Seiten

Posts mit dem Label Flüchtlinge werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Flüchtlinge werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 4. März 2016

Hochkonjunktur für den Dunklen Bruder!

Donald Trump ist ein gewisser Höhepunkt in einer Entwicklung, im Rahmen deren Menschen immer mehr die Hemmung verlieren, das auszuagieren, was man den Schatten oder Dunklen Bruder bzw. die Dunkle Schwester nennt. Noch bis vor 10 Jahren war es so, dass jeder sich bemüht hat, seine dunklen Seiten zu verbergen; das hat sich drastisch verändert.

Mit Schatten bezeichnete der Schweizer Psychologe C.G. Jung jene inferioren, d.h. minderwertigen Seelenanteile in uns, die man auch als Dunklen Bruder - oder eben auch als Dunkle Schwester - bezeichnet. Meist sind sie unter Kontrolle, aber bisweilen zeigen sie sich auch, wenn jemand ausrastet oder wenn man von jemand sagt: So kenne ich den gar nicht.
Im Bierzelt unter Alkoholeinfluss erleben wir manchmal den ein oder anderen Zeitgenossen unflätig werden oder aggressiv; wenn der Alkohol die Fesseln löst, mit denen der Dunkle Bruder gebunden war, dann agiert der sich bisweilen lautstark aus. Auch der Vater, der sich mit dem Sohn auf einen lautstarken Disput einlässt, verlässt die Erwachsenenebene und agiert eine alte Verletzung aus, die er selbst in der Kindheit erhalten hat.
Wenn Menschen diese Seeleninhalte nicht bewusst sind, haben oder gewinnen diese meist ein autonomes Eigenleben; so können sie in bestimmten Situationen die Regentschaft über das Ich übernehmen, ohne dass jenes sie zurückpfeift. Sie können sich als depressive Phase, als Resignation, als Wutausbruch, als Angst und Verzweiflung outen.
Walter Schwery berichtet in seiner Studie über das Böse von einer katholischen Nonne, die ihm erzählt habe, dass sie tief erschrocken beobachte und sich nicht erklären könne, dass ihre Mitschwestern, wenn sie alt und krank und leidend werden, zunehmend ihren Charakter verändern, misstrauisch und bösartig werden, ja, in der Sprache grob, sogar unflätig. Schwery erläutert an diesem Beispiel, dass im Alter oft die Energie, den Schatten unter Kontrolle zu halten nachlasse. Dann tritt zutage, was schon immer in den Menschen war.
Wenn das geschieht, dann zeigt sich - so bei den Nonnen - die Dunkle Schwester oft mit Macht. Das erklärt auch, warum manche älteren Menschen so defätistisch und resignativ das Weltgeschehen kommentieren. Anstatt der nachfolgenden Generation mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, ziehen sie sich verbittert zurück und agieren das aus, was zutiefst in ihnen sich verbirgt, ein womöglich seit ihrer Geburt fehlendes Vertrauen ins Leben. Mühsam haben sie es ein (Berufs-)Leben lang zurückgehalten. Nun bricht es sich z.B. in ständig destruktiven Kommentaren Bahn. Gleiches gilt für die Hass-Kommentare weitaus jüngerer Menschen.
Mittlerweile muss man, und das ist eine erschreckende Entwicklung, um den Dunklen Bruder zu erkennen, nicht aufs Alter warten. George Bush war schon ein Beispiel für einen typischen Umgang mit dem Schatten. Er - und Menschen tun das immer wieder - projizierte ihn auf die anderen und nannte das, was er in sich nicht wahrnehmen wollte, Achse des Bösen. Oft geschieht dies bei Menschen, die religiös oder sehr moralisch erzogen werden, was per se nicht negativ ist, nur sich katastrophal auswirken kann, wenn das Böse verteufelt wird und nicht im eigenen Inneren wahrgenommen sein will. Dann nämlich wird es auf die Umgebung, die Welt und die Mitmenschen projiziert und dort gegebenenfalls mit Bomben und Granaten bekämpft.
Den Schatten auf diese Weise zu unterdrücken, ist, wie C.G. Jung es formulierte, ebensowenig ein Heilmittel wie Enthauptung gegen Kopfschmerzen.

Apropos enthaupten: Alle fundamentalistischen Bewegungen agieren kollektiv ihren Schatten aus, der IS eben so radikal, dass er jene, die ihn an nichtgelebte Seiten erinnern könnten, enthauptet. Erschreckend aber ist, dass auch auf Facebook z.B. Menschen und ihre Würde so schonungslos enthauptet werden.
Von allen, die das tun, wissen wir, dass sie, was sie schreiben, selbst in sich haben und im Grunde mit sich selbst so schmutzig und aggressiv umgehen; nur nützt das ihren Opfern wenig, davon abgesehen, dass diese Menschen ihr eigenes Inneres unsagbar verdrecken.
Wenn Liebe nicht gelebt wird, auch, weil sie aufgrund fehlender innerer Entwicklung nicht gelebt werden kann, dann wird sie, wenn sie in Gestalt von Menschen auftaucht, gegebenenfalls umgebracht, damit man sie nicht mehr wahrnehmen muss. In der Vergangenheit hat das die Menschheit immer wieder erleben müssen, man denke an Sokrates, Jesus, Gandhi, Martin Luther King und all die, die unter Menschen leiden, die wie Putin, Erdogan oder Assad Macht haben, ihr Inneres auszuleben auf eine Weise, die grauenerregend ist. Auch manch amerikanischer Präsident hat dazugehört.
Vergleichbar gehen übrigens Menschen mit ihrem inneren Kern um, wenn sie nicht wahrnehmen können und wollen, dass es in unserem Inneren etwas gibt, was die einen Gott, was Meister Eckehart das absolute Nichts und andere Allah oder Brahman nennen. Sie neigen dann dazu, sich herablassend über die Religiosität von Menschen zu äußern, setzen Glauben mit der Unfähigkeit oder einer fehlenden Bereitschaft zu denken gleich und was es mehr an Verunglimpfungen gibt, um die eigene Sehnsucht nach Sinn, die im Inneren eines jeden Menschen ist, abzutöten. Doch ist es wie im Traum: Man tötet den Verbrecher und verscharrt seine Leiche fernab in der Wüste. Spät in der Nacht kommt  man nach Hause, nur wer sitzt grinsend am Tisch: der Verbrecher. - Man kann einen Schatten nicht töten, nur verwandeln; dazu später mehr.

Warum Donald Trump so erfolgreich ist 

Manchmal geschieht dieses Ausagieren auch so gerissen, dass man wie der gerade mit Drogenbesitz festgenommene Grünenpolitiker Volker Beck, wenn man nicht gelebtes Leben mit Drogen versucht in den Griff zu bekommen, als Politiker sich für eine liberale Drogenpolitik einsetzt. Gewiss fördert das nicht das Vertrauen der Bürger in die Politik.
Was ich persönlich in der letzten Zeit erschreckend finde, ist, dass es in geworden ist, den Dunklen Bruder ganz bewusst zu leben. Noch meine Elterngeneration war peinlich darauf bedacht, alles Schattenhafte zu verbergen. Heute gibt man damit an, man prostituiert es und walzt damit alle inneren Gefühle nieder, die vor Entsetzen aufschreien.
Donald Trump ist die Ausgeburt dieses Verhaltens.
Das erklärt auch, warum er so erfolgreich ist. Er macht das, was viele Leute, die mühsam ihre verdrängten Schattenseiten unter Kontrolle halten, so gern auch machen würden, sich aber nicht getrauen. Nun kommt da einer daher und agiert diese Seiten unverhohlen aus. Das erklärt, warum er sich im Grunde alles erlauben kann, denn je krasser sein Verhalten ist, desto mehr sammelt er Punkte bei seinesgleichen.
Was mich in Amerika erschreckt, ist, dass nicht einmal jene, denen man einen klaren Kopf attestieren möchte, sich gegen ihn wenden und - unabhängig von ihrem politischen Engagement - zum Beispiel Hillary Clinton zur Seite springen, wenn Trump sie grob auf sexuell-familiärer Ebene beleidigt oder das auch mit Behinderten tut. Solches Verhalten ist m. E. auch nicht mehr durch eine freie Meinungsäußerung gedeckt und es spricht Bände für die Entwicklung unserer Gesellschaften, dass niemand ihn anzeigt, weil den meisten Mut und/oder innere Bereitschaft dazu fehlen, und sie auf der anderen Seite annehmen müssen, dass kein Gericht ihnen Recht gibt.
Das Entsetzen in Amerika wird groß sein, wenn dieser Mann Präsident werden sollte und es ist kein Wunder, dass die Internetzugriffe auf die Seite der kanadischen Einwanderungsbehörde exorbitant zugenommen haben. Nur der Weg zu flüchten, ist der falsche Weg.

Gott ist kein Master of Sublimation

Interessant ist, dass C.G. Jung und andere diese Entwicklung vorausgesagt haben. Sie hängt unter anderem damit zusammen, dass ein falsch verstandenes Christentum die dunkle Seiten verdrängt, das heißt, den ganzen Müll auf Christus geworfen oder alles Böse in Satan projiziert hat. So hat man das Böse ausgelagert und im eigenen Inneren konnten, tief verborgen, all diese Schattenseiten wuchern. Sie als Paket zu verschnüren und per Post in den Himmel zu schicken: dieser Weg funktioniert ganz offensichtlich nicht. Gott ist kein Master of Sublimation
Nun stehen die Kirchen ratlos da und wollen immer noch nicht wirklich wissen, warum die Menschen in Scharen die Konfessionen verlassen. Klar hängt es mit den Missbrauchsfällen zusammen, die ja nur zeigen, was geschieht, wenn Inneres verdrängt wird. Aber noch läuft das in der Kirche unter "Schreckliche menschliche Ausrutscher".
Es sind eben keine Ausrutscher, ebenso wie die Inquisition kein Ausrutscher war, sondern das sogenannte Böse, das Fremde, das Andersartige nach außen projizierte und dort folterte, bis es keinen Laut mehr von sich gab.
Die Kirche muss eine andere Haltung dem sogenannten Bösen gegenüber einnehmen. Die Menschen nehmen ihr den Umgang damit nicht mehr ab. Es kommt hinzu, dass, wer Menschen so wenig erfolgreich ermöglicht, ihre Sexualität zu verdrängen, von niemandem auf Dauer mehr ernst genommen werden kann.
Aber auch gesamtgesellschaftlich zeigt sich eine Eskalation der Entwicklung:
Dass das Angreifen von Flüchtlingen dazugehört, ist klar. Aber ebenso gehört auch dazu, dass durch alle Parteien hindurch mittlerweile ein tiefer Graben zwischen ihnen und jedem Zehnten des Wahlvolks gezogen wird, also jenen, die AfD wählen. Jeder Psychologe wird vermitteln, dass man so nicht mit Menschen umgeht, die Ängste artikulieren oder einen Umgang mit Flüchtlingen zum Ausdruck bringen, dem man nicht zustimmt. Die Ängste sind ja nicht unberechtigt, wie Köln gezeigt hat.
Was nicht ernst genommen wird, radikalisiert sich und wuchert und wird ein Krebsgeschwür im Menschen und in der Gesellschaft.
Auch wenn ich persönlich AfD-Positionen überwiegend nicht teile: Der Umgang mit ihnen macht mich fassungslos. Millionen von Menschen sind betroffen und ich kann nicht glauben, wie Medien und Politiker aller Parteien mit Bürgern dieses Landes umgehen. Angewidert sprechen sie von ihnen als denen da. Mit Besorgnis sehen sie eine Hydra.
Sie zeigen aber doch ein real-existierendes seelisches Befinden von mehreren Millionen!
Dass wir als Gesellschaft so wenig noch mit Sorgen und uns fremden Ansichten umgehen können, kann schon betroffen machen. Offensichtlich fehlt die grundlegende Bereitschaft.
Schlimmer noch: die Fähigkeit.

Heile Welt Europa 

Zu lange haben wir in Europa uns eine heile Welt zurechtgezimmert, die es noch nie gab. Gut möglich, dass die Welt nun das Problem Europa und seine heile Welt löst. Niemand kann die Wasser des Lebens auf Dauer aufhalten. Je mehr sich anstaut, desto sintflutartiger wird sich das Wasser irgendwann Bahn brechen. Dieses Schicksal droht Europa, so wie es nach Aussagen der Hopi-Indianer mit Atlantis geschah. Ob eine große Flut sich per Wasser oder per Menschenmassen ergießt, ist sekundär.
Gibt es einen Ausweg, gibt es einen Weg?

Lösungen à la Kain sind nicht der Weg

Gewiss besteht er nicht daran, wie es weiland Kain tat, seine helle Seite aus dem Weg zu räumen.
Die Weisheit der Bibel zeigt eindeutig den richtigen Weg auf:
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
Unser Nächster, das sind unser Dunkler Bruder, unsere Dunkle Schwester in uns. Niemand anderes!
Näher als unser Dunkler Bruder, unsere Dunkle Schwester ist uns niemand.
Klar kann man sie nach außen verlagern und einem Flüchtling liebevoll über den Kopf streicheln. So lange wir mit unseren dunklen Seiten nicht entsprechend und als Allererstes so umgehen, nützt das gar nichts. Weil nichts ankommt.
Wir alle spüren denen, die  scheinheilig agieren, ihre Lippenbekenntnisse an. Deshalb nehmen Bürger auch viele Politiker nicht mehr ernst, weil sie wahrnehmen, dass die meisten, wie C.G. Jung es nannte, uns nur eine Persona zeigen, ein äußeres Bild, mit dem sie in der Öffentlichkeit agieren. In ihrem Inneren hausen ganz andere Kräfte. Und das spüren viele.
Deutlich wird das an Angela Merkel. Ihr Eintreten für die Flüchtlinge lehnen viele auch deshalb ab, weil sie im Inneren Deutschlands - und es mag stellvertretend für ihr eigenes Inneres stehen - eben nichts für die Armen dieser Gesellschaft tat. Wollte sie nicht den Sklaven unter uns, den Leiharbeitern, zur Seite springen und dafür Sorge tragen, dass sich an diesem System Entscheidendes verändert?
Getan hat sie nichts, und diese Diskrepanz nehmen viele wahr, auch ihre europäischen Kollegen, wobei hier hinzukommt, dass sie, als Italien und Griechenland um Hilfe riefen, nichts tat, ja, dass sie mit dem Dublin-Abkommen ein System zu installieren versuchte, das sie aller Sorgen entheben sollte. Die derzeitige Situation lässt uns auf bittere Weise erkennen, dass sich das nicht auszahlt.
Angela Merkel ist nicht zufällig Bundeskanzlerin. Mit ihrem Verhalten, immer nur dann etwas zu tun, wenn das Problem absolut auf den Nägeln brennt, ist sie auch ein Spiegel für uns (wir können nur hoffen, dass Donald Trump nicht zum Spiegel für Amerika wird).
Auch momentan ist es erschreckend zu beobachten, wie sie und die EU Griechenland hängen lassen, auch wenn nun Hilfe geschehen soll. Jeder weiß, dass diese Hilfe viel zu spät kommt; seit Mazedonien seine Grenzen schloss, war absehbar, was sich da aufstauen würde.
Die Flüchtlinge, die an den Grenzen verzweifeln, die Syrer, die in ihrem eigenen Land zu Tode gebombt werden, die Menschen Afrikas, die unsere Wirtschaftsunternehmen nach wie vor übelst ausnutzen, das sind Gestalten auch unseres Inneren.
Niemand kann die Welt retten, aber jeder ist ein Teil von ihr und als solcher kann er seinen Beitrag leisten. Auf einer individuellen Ebene geschieht mit uns, was im Weltmaßstab geschieht: Wer Probleme verdrängt, den holen sie unbarmherzig ein, so wie es über kurz oder lang damit vorbei sein wird, dass Europa sich abkapselt. Amerika wird es genau gehen. Auf Dauer lassen sich die inferioren Teile der Welt und unsere eigenen nicht verdrängen. Menschen werden krank oder kriminell. Und unsere Welt ist so krank wie vielleicht noch nie. Selbst in Zeiten des Nationalsozialismus war die Erde nicht in ihrer Gesamtheit so in Aufruhr wie jetzt.
Ein anderer Umgang mit uns selbst tut in erster Linie Not. Er besteht darin, dass wir die Frustrationen, den Neid, die Aggressionen, unsere Sehnsucht, die Sinnlosigkeit des Lebens, die Enttäuschungen und Verletzungen in uns nicht mehr leugnen.
Wir dürfen nicht annehmen, dass wir als Deutsche die aufgestauten Probleme der Welt lösen; wir können nur unseren Beitrag leisten; auch das wird sich auszahlen.

Wo Dreck, da Gold

Diese Worte, die eine Weisheit der Alchemie, in deren Rahmen es um die Stufen der Entwicklung der menschlichen Seele geht, zum Ausdruck bringen, weisen uns darauf hin, dass wir das, was in uns als sogenanntes Böses oder nicht gelebtes Leben sein Unwesen treibt, verwandeln sollen. Nicht auslagern! Nicht verdrängen!
Klar sollen wir die Seele davon befreien, aber nicht auf eine Weise, dass es außerhalb von uns sich aufladen und gegen uns wenden kann.
Offen gilt es, die Probleme beim Namen zu nennen.
Zunächst die unseres Inneren.
Damit sich der Umgang unter den Menschen ändern kann.
Dann kann sich auch die Erde verändern.

Ansonsten zeigt uns Mutter Erde ihre dunkle Seite.
Wir wissen doch, dass eine Mutter ungeheuer viel Wärme geben kann, uns ernährt und Heimat gewährt. Nicht umsonst aber haben Menschen schon immer um ihre verschlingende, todbringende Seite gewusst.
Manche legen es darauf an, dass sie uns diese zeigt. Es sind die Putins, Erdogans und Assads dieser Erde, aber auch all die, die nichts tun, außer sich um ihre Macht und um ihre Eitelkeiten zu kümmern.

Wir haben nicht mehr viel Zeit, sie zu entmachten.

Samstag, 30. Januar 2016

Erich Fromm against Seehofer and Co! Widerlich und demagogisch, der Ex-Weltbank-Direktor Paul Collier!

Gerade  jetzt, wo es Seehofer und den anderen Brandstiftern zunehmend gelingt, alle Hilfesuchenden zu stigmatisieren, finde ich besonders wichtig, was Erich Fromm in Die Kunst des Liebens über das Geben und Nehmen schreibt:

Der merkantile Charakter ❴wir sprechen dann im Deutschen von einer Krämer-Seele❵ ist bereit zu geben, aber nur im Austausch gegen etwas anderes, das er dafür empfängt; Geben ohne Empfangen ist für ihn Betrug. Menschen, deren Charakterstruktur wesentlich unproduktiv ist, haben das Gefühl, dass man ihnen etwas wegnimmt ... Manche machen dagegen aus dem Geben eine Tugend im Sinne des Opfers ... 
Geben ist für den schöpferischen Charakter (dagegen) der höchste Ausdruck von Kraft ... Geben bringt mehr Freude als Empfangen, nicht weil es ein Opfer ist, sondern weil in der Handlung des Gebens der Ausdruck meiner Lebenskraft liegt ... Nicht der, der hat, ist reich, sondern der, der viel gibt. Der Geizige, der Angst vor jedem Verlust hat, ist - psychologisch gesagt - ein armer und armseliger Mensch, ungeachtet der Tatsache, wie viel er besitzt.

Deshalb stehe ich auch in Zeiten der Stimmungswende dazu:

When you have more, than you need build a bigger table, not a higher fence!

Dass ich mal Angela Merkel in Schutz nehmen würde, hätte ich mir auch nicht träumen lassen.

Aber das Interview der WELT mit dem Ökonomen und Ex-Weltbank-Direktor Paul Collier ist schon widerlich.
Als ob Angela Merkel an der Flüchtlingskrise schuld sei!

Wer hat denn durch die Destabilisierung des Irak dafür gesorgt, dass der IS überhaupt entsteht?

Wer hat denn den IS unterstützt, so dass Syrien und die ganze Region total destabilisiert wurde?
Waren das nicht die Saudis und die Türkei? Letztere tut mittlerweile so, als ob sie ihn bekämpft, dabei weiß jeder, dass es Erdogan vor allem um die Vernichtung der Kurden geht.

Wie lange haben ganz Europa inclusive der USA tatenlos zugesehen, dass weder Italien noch Griechenland mit den Flüchtlingen klarkommen?

Genau so funktioniert Demagogie: Hilfe wird den Deutschen nun als Schwäche ausgelegt, als Rettersyndrom desavouiert.

Immer wieder kommt dieses Argument, Merkel habe die Flüchtlinge eingeladen. Klar, war da nicht alles glücklich, was sie gemacht hat (wenn sie auch in manchen Situationen meines Erachtens zum ersten Mal wirklich Herz gezeigt hat).

Als ob aber die Millionen in hoffnungslos überfüllten Lagern sich nicht auch ohne Merkel auf den Weg gemacht hätten!

Alle diese Menschen leben dieses eine Leben ein einziges Mal. Da wartet man Monat um Monat, bis man es nicht mehr aushält, weil Lebenszeit kostbar ist und einem bewusst wird, dass es einem Seehofer, einem Collier, einem Erdogan, einem Juncker und anderen in ihren vollklimatisierten Zimmern und Herzen scheißegal ist, wie lange Menschen in Lagern verrotten! Im Übrigen ist da auch ein Sigmar Gabriel um keinen Deut besser (Sozialist zu sein bedeutet heutzutage offenbar, besonders erfolgreich Waffen verkaufen zu können).

Und was mir auch maßlos auf den Senkel geht: diese Bigotterie, als ob es nicht auf deutschen Handys hunderttausende von Pornos gäbe und Gewaltfilme, genauso wie Tag für Tag in den Medien.

Dann aber wird total hyperventiliert, wenn Kriminelle das in Wirklichkeit vorführen.
Ich wünschte, dass jeder Einzelne verknackt wird.

Aber diese Heuchelei ist widerlich!
Genau so aber funktioniert das, wenn man die inneren Schatten der eigenen Seele auf andere projiziert! Man merkt es daran, dass besonders laut geschrien und lamentiert wird.

Echauffiert wird sich auch darüber, dass alle Flüchtlinge Handys haben - aber dass 62 Super-Reiche so viel Vermögen besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, also 3,6 Milliarden Menschen, darüber regen dieselben sich nicht auf.
Wehe, einer dieser Superreichen würde im Mittelmeer treiben. Alle Flugzeugträger dieser Welt kämen ihm zu Hilfe! 
Aber wenn so ein paar Syrer da rumpaddeln . . .




  ✡  ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡
Buchveröffentlichung Gedichtinterpretationen gestalten lernen
Für Oberstufenschüler und alle, die verstehen möchten, auf 
welche Weise Inhalt und Form von Gedichten in unsere 
Tiefenstruktur hineinwirken. - Mehr unter diesem Link

Donnerstag, 31. Dezember 2015

Und unsern kranken Nachbarn auch!

So lapidar die Schlussworte des liebsten Volksliedes der Deutschen dahingesagt wirken mögen, so in Stein gemeißelt - lapidar leitet sich von lat. „lapis“, Stein, ab - und bedeutsam mögen sie sein, so bewusst gewählt wie zu Roms Zeiten, als man Botschaften und Hinweise per lapis lapidar übermittelte.

1779 wird das Abendlied veröffentlicht und seine Schluss-Strophe lautet:



So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbarn auch!


Blenden wir noch einmal mehr als 300 Jahre weiter zurück:

Die Menschheit macht sich gerade mittels der Geburt eines gewissen Christoph Columbus auf den Weg, Amerika zu entdecken (was bekanntlich so nicht stimmt); eben war Konstantinopel von den Osmanen unter Mehmed II. erobert und das Byzantinische Reich ist Geschichte. Und nur wenige Jahrzehnte ist es her, dass Johannes Hus in Konstanz öffentlich verbrannt worden war, da finden wir in einer Handschrift von 1467 einen Text:



Es ist ein Schnee gefallen,
Und ist es doch nit Zeit:
Man wirft mich mit den Ballen
Der Weg ist mir verschneit.

Mein Haus hat keinen Giebel,
Es ist mir worden alt.
Zerbrochen sind die Riegel,
Mein Stüblein ist mir kalt.

Ach Lieb, laß dich´s erbarmen
Daß ich so elend bin,
Und schleuß mich in dein Arme,
So fährt der Winter dahin.


Gleich zu Beginn vermitteln die Worte des Liedes, dass man auch ausgangs des Mittelalters Metaphern einzusetzen wusste, denn seine Klage macht deutlich, dass Schnee und Ballen für Schicksalhaftes stehen. Nicht nur der Weg, der Lebensweg ist unwegbar und mit dem Fehlen der Giebelwand ist das Dach Wind und Wetter ausgesetzt. Alles Weitere ist eine Frage der Zeit. 

Das Haus allerdings steht für das Haus des Lebens, das ungeschützt ist, und ja, das Innerste ist ausgekühlt. Das dreifach vorkommende ist mir lässt deutlich werden, wie sehr hier jemand auf ganz persönliche Weise fleht und seine Not gesteht. Hilfe von außen ist zwingend, sonst besiegt die Kälte alles Leben, auch das des oder der Sprechenden.

Hie und da werden im Lauf der Zeiten Strophen hinzugetextet und das Lied zu einem Liebeslied gemacht werden. Aber es geht nicht um das Schicksal zweier Liebender, sondern darum, dass hier jemand in höchster Not die LIEBE um Erbarmen und Hilfe bittet, damit das Elend, im Bild des Winters zum Ausdruck gebracht, sich verflüchtigen möge.

Mancher mag über die Weihnachtstage auf das schleuß getroffen sein, wenn er Lobt Gott ihr Christen alle gleich gesungen hat und es dort in der vierten Strophe heißt:



Heut’ schleußt er wieder auf die Tür
zum schönen Paradeis;
der Cherub steht nicht mehr dafür,
Gott sei Lob, Ehr' und Preis.


Doch von all dem ist das lyrische Ich unseres Liedes weit entfernt. Seine Not ist elementar und existentiell und es kann nur hoffen, dass die so angesprochene LIEBE  ein liebendes Herz finden möge, das jener eine Hand zur Verfügung stellt.

Auf diesem Hintergrund wird deutlich, wie bedeutungsvoll die Schlussworte von Matthias Claudius, ja, dass sie womöglich sehr bewusst gewählt gewesen sein mögen - und das in einer gewissen prophetischen Ahnung nicht von ungefähr, begann doch zehn Jahre nach Veröffentlichung des Liedes die französische Revolution, von der sich zunehmend mehr Leute abwenden sollten, weil sie nach anfänglicher Begeisterung erkennen mussten, wie viel Blut floss und wie grausam der Mob - Stichwort Septembermassaker - toben konnte, von den napoleonischen Kriegen und ihrem Elend ganz zu schweigen.

Wendet sich das lyrische Ich an die Liebe, so wendet sich Mattias Claudius an Gott:



Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!


Ja, darum dürfen wir durchaus bitten und viele Menschen in Nordengland werden es im Moment tun, zu bitten, einfach nur zu bitten, viele Menschen in Syrien, in der Ukraine, in Afghanistan, in Kurdistan - wo auch immer.


Wer wirklich in Not ist, lernt zu bitten.
Anfang und Ende sind besondere Räumlichkeiten in einem Text, einem Gedicht. Und wenn in einem solchen von dem Mond, von Gott und den Sternen die Rede war und doch das letzte Wort dem Nachbarn gewidmet wird, dann ist jener auch wirklich gemeint, auch der Nachbar in mir, der über lange Zeiten nur ein Schattendasein fristet; irgendwann darf auch er uns berühren.

Unser Nachteil ist es nicht.

Im Gegensatz zu unserem Bundespräsidenten hatte das lyrische Ich der Handschrift noch das innere Vermögen, die Liebe anzusprechen.
Gauck sprach in seiner Weihnachtsansprache von Menschenfreundlichkeit.

Auffallend ist ja, dass Ex-Pfarrer Gauck immer nur zutiefst verschwurbelt den christlichen Glauben einbezieht. Angela Merkel, die sonst weit weniger als Gauck heuchelt, wünscht am Ende ihrer Neujahrsansprachen in der Regel Gottes Segen, ein Umstand, der vielleicht eher ihrem Elternhaus als ihrer Einstellung und politischen Praxis geschuldet ist.

Das aber macht uns auf einen Umstand aufmerksam, der sowohl das Abendlied von Matthias Claudius als auch das Lied der Handschrift so aktuell und zugleich brisant sein lässt:
Die Werte des einstmals christlichen Abendlandes, von denen immer mal wieder gesprochen wird, die gibt es nicht mehr.
Wir sollten das endlich offen eingestehen.


Das macht gerade Gaucks indifferentes Gesäusel deutlich. Immerhin taucht bei ihm noch eine nachchristliche Vokabel wie Weihnachtsgeschehen auf, mehr verbietet wohl die Rücksicht auf muslimische Brüder und Schwestern (die sicherlich ganz und gar nichts dagegen hätten, Genaueres zu hören). 
Jedenfalls bleibt es für unseren werten Bundespräsidenten auf dem Hintergrund seines kulturellen Devotismus bei angesprochenen Buchstabenhülsen.

Und das ist auch gut so, mehr wäre nur noch mehr geheuchelt.

Was wir als Werte bezeichnen, sind auf der Basis ökonomischer Kosten-Nutzenrechungen Eigenschaften, die die notwendige Schmiere abgeben, damit unsere Wirtschaft ohne großes Gequietsche läuft, unbezahlt und deshalb geduldet. In jenem Sinne, in dem sie einst berufen worden waren, als unbezahlbare Elexiere unseres Lebens, existieren sie schon lange nicht mehr.

Werte also sind das, was in diesem Rahmen und damit das öffentliche Leben funktioniert bereitwillig und unbezahlt geduldet wird. In dem Sinn jedoch, wie wir sie einst berufen haben, existieren sie schon seit Jahren nicht mehr.

Wir sollten sie endlich auch offiziell ad acta legen und niemand sollte sich mehr auf sie berufen. Ich meine, selbst die Kirchen tun es ja schon lange höchst selten, weil sie wohl spüren, dass der Klang diesbezüglicher Worte merkwürdig hohl scheppert (was für mich mit der Hohlheit des Christentums, wie es C.G. Jung ansprach, zusammenhängt).

Umso erfreulicher ist es für mich, dass man das für das offizielle und veramtete Deutschland so formulieren kann, nicht aber für doch recht viele seiner Bürger.

Denn jene Tugend, jener Wert, den ein Mann ausgibt, der zu den ganz wenigen Würdenträgern gehört, die ich authentisch finde, der Papst nämlich, gerade auch dann, wenn er von Barmherzigkeit spricht, die zeigt sich in Deutschland und hat sich 2015 auf eine Weise gezeigt, die mich dieses Land wieder aufs Neue hat lieben lassen; dieses Mal weniger wegen seiner wunderschönen Landschaften, die ich so mag, sondern wegen seiner Menschen, die ihre Hand der Liebe zur Verfügung gestellt haben und den, den das Schicksal zu ihrem Nachbarn gemacht hat, als Nachbarn und Nächsten annahmen.

Man mag es Schicksal oder Gott nennen, aber es gibt wohl jene Instanz, die den Menschen ihr Schicksal zuweist, das sie tragen können. Insofern ist es eine schicksalhafte Fügung, dass Deutschland jener so großen Herausforderung 2015 konfrontiert wurde.

Ich bin so froh, dass es sie angenommen hat und jene Werte lebt, die verloren schienen und wünsche, dass es künftige Herausforderungen meistern möge.
Daran wird es wachsen und jene Staaten, die nicht ihre Hand absichtsvoll der Liebe liehen, werden dies noch bedauern.



✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡
Buchveröffentlichung Gedichtinterpretationen gestalten lernen
Für Oberstufenschüler und alle, die verstehen möchten, auf 
welche Weise Inhalt und Form von Gedichten in unsere 
Tiefenstruktur hineinwirken. - Mehr unter diesem LINK

Mittwoch, 4. November 2015

Samstag, 10. Oktober 2015

Angesichts des Scherbenhaufens der Weltpolitik

Die Veränderungen werden größer und umwälzender sein, als wir alle ahnen. Währenddessen zelebriert Innenminister de Maizière eine neue Nebelkerze, eine neue Bürger-für-dumm-verkauf-Parole, die lautet: die Außengrenzen der EU sichern.

Die zu sichernden Gebiete, um die es in Wirklichkeit geht, haben wenig mit der Gesamtlänge der angeblich zu schützenden EU-Außengrenzen zu tun. Es sind genau definierbare Abschnitte, wo Flüchtlinge die Grenze zur EU überschreiten. Um die geht es. Was das Gerede von de Maiziere soll, ist, was man gewohnt ist: Der Bürger wird mit einem verkappten Hoax abgespeist.
Seine Chefin war da schon weiter und deutlich realistischer und ebenso Sigmar Gabriel: Es gibt keine Zugbrücke, die wir hochziehen können . . .

weiter hier

PS Wo Flüchtlingskinder schlafen:


http://darbarnensover.aftonbladet.se/chapter/english-version/

hier eines der Betten:


























✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡ ✡
Buchveröffentlichung Gedichtinterpretationen gestalten lernen
Für Oberstufenschüler und alle, die verstehen möchten, auf 
welche Weise Inhalt und Form von Gedichten in unsere 
Tiefenstruktur hineinwirken. - Mehr unter diesem Link

Samstag, 19. September 2015

Wer unglaublich viele Waffen exportiert, darf sich nicht wundern . . .

Auf Facebook gefunden bei Barbara




PS: Lesenswert finde ich den Bericht eines syrischen Flüchtlings auf SPIEGELONLINE
Ein Jahr verordnetes Rumsitzen - das muss nicht sein!

Mittwoch, 22. Juli 2015

Seehofer ist wirklich ein Vollhorst! (Bruno Jonas hat so Recht!)

„Wir müssen rigorose Maßnahmen ergreifen.“ – Wer in der derzeitigen Situation, da sich bei manchen Menschen das Unterste nach oben kehrt, geistig so zündelt, hat meines Erachtens auf der politischen Bühne in Deutschland nichts verloren.

Charakterlich ist Horst Seehofer noch nie überschätzt worden. Dass er aber - momentan sind Flüchtlinge bei uns wahrlich nicht mehr sicher - zu solchen Sätzen greift, wohl wissend, dass sie bei Akademikern nur wenig auslösen, bei denen aber umso mehr, die den Hass gegen Mitmenschen womöglich bis zur Kainsart ausleben, das ist so niedrig, dass er die Rote Karte für das politische Feld verdient.

Wartet erst mal den Herbst und Winter ab, sagt Seehofer.

weiter hier