumindest gegenüber dem Vater - nie ein Mann.
Er macht aber seine Umgebung, wo immer es geht, zu Söhnen.
Nur spüren ihm nicht wenige an, dass in diesen Fällen nicht wirklich eine Persönlichkeit vor ihnen steht, sondern eben ein großer Junge.

Gut, dass den amerikanischen Präsidenten in der Regel eine Auswahl hochkarätiger Berater umgeben. Wohin hätte dieser Bub Amerika außer nach Kabul und Bagdad noch zu führen versucht?

Wir wissen aufgrund der trefflichen Ausführungen Stephen Wolinskys in "Die dunkle Seite des inneren Kindes", dass jemand, der aufgrund bestimmter seelischer Muster in einen anderen Bewusstseinszustand gerät, sich in einer Art Trance befindet: "Die Sicht der Welt des Kindes ist in der Zeit eingefroren, was dem Erwachsenen allerdings nicht bewusst ist (...). Der Erwachsene der Gegenwart ist vielmehr hypnotisiert von dem Schema des verwundeten inneren Kindes und reagiert automatisch. Das Leben wird nicht so erfahren, wie es im gegenwärtigen Augenblick ist, sondern so, wie es in der Vergangenheit war."
Ob wir es nun die Subpersönlichkeit des inneren Kindes nennen, das falsche Selbst des inneren Kindes oder wie auch immer: Wir sprechen "von einer Situation, die in der Zeit erstarrt ist wie in einem Kälteschock, (..) durch die das innere Kind Erfahrungen sieht und die Außenwelt interpretiert."
Handlungsaktiv also ist nicht der Erwachsene, sondern das Kind, das dem puritanisch reinen oder übermächtigen Vater und oft einer vergleichbaren Mutter etwas beweisen möchte. Das ist wie eine Sucht, die darauf basiert, dass das Kind nie bekam, was es gebraucht hätte: Anerkennung auch ohne Gegenleistung.
In diesem Moment der Erstarrung, der Trance, ist der Erwachsene nur in dieser Alterstufe ansprechbar. Wer ihn dann nicht ernst nimmt, riskiert, von ihm kaltgestellt zu werden, so wie das Kind sich kaltgestellt fühlte, wenn es nicht das oft in vorauseilendem Gehorsam tat, was der Vater wollte.
Dass die Alkoholprobleme des George W. Bush weder durch seinen strengen Entzug noch durch seine Konversion zu den Methodisten geheilt waren, müssen nicht wenige in den USA gewusst haben.
Diese ungelösten Probleme waren mit verantwortlich für jenes rigide, kalte, auf Verständnislosigkeit basierende Weltbild, das die Menschen in Gut und Böse unterteilt; sie haben zur Achse des Bösen geführt, zur Verunglimpfung von Menschen und zu einer rigiden Politik, wie sie auch Bushs Verteidigungsminister Rumsfield zelebrierte.
Es ist für mich das größte Verdienst Gerhard Schröders, dass er auf all das nicht hereinfiel und sich nicht in die Achse der "Guten", in die Koalition der Willigen einbinden ließ.

Auch wenn jene Zustände, von denen wir oben sprachen, nur zeitweilig die seelische Realität der Betroffenen regieren, bleibt doch die Frage offen:

Wie viele Minderjährige haben weltweit das Sagen?