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Freitag, 27. März 2026

Warum Anthroposophen nicht zu Christus, zum Christusbewusstsein gelangen.

Gewiss gibt es unter Anthroposophen (beiderlei Geschlechtes) Ausnahmen und im Übrigen gilt auch für viele spirituell orientierte Menschen, was für Anthroposophen gilt.

Rudolf Steiner hat eine engstmögliche Verknüpfung zwischen dem Sexuellen und Christus konstatiert und obwohl ein entsprechendes Bewusstsein Voraussetzung für einen Zugang zu Christus ist, meidet die anthroposophische Community das Thema "Sexualität" wie der Teufel das Weihwasser. Dabei hat Steiner in seiner GA 89 darauf aufmerksam gemacht, dass Menschen mit entsprechenden Ängsten und Vermeidungsstrategien sich in der Gewalt Luzifers befinden, dessen Absicht es war und ist, „
die Sexualität wegzuschaffen und den Menschen vollständig im Geistigen aufgehen zu lassen.“ 

Anthroposophen erkennen gar nicht, wie sehr sie sich in der Gewalt Luzifers befinden, indem sie das Thema der Sexualität meiden. 

Ganz erfreulich mag da erscheinen, dass in der Februarausgabe des "Goetheanum" sich ein Artikel findet, überschrieben "Wenn Geist und Körper sich finden" und er beginnt:
Sexualität verbindet Körper und Geist auf einzigartige Weise. Aber es fällt schwer, unbefangen darüber zu sprechen. Zwischen digitaler Omnipräsenz und spiritueller Verdrängung droht das Intime, Heilige dieser Art von Begegnung verloren zu gehen. Ein Plädoyer für eine Erotik, in der Eros, Philia und Agape zusammenwirken und den ganzen Menschen meinen.
Erstaunlich ist, dass in dem gesamten Beitrag sich nicht ein einziges Zitat bzw. Verweis auf die Sicht Steiners zur Sexualität findet bzw. ein Bezug zum Christusbewusstsein hergestellt wird. Im Grunde könnte dieser durchaus lebendig geschriebene und gut lesbare Artikel in jedem schöngeistig offenen Journal stehen, wobei er auch noch schließt:
Die Sexualität ist in Gefahr, wieder etwas zu werden, wovor wir uns schützen wollen, weil sie uns mit etwas Unverfügbarem auch in uns selbst konfrontiert.
Wieder etwas zu werden?
Sie ist es doch und mit Hilfe der Kirche (und den Anthroposophen) seit hunderten von Jahren.

Es ist im Übrigen Altmeister Goethe, der in der Gestalt des Mephistopheles dem Doktor Faust ein Wesen gegenübertreten lässt, das - um Steinersches Vokabular aufzugreifen - ahrimanische und luziferische Verführungskünste vereint. Wenn Faust wider besseres Wissen Gretchen ansäuselt:"Gefühl ist alles", dann grinst Luzifer um die Ecke; wenn Mephistopheles Faust dazu bringt, in der Hexenküche den Trank der Hexe zu trinken, damit der Gelehrte sexuell endlich auf Touren kommt, dann grinst Ahriman sich eins. Auf diesem Hintergrund macht Steiner darauf aufmerksam:
Die normale Entwickelung des Menschen auf der Erde besteht ja darinnen, dass sich auf der Erde das Menschengeschlecht durch die Geschlechter fortpflanzt. Aber Mephistopheles wollte auf der Mondenentwickelung zurückbleiben. Er wollte das daher nicht haben, dass die Liebe zur Liebe der Geschlechter auf der Erde führt. Mephistopheles ist der Feind der Liebe der Geschlechter auf der Erde. Der ganz entschiedene Feind ist er. Er fühlt sich daher - und Goethe charakterisiert das ganz richtig - außerordentlich dazu berufen, alles dasjenige ad absurdum zu führen, was irgendwie zur Geschlechterliebe führt. Was er veranlassen will in der Beziehung des Faust zu Gretchen - lesen Sie nur mit Aufmerksamkeit die Gretchen-Szenen, da werden Sie überall spüren, er will da allerlei, was das Amt des Ahriman-Mephistopheles ist.
Aber die Liebe zwischen Faust und Gretchen, die wirkliche menschliche Erdenliebe, die will er nicht aufkommen lassen, weder bei Faust noch bei Gretchen will er sie eigentlich dulden. (GA 272, S. 281) 
Für Leser, die sich im Denken Steiners nicht auskennen, sei gesagt, dass mit der Mondenentwicklung die unserer augenblicklichen Erde vorausgehende Inkarnation unseres Planeten angesprochen ist, die Steiner als "alten Mond" bezeichnet.

Jedenfalls sind sich Luzifer (die biblische Schlange, Diabolo, im Koran "Iblis") und Ahriman, also Satan bzw. der "Geist der Finsternis" einig: Geschlechterliebe wollen sie nicht. Einig wie sonst selten sind sie sich, weil ihnen die Gefahr viel zu groß ist, dass sie den Menschen zu Christus führt. Den diesbezüglich wichtigsten Satz finden wir in der Aussage Steiners:
Das Sexuelle, das in der lemurischen Zeit herauskam, das wird, wenn wir es zurückverfolgen, wenn wir es in seiner immer höheren und höheren Natur sehen, der zweite Logos. Durch das Kama-Prinzip heruntersteigend wurde es Jehova; durch das Buddhi-Prinzip hinaufsteigend wurde es das Christus-Prinzip. (GA 93a, S. 149)
Wenn Steiner seine Aussage im Präteritum formuliert, dann deshalb, weil das Buddhi-Prinzip, also Christus, seit Golgatha gilt - als Möglichkeit; verwirklichen muss es in sich jeder selbst, dann wird das Sexuelle in der Liebe zu einem anderen und zu uns das Christus-Prinzip. Ohne Bewusstsein für die Bedeutung des Sexuellen aber geht das nicht. In der Regel verweigern sich Anthroposophen diesem Bewusstsein, indem sie nicht über die Bedeutung der Sexualität schreiben bzw. sprechen.

Warum?
Weil sie in den Händen des Mephistopheles sind.

Oft mag dahinter eine tiefverwurzelte Angst vor - wie es Steiner nennt - Kama, dem Triebhaften, der Lust und Wolllust sich verbergen. Jeder hat all das in sich. Wer es mit offenen Augen anschaut, wer mit seinem Kama, seiner Lust und Wolllust, seiner Sexualität im Gespräch ist, verwandelt sie zur Buddhi-Energie. Jesus und Maria Magdalena haben das vorgelebt.

Ich weiß nicht, wieviel tausend Beiträge über das Leben Steiners abgefasst worden sind, über die soziale Dreigliederung oder den Bau des Goetheanums oder die Weihnachtstagung. Anthroposophen bleiben jedoch an entscheidender Stelle verklemmt und Mephisto lacht sich eins und freut sich über die üblichen Vorträge. Und es mag kein Zufall sein, dass in dem im Rudolf-Steiner-Verlag erschienenen "Stichwort Sexualität" mit seinen über 100 Auszügen zum Thema Sexualität im Werk Steiners ausgerechnet jener von mir oben zitierte fehlt, der für mich am deutlichsten die Beziehung zwischen dem Sexuellen und dem Christusbewusstsein herstellt.
Es geht ja nicht um eine neuerliche sexuelle Revolution und dass alle Anthroposophen Sexmonster werden.
Es geht um jene von Maria Magdalena in ihrem von Tom Kenyon und Judi Sion veröffentlichten "Manuskript" so bezeichnete Alchemie des Horus, also jenem Bewusstsein, das aus der Vereinigung von Osiris und Isis hervorgeht und in der altägyptischen Mystik Horus genannt ist.
Steiner schreibt dazu:
Dieses Zusammengehen des väterlichen Geistes mit der mütterlichen Materie wurde in Ägypten als das Zusammengehen von Osiris und Isis beschrieben. Was da entstand, war Horus. (GA 93a, S. 142) 
Und an anderer Stelle des Weiteren: 
Dieser Mensch, der nicht der äußere, physische Mensch ist, sondern der Mensch, der zum geistigen Licht aufzustreben immerfort den Ansporn hat, immer von den verborgenen Isis-Kräften getrieben wird, ist es, der wie der irdische Sohn des nicht in der irdischen Welt aufgegangenen, sondern in den geistigen Welten verborgen gebliebenen Osiris erscheint. Dieser unsichtbare Mensch, der Mensch des Strebens nach dem Höheren Selbst, wurde von der ägyptischen Seele als Horus empfunden, als der nachgeborene Sohn des Osiris. (GA 60, S. 360f)
Dieses Aufstreben kann durch eine der Sexualmagie der Isis verwandte körperliche Liebe zwischen zwei Liebenden, wie sie Magdalena in ihrem "Manuskript" und ich in meinen beiden Videos zur spirituellen Sexualität auf YouTube anspreche, geschehen, wenn und weil sich durch Verwandlung des Ätherkörpers in der Liebe Bewusstsein entwickelt.  Aber Magdalena sagt auch, "dass die alchemistischen Praktiken des Horus sowohl für Menschen, die ihren Weg alleine gehen, als auch für Menschen in Partnerschaft geeignet seien. Der Hauptunterschied besteht darin, dass ein Mensch, der alleine praktiziert, die Energie und Ekstase aus sich selbst heraus erschaffen muss, während diejenigen, die sich in heiligen tantrischen Beziehungen befinden, diese Energie in Ekstase spontan aus dem sexuellen Akt gewinnen. " (Tom Kenyon et al., S. 50)
Für die Verwandlung des Ätherkörpers finden sich in Tom Kenyons und Judi Sions Buch einige Übungen.

Das oben angesprochene Thema ist für mich auch deshalb so wichtig, weil es Anthroposophen sein müssten, die zunächst an ihren Schulen einen inhaltlich neu gestalteten Sexualkundeunterricht ein- und durchführen müssten. Wie sonst sollen unsere Jugendlichen zu einem Bewusstsein für ihren Ätherkörper und der Bedeutung körperlicher Liebe gelangen, die diese so wertvoll und heilig macht.
Im Grunde sind es Anthroposophen, die wider mögliches besseres Wissen diesen Zugang für unsere Jugendlichen versperrt sein lassen. Abgesehen davon, dass sie meiner Wahrnehmung und Erfahrung nach sich selbst erfolgreich blockieren.

In dieser Zeit des Aufwachens sind Änderungen Gott sei Dank möglich, ja wahrscheinlich.

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