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Mittwoch, 22. April 2026

Fluch und Segen der Theosophie / Anthroposophie - deren grundlegendes Dilemma

Es wird kaum einen Anthroposophen geben, der nicht den Worten Rudolf Steiners aus der GA 93 zustimmen wird:
(Die theosophische Bewegung) bereitet auf geistigem Gebiet vor, was später auf dem physischen Plan geschehen wird: die Wiedervereinigung der Geschlechter. Auch die geteilte Weisheit muss wieder in die eine göttliche Weisheit zusammenfließen. Im Menschen muss durch die theosophische Weisheit ein Ausgleich gefunden werden zwischen der religiösen Priesterweisheit und der freimaurerischen Weisheit. Die Weisheit der Zukunft muss geholt werden aus dem höheren Menschen heraus, der in beiden Menschen gleich lebt, dem weiblichen und dem männlichen. Das zu entwickeln, worauf es ankommt, worauf der physische Plan gar keinen Einfluss mehr hat, das ist der Zweck der theosophischen Bewegung. Die Theosophie ist tatsächlich die männlich-weibliche Weisheit, die für beide Geschlechter gleich gültige Weisheit. Durch die Lehre von der Reinkarnation erkennt man, dass dasjenige, was bei jeder neuen Wiederverkörperung zum Ausdruck kommt, nicht die Persönlichkeit des jeweiligen Erdenlebens ist, sondern dass der Kausalkörper, die Entelechie, sich geschlechtslos aufbaut.
Wenn wir uns dieser bewusst werden, so lebt in uns geistig auf, was über dem Geschlechtlichen steht, was unabhängig ist von dem, worauf sich die Gegnerschaft der beiden Strömungen [also der weiblichen Priesterweisheit und der männlichen Kainsweisheit] gegründet hat. So ist die Theosophie die ausgleichende Bewegung, und sie allein kann den Ausgleich herbeiführen. Erst in der Theosophie kann man von einem Okkultismus sprechen, der beide Geschlechter gleichmäßig angeht. Nur von da aus kann man sich einen wirklichen Ausgleich zwischen beiden Geschlechtern denken. Nur die theosophische Bewegung kann das vollziehen.
Auch jemand, der der anthroposophischen Bewegung nicht angehört oder sich nicht dezidiert als Theosophen bezeichnet, wird Obigen zustimmen, wenn wir unter Theosophie das verstehen, was der Begriff wiedergibt: ein Bewusstsein, das sich in der Weisheit des Göttlichen gründet, das also die Gegnerschaft zwischen Männlichem und Weiblichem überwindet, die sich in der Wirklichkeit der Erde manifestiert hat und zu einem Miteinander beider Geschlechter kommt, was nicht bedeutet, dass ständig ein Pari-Zustand zwischen Männlichem und Weiblichem existiert, dass aber insgesamt beide Geschlechter sich in Wertschätzung einander ergänzend bereichern und - so Rudolf Steiner - im menschlichen Wesen der Zukunft wieder zueinanderfinden.

Das Dilemma der Steinerschen Gefolgsleute - und ich mache dafür im Übrigen nicht Steiner verantwortlich, denn es wäre Sache seiner Nachfolger gewesen, die Thematik mit der realen physisch-materiellen Welt zu verbinden - ist, dass wunderbar über das Geschlechtliche, über die Kains- und Abelströmung gesprochen werden kann und auch wird, dass aber über die Realisierung des Geschlechtlichen in der Wirklichkeit der Menschen, also einer gelebten Sexualität in all ihren Facetten, einer wunderbaren und zugleich oft so schwierigen Körperlichkeit, nicht gesprochen wird.

Das Dilemma von Faust und Margarete ist auf dem Theater zugelassen und 
wird immer wieder regelmäßig in Aufführungen beifällig von der anthroposophischen Community bewundert, aber die reale Körperlichkeit bleibt, sieht man die Beiträge im Rahmen der Anthroposophie an, außen vor - das Bett als Möglichkeit, den Körper dort zur Meditation niederzulassen - das war´s dann. 

Dass damit die gesamte Anthroposophie ein Opfer ahrimanischen und luziferischen Ansinnens wird, die beide das Geschlechtliche aus unterschiedlichen Gründen aus der menschlichen Wirklichkeit eliminiert sehen möchten - das zu sehen wird sich standhaft geweigert. Dass mein zweiter Beitrag auf der Facebookgruppe "Freie Anthroposophie. Anthroposophie libre. Free anthroposophy" gelöscht und mein Profil dort blockiert wurde, steht ja nur für ein diesbezügliches Gesamtverhalten (siehe mein Beitrag vom 30. März diesen Jahres).
Öffnet sich die Anthroposophie hinsichtlich der Bedeutung des Sexuellen, das für Steiner durch Golgatha der zweite Logos wurde, wie er selbst äußerte (siehe Beitrag vom 27. März) nicht der Realität der Erde, wird diese Bewegung in dieser Form untergehen; sie muss es, damit Erde und Himmel sich wirklich verbinden und nicht nur der Himmel mit dem Himmel, der in Wahrheit luziferisch-ahrimanisch-anthroposophisch-theosophische Himmel mit dem göttlichen Himmel, der doch voller Sehnsucht auf die Vereinigung mit der Erde wartet, wovon schon Eichendorff in "Mondnacht" träumte:

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