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Montag, 7. August 2017

Im Diesel-Skandal wäre ein klares Kanzler-Wort zwingend gewesen!

Wie beschönigend doch Schummel-Software klingt! Und Skandal markiert das hochkriminelle Verhalten der Autokonzerne und ihrer Bosse auch nicht gerade zutreffend, wo doch über viele Jahre hunderttausende Bundesbürger betrogen worden sind. Es wäre an der Bundeskanzlerin gewesen, Stellung zu diesem Geschehen zu beziehen, dessen Aufdeckung das Gesicht der Republik gewaltig verändert. Doch das ist Sache einer in Bezug auf innere Prinzipien keimfreien Angela Merkel nicht.
Für Deutschland könnte eine Kanzlerin, die ethische Werte auf ihrem Politikbazar ganz, wie es ihr gerade zupass kommt, verscherbelt, noch viel tragischer sein, als es sich bereits andeutet.
Anstatt Dobrindt, den nun mal gewiefte Manager mit links in die Jacketttaschen stecken - warum denke ich bei ihm immer nur an den Typ des mittelmäßigen gymnasialen Strebers, der so gern gut sein möchte, aber es nun mal nicht ist -, klare Anweisungen gegeben zu haben, z.B., dass ein Software-Update nicht genügt, weil es die Probleme nicht ansatzweise löst (ein Stuttgarter Richter hatte da mehr wissenschaftliches Niveau und Courage als die Entourage der Regierung Deutschlands), wandert Angela Merkel sich eins in Tirol und lässt ihr geliebtes Deutschland in dem Sumpf, den das gesamte Ausland sieht und viele Bundesbürger empfinden, auch wenn die Autoindustrie diesbezüglich hoffentlich noch nicht Gesamtdeutschland repräsentiert.
Mancher spürt, dass dieses Land ins Mark getroffen ist. Niemand hätte wirklich geglaubt, dass das Aushängeschild Deutschlands, die Automobilindustrie, gezielt die eigenen Kunden betrügt und das wahre Ausmaß gesundheitlicher Schäden vieler Bürger wissend verschleiert.
Zunehmend mehr Menschen wird bewusst, dass hier nicht nur ein wirtschaftlicher Lebensnerv getroffen ist, sondern auch ein sittlicher, auch wenn man heute nicht mehr von Sittlichkeit und Moral spricht, in Zeiten also, da Banken z.B. über die Griechenland-Kredite wohlwollend mit zig Milliarden subventioniert werden, während dort nicht nur Flüchtlinge, sondern auch griechische Bürger auf unwürdigste Weise darben (auch wenn Letztere für die Machenschaften ihrer Regierungen vergangener Tage durchaus Verantwortung zu tragen haben), auch in Deutschland Bevölkerungsschichten offensichtlich verarmen, die Infrastruktur zunehmend Risse zeigt und die Menschen das Vertrauen in ihre politische Vertretung verloren haben.
Merkel lässt alles plätschernd dahinläppern.

Merkel und die Diesel-Loser

Nicht nur im Hinblick auf eine Weltöffentlichkeit, die nicht nur wegen des G20-Gipfels oder des Berliner Flughafen-Desasters zunehmend an Deutschland zweifelt - was beispielsweise der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach an Führungsverhalten zeigt, hat ja ebenfalls Merkel-Qualität, man denke nur an sein indifferentes Verhalten in Sachen Doping russischer Leichtathleten) -, sondern gerade auch für das innere Deutschland wären klare Kanzlerworte notwendig gewesen
  • mit denen sie sich definitiv auf die Seite der Betrogenen gestellt und ihnen zugesichert hätte, dass ihnen Recht wird (bei den Gipfel-Geschädigten Hamburgs hat sie das - welche Überraschung - flugs getan) und
  • um den Abstieg Deutschlands aufzuhalten, was das Vertrauen betrifft, das man einst in dieses Land und seine Arbeitskraft hatte,
  • um zugleich zu verhindern, dass mit gekonnter Unauffälligkeit die hochbezahlten KFZ-Bosse den Kopf aus der Schlinge ziehen. Hat wirklich jemand ernsthaft geglaubt, die Chefs der betroffenen Unternehmen hätten nichts gewusst? Für den Audi-Chef Stadler und für VWs Müller wird - was niemand wirklich erstaunt - immer offensichtlicher, dass sie wohl informiert waren; andere werden diesbezüglich nachziehen.
Wie Augen öffnend hätte das sein können, wenn den Herren Zetsche, Müller, Krüger und Stadler so richtig der Kopf gewaschen worden wäre und eine Kanzlerin, die Mut zu klaren Worten hat, den Herren gesagt hätte, dass sie verantwortlich dafür sind, was hier an betrügerischem Verhalten auf hinterlistige Weise veranstaltet worden ist (irgendwie haben weder die Bürger noch die Bosse die mediale Schelte, die anlässlich des Diesel-Gipfels durchaus deutlich war, nicht wirklich zur Kenntnis genommen - seltsam; wenn doch mal ein Shit-Storm angebracht gewesen wäre, dann angesichts dieser geheuchelten Demut und dieses Kleinlautgebarens der versammelten Top-Manager, der wirtschaftlichen Creme dieses Landes).
Klar hätte man ihr vorgehalten, dass die Bundesregierung mit ihrer Wirtschaftsfreundlichkeit, ihren dieseligen Steuer-Subventionen, ihrem Mautgebaren - wir erinnern uns noch der diesbezüglichen Merkel-Lüge im letzten Wahlkampf - und manch anderem wirtschaftsopportunistischen Verhalten das ganze Geschehen im Grunde wohlwollend flankiert hat.
Aber einem Kanzler mit Stil wäre das Möglichkeit gewesen zu sagen, dass diese Art von Wirtschaftsfreundlichkeit auf den Bremsprüfstand kommt.
Übrigens wäre es schon lange Sache der Bundesregierung gewesen, Maßnahmen zu ergreifen, wo doch offensichtlich ist, dass die Autoindustrie nicht willens ist, den abgasbedingten Verunreinigungen entwicklungstechnisch wirklich entgegenzutreten (mal sehen, wie schnell die in den nächsten Jahren auf einmal Möglichkeiten aus dem Hut zaubern …)

Warum verkommt Deutschland?

Jeder spürt, dass in Deutschland etwas unaufhaltsam den Bach runtergeht und unterschiedliche Lager machen das - wenn überhaupt - an unterschiedlichen Punkten fest, wobei das immer nur ansatzweise geschieht.
Ein wirkliches Interesse auszuloten, was die fundamentalen Ursachen sind, dass Deutschland gesellschaftlich auf der ethischen Ebene immer mehr verkommt, gibt es nicht. Und es gibt leider auch keinen Herzog oder keinen Weizsäcker, die hier mit einer Rede hätten aufzeigen können, woran das liegt.
Klar sind die Redenschreiber Steinmeiers in der Lage, eine ergreifende und durchaus auch erhellende Rede zu verfassen. Aber dieser Mann hat nicht das innere Profil, das notwendig ist, um einen wahren Sachverhalt überzeugend zu vermitteln, zu schleimig war in der Vergangenheit sein politisches Verhalten, ich denke nur an seine Drückebergerei in Bezug auf die Armenien-Abstimmung im Bundestag und dass er sich nie von der Niveaulosigkeit einer Merkelschen Politik abgegrenzt hat oder, wie es Gabriel tat, Erdogan Dinge gesagt hätte, die dringend notwendig gewesen wären (im Gespräch bleiben war doch schließlich alles!).
Als so vielbeschäftigter Außenminister hatte er zwar Zeit, noch Bücher zu schreiben, aber sich wirklich substantiell um Deutschland zu kümmern: die Zeit hatte er nicht.
Auch nicht wahrzunehmen, dass auffallend oft da, wo seine Partei Regierungsverantwortung trägt, etwas fundamental den Bach runtergeht, man schaue nur nach NRW oder Berlin, was auch daran liegt, dass, wenn man ständig die Alle-Menschen-werden-Brüder(und-natürlich-Schwestern-)Brille aufsetzt und es allen rechtgendern will, ohne genau hinzuschauen, was notwendig und konsequent getan werden muss, damit Brüderlichkeit eintreten kann, man oft einen großen Siff produziert, moralisch und politisch.

Hallo Frau Merkel, wandern Sie mal schön!

Mit Juncker telefoniert Sie ja ab und zu, wie die ganze Welt mitbekommen hat. Und den Dobrindt lässt sie eigenverantwortlich machen, was er so kann (die Personaldecke der CSU ist offensichtlich auch sehr, sehr dünn).
Ohne Hemmungen hat sie die Bundeswehr an die Saudis verkauft (wie man diesem Staat, der weltweit führend in der Unterstützung gewalttätigsten Terrorismus´ ist, die eigene Armee als Ausbildungshilfe anbiedern kann, verstehen viele bis heute nicht) und Hamburg hat sie einen Gipfel aufs Auge gedrückt, der weder für sie noch für Hamburg wirklich Werbung war, obwohl man es doch so geplant hatte.
Ob ihr das nicht doch zu denken gibt, dass manchmal das Schicksal ganz andere Wege geht, als man es sich vorgestellt hat, wenn man gar nicht einsichtig ist? - Das Blöde ist nur, dass für Merkels fehlende Einsicht die Bundesbürger zahlen (die Schäden für die Hamburger Wahlkampfveranstaltung zahlen die Steuerzahler) und das Gewaltinferno nicht vorstellbaren Ausmaßes haben zahlreiche Hamburger erlebt, nicht die Bundeskanzlerin!
Ich bin überzeugt, wenn Angela Merkel mitbekommt, dass in Sachen Betrugs-Software die Stimmung in Deutschland so richtig kippt und es im Raum steht, dass man den Autobossen die Leviten lesen sollte, dann wird sie das tun, allerdings wie üblich erst, wenn es überfällig ist und die Spatzen ohnehin schon das, was sie auf ihre so unnachahmlich emotionale Weise sagen wird, von den Dächern pfeifen. Eben dann, wenn es opportun ist, nicht aber, weil ihr inneres Koordinatensystem das hätte angezeigt sein lassen.
Doch die Leute wählen sie ja offensichtlich auch nicht wegen eines klaren politischen und ethischen Kompasses (den sie eben mal nicht hat) und damit sie mit ihnen und für sie die Gegenwart meistert und Wege in die Zukunft zeigt und weist, sondern weil sie wie niemand sonst in der Lage ist, die Verdienste und Speicher der Vergangenheit, mit deren Hilfe sie ihre Politik „gestaltet”, zu leeren.
Dann, wenn alles wirklich bis zum Boden geleert ist bzw. am Boden liegt und der Krug lange genug zum Brunnen gegangen ist, ist ihre Zeit eh um und sie geht in Rente.
Dann wacht diese Gesellschaft womöglich auf!
Nur wird es dann zu spät sein.

Samstag, 5. November 2016

Moral beinhaltet das genuine Interesse am Anderen.

Moral beinhaltet das genuine Interesse am Anderen. Ein zunehmend liebendes Interesse - wenn man sich zunehmend selbst annehmen und entwickeln kann.

Moral verträgt keinen Stillstand. Dann wird sie moralisch in diesem degenerierten Sinne, wie heute die meisten Menschen von Moral sprechen.

Doch ohne das wirklich Sittliche, eine innere Sittlichkeit, kommt der Mensch nicht aus. Der Gipfel dieser Sittlichkeit ist die Liebe.

Vorderhand ist der Begriff der Liebe noch so degeneriert wie der der Moral.

Aber das könnte sich ändern, wenn Menschen bereit sind zu erkennen und entsprechende Konsequenzen daraus zu ziehen, dass es mit der verkommenen Moral der allermeisten ihrer Führungskräfte keine wirklich menschliche Zukunft gibt.

Vielleicht innerhalb zweier oder dreier Generationen gar keine Zukunft mehr.


Das geniune Interesse am Anderen schließt ein, dass man dessen dunkle Seiten wahrzunehmen und offenzulegen bereit ist.

Steinmeier und Merkel sind nicht in der Lage, sich so zu verhalten. Sie nehmen an Abstimmungen nicht teil, um sich nicht zur Wahrheit bekennen zu müssen, schließen Verträge mit in obigem Sinne höchst unmoralischen Menschen ab, finden erst deutliche Worte, wenn ihre lauen gebrandmarkt werden, verabschieden Gesetze, die den Betroffenen - den Leiharbeitern - überwiegend nicht helfen und liefern wider besseres Wissen Waffen an unmoralische Menschen.

Dieses amoralische Verhalten a lá Merkel und Steinmeier - man könnte auch Gabriel  und weitere nennen - ist nicht nur ein politisches Fehlverhalten.

Es ist eben auch ein charakterliches, weil unmoralisches.

Für die Zukunft unserer Kinder können wir uns solche moralisch seichten Politiker nicht mehr leisten.

Sonntag, 3. März 2013

(II) Der Himmel hat keine Moral: Erzwingt keine sogenannten guten Taten!

Teil I hier

Die Gedanken Stefan v. Jankovichs finde ich unglaublich aufschlussreich in mehrerer Hinsicht, wobei ich ihn in nur einem Punkt entscheidend korrigieren möchte:
Göttliche Liebe ist nicht selbstlos, ein Begriff, den er im Zusammenhang mit ihr verwendet. Der Mensch verliert nicht sein Selbst, wenn er liebevoll denkt und handelt. Im Gegenteil: Er gewinnt sein Selbst, sein göttliches Selbst. – Nie ist wahre Liebe selbstlos.

Wahre Liebe ist immer ein Selbst–Gewinn!

Was ich im Zusammenhang von Jankovichs Erfahrungen besonders wichtig finde, darüber möchte ich im Anschluss an seine Worte schreiben.
Hier die für mich faszinierende Zeilen aus dem Buch Ich war klinisch tot. Der Tod, mein schönstes Erlebnis:

"Was das Urteil während des Lebensfilmes betrifft, so ist es sehr bezeichnend, daß ich selber dieses Urteil fällte, nicht irgend ein Gott oder astraler Richter. Nicht der allmächtige Gott von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle, nicht der im apokalyptischen Feuer erscheinende Richter von Johannes, nein, ich selber, d. h. mein ICH-Bewußtsein, hatte durch mein eigenes Gewissen die Bilanz zu ziehen. Mit meinem plötzlich sehr sensitiv gewordenen Göttlichen Prinzip, das in jedem als Kernstück und Ursprung seines eigenen ICH-Bewußtseins verborgen ist, konnte ich klar erkennen, ob ich in dieser oder jener Situation richtig gehandelt oder mich richtig verhalten, das Problem richtig gelöst, die Probe bestanden hatte oder nicht. 

Im Zusammenhang mit dem Urteil machte ich eine meiner wichtigsten Erfahrungen:

´Ich beurteilte mich nicht nach irdischen Moralgesetzen, sondern nach dem kosmischen Harmoniegesetz der Liebe.´

Lange Zeit habe ich im Spital liegend darüber nachgedacht, wie ich dieses Phänomen entziffern könnte. Warum habe ich eine Handlung als POSITIV beurteilt, obwohl ich gegen die bestehenden moralischen, christlichen Gesetze, den Staat und die Gewohnheiten der Gesellschaft verstoßen hatte? Warum verurteilte ich mich andererseits für sogenannte „gute Taten", bei denen ich sogar gegen mich selbst Zurückhaltung, Enthaltung, eine Art von Askese geübt hatte? Wie war das möglich? Habe ich mich im Leben oft falsch verhalten? War damals meine Beurteilung der Situationen nach den herrschenden moralischen Gesetzen falsch, oder sind die vom Menschen abgefaßten Gesetze falsch?

Ich bin heute überzeugt, daß die Taten und Gedanken positiv und als gut bewertet werden, die selbstloser Liebe entspringen, und in denen die geistige Weiterentwicklung, eine Bereicherung des ICH, als Bestandteil zu erkennen war.

Liebe, Selbstlosigkeit, Freiwilligkeit, allgemeine Gerechtigkeit, gute Gedanken, guter Wille und Harmonie waren die Hauptmerkmale der Entscheidungen und Situationen, die ich als „gut" oder „positiv" bewertet habe.

Der Ursprung dieser Entscheidungen bzw. Lösungen entstammte meinem eigenen ICH. Initiant dafür war der tief in mir verborgene Gottesfunke, d. h. mein Göttliches Überbewußtsein.

Hingegen werden als negative Entscheidungen die Gedanken oder Taten beurteilt, die durch egoistische Hintergedanken entstanden, die nicht ehrlich waren und mit denen ich anderen Nachteile oder Schaden zugefügt habe. Dies gilt auch dann, wenn sie der Welt als „gut" erschienen. Schlecht wurden auch die Entscheidungen beurteilt, bei denen ich jemandem etwas aufzwang, sei es eine Handlung, eine Idee, eine Meinung, oder wenn ich eine Handlung erpreßte. Diese Taten stellten alle einen Eingriff in den Lebensablauf des anderen dar, eine Einschränkung des freien Willens einer Person. Dasselbe galt auch, wenn ich mir selbst — aus irgendeinem Grund — etwas aufzwang, mich quasi selbst vergewaltigte, die Erfüllung meines Schicksals dadurch verhinderte. Negativ waren die Entscheidungen, denen ein böswilliger Ursprung wie Haß, Rache, Neid, Machtgier, Geldgier, Habsucht, Eitelkeit, Eifersucht, Stolz usw. zugrunde lag und durch die ich somit gegen das kosmische Harmonie–Gesetz handelte.

Wenn ich jetzt darüber nachdenke, welche Szenen ich im Tod als nicht gut erlebt habe, erschrecke ich darüber, wie viele sogenannte gute Taten, d. h. diejenigen, die ich mit pflichtbewußtem Willen vollbracht habe, um jemanden glücklich zu machen, die also mit Selbstaufopferung und Rücksicht auf andere verbunden waren, nicht in die positiven harmonischen Szenen eingereiht wurden. Ich habe oft darüber nachgedacht. Aber plötzlich erkannte ich, daß man die göttliche Harmonie stört, wenn man sogenannte „gute Taten" erzwingt, denn das Göttliche ist ohne jeden Zwang.

Ich erkannte auch, daß unsere Moralbegriffe im Jenseits keine Gültigkeit haben. Seit jener Zeit bin ich allen menschlichen Moralbegriffen gegenüber kritisch eingestellt."


Gerade im Hinblick auf die Erziehung unserer Kinder verlangen im Grunde Jankovichs Erfahrungen und seine daraus reslultierende Sicht ein völliges Umdenken.
Wie oft zwingen wir Kindern unsere Sicht der Dinge auf, unsere Moralbegriffe, die Kondensate unserer Erfarungen, die auf den uns anzerzogenen Zwangsvorstellungen von Moral und Leben beruhen.

Wir lassen Kinder zu oft nicht ihre ureigenen Ideen entwickeln und verwirklichen. Wir geben ihnen zu oft vor, was sie zu denken und zu tun haben. Oft geschieht das von Seiten der Erwachsenen unbewusst. Und es kommt hinzu, dass wir der Ansicht sind, dass wir es gut meinen. – In den Auswirkungen ist aber das Gegenteil der Fall.

Gemeint ist nicht und gewiss ist es nicht falsch, klare Anweisungen zu geben im Hinblick auf den Gebrauch des Konjunktiv I in der indirekten Rede, im Hinblich auf eine ordentliche Heftführungen oder den richtigen Tempusgebrauch im Englischen, im Hinblick auf Anstandsregeln, Regeln also, die den angemessenen Umgang mit anderen Lebewesen oder Dingen betreffen.
Das ist nicht gemeint.
Gemeint sind kindliche Sichtweisen, die wir uns nicht wirklich anhören, sondern sofort korrigieren und sich nicht entwickeln lassen.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn ein Kind etwas nicht einsieht, oft etwas dahintersteckt, was es nicht sagen kann oder sich nicht (mehr) zu sagen erlaubt.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn ich die Geduld besaß zu warten, was ein Kind sagen möchte und es nicht unterbrach, nachdem die ersten Sätze nicht meinen Erwartungen entsprachen, oft Inhalte kamen, die mich verblüfft haben.

Wir sind viel zu sehr noch Sklaven der eigenen Zwänge, die aus unserer Erziehung resultieren, die - gerade in unserer Schulzeit - oft auf Zwang und vorgefertigten Versatzstücken beruhte.

Freiheit des Geistes bedeutet, der Unberührtheit des kindlichen Geistes wieder mehr Respekt zu zollen und warten zu können, ob nicht für uns Erwachsene eine tiefe Wahrheit in ihm verborgen ist, vor der unsere Zwanghaftigkeit in Wahrheit Angst hat.

mehr zu dieser Thematik hier

Sonntag, 17. Februar 2013

(I) Der Himmel hat keine Moral – unsere will er gewiss nicht, denn: Das Göttliche ist ohne Zwang

Dieser Post schließt die Reihe der Postings zu jenem Thema ab, das am 31.12. 2012 mit Wenn Sterbende nach oben sehen ... über meinen Freund Thomas und über Stefan v. Jankovichs "Ich war klinisch tot begann. Faszinierend für mich ist nach wie vor, wenn ich lese, wie Menschen ihre Einstellung zu Leben und Tod aufgrund von Schicksalsschlägen und Nahtoderlebnissen verändert haben. Raymond Moody zitiert eine Frau, die sagt: 

"Wenn man einmal den Tod erlebt hat, wie ich es getan habe, dann weiß man im Innersten: Es gibt gar keinen Tod. Man geht nur weiter vom einen zum nächsten – wie man weitergeht von der Grundschule zur Oberschule zur Hochschule."(106)

Und an anderer Stelle heißt es bei ihm:

"Des Weiteren haben viele andere betont, wie wichtig es für sie geworden sei, sich mehr Wissen anzueignen. Während ihres Todeserlebnisses wurde ihnen zu verstehen gegeben, dass der Erwerb von Wissen auch nach dem Leben weitergehe. Eine Frau hat zum Beispiel jede Bildungsmöglichkeit genutzt, die sich ihr nach ihrem Sterbeerlebnis bot."(103)

Erstaunlich, was es da alles zu lesen gibt (Moodys Buch ist in einer Neuauflage wieder erhältlich), was unsere Sicht auf das Leben ziemlich verändern kann.

Mich persönlich hat die Frage schon immer interessiert, ob die Maßstäbe, die jene Wesen, die von einer anderen Warte unser Leben sehen, andere als unsere sind (Jankovich spricht im Übrigen in Ich war klinisch tot davon, dass wir im Rahmen einer Lebensrückschau es selbst sind, die uns beurteilen, allerdings aus einem anderen Bewusstsein heraus).

Gelten da noch unsere Moralvorstellungen?
Wir verurteilen beispielsweise einen Hartz-4-Empfänger, wenn er bei Aldi etwas klaut.Wir verurteilen aber niemanden, der sein Geld bunkert und so viel hortet, dass er es niemals wird ausgeben können. Eher bewundern wir ihn via Klatschpresse (der hat es zu etwas gebracht ...!).

Ich bin nicht neidisch auf jene, die viel Geld besitzen. Nur: Geld ist Energie. Und Energie muss fließen. Gestaute Energie macht krank. – Gewiss gibt es Menschen, die mit dieser Energie nicht umgehen können ... das gllt für Arme und Reiche. Welch ein Segen kann Geld sein, wenn es Bedürftigen hilft. Welch ein Schaden kann es anrichten, wenn es der Zerstörung von Menschlichkeit dient!

Klar rüttelt es an den Grundfesten unserer Moral, wenn wir zu dem Ergebnis kämen, jemand, der sich auch einmal etwas leisten will, was er normal nicht kann, darf das mitgehen lassen. – Wo kämen wir da hin?

Wo aber sind wir hingekommen, dass es Menschen gibt, die sich überlegen, ob sie sich einen Drittwagen leisten, während der Obdachlose sich Streichhölzer klauen muss, damit er sich ein Feuerchen machen kann, oder auch eine Flasche Wodka, dass es ihm auch mal von innen warm wird; dem geben wir aber gewiss keinen Cent mehr, wo er sich eh nur Alkohol kauft oder auch noch klaut.

Schließlich ist landläufig der Obdachlose in aller Regel an seinem Schicksal selbst schuld und: Das ist doch unmoralisch, wenn jemand so eine Wodka-Freude sich gönnt - das können wir nicht unterstützen.

Freuden müssen schon unseren Moralvorstellungen entsprechen. Zum Beispiel die Freude über einen Drittwagen.


Was ist denn überhaupt Moral?

Und warum brauchen wir sie?

Moral brauchen wir für die Dinge, zu denen unser Herz nicht hinreicht.

Unser Herz ist jeder Moral überlegen, die sich ja in jedem Zeitalter anders gibt. Denken wir mal, was das Viktorianische Zeitalter für prüde Moralvorstellungen hatte ... (übrigens auch nur nach vorn hin ...)

Das Herz aber, das seinen Quell in der Weisheit des Lebens hat, das ist überzeitlich in seinem Wissen und Bewusstsein.

Moral ist einfach ein Ersatz für Herzwissen.

Dazu passt, was Raymond Moody schreibt:

In den meisten Fallgeschichten kommt das Schema von Belohnung und Strafe im Nachleben nicht mehr vor, sogar bei denen nicht, die vorher ganz selbstverständlich in solchen Begriffen gedacht haben. Sie erlebten zu ihrem tiefen Erstaunen, dass, selbst wenn ihre ganz eindeutig schlimmen und sündigen Taten offenbar wurden vor dem Lichtwesen, dieses Wesen nicht mit Groll und Zorn reagierte, sondern nur immer mit Verständnis und sogar mit Humor. (...)

Viele haben ihre alten Vorstellungen von Lohn und Sühne fallen gelassen und sind zurückgekehrt mit einem neuen Denkmodell und einem neuen Verständnis von der jenseitigen Welt – sie tragen in sich eine Vision, die nicht von einseitiger Verurteilung spricht, sondern von gemeinsam vorangetriebener Entwicklung auf das Endziel der Selbstverwirklichung hin. Aus dieser neuen Sicht endet die Entwicklung der Seele, besonders ihrer geistigen Fähigkeiten der Liebe und des Wissens, nicht mit dem Tode. Vielmehr geht sie weiter auf der anderen Seite (...)

Stefan v. Jankovich schreibt ganz dezidiert:

Ich erkannte auch, daß unsere Moralbegriffe im Jenseits keine Gültigkeit haben.

Dazu hier mehr.