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Montag, 30. März 2026

Anthroposophie und Zensur: Mein auf der FB-Gruppe "Freie Anthroposophie" gelöschter Beitrag zum Thema "Sexualität und Liebe"

Friedrich Hebbel, Das Heiligste 
Wenn zwei sich ineinander still versenken,
Nicht durch ein schnödes Feuer aufgewiegelt,
Nein, keusch in Liebe, die die Unschuld spiegelt,
Und schamhaft zitternd, während sie sich tränken; 
Dann müssen beide Welten sich verschränken,
Dann wird die Tiefe der Natur entriegelt,
Und aus dem Schöpfungsborn, im Ich entsiegelt,S
pringt eine Welle, die die Sterne lenken. 
Was in dem Geist des Mannes, ungestaltet,
Und in der Brust des Weibes, kaum empfunden,
Als Schönstes dämmerte, das muß sich mischen; 
Gott aber tut, die eben sich entfaltet,
Die lichten Bilder seiner jüngsten Stunden
Hinzu, die unverkörperten und frischen.

Friedrich Hebbel lebte von 1813 bis 1863 und wenn ich seine Verse, so beeindruckend in der Form eines Sonetts gestaltet, lese, dann dünkt mich, hier schrieb einer schon vor mehr als 150 Jahren aus einem geisteswissenschaftlichen Bewusstsein und aus einem Maria-Magdalena-Bewusstsein heraus.

Auf das geisteswissenschaftliche Bewusstsein komme ich später zu sprechen.
Es leidet leider ganz entscheidend darunter, dass Rudolf Steiner sich sehr widersprüchlich zur Sexualität geäußert hat und 1912 mehrfach eine ganz andere Sichtweise im Hinblick auf Sexualität äußerte als 1923. Auffallend ist, dass unter Anthroposophen fast ausschließlich jene Sicht zitiert wird, die bis heute fatale Folgen hat und in meinen Augen die Anthroposophie, was Sexualität betrifft, in eine mephistophelische Sackgasse geführt hat.

Bekanntlich hat ja Steiner auch beispielsweise im Hinblick auf die Ursachen von Schillers Tod seine Sicht innerhalb von 8 Jahren fundamental geändert.

Für mich persönlich sind beide Tatbestände kein Anlass, meine Wertschätzung und Dankbarkeit ihm gegenüber herabzusetzen.
Die Anthroposophie und ihre Gesellschaft hatte über 100 Jahre hinweg Zeit, die offen zutage liegende Widersprüchlichkeit zur Sprache zu bringen und dahingehend zu nutzen, klar anzusprechen, dass das Sexuelle und Sexualität Grundlage für unsere Himmelfahrt ist - in Anlehnung an Magdalena:

Die Kirche behauptet, dass ich eine Hure war, doch ich sage euch jetzt, dass die Kirche die Hure ist, denn sie will euch weismachen, dass Frauen verdorben sind und dass die sexuelle Leidenschaft zwischen einem Mann und einer Frau böse ist. Doch genau hier, in der magischen Anziehungskraft der Leidenschaft, entsteht die Grundlage für die Himmelfahrt.!
Und an anderer Stelle formuliert sie:
"Die Geheimnisse der Erhöhung des Bewusstseins durch heilige Sexualität, so wie Jeshua und ich sie praktizierten, wurden von der Kirche unterschlagen. Mir ist klar, dass nur eine Handvoll Menschen meine Geschichte verstehen wird, doch das genügt."
Maria Magdalenas "Manuskript" erschien ja in englischer Sprache erstmalig 2002 unter dem Titel "The Magdalena Manuscript", für mich mit drei Schwerpunkten:

- Sie entlarvt die Kirche - übrigens haben auch Jeanne Ruland & Marion Hellwig in "Maria Magdalena. Lebe und heile deine Weiblichkeit" die Story von der Dämonenaustreibung entlarvt -; 

- mit der größten Selbstverständlichkeit spricht sie von der Bedeutung des Weiblichen
ich sage euch jetzt, dass im Herzen, im Verstand und in der Körperweisheit des Weiblichen einige der größten Geheimnisse und Kräfte ruhen, die darauf warten entdeckt zu werden. Und sie offenbaren sich alle durch die gegenseitige Berührung!
- und sie vermittelt die Bedeutung der Ätherkörper, die im Altägyptischen Ka-Körper genannt wurden
In den Ka-Körpern der Liebenden selbst nimmt Horus Form an und fliegt ...
oder wie Hebbel auf seine Weise formulierte:
Gott aber tut, die eben sich entfaltet,
Die lichten Bilder seiner jüngsten Stunden
Hinzu, die unverkörperten und frischen.
Bevor ich mich Steiners Verständnis von und Verhältnis zur Sexualität zuwende - ein in meinen Augen viel zu lustloses - möchte ich sagen, dass niemand durch die Existenz des "Manuskriptes" von Magdalena sich getriggert fühlen möge. Es ist ein Angebot der Geistigen Welt in und für unsere Zeit; aber es gilt: jeder möge das Angebot finden, das für ihn angemessen ist.

Mir erscheint nur wichtig:
Jeder unter uns hat eine sexuelle Biographie und sie sollte unsere Beachtung finden und dabei spielt im Grunde keine Rolle, ob sie erfreulich ist oder nicht. Doch sich ihr zu stellen bedeutet, sich der lunaren und solaren Schlangen in uns zuzuwenden und Sorge zu tragen, dass sie nicht mehr - falls das der Fall ist - am Grunde der Wirbelsäule dahindümpeln. 

Es gibt keinen Weg zu Christus ohne das Sexuelle, ohne ein Bewusstsein für die Bedeutung des Sexuellen.

In einem an mich gerichteten Kommentar im Rahmen meines letzten Beitrages las ich: 
Das sexuelle wird (es) in der Zukunft nicht mehr geben und dies zum Glück. Es wird nur noch den Christus geben.
In diesem einen Satz offenbart sich für mich die ganze Crux einer dogmatischen, sexualfeindlichen Anthroposophie.
Wir dürfen dem Sexuellen dankbar sein, denn der Sexualität, verbunden mit der Trennung der Geschlechter, verdanken wir unsere Fähigkeit zu denken und ohne das Sexuelle gäbe es nicht Christus als Erdenherr und Bewusstsein der Menschheit. Ich habe ja auf die Stelle in Steiners GA 93a verwiesen, in deren Rahmen er sich entsprechend äußert.

Für das Dilemma in Sachen Sexualität, in dem sich die Anthroposophie befindet, ist Steiner meines Erachtens maßgeblich mitverantwortlich. 

1912 äußert er in der GA 143:
Sexualität und Liebe haben gar nichts miteinander zu schaffen. Sexualität ist etwas, das mit der reinen, ursprünglichen Liebe überhaupt nichts zu tun hat.
Und in der GA 133 äußert er sich vergleichbar.
1923 spricht Steiner sich allerdings ganz anders aus, ja gegenteilig:
was in der Sexualität ursprünglich lebt, ist durchdrungen von der geistigen Liebe. (GA 225, S. 182)
Das ist eine völlig andere Sicht auf das Sexuelle und die Sexualität.

Die ultimativen Formulierungen aus dem Jahr 1912 haben mit dazu beigetragen, dass Anthroposophen, vor allem dann, wenn sie mit der Sexualität Schwierigkeiten haben (und das ist keine Schande), in ihnen ihre Einstellung legitimiert sehen, sie totzuschweigen, eine Einstellung, die Luzifer und Ahriman in die Hände spielte und spielt.

Natürlich hat der Materialismus zu einer Dämonologie der Liebe in der Sexualität geführt und dass so viele Menschen Liebe und Erotik in eins setzen, desgleichen Liebe und Sexualität.

Doch das ist es ja, was Anthroposophen genau nicht übernehmen dürfen!

Steiner hat ein entgeistetes Sexuelles 1912 zur Grundlage seiner Äußerungen gemacht. Dabei ist das Sexuelle eine Schöpfung der Geistigen Welt zum Leben hin, zu Christus, dem Sohn. 

Gäbe es einen Sohn ohne das Sexuelle?

Sexualität ist durchdrungen von der geistigen Liebe.

In einem weiteren Kommentar wurde Bezug genommen auf die wegweisende Aussage Steiners
"Das Sexuelle, das in der lemurischen Zeit herauskam, das wird, wenn wir es zurückverfolgen, wenn wir es in seiner immer höheren und höheren Natur sehen, der zweite Logos. Durch das Kama-Prinzip heruntersteigend wurde es Jehova; durch das Buddhi-Prinzip hinaufsteigend wurde es das Christus-Prinzip.“ (GA 93a, S. 149)
und gefragt:

"Was heisst das konkret, durch das Kama-Prinzip herabsteigend wurde es zu Jehova, durch das Buddhi-Prinzip hinaufsteigend zum Christus-Prinzip?Was ist damit gemeint mit dem zweiten Logos, wo im gleichen Satz ein Zurückverfolgen und ein Zukunftsprinzip angesprochen ist -„das wird…“

Die Fragen waren mir, als ich sie las, sehr bekannt, ich hatte sie mir nämlich auch gestellt und ich war eine ganze Weile ziemlich verzweifelt, weil ich spürte, dass, wenn ich sie nicht beantworten kann, ich nicht wirklich die Bedeutung des Sexuellen verstehe.
Ich bin kein Steiner-Experte und dass ich hier überhaupt nur schreibe, liegt daran, dass ich den Klängen der Hathoren folge und so auf das Magdalena-Manuskript gestoßen bin, dessen Inhalt zum Wertvollsten gehört, was ich gelesen habe; wenig später traf ich auf obigen Steiner-Satz zum Sexuellen und fand: 

Das genau ist es, was doch auch Magdalena möchte: mit Hilfe des Sexuellen zu Christus. 

Wobei für mich außer Frage ist, dass damit nicht unbedingt nur gelebte körperliche Sexualität gemeint ist; viele leben ja allein oder leben in einer Beziehung, in der Magdalenas ´Praxis der vier Schlangen´ schon allein deshalb nicht möglich ist, weil der Partner davon nichts wissen will.
Nein, es geht darum sich bewusst zu werden, dass wahrhaft Männliches und wahrhaft Weibliches in uns aufsteigen und wie die solare und lunare Schlange miteinander im Gespräch sein können, die eine schwarz, die andere golden, wobei das Schwarz der weiblichen Schlange eine tiefe Bedeutung hat. - Aus der Sicht Magdalenas:
Aus der von Sonnenlicht durchfluteten Perspektive des männlichen Prinzips trägt das weibliche Prinzip einen dunklen, feuchten, gefährlichen Abgrund in sich. Das solare Prinzip fühlt sich von der Dunkelheit des lunaren Prinzips bedroht. Doch durch die Vereinigung von Sonne und Mond, durch die Vereinigung des maskulinen und des femininen Prinzips, im Gleichgewicht und energetisch ausgeglichen, kann wahre Erleuchtung erreicht werden.
Was bedeutet es nun, dass das Sexuelle durch das Kama-Prinzip herabsteigend Jehova wurde?

Luzifer hatte die Absicht, so vermittelt Steiner, die Sexualität wegzuschaffen und den Menschen ganz im Geistigen aufgehen zu lassen. Hier nun kommt Jahve ins Spiel, dem das physische Leben wichtig ist und der den Menschen an das physische Leben zu binden vermag - man kann auch unter diesem Aspekt das Alte Testament lesen. Er vereitelt die Pläne Luzifers und ist auch deshalb von Bedeutung, weil es ohne Erde kein Christusbewusstsein gibt.
Dass der Mensch wie im Buddhismus aus dem Rad der Wiedergeburten entkommen will, entspricht nicht dem Christusbewusstsein.
Wir sind hier, um die Erde heiligen zu helfen, ja, eine neue Erde zu bauen. 

In der vorchristlichen Jahve-Phase spielt Kama, spielen die Begierden, Triebe, das sexuelle Verlangen, Genusssüchte eine bedeutende Rolle; sie sind es zum einen, die den Menschen an die Erde binden und dass sie das so gründlich tun, hängt damit zusammen, dass die luziferische Versuchung früher, als von der Geistigen Welt geplant, kam.
Kama ist zugleich Voraussetzung dafür, dass wir - auch aus damit verbundenen tiefen Leiderfahrungen - ein tiefes Bewusstsein für das bekommen, was uns heute bewegt: Christus.
Er ist es, mit dessen Hilfe wir Kama überwinden. 

Das Sexuelle, das in der geistigen Liebe wurzelte und durch Luzifer verschüttet wurde, findet zurück zur geistigen Liebe in Christus, die nun allerdings eine andere Qualität hat. 

Wir verstehen unsere Zukunft, wenn wir zurücksehen. Die geistige Konsistenz, die wir an unserem Ausgangspunkt, dem alten Saturn - wie Steiner die erste Erdinkarnation nannte - hatten - wir waren Wärme, Feuer - werden wir zukünftig wieder haben. Nur werden wir bewusst Geist, bewusste Wärme, bewusstes Feuer sein.
Wir finden auch den zweiten Logos, den Sohn, in der Vergangenheit. Wir werden ihn in der Zukunft finden, wenn wir Christus in Bewusstheit annehmen. 

Dies ist möglich, weil es das Sexuelle gibt, wie es seit Lemurien existiert!

Dass wir im Moment Zeugen schrecklicher Verirrungen werden, gehört zu diesem Prozess dazu. 

Was ich bedauerlich finde, ist, dass die Anthroposophie insgesamt so wenig die Stimme öffentlich erhebt. Es hängt damit zusammen, dass in ihr die geistig-sexuelle Energie blockiert ist.

Möge sich das ändern!

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