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Donnerstag, 26. September 2013

Die Netzfrauen posten: Der gefährlichste Moment in der Geschichte der Menschheit


“Bei der Sicherung der Brennelemente im Lagerbecken der Einheit 4 in Fukushima geht es um unser aller Überleben!”

 © Masaya Noda








Nur noch zwei Monate trennen uns von der größten Gefahr für die Menschheit seit der Krise um die Raketen auf Kuba.

Es gibt keine Entschuldigung dafür, jetzt nicht zu handeln. Die Spezies Mensch muss all ihre Fähigkeiten mobilisieren, um die eingelagerten abgebrannten Brennelemente der Einheit 4 in Fukushima zu sichern.

Der Fukushima-Eigentümerin, die Tokyo Electric /Tepco, hat mitgeteilt, dass sie in spätestens 60 Tagen den Versuch starten muss, mehr als 1.300 abgebrannte Brennelemente aus einem schwer beschädigten, leckenden Lagerbecken zu bergen, das sich 100 Fuß (30,5 m) über dem Erdboden befindet. Das Becken ruht auf einem stark beschädigten Gebäude, das sichzur Seite neigt, und spätestens beim nächsten Erdbeben oder auch schon früher einzustürzen droht.

Die rund 400 Tonnen wiegenden Brennelemente in diesem Becken könnten 15.000-mal mehr radioaktive Strahlung freisetzen als die Bombe von Hiroshima. Einiges steht in dieser drohenden Krise schon fest Tepco hat weder die wissenschaftlichen, technischen noch finanziellen Ressourcen, um sie zu meistern.

Das Gleiche gilt für die japanische Regierung. Dieses äußerst riskante Unterfangen erfordert ein koordiniertes Zusammenwirken der besten Wissenschaftler und Techniker der ganzen Welt.

Warum ist die Situation so gefährlich?

Wir wissen, dass schon Tausende von Tonnen stark verstrahlten Kühlwassers im Atomkraftwerk Fukushima angefallen sind; das ist ein Teufelsgebräu, mit dem langlebige giftige Isotope in den Pazifik gelangen. Vor der Küste Kaliforniens wurden bereits Thunfische gefangen, die nachweisbar durch radioaktiven Fallout aus Fukushima verstrahlt wurden. Es wird aber noch viel schlimmer kommen Tepco braucht ständig neues Wasser, um die drei geschmolzenen Reaktorkerne der Anlage zu kühlen. Dampfwolken lassen erkennen, dass sich die Kernspaltung irgendwo unterirdisch immer noch fortsetzt. Aber niemand weiß, wo (und in welchem Zustand) sich diese Reaktorkerne tatsächlich befinden.

Große Mengen des verstrahlten Wassers wurden bis jetzt in rund 1.000 riesigen, aber wenig stabilen Tanks gesammelt, die schnell und über die gesamte Anlage verstreut errichtet wurden. Viele lecken bereits. Alle könnten bei einem weiteres Erdbeben auseinander brechen; dann würden sich Tausende von Tonnen langlebiger Gifte in den Pazifik ergießen.  Das Kühlwasser, das durch die Anlage in Fukushima geleitet wird, höhlt auch die Fundamente unter den noch erhaltenen Gebäuden aus – auch die des Gebäudes, auf dem sich das Brennelemente-Lagerbecken der Einheit 4 befindet.

In einem größeren Sammellagerbecken, das nur 50 Meter von der Einheit 4 entfernt liegt, werden mehr als 6.000 weitere abgebrannte Brennelemente gekühlt. Einige davon enthalten Plutonium. Weil dieses große Becken keine sichere Überdachung hat, könnte beim Einsturz eines benachbarten Gebäudes, bei einem Erdbeben oder einem weiteren Tsunami sein gesamtes Kühlwasser auslaufen.

Insgesamt sind mehr als 11.000 Brennelemente über die ganze Anlage in Fukushima verteilt. Von Robert Alvarez, einem bekannten Experten mit langjähriger Erfahrung, der auch schon für das (US-)Energieministerium tätig war, wissen wir, dass von der Anlage in Fukushima 85-mal so viel tödliches Cäsiums freigesetzt werden könnte wie bei der Katastrophe in Tschernobyl.[s.http://akiomatsumura.com/2012/04/682.html ]

Rund um Japan werden immer mehr Stellen mit hoher Radioaktivität entdeckt. Dort leiden vor allem Kinder vermehrt unter Schilddrüsen-Erkrankungen. Als Sofortmaßnahme müssen die abgebrannten Brennelemente so schnell und so sicher wie möglich aus dem einsturzgefährdeten Lagerbecken der Einheit 4 entfernt werden.Kurz vor dem Erdbeben am 11. März 2011 und dem nachfolgenden Tsunami, der das Atomkraftwerk Fukushima zerstörte, wurde der Atomkern der Einheit 4 im Rahmen der routinemäßigen Wartung und Neubestückung entfernt. Wie bei etwa zwei Dutzend Atomreaktoren in den USA und vielen in anderen Teilen der Welt befindet sich das von der USFirma General Electric gebaute Kühlbecken, in dem der entfernte Reaktorkern jetzt liegt, 100 Fuß über dem Erdboden. [s. http://fukushimaupdate.com/the-real-fukushima-danger-spent-fuel-pools/ ]

Abgebrannte Brennelemente müssen unbedingt unter Wasser aufbewahrt werden. Die darin enthaltenen Brennstäbe sind mit einer Zirconium-Legierung ummantelt, die sich,wenn sie mit Luft in Berührung kommt, spontan entzündet. Zirconium wurde früher in Blitzlampen für Fotoapparate verwendet und verbrennt mit extrem heller und heißer Flamme. Ein Brennstab ohne Ummantelung strahlt so viel Radioaktivität ab, dass jeder, der sich in seiner Nähe aufhält, in wenigen Minuten stirbt. Eine Feuersbrunst könnte das ganze Bedienungspersonal dazu zwingen, aus (dem Kernkraftwerk) Fukushima zu fliehen und die havarierte Anlage unkontrolliert sich selbst zu überlassen.  Nach Aussage des Ingenieurs Arnie Gundersen, der 40 Jahre in der Atomindustrie gearbeitet und Brennstäbe für sie hergestellt hat, sind die abgebrannten Brennstäbe aus dem Kern der Einheit 4 verbogen, beschädigt und so brüchig, dass sie zu zerbröckeln drohen.

Mit Überwachungskameras wurde festgestellt, dass in dem beschädigten Kühlbecken bereits eine beunruhigende Menge von Bruchstücken liegt. Die beim Entleeren des Kühlbeckens der Einheit 4 auftretenden technischen und wissenschaftlichen Probleme sind nach Gundersens Meinung ebenso schwierig wie entmutigend, müssen aber zu 100 Prozent gelöst werden.

Wenn der Versuch scheitert und die Brennstäbe mit Luft in Berührung kommen, werden sie sich entzünden und Radioaktivität in unvorstellbarer Menge in die Atmosphäre freisetzen. Die Kühlwanne könnte auch zusammen mit den Brennelementen auf den Boden stürzen; der sich dort auftürmende, Radioaktivität abstrahlende Schuttberg könnte sogar explodieren. Die dabei entstehende radioaktive Wolke würde die Gesundheit und Sicherheit von uns allen bedrohen.

Der bei der Tschernobyl-Katastrophe 1986 freigesetzte radioaktive Fallout erreichte Kalifornien innerhalb von zehn Tagen, die 2011 in Fukushima freigesetzte Radioaktivität kam schon nach weniger als einer Woche dort an. Eine neue Kernschmelze in der Einheit 4 würde einen Jahrhunderte andauernden tödlichen Strom von Radioaktivität über die ganze Erde ausgießen.

Petition: Keep harmful radioactive waste out of our children’s food, whether conventionally grown or organic! Say Bye Bye Becquerels!s. http://petitions.moveon.org/sign/keep-harmful-radioactive-1.fb26?source=c.fb&r_by=7470505 

Murata Mitsuhei, der ehemalige Botschafter (Japans in der Schweiz) sagte, der in Fukushima drohende gesamte radioaktive Fallout könnte “weltweit die Umwelt und unsere Zivilisation zerstören”. Es geht nicht mehr um Raketentechnik oder um hitzige Debatten über Kernkraftwerke, sondern um das Überleben der Menschheit.

Electric noch die Regierung Japans können dieses gewaltige Problem allein lösen. Wenn es versäumt wird, ein aus den besten Wissenschaftlern und Ingenieuren unseres Planeten bestehendes Team mit der Lösung des Problems zu beauftragen, ist das nicht zu entschuldigen. Es bleiben uns noch höchstens zwei Monate zum Handeln.

Eine dazu aufrufende Petition ist  HIER nachzulesen:

Deshalb ersuchen wir in einer Petition die Vereinten Nationen und den Präsidenten Obama, die Wissenschaftler und Ingenieure der Welt zu mobilisieren und mit der Bergung der abgebrannten Brennelemente in Fukushima zu beauftragen.

Auch Sie können diese Petition unter http://petitions.moveon.org/sign/the-world-community -must unterzeichnen.

Wenn Sie eine bessere Idee haben, dann sollten Sie diese einbringen. Aber tun Sie etwas, und tun Sie es jetzt.

Die Uhr tickt. Die Zeiger zeigen 5 Minuten vor zwölf; die atomare Katastrophe, die unsere Welt vernichten würde, ist bedrohlich nahe gerückt.

Harvey Wasserman ist Chefredakteur der “Columbus Free Press”  und der “Free Press“:

Er betreibt auch die Website “Nuke Free” 

Netzfrau Fee Striefler


Original:  Humankind’s Most Dangerous Moment: Fukushima Fuel Pool at Unit 4. “This is an Issue of Human Survival.”By Harvey Wasserman September 20, 2013


Mittwoch, 16. März 2011

Reinhold Schneiders "Allein den Betern": aktueller denn je!


Gestern sah ich ein Bild im Fernsehen, das mich unglaublich berührt hat.

Dir, lieber Leser, geht es bezüglich Japan ja vielleicht ähnlich wie mir: Ab und an sieht man ein paar Soldaten im Norden des Landes ziemlich planlos - so hat man den Eindruck - in den Trümmern herumstochern. System scheint wenig hinter dieser Hilfe zu sein; vielleicht besteht die größte darin, dass vereinzelte japanische Männer und Frauen, die sich zwischen den Tsunami-Überresten zu verlieren scheinen, das Gefühl haben, nicht allein zu sein.

Jedenfalls nahm das Kamerateam eine ältere Frau auf, die gerade zu den Überresten ihres elterlichen Hauses gekommen war und nur noch die Hände falten und beten konnte. Es war auf eine mit dem Verstand kaum nachvollziebare Weise zu spüren, ja fast zu sehen, wie ihre Erschütterung zur Ruhe kam und um sie und in ihr sich Frieden breitete.

Neben ihr stand ein junger Soldat. Als er sah, wie die älterer Frau die Hände faltete und betete, faltete er ebenfalls seine Hände, neigte den Kopf und betete mit ihr stillschweigend, bis sie ihr Gebet beendete.

Diees Bild werde ich nie vergessen. In diesem Moment war dies der heiligste Ort auf unserer Erde.

Ich glaube an die Kraft des Gebetes; vielleicht ist auch deshalb für mich das Gedicht Reinhold Schneiders so eindrücklich, das der 33-jährige Dichter 1936 schrieb. Fast hätte er 1945 - ihm sollte wegen Hochverrats der Prozess gemacht werden - dasselbe Schicksal erlitten wie Dietrich Bonhoeffer; ihn jedoch konnte das Kriegsende retten.

Die Zeilen seines damals wie heute fast visionären Sonetts lauten:




      Allein den Betern kann es noch gelingen

      Das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten

      Und diese Welt den richtenden Gewalten

      Durch ein geheiligt Leben abzuringen.


      Denn Täter werden nie den Himmel zwingen:

      Was sie vereinen, wird sich wieder spalten,

      Was sie erneuern, über Nacht veralten,

      Und was sie stiften, Not und Unheil bringen.


      Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt,

      Und Menschenhochmut auf dem Markte feiert,

      Indes im Dom die Beter sich verhüllen,



      Bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt

     Und in den Tiefen, die kein Aug’ entschleiert,

     Die trockenen Brunnen sich mit Leben füllen.




Reinhold Schneider spricht von dem Menschenhochmut, der in unserer Welt Triumphe feiert; selbst angesichts der Katastrophe von Japan gibt es immer noch Menschen, die behaupten, gewisse Dinge könnten uns nicht passieren.


Der Mensch allein wird keine Arche bauen können


Als ob dem Menschengeschlecht nicht mit absoluter Regelmäßigkeit bewiesen würde, dass mit diesem Hochmut sich keine Arche bauen lässt, sondern immer wieder nur eine Titanic. Ich verstehe nicht, woher manche Zeitgenossen angesichts all der Katastrophen, die der Menschheit widerfuhr und widerfährt, diese Chuzpe nehmen, andere glauben machen zu wollen, es gäbe eine Sicherheit, für die sie gerade stehen.


Goethe: "Im Atemholen sind zweierlei Gnaden ..."

Für mich ist eindeutig, dass wir in einer Gesellschaft leben, die nicht nur im Sinne Mitscherlichs, sondern in zweierlei Hinsicht vaterlos geworden ist, die nicht nur vaterlos geworden ist, sondern auch jede Struktur verloren hat. Wir meinen, wir können gebotene Strukturen wie die Tatsache, dass der Mensch einen Ruhetag braucht, den er heiligt, auch z.B., dass Einatmen und Ausatmen natürliche Prozesse sind, die es zu respektieren gilt, über Bord werfen. Auf diesem Weg sind wir zu einer Gesellschaft der Einatmer geworden. Wir wollen immer nur einatmen, immer nur haben, haben haben.


Wozu noch ausatmen?


Jederzeit muss downgeloadet werden können. Geschäfte müssen möglichst rund um die Ohr geöffnet sein. Wir machen die Nacht zum Tag. Alles auf Strom komm raus grell beleuchtet, um uns vorgaukeln zu können, es gäbe auch in uns kein Dunkel mehr. Jederzeit muss die Möglichkeit bestehen, alles zu haben, was gerade gehabt werden muss. Was machbar ist, muss auch gemacht werden. Permanente Bedürfnisbefriedigung. Flatrate zu jeder Zeit, ob in Bezug auf Suff oder Sex, der große Unterschied besteht ohnehin nicht mehr.


Die Realität: Sinn-Leere statt Sinn-Lehre

Die Aufhebung natürlicher menschlicher Strukturen voller Sinn setzt Ordnungen außer Kraft, die die Menschlichkeit seit Menschengedenken gesichert haben. Deshalb bedeutet eben Kosmos aus dem Griechischen übersetzt Ordnung, Schmuck.

Wir setzen nicht ohne Folgen diese Ordnungen außer Kraft. Unsere Regierungen, unsere Politiker haben nicht das Bewusstsein und die Kraft, der inneren Unordnung, die sich allenthalben breit macht, die Kraft innerer Werte, über die sie so gerne reden, entgegenzusetzen; teilweise verhindert einfach auch ihr Ego, dass sie diesen Werten zuliebe einen äußeren Machtverlust in Kauf nehmen.

Nur vergessen wir nicht: Unsere Politiker sind ein Spiegel von uns. Wenn wir über sie schimpfen, schimpfen wir über uns.


Glaube, Liebe, Hoffnung


Ich setze auf die drei paulinischen Tugenden und auf die innovative Kraft des Menschen, auf seine unglaublichen Möglichkeiten. Ich stehe zu den technischen und wissenschaftlichen Entwicklungen. Aber sie müssen im rahmen einer makrokosmischen eine mikrokosmische Ordnung haben. Ein Mensch ohne innere Struktur ist wie ein Körper ohne Skelett und ohne Haut. Haltlos. Schutzlos.

Was die innere menschliche Strutktur betrifft, wird der Mensch mehr und mehr eine Qualle seiner selbst.

Fukushima als pars pro toto - Kernschmelze wertvollster Werte

Ich glaube, wir sind als Menschheit wirklich an einen Punkt gelangt, wo wir vor der endgültigen Kernschmelze unserer wertvollsten Werte stehen. Ihr Bewusstsein im Inneren der Menschen hat womöglich noch nie einen solchen Tiefstand erreicht. Auch wenn Menschen in solchen Zeiten der Not solidarisch handeln: In dem alltäglichen Handeln diffundieren unsere Werte, unsere innere Ordnung in das Schwarze Loch der Strukturlosigkeit, der Ordnungslosigkeit.

Auch wenn die wenigsten einen Zusammenhang mit Fukushima sehen wollen; ich sehe ihn. Was sich in Japan abspielt, steht pars pro toto für die Menschheit. Nur hoffe ich nicht, dass die Zahl derer, die die Menschheit retten, in dem Verhältnis der 50 Männer, die sich opfern, zur Gesamtbevölkerung von Japan, also über 120 Millionen steht.

In unserer Zeit gewinnt dieses Sonett von Reinhold Schneider für mich wieder eine ganz besondere Bedeutung.

Wie sagte der ARD-Korrespondent in Japan heute Abend: In Fukushima hilft nur eins: Glück.

Für mich ist glücklich, wer noch glauben, lieben, hoffen und
betend handeln kann.