Seiten

Posts mit dem Label Selbst werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Selbst werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 1. Januar 2024

Eine wertvolle Übung für das neue Jahr:

Man sollte sich zum Grundsatz machen: niemals einem fremden Vorschlag etwas entgegenzusetzen, wenn man nicht vorher vollkommene Einsicht in die Motive des anderen Vorschlages gesucht hat. Man sollte sich immer vor Augen halten, daß man doch egoistisch ist, wenn man eine Meinung deshalb liebt, weil man sie selbst hat.
Diejenigen, welche eine höhere geistige Entwickelung erlangt haben, sie haben sie durch ein Opfer in dieser Richtung erkauft. Sie haben sich auferlegt, ganz in den Meinungen ihrer Mitmenschen aufzugehen, bis in die innersten Fasern ihrer Seele sich selbst auszulöschen, um in den anderen unterzugehen. Ein wahrer Mystiker kann nur werden, wer gelernt hat, bis in die geheimsten Gedanken hinein selbstlos zu werden. Durch weniges entwickelt man sich auf den ersten Stufen der geistigen Leiter mehr, als dadurch, daß man sich eine Zeitlang Schweigen in seinem tiefsten Innern auferlegt. Viel gewinne ich dadurch, daß ich Monate, vielleicht Jahre hindurch mir einmal gesagt sein lasse: Jetzt will ich, ganz bescheiden, gar nichts selbst meinen, sondern selbstlos einmal fremde Meinungen in meinem Innern leben lassen. Ich will ganz untertauchen in fremden Empfindungen, Gefühlen, Gedanken. Dadurch erweitere ich selbstlos mein Selbst, während ich es selbstsüchtig verengere, wenn ich fort und fort nur meine eigenen Meinungen aus dem Wesen meines Selbst als Wellen an die Oberfläche meines Lebens spielen lasse. (Rudolf Steiner, GA 34, S. 454)

Unbewusst oder halbbewusst mag der ein oder andere die Sorge in sich tragen, sich selbst zu verlieren, wenn er sich bemüht, in den Anderen aufzugehen.
Diese Sorge ist überflüssig, weil der Weg dazu, wirklich vollständig in einem Anderen aufzugehen, eh sehr, sehr lang ist und wir über eine lange Übungszeit mit mehr als einem Zipfel in uns bleiben. Aber selbst wenn wir lernen, mehr oder weniger vollständig im Anderen aufzugehen, haben wir jederzeit die Möglichkeit, zu unserem Ich zurückzukehren und uns auf diese Weise selbst zu sein. Darin besteht ja die Kunst des Lebens: den eigenen Selbstwert zu schätzen und deshalb das Selbst immer weiterzuentwickeln und gleichzeitig die Fähigkeit zu fördern, das selbst des Anderen wahrzunehmen.
Beides bedingt ja einander.

Ich kann mein eigenes Selbst nur erweitern mit Hilfe der anderen Selbst auf der Welt.
Noch gibt es zu viele Menschen, die, ohne es zu merken, immer nur das eigene Selbst im Anderen entdecken, weil sie ihr eigenes Verstehen in dem Anderen sehen und nicht den Nächsten in seiner Eigenheit.
Steiners Aussage kann uns auch vermitteln, wie sehr soziale Medien eine riesengroße spirituelle Falle sind, denn man kann es bei fast jedem Beitrag beobachten, wie wenig Menschen auf den Anderen eingehen, wie sehr sie ihre Meinung in den Vordergrund stellen.
Sie mögen es tun, weil sie den Anderen von ihrem besseren Standpunkt überzeugen wollen; aber selbst wenn er das spirituell objektiv wäre, so tun sie weder dem Anderen noch sich einen Gefallen.
Was wirkt, ist das seelische Verstehen, das Vermitteln des Gefühls für den Anderen, angenommen zu sein.

Gott schüttelt nicht pausenlos den Kopf über uns. Er redet nicht auf uns ein und gibt Hinweise und Rat-Schläge. Er sieht, so glaube ich, mit Geduld auf uns und wartet, bis wir auf dem Hintergrund aller unserer Erfahrungen die richtigen Türen öffnen. Die Schlüssel für diese Türen sind unsere Erfahrungen.

Die Erfahrung des Angenommenseins durch einen Anderen ist sicherlich eine der wertvollsten, die wir erleben dürfen. Dann kann Liebe strömen.

Immer wieder mag es geschehen, dass wir intuitiv aus großer Tiefe heraus einen Anderen verstehen und ihm mit Worten helfen können. Es ist ja nicht so, dass alles, was wir tun bzw. reden oder schreiben, falsch wäre. - Es gibt in unserem Leben diese Momente der Selbstlosigkeit.

Es geht darum, für wahre Selbstlosigkeit achtsam zu werden und sie immer bewusster in unserem Leben verwirklichen zu können.

Donnerstag, 3. August 2017

Manchmal ist Gott einfach zum Verzweifeln! (aus dem Kellergewölbe von Platons Höhle)

Gerade hatte ich mich mal wieder durch ein tiefes Sinnloch hindurchgehangelt, da traf ein von mir antiquarisch bestelltes Buch ein, das mir eine liebe frühere Kollegin so dringend empfohlen hatte und es sogar für mich bezahlen wollte, nur, damit ich es hätte, so dass mir nichts übrig geblieben war, als es schleunigst selbst zu ordern. Es waren die Worte des Meisters von Paramahansa Yogananda, dem aus Indien stammenden Yogameister, Philosophen und Schriftsteller, den seine Schüler als einen Avatar verehren, eine Wesenheit also, die nicht hätte inkarnieren, nicht also hätte Mensch werden müssen, doch es den Menschen zuliebe tat.
Nur als kleine Anmerkung: Der größte Avatar war im Rahmen dieses Bewusstseins Christus, der  in dem Menschen Jesus nach der Taufe durch Johannes den Täufer für drei Jahre in dessen Körper inkarnierte und durch Jesu Tod und mit der Tatsache, dass dessen Blut die Erde berührte, sich als Christus auf ewig mit ihr verband (für mich bezeichnet Christus im Übrigen weniger eine Religion, sondern eine Bewusstseinsstufe).

Zurück zu Yogananda und seinem Buch, in dem ich ein wenig blätterte und unseligerweise auf Sätze wie diesen traf:
Um eine mannigfaltige Schöpfung ins Leben zu rufen, musste der Herr jedem Ding den Anschein der Individualität verleihen.
Da waren sie wieder, meine Zweifel am Sinn meiner Existenz im Rahmen der Vorstellung, dass der Mensch, durch Gott geschaffen, sich im Laufe der Evolution zu einer Individualität entwickelt hat, die er aber, wenn er sich durch die Maya des Irdischen mittels vieler Inkarnationen hindurchgekämpft hat, wieder aufgeben wird zugunsten eines großen Allbewusstseins.
Kleine Anmerkung zu dem Begriff Maya: Er bezeichnet die irdischen Formen und Gegebenheiten, die den göttlichen Geist, der doch die wahre Wirklichkeit ist, auf so gekonnte Weise verstecken können. Maya wird oft mit Illusion gleichgesetzt, mit menschlich-irdischen Illusionen wie Reichtum, Genuss  und Ähnlichem. 
Ehrlich gesagt halte ich solches Denken nicht für sinnvoll, weil es den Stellenwert und die Bedeutung des menschlichen Seins auf der Erde nivelliert. Nur wer ein Bewusstsein davon hat, wie wertvoll Maya ist, kann sie überwinden. Alles esoterische Gesäusel von wegen Maya = Illusion tut das meines Erachtens sehr oft nicht.

Anschein der Individualität?

Ich dachte immer, ich könne das ernst nehmen, dass der jüdische Gott Jahve mit seinem Ich bin der IchBin ultimativen Wert darauf gelegt hatte, dass jeder zu einem Ich-Bewusstsein gelange, wohlgemerkt nicht zu Egoismus und Personenkult, sondern zu einem Ich-Bewusstsein, das ihm Ich-Findung ermöglicht.
Für mich war das eigentlich die zentrale Mission des jüdischen Volkes gewesen, dass dem Menschen - damals noch im Rahmen festen Eingebundenseins in Stämme - ein individuelles Bewusstsein als Möglichkeit der Entwicklung vermittelt werde (was auch meines Erachtens gelang). 

Alles ist Maya, auch die Ich-Findung?

Wozu das ganze Spiel?

Unglücklicherweise traf ich in dem Büchlein auf die Frage eines Yogananda-Schülers:
Meister, warum muss die Vorstellung weitergehen? (Yogananda hatte zuvor von dem irdischen Schauspiel gesprochen).
Yoganandas Antwort war:
"Das ist Gottes Lila - Sein Spiel oder Sein Zeitvertreib . . . Er hat das Recht, sich in zahlreichen Formen auszudrücken, wenn Er es so wünscht. Wenn Gott sich nicht in den Schleier der Maya hüllte, gäbe es kein kosmisches Schöpfungsdrama. Wir dürfen Versteck mit ihm spielen und nach ihm suchen, bis wir ihn finden und den Höchsten Preis gewinnen.
Wir dürfen Versteck mit ihm spielen?

Wir als Gottes Zeitvertreib?

Verehrter Yogananda - ich gehe davon aus, dass Du mich auch jetzt hörst -, schau mal das Leid in Syrien an, das Leid in vielen Teilen Afrikas, in Venezuela oder an anderen Orten, wo Krieg herrscht, z.B. in der Ukraine, oder wo Menschen einfach, weil ein kranker Narzisst herrscht, auf nicht absehbare Zeit in Gefängnisse geworfen werden, wie in der Türkei. Über sechzig Millionen Menschen sind auf der Erde auf der Flucht. Vor dem Menschen.
Und das ist ein Ausschnitt des Jahres 2017. Im Dreißigjährgen Krieg war es kaum besser oder im Ersten oder Zweiten Weltkrieg - dabei leben wir jetzt in Friedenszeiten!

Auf dieses Versteck-Spielen kann ich verzichten.

Und ich rede nicht von noch relativ belanglosen Einzelschicksalen wie dem meiner älteren Schwester, die sich eine künstliche Hüfte einsetzen lassen musste, was allerdings zur Folge hatte, dass sich die Wunde infizierte. Ein Jahr lag sie in einem Krankenhausbett, jeden Tag Infusionen, jeden Tag Trostlosigkeit, mehrfaches Öffnen des Beins, mal ein wenig Hoffnung, mal Verzweiflung, wobei schlussendlich zur Debatte stand, dass ihr das Bein abgenommen werden müsse. Heute lebt sie in einem Pflegeheim, an den Rollstuhl gebunden, weil ohne Hüfte; die hat man schlussendlich einfach draußen gelassen, draußen lassen müssen. Ich finde sie unendlich tapfer. Und ihr Schicksal ist, verglichen mit anderen, von denen man manchmal liest, nicht einmal sooo schlimm.

Versteck-Spiel?

Sag das mal meiner Schwester, Yogananda!
Sag das den vielen Kindern, die in zerbombten Ruinen leben!
Sag das den Menschen, die, weil sie zu viel Giftgas einatmeten, weder leben noch sterben können!
Die mit Hilfe von Müllkippenresten ihr Leben friste!

Ich verstehe, dass ein jüdischer Rabbi - ich hoffe, ich gebe aus meiner Erinnerung heraus die Legende dem Sinn nach angemessen wieder - vor Gottes Thron trat und verzweifelt auf das Elend der Menschen hinwies und um ein Ende bat, worauf Gott ihm antwortete: Du siehst nicht das Ziel!

Ich sehe es leider auch nicht, aber natürlich habe ich von ihm gehört, gehört und gelesen, dass erst einmal in einigen tausend Jahren ein Kampf aller gegen alle stattfinden wird - es deutet sich manches ja schon an, wenn z.B. Millionen von Menschen den Herrn aller Lügen zum Präsidenten des mächtigsten Landes der Welt gewählt haben (in Goethes Faust nennt er sich Mephisto) -, ein Kampf aller gegen alle, von dem in Matthäus 24 geschrieben ist:

21 es wird dann eine große Bedrängnis sein, wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird.
22 Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden diese Tage verkürzt.
Das muss schrecklich sein und wird vermutlich ähnlich den Kataklysmen sein, als Atlantis und vorher schon das Land Mu untergingen, jenen Wendepunkten in der Zeitgeschichte unseres Planeten, in deren Rahmen nicht nur in der griechischen Philosophie Katastrophen gigantischen Ausmaßes angesprochen sind.

Danach, glaubt man den Voraussagen, wird es viel besser sein, aber noch lange nicht das Ende der menschlichen Entwicklung, auch wenn uns die Kirchen das weismachen wollen; es steht ja bei korrekter Übersetzung nicht in der Bibel, was uns erzählt wird. Meiner Auffassung nach steht das Jüngste Gericht nicht am Ende aller Zeiten, sondern eines Zeitalters (so lässt sich die Bibel und das Wort Äon auch übersetzen - und für mich macht das mehr Sinn).

Mir hilft nicht weiter, den Weg derer zu gehen, die das ganze Problem lösen, indem sie Gott streichen und ein Leben nach dem Tod. Dazu gibt es, bei Lichte besehen, zu viele Zeugnisse, dass es anders ist, als Atheisten sich das wünschen. Wer glaubt, alle Mythen, die Veden, die Baghavadgita oder die Bibel seien dem Kompost menschlicher Phantasie entsprungen, darf das tun, aber mein Inneres sagt, dass das Dhammapada, der Sammlung der Buddha-Worte, Recht hat, wenn es dort heißt:
Alle Dinge entstehen im Geist,
Sind unseres mächtigen Geistes Schöpfung.
Zu glauben, dass der Mensch einmal als singuläres Wesen auftaucht und dann wieder verschwindet, finde ich einfach nur banal gedacht. Klar, körperlich in der jeweiligen Version schon, aber seelisch nicht.

Manchmal weiß ich nicht, wie Menschen es machen, so glaubens- und vertrauensvoll durchs Leben zu gehen.
Es ist entweder eine hohe Kunst oder eine große Selbstblendung; vermutlich ist beides möglich, je nach Grad der seelischen Entwicklung (ich glaube, ich habe mehr Selbstblender kennengelernt, wenn ich dennoch auch im Einzelnen großen Respekt vor ihren Bemühungen habe).

In mir gibt es eine Seite, die findet das Versteckspiel und den Zeitvertreib Gottes völlig daneben - wobei ich dann doch nicht glaube, dass die Wortwahl des göttlichen Avatars Yogananda gelungen ist und Gott, wie immer er auch ist, was immer er auch ist und wie auch immer er ist - sich so menschenverachtend ausdrücken würde. 
(Klar kenne ich das Gesülze, dass es ohne Leid nicht geht, dass der Mensch zu tieferer Einsicht kommt - ich weiß es ja selbst, aber in solchen Phasen kann ich das überhaupt nicht hören; mir ist dann das ganze Spiel oder Versteckspiel oder Gottes Zeitvertreib zuwider).

Jedenfalls, wenn solche Gedanken mich übermannen, dann weiß ich, dass ich im Keller von Platons Höhle bin.

Ja, ich weiß auch, dass nicht Gott, was immer er ist, wie immer er ist und warum immer er ist,  zum Verzweifeln ist, sondern mein kleiner Verstand.

Der mich sich im Kreis drehen lässt.
Auch das weiß ich.
Nur frag ich mich trotzdem: Wie machen das andere, dass ihnen der Sinn so nahesteht?
So kontinuierlich. 
So unverbrüchlich.

Muss man sich das einfach nur einbilden, an Gott zu glauben? Krass und kategorisch?

Gott sei Dank krabbele ich dann irgendwann wieder über den Höhlenrand von Platons Höhle.

Aber diese verdammten Schwarzen Löcher haben einen Sog, dem man zwar durchaus entkommen kann (entgegen der Meinung aller versammelten Wissenschaftler), doch manchmal weiß ich selbst nicht, wie . . .
Es ist einfach die Zeit, die dann hilft (und ihr Gefolge, denn allein kommt sie nie).

Yogananda mag Recht haben, wenn er einem Schüler sagt:
Die meisten Menschen begreifen nicht, dass das größte aller Wunder darin besteht, sich innerlich zu wandeln und sich demütig seinem Willen zu unterwerfen.
Dass ein Bewusstsein, das höher ist, als dass wir Menschen es erfassen könnten, existiert, davon bin ich fest überzeugt, sonst hätten wir längst alle offen Fragen klären können - in der Astrophysik z.B. die nach den Schwarzen Löchern, der Dunklen Energie und der Dunklen Materie. 
Zu den großen Kapazitäten der Physik schauen wir bewundernd auf, mögen sie Einstein oder Planck heißen. Selbiges tun wir auch im Hinblick auf große Künstler oder politisch wirkende Menschen wie Gandhi oder Nelson Mandela. Nur wenn es gilt, zu jenem Bewusstsein aufzuschauen, heiße es Gott oder wie auch immer - der Name spielt letztendlich keine Rolle -, dann tun wir, tue ich mir immer oder in gewissen Phasen unsagbar schwer. Obwohl es unfassbare Wunderwerke geschaffen hat, zum Beispiel den menschlichen Körper. Genialer kann man ein Geflecht von Muskeln, Sehnen, Blutbahnen, Gehirnzellen, Hormonen und Knochen oder auch einem System wie der Haut nicht komponieren. Dass dieses Wunder sich zufällig zustande gebracht hat: Das glaube ich nun mal nicht!

Von Demut zu säuseln fällt meistens leicht; warum sie so schwer fällt, das muss damit zusammenhängen, dass man so schwer durch Scylla und Charybde hindurchkommt - Odysseus kann ein Lied davon singen (Homer hat es in der Ilias für ihn getan) - oder durch das Tor der Sphinxen wie Atréju in Michael Endes Unendlicher Geschichte.
Es muss damit zusammenhängen, dass man die Balance zwischen Selbst-Bewusstsein und Demut nicht findet und einseitig immer auf eine Seite fällt (wie Odysseus). Eine sich selbst verleugnende Demut ist genauso falsch wie Hochmut.

Ich vermute auch, dass es eine scheinheilige Demut gibt. Vielleicht einer der gefährlichsten Viren auf der menschlichen Festplatte.
Nur die ehrliche Demut vermag einen Scylla und Charybde bzw. das Tor der Sphinxen passieren lassen! Sie aber weiß um den Wert des eigenen Selbst.

Sonntag, 3. März 2013

(II) Der Himmel hat keine Moral: Erzwingt keine sogenannten guten Taten!

Teil I hier

Die Gedanken Stefan v. Jankovichs finde ich unglaublich aufschlussreich in mehrerer Hinsicht, wobei ich ihn in nur einem Punkt entscheidend korrigieren möchte:
Göttliche Liebe ist nicht selbstlos, ein Begriff, den er im Zusammenhang mit ihr verwendet. Der Mensch verliert nicht sein Selbst, wenn er liebevoll denkt und handelt. Im Gegenteil: Er gewinnt sein Selbst, sein göttliches Selbst. – Nie ist wahre Liebe selbstlos.

Wahre Liebe ist immer ein Selbst–Gewinn!

Was ich im Zusammenhang von Jankovichs Erfahrungen besonders wichtig finde, darüber möchte ich im Anschluss an seine Worte schreiben.
Hier die für mich faszinierende Zeilen aus dem Buch Ich war klinisch tot. Der Tod, mein schönstes Erlebnis:

"Was das Urteil während des Lebensfilmes betrifft, so ist es sehr bezeichnend, daß ich selber dieses Urteil fällte, nicht irgend ein Gott oder astraler Richter. Nicht der allmächtige Gott von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle, nicht der im apokalyptischen Feuer erscheinende Richter von Johannes, nein, ich selber, d. h. mein ICH-Bewußtsein, hatte durch mein eigenes Gewissen die Bilanz zu ziehen. Mit meinem plötzlich sehr sensitiv gewordenen Göttlichen Prinzip, das in jedem als Kernstück und Ursprung seines eigenen ICH-Bewußtseins verborgen ist, konnte ich klar erkennen, ob ich in dieser oder jener Situation richtig gehandelt oder mich richtig verhalten, das Problem richtig gelöst, die Probe bestanden hatte oder nicht. 

Im Zusammenhang mit dem Urteil machte ich eine meiner wichtigsten Erfahrungen:

´Ich beurteilte mich nicht nach irdischen Moralgesetzen, sondern nach dem kosmischen Harmoniegesetz der Liebe.´

Lange Zeit habe ich im Spital liegend darüber nachgedacht, wie ich dieses Phänomen entziffern könnte. Warum habe ich eine Handlung als POSITIV beurteilt, obwohl ich gegen die bestehenden moralischen, christlichen Gesetze, den Staat und die Gewohnheiten der Gesellschaft verstoßen hatte? Warum verurteilte ich mich andererseits für sogenannte „gute Taten", bei denen ich sogar gegen mich selbst Zurückhaltung, Enthaltung, eine Art von Askese geübt hatte? Wie war das möglich? Habe ich mich im Leben oft falsch verhalten? War damals meine Beurteilung der Situationen nach den herrschenden moralischen Gesetzen falsch, oder sind die vom Menschen abgefaßten Gesetze falsch?

Ich bin heute überzeugt, daß die Taten und Gedanken positiv und als gut bewertet werden, die selbstloser Liebe entspringen, und in denen die geistige Weiterentwicklung, eine Bereicherung des ICH, als Bestandteil zu erkennen war.

Liebe, Selbstlosigkeit, Freiwilligkeit, allgemeine Gerechtigkeit, gute Gedanken, guter Wille und Harmonie waren die Hauptmerkmale der Entscheidungen und Situationen, die ich als „gut" oder „positiv" bewertet habe.

Der Ursprung dieser Entscheidungen bzw. Lösungen entstammte meinem eigenen ICH. Initiant dafür war der tief in mir verborgene Gottesfunke, d. h. mein Göttliches Überbewußtsein.

Hingegen werden als negative Entscheidungen die Gedanken oder Taten beurteilt, die durch egoistische Hintergedanken entstanden, die nicht ehrlich waren und mit denen ich anderen Nachteile oder Schaden zugefügt habe. Dies gilt auch dann, wenn sie der Welt als „gut" erschienen. Schlecht wurden auch die Entscheidungen beurteilt, bei denen ich jemandem etwas aufzwang, sei es eine Handlung, eine Idee, eine Meinung, oder wenn ich eine Handlung erpreßte. Diese Taten stellten alle einen Eingriff in den Lebensablauf des anderen dar, eine Einschränkung des freien Willens einer Person. Dasselbe galt auch, wenn ich mir selbst — aus irgendeinem Grund — etwas aufzwang, mich quasi selbst vergewaltigte, die Erfüllung meines Schicksals dadurch verhinderte. Negativ waren die Entscheidungen, denen ein böswilliger Ursprung wie Haß, Rache, Neid, Machtgier, Geldgier, Habsucht, Eitelkeit, Eifersucht, Stolz usw. zugrunde lag und durch die ich somit gegen das kosmische Harmonie–Gesetz handelte.

Wenn ich jetzt darüber nachdenke, welche Szenen ich im Tod als nicht gut erlebt habe, erschrecke ich darüber, wie viele sogenannte gute Taten, d. h. diejenigen, die ich mit pflichtbewußtem Willen vollbracht habe, um jemanden glücklich zu machen, die also mit Selbstaufopferung und Rücksicht auf andere verbunden waren, nicht in die positiven harmonischen Szenen eingereiht wurden. Ich habe oft darüber nachgedacht. Aber plötzlich erkannte ich, daß man die göttliche Harmonie stört, wenn man sogenannte „gute Taten" erzwingt, denn das Göttliche ist ohne jeden Zwang.

Ich erkannte auch, daß unsere Moralbegriffe im Jenseits keine Gültigkeit haben. Seit jener Zeit bin ich allen menschlichen Moralbegriffen gegenüber kritisch eingestellt."


Gerade im Hinblick auf die Erziehung unserer Kinder verlangen im Grunde Jankovichs Erfahrungen und seine daraus reslultierende Sicht ein völliges Umdenken.
Wie oft zwingen wir Kindern unsere Sicht der Dinge auf, unsere Moralbegriffe, die Kondensate unserer Erfarungen, die auf den uns anzerzogenen Zwangsvorstellungen von Moral und Leben beruhen.

Wir lassen Kinder zu oft nicht ihre ureigenen Ideen entwickeln und verwirklichen. Wir geben ihnen zu oft vor, was sie zu denken und zu tun haben. Oft geschieht das von Seiten der Erwachsenen unbewusst. Und es kommt hinzu, dass wir der Ansicht sind, dass wir es gut meinen. – In den Auswirkungen ist aber das Gegenteil der Fall.

Gemeint ist nicht und gewiss ist es nicht falsch, klare Anweisungen zu geben im Hinblick auf den Gebrauch des Konjunktiv I in der indirekten Rede, im Hinblich auf eine ordentliche Heftführungen oder den richtigen Tempusgebrauch im Englischen, im Hinblick auf Anstandsregeln, Regeln also, die den angemessenen Umgang mit anderen Lebewesen oder Dingen betreffen.
Das ist nicht gemeint.
Gemeint sind kindliche Sichtweisen, die wir uns nicht wirklich anhören, sondern sofort korrigieren und sich nicht entwickeln lassen.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn ein Kind etwas nicht einsieht, oft etwas dahintersteckt, was es nicht sagen kann oder sich nicht (mehr) zu sagen erlaubt.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn ich die Geduld besaß zu warten, was ein Kind sagen möchte und es nicht unterbrach, nachdem die ersten Sätze nicht meinen Erwartungen entsprachen, oft Inhalte kamen, die mich verblüfft haben.

Wir sind viel zu sehr noch Sklaven der eigenen Zwänge, die aus unserer Erziehung resultieren, die - gerade in unserer Schulzeit - oft auf Zwang und vorgefertigten Versatzstücken beruhte.

Freiheit des Geistes bedeutet, der Unberührtheit des kindlichen Geistes wieder mehr Respekt zu zollen und warten zu können, ob nicht für uns Erwachsene eine tiefe Wahrheit in ihm verborgen ist, vor der unsere Zwanghaftigkeit in Wahrheit Angst hat.

mehr zu dieser Thematik hier