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Mittwoch, 10. August 2011

"Ich springe eine Hürde, wenn sie da ist, und nicht vorher" - Joachim Fuchsberger im Gespräch mit Frank Elstner

Wenn ich mich nachts manchmal fernsehweise durch die Sender zappe - seitdem es so viele Programme gibt, guckt man ja nicht wirklich oder höchst selten einen Film oder eine Sendung von vorn bis hinten an, eigentlich eher schade - verweile ich gern länger bei Frank Elstners "Menschen der Woche", wenn ich zufällig auf diese Sendung treffe, nicht nur deshalb, weil dieser Mann oft Leute eingeladen hat, die tatsächlich etwas zu sagen haben, sondern weil ich auch dessen unaufgeregte Gesprächsführung liebe und die Tatsache, dass er als einer der wenigen im Fernsehen in der Lage ist, sich zurückzunehmen, sich also nicht selbst in den Vordergrund spielt. Zudem kann er wirklich zuhören; wenn die Kamera ihn einblendet, dann ist da ein Mensch zu sehen, dessen Fokus wirklich auf den Gegenüber als Mensch gerichtet ist.
So war es auch in dem Gespräch mit Joachim Fuchsberger, den er als Freund auch sicherlich eingeladen hatte, damit jener Werbung für sein neues Buch Altwerden ist nichts für Feiglinge promoten könne; das finde ich nicht verwerflich, man ist da schlimmere versteckte Promotion gewöhnt.
Ich finde Joachim Fuchsberger einen ziemlich, meistens sogar sehr authentischen Mann. Ein Satz von ihm in dem Gespräch hat es mir vor allem angetan, als er nämlich sagte:
Ich springe eine Hürde, wenn sie da ist, und nicht vorher.
Das ist wirklich eine Lebensweisheit und sie sich bewusst zu machen, tut mir selbst spürbar gut. Wie viele Ängste zum Beispiel bauen wir im Vorhinein auf? Wie groß machen wir manche Hürde, die sich später als ziemlich klein erweist? Wie oft springen wir manche Hürde in Gedanken, obwohl unsere innere Lebensweisheit will, dass sie von uns nur einmal gesprungen wird?
Das gilt für den Zahnarzt, für Prüfungen, für wichtige Gespräche, aber wir können sie auch an scheinbar nebensächlichen Hürden üben, und dabei muss ich über mich selbst lächeln:
Meistens habe ich meinen kleinen Rucksack, indem ich mein Regencape mittrage, falls die Wolken Regen ankündigen, wenn ich mit den Stöcken nordicwalkend unterwegs bin, nicht dabei. Auch gestern nicht. Nach 10 Minuten habe ich es schon bereut. Es zogen so dunkle Wolken über mich hinweg und so tief, dass ich glaubte, dass es tiefer nicht mehr gehe. Und vom Schwarzwald her kam eine massiv dunkle Wolkenwand, großflächig, drohend, tief hängend. Das hatte ich in den letzten Tagen immer wieder erlebt, wenn auch nicht so krass. Und immer hatte ich meinen Regenschutz nicht dabei gehabt. Gestern nun fiel es mir wirklich schwer, die Hürde nicht im Vorhinein springen zu wollen, nicht mir Sorgen zu machen, denn Regen bei 12 Grad macht keinen Spaß, wenn man noch 45 Minuten vom warmen Bad weg ist.
Aber es ist so, wie ich es sage: Als ob mich mein Inneres necken wolle, kamen ein paar Tropfen, eine Minute lang, ansonsten blieb ich strohtrocken. Wie in der letzten Zeit immer.
Über meine geliebten Felder zu laufen und Falken und Bussarde zu beobachten, den Pferden, die ich kenne, guten Tag zu sagen oder den zwei Lamas, die es tatsächlich auf einem Gestüt gibt, das finde ich wunderschön.
Da kann einem das ständige Springen über eine Hürde mächtig den Spaß versauen - auf Deutsch gesagt. Wenn man ständig an den kommenden Regen denkt, ist es vorbei mit dem Genuss, der Erholung, dem, was die Natur so gern darreicht.
Ich lerne in letzter Zeit sehr bewusst, die Hürden nicht zu springen.
Da war die Sendung und die Aussage Joachim Fuchsbergers wie das Tüpfelchen auf dem >i<
Nicht ein einziges Mal, wie gesagt, hat es in den letzten Tagen, wenn ich unterwegs war, wirklich geregnet, dabei fiel davor und danach, also wenn ich noch oder wieder zu Hause war, genug Niederschlag ... !
Seltsam, wie sich die Realität an meiner Vorstellung orientiert.
Im Grunde weiß ich, dass es gar nicht seltsam ist.
Wer weiß, wie viele Hürden ich im Leben schon aufgestellt habe, die es eigentlich gar nicht hätte geben müssen. Wie viele ich viele Male gesprungen bin. Oder sie unnötig erhöhte ...
Schluss damit!


PS: Wer sich diese Stelle im Gespräch original ansehen möchte, kann dies mittels der Mediathek des SWR tun - hier der Link, am besten unten Minute 63 einstellen, wer mit etwas Anlauf zu der Aussage Joachim Fuchsbergers kommen möchte.

Samstag, 18. Juni 2011

"... und ist doch rund und schön" - Von Matthias Claudius lernen.

Es gibt Dichter, die haben mit wenigen Sätzen Wahrheiten gesagt, die eine ganze Philosophie enthalten. In Matthias Claudius´ Abendlied finden sich mindestens zwei Weisheiten, über die andere ganze Bücher geschrieben haben. Matthias Claudius genügte jeweils eine Strophe.

Bevor ich zumindest zu einer der beiden komme, möchte ich darauf hinweisen, wie bedeutsam diese unsere abendländischen Werte enthaltenden Weisheiten für unsere tagtägliche Realität sind - besser gesagt: sein könnten!

Denn eins ist sicher: Über Werte brauchen wir nicht reden, wenn sie in der Realität - und in unserem Land ist das zunehmend der Fall - keine Rolle spielen. Wenn wir sie nicht anwenden, verkommen sie: use it or lose it.

Einer dieser Leitsätze, ein wert-voller ist:

Wer nicht im Geringsten treu ist, ist auch nicht im Großen treu.

Das wissen wir alle, wir nicken zu dieser Wertaussage, dieser Weisheit. Sie erstreckt sich bis in Sprichwörter hinein, wie jenem: „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“

Wenn eine Regierung es wagt, sich mit gefälschten Daten Zugang zu den Töpfen einer Gemeinschaft zu ergaunern, dann kann da - so hätten es meine Eltern formuliert - kein Segen darauf sein. Das wissen wir alle. Wie im Kleinen, so im Großen. Der Teil steht fürs Ganze.

Und dennoch haben unsere Politiker diese Einsicht, dieses Wissen sträflich vernachlässigt. Das ist Fakt. – Use it or lose it. Das gilt für unsere Werte.

Leider sind nicht die, die Werte nicht berücksichtigen, die Loser, sondern der Bürger, dessen Steuern im Schlund der Charybde verschwinden. - So weit zur griechischen Mythologie und der Tatsache, dass leider viele, die unser Handeln bestimmen, nichts mehr aus der Ilias und den Prüfiungen des Odysseus lernen wollen. So fallen sie Scylla oder Charybde zum Opfer oder landen im Schweinestall Circes. Wenn die verbindliche Verkehrssprache das Grunzen ist, fällt das auch nicht mehr auf. Jüngstes Beispiel der hohen Kunst des Grunzens ist die Pressekonferenz von Merkel und Sarkozy.

Nun finanziert Europa - es war vorauszusehen - weiterhin ein korrumpiertes Wirtschaftsystem. Wir zahlen zudem mit an griechische Tote, die noch Rente erhalten (ich habe bis dato nicht gelesen, dass in Griechenland ernsthafte Anstrengungen unternommen werden, dies abzustellen; ein Teil deutscher Gelder wird wohl auch an diese Toten gehen).

Das Chaos, in dem wir uns finanziell und wirtschaftlich - im Übrigen, was aufzuzeigen sein wird, nicht nur finanziell und wirtschaftlich - befinden, war absehbar.

Wo der Brandherd wirklich liegt

( . . . )

zum Weiterlesen:
hier

Donnerstag, 28. April 2011

... den Rollstuhl im Kopf ...

Gestern Abend habe ich eine beeindruckende Sendung bei Markus Lanz gesehen. Da waren die Aussagen von Liedermacher und Schauspieler Rainhard Fendrich und von NDR-Talkshow-Gastgeber und Buchautor Hubertus Meyer-Burckhardt schon hochinteressant, auch die des Aussteigers und Ex-Mulitimillionärs Hermann Ricker ...
Überwältigend aber fand ich Worte und Einstellungen einer Frau namens Nina Wortmann. Querschnittgelähmt seit einem Autounfall, vermittelte sie den Eindruck, sie stehe mehr im Leben als viele so genannte Nicht-Behinderte.
Was ihr so treffend gelang, war, zu formulieren, dass für diese so genannten Nicht-Behinderten gilt: 

"Die meisten haben diesen Rollstuhl heutzutage im Kopf."
Und worauf sie sich unmittelbar zuvor bezog, war die Alternative, die sie auch gehabt hätte, nämlich den ganzen Tag vor dem Fernseher zu sitzen oder die Zeit mit Computerspielen zu verbringen. Stattdessen kämpfte sie um ihre Beweglichkeit, um das teilweise Wiedererwachen ihres Körpers - ihrer Mutter, glaube ich, verdankt sie unendlich viel, die als Physiotherapeutin schon ab dem ersten Tag mit ihr trainierte, auch gegen die Widerstände ihrer Tochter.
"Die meisten haben diesen Rollstuhl heutzutage im Kopf."
Genau so ist es. Viele verbringen ihre Zeit vor dem Computer und vor dem Fernseher, obwohl sie nicht behindert sind.
Genau so aber ist es genau nicht: DIESE Menschen sind behindert: Sie haben ihren Rollstuhl im Kopf, ja, auch im Herzen, denn das ruft nach Leben!
Oder, wie es Nina Wortmann, Ehefrau, Mutter und Model, formulierte:
Ich will leben
Ich will atmen,
Ich will lachen...
Ja, das muss man wollen!
Was daran hindert?
Hierzu zitierte Markus Lanz eine Aussage Meyer-Burckhardts, die ich aufschlussreich und richtig wichtig finde:

Wir haben Angst vor Dingen, glauben wir.
In Wahrheit haben wir Angst vor der Vorstellung, die wir von diesen Dingen haben.
Ein besonderer Satz, eine bemerkenswerte Wahrheit:
Es ist nicht die Realität, die uns nicht ins Leben gehen lässt, die uns Angst haben lässt, die uns behindert; sondern es ist unsere Vorstellung von dieser Realität ... die so, wie wir sie haben, nur für uns so existiert ... !

PS. Diese Sendung kann man bekanntlich in der ZDF-Mediathek (ein bisschen warten, dann läuft die Wiedergabe an) anschauen und diese Sequenz mit Nina Wortmann und dem anschließenden Zitat findet sich zwischen Minute 50.20 und 52.00 ... man kann das ja erfreulich genau einstellen. Ich persönlich fand aber schon weit vorher - eigentlich von Beginn an - auch die Worte von Rainhard Fendrich über die Bedeutung, sich selbst vergeben zu können ("Wer nicht lernt aus seinen Fehlern, ist verflucht, sie ein Leben lang zu wiederholen"), über die Bedeutung, die putzen für ihn hat, den Zusammenhang von Drogengenuss und Kreativität, die sich nicht künstlich erzeugen lässt ("Wenn man wüsste, wie es einem nachher geht, würde niemand damit anfangen") absolut bemerkenswert.
Eine phaszinierende Runde, jeder Einzelne, dazu ein einfühlsamer und humoriger Moderator ... Fernseh-Zeit, die sich für mich gelohnt hat!

Sonntag, 20. Februar 2011

Beppo Straßenkehrer, die Straße des Lebens oder: Wie man mit Freude lernt.

Momo hat bekanntlich zwei allerbeste Freunde, einen jungen und einen alten; der alte ist Beppo Straßenkehrer und er hat zwei besondere Eigenschaften, die, wenn die Menschen sie übernähmen, die Welt verändern könnten.
Das eine ist sein Umgang mit Fragen.
Es gibt Fragen, auf die zu antworten er nicht für nötig findet. Dann schweigt er.
Das muss man erst einmal können, Fragen nicht für nötig zu halten! So einfach, wie es scheint, ist das nicht, vor allem dann mit Beppos Reaktion!
Vielen unserer Medienvertreter und vielen unserer Politiker wünschten wir das, die Fähigkeit, Fragen, die nicht wirklich nötig sind, auch nicht nötig zu finden und sie dann einfach nicht  zu stellen. Und wenn Politiker dann noch auf Fragen, die nicht wirklich nötig sind, nicht antworteten - meine Güte ... zu schön, um wahr zu sein.
Klar stellt sich da schon wieder eine Frage, nämlich: Woher weiß ich, dass Fragen nicht nötig sind?
Beppos Verhalten könnte hilfreich sein: Wenn er eine Antwort nicht wusste, schwieg er. Wenn er also nicht wusste, ob eine Frage wichtig war, dann schwieg er auch!

Ich schreibe im Präsens, denn die Geschichte spielt noch. Beppo Straßenkehrer, das sind auch wir, wenn wir uns so verhalten wie er. 

Wie könnte das unsere Wirklichkeit verändern, wenn das viele Gesabbere unserer Politiker, wenn sie reden, aber nicht wirklich Antworten wissen, sich nicht ständig ausbreiten würde wie ein zäher Brei, der über die Medien in unsere Wirklichkeit fließt und uns zukleistert.

Übrigens gilt das für unser inneres Gesabbere auch; das äußere ist ja nur ein Spiegel unseres inneren.

Beppos Verhalten könnte auch unsere Schulwirklichkeit verändern, denn es gibt eine Antwort auf die Frage, warum manche Schüler schweigen: Sie finden eine Antwort nicht nötig  :-))
Und was viele Lehrer nicht wissen: Viele Schüler geben die Antwort erst Stunden später, wenn die Schule vorbei ist. 
Beppo Straßenkehrer machte das so. Wenn er eine Antwort nicht wusste, gab er sie zwei Stunden später, mitunter auch einen Tag später.
Das erklärt übrigens endlich, warum z.B. ein Schüler auf die Frage seines Erdkunde-Lehrers, wo der Ganges fließt, Subjekt als Antwort gibt. Lange hatte er nämlich über die Frage seines Deutschlehrers nachgedacht und einen Tag später die Antwort gegeben. War es sein Fehler, dass gerade Erdkunde-Unterricht war :-))
Für Beppo Straßenkehrer jedenfalls stand fest, dass alles Unglück der Welt von den vielen Lügen, den absichtlichen, aber auch den unabsichtlichen kommt, die nur aus Eile oder Ungenauigkeit entstehen.

Unser Schulsystem aber hat - ehrlich und nun wieder ernsthaft gesagt - doch zunehmend ein Ziel: Eile ohne Weile.
Warum sonst wird das neunjährige auf das achtjährige Gymnasium verkürzt, warum wird die Schule mit immer mehr Anforderungen überfrachtet? Nach Expertenansichten verdoppelt sich das Wissen auf der Erde alle acht bis 10 Jahre, manche sagen sogar: alle 5 Jahre. Da kann man sich vorstellen, was Schüler und Lehrer zu leisten haben. 
Dass Schüler gegenüber früher den Umgang mit Computern  und entsprechenden Programmen in der Schule lernen, dass sie viel intensiver als früher Arbeitstechniken lernen, dass es dafür auch extra Methodentage gibt, dass sie auch Sozialpraktika machen und berufsvorbereitende Maßnahmen verstärkt Einzug in die Schule halten, sei es, dass sie - wie an meiner Schule - eine Woche ein Betriebspraktikum machen oder an einer freiwilligen Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche teilnehmen können, verpflichtend an zwei Tagen Universitäten des Landes besuchen oder eine Zeitung, Porsche oder Mercedes, dass sie vor allem auch Präsentieren lernen und dabei gleichzeitig lernen müssen, dass die äußere Form den Lehrplangestaltern mittlerweile wichtiger ist als der Inhalt, ob also das, was sie präsentieren hohl ist, zunehmend zweit- oder drittrangig wird, das sind nur einige von vielen neuen Anforderungen, die in den letzten Jahren an die Schulen herangetragen worden sind - und diese Tendenz nimmt zu. 
Mittlerweile hat ja bei uns auch jeder Schüler sein Portfolio! Wow! Von Gewaltprävention und Aufklärung über die Gefahren des Internet und weiteren Dingen wie gesunder Ernährung - wie viel übergewichtige Schüler haben wir nicht ... - ganz zu schweigen; logisch, auch dafür gibt es Curricula. Und klar kommt der Polizist zur Drogenprävention in die Klassen. – Gelernt wird auch noch. Manche singen noch im Chor der Schule, spielen in der Theater-AG, geben lernschwachen Schülern nachmittags Nachhilfe, spielen im Orchester, machen eine Ausbildung zum Streitschlichter und führen das Gelernte in Streitfällen auch durch, sind Schulsanitäter oder auch Klassensprecher und treffen sich regelmäßig im Rahmen der SMV oder gehen auf eine Freizeit zur Vorbereitung des Schuljahres. Ja, manche arbeiten in der Bibliotheksverwaltung mit, sitzen in Schulgremien und - man höre und staune: Manche spielen in ihrer Freizeit noch ein oder zwei Instrumente, gehen in ein oder zwei Sportvereine, engagieren sich in der Freiwilligen Feuerwehr, im CVJM und wo noch auch immer ...
Das Gute ist, dass nichts anderes aus dem Lehrplan dafür herausgenommen wird. So kommt niemand mehr zur Besinnung!
Und davon abgesehen sind ja Lehrer nun nicht mehr nur mit dem Unterricht beschäftigt und dem Vorbereiten und Begleiten oben angeführter schulischer Aktivitäten, sondern mit dem Evaluieren ihrer Schule, und zwar dem Fremd-Evaluieren und dem Selbst-Evaluieren. Das ist neuerdings - zumindest in Baden-Württemberg - der große Renner, ohne den die Pädagogik zugrunde gehen würde: Evaluieren! Wie das auch klingt. Das hat was! Das macht die Wirtschaft auch! Jeder gute Betrieb, der etwas auf sich hält, evaluiert sich ab und an!
Dass Lehrern, die sich tunlichst mit der Beurteilung von Stärken und Schwächen ihrer Schule und des Unterrichtens zu beschäftigen haben, weniger Zeit für die Vorbereitung des Unterrichts bleibt (also dem, was sie eigentlich ursprünglich mal tun sollten): diese Frage gehört nunmal nicht zu den notwendigen. 
Selbstverständlich sollen Lehrer zunehmend diffenzierend unterrichten, also in jeder Klasse für die Schwächeren und Stärkeren eigene Arbeitsblätter oder Aufgaben erstellen, diese dann korrigieren und/oder besprechen. 
Und in Baden-Württemberg werden die Lehrer noch mittels zahlreicher Fortbildungen umgestellt von Lernzielorientierung auf Kompetenz-Orientierung, nachdem sie zuvor in ihren Fächern an ihrer Schule - jede Schule erstellt sie für sich (!), wie ökonomisch (!) - Bildungspläne erstellt haben. 
Gott sei Dank hat man noch in den dafür zuständigen Stellen rechtzeitig diese Gefahr erkannt: dass mit der antiquierten Orientierung auf Lernziele die Lern-Welt zugrunde gehen würde; nur Kompetenzen können sie retten! Nun hocken sich Lehrer den Hintern breit in Fortbildungen, von denen die Fortbildner selbst offen zugeben, dass sie deren Sinn nicht ganz sehen. Und zu Hause warten die Klassenarbeiten und Haushefte, die zu überprüfen sind. Spricht noch jemand von Unterrichten?
Dass es sinnvoller gewesen wäre, Fortbildungen über Kompetenzen zu machen, bevor die Bildungspläne erstellt werden - ach, so ein kleines Fehlerlein des Kultusministeriums, was macht das schon ... Über sowas spricht man nicht ... Bildungsrealität 2011.

Wir lehren die Kinder immer, Fragen  zu stellen. Das ist sicherlich richtig. Aber vielleicht sollten Erwachsene nicht immer, vor allem zur Ablenkung, wie Kinder Fragen stellen und sich damit dumm stellen, sondern es halten wie Beppo Straßenkehrer. Im Grunde war er ein Zen-Buddhist: seine Arbeit war seine Art zu meditieren. In Momo heißt es:

"Wenn er so die Straßen kehrte, tat er es langsam, aber stetig", denn: "Er tat seine Arbeit gern und gründlich."

Das allerdings geht nun gar nicht mehr. Da merkt man, wie Michael Ende doch ziemlich hinter dem Mond lebte.
Gern die Arbeit tun? – Diese Frage ist absolut nicht mehr zeitgemäß.
Gründlich? – Das kann man nur beantworten, wenn man sich von Lernzielorientierung hin zu Kompetenzorientierung weiterentwickelt hat.
Wenn man das getan hat, stellt sich manche Frage erfreulicherweise gar nicht mehr, denn man hat die Lust an allem verloren.
So kann man auch didaktische und pädagogische Probleme lösen.
Und menschliche dazu. 
Die z.B., auf welche Weise wir wirklich sinn-voll leben und lernen können.

Beppo Straßenkehrer hatte eine Antwort, die nicht mehr in unsere Zeit passt, weil sie voraussetzt, dass man Zeit hat, und Zeit zu haben: Das genau passt nicht mehr in unsere Zeit!

"Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten ... Dann macht es Freude, das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut."

Es ist schon wahr: Es ist wichtig, um das große Ganze zu wissen. Aber man darf das Wissen um das große Ganze nicht verwechseln mit der groß(kotzig)en Geste, die in unserer Gesellschaft mittlerweile viele drauf haben - ja, zunehmend lernen sie auch Jugendliche, man muss nur einige Vertreter der politischen Jugendorganisationen reden hören oder manche Schulsprecher an seinem inneren Auge vorbeiziehen lassen.
Das große Ganze im Blick haben zu können setzt voraus, dass man die Details kennt, damit man weiß, was man verbindet.
Deshalb ist der Beppo Straßenkehrer in uns wichtig. Meter für Meter kennt er seine Straße.
Und, wie gesagt, er gehört nicht zu denen, die gleich großkotzen müssen; viele tun das in unserer Gesellschaft ja auch ungefragt ...

Freude? Wie war das mit Beppos Freude? – Steht sie im Lehrplan? Ist das eine Kompetenz?
Mit Freude lernen?
Womöglich ein Leben lang?
Seltsam, dass Menschen auf manche Fragen schon immer schweigen.
Und unter den vielen ach so notwendigen Fragen werden die, die wirklich gestellt werden sollten, gar nicht mehr vermisst.

Lasst genau die uns wieder stellen!

Sonntag, 24. Oktober 2010

Buddha: Alle Dinge entstehen im Geist! - James Allen: Der Geist ist die herrschende Kraft!

Schloss Meiningen
Mit diesem Post möchte ich meine letzten Veröffentlichungen, die sich mit der Verantwortung, die wir im Hinblick auf  unsere Gedanken und unser Leben, die Kraft und Macht unseres Geistes also und eine neue Sicht auf die Bedeutung des Gebets beschäftigt haben, zu einem vorläufigen Abschluss bringen.

In gewisser Weise, so könnte man sagen, betet ja jeder. Ohne Unterlass. Es ist sein ständiges Gedankengeplapper.
Mancher allerdings betet sich zu einer Krankheit hin, zu einer misslingenden Partnerschaft, zu einem Unglück. Mit Hilfe seiner Gedanken nämlich bettelt er förmlich darum, manche so intensiv, dass nicht einmal Heilige mit dieser Intensität mithalten könnten ...

Niemand, der gesund sein will, mental und körperlich, kommt an einer Kontrolle seiner Gedanken vorbei.
Ich mag das Wort Kontrolle nicht - hier aber ist es angebracht.

Im Germanischen gibt es das Wort beten gar nicht. Es taucht erst mit der Christianisierung auf und erst das Althochdeutsche, also die Zeit ab ca. 800 differenziert zwischen bitten, betteln und beten. Interessanterweise hängt das Wort bitten etymologisch mit dem lateinischen fidere zusammen, so dass beten auch bedeuten könnte: jemanden oder sich selbst durch einen Vertrag oder Vergleichbares binden.
Das nun tut jemand, der betet, im Grunde. Im christlichen Sinne geht er einen Vertrag, ein Bündnis mit Gott, mit seinen Engeln ein. Von daher möchte ich das Wort beten und das Gebet heilig halten, auch eingedenk solch wunderbarer Gedichte wie Allein den Betern kann es noch gelingen von Reinhold Schneider.
Ich kenne einen Menschen, bei dem 80 von 100 Äußerungen sich mit der Schlechtigkeit anderer Menschen und irgendwelcher Umstände beschäftigen; in 19 weiteren jammert er über sein Rheuma und andere Schmerzen ... dass sie eine Folge des Jammerns und kranken Denkens sind, darauf kommen er und andere nicht ... da nützt auch der eine seicht positive Gedanke nichts ...


James Allen formuliert es so:

Der Geist ist die herrschende Kraft,
die schmiedet und schafft.
Wir sind Geist, und je mehr wir das Werkzeug
des Denkens einsetzen und das erschaffen,
was wir wollen,
desto sicherer bringen wir tausend Freuden,
tausend Leiden hervor.
Wir denken im Verborgenen und es zeigt sich -
unsere Lebensumstände sind nichts als ein Spiegel.


Auch Buddha legt diesen Zusammenhang, dass wir selbst nämlich Ergebnis unseres eigenen geistigen Wirkens sind, offen. Im ersten Kapitel des Dhammapada, das ich in meinem Blog Methusalem veröffentlicht habe, tritt dies deutlich zu Tage. Hier die ersten Zeilen:


Alle Dinge entstehen im Geist,

Sind unseres mächtigen Geistes Schöpfung.

Rede mit unreinem Geist,

Handle mit unreinem Geist

Und Leiden wird dir folgen,

Wie das Rad dem Fuß folgt,

der den Wagen zieht.

Wes Geistes Kind wir sind?
Diesen Zusammenhang, dass wir Kinder eines Geistes sind, den wir selbst wählen, thematisiert auch das Neue Testament immer wieder. Unter anderem wäre es zwei seiner Jünger, Johannes und Jakobus, als die Samariter im Norden Jesus eine Herberge verweigern, am liebsten gewesen, es wäre auf diese Herzlosen Feuer vom Himmel gefahren, volle Kanne Rache und Strafe also - und sie berufen sich sogar auf Elia, den alttestamentarischen Propheten.
Doch Jesus antwortet ihnen, nachzulesen im Evangelium des Lukas, Kapitel 9,51ff:

Wisst ihr nicht,
welches Geistes Kinder ihr seid?
Des Menschen Sohn ist nicht gekommen,
der Menschen Seelen zu verderben,
sondern zu erhalten.