Seiten

Posts mit dem Label Gefühle werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gefühle werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 7. August 2025

Die 8. Reue der Sophia, Psalm 31 und warum Gefühl im Gegensatz zur Ansicht des Faust nicht alles ist.

Die ersten sieben Reue-Gesänge der Sophia bedeuten eine gewisse Vollendung, so wie wir, wenn wir unsere sieben Chakren in schnellere Bewegung gesetzt und weit geöffnet haben und damit einen Zustand erreicht haben, der uns nun viel wirksamer uns auch nach oben sich öffnen lässt in Richtung auf unser Höheres Selbst und das Christus-Selbst.

Gerade unter Frauen gibt es ja nicht wenige, die mediale Botschaften übermitteln, was vielen esoterisch Interessierten sehr imponiert. Doch heißt das in erster Linie, dass ihr drittes Auge weit geöffnet ist. Entscheidend für die Qualität der geistigen Arbeit ist allerdings, dass die unteren Chakren auch entsprechend entwickelt sind, dass der Mensch also charakterlich, moralisch und spirituell gereift ist, dass die männliche und weibliche Seite harmonisch zusammenarbeiten und die Gefühlswelt nicht auf Kosten des Denkens, das immer in Richtung göttlicher, weltenschöpfender Gedankenformen, die auch wir Menschen entwickeln können, gehen sollte. In der griechischen Mythologie stand für dieses Denken die Gestalt des Prometheus, übersetzt: der Vordenkende, der Vorausdenkende (im Gegensatz zu seinem Bruder Epimetheus, dem Nachdenkenden, der dem entspricht, der die Welt sieht und über sie nachdenkt, während Prometheus schöpferisch und - in Goethes Hymne - durchaus auch rebellisch denkt).
Schöpferisches Denken ist nicht linear und logisch, allerdings ist die Voraussetzung, von unserer Seite sich ihm zu nähern, die Fähigkeit, logisch und folgerichtig denken zu können. Das will geübt sein. Wer vor allem von irrlichternden Gedanken beherrscht wird, wer alte Denkmuster nicht konsequent entfernt, wer gedacht wird, anstatt selbst zu denken, der wird auch in seiner spirituellen Entwicklung viel Konfusion erleben und wird vielleicht gar nicht merken, dass sein Denken nicht klar und zielgerichtet ist. Wir werden gleich ein Beispiel kennenlernen:

Ich habe eine Zeitlang die Video-Botschaften einer Birgit Fischer (powersoul.at) verfolgt. Mit ihren mittlerweile vier Büchern zu Außerirdischen, die sie „Starseeds“ nennt, ist sie ja in der Spiegel-Bestsellerliste vierfach anzutreffen; das ist schon sehr bemerkenswert und kein Zufall.
Birgit Fischer ist seit ihrer frühesten Kindheit hellsichtig und zugleich eine Trance-Medium, das heißt, dass in ihrem Fall vor allem eine Wesenheit namens Edgar ihr Botschaften übermittelt, deren Inhalt sie während der Übermittlung selbst nicht wahrnehmen kann. Sie selbst spricht von Trance-Speaking und hat schon hunderte von Menschen erfolgreich unterrichtet, diesen Weg der Medialität zu gehen. Immerhin hat sie auf YouTube 140 000 Follower.

Was nun bei ihr in ihren Videos, aber auch in ihren Büchern auffällt, ist, dass sie ständig auf die Bedeutung von Emotionen hinweist (auch in ihrem neuen Newsletter vom 6. August ist das wieder der Fall), dass sie aber von Denken und Intellekt fast nie spricht und wenn, dann menschlichen Verstand und Denken in einen Topf wirft, Denken als Geschenk der Götter aber nicht kennt, offensichtlich nicht um das prometheische Denken weiß und dass die Weisen aus dem Morgenland in dem Gold, dass sie mitbrachten, dem Jesuskind die Weisheit des Denkens überreichten, das uns ermöglichen wird, Welt schöpferisch zu kreieren und mit Bewusstsein zu erfassen
In ihrem letzten Video „Extremer August 2025“ gibt sie schon kurz nach Beginn der Trancesitzung einen Satz ihres - wie sie ihn nennt - Guide Edgar wieder, der lautet: „Die Grenzgenialität der Schweiz misst sich am Abwehrverhalten des Konservativen.“ 
Es ist eine Prophezeiung, sagt sie und ich habe das, was sie zu dieser Prophezeiung sagt, auf meinem Blog Wortbrunnen niedergeschrieben. Es sind Gedanken, die ihr spontan einfallen, ein bisschen Energetik ist dabei und ein bisschen Cern, insgesamt wenig zielgerichtetes, esoterisches Geplätscher (wie ich finde), was für mich deshalb wichtig anzusprechen ist, weil sie vermutlich mit Anforderungen gedanklicher Art, die an sie herantreten, in vergleichbaren Situationen in ihrem Arbeiten ebenfalls so umgeht.
So schreibt sie zum Beispiel zu Beginn des ersten Kapitels von „Starseed Love“, ihrem dritten Buch, dass in Atlantis „ein energetisches Feld (entstand), das die Dualität erschuf (…) Auch der Mensch ist in jener Ära entstanden, der Mensch in seiner Urform (…).“ Später heißt es: „Ebenso wurde eine künstliche Matrix erschaffen …“.

Ein energetisches Feld erschuf die Dualität?

Der Mensch verließ das Paradies, unter anderem das 1. Buch Mose und in Ägypten die Mythe von Osiris, Isis, Horus und Seth nehmen darauf Bezug. Auch ist laut Rudolf Steiner der Mensch in Lemurien erschaffen worden und nicht in Atlantis. Insgesamt sind an vielen Stellen die Darstellungen von Birgit Fischer auffallend oberflächlich und geschichtslos. Ich habe auch in meinen bisher von ihr gesehenen Videos und Lektüren nicht ein einziges Mal den Namen Christus gehört bzw. gefunden und wenn ich bedenke dass Steiner und J.J. Hurtak m.E. zu Recht die Auffassung vertreten, dass nur jene die nächste große Bewusstseinsstufe - Steiner nennt sie ´Jupiter´, die Offenbarung des Johannes spricht vom ´Neuen Jerusalem´ - erreichen, die das Christusbewusstsein verinnerlicht haben, dann ist das Ganze kein Spaß, sondern im Grunde bitterer Ernst. Ich möchte niemandem wünschen, dass er auf Ebenen unterhalb des Himmlischen Jerusalem leben muss bzw. auf einem Mond innerhalb des zukünftigen Jupiterfeldes zirkuliert. Das wird nicht schön sein.

Wenn so viel von Liebe die Rede ist in allen vier Büchern, vor allem in „Starseed Love“, nie aber Bezug genommen wird zur höchsten kosmischen Liebe, der Christus-Liebe, über die auch Paulus - „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht …", 1. Korinther 13 - so wunderbar schreibt, dann frage ich mich schon: warum geschieht das nicht? 

Birgit Fischer leistet in Bezug auf die Starseeds sicherlich wertvolle Arbeit und ich finde zum Beispiel höchst bemerkenswert, was an der ein oder anderen Stelle von Seiten jener über die Bedeutung der Sexualität der Zukunft ausgesagt wird. Das ist mit Sicherheit für viele Menschen sehr hilfreich – und es ist meinem Gefühl nach richtig, was diesbezüglich auch grundsätzlich gesagt wird.
Natürlich kann Birgit Fischer nicht alle Felder gleichermaßen bedienen und es ist ganz normal, dass es bezüglich der ein oder anderen Ebene Abstriche, ja große Abstriche geben muss. Dennoch vernachlässigt sie meiner Ansicht nach auf unnötige und sträfliche Weise die Ebene des Gedanklichen, des Denkens, das doch grundlegend für die Bildung von Bewusstsein ist. Es ist zum Beispiel bemerkenswert, dass der Philosoph James Jeans darauf hinweist dass für ihn das Universum mehr wie eine Bewusstseins-Gedankenform aussieht als eine physikalische Realität und J.H. Hurtak schreibt: „Die Gedankenformen von Gott, dem Vater, sind in allen seinen Manifestation personifiziert und sind ausgesandt als die Fundamente der Bewusstseinsuniversen und der spirituellen Mächte, die zurück in die Schatzkammer des Lichts erhoben werden können. Das war die Kraft, die den zwölf Stämmen Israels mitgegeben wurde…“.
Ich möchte mit diesem Zitat nur andeuten, dass eben nicht nur zu 99 Prozent - diesen Eindruck gewinnt man bei Birgit Fischer – Emotionen entscheidend für die eigene Entwicklung sind, sondern es auch ein Bewusstsein von göttlichem Denken und Gedankenformen gibt, die unsere Welt prägen und haben entstehen lassen. Meines Erachtens ist auch Birgit Fischer ein Opfer von Mephistopheles, in dessen Bann ja Faust steht und diesen in der Szene „Marthens Garten“ zu Gretchen sagen lässt:“Gefühl ist alles“.
So aber ist es nicht.
Im Grunde weiß das auch Faust, doch für jenen Teil in ihm, der in jedem von uns ist und den Goethe Mephistopheles nennt und als solchen im „Faust“ auftreten lässt, ist es kein Problem, die Wahrheit zuzukleistern.

Meines Erachtens steht auch eine Birgit Fischer, so selbstbewusst und selbstsicher sie sich gibt, im Hinblick auf das, was sie vermittelt, im Banne dieses Mephisto alias Luzifer. Und leider ist es auch so, dass sie nicht zwischen Emotion und Gefühl differenziert. Es sind nicht die Emotionen, sondern Gefühle, die wir in der Tiefe unserer Seele finden und diese so wertvoll sein lässt für unser Sein und unsere Entwicklung - ich habe auf Wortbrunnen meine Sicht hierzu erläutert.
Um hier notwendig differenzieren zu können, müsste Birgit Fischer ein klares Verhältnis zum Denken und zum auf diesem basierenden Bewusstsein haben. Natürlich ist Fühlen von ganz großer Bedeutung und in einem ihrer drei Geschenke, nämlich dem des Weihrauchs übermitteln die Heiligen Drei Könige nicht zufällig die Weisheit des Fühlens. Auch in der germanischen Mythologie finden wir die göttliche Trias der drei Seelenkräfte in den drei Göttern Odhin (Denken, Weisheit / Gold), Vili (Wille / Myrrhe) und Ve (Fühlen, Empfinden / Weihrauch).

Mich hat in der Phase, in der ich mich mit Rudolf Steiner beschäftigt habe, doch nachhaltig beeindruckt, wie ausführlich und differenziert er sich mit den drei grundlegenden Seelenkräften des Menschen auseinandergesetzt hat. Auch heute noch, da die spirituelle Entwicklung der Menschheit sich über Steiner hinaus fortsetzt, sind seine Ausführungen meines Erachtens eine wertvolle Basis und wer Einblick nehmen möchte, dem empfehle ich die entsprechenden zusammenfassenden Seiten auf Anthrowiki
für das Denken: https://anthrowiki.at/Denken
für das Fühlen: https://anthrowiki.at/Fühlen
für das Wollen: https://anthrowiki.at/Wollen

Wie dringend wir die Weisheit einer Sophia benötigen und wie wertvoll es ist, dass sie sich so ausdauernd in göttliche Gefilde zurückgearbeitet hat, um auch uns dorthin führen zu können, wird auf dem Hintergrund des oben Gesagten und der dort offen gelegten Möglichkeiten, sich wie die Märchenkinder in den Wäldern unserer 3-D-Realität zu verlaufen, deutlich.

Da das doch einen gewissen Umfang eingenommen hat, möchte ich im Folgenden recht übergangslos den achten Reuegesang der Sophia, wie ihn Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern wiedergegeben hat und wie er in der „Pistis Sophia“ zu finden ist, übermitteln:
1 Auf dich, oh Licht, habe ich gehofft. Lass mich nicht in diesem Chaos; rette mich und erlöse mich mit deinem Wissen.
2 Beachte mich und rette mich. Sei mir ein Retter, oh Licht, und rette mich und führe mich in dein Licht.
3 Denn du bist mein Erlöser und wirst mich in deine Gegenwart nehmen, und durch das Mysterium deines Namens wirst du mich führen und mir dein Mysterium [das höhere Wissen darüber, was zu tun ist] anvertrauen.
4 Und du wirst mich vor dieser löwengesichtigen Kraft [siehe frühere Gesänge] retten, die geschaffen wurde, um mich zu täuschen, denn du bist mein Retter.
5 Und in deine Hände werde ich die Reinigung meines Lichtes legen; du hast mich erlöst, oh Licht, durch dein Wissen.
6 Du bist erzürnt über jene, die auf mich lauern, und sie werden mich nicht vollends ergreifen können; und ich glaube an das Licht.
7 Ich werde froh sein und lobpreisen, dass du Barmherzigkeit für mich gehabt hast, und um mich bedacht warst und mich aus der Qual, die mir gegeben wurde, gerettet hast. Und du wirst meine Kraft aus dem Chaos befreien.
8 Und du hast mich nicht in den Händen der löwengesichtigen Kraft im Stich gelassen, sondern du hast mich in eine von Erdrückung freie Region gebracht.
Nachdem Jesus dieses zu seinen Jüngern gesagt hätte, fuhr er wiederum fort und sprach zu ihnen, „Es geschah dann, als die löwengesichtige Kraft erkannt hatte, dass Pistis Sophia nicht vollständig aus dem Chaos herausgeführt worden war, dass sie sich mit den anderen materiellen Emanationen von Selbst-Willen verbündete und sie gemeinsam Sophia neuerlich angegriffen. Und als sie sie quälten, dass sie laut weinte, sprach sie in derselben Reue:
9 Bringe mir Gnade entgegen, oh Licht, denn sie belagern mich wieder. Wegen deines Gebotes ist das Licht in mir verwirrt, und so ist es auch meine Kraft, und so ist es auch mein Verstand.
10 Meine Kraft hat begonnen abzunehmen inmitten dieser Mühen, und die Zahl meiner Zeit verringert sich im Chaos. Mein Licht verebbt, denn sie haben meine Kraft von mir gerissen, und meine übrigen Kräfte sind in mir zerrüttet.
11 Ich bin kraftlos geworden vor allen Archonten der Äonen, die mich verachten, und vor den 24 Emanationen, in deren Region ich mich befand; und mein Bruder, mein Gepaarter, hat sich gefürchtet, mir zu helfen, wegen des Ortes, an den sie mich gebracht haben.
12 Und alle Archonten der Höhe betrachten mich als Materie, in der kein Licht ist. Ich bin zu einer materiellen Kraft geworden, die aus den Archonten tropft.
13 Und alle in den Äonen sagten, „Sie ist zu Chaos geworden,“ und so haben mich gemeinsam die grausamen Mächte umzingelt und haben vereinbart, wie sie das ganze Licht in mir ergreifen werden.
14 Doch ich habe dir vertraut, oh Licht, und sagte zu dir: Du bist mein Erlöser.
15 Und in deinen Händen liegt das Geschick, das du für mich bestimmt hast. Rette mich aus den Händen der Emanationen von Selbst-Willen, die mich belagern und quälen.
16 Sende dein Licht hervor, dass es mich erleuchte, denn ich bin wie nichts vor dir, und in deiner Barmherzigkeit, bitte, rette mich.
17 Lass mich nicht verspottet werden, oh Licht, weil ich doch Loblieder an dich gesungen habe. Lass Chaos die Emanationen von Selbst-Willen überwältigen und lass sie in die Finsternis hinabsinken.
18 Lass ihren Mund geschlossen sein, sie, die mich gemein verschlingen wollten, die das sagen, „Lasst uns alles Licht in ihr ergreifen,“ – obwohl ich ihnen nichts Böses gebracht habe.
Jesus fordert auch hier wieder seine Jüngerinnen und Jünger nach einer Erklärung von Pistis Sophias Reuegesang auf; der Verfasser des ersten der synoptischen Evangelien, Matthäus, kommt nach vorne und sagt:
„Mein Herr, dein Geist hat mich bewegt und dein Licht hat mich nüchtern gemacht, damit ich die achte Reue von Pistis Sophia erkläre. Über sie hat deine Kraft früher schon im 31. Psalm prophezeit, wo sie, deine Kraft also, durch David sagte:
1 Zu dir, YHWH, habe ich Zuflucht genommen. Lass mich nie beschämt werden; nach deiner Gerechtigkeit lass mich befreit werden.
2 Neige dein Ohr mir zu; rette mich geschwind. Werde für mich ein Felsen der Kraft und eine Burg der Zuflucht, um mich zu retten.
3 Denn mein Fels und meine Zuflucht bist du; und wegen deines Namens wirst du mich führen und leiten.
4 Und du wirst mich aus diesem Netz herausführen, das sie für mich gelegt haben; denn du bist meine Festung.
5 In deine Hand befehle ich meinen Geist; du hast mich frei gemacht, YHWH, Gott der Wahrheit.
6 Du hast die gehasst, die sich mit wertlosen Eitelkeiten befassen; und ich vertraue auf YHWH.
7 Und ich will mich an deiner liebenden Güte freuen und in ihr frohlocken, denn du hast mein Elend gesehen und kennst die Sorgen meiner Seele.
8 Und du hast mich nicht in die Hand meines Feindes gelassen, sondern hast meine Füße in einen offenen Raum gestellt.
9 Sei mir gnädig, YHWH, denn ich bin in Not; Trauer hat mein Auge, meine Seele und meinen Körper verdunkelt.
10 Denn mein Leben verbringe ich in Kummer und meine Jahre im Seufzen. Meine Kraft vergeht wegen meiner Laster, und meine Gebeine welken dahin.
11 Ich bin die Verachtung aller meiner Gegner und meiner Nachbarn geworden und eine Schmach für meine Bekannten; und wer mich sieht, flieht vor mir.
12 In ihren Herzen bin ich vergessen wie die Toten; ich bin wie ein zerbrochener Krug.
13 Denn ich habe die Verleumdung derjenigen gehört, die mich umzingeln. Sie ballen sich zusammen gegen mich, sie verschwören sich, mir meine Seele zu nehmen.
14 Und ich habe auf dich vertraut, YHWH, und erklärte, „Du bist mein Gott.“
15 Meine Tage sind in deinen Händen. Befreie mich aus der Hand meiner Feinde und meiner Verfolger.
16 Lass dein Antlitz über deinem Diener leuchten; rette mich in deiner liebenden Güte.
17 YHWH, lass mich nicht beschädigt werden, weil ich nach dir gerufen habe. Lass die Bösen im Sheol beschämt und zum Schweigen gebracht werden.
18 Lass sie zum Schweigen gebracht werden, die lügenden Lippen, die die Rechtschaffenen in Hochmut und Verachtung verleumden.“
Dieser Psalm macht uns unter anderem aufmerksam auf die Bedeutung des offenen Raumes; er ist eines der großen Mysterien in der Erziehung der Seele. Dieser innere Raum ist fern von den Regionen der Dunkelheit; er enthüllt sich in Gebet und Meditation. Er ist ein Raum des Schutzes, eines Schutzes, den uns das Erste Mysterium, die Gegenwart des Christus, der Shekinah und des Vaters also, gewährt.
J.J. Hurtak schreibt:
Begreifen wir, dass Gottes Königreich keine Verfolger und keine Verleumder hat, sondern voller liebender Güte, Wahrheit und Liebe ist. Während wir die Psalmen lesen, wollen wir uns selbst mit den Gedankenformen der höheren Welten identifizieren und unser Bewusstsein so verwandeln, dass es wie das Bewusstsein des größeren Lichtes ist. Gebet durch heilige Psalmen erweckt den Geist in unseren Tiefen und ruft ihn hervor, die inneren Strukturen zu verwandeln, die zu eng sind, als dass der intellektuelle Verstand dorthin reichen könnte. Erwachen wir zu dem, was wir sind und warum wir hier sind, so dass die göttlichen Melodien und Energien uns umkreisen können und Tore errichten, durch die diese Welt und andere Welten des Lichts vereint werden können.

Montag, 31. März 2025

Gefangen in den eigenen Emotionen (es gibt kaum einen größeren Gegensatz als Emotionen und Gefühle)

Unsere Zeit ist deshalb so bemerkenswert, weil sie uns einen Menschen beispielhaft vorführt, der seine Emotionen ungefiltert herausschreit: Donald Trump. Er rülpst sie fast tagtäglich in die Weltöffentlichkeit hinein und verschmutzt die Weltseele, die bald nicht mehr atmen kann und irgendwann wie Tannhäuser in Richard Wagners so spirituell wegweisender Oper aufschreien wird: Maria hilf!

Emotion: das Wort besteht aus lateinisch ex: aus, heraus und movere: bewegen. 

Emotionen bewegen, oft schreien sie heraus, was eine unreine Seele produziert und am liebsten loswerden will, indem sie es nach außen evakuiert. Nur hat sie, wie im Falle eines Donald Trump, keine Ahnung davon, dass sie Schlacken und seelischen Unrat nach außen befördert. Ja, wie in dessen Fall kommt sie sich toll vor, nicht wissend, dass sie sich wie ein kleines Kind benimmt, das unbewusst weiß und entsetzlich darunter leidet, dass es in einer Gedanken- und "Gefühls"welt lebt, in der es Gefangener von Gedanken und Emotionen (nicht wahren Gefühlen, denen wir uns zu nähern haben) ist, die die Welt seit der Trennung vom Göttlichen mit sich herumschleppt und mit der sie sich immer mehr zumüllt, so wie es die Menschheit mit dem Orbit tut, in dem sich immer mehr Unrat der Raumfahrt anhäuft - ein Schicksal, das der Orbit nun mit dem der Weltmeere teilt und damit mit den Wassern der Menschheitsseele.
(Noch bezeichnen wir ja mit "Gefühlswelt" eine Welt, die diese Bezeichnung oft nicht verdient: Emotionen gehen nach außen, Gefühle führen nach innen - wobei angemerkt sein will, dass Emotionen durchaus auch positiv sein können, wenn sie Ausdruck von Freude, Lebenslust und Vergleichbarem sind).

Solche Kinder wie Donald sind ohne Hoffnung, denn es gibt scheinbar keine Hand, keinen liebenden Erwachsenen, der es an die Hand nimmt und ihm liebevoll über den Kopf streichelt. In dieser Drei-D-Welt gibt es sie nicht. 

Viele, denen es so geht wie dem kleinen Donald, finden ihn toll, denn er tut, was sie auch gern täten, sich oft aber nicht getrauen oder aber nicht diese große Bühne haben, um dieses verlorene Kind zu inszenieren.

Noch gibt es viele Menschen, die die Welt der Emotionen nicht von der Welt der Gefühle unterscheiden können.
Noch gibt es tatsächlich viele, die Emotionen und Gefühle in einem Topf werfen.
Dabei gibt es kaum etwas Gegensätzlicheres als Emotionen und Gefühle.

Es sind aber eben diese Gefühle, die uns zu unserem Inneren führen, dessen Existenz wahrnehmen lassen. Und leider stagnieren gerade viele sich sehr spirituell dünkende Menschen in dem Raum der 4. Dimension, kommen sich sehr wissend und überlegen vor, lösen sich aber in Wahrheit nicht entscheidend von der Welt eines Donald Trump. Noch ist ihnen wichtiger zu vermitteln, wie sehr sie es blicken, dass diese Welt verloren ist - und sie reproduzieren diese verlorene Welt ständig auf vielfältige Art und Weise gerade auch im Netz -, statt die Musik der Sphären mitzusingen, damit Shekinah, der Heilige Geist, mehr und mehr die Erde durchflute.
Dann werden nicht mehr das Herausplärren und Herausrülpsen von Emotionen, sondern Gefühle dominieren, Gefühle für die Heiligkeit des Lebens.
Dann werden Menschen erkennen, dass Maria anzurufen so wichtig ist, weil sie für die ewige Weiblichkeit in uns steht, unsere ewige Seele.

Freitag, 14. März 2025

*Unsere Zeit: eine Zeit intensivster Herrschaft des Gottes Mammon. – Wenn Musk/Trump sich ausagiert haben, werden sich Menschen abwenden von plattem Wohl-stand hin zu seelisch-geistigem Wohler-gehen!


Es ist kein Zufall, dass Elon Musk und Donald Trump momentan in den Köpfen so vieler Menschen herumspuken und in ihre Gedankenwelt so massiv eingreifen.
Der eine ist (noch) der reichste Mann der Erde, beschimpft auf X auf übelste Weise Menschen (vor allem, wenn sie nicht rechts sind), entlässt gnadenlos Leute, darunter auch viele, die eine Familie ernähren, zeigt sich zugleich aber immer wieder sehr bewusst mit einem seiner dreizehn Kinder in der Öffentlichkeit, wobei ihm als einem, der absolut autistische Züge aufweist, Werte, auch familiärer Natur, im Zweifel völlig schnuppe sind (und das bei den vielen Familien, die er hat).

Sein Moritz heißt Donald Trump, dessen Lieblingswort „Deal“ ist. Dealmaker zu sein ist sein Lebenselexier.

Warum ist es kein Zufall, dass beide momentan so sehr die Weltbühne beherrschen?
Es wird durch sie vor aller Augen deutlich und auf die Spitze getrieben, was geschieht, wenn Mammon die Welt regiert.

Mammon kennen manche aus John Miltons „Paradise Lost“, wo er ein gefallener Engel ist, der sich gegen Gott auflehnt oder auch aus Michael Endes Kinderbuch „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“, wo Mammon als infernalischer Finanzminister auftaucht.
In Goethes „Faust“ nimmt Faust in der Szene "Walpurgisnacht", mit Mephisto in der Nacht zum 1. Mai auf dem Brocken unterwegs, einen morgenrötlich trüben Schein wahr, worauf Mephisto, nichts anderes als ein Seelenanteil auch von uns, Faust darauf hinweist, dass Mammon den Berg erglühen lässt. Es ist jene Energie, die das Treiben dieser Nacht befeuert und die u.a. vorhanden ist, wenn sich Sexualität und Geldenergie verselbständigen und unkontrolliert in der Seele der Menschen ihr Unwesen treiben.

„Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“
Die Aussage von Jesus in Matthäus 6,24 ist unmissverständlich.

Mammon ist ein aus dem Aramäischen entlehnter Begriff und bedeutet „Besitz“ und dieses Wort macht darauf aufmerksam, worin die Problematik von Besitz und dem schnöden Mammon, einer Formulierung, die selbigen mit Geld identifiziert, besteht:
Besitz ergreift Besitz und vor allem gilt dies für Geld. Deshalb ist die Formulierung der Bibel, dass es leichter sei, dass ein Kamel durch ein Nadelör gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme, so unerbittlich eindeutig: zu viele unterschätzen die Sogwirkung des Geldes und Besitzes und sind weit davon entfernt, um die Freiheit zu wissen, die sich mit Besitzlosigkeit verbindet. Diese wertvolle Freiheit ist heute der Menschheit weitgehend unbekannt.

Mammon ist der Gott der Hemmnis, der Hindernisse, er verhindert den Fortschritt, den geistigen, die seelische Entwicklung. Das wird uns derzeit noch einmal so richtig vor Augen geführt, denn für Elon Musk und Donald Trump, die für Millionen von Menschen auf diesem Planeten stehen, ist nur der etwas wert, der Besitz und Geld vorweist; wer beides nicht vorweisen kann, hat im Grunde keine Lebensqualifikation.
Wie weit sind diese beiden und ihre Millionen Brüder im Geiste von jenem so bedeutsamen Wort Jesu entfernt:„Was ihr getan habt einem unter meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan!“
Es bezieht sich auf jene, die heute als gering, als minderbemittelt und damit im Grunde als gesellschaftlich wertlos gelten. Für die Trumps und Musks dieser Welt existieren sie möglichst nicht.

Es wird eine Zeit kommen, und ich vermute, sie könnte schneller kommen, als wir ahnen, weil die Zeit zur Zeit sich zunehmend beschleunigt, wo die Dominanz von Geld zu Ende geht und es u.a. auch keine Börse - die auch symbolisch für ein pervertiertes menschliches Bewusstsein steht - mehr geben wird; eigentlich ist ihre Existenz unfassbar, stehen doch immer wieder Menschen ratlos vor ihr, staunend, wie sie jetzt wieder reagiert, die innerhalb von Minuten Billionen an Euro oder Dollar vernichten kann und die ganz offensichtlich von Kräften geschaffen wurde, die Menschen an eine Form von Abhängigkeit gewöhnen wollten, die sinnlos und menschenunwürdig ist.

Ein Mann, der ständig Tatsachen verdreht und zu den größten öffentlichen Lügnern der Weltgeschichte zählt, der seine Entscheidungen und sein Verhalten von seinen unausgegorenen Emotionen abhängig macht - und aus geistiger Sicht sind Emotionen fast das Gegenteil von Gefühlen - bestimmt momentan auf eine Weise das Geschehen auf der Welt, und die Welt, vor allem das amerikanische Volk, schauen weitgehend nur zu.
Im Grunde ist Donald Trump mit seiner Verlogenheit und seinem exzessiven Egoismus ein Fall für den Psychiater.
Stattdessen benutzt er hemmungslos eine Nation, um sein erratisches Unwesen zu treiben und sein Ego samt entsprechenden Emotionen auszuagieren.

Ich möchte sagen: All das muss offensichtlich so sein, weil anders viele Menschen nicht erkennen, dass, wer auf Wohl-stand setzt, eben steht und stehenbleibt, damit zurückbleibt;
dass es aber in Wirklichkeit nicht um Wohlstand gehen kann, sondern um Wohler-gehen, um Vorwärtsgehen im seelisch-geistigen Bereich.

Mein nächstes Video zu "Faust I", in dessen Mittelpunkt die Walpurgisnachtszene stehen wird, möchte ich überschreiben: „Immer mehr Männer verlassen den Brocken.“
In der Tat glaube ich, im Gegensatz zu dem, was sich so vordergründig anzeigt und abspielt, dass gerade auch Männer, denen ja nach Ansicht des Anthroposophen Steiner die kosmische Tiefe des weiblichen Geschlechtes fehlt und die dem Irdischen sehr zugeneigt sind, seelisch aufwachen. Die momentane Trump-Zeit und das, was in ihrem Rahmen noch geschehen wird, wird dieses Aufwachen maßgeblich befördern. Auch deshalb, weil die Verkommenheit einer überholten Männlichkeit, wie sie viele, nicht nur Trump und Musk zeigen, deutlich zutage tritt.
Kein Wunder, dass sich Gaia, unsere Erde, als weiblich-fühlsames Wesen mit Äußerungen und Reaktionen, die uns Menschen erschrecken werden, zunehmend nicht mehr zurückhalten wird.

Freitag, 13. Oktober 2023

Herzgedanken. In in ein aktives Verhältnis zum Geistigen kommen.

(Dieser Beitrag setzt den vorausgegangenen – „Alles fühlt. Doch Gefühl ist nicht alles! Vom Denken zum Herzdenken“ – fort).

🎡

Es gibt dem Erzengel Michael – mittlerweile ist er ein Archai – geistesverwandte Menschen, die sich seinem Ziel, dem Christus vorauszugehen, verpflichtet fühlen; es sind Menschen, die nicht ständig nach oben flehen und nach oben bitten und betteln, sondern die mit Michael sich der Drachenrealität stellen.
Spirituelle Memmen kann er nicht brauchen, sondern ganze Frauen, ganze Männer.
Michael will Vorleistung sehen; er will potentielle Drachenbezwinger an seiner Seite; Menschen, die nicht nach der zweiten oder dritten Niederlage aufgeben (Deiner Lektüre empfohlen: „Rudolf Steiner über das besondere Wesen Michaels: jener erwartet vom Menschen Vorleistung – er ist es dann, der sie zur Freiheit führt > https://bit.ly/3PMzVTS)
Mit solchen Menschen arbeitet er; er kräftigt ihr Herz, er öffnet es für Herzgedanken; er verändert den Intellekt seiner Mitkämpfer, verbindet ihn wieder mit dem Geist.
Einst übergaben die Seraphim, die Cherubim und Throne die kosmische Intelligenz der menschlichen Sphäre. War der Mensch ursprünglich ein Herzensmensch, so wurde er im Laufe der Zeit zu einem Kopfmenschen. Noch allerdings bis ins neunte Jahrhundert hinein empfanden Menschen ihr Denken als gegründet im Kosmisch-Göttlichen. Heute empfinden wir weitgehend unser Denken als Produkt der eigenen Seele und das ist es ja weitgehend – das Ergebnis sieht man am Zustand der Erde.
Zur Mission eines Michael gehört, dass er den Menschen hilft, ihre Intelligenz wieder mit ihrem inneren wertvollen göttlichen Geist zu verbinden. Dazu bedarf es Menschen, die dem „Erkenne dich selbst“ gefolgt sind und mehr und mehr um den Wert ihres eigenen Inneren wissen und die Hilfen Michaels annehmen.
Das Herz des normalen Menschen gleicht heute einer Müllhalde. Es wird ständig gefüttert mit Informationen, Bildern, Meinungen, Pseudowahrheiten, Einbildungen. Wenn solche Gedanken des Herz füttern und füllen, dann ist kaum Platz für Michaels Energie, erst recht nicht für die des Christus. Wertvolle Gedanken, die eine kosmische Qualität haben, d.h. mit Wesen des Kosmos verbunden sind – gemeint sind hier Wesen der neun Hierarchien -, brauchen einen Raum, der jenem Tempel entspricht, den Jesus reinigte, nachzulesen in allen vier Evangelien. Im Grunde sind wir, wenn es gut geht, in einem ständigen Reinigungsprozess; niemand allerdins sollte ihn künstlich übertreiben, sonst verhärtet die Seele. Doch er darf uns zur guten Gewohnheit werden.

Das erste Gebot, um kosmische Qualität in das eigene Herz reintegrieren zu können, um also zu Herzgedanken zu kommen, ist aus meiner Sicht, dass man das, was normalerweise auf das Herz einströmt, reduziert.
Und zwar in erheblichem Ausmaße.
In der Regel füttern wir das Herz mit überflüssigen Oberflächeninformationen. Sie verstopfen den wertvollen Kanal, die geistige Aorta zum Herzen. Es ist ein ständiges Üben, Spreu vom Weizen zu trennen; wer es tut, spürt eine zunehmende Empfindsamkeit, die er mit der Zeit als heilsam, hilfreich und wohltuend empfindet, weil sie Alarm gibt, wenn zu viel Redundantes auf uns einströmt.
Ein oder zweimal am Tag empfiehlt es sich, das Vater Unser zu beten; u.a. kann man es aus der Mitte der Wohnung laut in alle Räume beten; sie entsprechen den Räumen unserer Seele. Das Vater Unser öffnet unsere inneren Kanäle, Von der ersten zur dritten Bitte hin öffnet es die Ebenen zum Heiligen Geist (Manas) zu Christus (Buddhi) und zum Vater (Atman).
"Dein Name werde geheiligt": immer dann wenn es uns gelingt, den Astralleib zu reinigen dann heiligen wir den Namen des Vaters - was für eine bemerkenwerte Möglichkeit zur Entwicklung. Das Reich, das kommen möge, ist das Reich des Christus, die Buddhi-Ebene, und der Wille, der geschehen möge, öffnet die Atmanebene, die Ebene zum Vater.
Der zweite Teil des Vater Unser widmet sich den vier Ebenen unserer derzeitigen Realität, beginnend mit der physischen Ebene („unser täglich Brot gib uns heute“) und endend mit der Bitte um Reinigung des Ich („erlöse uns von dem Übel“).
So umfasst das Vater Unser die sieben realen und angestrebten Ebenen unseres seelisch-geistigen Seins und richtet sie zum Vater aus - nie war es wertvoller als heute.

Was sich zum zweiten als bedeutsam herausstellt, ist, dass wir uns aller Urteile entheben. Es gilt, Menschen und Zeitgeschehnisse wahrzunehmen (sich abzukoppeln ist der falsche Weg), aber nicht auf falsche Weise in eine diskursive, brotlose Auseinandersetzung einzutreten und zu werten, wie dies bei viel zu vielen Menschen geschieht, die damit die ahrimanisch-luziferische Ebene immer wieder neu installieren und verstärken (die ganzen zunehmend verbissenen Corona-Diskussionen um das Maskentragen und Impfen waren traurige und seelenzersetzende Beispiele). Was wirklich sich ereignet, geschieht auf der geistigen Ebene - Menschen wie Macron, Biden, Putin oder Scholz sind, ohne es zu wissen, Marionetten in Händen gewisser geistiger Kräfte, gegebenenfalls sind es auch wir.
Was wir sehen, sind luziferisch-ahrimanische Zerrbilder, die Wirklichkeit suggerieren. Die Diskussionen beispielsweise um den Ukraine-Krieg nehmen entweder die Position des ahrimanischen Westens ein oder des luziferischen Ostens. Eine dualistische Position kann jedoch niemals die Wahrheit enthalten; diese allein findet sich im Rahmen der Trinität. Nur wer zwischen diesen beiden Polen die Christus-Mitte sehen kann und auf dieser Mitte steht, kann zur spirituellen Lösung solcher Konflkte beitragen.
Wahrheiten zu benennen, ist etwas anderes als Urteile zu fällen. Beides wird gern in einen Topf geworfen von Menschen und den sie infizierenden Wesen, welche die Wahrheit hintertreiben wollen und sie deshalb als Urteile diskriminieren. Wenn ich sage, dass der von so vielen verehrte Daniele Ganser fest in den Enden Luzifers ist mit den Inhalten, die er verbreitet, dann entspricht es einer Wahrheit, wie sie sich mir zeigt, allein deshalb, weil er völlig in dualistischem Denken aufgeht, auch wenn er es geschickt esoterisch garniert. Diese Aussage also, dass Daniele Ganser fest in Händen Luzifers ist, enthält kein Urteil. Ganser tut, was die allermeisten Menschen tun, seien sie in den Händen von Ahriman oder Luzifer. Die Wahrheit zu benennen, beinhaltet keine Wertung.
Die Bibel hat beispielhaft nicht zufällig unmittelbar hintereinander zwei Beispiele gebracht, (Matth. 16), ein Beispiel für Wahrheit und Herzdenken und ein Beispiel für das krasse Gegenteil.

Als Jesus seine Jünger fragt: „Wer denkt ihr, dass ich sei“, antwortet Petrus: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“
Jesus weiß, dass diese Erkenntnis nicht dem Kopf des Petrus entsprungen sein kann, sondern dass sie nur ein Herzgedanke sein kann, eine Eingebung des Vaters, eine Gnadengabe, ein Geschenk des Vaters in das Herz eines Menschen; die Folge solcher Herzgedanken teilt Jesus Christus Petrus mit und mehr Gnade kann einem Menschen nicht zuteil werden:„Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.“
Wie es geschieht, wenn ein Mensch ohne den heiligen Geist, ohne Christus, ohne den Vater agiert und auf Ahriman hereinfällt, das zeigt sich im unmitttelbaren Verlauf, als Petrus die Mission Jesu zu hintertreiben sucht. Die Folge ist, dass Jesus den Satan in Petrus ansprechen muss: „Weiche von mir, Satan!“
Wie einen Herzgedanken empfangen darf, der weiß es, der spürt eine Wärme, eine stille Freude, eine Gewissheit, dass ein hohes Wesen ihm eine geistige Frucht in des Herzens Schoß gelegt hat. Wem dies neu geschieht, der mag zunächst unsicher sein, ob es wirklich wahr ist, was sich ereignet hat.
Solche Früchte kommen nicht von ungefähr. Sie sind das Ergebnis demütigen Lernens und Hörens in jene Richtung, in die die Welt nicht hört.

Klar ist, dass das, was ich Wahrheit nenne, andere anzweifeln oder als Unwahrheit bezeichnen bzw. als Urteil hinstellen. Jeder steht in der Verantwortung dessen, was er sagt und tut. Letztendlich entscheiden Engel des Karma und Christus als Herr des Karma, wer verantwortungsvoll spricht und handelt im Dienste der Wahrheit.
Übrigens bewirken Herz Gedanken oft, dass, wenn jemand sie äußern darf, alles um ihn schweigt.

Je mehr wir unseren Kompass ausrichten können an der Trinität, desto näher kommen wir der Wahrheit. Dualität kann niemals wahr sein. Trinitarisches Bewusstsein gibt es erst - sieht man von vorchristlicher Mysterienweisheit ab - seit 2000 Jahren; menschheitsgeschichtlich ist dieses Denken noch sehr jung; viele Menschen werden noch geraume Zeit benötigen, um es in ihr inneres Sein zu integrieren und zu versstehen, auf welche Weise und warum es die Menschen und ihre Welt verändert.
Gewiss gibt man in der ein oder anderen Situation Bewertungen ab, auch, um Gesprächspartnern eine gewisse Orientierung zu geben;. Doch geht es grundsätzlich darum zu wissen, dass Urteile und duale Positionen Mauern in der Seele aufrichten, in der des Nächsten und in der eigenen. Diese Mauern beenden jeden geistigen Fluss.

Zum dritten ist es wichtig, logisches Denken zu schulen. Wenn wir auf gedankliche Ungereimtheiten und Halbwahrheiten stoßen, haben wir sie zumindest in uns klarzustellen. Dieses Vorgehen richtet das mentale Innere auf und aus; es ist dies eine wesentliche Form des Ge-richts, des Gerichtetseins. Gerade auf spirituellem Gebiet ist diese mentale Klarheit wichtig, sind doch geistige Wesenheiten absolut raffiniert, intellektuelle Sackgassen zu arrangieren. Wer eine Aussage wie „Gefühl ist alles“ (siehe letzter Beitrag) durchgehen lässt, hat einen fatalen Virus geladen und gegebenenfalls an andere weitergegeben – mit entsprechenden karmischen Folgen.

Es geht nicht um verbissenes Heiligwerden-Wollen und geistige Enge, es geht darum, geistig auf der Höhe zu sein – und das ohne selbstproduzierten Stress und Bevormundung anderer.
Gewiss ist es so, dass Menschen ganz unterschiedlich im Hinblick auf Gefühle und Verstand veranlagt sind. Gerade aber, jene die im Gefühlsbereich sich mehr zu Hause fühlen, sollten sich dazu anhalten, ihren Intellekt zu schulen, und umgekehrt: Menschen, die mehr verstandesorientiert sind, sollten sich um ihren Gefühlsbereich kümmern. Die Bereiche müssen sich ja keineswegs die Waage halten, aber sie dürfen innerhalb eines Menschen auch nicht verkümmern.
Logisches Denken ist immer mit einem inneren Aufwand und mentaler Arbeit verbunden. Aber es geht nicht ohne und es kommt der Punkt, wo das innere System zuverlässig Laut gibt, wenn es gilt, in einer Sache genauer hinzuschauen.

Einen vierten und vorletzten Punkt möchte ich ansprechen, der Herzgedanken erheblich im Wege stehen kann und er hat zu tun damit, dass wir über viele Jahre unseres Lebens auch unsere Gefühle ständig sich zu mehr Wahrhaftigkeit entwickeln zu lassen haben. Wenn jemand zum Beispiel wie ich in einem Elternhaus aufgewachsen ist, in dem wenig Liebe vorhanden war, aber die Liebe Gottes umso höher gepriesen wurde und die enge Vorstellung von Gott der eigenen inneren Enge meiner Eltern entsprach, dann entspricht gegebenenfalls meine Erwachsenen-Gefühlswelt eher genau dem Gegenteil dessen, was ich als Kind erleben musste, falls ich zu denen gehöre, die sich gegen ihr Zuhause auflehnen, oder aber ich setze in meinem Leben die Enge meiner Eltern weiter fort, vielleicht mit einigen modernistischen Zugaben, die aufgeklärtes Bewusstsein suggerieren, aber im Grunde im Alten stecken. Meine Gefühle dem Weiblichen gegenüber und der Sexualität wurden massiv geprägt durch jenes Gottesbild, das dem Weltbild meiner Eltern entsprach. Wem vergleichbare Zusammenhänge bewusst werden bzw. sind, der wird wissen, dass er viele Jahre sich seiner Gefühlswelt wird immer wieder widmen müssen. Jedenfalls sind Gefühle selten zuverlässig zutreffend und rein, auch sie müssen gereinigt werden.

Mitgefühl ist nur möglich, wenn wir überhaupt in gewissem Umfang zu Gefühlen fähig sind. Es gibt aber ein Gefühl, was Mitgefühl total hintertreibt und das ist Selbstmitleid.
Die Anzahl der Menschen mit Selbstmitleid entspricht ungefähr der Zahl derer, die auf die Frage, ob sie unter Selbstmitleid leiden, dies spontan verneinen.
Selbstmitleid ist eine Volkskrankheit. Ich persönlich haite das Glück, dass vor vielen Jahren eine Freundin zu mir sagte, dass ich regelmäßig im Selbstmitleid versacken würde. Nur dem Umstand, dass ich die Frau sehr schätzte, ließ mich sie spontan nicht für verrückt erklären, und ich begann etwas widerwillig, Gefühlsanzeichen zu suchen, die Selbstmitleid signalisieren könnten. In der Tat wurde ich fündig, und das in einem erheblichen Ausmaß. Ich lernte mir der Zeit auf dieses klebrig süße Gefühl zu achten, das sich einstellte, wenn ich mir selbst mal wieder Leid tat. Ich würde nicht sagen, dass ich heute völlig immun bin gegenüber diesem verflixten Gefühl; wenn es auftaucht, gönne ich mir durchaus mal eine Runde Selbstmitleid, aber weiß um dem Punkt, wo ich zu ihm sage: genug.

🌺

Mitgefühl ist das Gefühl der Zukunft. Unsere Menschheit überlebt nur, wenn der Einzelne in der Lage ist, sich selbst und andere zu fühlen.

PS
Ich möchte noch einmal die Steiner–Michael-Passagen empfehlen; sie sind wertvollst für unser Bewusstsein, das sich in unserer Zeit neu ausrichten will > https://bit.ly/3PMzVTS


Mittwoch, 16. Oktober 2019

Es gibt Namen, die beflecken / Die Lippen, die sie nennen, / Die Erde mag sie nicht decken ... - Ricarda Huchs "Mein Herz, mein Löwe"!

Mein Herz, mein Löwe, hält seine Beute fest,
Sein Geliebtes fest in seinen Fängen,
Aber Gehaßtes gibt es auch,
Das er niemals entläßt
Bis zum letzten Hauch,
Was immer die Jahre verhängen.
Es gibt Namen, die beflecken
Die Lippen, die sie nennen,
Die Erde mag sie nicht decken,
Die Flamme mag sie nicht brennen.
Der Engel, gesandt, den Verbrecher
Mit der Gnade von Gott zu betauen,
Wendet sich ab voll Grauen
Und wird zum zischenden Rächer.
Und hätte Gott selbst so viel Huld,
Zu waschen die blutrote Schuld,
Bis der Schandfleck verblasste, –
Mein Herz wird hassen, was es haßte,
Mein Herz hält fest seine Beute,
Daß keiner dran künstle und deute,
Daß kein Lügner schminke das Böse,
Verfluchtes vom Fluche löse.
                                  (Ricarda Huch, 1864-1947)

Es gibt eine Vergebens-Esoterik, gern auch aus der Ecke der Licht-und-Liebe-Fraktion, der man mit höchster Vorsicht gegenüberstehen sollte, denn sie wird betrieben von Menschen, die, bevor sie ihre Gefühle wirklich ausgelotet haben, schon vergeben.


Ricarda Huch (1864-1947), wohl einer der weisesten Frauen, die Deutschland je gesehen hat, zudem eine überzeugte Christin, gibt in obigem Gedicht Töne von sich, die so gar nicht passen wollen zu jemandem, der mit dem Buch „Luthers Glaube” ein Werk geschaffen hat, das fast auf jeder Seite eine Offenbarung ist.

Hier in diesem Gedicht geht es ihr um die Verlogenheit, die in dem Schminken des Bösen steckt, um das Umschminken von Bösem in Gutes. Böse bleibt böse. Noch bis in die letzten Zeilen hinein bleibt Ricarda Huch unerbittlich. Selbst gegen göttliches Reinwaschen scheint sie sich zu stellen.


So viel ich weiß, hat Ricarda Huch dieses Gedicht 1947, in ihrem Todesjahr also, geschrieben, sie, die von Thomas Mann 1924 als Erste Frau Deutschlands bezeichnet wurde und die als erste Frau 1926 in die Preußische Akademie der Künste einzog, um sie 1933 konsequent wieder zu verlassen.

Ganz wohl fühle ich persönlich mich angesichts der unerbittlichen Worte, die dem Hass das Wort reden, nicht. Noch in die Zukunft hinein – die Verwendung des Futurs dokumentiert das – legt sie sich fest. Die Rigorosität ihrer Aussage ist unverkennbar. Ich vermute, sie hängt zusammen mit dem, was sie über viele Jahre mit ansehen musste. Das hinterlässt gerade in einer so sensiblen Seele Spuren, und es mag sein, dass sie auch deshalb zu solchen Worten griff, weil sich abzuzeichnen begann, dass sich in Deutschland eine Kultur des Von-nichts-mehr-wissen-Wollens und Hinwegsehens andeutete. 

Mir persönlich ist eine Aussage wie die ihre, auch wenn sie aus christlicher Sicht fragwürdig sein mag, zehnmal lieber als das Gesäusel berufsmäßiger Vergebens- und Vergessenskünstler. 
Ricarda Huchs "Hass" dünkt mir eh viel eher ein gerechter und wahrlich gerechtfertigter Zorn zu sein, der sich gegen jene richtet, die scheinheilig vergeben, in Wirklichkeit aber das Böse - auch in sich - nur schminken.

PS: In meinem Kommentar (ggf. auf "Kommentare" klicken) revidiere ich die Sichtweise des letzten Satzes insofern, als ich Hass nicht mehr in Zorn umdeuten mag, vielmehr für wichtig halte, den Hass als solchen anzunehmen, weil diese Annnahme den Weg freigibt, ihn zu überwinden und den Weg der Heilung zu beschreiten. Insofern ist Ricarda Huchs Gedicht, so belastend auch ihr Hass sein mag, auf dem Weg zur Heilung, denn nur das Sich-Bekennen zu dem, was in einem ist, hilft auf dem Weg zur Wahrheit.

Mittwoch, 3. April 2013

Und die Reue, sie ist doch kein leerer Wahn ... allerdings ist Reue eines der unbekanntesten Gefühle!

Schiller möge mir verzeihen, dass ich seine Worte aus der Bürgschaft auf meine Weise abgewandelt habe; eigentlich steht dort ja:

Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn ...

Unwillkürlich fällt auf, dass das Wort Reue in T-reue enthalten ist. Ist Reue Voraussetzung für Treue?
Dazu ein andermal mehr

In der letzten Zeit habe ich viel über Reue nachgedacht und gemerkt, dass Reue nicht gleich Reue ist bzw. dass die Reue ein Tiefenbarometer hat, wie ich es mir nicht hätte vorstellen können.

Vor ein paar Wochen habe ich bei Stefan v. Jankovich, der ja damals für mich Ausgangspunkt einiger Posts zum Thema Nahtod und Sterben war, etwas über Reue gelesen; seitdem war das Thema latent in mir, und ich habe mir damals vorgenommen, die Worte des gebürtigen Ungarn aus seinem Buch Ich war klinisch tot später aufzugreifen – was ich nun hiermit tue:

Ich erkannte (..), daß unsere Moralbegriffe im Jenseits keine Gültigkeit haben. Seit jener Zeit bin ich allen menschlichen Moralbegriffen gegenüber kritisch eingestellt. Ich habe mich sehr viel mit diesen Problemen beschäftigt und tue dies auch weiterhin. Heute scheint es mir, daß die negativen Gedanken und Taten immer mein Versagen darstellten, bei welchem es mir nicht gelang, Proben des Lebens zu bestehen, mit Proben der Vergangenheit fertigzuwerden und mich von diesen Belastungen zu befreien.
Bei der Beurteilung spürte ich, daß das ganze Leben eine Probe war, voll mit Problemen, Hindernissen und Hürden. Wichtig war, wie ich diese Probleme, diese Situationen im Sinne der Harmonie löste. Gelang mir das, so spürte ich große Freude. Gelang es mir nicht, so verspürte ich tiefes Bedauern über mein Versagen. Aber auch durch das Eingestehen und echte Reue öffnete sich die Tür der Göttlichen Vergebung. Danach wurden die Gedanken und Taten, die einen Verstoß gegen das Gesetz der Harmonie und der Liebe darstellten, ausgeblendet und verschwanden. Warum? Ich glaube einfach deshalb, weil im Gottesprinzip nichts Böses enthalten ist. Es blieben nur die positiven, glücklichen und harmonischen Ereignisse, die bestandenen Prüfungen als Gesamterlebnis, die ich alle wieder gleichzeitig, d. h. in sogenannter „Nullzeit", als die schönste Illusion erlebte. Man kann sagen, daß man nur die guten Noten mitnimmt — um mich eines Gleichnisses aus der Schule zu bedienen. Die nicht bestandenen Prüfungen in den einzelnen Fächern muß man wieder versuchen, bis es uns einmal gelingt, sie zu bestehen. Dies könnte die sogenannte karmische Belastung darstellen.


Stefan v. Jankovich schreibt für mich sehr authentisch und er ist nicht einer der Schönwetter- und Licht-und-Liebe-Esoteriker(innen).
Allerdings kollidiert, was er schreibt, doch eigentlich mit dem Gedanken des Jüngsten Gerichts. Darüber habe ich mir schon an anderer Stelle Gedanken gemacht und ich glaube, es verhält sich damit nicht so, wie uns kirchliche Institutionen und eine orthodoxe Theologie und Bibelauslegung weismachen wollen. 

Deshalb widersprechen Jankovichs Gedanken zum Thema Reue und Vergebung meines Erachtens nicht der Bibel.
Wenn jemand den verlorenen Sohn erlebt hätte, als er das Gut und Geld seines Vaters mit Huren und Prassen auf den Kopf gehauen hätte, hätte er als rechtschaffener Christ das Kreuz und die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und ihn in der ewigen Verdammnis sehen müssen.
Genauso ist es nicht.


Ewigkeit und Jüngstes Gericht – das sind Begriffe unseres Zeit-Verständnisses

Aber so einfach, der ewigen Verdammnis, die es ja - richtig verstanden - wirklich gibt, zu entgehen, wie manche glauben, ist es auch nicht.
Ich glaube nicht, dass es eine ewige Verdammnis im üblich religiösen Sinne gibt; ewig - das ist ein Begriff der Zeit. Was wir anstreben ist ein Leben aus und in Liebe. Das aber befindet sich im Grunde außerhalb unserer Zeitbegriffe. Auch ein Begriff wie das Jüngste Gericht ist ein Begriff, der unserem Zeitverständnis Rechnung trägt. 

Ich persönlich nehme an, dass es etwas gibt, was außerhalb jeder Form von Gericht, außerhalb von dem, was wir Zeit nennen, liegt.
Nur: Wie komme ich dahin? 
Wie komme ich zurück zu einem Zustand, der dem Urzustand der Menschen entspricht, einem Leben in wahrer Liebe?
Welche Rolle spielt hier Reue?
Wie gelingt dieses tiefe Bedauern, von dem Jankovich spricht?


Katharsis des Tempels und der Seele

Muss man in den Bauch des Wals wie Jonas, als er sich dem göttlichen Auftrag entzieht, nach Ninive zu gehen, und von den Fischern, in deren Boot er sich befindet und die erkennen, dass er verantwortlich ist für den Sturm, in den sie geraten sind, über Bord geworfen wird?
Ja, man muss! 
Ich glaube, es geht nicht ohne.
Ohne Leid geht es nicht. Die Menschen sind zu resistent geworden gegen Wandlung ohne Leid.
Das ist auch der Grund, warum die griechische Kultur so großen Wert auf Katharsis legte, auf die Reinigung der Seele. Ohne diese Reinigung, so die Übersetzung des griechischen Wortes, geht es nicht. Deshalb reinigt Jesus in der Bibel so energisch den Tempel.
Der Tempel, das ist die Seele des Menschen. Ohne deren energischer Reinigung, ohne Katharsis geht es nicht. – Und genau hier hat Reue ihre Bedeutung.

Menschen haben zu viele Möglichkeiten entwickelt, sich abzuschotten von den emotionalen Tiefen des Lebens. Über Gefühle wird viel gesprochen, aber das ist kein Garant, Gefühle zu empfinden.

Reue ist ein Gefühl, ein Gefühl der Tiefe!

Reue hat mit Einsicht zu tun, mit einem Tiefenverständnis von dem, was das Neue Testament im Griechischen Hamartia nennt und Luther mit Sünde übersetzt. Gemeint aber sind Fehler, Verfehlungen, Abweichungen von unserem Weg, so wie Hänsel und Gretel und viele Märchenhelden sich verlaufen, sind Irrungen und Wirrungen.
Reue bedeutet, auf dem Bewusstseinsweg zu sein, was es mit diesem Irren auf sich hat, mit diesen Fehlern.

Allerdings, was sich aus allem ergibt: Mit dem Kopf löse ich diese Irrungen nicht auf.

Irrungen sind kein Makel. Diesen geradlinigen Weg, wie ihn sich viele wünschen, gibt es auf der Erde nicht, genauso wenig wie der Ozean in größter Regelmäßigkeit an die Gestade der Länder brandet. Es gibt keinen Fahrplan für Wellen, für die Gezeiten schon, aber nicht für die Wogen, auch nicht für die Wogen des Lebens. Wir können ihnen nicht ausweichen, wenn wir wissen und lernen wollen, was Leben ist. 
Manche versuchen es, doch sie stehen ewig auf einer Aussichtsplattform, zeigen auf das Leben und reden klug darüber. Manche spüren, wie blutleer deren Gerede ist.
Wer leben will, setzt sich seinen Fehlern aus, setzt sich dem Maßstab der Liebe aus.
Wenn jemand das tut, springt er ins Wasser. Das ist etwas anderes als das Stehen auf der Aussichtsplattform.

Hilft Reue, die tosenden Wasser des Lebens zu beruhigen?

Woher kommt eigentlich das Wort Reue?
Und wie sieht wirkliche Reue aus?
Gibt es eine Instanz, auf deren Vergebung wir angewiesen sind?

Demnächst dazu mehr.

Mittwoch, 5. September 2012

Macht Schule dumm? – Richard David Precht und Gerald Hüther im ZDF-Gespräch.

Was für eine Frage! Natürlich macht Schule dumm. 
Immerhin haben der Bestseller-Autor und Philosoph Richard David Precht und der Neurobiologe und Buchautor Gerald Hüther trotz ihrer Dummheit, erzeugt durch ihre Schulbildung, das heißt, wie uns Precht wissen lässt, von den falschen Leuten nach den falschen Methoden in den falschen Dingen unterrichtet worden zu sein, es bis ins ZDF geschafft – was allerdings kein Ausweis für Klugheit ist.
Dass Schule womöglich gar nicht dumm macht, aber erfolgreich sein zu wollen, blind für die Realität, das könnte wohl so sein, wenn man den beiden knapp 43 Minuten gelauscht hat.
Eigentlich schade, dass der von vielen hoch gelobte Precht sich wider besseres Wissen nicht scheut, seinen Talk so zu eröffnen:
An unseren Schulen werden die Kinder von den falschen Leuten nach den falschen Methoden in den falschen Dingen unterrichtet.
Fehlt eigentlich nur noch, dass die falschen Kinder so unterrichtet worden sind.

Und Professor Dr. Gerald Hüthers erste Aussage daraufhin: Eine Katastrophe.
Seltsam, seltsam, wo Hüther doch z.B. an dem Thüringer Projekt hi.bi.kus, bei dem 18 Kindergärten und 15 Schulen mitmachten, federführend beteiligt war. War das auch eine Katastrophe?

Ja, eine Katastrophe ist es, wenn zwei "Gelehrte" sich in Pauschalurteilen ergehen. Ob das an der Schulbildung liegt? Oder wollten sich da zwei auf Kosten anderer profilieren?

Dabei hat sich Precht am 18. Juli diesen Jahres mit dem Journalisten und Erziehungswissenschaftler Reinhard Kahl in den Münchener Kammerspielen unterhalten, jenem Mann der den Begriff vom Bulimie-Lernen geprägt hat.
Jener Reinhard Kahl gründete 2007 mit 30 anderen Leuten das Archv-der-Zukunft - Netzwerk, deren erster Vorsitzender er wurde. Diese Plattform nun ist genau ein Beleg dafür, dass Schule auch in Deutschland lebendig sein kann und lebendig ist. Precht wird sie sehr wohl kennen!
Sehr berührend finde ich auf dieser Plattform den Video-Beitrag zum Tode des Hauptschullehrers Franz Gresser, der mit seiner sechsten Klasse unterwegs war, vom Fahrrad stieg und aufhörte zu leben. Als Lehrer wollte er Gastgeber für seine Schüler sein und war es auch.
Solche Lehrer und Lehrerinnen gibt es immer wieder. Und diese Plattform Archiv der Zukunft berichtet von vielen guten Projekten.
Wie hilfreich ist es da, wenn Schule in Bausch und Bogen verdammt wird? Wie geht man dadurch mit solchen Leuten wie Franz Gresser um, den Lehrern, die Theater-AGs leiten, mit ihren Schülern am Wochenende in die Berge zum Klettern gehen, den Schulgarten anlegen, eine Schnitz-AG leiten, ihren Unterricht ideenreich vorbereiten?

Gewiss, das finde ich auch, muss vieles an der Schule verändert werden. Es liegt nicht einmal so sehr an den Klassengrößen, sondern an den stumpfsinnigen Lehrplänen und an dem zwanghaften Glauben, Schüler müssten z.B. ein bis zweimal durch die Weltgeschichte gejagt worden sein, damit sie des Abiturs würdig sind. Dieser schreckliche Glaube an das Quantitative, dieses ständige Verwechseln von Maximum mit Optimum, was sich in unserem Bildungs-System Ausdruck verschafft, ist mit schuld an dem Tod der Lernfreude bei vielen Kindern.
Wir müssen nicht alles gelernt haben ... Und das Traurige ist, dass die Schüler gerade die aktuellen Entwicklungen nicht mitbekommen. Ich z.B. finde die Entdeckung der Spiegelneuronen phänomenal wichtig. Sie ist jetzt sicherlich gut und gerne zwanzig Jahre her. Aber Oberstufenschüler kennen sie nicht, wenn ich nachfrage. Dabei wäre es so wichtig, von diesen Neuronen zu wissen, gerade, wenn sie selbst einmal Kinder erziehen.

Jeder weiß, dass kaum ein Jugendlicher nach der Schulzeit mehr eine Ahnung vom Mittelalter hat. Wenn aber Schüler im Unterricht einen mittelalterlichen Gerichtstag gestaltet und gespielt haben (zu einer solchen Unterrichtseinheit gibt es einen wertvollen Film - zumindest habe ich ihn vor vielen Jahren gesehen), dann werden sie sich zeitlebens daran erinnern und auch wissen, was das Leben und das Gerichtswesen damals auszeichnete; sie werden einiges über das Mittelalter behalten, weil sie die Bilder und ihr eigenes Arbeiten, ihr Schreiben von Texten, ihr Mitinszenieren nie vergessen werden (diese Unterrichtseinheit ist übrigens an einer ganz normalen Schule von richtigen Schülern mit falschen Lehrern durchgeführt worden).

Diese Lebendigkeit, dieses Leben fehlt unserer Schule noch zu oft – das heißt, auch die richtige Mischung. Denn keine Frage: Jeder weiß, wie schnell und gut er in der Schule Sprachen gelernt hat ... und das war immer wieder auch Pauken (der Ministerpräsident Baden-Württembergs Winfried Kretschmann liest noch heute in seinen Griechenland-Urlauben die Odyssee – auf Alt-Griechisch!); später ist man dankbar, dass die Englisch-Lehrerin endlos die falschen Formen korrigierte ... das war selten spaßig.
Aber die Mischung muss stimmen.

Ich finde, dass in diesem Zusammenhang Gerald Hüther Bemerkenswertes und bemerkenswert Richtiges gesagt hat:

Eine unserer großen Irrtümer möglicherweise dieses gegenwärtigen Bildungssystems besteht vielleicht darin, dass wir gedacht haben, dass man etwas lernen kann ohne dabei Gefühle zu haben; das ist alles altes Denken. (...) Die neue Botschaft heißt – und die ist dann für viele natürlich ein bisschen unbequem –, man kann im Hirn nachhaltig nur dann etwas vernetzen, neue Strukturen aufbauen, wenn es einem unter die Haut geht.
(...) was in der Schule an Wissen vermittelt wird, (..) das wird entschieden an der Frage, ob das diesem Jungen oder diesem Mädchen gelungen ist, in diesem Schulsystem seine Leidenschaft zu behalten. (...) Wir haben ja noch bis vor wenigen Jahren geglaubt, dass einmal im Hirn entstandene Strukturen sich auch nicht ändern können und jetzt sage ich Ihnen, das geht. Aber es geht nicht von allein, sondern im Hirn muss was dazukommen, das nennt man Begeisterung, Leidenschaft, emotionale Aktivität, und in einer Gesellschaft, wenn da was passieren soll, wird das nicht mit Argumenten gehen, auch nicht, indem man die Köpfe der Politiker austauscht, sondern indem in dieser Gesellschaft, in diesen Menschen wieder so etwas wie Leidenschaftlichkeit erwacht. (...)

Nachdrücklichst waren seine Beispiele, die er aus Shanghai berichtete und den dortigen Pisa-Siegern. Dort springen immer mehr Kinder, die 16 Stunden täglich lernen, von Brücken, ja, sie bringen mittlerweile sogar ihre Eltern um - aus Verzweiflung.

Wollen wir das?
Gewiss nicht.
Aber es bringt uns keinen Deut weiter, wenn Schule verunglimpft wird, in Bausch und Bogen verdammt wird.
Übrigens finde ich klasse, dass so viele Eltern so vernünftig sind und zurück zu G9 wollen. Wie gut, wenn Kinder in Ruhe reifen können ...
Wie gut, dass die Eltern vernünftig bleiben, wenn es die Bildungspolitiker nicht sein können ...

Schule ist ein Netzwerk des Lernens, ein Netzwerk der vielfältigsten Erfahrungen.
Da prägen leider auch Erfahrungen, wenn Lehrer Kinder verletzen; aber es gibt eben auch die Erfahrung, dass ein Lehrer sieht, dass es einem Kind nicht gutgeht und er nachfragt und das Kind auf einmal losweint und er sich mitten im Unterricht Zeit nimmt und mit ihm hinausgeht ...
Wenn Kinder also erleben, wie ein Erwachsener sein Herz lebt, das ist prägend, ist viel wertvoller, als dass wir  jeden AcI absolut korrekt übersetzen.

Ich finde auch, dass Precht auf Richtiges hingewiesen hat, wenn er z.B. darauf aufmerksam macht, dass Referendare ihren Unterricht nach Zeitschema minutengenau entwerfen müssen und das eigentlich genau geplant ist, was sie zu sagen haben und welche Antworten sie erwarten.
In der Tat ist es so, diese Erfahrung habe ich als Referendar auch gemacht, dass, wenn man von seiner eigenen Vorgabe abweicht, man von der Gnade seines Fachleiters abhängig ist, ob der diese Abweichung akzeptiert oder nicht.
Es gibt in der Tat viele überholte Dinge in der Schule, die es zu verändern gilt.
Aber doch nicht mit Hilfe dieser Verdikte, wie Precht und Hüther sie vom Stapel lassen und sich noch toll vorkommen. Schule ist durchaus etwas Gewachsenes. Sie gehört zu unserer Vergangenheit.
Eigentlich hätte ich erwartet, dass Hüther Precht gleich zu Anfang widerspricht oder ihn korrigiert; stattdessen hat er ihn bestätigt.

Precht kündigte Hüther zudem an mit einem Satz, den jener offensichtlich gesagt hat: Vergesst unser völlig veraltetes Schulsystem.

Was für eine Art von Umgang mit unserer individuellen und gesellschaftlichen Geschichte, mit unseren Erinnerungen, mit unseren Erfahrungen, aus denen wir für die Gegenwart und Zukunft lernen! 
... vergesst eure alten Eltern ...
... vergesst eure alten Lehrer ...
... vergesst die Sprossen unter euch, geht auf der Leiter einfach nach oben ...

Wenn das unser von Bildungsexperten empfohlenes neues Bewusstsein ist, unser Umgang mit unserer Geschichte, unseren Erfahrungen, dem, auf was wir gewachsen sind, dann gute Nacht!

Wie bitte sollen die Kinder dieses Richard David Precht jemals ihren Lehrern mit Respekt und Wertschätzung begegnen? Wie sollen sie bei diesen Losern, die ihre Lehrer laut Vater nunmal sind, lernen können? Wo sie doch bei den falschen Lehrern mit den falschen Methoden sind, die sie in den falschen Dingen unterrichten?
Was für eine Verantwortungslosigkeit von diesem Vater.
Hoffentlich werden seine Kinder nicht so arrogant.
Ob an seiner Arroganz auch die Schule schuld ist?

PS: Wer den hier verlinkten Artikel über die Schule, die den Deutschen Schulpreis 2012 erhalten hat, liest, kann sich nur freuen über solche Entwicklungen; das macht Mut!

Montag, 1. August 2011

Was ist der Mensch? Oder: Wie sehr ist Menschlichkeit überhaupt erwünscht?


Angesichts wissenschaftlicher, ökonomischer und politischer Entwicklungen gewinnt man immer mehr den Eindruck, dass der Mensch zum Hamster in einem Rad wird, das er zwar erfand, aber nicht mehr steuern kann.
Wie aber gewinnt er Wert und Würde seiner Möglichkeiten zurück?

In Gerald Traufetters 2009 erschienenem Buch Intuition. Die Weisheit der Gefühle habe ich im Rahmen des Epilogs, des Nachwortes also, eine Passage gelesen, die mich sehr erschüttert hat, weil sie auch bezeichnend ist für die Situation des Menschen 2011.

Ich zitiere zunächst die entsprechenden Zeilen aus diesem bemerkenswerten Buch:


Im Jahre 1997 entfachte eine Computersoftware eine kurze, leidenschaftliche Debatte in Deutschland. Wahrscheinlich hatte das mit ihrem Namen zu tun. Denn der sagte viel aus über das pragmatische - viele sagten damals: zynische - Verhältnis ihres Erfinders zum Tod. Das Programm heißt RIYADH, der Einfachheit halber nennt es Rene Chang aber auch RIP - und die britische Presse nannte ihn alsbald nur noch Dr. Death. Treffender hätte nicht benannt werden können, worum es hier ging: ein Programm, das über Leben und Tod entscheidet. Auf den Intensivstationen mehrerer deutscher Unikliniken, darunter der Berliner Charité wurde das Programm auf seine Zuverlässigkeit getestet.

weiterlesen: hier

Samstag, 6. Juni 2009

Michael Winterhoffs Plädoyer für eine intuitive Erziehung


 
Michael Winterhoffs Buch Tyrannen müssen nicht sein. Warum Erziehung allein nicht reicht liegt bereits in der 4. Auflage vor.

Der Autor, selbst Vater von zwei Kindern und u.a. Facharzt für Kinder- und Jugendpsychatrie, macht drei grundlegende Störungen im Verhältnis von Eltern zu ihren Kindern aus, die ich an anderer Stelle zitiere.

Seine Analyse könnte ich mit vielen Beispielen aus der Schulpraxis untermauern. Oftmals ist es ziemlich erschütternd zu erleben, dass sich für viele Eltern - und das geschieht ja nicht aus bösem Willen - das Koordinatensystem für Erziehung vollkommen verschoben hat. Leider muss ich auch sagen, dass es sich manche einfach auch zu einfach machen, wenn sie sich glauben machen, dass das Erziehung sei, wenn Kinder abends unfallfrei ins Bett gehen und morgens unfallfrei aufstehen. Ich kenne Beispiele dafür, dass Kinder sich morgens vor dem Aufstehen schon einen Video reinziehen und/oder mehrere Spielkonsolen ihr eigen nennen.

Kein Wunder, dass für sie die Welt zu einer Spielkonsole mutiert und alles so zu funktionieren hat wie ihr Spielgerät. Eltern greifen in diese Realität zunehmend weniger ein und nur dann, wenn die Schulleistung rapide sinkt oder sich Drogenmissbrauch zeigt; doch selbst über den wird noch bisweilen hinweggeschaut. Und wenn der Lehrer Unangenehmes anspricht, wird eben der Lehrer angegriffen; andernfalls müsste man sich ja eingestehen, dass im häuslichen Bereich das ein oder andere im Argen liegen könnte (was ja nicht schlimm wäre, Fehler macht jeder).

Einer der maßgeblichen Verhaltensverluste, die ich auch feststelle, ist, dass Kindern die notwendige Distanz zur Erwachsenenwelt verloren gegangen ist. Bei aller möglichen Partnerschaftlichkeit und Liebe, die die Grundlage jeder Erziehung sein muss: Wertschätzung, Distanz, Höflichkeit und Dankbarkeit sind notwendige Ingredienzen jeder Erziehung, sonst entsteht oft das, was M. Winterhoff analysiert.

Wenn ich hier eine wichtige Passage zitiere, dann möchte ich darauf hinweisen, dass sie natürlich im Zusammenhang gelesen werden sollte, bevor jemand Details sich herauspflückt und zerreißt; ich selbst finde Winterhoffs Darstellung ausgewogen und an der Realität orientiert:

Wenn ich davon spreche, dass sich der Erwachsene gegenüber seinem Kind abgegrenzt verhalten sollte, bedeutet das eine Rückkehr. Eine Rückkehr allerdings nicht zu autoritären, sondern zu intuitiven Erziehungsmethoden. Zu der Zeit, als die von mir beschriebenen Beziehungsstörungen für mich eher eine Randerscheinung bedeuteten, war es dem Großteil der Erwachsenen noch möglich, aus einem Bauchgefühl heraus die Entwicklung ihrer Kinder zu begleiten. Es war seltener notwendig, Erziehungsberatung bereitzustellen oder einen Kinderpsychiater aufzusuchen.

Man sollte den Unterschied zwischen einer intuitiven Begleitung der kindlichen Entwicklung und einer gefährlichen Laissez-faire-Einstellung kennen. Letztere zeugt unter dem Mäntelchen des aufgeklärten und unabhängigen Denkens im Grunde nur von einem Desinteresse am Kind und seinem Verhalten gegenüber dem Rest der Gesellschaft.

Intuitives Vorgehen dagegen bedeutet, dass der in sich ruhende Erwachsene spürt, ob das Verhalten des Kindes eine Reaktion erfordert oder nicht, und falls eine Reaktion erforderlich sein sollte, wie sie auszufallen hat. Der Begriff des Spürens oder auch Fühlens ist dabei ganz wichtig. Denn es geht hier eben nicht um erlernte Schemata, nach denen der Erwachsene in einer bestimmten Situation handelt. Vielmehr wird ein bestimmter Vorgang »aus dem Bauch heraus« richtig beurteilt, es folgt im Nachhinein eine automatische Reaktion.

Dabei ist allerdings auch klar, dass »aus dem Bauch heraus« nicht bedeutet, den Kopf abzuschalten. Auch Bauchreaktionen müssen natürlich das Alter des Kindes und andere Begleitumstände berücksichtigen.

So durchläuft das kleine Kind verschiedene Entwicklungsphasen, die zu Beginn für Erwachsene grundsätzlich interessant sind und erfreut begrüßt werden. Wenn ein Kind beispielsweise zu sprechen beginnt, ist das für Eltern ein besonderer Moment, auf den sie sich lange gefreut haben. Je länger das Kind jedoch diese Fähigkeit besitzt und exzessiv von ihr Gebrauch macht, desto häufiger stellt sich normalerweise bei gewissen Gelegenheiten das Gefühl ein, das Kind müsse gerade jetzt im Moment nicht unbedingt reden, sondern könne sehr wohl für einen Moment ruhig sein.

Eltern, die sich auf ihre Intuition verlassen, würden dementsprechend dem Kind abverlangen, dass es zu bestimmten Zeiten auch mal still zu sein hat. In sich ruhen bedeutet also in diesem Moment, das kindliche Verhalten als solches zu sehen und es nicht auf die Erwachsenenebene zu heben.

Diese Reaktion kann nur aus dem Bauch heraus erfolgen. Denn wer den Fehler begeht, eine derartige Situation über den Kopf zu lösen, wird wahrscheinlich schnell dazu neigen, dem Kind partnerschaftlich erklären zu wollen, warum es denn gerade jetzt im Moment nicht reden solle, und sich dabei in eine fruchtlose Diskussion verstricken. Oder er wird - in der Projektion - gar nicht erst versuchen, dem Kind das Reden zu untersagen, weil er befürchtet, sich das Kind damit zum Gegner zu machen. In diesem Fall wird das Dazwischen-Reden des Kindes auch gerne verniedlicht oder überhöht. Das Kind ist dann »sehr interessiert«, »überaus sprachbegabt« oder »ein ganz aufgewecktes Kerlchen, über das man sich nur freuen könne«. Oder aber der Erwachsene hat bereits ein symbiotisches Verhältnis zum Kind und merkt gar nicht erst, dass es zu einem ungünstigen Zeitpunkt (dazwischen-) spricht.
Zusammen mit John Bradshaws Buch Das Kind in uns, das uns anhand eines Verständnisses für unsere eigene Kindheit und unsere verletzten inneren Kinder lehren kann, was wir nicht wiederholen sollten mit unseren Kindern und worauf wir achten können, ist dieses vorliegende von Michael Winterhoff meines Erachtens nahezu eine Pflichtlektüre für Eltern und Erzieher.

PS: Der in sich ruhende Erwachsene, von dem Winterhoff spricht, ist m.E. verwandt dem liebevollen Erwachsenen aus Chopich/Pauls Buch Aussöhnung mit dem inneren Kind.

⤷ Drei grundlegende Beziehungsstörungen im Verhältnis Eltern – Kind, auf der Basis von Michael Winterhoffs Tyrannen müssen nicht sein.

Buchcover mit freundlicher Genehmigung des Verlages: Michael Winterhoff, Tyrannen müssen nicht sein.
© by Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München