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Donnerstag, 29. Oktober 2009

>Heilung unerwünscht< – Ein mutiger Film erschüttert die Republik!


Unter dem folgenden Link findet sich in der rechten Seitenleiste unter "Mediathek" die Möglichkeit, die Sendung nochmal anzusehen.

Das Folgende - der WDR-Link wurde von mir eingefügt - habe ich übernommen aus DasErste.de:


Rückschau: Heilung unerwünscht (WDR)
Wie Pharmakonzerne ein Medikament verhindern
Film von Klaus Martens

Anmerkung der Redaktion:

Die Ausstrahlung der Dokumentation "Heilung unerwünscht" hat enorme Resonanz ausgelöst. Der Film berichtete über den gescheiterten Versuch eines Erfinders, eine Creme gegen Hautkrankheiten in Kooperation mit großen Pharma-Konzernen zu vermarkten. Das Thema sorgt für reichlich Diskussionsstoff.
Ausführliche Informationen finden Sie beim WDR.

Die Zahl der Kinder, die unter Neurodermitis leiden, steigt stetig.; Foto: WDRlupeDie Zahl der an Neurodermitis erkrankten Kinder steigt stetig.
Millionen Menschen leiden unter schweren Hauterkrankungen. Vielen könnte geholfen werden, wenn man sie mit einer neu erfundenen Spezial-Salbe behandeln würde. Das haben Wissenschaftler und Ärzte festgestellt. Doch die großen Pharmakonzerne weigern sich, die Erfindung auf den Markt zu bringen. Warum nur?


Zu wirkungsvoll und zu preiswert?

Die B-12-Creme; Foto: WDR
lupeDie B-12-Creme
Die Salbe ist wohl "zu" gut: Weil das Mittel gleichermaßen wirkungsvoll wie preiswert ist, fürchtet die Pharmaindustrie offenbar die Konkurrenz zu den eigenen viel teureren Mitteln. Einige Konzerne wollen die Patentrechte des Medikaments sogar kaufen, um dessen Vermarktung komplett zu verhindern. Das "Aspirin für die Haut" soll auf keinen Fall in den Handel kommen.

Redaktion: Mathias Werth
Ein weiterer Link zu Hinweisen auf das Treiben der Pharmaindustrie.
Deren auch wertvolle Arbeit sehe ich durchaus; leider gibt es diese dominante dunkle Seite nach Geld und Macht und Marktbeherrschung - zu Lasten kranker Menschen. Ich finde es schäbig, deren Not auszunutzen.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Altersrecycling und Personalabbau durch Kündigungen: Eine willfährige Justiz produziert eine Liste zerstörter Existenzen!

Ich glaub´s nicht, wenn ich das erste Beispiel auf news.de les

Gut, dass Menschen wie Hans-Joachim Selenz ihre Meinung deutlich sagen: hier.

Ich bin auch dafür, dass man den Anfängen wehrt, wenn Arbeitnehmer etwas klauen oder mitgehen lassen, aber es gibt auch Abmahnungen und ein Gespräch unter 4 oder 6 Augen, bevor zum sozialen Messer der Kündigung gegriffen wird..

Und ob ein Minister oder Manager noch nie einen Kuli hat mitgehen lassen, weil er ihm gefiel, oder seine Frau auf Geschäftskosten zum Friseur gefahren hat, möchte ich bezweifeln ... andere werden für dieses "Vergehen" entlassen ... wie zum Beispiel jene Bäckerei-Verkäuferin oder der berühmte Fall der Supermarkt-Kassiererin.

Wenn man das Folgende (Strafversetzung der Staatsanwältin Lichtinghagen) liest und es stimmt, was da steht, glaubt man, wir sind wirklich in einer Bananenrepublik. Was nutzen alle Weihnachts- und Neujahrsansprachen von Merkel, Köhler und Co, wenn mit Tieren im Tierheim menschlicher umgegangen wird als mit dem einfachen Bürger oder mit Justizbeamten, die ihre Pflicht tun.

Ich würde erwarten, dass auch die Kirche hier endlich den Mund aufmacht. Aber den Verkauf von Präservativen in Afrika zu torpedieren, ist der katholischen wichtiger als das Leid der Menschen vor der eigenen Tür.

Auf Deutsch gesagt ist es auf jeden Fall zum Zumwinkeln, vor allem aber zum Kotzen (sorry, muss sein)! Man mag nicht glauben, dass der Busfahrer, der trotz Magenproblemen sich zur Arbeit quält und für den Notfall aus der Firma eine Rolle Klopapier mitnimmt, wegen dieser die Kündigung erhält - zu Recht, nach Ansicht der Richter; es bleibt bei der Entlassung und kommt lediglich zu einem Vergleich. Der Job ist weg.

Dass Recht und Richter so unmenschlich sein können, so kategorisch, so wenig in der Lage abzuwägen - eigentlich gibt´s doch so was nur in einem drittklassigen Kabarett.

Tatsächlich: die Rechtsprechung willfährig im Dienste der Arbeitgeber! Mutig gegenüber den Kleinen, feige gegenüber den Großen.

Die Folge: eine Liste zerstörter Existenzen! Man denke an den Angestellten jener IT-Firma, der flog, weil er sein Handy im Büro aufgeladen hatte. Hoffentlich vergisst sein Chef nicht mal das Licht über dem Waschbecken auszumachen, wenn er sich für den Dienstschluss schön macht. Am nächsten Morgen muss er sich sofort selbst entlassen!

PS Ein unerwartetes aktuelles Schmankerl, dass den oben angesprochenen Entlassenen bitter aufstoßen muss.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Walzer der Liebe: Bertolt Brechts "Die Liebenden"


Seht jene Kraniche in großen Bogen! a
Die Wolken, welche ihnen beigegeben b
Zogen mit ihnen schon, als sie entflogen a
Aus einem Leben in ein andres Leben. b
In gleicher Höhe und mit gleicher Eile c
Scheinen sie alle beide nur daneben. b
Dass so der Kranich mit der Wolke teile c
Den schönen Himmel, den sie kurz befliegen, d
Dass also keines länger hier verweile c
Und keines andres sehe als das Wiegen d
Des andern in dem Wind, den beide spüren e
Die jetzt im Fluge beieinander liegen. d
So mag der Wind sie in das Nichts entführen: e
Wenn sie nur nicht vergehen und sich bleiben f
So lange kann sie beide nichts berühren. e
So lange kann man sie von jedem Ort vertreiben f
Wo Regen drohen oder Schüsse schallen. g
So unter Sonn und Monds verschiednen Scheiben f
Fliegen sie hin, einander ganz verfallen. g
Wohin, ihr? – Nirgends hin. – Von wem davon? – Von allen. g


Ich habe an anderer Stelle einen Grund genannt, warum ich kein Freund Brechts bin; es gibt noch weitere. Das aber kann mich nicht daran hindern, dieses Gedicht als eines der schönsten Liebesgedichte zu empfinden, die es gibt. Es ist unnachahmlich gut gestaltet. Drei Gründe möchte ich nennen:
Das betrifft einmal seinen Walzertakt: Die Endreime reimen sich im Dreiertakt: aba bcb cbc dcd ede fef gfg gg.
Der Walzer ist der Tanz Liebender. Und wenn die Kraniche, wie es heißt, beieinander liegen, so drehen sie sich doch umeinander, wie es die Reime tun. Wie Glieder einer Kette sich nicht verlieren, so sind die Liebenden unzertrennlich und in die Reimform ist diese Unzertrennlichkeit und zugleich der Herztakt, der Dreierrhythmus des Walzers eingeflochten.
Selten, dass so gekonnt in die äußere Form der Sinn hineingewoben ist.

Dieses Gedicht ist im Jambus geschrieben, einer regelmäßigen Abfolge von unbetonten und betonten Silben: Die Wólken, wélche íhnen beígegében - unbetont, betont, unbetont betont ... Der Jambus gleitet dahin wie der Flug der Vögel.
Und doch gibt es in diesem Gedicht Stellen, in denen der Akzent nach vorn gezogen ist, eine Möglichkeit, die Germanisten Tonversetzung nennen. In deutschen Gedichten kommt dies nicht so häufig vor, hier aber vor allem gleich zu Beginn, denn es wird nicht das "jéne" betont, sondern das "Séht". Ist der Akzent um eine Silbe nach vorn gezogen, so folgen dafür zwei unbetonte; dann geht es normal weiter.
Gekonnter und intensiver kann man den Blick des Lesers gar nicht zum Himmel richten als mit Hilfe dieser Tonversetzung an der auffälligsten Stelle des Gedichtes, der ersten Silbe: Séht!
Seht hin!
Seht hin, Kraniche!
Vögel ohnehin, aber Kraniche ganz besonders, vor allem seit Schillers Die Kraniche des Ibykus, sind Götterboten. In Schillers Ballade nehmen sie die Bitte des sterbenden Sängers auf. Als sein Auge bricht, bittet er die Kraniche, die gerade über ihn hinfliegen, seinen Tod zu rächen und die Mörder zu überführen. Und dies geschieht auf wunderbare Weise.
Kraniche sind auch Vögel des Glücks, vor der Paarung tanzt der Kranich.
Gemeinsam sind sie unverletzlich.
Am Ende seines zauberhaften Märchens vom Zauberspiegel heißt es bei Michael Ende: Wenn zwei zusammen in den Zauberspiegel schauen, werden sie wieder unsterblich.
Unsterblich waren und sind die Liebenden; richtig übersetzt weist uns auch der Beginn des Alten Testamentes darauf hin, warum zwei unzertrennlich zusammengehören.
Der Atheist Brecht, der dennoch die Bibel so schätzte, weiß in seinem Gedicht auch davon zu erzählen:

Wenn sie nur nicht vergehen und sich bleiben
So lange kann sie beide nichts berühren.

Dieses Gedicht gibt es in verschiedenen Fassungen, und eine ist jene in Brechts Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagony. In Mahagony organisiert die Schwindlerin Begbick käufliche Liebe. Und inmitten dieses käuflichen Geschehens singt Jenny mit Paul dieses Lied im Wechselgesang; ein aus dem Gewerbe der Liebe erwachtes Mädchen zeigt einem von seinem Gefühl überraschten Mann die Kraniche ... Symbol ungeteilter Liebe, in der sich die beiden vereinen:

Jenny: Sieh jene Kraniche in großem Bogen!
Paul: Die Wolken, welche ihnen beigegeben
Jenny: Zogen mit ihnen schon, als sie entflogen
Paul: Aus einem Leben in ein andres Leben.
(...)

Das Gedicht ist wohl vor der Oper entstanden. In der dort vorliegenden Fassung ist der Schluss anders gestaltet als oben und er zerstört den wunderbaren Mythos der Liebe, deshalb wollen wir ihn hier nicht einbringen. Heinz Politzer, ein 1978 verstorbener Schriftsteller und Literaturwissenschaftler, der an der University of California in Berkeley lehrte, hat es so formuliert: 
"Der Dichter war nicht nur ein auf seine Art Frühvollendeter, sondern auch ein früh Zerstörter (...) So zersetzte er mit List und Tücke die Schönheit."

Wir lassen sie bestehen, die vorliegende Fassung des Gedichtes - wie sie sich auch in der bekanntesten deuschen Gedichtsammlung von Echtermeyer/Wiese findet - , wir lassen also diese Fassung des Gedichtes und damit der Liebe bestehen, denn es gibt sie wirklich, die Schönheit, die Liebe, den Walzer des Herzens. 
Und wir wünschen uns, dass sie nicht davonfliegen, die Liebenden, sondern dass sie unter uns bleiben, denn unsere Erde braucht sie.
Dringend.



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