Ich habe ja vor nicht allzu langer Zeit eine Passage Sri Aurobindos veröffentlicht, die mir recht gut gefallen hat. Nun bin ich allerdings über so viele Stellen in seinen Büchern Life Divine und Human Cycle unangenehm gestolpert, dass ich an dem Mann ernsthaft zweifle. Als Avatar (ein göttliches Wesen also), der nicht nur die Mutter Mirra Alfassa, mit der er über zwanzig Jahre zusammenwohnte, sondern auch er zu sein vorgeben, muss er doch wissen, dass der menschlich-spirituellen Entwicklung kaum etwas abträglicher ist, als wenn sie sich an leere Worthülsen gewöhnt und mit diesen gefüttert wird. Von diesen wimmelt es aber in vielen Passagen der oben genannten Bücher.
Gewiss kann man sich einbilden, diese Hülsen mit Leben füllen zu können, aber das ist absolut nicht der Sinn solcher Lektüren. Oder ist es Sinn der Schule, dass Kinder in der 4. Klasse, die einem Lehrer zuhören, der universitär abstrakt daherschwafelt, sich darum bemühen, dem, was der Lehrer sagt, Sinn zu geben?
In den Auszügen, die ich gelesen habe, bin ich nicht auf ein einziges Beispiel getroffen, das Aurobindo anführt, um, was er sagt, anschaulich sein zu lassen. Alles ist auf einer total abstrakten Ebene und führt den Leser vom Sinn dessen, was der Mann vielleicht ansprechen will, fort. Mir ist völlig unverständlich, wie ein so Erleuchteter, wie ihn seine Anhänger sehen - und er und die Mutter Mirra Alfassa haben immerhin eine weltweite Gefolgschaft -, ein Buch veröffentlicht, dass das Ziel menschlich-geistiger Bewusstseinsentwicklung so blutleer darstellt.
Die Worte bleiben in reiner Abstraktion stecken.
Vor allem Life Divine wäre, soweit ich das aufgrund der Auszüge, die ich gelesen habe, sehen kann, besser nie geschrieben worden. Natürlich gibt es auch in ihm Passagen, die gut klingen. Aber das ist, als ob man unter vielen angeschlagenen Äpfeln welche findet, die keine Macken haben.
Ich führe im Folgenden zwei Passagen an, die - so zitiert - natürlich aus einem gewissen Zusammenhang genommen sind, aber es ist meines Erachtens kein Schaden, wenn man nicht noch mehr liest.
Natürlich kenne ich das Argument seiner Jüngerinnen und Jünger, es komme nicht auf das Wort an, sondern entscheidend sei, was an Vibrations mitgeliefert werde.
Das aber ist genau die Argumentation der luziferischen Ebene, jenes gefallenen Engels also, der den Menschen vergeistigen möchte, bevor er alles mit Liebe und mit dem eigenen Herzen durchdringt. Dann nämlich, solchermaßen ohne Liebe, ist er ein Spielball Luzifers im Rahmen von dessen Geistigkeit. Einer Geistigkeit mit dem Licht einer Neonröhre: ohne alle Wärme.
Genau so, hochgeistig und luziferisch kalt, kommen die Worte Sri Aurobindos bei mir an.
Es kommt hinzu, dass ich das Vokabular, also die Begrifflichkeiten, die sich auf spirituelle Gehalte beziehen, bei Aurobindo total verwirrend finde. Da ist von Geist die Rede, von Spirit, von Gnosis, overmind, Supramental, von Sat, Chit und Ananda, von Shakti, Purusha und Pakriti, von Subliminal, Vital, Mental, Natur, Übernatur und Allnatur, Ishvara, Atman, Jivatman, Brahman, der Idee und der Realidee, von dem Selbst und der Seele und kurzum, einem bunten Mischmasch deutscher, englischer und indischer Begrifflichkeiten.
Bedauerlich ist hinsichtlich der Lektorierung, dass den deutschen und englischen Begriffen nicht wenigstens in Klammern der zugrundeliegende indische Begriff hinzugefügt wurde, das könnte z.B. die Verwirrung in Bezug auf Begriffe wie Geist, Supramental, Gnosis, Spirit, Seele und Selbst mindern. Völlig unklar ist z.B., warum für Geist einerseits der deutsche Begriff verwendet wird und auch der englische, nämlich Spirit.
Auf den zentralen Kritikpunkt, der sich auf den Anspruch Sri Aurobindos bezieht, westliches und östliches Denken verbinden zu wollen, kann im Rahmen dieses Post nicht eingegangen werden. Erstaunt war ich, um dies als Beispiel anzuführen, dass auf einmal von dem Wahren, Schönen und Guten die Rede ist, ohne dass - jedenfalls nicht in meinem Auszug - auf Platon verwiesen wird, von dem diese Begrifflichkeit nun eindeutig stammt (im Begriffssystem Aurobindos wirken die platonischen Begriffe ohnehin wie ein Fremdkörper, wobei sie noch dazu vorchristlich sind. Ich bin mir nicht sicher, ob Aurobindo die Wirklichkeit von Christus verstanden hat. Auf Christliches geht er - darauf weist auch der Wikipedia-Artikel über ihn hin - kaum ein; wenn man aber, so der eigene Anspruch, westliches und östliches Denken verbinden will, ohne dezidiert auf Christus und die Bedeutung von Golgatha einzugehen, kann man diesem Anspruch überhaupt nicht gerecht werden. Und wenn ich die Aussagen seiner Lebensgefährtin Mirra Alfassa, der Mutter also, die er als Inkarnation der göttlichen Mutter ausgibt, zum Christentum nehme - munter vermischt sie Christus mit der christlichen Kirche, die jenem aber überhaupt nicht gerecht wird, was sie als Avatar berücksichtigen müsste -, dann haben beide dessen Wesenskern nicht verstanden.
Den ersten Auszug habe ich gewählt, weil er zunächst noch relativ verständlich beginnt, was sich zunehmend ändert:
Das Folgende möchte ich Ihnen aus einem bestimmten Grund nicht vorenthalten:
Jedenfalls sollten Sie noch wissen:
Ich bin nicht sicher, ob sich jeder nach dieser Lektüre wünscht, dass Letzteres so ist.
Ich bin mir auch nicht sicher, ob im Original der Konjunktiv II verwendet wird, wie es in der Übersetzung der Fall ist. Denn der kann ja nicht nur einen dringenden Wunsch vermitteln, sondern auch irreal gebraucht werden, Nicht-Wirklichkeit vermitteln. Ich schreibe das, weil ich mich dieser Art von Nicht-Wirklichkeit nicht nähern möchte.
Wie dem auch sei, ich erspare mir und Ihnen dann doch ein weiteres Beispiel, wobei ich noch viele dieser Art auf Lager hätte.
Mich lässt jedenfalls diese blutleere, ins unverständlich Begriffliche pervertierte Spiritualität ziemlich fassungslos zurück.
Gewiss kann man sich einbilden, diese Hülsen mit Leben füllen zu können, aber das ist absolut nicht der Sinn solcher Lektüren. Oder ist es Sinn der Schule, dass Kinder in der 4. Klasse, die einem Lehrer zuhören, der universitär abstrakt daherschwafelt, sich darum bemühen, dem, was der Lehrer sagt, Sinn zu geben?
In den Auszügen, die ich gelesen habe, bin ich nicht auf ein einziges Beispiel getroffen, das Aurobindo anführt, um, was er sagt, anschaulich sein zu lassen. Alles ist auf einer total abstrakten Ebene und führt den Leser vom Sinn dessen, was der Mann vielleicht ansprechen will, fort. Mir ist völlig unverständlich, wie ein so Erleuchteter, wie ihn seine Anhänger sehen - und er und die Mutter Mirra Alfassa haben immerhin eine weltweite Gefolgschaft -, ein Buch veröffentlicht, dass das Ziel menschlich-geistiger Bewusstseinsentwicklung so blutleer darstellt.
Die Worte bleiben in reiner Abstraktion stecken.
Vor allem Life Divine wäre, soweit ich das aufgrund der Auszüge, die ich gelesen habe, sehen kann, besser nie geschrieben worden. Natürlich gibt es auch in ihm Passagen, die gut klingen. Aber das ist, als ob man unter vielen angeschlagenen Äpfeln welche findet, die keine Macken haben.
Ich führe im Folgenden zwei Passagen an, die - so zitiert - natürlich aus einem gewissen Zusammenhang genommen sind, aber es ist meines Erachtens kein Schaden, wenn man nicht noch mehr liest.
Natürlich kenne ich das Argument seiner Jüngerinnen und Jünger, es komme nicht auf das Wort an, sondern entscheidend sei, was an Vibrations mitgeliefert werde.
Das aber ist genau die Argumentation der luziferischen Ebene, jenes gefallenen Engels also, der den Menschen vergeistigen möchte, bevor er alles mit Liebe und mit dem eigenen Herzen durchdringt. Dann nämlich, solchermaßen ohne Liebe, ist er ein Spielball Luzifers im Rahmen von dessen Geistigkeit. Einer Geistigkeit mit dem Licht einer Neonröhre: ohne alle Wärme.
Genau so, hochgeistig und luziferisch kalt, kommen die Worte Sri Aurobindos bei mir an.
Es kommt hinzu, dass ich das Vokabular, also die Begrifflichkeiten, die sich auf spirituelle Gehalte beziehen, bei Aurobindo total verwirrend finde. Da ist von Geist die Rede, von Spirit, von Gnosis, overmind, Supramental, von Sat, Chit und Ananda, von Shakti, Purusha und Pakriti, von Subliminal, Vital, Mental, Natur, Übernatur und Allnatur, Ishvara, Atman, Jivatman, Brahman, der Idee und der Realidee, von dem Selbst und der Seele und kurzum, einem bunten Mischmasch deutscher, englischer und indischer Begrifflichkeiten.
Bedauerlich ist hinsichtlich der Lektorierung, dass den deutschen und englischen Begriffen nicht wenigstens in Klammern der zugrundeliegende indische Begriff hinzugefügt wurde, das könnte z.B. die Verwirrung in Bezug auf Begriffe wie Geist, Supramental, Gnosis, Spirit, Seele und Selbst mindern. Völlig unklar ist z.B., warum für Geist einerseits der deutsche Begriff verwendet wird und auch der englische, nämlich Spirit.
Auf den zentralen Kritikpunkt, der sich auf den Anspruch Sri Aurobindos bezieht, westliches und östliches Denken verbinden zu wollen, kann im Rahmen dieses Post nicht eingegangen werden. Erstaunt war ich, um dies als Beispiel anzuführen, dass auf einmal von dem Wahren, Schönen und Guten die Rede ist, ohne dass - jedenfalls nicht in meinem Auszug - auf Platon verwiesen wird, von dem diese Begrifflichkeit nun eindeutig stammt (im Begriffssystem Aurobindos wirken die platonischen Begriffe ohnehin wie ein Fremdkörper, wobei sie noch dazu vorchristlich sind. Ich bin mir nicht sicher, ob Aurobindo die Wirklichkeit von Christus verstanden hat. Auf Christliches geht er - darauf weist auch der Wikipedia-Artikel über ihn hin - kaum ein; wenn man aber, so der eigene Anspruch, westliches und östliches Denken verbinden will, ohne dezidiert auf Christus und die Bedeutung von Golgatha einzugehen, kann man diesem Anspruch überhaupt nicht gerecht werden. Und wenn ich die Aussagen seiner Lebensgefährtin Mirra Alfassa, der Mutter also, die er als Inkarnation der göttlichen Mutter ausgibt, zum Christentum nehme - munter vermischt sie Christus mit der christlichen Kirche, die jenem aber überhaupt nicht gerecht wird, was sie als Avatar berücksichtigen müsste -, dann haben beide dessen Wesenskern nicht verstanden.
Den ersten Auszug habe ich gewählt, weil er zunächst noch relativ verständlich beginnt, was sich zunehmend ändert:
Eine Aspiration, ein Verlangen nach höchster und völliger Seligkeit des Daseins ist insgeheim bereits in der ganzen Anlage unseres Wesens vorhanden, ist aber durch die Trennung unserer Elemente der Natur und deren unterschiedlichen Drängen vermummt und durch die Unfähigkeit verdunkelt, mehr als ein oberflächliches Vergnügen zu empfangen und zu erfassen. Im Körperbewusstsein nimmt dieses Verlangen die Form des Bedürfnisses nach körperlicher Freude an, in unserem Vitalen erscheint es als eine Sehnsucht nach Lebensglück, als begierig mitschwingende Antwort auf jede befriedigende Überraschung, auf Freude und Entzücken aller Art. Im Geist wird es zur bereitwilligen Empfänglichkeit für alle Formen mentaler Freuden. Auf einer höheren Ebene erscheint es als der Ruf des spirituellen Geistes nach Frieden und göttlicher Ekstase. Diese Neigung beruht auf einer Wahrheit des Seins, denn Ananda ist das eigentliche Wesen Brahmans, ist die höchste Natur der allgegenwärtigen Wirklichkeit. Das Supramentale selbst, das auf den Stufen der Manifestation herabsteigt, wird aus Ananda geboren und taucht in der aufsteigenden Entwicklung wieder in Ananda ein. Es verschmilzt nicht im Sinne des Ausgelöscht- oder Zunichtegewordenseins, sondern ist dort beheimatet, unzertrennlich von ihr, nicht unterscheidbar von dem bewussten Selbst, der Seligkeit des Seins und seiner sich selbst bewirkenden Kraft. Im involutionären Abstieg wie auch in der evolutionären Rückkehr wird das Supramentale von der ursprünglichen Seligkeit des Seins unterstützt und trägt diese bei all seinem Wirken als dessen tragende Essenz in sich. Denn man kann sagen, dass das Bewusstsein seine hervorbringende Kraft im Spirit ist, doch Ananda ist das spirituelle Gerüst, aus dem sich das Supramentale manifestiert und die erhaltende Quelle, in welche es die Seele bei ihrer Rückkehr in den Zustand des Spirits zurückbringt. Einer supramentalen Manifestation folgt als nächste Stufe im Aufstieg unmittelbar und als krönendes Ergebnis aus sich selbst die Manifestation der Seligkeit des Brahman. Der Evolution des gnostischen Wesens würde die Evolution des Seligkeitswesens folgen. Eine Verkörperung gnostischen Seins würde die Verkörperung des seligen Seins zur Folge haben.Sie verstehen lieber Leser, dass ich eine gewisse Sehnsucht nach Beispielen entwickelt habe. Manchmal möchte man einfach Petrus oder Buddha im 6. Himmel begegnen und ein Bierchen im himmlichen Gartenlokal mit ihnen trinken und einfach für kurze Zeit obigen Aufstieg vergessen.
Das Folgende möchte ich Ihnen aus einem bestimmten Grund nicht vorenthalten:
Bei ihrer Befreiung der Seele von der Unwissenheit sind Frieden, Ruhe und das Schweigen und die Stille des Ewigen und Unendlichen die erste Grundlage. Im Lauf des spirituellen Aufstiegs übernehmen dann eine vollendetere Kraft und eine größere Formation diesen Frieden, der aus der Befreiung kommt, und verwandeln ihn in die Wonne einer vollkommenen Erfahrung und Verwirklichung der ewigen Glückseligkeit des Ewigen und Unendlichen.Selbst wenn man die Begrifflichkeiten Sri Aurobindos kennt, glaube ich, werden Jüngerinnen und Jünger mit dieser strohtrockenen Spiritualität Schwierigkeiten haben. Einen gewissen Gipfel der Abstraktion fand ich aber dann doch, dass Aurobindo von einer vollendeteren Kraft und einer größeren Formation schreibt, ohne auch nur die geringsten Anstalten zu machen zu erläutern, was der geneigte Leser sich darunter vorzustellen hat.
Jedenfalls sollten Sie noch wissen:
Friede und Ekstase hören auf, etwas Verschiedenes zu sein und werden eins. Das Supramentale, das alle Verschiedenheit, alle Widersprüche versöhnt und verschmilzt, bringt diese Einheit hervor. Eine weite Ruhe und eine tiefe Seligkeit des Allseins gehören zu den ersten Schritten der Selbstverwirklichung, und diese Ruhe und diese Seligkeit entstehen gleichzeitig als ein Zustand, wachsen an Intensität und gipfeln in der ewigen Ekstase, in der Seligkeit, die das Unendliche ist. Im gnostischen Bewusstsein würde sich diese fundamentale und spirituelle, bewusste Seligkeit des Daseins in gewissem Grade auf jeder Stufe in der ganzen Tiefe des Wesens finden. Alle Bewegungen der Natur würden von ihr durchdrungen sein, und alles Wirken und alle Reaktionen des Lebens und des Körpers ebenfalls: nichts kann sich dem Gesetz des Ananda entziehen.
(Auszüge zitiert nach >Sri Aurobindo, Das Göttliche Leben auf Erden<, Mirapuri-Verlag)
Ich bin nicht sicher, ob sich jeder nach dieser Lektüre wünscht, dass Letzteres so ist.
Ich bin mir auch nicht sicher, ob im Original der Konjunktiv II verwendet wird, wie es in der Übersetzung der Fall ist. Denn der kann ja nicht nur einen dringenden Wunsch vermitteln, sondern auch irreal gebraucht werden, Nicht-Wirklichkeit vermitteln. Ich schreibe das, weil ich mich dieser Art von Nicht-Wirklichkeit nicht nähern möchte.
Wie dem auch sei, ich erspare mir und Ihnen dann doch ein weiteres Beispiel, wobei ich noch viele dieser Art auf Lager hätte.
Mich lässt jedenfalls diese blutleere, ins unverständlich Begriffliche pervertierte Spiritualität ziemlich fassungslos zurück.