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Samstag, 27. Juli 2013

"Der Herr der Ringe": Ende einer Zeit, Ende eines Buches, Wehmut, Lehren und Blick nach vorn.

Selten ist mir ein Buch so schwer zu lesen gefallen.
Woran das lag, ist mir klar: Vergangenheit kann belasten, und diese alte Zeit von Mittelerde enthält viel Grauenvolles, zugleich enthält sie ein wunderbares Licht in der Gestalt Galadriels und viel Lehrreiches.

Ja, der Hass, den es unter lebenden Wesen gibt, ist unendlich groß und er wird auch da sein im neuen Abschnitt der Maya-Zeitrechnung, den wir nun leben. 

Im Roman Tolkiens manifestiert er sich an vielen Stellen, an denen beim Lesen die Luft so dünn wie im Buch wird und die Buchstaben wie klebende dunkle Substanzen sind und man kaum glaubt vorwärtszukommen. An vielen Stellen war das Lesen für mich Kampf.

Unglaublich faszinierend dennoch, wie Tolkien der Bedeutung von Licht und Dunkel gerecht wird, wie sehr deutlich wird, wie schwer Leben ohne Licht ist, wie schwer die Schritte werden, wie niederdrückend Leben ohne die Bewegung der Luft sein kann.

Wie habe ich die Stellen geliebt, wenn die Seele entspannen konnte, weil die Ringträger bei den Elben zu Gast waren oder diese in der Nähe oder Gandalf auftauchte und Rat wusste ...

Kafka hat das in seinem Werk vergleichbar Dunkles abgebildet, aber ohne jede Hoffnung.

In Tolkiens Werk erlischt das glimmende Licht der Hoffnung nie. Immer hofft man darauf, dass Gandalf noch kommt, dass sich noch eine Tür auftut ... und dann kommen sie wirklich, die Adler, und wenden buchstäblich in letzter Sekunde das Blatt, die Schlacht ...

Kafkas Trostlosigkeit ist in dieser Dimension fast einmalig und sein Freund Brod hätte seinen Wunsch respektieren sollen, seine Werke nicht zu veröffentlichen.

Kafka wusste zu gut um die Macht des Dunkels, er wusste jedoch auch um die Macht des Lichts, wie sie in der Türhüterlegende zum Ausdruck kommt.

Frodo, der Ringträger, dem viel zu wenig Ehre nach seiner Heimkehr ins Auenland zuteil wird, zieht am Schluss mit den Elben aufs Meer hinaus. Er und die Elben verlassen ihr Land Lórien und Mittelerde.

Für eine bessere Zeit.

Die nun beginnt. 

Ein Frodo muss heute an seiner Wunde nicht mehr sterben, der neue Held heißt Parzival, vor 800 Jahren angekündigt in Wolfram von Eschenbachs Werk und zwei französischen.
Möge das Bewusstsein für ihn wirklich wach werden. Möge Anfortas überwunden werden.
Beide sind Bewusstseinszustände. Sie leben in unserem Inneren.

Auch die Elben werden wiederkommen und die Naturgeister werden im Bewusstsein der Menschen auferstehen.

Es beginnt eine Zeit, in der die Menschen sich wieder mit Respekt begegnen werden, eine Zeit, in dem man im Anderen das Besondere suchen und finden wird.

Unglaublich, die Leistung des Ringträgers Frodo durchzuhalten, den Ring zu vernichten und dennoch dem diabolischen Saruman Gnade zu erweisen.

Schrecklich dennoch dessen Ende, das der Ringträger nicht verhindern kann, als das Böse in Gestalt Schlangenzunges das Böse in Gestalt Sarumans umbringt und dennoch weiß Frodo und sagt das auch noch vor dessen Tod, den er dann nicht verhindern kann:
Er war einmal ein Großer und von so edler Art, dass wir nicht wagen sollten, die Hand gegen ihn zu erheben.

Bei Tolkien gibt es viele Anklänge an die Bibel, hier genauso, denn wir wissen, bevor Satan zu dem wurde, als  den wir ihn kennen, war er Satanael, ein großer Engel in der Gegenwart Gottes.

Die Silbe El bedeutet vorzugsweise Gott und sie zeichnet Erzengel wie Gabriel und Michael aus. Auch Satanael gehörte zu ihnen.
Vielleicht ist er zurückgekehrt. Auf ewig bleibt er nicht Satan.
Leider findet er einen Nachfolger. Ich fürchte, das wird immer so sein.
Für alle, die in der Zeit leben und über die Erde gehen bzw. das, was ihr folgt ...

Welch eine biblische Größe zeigt jedenfalls Frodo, wie ist der durch all die Kämpfe hindurch gewachsen, immer begleitet von Gandalf, dem weißen weisen Zauberer.


Ja, Kämpfe lassen Wesen und Menschen stark werden. 

Leben ist nicht als Kampf gedacht, schreibt Stuart Wilde, doch wissen wir: In Wahrheit ist es Kampf, den wir nicht vermeiden können, denn es gibt allenthalben Saruman und seine Gehilfen.
Wunderbar aber, wie im Roman, als die Schlacht verloren scheint, die Adler auftauchen, gerufen und mit großer Macht ausgestattet, zu helfen, das Blatt zu wenden.
Ich weiß noch, wie beim Lesen ich nicht fassen konnte, dass doch noch Hilfe auftaucht ...

Das Böse ist immer zum Untergang verurteilt.


Das ist die Botschaft der Märchen und solcher Romane wie dem Herrn der Ringe.


Auch wenn es manchmal so dunkel um uns wie eben auch im Buch ist.


Ich lasse das Buch mit seinen drei Bänden gern zurück, ich werde es gewiss nicht nochmal lesen. (Jedenfalls denke ich das im Moment :-)

Vielleicht aber müssen Menschen wie ich durch diese alte Zeit hindurch, um zu wissen, was alle Vorkämpfer der Geschichte geleistet haben, was wir ihnen danken und wie dankbar wir sein können für jeden elbenhaften, sonnigen Tag.

Mein Eindruck ist, dass die Kinder der neuen Zeit, die ich auch schon unterrichte, das nicht mehr müssen.

Manche jedenfalls nicht.
Noch werden viele von ihren Eltern und Lehrern in die alte Zeit gezogen. In Kämpfe alter Art verwickelt.
Das ist nicht böse, nicht absichtlich böse. 
Solange wir der Vergangenheit Macht geben, wird das geschehen.
Aber das kann sich ändern.

Samstag, 4. Mai 2013

Das EGO als großer Gaukler. – Die Versuchung durch den Ring, den wir doch alle in Händen halten!

Zunächst war da vielleicht nur eine leise Verdunkelung des weißen Lichts.
Vielleicht mag es so gewesen sein, als sich der Mensch von seinem Ursprung entfernte, von seinem wahren Sein. Christen würden dieses wahre Sein als die Gotteskindschaft des Menschen bezeichnen, Buddhisten als seine Buddhanatur, Hinduisten würden von Atman, unserem ewigen göttlichen Sein sprechen.
Einst lebten wir alle im Goldenen Zeitalter, im Paradies, im Es war einmal der Märchen, als es noch den Guten König und die Gute Königin gab. 

Vorbei ... diese Zeiten sind Millionen von Jahre vorbei ... wir sind mitten auf der Reise ... hoffentlich sind wir schon auf dem Teil der Reise, wo der verlorene Sohn, die verlorene Tochter das Vater-Mutter-Haus sehen ...

Aus dieser anfänglich fast unauffälligen Verdunkelung mag sich nach und nach das Dunkel entwickelt haben und seine führenden Gestalten wie der Dunkle Herrscher, wie wir ihn im Herrn der Ringe finden.

Ich weiß nicht, ob schon jemand eine Zulassungs- oder gar eine Doktorarbeit über die biblischen Anklänge in Tolkiens Buch geschrieben hat; sie sind mit Händen zu greifen. Nach 700 Seiten vom Herrn der Ringe lese ich jedenfalls eine Stelle, die nicht nur starke Anklänge an die Versuchung Jesu durch den Teufel, wie wir sie aus der Bibel kennen, aufweist, sondern faszinierend ist, weil sie in eigentlich wenigen Zeilen zeigt, wie das Ego funktioniert, jenes Sein, das uns glauben lässt, wir seien in diesem Ego-Zustand wir selbst, wir seien frei in unsren Entscheidungen, jenes Sein, das Faust verblendet fragen lässt: Bin ich ein Gott, mir wird so licht ... 
Was er nicht wusste, wie sehr ihn Mephisto schon in Beschlag genommen hatte, wie dunkel es um ihn schon war, wenn er sich nicht direkt in der ehrlichen Liebe Gretchens befand ...

Fast hätte sich in der folgenden Stelle aus dem Herrn der Ringe Sam an das Ego verloren, der kleine und doch so tapfere Hobbit. Fast hätte er sich an den Ring verloren, jenes Medium in den Büchern Tolkiens, das es schafft, den Menschen von seiner Bestimmung auf ein falsches Gleis zu lenken, wie wir es als Menschen nun über Äonen erlebt haben und erleben. Wir alle, die wir auf der Erde leben, halten diesen Ring im Grunde in Händen und vielleicht sucht der ein oder andere, ihn loszuwerden. Manche tun auch so, als würden sie ihn nicht kennen oder als hätten sie seine Gefahr im Griff; meist sind gerade diese total geblendet ...
Von sich selbst!

Sam nun trägt momentan diesen Ring, weil Frodo, der eigentliche Ring-Träger, in die Hände des Dunklen Herrschers gefallen ist und just in diesem Moment womöglich von Orks gefoltert wird. Frodo wollte mit Hilfe Sams den Ring dahin bringen, wo er entstanden ist; nur dort kann er vernichtet werden. Allerdings sollte der Ring-Träger im Rahmen dieser Ring-Vernichtungs-Mission den Ring möglichst selbst nicht benutzen. 
Doch Sam und sein Freund Frodo scheinen kurz vor dem Ziel zu scheitern. Momentan also trägt Sam den Ring; er nahm ihn Frodo ab, als er diesen für tot hielt, um die Mission zu vollenden. 
Nun, in dieser prekären Situation, in der sich Sam befindet, entwickelt der Ring seine so große Suggestivkraft. 
Von Sam heißt es im ersten Kapitel des 6. Buches, überschrieben Der Turm von Cirith Ungol:

Nun dachte er an den Ring, aber auch das war alles andere als beruhigend. Kaum hatte er von fern den Schicksalsberg glühen gesehen, da bemerkte er eine Veränderung seiner Last. Als der Ring sich den großen Werkstätten näherte, wo er in den Abgründen der Zeit einst gegossen und geschmiedet worden war, da wuchs seine Macht, und der Ring wurde wilder, unbezähmbar, es sei denn er würde bezähmt durch einen gewaltigen Willen. Obwohl Sam ihn jetzt nicht am Finger, sondern an der Kette um den Hals trug, kam er sich vergrößert vor, eingehüllt in einen riesenhaft entstellten Schatten seiner selbst, eine dunkle, drohende Gefahr vor den Wällen von Mordor. Ihm schien es, als habe er nur noch zwei Möglichkeiten: auf den Ring zu verzichten, so schwer ihm das fiele; oder ihn für sich zu behalten und der Macht, die dort im Dunklen Turm hinter dem Tal der Schatten saß, entgegenzutreten. Schon verlockte ihn der Ring, er nagte an seinem Wllen und Verstand. Kühne Phantasien stiegen in ihm auf: Samweis der Starke, Held seines Zeitalters, wie er mit Feuer und Schwert durch die dunklen Lande zog, der Heerführer, der Barad-dûr dem Erdboden gleichmachte. Und dann würde sich alles Gewölk verziehen, und die helle Sonne würde scheinen, und auf seinen Befehl würde aus dem Tal der Gorgoroth ein Garten voller Blumen und Bäume und Kartoffeläcker. Er brauchte nur den Ring aufzustecken und ihn zu seinem Eigentum zu erklären, und all dies könnte geschehen.

In dieser Stunde der Versuchung war es vor allem die Treue zu seinem Chef, die ihn standhalten ließ; aber auch sein solider Hobbitverstand war noch nicht ganz zertrümmert: im Grunde seines Herzens wusste er, dass er nicht das Zeug dazu hatte, eine solche Last zu schultern, auch wenn ihm diese Bilder nicht nur vorgegaukelt gewesen wären, um ihn zu übertölpeln. Das kleine Stück Garten für einen freien Gärtner war alles, was er brauchte und was ihm zustand, nicht ein zur Größe eines Königreichs ausgewucherter Garten; und mit den eigenen Händen wollte er arbeiten, nicht anderer Leute Hände befehligen.

»Und all diese Flausen sind ja sowieso nur ein Trick«, sagte er sich. »Der würde mich finden und mich ducken, ehe ich Piep sagen könnte. Der hätte mich ganz schnell beim Wickel, hier in Mordor, wenn ich jetzt den Ring aufsteckte ...

"... kam er sich vergrößert vor, eingehüllt in einen riesenhaft entstellten Schatten seiner selbst ..."

Genau das ist der Punkt: Die Menschen werden größer, größer und größer, so groß, dass sie sich in dieser Größe selbst verlieren.
Sie verlieren sich an das Ego ... das hat immer weniger mit ihnen zu tun, immer mehr mit DEM, der Sam dann am Wickel hätte, der Dunkle Herrscher ...
Manche, ja viele hat er am Wickel, die meisten merken es nicht.
Und manche glauben, sie seien vor ihm gefeit ... mit denen hat DER das leichteste Spiel ...

Samstag, 20. April 2013

Hütet euch vor Sarumans Stimme! – Über die Enttarnung eines Blenders in Tolkiens "Herr der Ringe"

"Unsere Gelüste, unsere Launen, unsere heimlichen Laster und selbst unsere sorgsamst gehüteten Gedanken übertrugen sich auf den Klang unserer Stimme, wurden offenbar in ihrer Modulation, in ihrem Rhythmus."

Nicht nur diese eben wiedergegebene Stelle, sondern die gesamten im letzten Post zitierten Aussagen Jacques Lusseyrans in Bezug auf das, was er in einer Stimme wahrzunehmen in der Lage ist, sind schon beeindruckend.

Der ein oder andere mag in seinem Bekannten- und Freundeskreis jemanden haben, der eine besonders angenehme Stimme hat. Manche angenehme Stimme hat allerdings etwas Aalglattes, Öliges, Salbungsvolles.

Mancher auch sonnt sich in seiner Stimme, von der er weiß, wie sie überzeugt. Und wenn man sich dafür sensibilsiert, darauf zu achten, ob eine Stimme stimmig ist, mag es einem auch zunehmend auffallen, wie es um sie bestellt ist.

Gegenüber zu schmeichelnd einschmeichelnden sanften Stimmen bin ich skeptisch geworden. Ich glaube, manches Mal hat der berühmte Wolf im Schafspelz Kreide gefressen wie der Wolf im bekannten Märchen der Gebrüder Grimm. 

Die Stimme kann der Schafspelz sein.

Wie eine Stimme wirkt und was sich oftmals dahinter verbergen mag, dafür gibt es ein hervorragendes Beispiel im zweiten Band des Herrn der Ringe. Die Ents und Huorns haben gerade die Schlacht um Isengard geschlagen und die Orks platt gemacht. Nur was sie hatten nicht verhindern können, war, dass der Oberschurke Saruman, einst ein Weiser, also in der Sprache Tolkiens ein Weißer, einer der Istari, sich in den Turm von Orthanc hatte zurückziehen können.


Leider war Saruman in früherer Zeit auf den Sog der Macht hereingefallen. Seine Machtgelüste hatten ihn dazu verführt, dass er den Einen Ring begehrte. Deshalb hatte er Isengard befestigt und dort Orks und Dunländer angesiedelt. Er begann Gandalf, dem großen Zauberer und Wissenden nachzuspionieren. Ohne dass er es merkte, wurde er aber von Sauron, der Dunklen Macht, gelenkt, wohl nicht damit rechnend, dass seine Dunkelheit noch überboten werden könne.


Durch seine Bauweise war jener Turm, in den sich Saruman nach der Einnahme Isengards zurückgezogen hatte, selbst für die riesigen Ents uneinnehmbar.


Gandalf, der mit König Theoden und seinen Reitern aus Rohan soeben im eroberten Isengard eingetroffen war und die ganze Arbeit, die die Ents geleistet hatten, hatte bewundern können, wollte noch einen Versuch machen, die Auseinandersetzung mit Saruman ohne weiteres Blutvergießen enden zu lassen. Doch kannte er die Gefahr, die von diesem ausging, weshalb er zu allen, die ihn zu dem Orthanc-Turm begleiten wollten, sagte:


"Hütet euch vor seiner Stimme!"

Gerade warteten sie vor dem Turm, als sie eine Stimme, leise und melodisch, allein durch den Klang schon betörend (vernahmen). Wer arglos dieser Stimme lauschte, wusste nachher meistens nicht mehr, was sie eigentlich gesagt hatte; erinnerte er sich aber, so wunderte es ihn, wie wenig Kraft die Worte allein noch besaßen. Die meisten wussten dann nur noch, dass es eine reine Freude gewesen war, diese Stimme anzuhören, und dass alles, was sie sagte, gerecht und vernünftig klang und im Zuhörer den Wunsch erweckte, durch rasche Zustimmung die eigene Klugheit zu beweisen. Was andere sagten, klang dagegen grob und ungeschlacht (...). 

Interessant, im Grunde aber beunruhigend, dass normale menschliche Stimmen so abgewertet werden gegenüber einer so einölenden Stimme. 
Gekonnt, wie hier Tolkien, der Verfasser des Herrn der Ringe, die Wirkung einer solchen darzustellen weiß.

Viele hielt allein der gegenwärtige Klang der Stimme im Bann, aber bei denen, die ganz von ihr bezwungen waren, wirkte der Zauber fort, wenn sie weit entfernt waren; und immer hatten sie dann diese leise Stimme im Ohr, die auf sie einredete und sie anspornte. Niemand aber blieb unberührt, und niemand konnte ohne Anstrengung des Willens und Geistes ihre Bitten und Befehle zurückweisen, solange ihr Herr sie noch in der Gewalt hatte. »Nun?«, fragte sie im Ton milden Vorwurfs. »Warum müsst ihr meine Ruhe stören? Wollt ihr mich denn bei Tag wie bei Nacht nicht in Frieden lassen?« Es klang nach gutherzigem Bekümmertsein durch unverdiente Kränkungen. 

Der Träger einer solchen Stimme weiß meistens geschickt mit Mitleid zu operieren. Und wer selbst gern selbstmitleidig ist, fällt auf diese Art von Selbstmitleid garantiert herein ...

Erstaunt blickten sie hinauf, denn sie hatten niemanden kommen gehört; und oben am Geländer stand nun einer und schaute auf sie herab, ein alter Mann in einem langen Mantel, dessen Farbe schwer zu bestimmen war, denn sie wechselte, wenn sie die Augen bewegten oder wenn er sich rührte. Er hatte ein langes Gesicht mit hoher Stirn und dunklen, tief liegenden Augen, deren Ausdruck kaum zu ergründen war, obwohl sie jetzt ernst und gütig und ein wenig müde dreinschauten. Haar und Bart waren weiß, doch mit manchen schwarzen Strähnen um Lippen und Ohren. (...)

Gütig und ein wenig müde ... ! – Übrigens sah dieser Saruman Gandalf ziemlich ähnlich. Das ist auch bezeichnend, das sind die Mittel, die das Dunkle einsetzt. Manchmal ist das Dunkle mit dem Lichten zum Verwechseln ähnlich. Da verraten nur einzelne dunkle Strähnen, wes Geistes Kind vor einem steht!

Gut, dass ein Zwerg es ist, der den dunklen Zauber durchschaut:

Gimli der Zwerg war es, der das Schweigen jäh brach. »Die Worte dieses Zauberers stehen kopf«, rief er, die Hand am Griff seiner Axt. »Helfen heißt verderben in der Sprache von Orthanc, und retten heißt töten, so viel ist klar. Doch wir sind nicht hier, um zu betteln.«

»Bitte!«, sagte Saruman, und für einen Moment war seine Stimme nicht mehr ganz so einschmeichelnd, und in seinen Augen flackerte ein Funke auf und verschwand wieder. »Noch rede ich nicht mit dir, Gimli Glóinssohn«, sagte er. »Fern von hier liegt deine Heimat, und wenig kümmern dich dieses Landes Nöte. Doch nicht aus eigener Absicht wurdest du in sie hineingezogen, und darum will ich dir nicht zum Vorwurf machen, welche Rolle du darin gespielt hast - eine wackere Rolle, wie ich nicht bezweifle. Aber sei so gut und lass mich zuerst mit dem König von Rohan reden, meinem Nachbarn, der einst mein Freund war.

Was habt Ihr zu sagen, König Theoden? Wollt Ihr nicht Frieden mit mir schließen und all die Hilfe empfangen, die mein in langen Jahren begründetes Wissen gewähren kann? Sollen wir nicht gemeinsam Rat halten. wie die bösen Zeiten zu überstehen sind, und einander mit so viel gutern Willen Schadenersatz leisten, dass unsere Länder eins wie das andere schöner erblühen denn je?«

Theoden gab noch immer keine Antwort. Ob es Zorn oder Zweifel war, was ihm die Zunge lahmte, konnte niemand sagen. Eomer nahm das Wort. 


»Hört mich an, Gebieter!«, sagte er. »Jetzt spüren wir die Gefahr, vor der wir gewarnt wurden. Sind wir als Sieger hierher geritten, nur um uns von einem alten Lügner mit Honig auf seiner gespaltenen Zunge beirren zujassen? So wie er spräche der Wolf in der Falle mit den Hunden, wenr er's könnte. Welche Hilfe kann er Euch denn überhaupt leisten? Er will! nur eins: sich aus seiner erbärmlichen Lage herauswinden. Aber wollt Ihr feilschen mit einem, der nichts zu bieten hat als Mord und Verrat? Denk an Théodreds Tod an der Furt und an Hamas Grab in Helms Klamm!«

»Wenn wir schon von giftigen Zungen reden, was wäre dann von deiner zu sagen, du junge Schlange?« sagte Saruman, nun unüberhörbar erbost. »Doch lass gut sein, Éomer, Éomunds Sohn!«, fuhr er fort, wieder in den besänftigenden Ton zurückfindend. »Jedem das Seine. Dein ist das Waffenhandwerk, und damit erlangst du hohe Ehren. Schlage tot, wer deinen König Feind nennt, und damit gib dich zufrieden! Mische dich nicht in die Staatsgeschäfte ein, von denen du nichts verstehst! Doch vielleicht, solltest du einst König werden, wirst du erkennen, dass du deine Freunde mit Bedacht wählen musst. Sarumans Freundschaft und Orthancs Macht sind nicht leichthin zu verwerfen, was man auch für Beschwerden, ob begründet oder nicht, gegen sie erheben mag. Ihr habt eine Schlacht gewonnen, aber nicht den Krieg - und selbst die Schlacht nur dank einer Hilfe, auf die ihr ein zweites Mal nicht zählen könnt. Vielleicht findet Ihr den Schatten des Waldes demnächst vor der eigenen Tür: Er ist störrisch und unverständig und den Menschen nicht wohlgesinnt. 

Aber, König von Rohan, muss ich mich einen Mörder schimpfen lassen, weil wackre Männer im Kampf gefallen sind? Wenn Ihr ins Feld zieht, unnötigerweise, denn ich wollte keinen Krieg, werden Männer erschlagen. Bin ich aber deshalb ein Mörder, so ist Eorls ganzes Haus mit dem gleichen Makel behaftet; denn viele Kriege habt ihr geführt, in denen ihr oft auch die Angreifer wart, wenn man euch trotzte. Doch mit manchen Feinden habt Ihr nachher Frieden geschlossen - nicht zu Eurem Nachteil, denn die Staatsklugheit gebot es. Ich sage Euch, König Theoden: Sollen (229) wir nicht Frieden und Freundschaft halten, Ihr und ich? Nur wir haben darüber zu befinden!« 


»Wir werden Frieden haben«, sagte Theoden endlich, mühsam und mit belegter Stimme. Mehrere Reiter brachen in Freudengeschrei aus. Theoden hob die Hand. »Ja, wir werden Frieden haben«, sagte er, nun mit klarer Stimme. »Wir werden Frieden haben, wenn du mitsamt all deinen Werken vernichtet bist - und ebenso die Werke deines dunklen Gebieters, dem du uns ausliefern möchtest. Ein Lügner bist du, Saruman, und ein Verführer der Menschenherzen. Du streckst mir die Hand hin, und ich bemerke, dass sie nur ein Finger der Klaue Mordors ist. Grausam und kalt. Wäre dein Krieg gegen micn selbst ein gerechter Krieg - was er nicht war, denn auch, wenn du zehnmal so weise wärest, hättest du kein Recht, mich und mein Volk, wie du es wünschtest, zu deinem Nutzen zu regieren -, aber selbst dann, was sagst du zu den Bränden, die in der Westfold gelegt, und den Kindern, die dort getötet wurden? Und Hamas Leib haben deine Leute vor dem Tor der Hornburg zerhackt, als er schon tot war. Erst wenn du vor deinem Fenster am Galgen baumelst, deinen Krähen zum Fraß, dann werde ich mit dir und Orthanc Frieden haben. So stehst du mit dem Haus Eorl. Nur ein minderer Sohn großer Ahnen bin ich, hab es aber doch nicht nötig, dir die Hand zu lecken. Betöre andere! Aber ich fürchte, deine Stimme hat ihre Zauberkraft eingebüßt.«

Unglaublich geschickt, wie Saruman vorgeht. Er versteht es, des ein oder anderen Aussage zu entwerten, er operiert nach wie vor mit Ängsten, die er geschickt im Inneren des Gegenüber lanciert, und er lässt leise, aber gekonnt, versteckte Drohungen einfließen. Da sind sogar die Reiter des Königs beeinflusst, und wie:


Die Reiter starrten zu Theoden hinauf wie Menschen, die aus einem Traum gerissen werden. Rau wie das Gekrächz eines alten Raben klang ihnen nach Sarumans Gesäusel die Stimme ihres Königs im Ohr. Doch fürs Erste war Saruman nun außer sich vor Zorn. Er beugte sich übers Geländer, als wollte er auf den König mit seinem Stab einschlagen. Manche glaubten für einen Augenblick eine Schlange zu sehen, die sich vor dem Ansprung zusammenrollt. 

»Galgen und Krähen!« zischte er, und die Veränderung war so erschreckend, dass es ihnen kalt über den Rücken lief.

Als Saruman die Wahrheit hört, fällt er zunehmend aus der Rolle und sein wahres Gesicht, eine hässliche Fratze, die nur auf Mord und Totschlag und Machtgewinn aus ist, zeigt sich mehr und mehr.
Doch wird eben gerade an den Reitern deutlich, wie sie in Gefahr waren, auf seine Stimme hereinzufallen nach dem Motto: Eine solch angenehme Stimme kann doch keinen schlechten Menschen verbergen ... man tut dem Armen Unrecht. Guckt doch mal, wie er leidet ... – und wie ihnen auf einmal die eigentlich doch vertraute Stimme ihres Königs vorkam! Wie das Gekrächz eines alten Raben!
Unglaublich, die Wirkung von Sarumans Stimme. 
Was wäre geschehen, wenn Gandalf sie nicht von vornherein enttarnt hätte, alle gewarnt hätte? 

Ich glaube, es gilt, der Stimme der Menschen mehr Bedeutung zuzumessen, die entsprechenden Sinne  zu schärfen und genau hinzuhören, denn es gibt mehr Sirenen, deren Opfer auch Odysseus geworden wäre, wenn er nicht dem Rat Circes gefolgt wäre, als wir denken, und es gibt nicht nur eine einzige Loreley, die den Fischer mit Hilfe ihrer Stimme ins nasse Grab zu schicken wusste, genauso wie es nicht nur einen Saruman gab und gibt, sondern zu allen Zeiten tauchen sie auf.

Gewiss aber gibt es auch Menschen, die wirklich eine wohltönende Stimme haben, die innere Stimmigkeit spiegelt.


Freitag, 5. April 2013

Elbenland ist abgebrannt ... Reue für den Verlust der Treue

Falls Du, liebe Leserin, lieber Leser, den Herrn der Ringe gelesen hast, dann wird es Dir vielleicht auch so gegangen sein wie mir: Zum einen war da ein Alp, ausgelöst durch die Macht des Dunklen Herrschers und des Bösen (wenn ich allein an die Augen des schwimmenden Baumstamms denke, an denen die Gefährten den neben ihrem Boot im Wasser treibenden Gollum erkannten - unheimlich); zum anderen war in mir eine Trauer, wenn ich las, welch friedliches und fast himmlisches Leben die Elben in Loriet führten; wie sie mit ihrer Weit- und Hellsicht den Ringgefährten zu helfen suchten und welch liebevolle Ausstrahlung ihre weise Frau Galadriel hatte. Das lässt in mir eine Erinnerung wach werden an ein Buch über Zwerge, in dem ich las, dass es sie einst gab - und es sie eigentlich auch noch gibt -, dass sie sich nur zurückziehen mussten. Wenn Menschen nicht mehr glauben, verändern sie ihre Wirklichkeit, in der sich findet, an was sie glauben möchten.
Diese Zeilen über das Elbenland und das wunderbare Sein der Elben lösen ein tiefes Sehnen nach einem Leben aus, dass es einmal gegeben haben mag in einer Zeit, die die Griechen das Goldene Zeitlalter und die Bibel Paradies nennt und bei den Germanen noch Balder, der Gott der Güte, des reinen Lichtes und Schönheit lebte, bevor ihn Loki auf heimtückische Weise tötete.

Wir wissen nicht, warum das Dunkle, das Böse in die Welt kam; das Bild, das die Bibel verwendet, das also Eva Adam animiert haben soll, von der Frucht des Baumes zu essen, gibt, falls es nicht einer männlichen Dominanz zuliebe gefälscht worden ist, nur sehr andeutungsweise wieder, womit es zu tun haben könnte.


Jedenfalls lässt sich sagen, dass die Menschheit ein Schach spielt, im Rahmen dessen man manchmal befürchten muss, dass Schwarz gewinnt.


Was aber auffällt in der letzten Zeit ist, dass gehäuft Dinge ans Tageslicht kommen, die die Menschheit vorwärtsbringen; ich denke nur an die Enthüllung der Geheimgeschäfte in Steueroasen, die hoffentlich einen Schlag gegen den Steuerbetrug auslösen wird, falls unsere Politiker endlich einmal bereit sind, mutig und konsequent zu sein und nicht wieder und wieder vor der Macht des Geldes kuschen (sie könnten zum Beispiel der Deutschen Bank die Bankenlizenz für deren Treiben im Rahmen von Steuerhinterziehung mit Hilfe von Steueroasen entziehen – was für ein Signal das wäre!).

Wenn wir sehen, wie die Liebe, die Güte, die Hilfsbreitschaft mit Füßen getreten werden, wie Hoffart, Eifersucht und das Ego der Menschen dominieren, dann ist Reue notwendig. Reue, die die Erkenntnis voraussetzt, auf dem falschen Weg zu sein, Reue, die uns erkennen lässt, wie wir mit jeder lieblosen Tat, jedem lieblosen Gedanken, jedem Wort, das der falschen Macht eine Schneise in unsere Wirklichkeit bricht, die kindliche Kaiserin in Michael Endes Unendlicher Geschichte töten und Menschen wie Jesus, Sokrates und andere wieder und wieder ans Kreuz nageln und vergiften.
Unser Wort Reue stammt von dem Altisländischen hryggr, was traurig, betrübt, bekümmert bedeutet.
Ich hatte viel Bekümmernis, so lautet die Kantate 21 von Johann Sebastian Bach.
Diese Kümmern ist notwendig, um wirklich die Kraft zu haben, den falschen Weg zu verlassen, die Kraft, Freunde, die auf diesem Weg bleiben wollen, zu verlassen und Gewohnheiten, deren Sogkraft uns zurückziehen würde.

Ja, ich glaube, dass wir bekümmert sein müssen über jede Tat, mit der wir die Liebe kreuzigen, und erst wenn wir erkennen, wie sehr wir selbst daran beteiligt sind, kann eine Wende, eine Sinneswandlung eintreten – im Griechischen lautet dieses Wort metanoia, das Luther mit Buße übersetzt.

Nur der Zugang zu wahrer Liebe, die Konfrontation mit wahrer Liebe kann uns die Augen öffnen, wie es mit unserem Herzen bestellt ist. Im seichten Wasser der Belanglosigkeit, des Dämmrigen, fallen uns unsere Lieblosigkeiten nicht auf, kontrastieren sie sich nicht.
Wenn die wahre Liebe in uns mächtig werden will, spüren wir unsere inneren Aber gegen sie.
Es gilt, aus der halbherzigen Lieblosigkeit herauszukommen, aus der Seichtheit esoterischen Gesülzes, aus einem schrecklich rechtschaffenen Christentum, aus einer moralischen Selbstgefälligkeit.

Wenn es uns gelingt, ein Bewusstsein unseres wahren inneren Seins herzustellen, dann bereuen wir.
Wahre Reue ist nicht flach, sie hat eine tiefe Tiefe.

Genau diese Reue ist notwendig, damit wieder T-reue sein kann, Treue zur Liebe.
Deshalb enthält im Deutschen zurecht das Wort Treue das Wort Reue.
Genauso wie es kein Zufall ist, dass Reinheit Einheit in sich birgt.

Auf dem Weg, auf dem wir als Menschen sind, ist Reue in der Tat Voraussetzung für wahre Liebes-Treue.
Um diese Liebe wiederzufinden, bedarf es der Reue. 

Je tiefer die Reue ist, desto tiefer kann unsere Liebe sein.

Dann kann es Elbenland wieder geben, kehren die Zwerge zurück, wachen Baldur und Schneewittchen und Dornröschen auf und die kindliche Kaiserin lädt uns ein auf ihr wunderbares Schloss.

Die Kindliche Kaiserin ist die Kraft unseres Herzens.

Nur ein Kind, ein kindliches Wesen, das Kind in uns, das göttliche Kind in uns, hat diese Kraft.
Deshalb können nur Kinder wirklich die Welt zum Guten verändern.
Die Kinder in uns!

Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder ... ! (Die Bibel)

Donnerstag, 14. Februar 2013

Nicht jeder Verirrte verliert sich ...


Nicht jeder Verirrte verliert sich,
Nicht alles, was Gold ist, glänzt;
Die tiefe Wurzel erfriert nicht,
Was alt ist, wird nicht zum Gespenst.
Aus Schatten ein Licht entspringe!
Aus Asche soll Feuer loh´n!
Heil wird die zerbrochene Klinge.
Der Kronlose steigt auf den Thron.


Für mich eines der schönsten und bemerkenswertesten Lieder aus dem Herrn der Ringe.
Es ist vom Zauberer Gandalf an Frodo.
Leider hat Wirt Butterblüm, der ein Gedächtnis wie eine Rumpelkammer hat, einen Brief, von Gandalf an Frodo adressiert, vergessen weiterzugeben.
Schließlich bekam ihn Letzterer doch noch; wär´ auch zu schade, wenn dadurch womöglich das Lied es nicht bis ins Buch geschafft hätte :-)

Dienstag, 12. Februar 2013

Sternenlicht auf dem Haar der Hochelben

So wie die Menschen die Zwerge vertrieben haben, von denen Paracelsus noch wusste, so wie mancher Dichter auch der Neuzeit noch die Naturwesen mit seiner Lyra besang, so haben die Menschen auch die Hochelben vertrieben.

Ich wünschte, sie kämen zurück.

Auf ihrem Haar und in ihren Augen schimmert Sternenlicht.

Vor ihre Füße fällt ein Licht wie das des Mondes, kurz bevor er über die Hügelkette aufsteigt.


Ihr Gesang bezaubert und segnet unser Herz.


Sie wünschen Dir als ihrem Freund Sternenschein auf das Ziel Deines Weges.

Nachzulesen in Tolkiens Herr der Ringe.