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Samstag, 18. Juni 2011

"... und ist doch rund und schön" - Von Matthias Claudius lernen.


Es gibt Dichter, die haben mit wenigen Sätzen Wahrheiten gesagt, die eine ganze Philosophie enthalten. In Matthias Claudius´
Abendlied finden sich mindestens zwei Weisheiten, über die andere ganze Bücher geschrieben haben. Matthias Claudius genügt jeweils eine Strophe. 
Bevor ich zumindest zu einer der beiden komme, möchte ich darauf hinweisen, wie bedeutsam diese unsere abendländischen Werte enthaltenden Weisheiten für unsere tagtägliche Realität sind - besser gesagt: sein könnten!
Denn eins ist sicher: Über Werte brauchen wir nicht reden, wenn sie in der Realität - und in unserem Land ist das zunehmend der Fall - keine Rolle spielen. Wenn wir sie nicht anwenden, verkommen sie: use it or lose it.
Einer dieser Leitsätze, ein wert-voller ist:

Wer nicht im Geringsten treu ist, ist auch nicht im Großen treu. 

Das wissen wir alle, wir nicken zu dieser Wertaussage, dieser Weisheit. Sie erstreckt sich bis in Sprichwörter hinein, wie jenem: „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“
Wenn eine Regierung es wagt, sich mit gefälschten Daten Zugang zu den Töpfen einer Gemeinschaft zu ergaunern, dann kann da  - so hätten es meine Eltern formuliert - kein Segen darauf sein. Das wissen wir alle. Wie im Kleinen, so im Großen. Der Teil steht fürs Ganze.
Und dennoch haben unsere Politiker diese Einsicht, dieses Wissen sträflich vernachlässigt. Das ist Fakt. – Use it or lose it. Das gilt für unsere Werte.
Leider sind nicht die, die Werte nicht berücksichtigen, die Loser, sondern der Bürger, dessen Steuern im Schlund der Charybde verschwinden. - So weit zur griechischen Mythologie und der Tatsache, dass leider viele, die unser Handeln bestimmen, nichts mehr aus der Ilias und den Prüfiungen des Odysseus lernen wollen. So fallen sie Scylla oder Charybde zum Opfer oder landen im Schweinestall Circes. Wenn die verbindliche Verkehrssprache das Grunzen ist, fällt das auch nicht mehr auf. Jüngstes Beispiel der hohen Kunst des Grunzens ist die Pressekonferenz von Merkel und Sarkozy.
Nun finanziert Europa - es war vorauszusehen - weiterhin ein korrumpiertes Wirtschaftsystem. Wir zahlen zudem mit an griechische Tote, die noch Rente erhalten (ich habe bis dato nicht gelesen, dass in Griechenland ernsthafte Anstrengungen unternommen werden, dies abzustellen; ein Teil deutscher Gelder wird wohl auch an diese Toten gehen).
Das Chaos, in dem wir uns finanziell und wirtschaftlich - im Übrigen, was aufzuzeigen sein wird, nicht nur finanziell und wirtschaftlich - befinden, war absehbar.

Wo der Brandherd wirklich liegt 
( . . . )

zum Weiterlesen: hier

Dienstag, 14. Juni 2011

auf dem wehenden Banner Phantasiens gesehen



An Pfingsten am Fuße meiner Linde gesessen
und ihr liebes Geheimnis genossen
denn es sind zwei
untrennbar miteinander verwachsen
Wie alle meine Lieblingsbäume hat sie einen Namen
ich nenne sie Born
Über mir das hundertfältige Summen der Bienen
ein fruchtbringendes Treiben bis in den späten Abend
und dann der nahende Vollmond vor meinen Augen
mit seinem Hof den er nur selten zeigt
Wolke um Wolke wandelt er dahin
wie die Tage des Lebens die nachts
uns fragen wie fruchtbringend der Tag war
Ich denke an die Bienen 
und an unsere Lebens-Linde in der auch wir arbeiten
um wiederzukehren für einen neuen Sommer
für einen neuen Lebensring
bis wir selbst Linde sind
und lind und sanft und tausendfach 
summen und duften und blühen


Donnerstag, 9. Juni 2011

Für eine Renaissance des Heiligen. – Gedanken zu Pfingsten

Längst ist die Säkularisierung unserer Gesellschaft in eine Profanisierung unseres Lebens übergegangen.
Mit Bedauern nehmen wir zur Kenntnis, dass immer mehr Menschen nichts mehr heilig ist.
Ja, wir sagen von jemandem, "ihm ist nichts mehr heilig" und meinen, dass jemand keine inneren Maßstäbe mehr, kein moralisches, ethisches Gerüst mehr habe. Und wir spüren, dass Leben in unserer Gesellschaft an eine Grenze stößt, wenn wir Geister rufen, die außer Kontrolle geraten, wenn wir immer mehr nur Exzesse verwalten und Börsenkurse zum Parameter unseres Wohlbefinden werden. 
Säkularisierung: Ursprünglich meinte dieser Begriff die Loslösung des Einzelnen und der Gesellschaft aus den Bindungen der Kirche; heute stellen wir fest, dass dieser Begriff sich vor allem auf die Lösung vieler Einzelner aus einer inneren Beziehung zum Religiösen bezieht.
"anima naturaliter religiosa". 
C.G. Jungs Aussage auf dem Hintergrund seiner empirischen Forschungen, dass jede menschliche Seele religiöse, ganzheitliche Symbole hervorbringe, und Tertullians "anima naturaliter christiana" sind längst den oft ätzenden Wortkaskaden einer Minderheit gewichen, die mit ihrer areligiösen Lebenseinstellung den Eindruck hervorzurufen weiß, sie repräsentiere die Mehrheit. Dies gelingt zunehend, weil es viele Laue gibt, die ihre Segel denen überlassen, die viel Wind machen.
Die Folgen im Umgang der Menschen untereinander sind unübersehbar. Klar gibt es Werte, die ja meist auch christliche Werte sind, aber es gibt immer weniger Menschen, die sie vertreten und Sorge tragen, dass sie sich in Lehrplänen, in dem, was Medien senden, und in öffentlichen Verhaltenscodices niederschlagen. Groß jedoch ist das Geschrei, wenn niemand einem Bedrängten auf der Straße hilft, der zusammengeschlagen wird. Immer wieder in letzter Zeit und mehr und mehr wird die Ehrfurcht vor dem Leben, die Albert Schweitzer noch so wichtig war, in Form eines auf dem Boden liegenden Menschen zusammengetreten. Kein Wilhelm Tell erscheint mehr, der mutig eingreift und einem Baumgarten, der von den Häschern des kaiserlichen Vogtes verfolgt wird, über den tobenden See hilft. Wir schaffen die klassische Lektüre aus Zeitgründen im Rahmen des G8 zwangsweise ab, wir schaffen unsere Werte systematisch ab; Schule muss Drogenprävention betreiben, muss Aids-Vorsorge beginnen, muss Kurse in Sachen Gewaltprävention anbieten; Schüler müssen lernen, Portfolios zu führen, sie müssen lernen, Präsentationen zu gestalten. Ob der Inhalt hohl ist, aus Wikipedia abgekupfert, ob Schüler verstehen, was sie sagen - was spielt das für eine Rolle. Hauptsache multimedial präsentiert und die Bescheinigung im Portfolio abgeheftet. 
Früher präsentierte  man das Gewehr. Heute Hohlheit.
Das alles geschieht auf einer säkularen Grundlage, die Werte in Präambeln verkommen lässt.
Kürzlich las ich in dem Schüleraufsatz eines 15-Jährigen, den dieser zum Thema ´Alkoholkonsum von Jugendlichen´ schrieb, in seinem Alter machten es ja viele das erste Mal, und oft in betrunkenem Zustand. Das mag eine Übertreibung gewesen sein, es zeigt aber dennoch eine Richtung an, über die sich niemand mehr wundert. Jugendliche machen es das erste Mal im Suff oder nüchtern, spielt das eine Rolle? Wer in  unserer aufgeklärten Gesellschaft klärt Kinder über die Bedeutung des Heiligen auf, das jeder wahren Liebe innewohnt? Wie viele Erwachsene könnten davon überhaupt noch überzeugend sprechen oder wissen, wovon sie sprechen könnten, wenn sie wollten?
Wie archaisch muten die Worte eines Christian Friedrich Hebbel (1813-1863) an:


Das Heiligste

Wenn zwei sich ineinander still versenken,
Nicht durch ein schnödes Feuer aufgewiegelt,
Nein, keusch in Liebe, die die Unschuld spiegelt,
Und schamhaft zitternd, während sie sich tränken;
Dann müssen beide Welten sich verschränken,
Dann wird die Tiefe der Natur entriegelt,
Und aus dem Schöpfungsborn, im Ich entsiegelt,
Springt eine Welle, die die Sterne lenken.
Was in dem Geist des Mannes, ungestaltet,
Und in der Brust des Weibes, kaum empfunden,
Als Schönstes dämmerte, das muß sich mischen;
Gott aber tut, die eben sich entfaltet,
Die lichten Bilder seiner jüngsten Stunden
Hinzu, die unverkörperten und frischen.

Oder sind sie es doch nicht, sind diese Worte doch nicht archaisch, überholt? Haben mehr Menschen noch die Hoffnung nicht aufgegeben, dass Liebe, auch körperliche Liebe, wieder als etwas Heiliges entdeckt werden könnte?
Allerdings müsste sich ein Bundespräsident, eine Bundeskanzlerin, müssten sich Kultusminister und Eltern und Lehrer finden, die die leider zu einem genitalen Akt verkommene Sexualität in ein Licht rücken, das der Liebe ihren Wert zurückgibt, die die Bibel im Übrigen auf wunderbare Weise im Hohelied Salomos in der Liebe, gerade auch der körperlichen Liebe zwischen Salomo und Sulamith thematisiert.
Heilig, dieses Wort hängt etymologisch mit heil zusammen, was ganz bedeutet.
Heilig, dieses Wort erinnert daran, dass es in uns etwas gibt, das ganzheitlich, unzerstörbar in uns ruht.
Diese Weisheit verbirgt sich im Märchen von Schneewittchen. Es weist uns darauf hin, dass es etwas in uns gibt, das für jeden, der es sehen will, nicht von ungefähr in einem gläsernen Sarg ruht. Es ist die reine Seele eines jeden Menschen, die zwar im Sarg liegt, aber Gott sei Dank nicht sterben kann, weil sie von sieben Kräften vor dem endgültigen Seelentod bewahrt wird und auf ihre Auferstehung wartet. Solange diese Seele in uns schläft, solange leben wir mit und glauben an die Parameter, die unsere Nachrichten bestimmen und bauen unsere Türme a la Babel. 
Das wahre Leben jedoch schläft. Wie Dornröschen in seinem Schloss. 
Es muss eine Kraft kommen - im Märchen ist es ein Prinz, in der Bibel wird sie Bräutigam genannt - die diesem toten Leben wirkliches Leben gibt.
Wir haben die Wahl zwischen Babel und Pfingsten
Nicht ein einziges Geschehen in der Bibel ist einmalig; alles ist seelisch real und damit symbolisch. Wenn wir das verstehen, geht uns ein Licht auf, wie es zu Beginn der Bibel aufgeht.
Immer, wenn ein heiliger Gedanke in die Wirklichkeit tritt, flammt dieses Licht der Schöpfung auf; dieses Licht ist Bewusstsein.
Wir wissen um den Verlust des Paradieses, der einen gewaltigen Bewusstseinswandel thematisiert und sich in vielen Mythen findet; wir wissen, dass die Menschen einen Turm bauen wollten, der bis zum Himmel reichen sollte. Dieser Turmbau zu Babel ist in der Geschichte menschlichen Bewussteins untergegangen, heutige Jugendliche wissen von ihm in der Regel nichts mehr - Platon berichtet übrigens in seinem Gastmahl von einem vergleichbaren Geschehen, sich auf Homer berufend, der erzählt, dass Otos und Perialtes den Himmel stürmen wollten; Zeus setzte diesem Treiben ein Ende, indem er den Menschen in zwei Hälften teilte, unter anderem in Mann und Frau.
Dieser Turm zu Babel wird seitdem tagtäglich immer wieder aufs Neue gebaut.
Infolge des biblischen Geschehens wurden die Menschen nicht geteilt, aber sie verloren ihre gemeinsame Sprache, die ihnen bisher eigen war; die Folge war, dass sie sich nicht mehr verständigen konnten und diesen Turm, mit dem sie gottgleich werden wollten, nicht mehr weiterbauen konnten. 
Wenn Menschen das Heilige verehren, verstehen sie sich, sie sprechen eine Sprache ungeachtet vieler äußerer Sprachen; sie werden im Physischen Häuser bauen, auch Hochhäuser aber immer werden sie sich ihres inneren Tempels bewusst sein.
Sie werden keinen Himmel stürmen wollen müssen, denn er ist in ihnen und ist heilig.
Im Altertum und in vergangenen Kulturen war dieser Tempel auch im Äußeren präsent als Hinweis, dass man sich des Heiligen bewusst war. Er kam in vielen Formen vor: Bei Wettspielen der Griechen, waren sie sportlicher Art oder Theaterwettkämpfe, stand im Rund oder Halbrund ein Altar, im römischen Haus gab es einen Ort, der den Penaten, den Göttern des Hauses geweiht war; in fast jedem indianischen Zelt gab es diesen heiligen Ort, ja, manche mögen in ihrer Wohnung einen Ort haben, der ihnen heilig ist, wo Liebstes steht oder aufbewahrt ist.
Dieser Ort ist auch in uns. 
Wer ihn nicht hat, lebt nicht wirklich. Er ist heillos.
Der Sinn unseres Lebens besteht darin, diesen Ort in uns zu finden. Wenn wir ihn finden, haben wir unsere Heimat gefunden - an jedem Ort der Erde. Die wahre Heimat ist dieser heilige Ort in uns. Hier sind wir in unserer ureigenen Zeit.
An Pfingsten nun geschieht etwas, was einem Wunder gleichkommt, weil es Wunderbares offenbart: Die Jünger, vom heiligen Geist erfüllt, können in allen Sprachen sprechen. Für das, was sie sagen möchten, gibt es keine Barrieren. Dieser Geist war schon immer und ist barrierefrei.
Mit diesem heiligen Geist ist die Energie Babels zunichte
Pfingsten findet immer dann statt, wo auf der Ebene des Heiligen Menschen miteinander sprechen ; was sie sagen möchten im Sinne dieses Geistes, wird von allen, die es verstehen möchten, verstanden.
Pfingsten ist Sprache, die wir heilig nennen. Sie bewirkt dieses Ineinander-Versenken von Gott und Mensch, Mann und Frau, Bruder und Schwester.
In diesem Geist finden Menschen als Menschen zueinander.
Sie sprechen eine Sprache. 
Diese Sprache, dieses weltweite Bewusstsein, verbinde ich mit PFINGSTEN.


veröffentlicht auch auf FreieWelt.net

Sonntag, 5. Juni 2011

Paracelsus: Hab Acht auf deine Ratgeber, deinen inwendigen Garten!

Der Leib ist das Haus der Seele, die Seele ist jedoch das Haus der guten und der bösen Geister, die im Menschen wohnen. Ein Beispiel: Es sitzt ein König mitten in seinem Rate und hat viele Ratgeber; die einen sind gut, die anderen böse. So wird ihm Gutes und auch Böses geraten. Diese Ratgeber sind aber gleichsam in ihm selber, sie sind von seinem eigenen Geist. Und so steht die Wahl bei ihm, ob er tun will, was der eine oder was der andere ihm rät. Bei ihm liegt die Freiheit zu folgen, wem er will. So ist auch der Geist, der über der Seele steht, wie ein König im Menschen, mitten im Rat der natürlichen Ordnung, nach welchen der Mensch handeln soll.

Das Zentrum aller Dinge ist der Mensch, er ist der Mittelpunkt von Himmel und Erde.

Hab Acht auf deinen inwendigen Garten (...) und höre auf dich selbst, damit du auch das zu lernen vermagst, was dich niemand lehren kann und worüber sich ein jeglicher verwundern muss.


zitiert nach "Von den Geheimnissen der Natur", München 1990
Mehr zu Paracelsus: hier und hier