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Samstag, 28. Februar 2015

Welch ein vermessenes Tun, im Fleische das Fleisch zu versenken. - Pythagoras jedenfalls war Vegetarier!

Im 15. Buch von Ovids Metamorphosen findet sich, was wir uns durchaus in Erinnerung rufen können:

Pytagoras warnte davor, Tiere zu verspeisen! Und immerhin hatte er sein Wissen aus der göttlichen Ebene!
Im Grunde ist seine Aussage klar: Wer Tiere verspeist, ist ein Tier, denn Tiere nur sättigen sich mit Fleisch! Und selbst von ihnen nicht alle!
Wer Fleisch ist, befleckt seine Lippen mit Blut.
Im Goldenen Zeitalter, als die Göttin des Friedens noch unter den Menschen wandelte, lebten sogar die Fische sicher in ihren Gewässern.

Der Auszug beginnt mit dem Hinweis, dass Pythagoras seine Heimat Samos wegen des Tyrannen Polykrates verlassen musste und freiwillig ihr fernblieb, denn er hasste Tyrannengewalt:

In der Stadt, die liegt an Italiens Ende,
Wohnte ein Mann aus Samos, aber von Samos
War er geflohn vor dem Herrn und blieb freiwillig im Banne,
Hassend Tyrannengewalt. Der stieg, ob fern von dem Himmel,
Doch zu den Göttern im Geist und ersah, was ewige Ordnung
Menschlichen Blicken entzog, mit dem Auge der denkenden Seele.
Dann, wie er alles erspäht mit Gedanken und wachender Sorge,
Trug er es vor im versammelten Kreis, und den schweigende Schülern,
Die zuhörten dem Wort mit Verwunderung, lehrt' er des Weltalls
Uranfang und der Ding' Ursachen, und was die Natur sei,
Auch was Gott, von wannen der Schnee, wie Blitz sich erzeuge,
Ob in zerteiltem Gewölk Sturmwind, ob Jupiter donnre,
Was aufschüttre das Land, nach welchem Gesetz die Gestirne
Wandeln, und was sonst dunkel verbleibt. Er rügte die Sitte
Tiere zu speisen zuerst und erschloß zu folgender Rede
Weisheit kündenden Mund, der nicht auch Glauben gefunden:

»Laßt, ihr Sterblichen, ab durch frevlige Speise die Leiber
Euch zu entweihn. Feldfrucht ja ist und die tragenden Äste
Abwärts ziehendes Obst und am Weinstock schwellende Trauben,
Zarte Gewächs' auch sind und andere, welche das Feuer
Mild kann machen und weich; und wird euch nimmer benommen
Labende Milch, noch Seim nach Thymian duftenden Honigs.
Gaben in Fülle beschert die verschwendende Erde zu milder
Nahrung und beut euch Kost, die Blut nicht heischet und Tötung.


Tiere nur sättigen sich mit Fleisch, doch alle mitnichten;
Denn Gras nähret das Roß und das wollige Vieh und die Rinder;
Denen jedoch inwohnt unbändiges Wesen und Wildheit,
Löwen, die zornige Brut, armenische Tiger, mit Bären
Gieriger Wölfe Geschlecht, die freuen sich blutigen Fraßes.
Welch ein vermessenes Tun, im Fleische das Fleisch zu versenken
Und den begehrliche Leib mit verschlungenem Leibe zu mästen
Und mit des Lebenden Tod ein Lebender sich zu erhalten!
Bei so reichlichem Gut, das die Erde, die beste der Mütter,
Zeuget, behagt dir nichts als traurige Stücke zu kauen
Mit unseligem Zahn und zu tun nach Art der Zyklopen?
Weißt du nimmer die Gier des gefräßigen Bauches zu stillen,
Der zum Schlimmen gewöhnt, als wenn du vernichtest den Andern?

Jene verwichene Zeit, die golden wir pflegen zu nennen,
War mit Baumesertrag und dem Boden entsprossenen Pflanzen
Reichlich beglückt und befleckte noch nicht mit Blute die Lippen.
Damals schlugen die Luft mit sicheren Schwingen die Vögel;
Furchtlos irrt' umher im freien Gefilde der Hase;
Nie auch hängte den Fisch leichtgläubiger Wahn an die Angel.
Ohn' auflauernden Trug und nichts argwöhnend von Tücke
War voll Frieden die Welt.

Samstag, 4. Mai 2013

Das EGO als großer Gaukler. – Die Versuchung durch den Ring, den wir doch alle in Händen halten!

Zunächst war da vielleicht nur eine leise Verdunkelung des weißen Lichts.
Vielleicht mag es so gewesen sein, als sich der Mensch von seinem Ursprung entfernte, von seinem wahren Sein. Christen würden dieses wahre Sein als die Gotteskindschaft des Menschen bezeichnen, Buddhisten als seine Buddhanatur, Hinduisten würden von Atman, unserem ewigen göttlichen Sein sprechen.
Einst lebten wir alle im Goldenen Zeitalter, im Paradies, im Es war einmal der Märchen, als es noch den Guten König und die Gute Königin gab. 

Vorbei ... diese Zeiten sind Millionen von Jahre vorbei ... wir sind mitten auf der Reise ... hoffentlich sind wir schon auf dem Teil der Reise, wo der verlorene Sohn, die verlorene Tochter das Vater-Mutter-Haus sehen ...

Aus dieser anfänglich fast unauffälligen Verdunkelung mag sich nach und nach das Dunkel entwickelt haben und seine führenden Gestalten wie der Dunkle Herrscher, wie wir ihn im Herrn der Ringe finden.

Ich weiß nicht, ob schon jemand eine Zulassungs- oder gar eine Doktorarbeit über die biblischen Anklänge in Tolkiens Buch geschrieben hat; sie sind mit Händen zu greifen. Nach 700 Seiten vom Herrn der Ringe lese ich jedenfalls eine Stelle, die nicht nur starke Anklänge an die Versuchung Jesu durch den Teufel, wie wir sie aus der Bibel kennen, aufweist, sondern faszinierend ist, weil sie in eigentlich wenigen Zeilen zeigt, wie das Ego funktioniert, jenes Sein, das uns glauben lässt, wir seien in diesem Ego-Zustand wir selbst, wir seien frei in unsren Entscheidungen, jenes Sein, das Faust verblendet fragen lässt: Bin ich ein Gott, mir wird so licht ... 
Was er nicht wusste, wie sehr ihn Mephisto schon in Beschlag genommen hatte, wie dunkel es um ihn schon war, wenn er sich nicht direkt in der ehrlichen Liebe Gretchens befand ...

Fast hätte sich in der folgenden Stelle aus dem Herrn der Ringe Sam an das Ego verloren, der kleine und doch so tapfere Hobbit. Fast hätte er sich an den Ring verloren, jenes Medium in den Büchern Tolkiens, das es schafft, den Menschen von seiner Bestimmung auf ein falsches Gleis zu lenken, wie wir es als Menschen nun über Äonen erlebt haben und erleben. Wir alle, die wir auf der Erde leben, halten diesen Ring im Grunde in Händen und vielleicht sucht der ein oder andere, ihn loszuwerden. Manche tun auch so, als würden sie ihn nicht kennen oder als hätten sie seine Gefahr im Griff; meist sind gerade diese total geblendet ...
Von sich selbst!

Sam nun trägt momentan diesen Ring, weil Frodo, der eigentliche Ring-Träger, in die Hände des Dunklen Herrschers gefallen ist und just in diesem Moment womöglich von Orks gefoltert wird. Frodo wollte mit Hilfe Sams den Ring dahin bringen, wo er entstanden ist; nur dort kann er vernichtet werden. Allerdings sollte der Ring-Träger im Rahmen dieser Ring-Vernichtungs-Mission den Ring möglichst selbst nicht benutzen. 
Doch Sam und sein Freund Frodo scheinen kurz vor dem Ziel zu scheitern. Momentan also trägt Sam den Ring; er nahm ihn Frodo ab, als er diesen für tot hielt, um die Mission zu vollenden. 
Nun, in dieser prekären Situation, in der sich Sam befindet, entwickelt der Ring seine so große Suggestivkraft. 
Von Sam heißt es im ersten Kapitel des 6. Buches, überschrieben Der Turm von Cirith Ungol:

Nun dachte er an den Ring, aber auch das war alles andere als beruhigend. Kaum hatte er von fern den Schicksalsberg glühen gesehen, da bemerkte er eine Veränderung seiner Last. Als der Ring sich den großen Werkstätten näherte, wo er in den Abgründen der Zeit einst gegossen und geschmiedet worden war, da wuchs seine Macht, und der Ring wurde wilder, unbezähmbar, es sei denn er würde bezähmt durch einen gewaltigen Willen. Obwohl Sam ihn jetzt nicht am Finger, sondern an der Kette um den Hals trug, kam er sich vergrößert vor, eingehüllt in einen riesenhaft entstellten Schatten seiner selbst, eine dunkle, drohende Gefahr vor den Wällen von Mordor. Ihm schien es, als habe er nur noch zwei Möglichkeiten: auf den Ring zu verzichten, so schwer ihm das fiele; oder ihn für sich zu behalten und der Macht, die dort im Dunklen Turm hinter dem Tal der Schatten saß, entgegenzutreten. Schon verlockte ihn der Ring, er nagte an seinem Wllen und Verstand. Kühne Phantasien stiegen in ihm auf: Samweis der Starke, Held seines Zeitalters, wie er mit Feuer und Schwert durch die dunklen Lande zog, der Heerführer, der Barad-dûr dem Erdboden gleichmachte. Und dann würde sich alles Gewölk verziehen, und die helle Sonne würde scheinen, und auf seinen Befehl würde aus dem Tal der Gorgoroth ein Garten voller Blumen und Bäume und Kartoffeläcker. Er brauchte nur den Ring aufzustecken und ihn zu seinem Eigentum zu erklären, und all dies könnte geschehen.

In dieser Stunde der Versuchung war es vor allem die Treue zu seinem Chef, die ihn standhalten ließ; aber auch sein solider Hobbitverstand war noch nicht ganz zertrümmert: im Grunde seines Herzens wusste er, dass er nicht das Zeug dazu hatte, eine solche Last zu schultern, auch wenn ihm diese Bilder nicht nur vorgegaukelt gewesen wären, um ihn zu übertölpeln. Das kleine Stück Garten für einen freien Gärtner war alles, was er brauchte und was ihm zustand, nicht ein zur Größe eines Königreichs ausgewucherter Garten; und mit den eigenen Händen wollte er arbeiten, nicht anderer Leute Hände befehligen.

»Und all diese Flausen sind ja sowieso nur ein Trick«, sagte er sich. »Der würde mich finden und mich ducken, ehe ich Piep sagen könnte. Der hätte mich ganz schnell beim Wickel, hier in Mordor, wenn ich jetzt den Ring aufsteckte ...

"... kam er sich vergrößert vor, eingehüllt in einen riesenhaft entstellten Schatten seiner selbst ..."

Genau das ist der Punkt: Die Menschen werden größer, größer und größer, so groß, dass sie sich in dieser Größe selbst verlieren.
Sie verlieren sich an das Ego ... das hat immer weniger mit ihnen zu tun, immer mehr mit DEM, der Sam dann am Wickel hätte, der Dunkle Herrscher ...
Manche, ja viele hat er am Wickel, die meisten merken es nicht.
Und manche glauben, sie seien vor ihm gefeit ... mit denen hat DER das leichteste Spiel ...

Freitag, 5. April 2013

Elbenland ist abgebrannt ... Reue für den Verlust der Treue

Falls Du, liebe Leserin, lieber Leser, den Herrn der Ringe gelesen hast, dann wird es Dir vielleicht auch so gegangen sein wie mir: Zum einen war da ein Alp, ausgelöst durch die Macht des Dunklen Herrschers und des Bösen (wenn ich allein an die Augen des schwimmenden Baumstamms denke, an denen die Gefährten den neben ihrem Boot im Wasser treibenden Gollum erkannten - unheimlich); zum anderen war in mir eine Trauer, wenn ich las, welch friedliches und fast himmlisches Leben die Elben in Loriet führten; wie sie mit ihrer Weit- und Hellsicht den Ringgefährten zu helfen suchten und welch liebevolle Ausstrahlung ihre weise Frau Galadriel hatte. Das lässt in mir eine Erinnerung wach werden an ein Buch über Zwerge, in dem ich las, dass es sie einst gab - und es sie eigentlich auch noch gibt -, dass sie sich nur zurückziehen mussten. Wenn Menschen nicht mehr glauben, verändern sie ihre Wirklichkeit, in der sich findet, an was sie glauben möchten.
Diese Zeilen über das Elbenland und das wunderbare Sein der Elben lösen ein tiefes Sehnen nach einem Leben aus, dass es einmal gegeben haben mag in einer Zeit, die die Griechen das Goldene Zeitlalter und die Bibel Paradies nennt und bei den Germanen noch Balder, der Gott der Güte, des reinen Lichtes und Schönheit lebte, bevor ihn Loki auf heimtückische Weise tötete.

Wir wissen nicht, warum das Dunkle, das Böse in die Welt kam; das Bild, das die Bibel verwendet, das also Eva Adam animiert haben soll, von der Frucht des Baumes zu essen, gibt, falls es nicht einer männlichen Dominanz zuliebe gefälscht worden ist, nur sehr andeutungsweise wieder, womit es zu tun haben könnte.


Jedenfalls lässt sich sagen, dass die Menschheit ein Schach spielt, im Rahmen dessen man manchmal befürchten muss, dass Schwarz gewinnt.


Was aber auffällt in der letzten Zeit ist, dass gehäuft Dinge ans Tageslicht kommen, die die Menschheit vorwärtsbringen; ich denke nur an die Enthüllung der Geheimgeschäfte in Steueroasen, die hoffentlich einen Schlag gegen den Steuerbetrug auslösen wird, falls unsere Politiker endlich einmal bereit sind, mutig und konsequent zu sein und nicht wieder und wieder vor der Macht des Geldes kuschen (sie könnten zum Beispiel der Deutschen Bank die Bankenlizenz für deren Treiben im Rahmen von Steuerhinterziehung mit Hilfe von Steueroasen entziehen – was für ein Signal das wäre!).

Wenn wir sehen, wie die Liebe, die Güte, die Hilfsbreitschaft mit Füßen getreten werden, wie Hoffart, Eifersucht und das Ego der Menschen dominieren, dann ist Reue notwendig. Reue, die die Erkenntnis voraussetzt, auf dem falschen Weg zu sein, Reue, die uns erkennen lässt, wie wir mit jeder lieblosen Tat, jedem lieblosen Gedanken, jedem Wort, das der falschen Macht eine Schneise in unsere Wirklichkeit bricht, die kindliche Kaiserin in Michael Endes Unendlicher Geschichte töten und Menschen wie Jesus, Sokrates und andere wieder und wieder ans Kreuz nageln und vergiften.
Unser Wort Reue stammt von dem Altisländischen hryggr, was traurig, betrübt, bekümmert bedeutet.
Ich hatte viel Bekümmernis, so lautet die Kantate 21 von Johann Sebastian Bach.
Diese Kümmern ist notwendig, um wirklich die Kraft zu haben, den falschen Weg zu verlassen, die Kraft, Freunde, die auf diesem Weg bleiben wollen, zu verlassen und Gewohnheiten, deren Sogkraft uns zurückziehen würde.

Ja, ich glaube, dass wir bekümmert sein müssen über jede Tat, mit der wir die Liebe kreuzigen, und erst wenn wir erkennen, wie sehr wir selbst daran beteiligt sind, kann eine Wende, eine Sinneswandlung eintreten – im Griechischen lautet dieses Wort metanoia, das Luther mit Buße übersetzt.

Nur der Zugang zu wahrer Liebe, die Konfrontation mit wahrer Liebe kann uns die Augen öffnen, wie es mit unserem Herzen bestellt ist. Im seichten Wasser der Belanglosigkeit, des Dämmrigen, fallen uns unsere Lieblosigkeiten nicht auf, kontrastieren sie sich nicht.
Wenn die wahre Liebe in uns mächtig werden will, spüren wir unsere inneren Aber gegen sie.
Es gilt, aus der halbherzigen Lieblosigkeit herauszukommen, aus der Seichtheit esoterischen Gesülzes, aus einem schrecklich rechtschaffenen Christentum, aus einer moralischen Selbstgefälligkeit.

Wenn es uns gelingt, ein Bewusstsein unseres wahren inneren Seins herzustellen, dann bereuen wir.
Wahre Reue ist nicht flach, sie hat eine tiefe Tiefe.

Genau diese Reue ist notwendig, damit wieder T-reue sein kann, Treue zur Liebe.
Deshalb enthält im Deutschen zurecht das Wort Treue das Wort Reue.
Genauso wie es kein Zufall ist, dass Reinheit Einheit in sich birgt.

Auf dem Weg, auf dem wir als Menschen sind, ist Reue in der Tat Voraussetzung für wahre Liebes-Treue.
Um diese Liebe wiederzufinden, bedarf es der Reue. 

Je tiefer die Reue ist, desto tiefer kann unsere Liebe sein.

Dann kann es Elbenland wieder geben, kehren die Zwerge zurück, wachen Baldur und Schneewittchen und Dornröschen auf und die kindliche Kaiserin lädt uns ein auf ihr wunderbares Schloss.

Die Kindliche Kaiserin ist die Kraft unseres Herzens.

Nur ein Kind, ein kindliches Wesen, das Kind in uns, das göttliche Kind in uns, hat diese Kraft.
Deshalb können nur Kinder wirklich die Welt zum Guten verändern.
Die Kinder in uns!

Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder ... ! (Die Bibel)