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Donnerstag, 12. April 2018

Sri Aurobindo und seine kontraproduktiven esoterisch-spirituellen Worthülsen. Von einer Verbindung östlichem mit westlichem Denken, die er beansprucht, sehe ich in Wahrheit nichts.

Ich habe ja vor nicht allzu langer Zeit eine Passage Sri Aurobindos veröffentlicht, die mir  recht gut gefallen hat. Nun bin ich allerdings über so viele Stellen in seinen Büchern Life Divine und Human Cycle unangenehm gestolpert, dass ich an dem Mann ernsthaft zweifle. Als Avatar (ein göttliches Wesen also), der nicht nur die Mutter Mirra Alfassa, mit der er über zwanzig Jahre zusammenwohnte, sondern auch er zu sein vorgeben, muss er doch wissen, dass der menschlich-spirituellen Entwicklung kaum etwas abträglicher ist, als wenn sie sich an leere Worthülsen gewöhnt und mit diesen gefüttert wird. Von diesen wimmelt es aber in vielen Passagen der oben genannten Bücher.
Gewiss kann man sich einbilden, diese Hülsen mit Leben füllen zu können, aber das ist absolut nicht der Sinn solcher Lektüren. Oder ist es Sinn der Schule, dass Kinder in der 4. Klasse, die einem Lehrer zuhören, der universitär abstrakt daherschwafelt, sich darum bemühen, dem, was der Lehrer sagt, Sinn zu geben?

In den Auszügen, die ich gelesen habe, bin ich nicht auf ein einziges Beispiel getroffen, das Aurobindo anführt, um, was er sagt, anschaulich sein zu lassen. Alles ist auf einer total abstrakten Ebene und führt den Leser vom Sinn dessen, was der Mann vielleicht ansprechen will, fort. Mir ist völlig  unverständlich, wie ein so Erleuchteter, wie ihn seine Anhänger sehen - und er und die Mutter Mirra Alfassa haben immerhin eine weltweite Gefolgschaft -, ein Buch veröffentlicht, dass das Ziel menschlich-geistiger Bewusstseinsentwicklung so blutleer darstellt.

Die Worte bleiben in reiner Abstraktion stecken.

Vor allem Life Divine wäre, soweit ich das aufgrund der Auszüge, die ich gelesen habe, sehen kann, besser nie geschrieben worden. Natürlich gibt es auch in ihm Passagen, die gut klingen. Aber das ist, als ob man unter vielen angeschlagenen Äpfeln welche findet, die keine Macken haben.

Ich führe im Folgenden zwei Passagen an, die - so zitiert - natürlich aus einem gewissen Zusammenhang genommen sind, aber es ist meines Erachtens kein Schaden, wenn man nicht noch mehr liest.

Natürlich kenne ich das Argument seiner Jüngerinnen und Jünger, es komme nicht auf das Wort an, sondern entscheidend sei, was an Vibrations mitgeliefert werde.
Das aber ist genau die Argumentation der luziferischen Ebene, jenes gefallenen Engels also, der den Menschen vergeistigen möchte, bevor er alles mit Liebe und mit dem eigenen Herzen durchdringt. Dann nämlich, solchermaßen ohne Liebe, ist er ein Spielball Luzifers im Rahmen von dessen Geistigkeit. Einer Geistigkeit mit dem Licht einer Neonröhre: ohne alle Wärme.

Genau so, hochgeistig und luziferisch kalt, kommen die Worte Sri Aurobindos bei mir an.

Es kommt hinzu, dass ich das Vokabular, also die Begrifflichkeiten, die sich auf spirituelle Gehalte beziehen, bei Aurobindo total verwirrend finde. Da ist von Geist die Rede, von Spirit, von Gnosis, overmind, Supramental, von Sat, Chit und Ananda, von Shakti, Purusha und Pakriti, von Subliminal, Vital, Mental, Natur, Übernatur und Allnatur, Ishvara, Atman, Jivatman, Brahman, der Idee und der Realidee, von dem Selbst und der Seele und kurzum, einem bunten Mischmasch deutscher, englischer und indischer Begrifflichkeiten.
Bedauerlich ist hinsichtlich der Lektorierung, dass den deutschen und englischen Begriffen nicht wenigstens in Klammern der zugrundeliegende indische Begriff hinzugefügt wurde, das könnte z.B. die Verwirrung in Bezug auf Begriffe wie Geist, Supramental, Gnosis, Spirit, Seele und Selbst mindern. Völlig unklar ist z.B., warum für Geist einerseits der deutsche Begriff verwendet wird und auch der englische, nämlich Spirit.

Auf den zentralen Kritikpunkt, der sich auf den Anspruch Sri Aurobindos bezieht, westliches  und östliches Denken verbinden zu wollen, kann im Rahmen dieses Post nicht eingegangen werden. Erstaunt war ich, um dies als Beispiel anzuführen, dass auf einmal von dem Wahren, Schönen und Guten die Rede ist, ohne dass - jedenfalls nicht in meinem Auszug - auf Platon verwiesen wird, von dem diese Begrifflichkeit nun eindeutig stammt (im Begriffssystem Aurobindos wirken die platonischen Begriffe ohnehin wie ein Fremdkörper, wobei sie noch dazu vorchristlich sind. Ich bin mir nicht sicher, ob Aurobindo die Wirklichkeit von Christus verstanden hat. Auf Christliches geht er - darauf weist auch der Wikipedia-Artikel über ihn hin - kaum ein; wenn man aber, so der eigene Anspruch, westliches und östliches Denken verbinden will, ohne dezidiert auf Christus und die Bedeutung von Golgatha einzugehen, kann man diesem Anspruch überhaupt nicht gerecht werden. Und wenn ich die Aussagen seiner Lebensgefährtin Mirra Alfassa, der Mutter also, die er als Inkarnation der göttlichen Mutter ausgibt, zum Christentum nehme - munter vermischt sie Christus mit der christlichen Kirche, die jenem aber überhaupt nicht gerecht wird, was sie als Avatar berücksichtigen müsste -, dann haben beide dessen Wesenskern nicht verstanden. 

Den ersten Auszug habe ich gewählt, weil er zunächst noch relativ verständlich beginnt, was sich zunehmend ändert:


Eine Aspiration, ein Verlangen nach höchster und völliger Seligkeit des Daseins ist insgeheim bereits in der ganzen Anlage unseres Wesens vorhanden, ist aber durch die Trennung unserer Elemente der Natur und deren unterschiedlichen Drängen vermummt und durch die Unfähigkeit verdunkelt, mehr als ein oberflächliches Vergnügen zu empfangen und zu erfassen. Im Körperbewusstsein nimmt dieses Verlangen die Form des Bedürfnisses nach körperlicher Freude an, in unserem Vitalen erscheint es als eine Sehnsucht nach Lebensglück, als begierig mitschwingende Antwort  auf jede befriedigende Überraschung, auf Freude und Entzücken aller Art. Im Geist wird es zur bereitwilligen Empfänglichkeit für alle Formen mentaler Freuden. Auf einer höheren Ebene erscheint es als der Ruf des spirituellen Geistes nach Frieden und göttlicher Ekstase. Diese Neigung beruht auf einer Wahrheit des Seins, denn Ananda ist das eigentliche Wesen Brahmans, ist die höchste Natur der allgegenwärtigen Wirklichkeit. Das Supramentale selbst, das auf den Stufen der Manifestation herabsteigt, wird aus Ananda geboren und taucht in der aufsteigenden Entwicklung wieder in Ananda ein. Es verschmilzt nicht im Sinne des Ausgelöscht- oder Zunichtegewordenseins, sondern ist dort beheimatet, unzertrennlich von ihr, nicht unterscheidbar von dem bewussten Selbst, der Seligkeit des Seins und seiner sich selbst bewirkenden Kraft. Im involutionären Abstieg wie auch in der evolutionären Rückkehr wird das Supramentale von der ursprünglichen Seligkeit des Seins unterstützt und trägt diese bei all seinem Wirken als dessen tragende Essenz in sich. Denn man kann sagen, dass das Bewusstsein seine hervorbringende Kraft im Spirit ist, doch Ananda ist das spirituelle Gerüst, aus dem sich das Supramentale manifestiert und die erhaltende Quelle, in welche es die Seele bei ihrer Rückkehr in den Zustand des Spirits  zurückbringt. Einer supramentalen Manifestation folgt als nächste Stufe im Aufstieg unmittelbar und als krönendes Ergebnis aus sich selbst die Manifestation der Seligkeit des Brahman. Der Evolution des gnostischen Wesens würde die Evolution des Seligkeitswesens folgen. Eine Verkörperung gnostischen Seins würde die Verkörperung des seligen Seins zur Folge haben.
Sie verstehen lieber Leser, dass ich eine gewisse Sehnsucht nach Beispielen entwickelt habe. Manchmal möchte man einfach Petrus oder Buddha im 6. Himmel begegnen und ein Bierchen im himmlichen Gartenlokal mit ihnen trinken und einfach für kurze Zeit obigen Aufstieg vergessen.

Das Folgende möchte ich Ihnen aus einem bestimmten Grund nicht vorenthalten:
Bei ihrer Befreiung der Seele von der Unwissenheit sind Frieden, Ruhe und das Schweigen und die Stille des Ewigen und Unendlichen die erste Grundlage. Im Lauf des spirituellen Aufstiegs übernehmen dann eine vollendetere Kraft und eine größere Formation diesen Frieden, der aus der Befreiung kommt, und verwandeln ihn in die Wonne einer vollkommenen Erfahrung und Verwirklichung der ewigen Glückseligkeit des Ewigen und Unendlichen.
Selbst wenn man die Begrifflichkeiten Sri Aurobindos kennt, glaube ich, werden Jüngerinnen und Jünger mit dieser strohtrockenen Spiritualität Schwierigkeiten haben. Einen gewissen Gipfel der Abstraktion fand ich aber dann doch, dass Aurobindo von einer vollendeteren Kraft und einer größeren Formation schreibt, ohne auch nur die geringsten Anstalten zu machen zu erläutern, was der geneigte Leser sich darunter vorzustellen hat.

Jedenfalls sollten Sie noch wissen:

Friede und Ekstase hören auf, etwas Verschiedenes zu sein und werden eins. Das Supramentale, das alle Verschiedenheit, alle Widersprüche versöhnt und verschmilzt, bringt diese Einheit hervor. Eine weite Ruhe und eine tiefe Seligkeit des Allseins gehören zu den ersten Schritten der Selbstverwirklichung, und diese Ruhe und diese Seligkeit entstehen gleichzeitig als ein Zustand, wachsen an Intensität und gipfeln in der ewigen Ekstase, in der Seligkeit, die das Unendliche ist. Im gnostischen Bewusstsein würde sich diese fundamentale und spirituelle, bewusste Seligkeit des Daseins in gewissem Grade auf jeder Stufe in der ganzen Tiefe des Wesens finden. Alle Bewegungen der Natur würden von ihr durchdrungen sein, und alles Wirken  und alle Reaktionen des Lebens und des Körpers ebenfalls: nichts kann sich dem Gesetz des Ananda entziehen.  
 (Auszüge zitiert nach >Sri Aurobindo, Das Göttliche Leben auf Erden<, Mirapuri-Verlag) 

Ich bin nicht sicher, ob sich jeder nach dieser Lektüre wünscht, dass Letzteres so ist.
Ich bin mir auch nicht sicher, ob im Original der Konjunktiv II verwendet wird, wie es in der Übersetzung der Fall ist. Denn der kann ja nicht nur einen dringenden Wunsch vermitteln, sondern auch irreal gebraucht werden, Nicht-Wirklichkeit vermitteln. Ich schreibe das, weil ich mich dieser Art von Nicht-Wirklichkeit nicht nähern möchte.

Wie dem auch sei, ich erspare mir und Ihnen dann doch ein weiteres Beispiel, wobei ich noch viele dieser Art auf Lager hätte.

Mich lässt jedenfalls diese blutleere, ins unverständlich Begriffliche pervertierte Spiritualität ziemlich fassungslos zurück.


Sonntag, 25. März 2018

Sri Aurobindo: Der Mensch kann ohne eine innere Wandlung mit der gigantischen Entwicklung seines äußeren Lebens nicht mehr fertig werden.

Weil ich mit einer Bekannten mich über die Religion östlicher und westlicher Provenienz auseinandersetzte, las ich über einige Stunden in der sogenannten Agenda von Mirra Alfassa, genannt die Mutter, jene Frau, mit der Sri Aurobindo mehr als zwanzig Jahre zusammenwohnte und -lebte und die er als Erscheinung der Göttlichen Mutter bezeichnete (womit ich gewisse Schwierigkeiten habe); ich finde die Agenda über doch einige Strecken nicht unbedingt empfehlenswert, weil inhaltlich für mich bisweilen zu oberflächlich und  begrifflich zu ungenau, gerade auch, was die spirituellen Aspekte betrifft. Deshalb las ich Auszüge des Avatars selbst [ein Avatar ist für die meisten heute in erster Linie eine künstliche Person oder Grafikfigur des Internet,  doch ist er, seiner ursprünglichen Bedeutung gerecht werdend, eine übermenschliche geistige Wesenheit, deren einige immer wieder sich auf der Erde inkarnierten und inkarnieren - so Sri Aurobindo und die Mutter (wenn es stimmt) -, um deren spirituelle Entwicklung zu fördern].

Schon die Bemerkungen Sri Aurobindos zu Verstand und Vernunft und dem, was Menschen als Religion bezeichnen, fand ich gut, und treffend hat er in Life divine II,28 bereits vor mehr als 60 Jahren die Situation der Menschheit erfasst. Mittlerweile stehe ich dem Buch und Sri Aurobindo zwar erheblich skeptischer gegenüber [> https://goo.gl/Efuf4w ], dennoch aber finde ich, was er an dieser Stelle schreibt, bemerkenswert:

Zur Zeit macht die Menschheit eine evolutionäre Krise durch, in der die Möglichkeit verborgen ist, ihr Schicksal zu bestimmen (...) man hat eine Stufe erreicht, auf der der menschliche Geist in bestimmten Richtungen außerordentlich hoch entwickelt ist, während er in anderer Hinsicht befangen und verwirrt dasteht und seinen Weg nicht mehr finden kann. Der dauernd tätige Geist und der ständig aktive Lebenswille des Menschen haben für seine mentalen, vitalen und körperlichen Ansprüche und Bedürfnisse einen äußeren Zivilisationsapparat von unlenkbarer Größe und Verzwicktheit aufgebaut, eine verwickelte politische, soziale, verwaltungstechnische, wirtschaftliche und kulturelle Maschinerie, ein Kollektivmittel zu seiner intellektuellen, gefühlsmäßigen, ästhetischen und materiellen Befriedigung {unter dem Vital versteht Aurobindo den Teil unserer Lebensnatur, der sich auf Empfindungen, Gefühle, Verlangen, Leidenschaften und Energien des Handelns bezieht} Der Mensch hat ein System der Zivilisation geschaffen, das für sein beschränktes mentales Verfassungsvermögen und für seine noch beschränktere spirituelle und moralische Kapazität zu groß geworden ist, um benutzt und beherrscht werden zu können, und das ein viel zu gefährlicher Diener für sein törichtes Ego und dessen hungrige Gelüste ist (...)
Diese neue Fülle an Mitteln des Lebens könnte, weil von dem unaufhörlichen und unbefriedigenden Druck der wirtschaftlichen und physischen Not befreit, eine Gelegenheit bieten, andere, größere Ziele zu verfolgen, die über das materielle Dasein hinausgehen, eine höhere Wahrheit, ein höheres Gutes und eine höhere Schönheit zu entdecken, einen größeren und göttlichen Spirit, der Einfluss auf das Leben nähme, um eine höhere Vollkommenheit des Wesens zu bewirken. Statt dessen wird diese Fülle benutzt, einerseits um neue Bedürfnisse zu wecken, andererseits für aggressive Expansion des kollektiven Ego. Gleichzeitig hat die Wissenschaft dem Menschen viele neue Möglichkeiten der universalen Kraft erschlossen und das Leben der Menschheit in materieller Hinsicht vereinheitlicht. Aber diese universale Kraft wird von einem kleinen menschlichen individuellen Ego benutzt (...) Das einzige Ergebnis ist ein Chaos von zusammenprallenden mentalen Ideen und Trieben, von individuellen und kollektiven Bedürfnissen und Nöten physischer Art, von vitalen Ansprüchen und Wünschen, Impulsen unwissender Lebenstriebe, von Hunger und dem Ruf nach Lebensbefriedigung einzelner Menschen, Klassen, Nationen. Ein üppiger Nährboden für politische, soziale und wirtschaftliche Geheimrezepte und Anschauungen, ein brodelnder Mischmasch von Schlagworten  und Allheilmitteln, für die die Menschen sich gegenseitig zu unterdrücken und unterdrückt zu werden bereit sind, zu töten und getötet zu werden, um sie irgendwie mit den ungeheuren und viel zu fruchtbaren, ihm zur Verfügung stehenden Kräften  durchzusetzen, im Glauben, dass dies sein Ausweg sei.
(zitiert nach Sri Aurobindo, Das Göttliche Leben auf Erden, Mirapuri-Verlag).

Sri Aurobindo stellt fest, dass der kleinliche menschliche Geist den notwendigen Wandel nicht zu leisten vermag. Wenn der Mensch überleben soll, sei eine radikale Transformation der menschlichen Natur unumgänglich, denn die Konflikte lassen nicht nach, sie vervielfältigen sich eher. - Prophetische Worte, die sich heute mehr denn je bewahrheiten. - Um zu einer Lösung  zu gelangen, müsse der Mensch erst einmal erkennen, dass Intellektualität etwas anderes ist als Spiritualität und dass eine größere Kraft danach strebt aufzutauchen. Sein integraler Yoga will diese Kraft vermitteln.

Ich bezweifle nicht, dass dies dieser Yoga leisten könnte, doch lässt sich für unsere Breiten festhalten, dass diese Kraft bereits vor 2000 Jahren aufgetaucht ist und ihre wesentliche Erkenntnis darin besteht, dass der Mensch von seinem kleinkarierten Ego abrücken muss - im Bild des Christentums: Der Mensch muss sein Ego zu Kreuze tragen, damit ein neues Bewusstsein auferstehen kann.

Momentan erscheint es so, als ob die Menschheit und die europäische Bevölkerung im Speziellen nicht dazu bereit sei, sich dieser Tatsache bewusst werden zu wollen. Wenn man sieht, wie in den Parteien die Politiker ihrem Ego frönen, wenn man mitbekommt, welche horrenden Summen Top-Manager einstreichen - nicht wenige erhalten über 10 Millionen pro Jahr, während das vor kurzem um 35 € erhöhte Kindergeld den Armen von ihrem Hartz IV abezogen wird (man muss sich das mal vorstellen) - und dass die Gesellschaft diese kriminellen Zustände (ich kann es nicht anders bezeichnen, es ist ein Verbrechen an der Menschlichkeit) mitmacht, dann ist diese noch weit entfernt von Veränderung, gar einer Veränderung auf dem Hintergrund eines spirituellen Bewusstseins, das einschließt, dass man Menschen nicht so darben lässt, während andere nicht wissen, wohin sie sich das Geld schieben sollen.

Ich persönlich stehe dem Integralen Yoga eines Sri Aurobindo eher fern, weil mir schon dessen Begrifflichkeiten nicht sonderlich zusagen, wenn von Atman, Jivatman und Brahman die Rede ist, von Purusha und Pakriti, der Seele  und der Natur also, von Shakti, gemeint ist die Pakriti, die von Purusha beseelt wird - von Sat, Chit und Ananda, also von Sein, Bewusstsein und Seligkeit, vom Urbildgeist (overmind) und dem höheren Kräftespiel, bestehend aus Supramental und Gnosis, von Idee und Realidee, die dem Supramental angehört.
Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, warum sich Aurobindo eines solchen Mischmaschs von Begrifflichkeiten bedient.

Ich fände es sinnvoller, die Menschen in Deutschland würden zum Beispiel die einfache Wahrheit verstehen wollen, dass - man denke an die Kreuzesinschrift INRI, was Jesus Nazarenus Rex Judaeorum bedeutet - die Menschen also würden verstehen wollen, dass allein das Wort ICH die Initialen von Jesus Christus vermittelt und dass das kein Zufall ist. Dass also ein Wort, das uns alle so prägt und täglich durch den Tag begleitet, einen durch und durch spirituellen Hintergrund besitzt, der, kein Zufall, mit Mose und seiner Begegnnung mit dem ICH BIN der ICH BIN zu tun hat, jenem Gott, der sich diesem großen Mann im Feuer des Dornbuschs zeigte, einem Geschehen, von dem die meisten Kinder nichts mehr wissen. Dazu tragen auch unsere Politiker bei, die zwar immer von christlichen Werten sprechen, aber nie verstanden haben, dass ihr EGO nichts zu tun hat, ja sogar in heillosem Kontrast zu jenem ICH steht, dessen Bewusstsein die Menschheit auf einen neuen Weg führen kann, ansonsten die nächste Sintflut droht, die sich nicht von ungefähr schon ankündigt.

Keine Frage ist, dass der westliche Mensch auf das ICH fokussiert ist, hinter und in dem sich sein großes SELBST verbirgt, das die Germanen in dem Weltenbaum Iggdrasil (Ich-Träger) erfassten, der sich über alle Himmel erstreckt. Hinter dem nun, was wir als ICH bezeichnen, verbirgt sich in der Weiterentwicklung des Menschseins jedoch nicht mehr wie zu früheren Zeiten der jüdische Gott Jahwe, dem wir es - und das war die weltgeschichtliche Mission der Juden - verdanken, dass der Mensch dieses Ich-Bewusstsein als Träger seiner Entwicklung erkannte, sondern nach Golgatha ein unendlich erweitertes Bewusstsein. Vermutlich ist der Integrale Yoga - ich kenne ihn zu wenig - auch auf dieses Bewusstsein hin angelegt, ich empfinde aber die Klarheit des Weges, wie sie sich in den Stufen der Entwicklung von Jesus im Johannes-Evangelium (Fußwaschung, Versuchung, Gethemane usw.) zeigt und in dieser unendlich wichtigen Mythe von Parzival für das Bewusstsein des Abendlandes sinnvoller.

Ich vermute, wie gesagt, beide Wege führen zum Ziel, der Weg des Integralen Yoga und der Parzival- oder Christusweg, wie man ihn auch immer nennen mag.

Mir persönlich scheint Letzterer dem Abendland viel mehr zu entsprechen, weil er mehr auf Bewusstsein und Erkenntnis setzt, was der Mentalität der Menschen unserer Zeit und unserer Breiten entpricht und meines Erachtens für ihre Entwicklung zielführender ist.

Letztendlich scheint sich für die meisten diese Frage nicht zu stellen. Wem sie sich stellt und wer sich ihr stellt, ist wohl auf dem Weg zum Gral unterwegs.

mehr zu Sri Aurobindo: hier

Donnerstag, 22. März 2018

Geist für die Zeit - Zeit für den Geist. - Gedanken zu dem, was wir als "Zeitgeist" bezeichnen auf dem Hintergrund des Hölderlin-Gedichtes "Der Zeitgeist".

Hölderlin lebte zu einer Zeit, als die Fähigkeit der Menschen, dem Wort noch Sinn und Leben zu geben, in den letzten Zügen lag. Deshalb auch liegt eine so sanfte Wehmut über Goethes ´Italienischer Reise´, weil da noch jemand unterwegs war, der dem Überschreiten eines Passes noch Sinn, einen tieferen symbolischen, zu geben vermochte, während wir heute mit 200 PS die Pässe glattbügeln und über sie donnern mit einer Gefühlsintensität, wie sie jener Turner Erich Kästners empfand, der auf der Loreley auf Händen stand, ein typischer Mann unserer Zeit, auf Felsen so turnend wie auf Frauen – kein Unterschied: "Die Loreley, bekannt als Fee und Felsen ..." . . .

Mehr über Trithemius von Sponheims planetarische Geister der Zeiten, den Erzengel Michael, Johann Lafers paraorgiastische Papillengenüsse und anderes mehr  > https://goo.gl/wZuMJA