Ich mag diesen Mann, wie er zu seiner Vergangenheit steht, dazu, dass er sich Widersprüche erlaubt und Wandlung, wo andere top-lineares Verhalten erwarten, dass er anstelle von Memoiren, die 80-Jährige doch sonst herausgeben, seine Art von Memoiren Meine Lieblings-Flops nennt und von ihnen erzählt anstelle von Erfolgserlebnissen, weil er weiß, dass er, wie er selbst schreibt, nur wenigen Erfahrungen so viel verdankt wie ihnen;
wie er mit Gefühlen umgeht, wie er ihnen als einer der Parade-Intellektuellen dieses Landes, zu dem ihn manche stilisieren wollen - ihre selbstverständliche Berechtigung gibt;
wie er dichtet und sich auf den Weg zur Liebe begibt - ich habe es schon in Befragung um Mitternacht bewundert,
das alles finde ich groß;
und an dem folgenden Gedicht, das ich Liebesgedichte für Frauen, erschienen im Insel-Verlag, entnommen habe, finde ich bemerkenswert, dass nicht ein einziges Mal Liebe buchstäblich beim Wort genommen wird und sie doch in jedem Satz präsent ist - und wie! Für mich ist das wirkliche Kunst:
Dieses Gedicht ist wie ein lang gespannter Bogen, an dessen Ende man doch, wie schon zuvor angedeutet, erwarten sollte, dass da nach den vielen dafür und für steht: für all das ........... liebe ich Dich.
Nein, es steht etwas ganz anderes. Das lyrische Ich liebt nicht, jedenfalls steht das nicht da, sondern es spricht von seinen einsilbigen Silben.
Für alles, was es, das Ich, der Mann, mit seiner Liebe erlebt hat, sind sie zuwenig.
Gut, das kann man noch verstehen.
Die ganz natürliche Bescheidenheit eines Mannes eben :-))
Oder seine einsilbigen Silben sind zuviel.
Angemessener wäre es zu schweigen?
Kann wohl sein.
Was mich einfach beeindruckt, ist, wie das lyrische Ich seine Liebe zum Ausdruck bringt:
durch die Qualität dessen, was es beobachtet.
Wie es dadurch die Frau, die er, der Mann, liebt, im Licht der Liebe leuchten lässt.
Oder hat jemand schon mal darauf geachtet oder darüber geschrieben, wie eine Frau die Knie biegt?
Wie sie Nebensätze bildet?
Wie gering das Gewicht ihrer Ellenbogen ist?
Hat jemand schon einmal in der kleinen Mulde über dem Schlüsselbein ihre materielle Seele gefunden?
Wem solche Dinge auffallen,
wer diese so eigentlich unauffälligen, noch nicht gesagten Dinge so zärtlich im Tonfall anspricht:
der liebt.
Mit oder ohne einsilbige Silben.
Mit oder ohne Worte.
Danke jedenfalls, Hans Magnus Enzensberger, für Deine einsilbigen Silben.
wie er mit Gefühlen umgeht, wie er ihnen als einer der Parade-Intellektuellen dieses Landes, zu dem ihn manche stilisieren wollen - ihre selbstverständliche Berechtigung gibt;
wie er dichtet und sich auf den Weg zur Liebe begibt - ich habe es schon in Befragung um Mitternacht bewundert,
das alles finde ich groß;
und an dem folgenden Gedicht, das ich Liebesgedichte für Frauen, erschienen im Insel-Verlag, entnommen habe, finde ich bemerkenswert, dass nicht ein einziges Mal Liebe buchstäblich beim Wort genommen wird und sie doch in jedem Satz präsent ist - und wie! Für mich ist das wirkliche Kunst:
Kopfkissengedicht
Dafür, dass du bis in die Fingerspitzen
anwesend bist, daß es dich verlangt,
dafür, wie du die Knie biegst
und mir dein Haar zeigst,
für deine Temperatur
und deine Dunkelheit;
für deine Nebensätze,
das geringe Gewicht der Ellenbogen
und die materielle Seele,
die in der kleinen Mulde
über dem Schlüsselbein schimmert;
dafür, dass Du gegangen
und gekommen bist, und für alles,
was ich nicht von dir weiß,
sind meine einsilbigen Silben
zuwenig, oder zuviel.
Dieses Gedicht ist wie ein lang gespannter Bogen, an dessen Ende man doch, wie schon zuvor angedeutet, erwarten sollte, dass da nach den vielen dafür und für steht: für all das ........... liebe ich Dich.
Nein, es steht etwas ganz anderes. Das lyrische Ich liebt nicht, jedenfalls steht das nicht da, sondern es spricht von seinen einsilbigen Silben.
Für alles, was es, das Ich, der Mann, mit seiner Liebe erlebt hat, sind sie zuwenig.
Gut, das kann man noch verstehen.
Die ganz natürliche Bescheidenheit eines Mannes eben :-))
Oder seine einsilbigen Silben sind zuviel.
Angemessener wäre es zu schweigen?
Kann wohl sein.
Was mich einfach beeindruckt, ist, wie das lyrische Ich seine Liebe zum Ausdruck bringt:
durch die Qualität dessen, was es beobachtet.
Wie es dadurch die Frau, die er, der Mann, liebt, im Licht der Liebe leuchten lässt.
Oder hat jemand schon mal darauf geachtet oder darüber geschrieben, wie eine Frau die Knie biegt?
Wie sie Nebensätze bildet?
Wie gering das Gewicht ihrer Ellenbogen ist?
Wem solche Dinge auffallen,
wer diese so eigentlich unauffälligen, noch nicht gesagten Dinge so zärtlich im Tonfall anspricht:
der liebt.
Mit oder ohne einsilbige Silben.
Mit oder ohne Worte.
Danke jedenfalls, Hans Magnus Enzensberger, für Deine einsilbigen Silben.
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