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Montag, 30. Dezember 2019

Nur mir, nur Gott gehört mein Leib. / Mir steht ein andrer Himmel offen ... - Richard Dehmels Romanze "Silvesternacht"


Silvesternacht. Viel’ Glocken läuten.
Fern graut die Großstadt her. Zwei Menschen sehn
den Dunst des Horizontes leuchten
und drüber die Millionen Sterne stehn.
Zwangvoll, um ein Weib nicht zu berühren,
lehnt ein Mann auf eisernem Balkone,
sagt mit trunknem, heiserm Ton,
während im Hause Gläser klirren:

Dort schläft im Dunst mein Eheweib,
und Du – besiehst mit mir die Sterne.
Und hinter uns trinkt Jemand Haut-Sauternes,
dem du gehörst mit deinem Leib,
mit deinem hoffnungsvollen Leib.
Himmel, Himmel, o könnt ich blind sein!
Lea! blind sein! noch einmal Kind sein!
Oh, du kennst wohl nicht dies Grauen:
klar und kalt wie Gott durchschauen:
nur aus Leid ist Glück zu bauen.
Alles Leid ist Einsamkeit,
alles Glück Gemeinsamkeit –

Er stockt. Die Glocken rings verstummen;
es ist, als ob die Sterne summen.
Die Stirn erhebend sagt ein schwangres Weib:

Nur mir, nur Gott gehört mein Leib.
Mir steht ein andrer Himmel offen,
als ihn die Leidenden ermessen.
Hast du dein eignes Wort vergessen:
Gott ist der Mensch, auf den wir hoffen?!
Uns ging kein Paradies verloren,
es wird erst von uns selbst geboren.
Schon reist in manchem Schoß auf Erden
ein neuer Menschensohn – der sagt:
so ihr das Himmelreich nicht in euch tragt,
könnt ihr nicht wie die Kindlein werden!

Es glitzern die Millionen Sterne;
zwei Menschen schauen in die Ferne.

Richard Dehmel hat in "Zwei Menschen", einem Roman in Romanzen, drei Umkreisen, bestehend aus jeweils 36 Gedichten/Romanzen zu jeweils 36 Versen, ein eindrucksvolles Kunstwerk geschaffen, das, 1903 veröffentlicht, seinen Ruhm als Dichter und Repräsentant deutscher Lyrik begründete. Manchesmal ist der Ton manchem zu Recht zu exaltiert, insgesamt aber wissen immer wieder einzelne Romanzen zu beeindrucken, so auch obige Romanze Silvesternacht, die deutlich macht, dass zwischen aller Jubel-Trubel-Stimmung es auch menschlich Bewegendes und bewusst Menschliches gibt. 
Aus der Sammlung Erster Umkreis: Die Erkenntnis)

Samstag, 28. Dezember 2019

"Meine Oma ist ´ne alte Umweltsau!" - Haben manche Leute (der WDR) eigentlich alle Maßstäbe verloren?

Gewiss ist das folgende Video vom WDR gelöscht worden und die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt äußerte, dass man betroffen sei, dass es so aussehen könne, als ob man Kinder instrumentalisiert habe. Die Aktion habe eine Satire auf die „zuweilen hysterische Klimadiskussion“ sein sollen, so der Sender per Facebook.

Davon abgesehen, dass das Wort "Satire" immer dann herhalten muss, wenn offensichtlich ist, dass Leute  Maßstäbe verloren haben:
Bedrückend ist, dass erwachsene Menschen Kinder mit so viel Engagement ein Lied singen lassen, das, alte Menschen als Sau zu bezeichnen, die sie ja nunmal aufgrund ihres Verhaltens offensichtlich sind, in der Seele von Kindern verankert.
Und dass diesen Kindern zugleich soufliert wird, dass es einem Gag zuliebe okay ist, alle älteren Menschen in Bausch und Bogen über einen Leisten zu scheren. 

Das soll den erwachsenen Produzenten samt dem Dirigenten nicht aufgefallen sein, dass sie Kinder von Wertschätzung und Respekt wegerziehen?

Die Scheinheiligkeit mancher Erwachsener ist einfach erschreckend. 

Für einen vermeintlichen Gag und Einschaltquoten opfert man die Erziehung zu Werten, deren Verlust in unserer Gesellschaft schon lange beklagt wird. Aber dann bei passender Gelegenheit über diesen Verlust jammern . . .




Freitag, 27. Dezember 2019

"... still versanken im Strom des Schauens zwischen uns die Schranken" - Richard Dehmels "Liebe"

Liebe

Du sahst durch meine Seele in die Welt,
es war auch deine Seele: still versanken
im Strom des Schauens zwischen uns die Schranken,
es ruhten Welt und Du in Mir gesellt.

Dein Auge sah ich liebevoll erhellt:
Erleuchtung fluteten, Erleuchtung tranken
zusammenströmend unsre Zwiegedanken,
in Deiner Seele ruhte Meine Welt.

Und selig fühlten wir, die blind und kalt
die Welt entzwein durch Lüste und durch Hehle,
vereint als Lauterkeiten unsre Fehle

durch dieses Blickes tiefe Lichtgewalt.
Denn Liebe ist die Freiheit der Gestalt
vom Wahn der Welt, vom Bann der eignen Seele.

Richard Dehmel, Liebe
Aus der Sammlung Lebensblätter

Richard Dehmel (1863-1920) war in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhundersts ein deutschlandweit bekannter Autor, der heute nahezu in Vergessenheit geraten ist. Damals war er - man möchte fast sagen - eine literarische Instanz und es wird berichtet, dass er vor über tausend Menschen mit anderen Literaten zusammen seine sozialdemokratisch orientierten Gedichte vortrug, die vielfach vertont und also auch gesungen wurden, u.a. im berühmten Münchner Kabarett Die Elf Scharfrichter.
Überregional bekannt geworden war er 1896, weil er wegen Verletzung religiöser und sittlicher Gefühle im Rahmen seines Gedichtes »Venus Consolatrix« gerichtlich verurteilt worden war.
Zumeist werden, wenn überhaupt, seine Gedichte, die die Arbeiterbewegung unterstützten, in Anthologien abgedruckt. Doch schrieb er auch viele Gedichte, die sich mit der Liebe zwischen Mann und Weib - Dehmel spricht zuallermeist von der Frau als Weib -, aber auch Gedichte, die sich mit der Sinnhaftigkeit des Lebens beschäftigen und bisweilen einen durchaus spirituellen, um nicht zu sagen okkulten Tonfall aufweisen. Wiederholt zum Beispiel werden die Toten in die Gedankengänge der Lebenden mit einbezogen.
Er schrieb, der Stimmung der damaligen Zeit gemäß, auch deutsch-nationale Gedichte, und es kommt nicht von ungefähr, dass er sich - immerhin 51 Jahre alt - 1914 als Kriegsfreiwilliger meldete. Bis 1916 war er an der West- und der Vogesenfront im Einsatz.
1920 verstarb er an einer Thrombose, möglicherweise als Folge einer Kriegsverletzung

Mehr mehr von ihm lesen möchte > Die Deutsche Gedichtebibliothek

Dienstag, 24. Dezember 2019

"Heut zündet uns das Herz die Sterne an / und Stille legt sich über alle Meere" - Sternenstille. Ein Weihnachtsgedicht von Constanze.

Auch heute werden noch wunderschöne Gedichte geschrieben:

Heut zündet uns das Herz die Sterne an
und Stille legt sich über alle Meere,
es scheint, als ob die letzte Erdenschwere
zerstiebt im funkelnden Gestirneplan
und aufgeht nur in lichten Augenblicken,
im klaren Schauen mag die Einheit glücken,
Vergangenes und Hoffendes in eins
zu einem leuchtenden Gesicht erhoben,
es lächelt nah und fern und von ganz oben
und birgt die Stimme eines ganzen Seins,
die Schönheit ist und Liebe – nur dies eine
auf Gottes großer, heller Sternenbahn,
aufflammt, entfacht mit Feuer selbst das Kleine
und weist die Richtung jedem Lebenskahn –
du himmlisch Ausgestreuter gibst dir Ehre,
legst still dein Herz heut über alle Meere!

("Sternenstille". Von Constanze am 23.12. veröffentlicht auf ihrem Blog Das poetische Zimmer https://bit.ly/2MnPodb)

Montag, 23. Dezember 2019

Als Deutscher muss man sich für diese Bundesregierung, für Heiko Maas und Angela Merkel schämen. Sie kuschen vor Mördern!

Putin und Assad lassen in Syrien seit Tagen Zivilisten zusammenbomben. Möge der Himmel diese Grausamkeiten Ihnen bald vergelten. - China ist nicht minder beteiligt. - Erschreckend finde ich ebenfalls, dass die Welt zusieht und schweigt!



PS.  Wie mir eine liebe Freundin heute Abend mitteilte, hat sie auf Bayern 5 gehört, wie der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Bedfort-Strohm die Zustände in Syrien angeprangert hat. Den genauen Wortlaut kenne ich nicht, aber immerhin hat wenigstens einer Flagge gezeigt. Schön wäre es vor allem dann, wenn er klar angesprochen hätte, dass zu viele heutige Regenten hundert- ja tausendfache Mörder sind.
Diese Tatsache muss als Bewusstsein in die Welt. Und sagen können es nur die, die nicht gleich umgebracht werden . . .

Samstag, 21. Dezember 2019

Wertvoller Panorama Beitrag: Selbst die Parteien, allen voran die christliche CDU und die ach so seriöse FDP - kaufen Likes.


  • Es lässt sich festhalten, dass u.a. unsere politischen Parteien bewusst Bürger irreführen . . . Aber dann in der nächsten Debatte wieder über Werteverfall jammern . . . was für Heuchler !!!
  • Es wird immer deutlicher, dass sich unsere Form der Parteiendemokratie überholt hat.
  • Politische Verbände, die zu solchen Mitteln greifen, haben im öffentlichen Raum nichts verloren!
  • Hier kannst Du den Beitrag anklicken/anschauen 






























Freitag, 20. Dezember 2019

"Christus wird in Armut und Niedrigkeit geboren!" - Søren Kierkegaard und warum die fette Gans und das Fest-Gedröhne nicht zu Weihnachten passen. -

Wenn es nach Søren Kierkegaard geht, könnte der Pfarrer zum 4. Advent oder in der Christ-Vesper eine Scheibe Brot hochhalten und sagen: "In diesem Moment müssen sich auf unserer Erde Menschen, wie wir hier, diese eine Scheibe Brot teilen. Jesus wurde von Beginn an für einen schmalen Weg geboren. Und ich predige über diesen schmalen Weg, der ich auf dem breiten mich befinde - wie die meisten von uns hier . . ."

Søren Kierkegaard in Zur Selbstprüfung der Gegenwart empfohlen
Christus ist der Weg. Das sind seine eigenen Worte, so muß es wohl die Wahrheit sein.
Und dieser Weg ist schmal. Das sind seine eigenen Worte, so muß es wohl Wahrheit sein. Ja, ob er es auch nicht gesagt hätte, es würde doch Wahrheit sein. Hier hast Du ein Beispiel davon, was »predigen« im höchsten Sinne ist. Denn ob Christus auch nie gesagt hätte: »die Pforte ist eng, und der Weg ist schmal, der zum Leben führet«, – sieh ihn an, und Du siehst gleich: der Weg ist schmal. Und eine ganz anders stetige und ganz anders eindringliche Verkündigung dessen, daß der Weg schmal ist, ist ja dies, daß sein Leben jeden Tag, jede Stunde, jeden Augenblick ausdrückt: der Weg ist schmal – als wenn sein Leben es nicht ausgedrückt, und er dann einige Male verkündigt hätte: der Weg ist schmal. Du siehst hier zugleich, daß es der größtmögliche Abstand von der wahren Christentums-Verkündigung ist, wenn ein Mann, dessen Leben täglich und stündlich und in jedem Augenblick das Gegenteil davon ausdrückt, etwa eine halbe Stunde lang das Christliche predigt. Eine solche Verkündigung verwandelt das Christliche in sein gerades Gegenteil. (. . .)  Es sind nicht zwei Wege da, ein leichter, gebahnter, auf dem der Verkündiger wandelt, während er verkündet, daß »der Weg« schmal sei, nämlich der wahre Weg, der Weg, auf dem er nicht wandelt, so daß seine Verkündigung die Menschen einladet, Christo auf dem schmalen Wege nachzufolgen, während sein Leben, was natürlich eine weit größere Macht ausübt, sie einlädt, dem Verkündiger aus dem leichten, gebahnten Wege nachzufolgen. Ist das Christentum? Nein, christlich sollen Leben und Verkündigung dasselbe ausdrücken, nämlich dieses: »der Weg« ist schmal.
Und dieser Weg, welcher Christus ist, dieser schmale Weg, ist schmal in seinem Anfange.
Christus wird in Armut und Niedrigkeit geboren! fast wird man versucht, zu denken, es sei nicht ein Mensch, der da geboren wird – er wird in einem Stalle geboren, in eine Krippe gelegt, und, wunderlich genug, wird ihm doch schon als Kind von den Machthabern nachgestellt, so daß die armen Eltern mit ihm flüchten müssen. Das ist in Wahrheit sogar ein merkwürdig schmaler Weg, denn wenn man in Hoheit geboren wird, z.B. als Thronerbe, ja, dann kann es wohl geschehen, daß man den Nachstellungen der Mächtigen ausgesetzt ist; aber in einem Stalle geboren werden – das ist Armut und Dürftigkeit, die drückend genug sein kann; dann pflegt man aber sonst auch von den Nachstellungen der Mächtigen befreit zu sein.
Aber wie er bei der Geburt nicht zur Hoheit bestimmt scheint, so bleibt es auch ungefähr wie es im Anfang war: er lebt in Armut und Niedrigkeit, hat nicht, da er sein Haupt hinlege.
Dies würde wohl schon genug sein, um, menschlich geredet, von einem Wege zu sagen, daß er schmal sei. Und doch ist dies noch das Leichteste auf dem schmalen Weg.
Ganz anders schmal ist der Weg, und gleich von Anfang an. Denn sein Leben ist gleich von Anfang an eine Versuchungsgeschichte; die Versuchungsgeschichte ist nicht bloß ein einzelner Abschnitt aus seinem Leben, vierzig Tage, nein sein ganzes Leben ist, wie es auch Leidensgeschichte ist, so Versuchungsgeschichte.