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Montag, 9. Juni 2014

Langeweile: hirntechnisch gesehen das Beste für Ihr Kind! Und nicht nur hirntechnisch . . .


Das muss alle die Eltern schocken, die schon vor der Geburt ihres Kindes sich einen Plan zurechtgelegt haben, wie es sinnvollst gefördert werden kann.
Das beginnt mit der mozartlich vorgeburtlichen Beschallung, geht weiter mit gezielter Befüllung der Spiegelneuronen, dem Mutter-Vater-Kind-Schwimmen, mit ach so spielerischem Lernfreudetrainig, mit sensomotorischen Lerneinheiten während der Kita-Zeit, mit Ballett-Einheiten im Leib-Seele-Kindergarten . . . okay, ich übertreibe ... aber so weit von der Realität bin ich nun auch nicht entfernt.
Übrigens - und das möchte ich hier schon auch anmerken - halte ich einen Kindergarten mit hohem Aufforderungscharakter, um Dinge zu entdecken, für durchaus wertvoll. Allerdings bin ich hier eher auf der Montessorie-Linie: Es dürfen, ja sollen Dinge sein, die immer wieder auch aus dem Kind kommen. Wobei es durchaus so sein darf, dass eine gute Mischung stattfinden darf: Lieder lernen Kinder nun einmal, wenn sie der Kindergärtnerin nachsingen, auch wenn sie ihre eigenen haben und manchmal goldig vor sich hinbrabbeln und -singen - ich möchte sagen: 
Die Mischung macht´s, eine Mischung, die allerdings für jedes Kind anders aussehen wird; so weit möglich, gehen Menschen, die mit Kindern zu tun haben wollen, darauf ein.

Hochfrequenz-Lernen cancelt die Lernfreude

Zu obigem Programm, beginnend schon in der vorgeburtlichen Phase (irgendwann kommt ein Wissenschafler und weist nach, dass es am besten schon vor der Zeugung losgeht), sagt Gerald Hüther jedenfalls eindeutig STOPP, und was er zum Ausdruck bringt, bedeutet nichts anderes, als dass solches Verhalten für die Lernfreude eines Kindes sehr kontraproduktiv sein kann, ja in der Regel ist - zu den elterlichen Neurosen, die hinter solch einer Einstellung stecken, äußert er sich nicht  (weil sich damit auch die Chance, dass Betroffene es sich zu Herzen nehmen, steigt).

Gut, ich hatte als Kind viel Langeweile und bei mir hat es trotzdem nur zum Lehrer gereicht (kleiner Spaß, ich bin gern Lehrer), aber was ich weiß und als sehr wertvoll für mich empfinde:
Die Langeweile hat bei mir dazu geführt, dass ich die örtliche Bibliothek sehr stark frequentiert habe und dass sich meine Fähigkeit, alles in Bildern sehen zu können, sehr ausgeprägt hat, denn ich musste die etwas dürftige Eisenbahnanlage immer aufpäppeln durch meine Vorstellungen, wie die Lok mit 20 Wagen gerade die Alpen überquert oder durch unwirtliche Canyons fährt (manchmal mit Indianerüberfall). Und am meisten gefordert war meine Phantasie, als ich mir den damals noch dick aufgepolsterten, runden Klavierhocker gegen den heftigen Widerstand meiner großen Schwester erkämpfte, ihn schräg stellte und zu einem Bus-Lenkrad umfunktionierte, seiner eigentlichen Bestimmung, wie ich fand. Das war schon tollkühn, wie ich da diesen großen Bus durch den Stadtverkehr manövriert habe. - Was meine Mutter dachte, wenn sie mich so sah, weiß ich nicht, aber sie ist mit mir auch nicht zum Arzt gegangen.

Heute kann ich mir alles - kein Wunder bei so viel Übung - bestens in Bildern vorstellen (was dazu führt, dass ich mir selten eine Literaturverfilmung ansehen mag, weil meine eigenen Bilder mir einfach lieb sind, in aller Regel viel lieber als die Filmbilder), und - man mag es nicht glauben - es hilft mir nicht unerheblich z. B.  beim Interpretieren von Gedichten. Wenn man sich alles in Bildern wie in einem Film vorstellt, fällt einem sofort auf, wo die Knackpunkte liegen, was ungewöhnlich ist, wo Brüche sind, was außergewöhnlich ist, was womöglich gar nicht gesagt oder getan wird, aber doch eigentlich ansteht ...
Ich sehe manchmal in misstrauisch staunende Augen, wenn ich zu meinen Schülern sage: Schaut euch alles wie in einem Film an, dann liegt die Interpretation fast auf der Hand.
Was ich immer mitbedenken muss: Viele können das nicht mehr, sich eigene Bilder zu machen. Von frühester Kindheit werden sie mit fremden Bildern erschlagen, ihre eigenen kommen nie zum Tragen.  Dafür sorgen Video, Play-Station und Smartphone.
Ein Jammer.
Wie wertvoll ist die eigene Phantasie.

Einstein wäre für G10

Vergessen wir nicht, dass Einstein seine Relativitätstheorie sich zunächst nur vorgestellt hat: Alles, was das Verhältnis von Raum und Zeit betrifft und was seit Jahrhunderten Gültigkeit besaß, die Vorstellung nämlich von einer gleichförmig ablaufenden Zeit, die für jedes Bezugssystem diesselbe Gültigkeit haben müsse, revidierte er durch seine Vorstellungskraft dahingehend, dass jedes System seine Eigenzeit besitzt. Eine gigantische Leistung dieses, seines Vermögens.

Nun weiß ich natürlich nicht, ob er Langeweile hatte, aber von Videos und Smartphone-Schrott ist er jedenfalls nicht zugeballert worden.
Doch wie sinnvoll es sein kann, sich mit Lange-Weile und durchaus langsam zu entwickeln - die Diskussion um G8/G9 lässt grüßen -, machen seine Zeilen an James Franck deutlich:

"Ich (..) habe mich derart langsam entwickelt, daß ich erst anfing, mich über Raum und Zeit zu wundern, als ich bereits erwachsen war."

Das ist für Einstein, so möchte man sagen, der Stein der Weisen:

"Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, dass an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern, nicht mehr staunen kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen."

Diese Sätze möchte man allen Bildungsplanern und jenen Eltern ins Stammbuch schreiben, die glauben, sie müssten Kinder möglichst früh möglichst viel eintrichtern, damit sie alle Einsteins werden.

Genau der aber würde sagen: Lasst ihnen doch Zeit. Zeit zum Staunen. Zeit zum Wundern.

Ein Kindergarten darf, ja sollte immer auch ein Wunderland sein.
Dann entwickeln sie Dinge, die wir nicht zu denken wagen, nicht denken können, weil wir von zu eilfertigen Erwachsenen auf ihr Denken hin gedrillt worden sind.
Um Einstein noch einmal ausführlicher zu zitieren:

"Ich (..) habe mich derart langsam entwickelt, daß ich erst anfing, mich über Raum und Zeit zu wundern, als ich bereits erwachsen war. Naturgemäß bin ich dann tiefer in die Problematik eingedrungen als ein gewöhnliches Kind."

Lassen wir doch Kindern so weit als möglich ihre Ungewöhnlichkeit. Vielleicht können dann viele auch ungewöhnlicher bleiben und müssen sich nicht in ADHS-Symptome flüchten.

Ich empfehle Ihnen jedenfalls das folgende Video, auch deshalb, weil es denjenigen, denen die überzogene Leistungs-Erziehung unserer Kinder gefühlsmäßig schon immer ein Dorn im Auge war, argumentatives Material an die Hand gibt. Manchmal tut das unseren Gefühlen ja auch wirklich gut :-)




PS  Übrigens glaube ich - auch wenn ich mich darüber mokiert habe -, dass Mozart-Musik wirklich einem Ungeborenen gut tut. Mozart hat sich Zeit seines Lebens - und das, obwohl er ja durchaus schon als Kind ziemlich hart rangenommen wurde - so viel Kind bewahrt: Da muss seine Musik förmlich gut tun - und das gilt auch für die inneren Kinder der Erwachsenen :-)

PPS  Und Spiegelneuronen zu befüllen, wenn es nicht nur ein lern-technischer Akt ist, sondern einer in Liebe, mit Zuwendung und Freude, ist natürlich ausgesprochen sinnvoll - dazu habe ich ja an anderer Stelle geschrieben . . .


PPPS  als Nachtrag: Ich sehe gerade im Newsletter von Gehirn und Geist: Die neueste Ausgabe enthält einen Artikel zum Thema Langeweile:
Wenn die Zeit kriecht.
Ist Langeweile zu erforschen nicht ganz schön öde? Keineswegs! Wissenschaftler entdecken ein erstaunlich vielschichtiges Phänomen, das gute und schlechte Seiten birgt - und uns sogar zur Sinnsuche inspirieren kann.

Ich finde die Zeitschrift echt gut, den Artikel allerdings eher langweilig, Forschungen konglomerierend :-)
Interessant vielleicht dieser Absatz:

Wer stimulationsarme Phasen stets füllt, tut daher vor allem Kindern nichts Gutes, meint etwa die britische Sozialwissenschaftlerin Teresa Belton. Sie schrieb bereits 2001 den Mangel an Kreativität vieler Kinder deren TV-Konsum in Zeiten der Langeweile zu. Inzwischen sind noch Playstations und Smartphones hinzugekommen. Wann immer Kinder gelangweilt sind, wenden sie sich elektronischer Unterhaltung zu, fürchtet Belton: »Sie lassen sich von Reizen bombardieren, anstatt sich auf ihre inneren Ressourcen zu verlassen.«

PPPPS  Was unser gesunder Menschenverstand übrigens schon immer wusste :-)

Mittwoch, 5. September 2012

Macht Schule dumm? – Richard David Precht und Gerald Hüther im ZDF-Gespräch.

Was für eine Frage! Natürlich macht Schule dumm. 
Immerhin haben der Bestseller-Autor und Philosoph Richard David Precht und der Neurobiologe und Buchautor Gerald Hüther trotz ihrer Dummheit, erzeugt durch ihre Schulbildung, das heißt, wie uns Precht wissen lässt, von den falschen Leuten nach den falschen Methoden in den falschen Dingen unterrichtet worden zu sein, es bis ins ZDF geschafft – was allerdings kein Ausweis für Klugheit ist.
Dass Schule womöglich gar nicht dumm macht, aber erfolgreich sein zu wollen, blind für die Realität, das könnte wohl so sein, wenn man den beiden knapp 43 Minuten gelauscht hat.
Eigentlich schade, dass der von vielen hoch gelobte Precht sich wider besseres Wissen nicht scheut, seinen Talk so zu eröffnen:
An unseren Schulen werden die Kinder von den falschen Leuten nach den falschen Methoden in den falschen Dingen unterrichtet.
Fehlt eigentlich nur noch, dass die falschen Kinder so unterrichtet worden sind.

Und Professor Dr. Gerald Hüthers erste Aussage daraufhin: Eine Katastrophe.
Seltsam, seltsam, wo Hüther doch z.B. an dem Thüringer Projekt hi.bi.kus, bei dem 18 Kindergärten und 15 Schulen mitmachten, federführend beteiligt war. War das auch eine Katastrophe?

Ja, eine Katastrophe ist es, wenn zwei "Gelehrte" sich in Pauschalurteilen ergehen. Ob das an der Schulbildung liegt? Oder wollten sich da zwei auf Kosten anderer profilieren?

Dabei hat sich Precht am 18. Juli diesen Jahres mit dem Journalisten und Erziehungswissenschaftler Reinhard Kahl in den Münchener Kammerspielen unterhalten, jenem Mann der den Begriff vom Bulimie-Lernen geprägt hat.
Jener Reinhard Kahl gründete 2007 mit 30 anderen Leuten das Archv-der-Zukunft - Netzwerk, deren erster Vorsitzender er wurde. Diese Plattform nun ist genau ein Beleg dafür, dass Schule auch in Deutschland lebendig sein kann und lebendig ist. Precht wird sie sehr wohl kennen!
Sehr berührend finde ich auf dieser Plattform den Video-Beitrag zum Tode des Hauptschullehrers Franz Gresser, der mit seiner sechsten Klasse unterwegs war, vom Fahrrad stieg und aufhörte zu leben. Als Lehrer wollte er Gastgeber für seine Schüler sein und war es auch.
Solche Lehrer und Lehrerinnen gibt es immer wieder. Und diese Plattform Archiv der Zukunft berichtet von vielen guten Projekten.
Wie hilfreich ist es da, wenn Schule in Bausch und Bogen verdammt wird? Wie geht man dadurch mit solchen Leuten wie Franz Gresser um, den Lehrern, die Theater-AGs leiten, mit ihren Schülern am Wochenende in die Berge zum Klettern gehen, den Schulgarten anlegen, eine Schnitz-AG leiten, ihren Unterricht ideenreich vorbereiten?

Gewiss, das finde ich auch, muss vieles an der Schule verändert werden. Es liegt nicht einmal so sehr an den Klassengrößen, sondern an den stumpfsinnigen Lehrplänen und an dem zwanghaften Glauben, Schüler müssten z.B. ein bis zweimal durch die Weltgeschichte gejagt worden sein, damit sie des Abiturs würdig sind. Dieser schreckliche Glaube an das Quantitative, dieses ständige Verwechseln von Maximum mit Optimum, was sich in unserem Bildungs-System Ausdruck verschafft, ist mit schuld an dem Tod der Lernfreude bei vielen Kindern.
Wir müssen nicht alles gelernt haben ... Und das Traurige ist, dass die Schüler gerade die aktuellen Entwicklungen nicht mitbekommen. Ich z.B. finde die Entdeckung der Spiegelneuronen phänomenal wichtig. Sie ist jetzt sicherlich gut und gerne zwanzig Jahre her. Aber Oberstufenschüler kennen sie nicht, wenn ich nachfrage. Dabei wäre es so wichtig, von diesen Neuronen zu wissen, gerade, wenn sie selbst einmal Kinder erziehen.

Jeder weiß, dass kaum ein Jugendlicher nach der Schulzeit mehr eine Ahnung vom Mittelalter hat. Wenn aber Schüler im Unterricht einen mittelalterlichen Gerichtstag gestaltet und gespielt haben (zu einer solchen Unterrichtseinheit gibt es einen wertvollen Film - zumindest habe ich ihn vor vielen Jahren gesehen), dann werden sie sich zeitlebens daran erinnern und auch wissen, was das Leben und das Gerichtswesen damals auszeichnete; sie werden einiges über das Mittelalter behalten, weil sie die Bilder und ihr eigenes Arbeiten, ihr Schreiben von Texten, ihr Mitinszenieren nie vergessen werden (diese Unterrichtseinheit ist übrigens an einer ganz normalen Schule von richtigen Schülern mit falschen Lehrern durchgeführt worden).

Diese Lebendigkeit, dieses Leben fehlt unserer Schule noch zu oft – das heißt, auch die richtige Mischung. Denn keine Frage: Jeder weiß, wie schnell und gut er in der Schule Sprachen gelernt hat ... und das war immer wieder auch Pauken (der Ministerpräsident Baden-Württembergs Winfried Kretschmann liest noch heute in seinen Griechenland-Urlauben die Odyssee – auf Alt-Griechisch!); später ist man dankbar, dass die Englisch-Lehrerin endlos die falschen Formen korrigierte ... das war selten spaßig.
Aber die Mischung muss stimmen.

Ich finde, dass in diesem Zusammenhang Gerald Hüther Bemerkenswertes und bemerkenswert Richtiges gesagt hat:

Eine unserer großen Irrtümer möglicherweise dieses gegenwärtigen Bildungssystems besteht vielleicht darin, dass wir gedacht haben, dass man etwas lernen kann ohne dabei Gefühle zu haben; das ist alles altes Denken(...) Die neue Botschaft heißt – und die ist dann für viele natürlich ein bisschen unbequem –, man kann im Hirn nachhaltig nur dann etwas vernetzen, neue Strukturen aufbauen, wenn es einem unter die Haut geht.
(...) was in der Schule an Wissen vermittelt wird, (..) das wird entschieden an der Frage, ob das diesem Jungen oder diesem Mädchen gelungen ist, in diesem Schulsystem seine Leidenschaft zu behalten. (...) Wir haben ja noch bis vor wenigen Jahren geglaubt, dass einmal im Hirn entstandene Strukturen sich auch nicht ändern können und jetzt sage ich Ihnen, das geht. Aber es geht nicht von allein, sondern im Hirn muss was dazukommen, das nennt man Begeisterung, Leidenschaft, emotionale Aktivität, und in einer Gesellschaft, wenn da was passieren soll, wird das nicht mit Argumenten gehen, auch nicht, indem man die Köpfe der Politiker austauscht, sondern indem in dieser Gesellschaft, in diesen Menschen wieder so etwas wie Leidenschaftlichkeit erwacht. (...)

Nachdrücklichst waren seine Beispiele, die er aus Shanghai berichtete und den dortigen Pisa-Siegern. Dort springen immer mehr Kinder, die 16 Stunden täglich lernen, von Brücken, ja, sie bringen mittlerweile sogar ihre Eltern um - aus Verzweiflung.

Wollen wir das?
Gewiss nicht.
Aber es bringt uns keinen Deut weiter, wenn Schule verunglimpft wird, in Bausch und Bogen verdammt wird.
Übrigens finde ich klasse, dass so viele Eltern so vernünftig sind und zurück zu G9 wollen. Wie gut, wenn Kinder in Ruhe reifen können ...
Wie gut, dass die Eltern vernünftig bleiben, wenn es die Bildungspolitiker nicht sein können ...

Schule ist ein Netzwerk des Lernens, ein Netzwerk der vielfältigsten Erfahrungen.
Da prägen leider auch Erfahrungen, wenn Lehrer Kinder verletzen; aber es gibt eben auch die Erfahrung, dass ein Lehrer sieht, dass es einem Kind nicht gutgeht und er nachfragt und das Kind auf einmal losweint und er sich mitten im Unterricht Zeit nimmt und mit ihm hinausgeht ...
Wenn Kinder also erleben, wie ein Erwachsener sein Herz lebt, das ist prägend, ist viel wertvoller, als dass wir  jeden AcI absolut korrekt übersetzen.

Ich finde auch, dass Precht auf Richtiges hingewiesen hat, wenn er z.B. darauf aufmerksam macht, dass Referendare ihren Unterricht nach Zeitschema minutengenau entwerfen müssen und das eigentlich genau geplant ist, was sie zu sagen haben und welche Antworten sie erwarten.
In der Tat ist es so, diese Erfahrung habe ich als Referendar auch gemacht, dass, wenn man von seiner eigenen Vorgabe abweicht, man von der Gnade seines Fachleiters abhängig ist, ob der diese Abweichung akzeptiert oder nicht.
Es gibt in der Tat viele überholte Dinge in der Schule, die es zu verändern gilt.
Aber doch nicht mit Hilfe dieser Verdikte, wie Precht und Hüther sie vom Stapel lassen und sich noch toll vorkommen. Schule ist durchaus etwas Gewachsenes. Sie gehört zu unserer Vergangenheit.
Eigentlich hätte ich erwartet, dass Hüther Precht gleich zu Anfang widerspricht oder ihn korrigiert; stattdessen hat er ihn bestätigt.

Precht kündigte Hüther zudem an mit einem Satz, den jener offensichtlich gesagt hat: Vergesst unser völlig veraltetes Schulsystem.

Was für eine Art von Umgang mit unserer individuellen und gesellschaftlichen Geschichte, mit unseren Erinnerungen, mit unseren Erfahrungen, aus denen wir für die Gegenwart und Zukunft lernen! 
... vergesst eure alten Eltern ...
... vergesst eure alten Lehrer ...
... vergesst die Sprossen unter euch, geht auf der Leiter einfach nach oben ...

Wenn das unser von Bildungsexperten empfohlenes neues Bewusstsein ist, unser Umgang mit unserer Geschichte, unseren Erfahrungen, dem, auf was wir gewachsen sind, dann gute Nacht!

Wie bitte sollen die Kinder dieses Richard David Precht jemals ihren Lehrern mit Respekt und Wertschätzung begegnen? Wie sollen sie bei diesen Losern, die ihre Lehrer laut Vater nunmal sind, lernen können? Wo sie doch bei den falschen Lehrern mit den falschen Methoden sind, die sie in den falschen Dingen unterrichten?
Was für eine Verantwortungslosigkeit von diesem Vater.
Hoffentlich werden seine Kinder nicht so arrogant.
Ob an seiner Arroganz auch die Schule schuld ist?

PS: Wer den hier verlinkten Artikel über die Schule, die den Deutschen Schulpreis 2012 erhalten hat, liest, kann sich nur freuen über solche Entwicklungen; das macht Mut!