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Mittwoch, 17. Januar 2018

Markus Lanz und sein penetrantes Penetrieren!

Vorab sei gesagt, dass ich lange Zeit gern seine Sendungen angesehen habe, weil immer wieder hochinteressante Menschen eingeladen waren, von denen man zum Teil viel lernen konnte und die deutlich gemacht haben, wie groß die Vielfalt unter uns Menschen ist, wie unterschiedlich die Begabungen, was alles man mit Willen erreichen kann und wie sinnvoll manche unvorhergesehenen Wendungen im Leben sind, die man - oft waren es ja Unglücksfälle - niemandem wünscht, die aber oft den Eindruck vermittelten, jetzt erst sei jemand an seine wirkliche Lebensaufgabe herangekommen, jetzt erst habe er seine eigentlichen Fähigkeiten entdeckt. Weg ist dann der äußere Schein, die Oberflächlichkeit des einstmaligen Lebens, nun erst wird der Mensch im Sinne von Angelus Silesius wesentlich. - Immer wieder gab es da eindrucksvollste Gespräche; es zeigte sich, wie sensibel Lanz fragen kann, wie einfühlsam - diese Seite hat er auch.

Umso bedauerlicher finde ich, dass in letzter Zeit sich manche Gesichter ständig wiederholen, so, als ob seiner Crew die Lust ausgehe, so intensiv wie früher nach interessanten Menschen zu fahnden (ich meine, es reicht mir, wenn ich Stoiber alle drei Jahre sehe und nicht dreimal im Jahr, Norbert Blüm reicht auch alle zwei Jahre, desgleichen ein Jürgen Trittin, Jens Spahn und ein gewisser selbstverliebter Polit-Dampfplauderer namens Albrecht von Lucke.)

Bedauerlicher aber noch ist eine Marotte, die so extrem bei keinem anderen Talker zu finden ist: Menschen damit zu quälen, sie auf eine bestimmte Lebensoption festlegen zu wollen. Extrem war das bei Markus Söder der Fall, den er immer wieder damit konfrontierte zuzugeben, dass er doch Ministerprädident werden wolle (eine typische Lanz´sche Eingangsfrage: Geben Sie zu, dass Macht toll ist, Herr Söder?) Das war nicht mehr nur peinlich, was sich Lanz da erlaubte, wenn er das achte Mal nachstichelte, nachbohrte, das neunte Mal, das zehnte Mal, das war krankhaft. 
Gestern bei Cem Özdemir war es vergleichsweise harmlos, ihm mehrfach zu unterstellen, er habe Interesse daran, Ministerpräsident von Baden Württemberg zu werden, da gab es noch andere Beispiele wesentlich penetranteren Nachfragens, z.B. bei Olaf Scholz hinsichtlich einer möglichen Kanzlerkandidatur oder bei Jens Spahn hinsichtlich einer Nachfolge von Angela Merkel  Dass es bei Letzterem nicht so ausuferte wie bei Söder, lag nur daran, dass Lanz bei Spahn spürbar vorsichtiger war, denn der konnte ihm geschwind auch mal ordentlich über den Mund fahren.

Warum macht das Markus Lanz - es geht ihm dabei ja nicht um eine gute Sache, also um das Offenlegen eines interessanten Tatbestandes (um den der Zuschauer in der Regel eh weiß), denn niemand der Gefragten hat jemals zugegeben, was Lanz so penetrant hören wollte. - Warum also macht er das?

Offensichtlich ist, dass er sich ein Stück weit weidet daran, dass seine Gegenüber sich mit ihren Antworten winden und quälen. Insofern trägt das Verhalten von Lanz, wie oben angesprochen, krankhafte Züge; mit Sadismus, und das ist dieses Verhalten, wenn auch auf intellektueller Basis, ist nicht zu spaßen - zumindest aus Sicht der Opfer. Und Zuschauer wie ich sind auch angewidert.

Ein weiterer Punkt ist, dass dieses Verhalten nicht nur egoistisch-sadistisch ist, denn in erster Linie befriedigt er damit sich selbst, sondern er führt den Gegenüber auch vor, vor einem breiten Publikum, dem Saalpublikum und den immerhin wenigen Hundertausend, die noch um diese Uhrzeit an den Bildschirmen sind.

Vielleicht möchte er auch ein wenig der investigative Talker sein und zum anderen dem Image entgegenarbeiten, er sei das liebe Muttersöhnchen Markus, das nicht auch hart nachfragen könne.

Nur hat dieses Verhalten nicht mit einem klaren Fragen á la Marietta Slomka zu tun; der geht es spürbar um die Sache, Lanz geht es um sich und die öffentliche Vorführung seines Opfers.

Ich frage mich: Hat denn der Mann keine PR-Berater? Hat das ZDF nicht Leute, die ihm offen die Meinung sagen können? 

Und ich frage mich, warum er nicht mehr einfache Leute aus dem sogenannten Volk einlädt, jene, die kein Sprachrohr haben, um das, was sie bewegt, mitzuteilen, den Straßenbauarbeiter aus Düsseldorf, die Näherin von der Schwäbischen Alb, den Bademeister aus Jena, die Lehrerin aus der Berliner Brennpunktschule, den Bandarbeiter aus Ingolstadt, die Leiharbeiterin aus Kiel . . . Einmal in der Woche einen Namenlosen, eine Namenlose, das wär´ doch was! Statt Leute, von denen wir eh wissen, dass sie ein übergroßes Ego haben, nutzlos zu löchern.

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