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Mittwoch, 22. April 2026

Fluch und Segen der Theosophie / Anthroposophie - deren grundlegendes Dilemma

Es wird kaum einen Anthroposophen geben, der nicht den Worten Rudolf Steiners aus der GA 93 zustimmen wird:
(Die theosophische Bewegung) bereitet auf geistigem Gebiet vor, was später auf dem physischen Plan geschehen wird: die Wiedervereinigung der Geschlechter. Auch die geteilte Weisheit muss wieder in die eine göttliche Weisheit zusammenfließen. Im Menschen muss durch die theosophische Weisheit ein Ausgleich gefunden werden zwischen der religiösen Priesterweisheit und der freimaurerischen Weisheit. Die Weisheit der Zukunft muss geholt werden aus dem höheren Menschen heraus, der in beiden Menschen gleich lebt, dem weiblichen und dem männlichen. Das zu entwickeln, worauf es ankommt, worauf der physische Plan gar keinen Einfluss mehr hat, das ist der Zweck der theosophischen Bewegung. Die Theosophie ist tatsächlich die männlich-weibliche Weisheit, die für beide Geschlechter gleich gültige Weisheit. Durch die Lehre von der Reinkarnation erkennt man, dass dasjenige, was bei jeder neuen Wiederverkörperung zum Ausdruck kommt, nicht die Persönlichkeit des jeweiligen Erdenlebens ist, sondern dass der Kausalkörper, die Entelechie, sich geschlechtslos aufbaut.
Wenn wir uns dieser bewusst werden, so lebt in uns geistig auf, was über dem Geschlechtlichen steht, was unabhängig ist von dem, worauf sich die Gegnerschaft der beiden Strömungen [also der weiblichen Priesterweisheit und der männlichen Kainsweisheit] gegründet hat. So ist die Theosophie die ausgleichende Bewegung, und sie allein kann den Ausgleich herbeiführen. Erst in der Theosophie kann man von einem Okkultismus sprechen, der beide Geschlechter gleichmäßig angeht. Nur von da aus kann man sich einen wirklichen Ausgleich zwischen beiden Geschlechtern denken. Nur die theosophische Bewegung kann das vollziehen.
Auch jemand, der der anthroposophischen Bewegung nicht angehört oder sich nicht dezidiert als Theosophen bezeichnet, wird Obigen zustimmen, wenn wir unter Theosophie das verstehen, was der Begriff wiedergibt: ein Bewusstsein, das sich in der Weisheit des Göttlichen gründet, das also die Gegnerschaft zwischen Männlichem und Weiblichem überwindet, die sich in der Wirklichkeit der Erde manifestiert hat und zu einem Miteinander beider Geschlechter kommt, was nicht bedeutet, dass ständig ein Pari-Zustand zwischen Männlichem und Weiblichem existiert, dass aber insgesamt beide Geschlechter sich in Wertschätzung einander ergänzend bereichern und - so Rudolf Steiner - im menschlichen Wesen der Zukunft wieder zueinanderfinden.

Das Dilemma der Steinerschen Gefolgsleute - und ich mache dafür im Übrigen nicht Steiner verantwortlich, denn es wäre Sache seiner Nachfolger gewesen, die Thematik mit der realen physisch-materiellen Welt zu verbinden - ist, dass wunderbar über das Geschlechtliche, über die Kains- und Abelströmung gesprochen werden kann und auch wird, dass aber über die Realisierung des Geschlechtlichen in der Wirklichkeit der Menschen, also einer gelebten Sexualität in all ihren Facetten, einer wunderbaren und zugleich oft so schwierigen Körperlichkeit, nicht gesprochen wird.

Das Dilemma von Faust und Margarete ist auf dem Theater zugelassen und 
wird immer wieder regelmäßig in Aufführungen beifällig von der anthroposophischen Community bewundert, aber die reale Körperlichkeit bleibt, sieht man die Beiträge im Rahmen der Anthroposophie an, außen vor - das Bett als Möglichkeit, den Körper dort zur Meditation niederzulassen - das war´s dann. 

Dass damit die gesamte Anthroposophie ein Opfer ahrimanischen und luziferischen Ansinnens wird, die beide das Geschlechtliche aus unterschiedlichen Gründen aus der menschlichen Wirklichkeit eliminiert sehen möchten - das zu sehen wird sich standhaft geweigert. Dass mein zweiter Beitrag auf der Facebookgruppe "Freie Anthroposophie. Anthroposophie libre. Free anthroposophy" gelöscht und mein Profil dort blockiert wurde, steht ja nur für ein diesbezügliches Gesamtverhalten (siehe mein Beitrag vom 30. März diesen Jahres).
Öffnet sich die Anthroposophie hinsichtlich der Bedeutung des Sexuellen, das für Steiner durch Golgatha der zweite Logos wurde, wie er selbst äußerte (siehe Beitrag vom 27. März) nicht der Realität der Erde, wird diese Bewegung in dieser Form untergehen; sie muss es, damit Erde und Himmel sich wirklich verbinden und nicht nur der Himmel mit dem Himmel, der in Wahrheit luziferisch-ahrimanisch-anthroposophisch-theosophische Himmel mit dem göttlichen Himmel, der doch voller Sehnsucht auf die Vereinigung mit der Erde wartet, wovon schon Eichendorff in "Mondnacht" träumte:

Samstag, 11. Oktober 2014

Auf dem wehenden Banner Phantasiens gesehen

Wenn ich selig bin
liege ich in den Armen
wie an der Mutterbrust
still und gestillt
wie damals
als ich selig war

- wenn es so war

Wenn ich selig bin
schweigt jede Sucht
jedes Suchen
keine Fata Morgana
kein falscher Genuss
kein eitles Geschwätz
Stille um mich
die Stille des Haines der Götter
versammelt um meine Wiege
deren Zeichen eine Harfe ist

Wenn ich selig bin
verstehe ich den Stall
damals in Bethlehem
ich verstehe das große Schweigen
zu Ehren der Ehrfurcht
die keine Furcht mehr ist
kein Selbstmitleid mehr
aus Furcht dass niemand da ist
der die Hand mir hält
wenn ich sterbe

Wenn ich selig bin
höre ich die Steine atmen
ich höre sie flüstern
Ich höre das Rauschen der Bäume
die glücklich sind 
über den Wind in ihren Armen
Hörst Du frage ich mich
die Ebbe der Welt
das Kommen der Flut

Wenn ich selig bin
trinke ich Nektar
auf der Hochzeit
von Himmel und Erde
und Gaia hält wieder
Uranos in den Armen
der keine Angst mehr haben muss
vor der Sichel des Kronos
denn die Zeit ist erlöst

Meine Zeit 
selige Zeit




Montag, 11. Februar 2013

Ich hör den Todesengel singen


Der Frost zieht um die Herzen einen Kreis.
Es stirbt das Land, es stirbt der Baum.
Künstliche Leidenschaft, die macht nicht heiß:
Für warme Herzen nichts als Traum
Im außen -
Der über wahre Zustände nichts weiß.


Dabei sehnt sich die Erde so
Wie niemals nach der Wärme Spuren.
In ihren Adern, die ganz blau
Gefroren in der Liebe Nirgendwo.


Die kindliche Kaiserin ist tot.
Unendlich sollte die Geschichte sein.
Nun ist beendet sie, das Buch ist zu.
Des Autors Name war Fanal zugleich.


Wo waren wir, als Hilfe ward ersehnt
Für Elbereth, Githoniel und Gaia.
Sie war ein Trugbild, war nur Maia,
In keinem Buch des Lebens je erwähnt.


Leben-dig sollte Leben sein,
Der Atem sollte Liebe bringen,
Stattdessen bracht er Hass hinein.
Es klirrt der Frost.
Ich hör den Todesengel singen.

Dienstag, 27. November 2012

Wir sehen nur 5 Prozent des Alls – 95 % sind dunkel!

Diese Tatsache ist nicht neu, aber dennoch höchst interessant, ganz einfach deshalb, weil sie mich darüber spekulieren lässt, ob wir auch unser Bewusstsein im Verhältnis zum Unbewussten überschätzen.
Wie oben so unten, lässt uns Hermes Trismegistos wissen und aus der Bibel kennen wir mehrfach das Wie im Himmel so auf Erden.  – Die Griechen sprachen vom Mikrokosmos, dem Menschen, und dem Gott Anthropos (anthropos bedeutet übersetzt Mensch) und meinen damit das göttliche Wesen des Menschen, eben den Makrokosmos, das All. Auch für sie bestand eine unmittelbare Korrespondenz zwischen beiden, dem kleinen Kosmos Mensch, dem Mikrokosmos, und dem großen Kosmos Gott-Mensch, dem Makrokosmos.

Bisher nahmen wir an, dass das Unbewusste zum Bewussten in einem Verhältnis von 70 zu 30 oder von 80 zu 20 Prozent besteht. 
Ist auch dieses für viele schon erstaunliche Verhältnis noch zu hoch gegriffen zu Ungunsten des Bewusstseins?
Ist unser Bewusstsein in Wirklichkeit noch geringer?
Ist das Verhältnis von Bewusstem zu Unbewusstem gar 5 % zu 95 %?

Wir wissen heute, dass der Kosmos entgegen aller Erwartungen sich ausdehnt. Ursprünglich hatte man angenommen, dass die gegenseitige Anziehung der Materie die Ausdehnung des Kosmos langsam abbremst. Doch er expandiert immer schneller – und niemand weiß, warum.

Und wir wissen auch wenig über jene Dunkle Materie und jene Dunkle Energie, die die Astronomen so in ihren Bann ziehen und über die sie nur Rückschlüsse ziehen können, weil sie ganz offensichtlich auf die sichtbare Materie einwirken.
Dunkle Materie ist ein unsichtbarer Stoff, der Licht jedweder Art weder aussendet noch absorbiert. Nachweisbar ist sie nur durch die Auswirkungen ihrer Anziehungskraft auf Galaxien und Galaxienhaufen. Noch mysteriöser ist die dunkle Energie, von der vermutet wird, dass sie eine Art Anti-Gravitationskraft erzeugt, die die Galaxien im ganzen Universum immer schneller auseinandertreibt. (ESA Kids, 27. 12. 2012)
Was die Astronomen erforschen, ist nicht nur Naturwissenschaft pur, denn sie betreiben zugleich Bewusstseins-Forschung. Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften hängen enger miteinander zusammen, als wir ahnen.
Oder können wir nicht beobachten, dass zwei chemische Elemente ganz eng miteinander verknüpft sein können! Manchmal tritt ein drittes hinzu, und die enge Verbindung löst sich zugunsten einer anderen, neuen; dann auf einmal vertragen die zwei, die vorher eng aneinander bandelten, sich überhaupt nicht mehr ...
Ist es in menschlichen Beziehungen nicht auch so? Da sind zwei liiert, ein Paar, und dann tritt eine Frau oder ein Mann in das Leben der beiden, und alles konstelliert sich neu ...

Bis zur kopernikanischen Wende dachte man, die Erde sei der Mittelpunkt des Alls, bis man erkannte, dass unter den ca. 100 Milliarden Sternen unserer Galaxie, der Milchstraße, unsere Sonne ziemlich an ihrem Rand liegt und wir auf der Erde nicht einmal ein Stern, sondern "nur" ein Planet sind, allerdings ein sehr schöner! Und unsere Galaxie ist ja nur eine von 20 innerhalb des Galaxienhaufens, zu dem wir gehören  und der sich Lokale Gruppe nennt. Und dieser ist nur einer von zigtausenden ...

Vielleicht ist es aber noch einmal anders:
Vielleicht ist jeder Mensch der Mittelpunkt des Alls.
Immer ist ein menschliches Bewusstsein ein Mittelpunkt des Alls ...

Wir sehen, soweit das Auge reicht.
Wobei wir mit den inneren weiter sehen als mit unseren physischen Augen.
Falls wir an ein inneres Auge glauben ...
Sehen können wir unsere inneren Augen ja nicht – wir können nur an sie glauben.
Wobei wir bekanntlich nur mit dem Herzen wirklich gut sehen.
Das Herz aber will glauben.
Ein Herz ohne Glauben ist wie ein ausgetrockneter Salzsee.
Solche Salzseen haben eine wahnsinnige Sehnsucht nach Wasser.
Nach dem Wasser des Lebens ...

Sonntag, 4. November 2012

Die Seele fliegt, soweit der Himmel reicht – Homo faber contra Philon von Alexandria und Eduard Mörike

Manchem mag die Überschrift meines Postes vom 13. Oktober – Vögelschwärme sind tanzende Galaxien, sind unsere Gedanken und Seelenflüge – reichlich mystisch vorgekommen sein, und mystisch bedeutet ja für den ein oder anderen (zu) entrückt, abgehoben, unbewiesen, irreal.

Nun, Mystiker, zu denen ich nicht die Ehre habe, mich rechnen zu dürfen, kümmern sich nicht um solche Wertungen. 
Auch Eduard Mörike nicht, der 21-jährig mystisch schrieb, dass seine Seele einem Kristall gleiche und er wahrnahm:

Die Seele fliegt, soweit der Himmel reicht.

Mörike bezog sich hier auf jenen existentiell wichtigen Moment zwischen Schlaf und Aufgewachtsein, kurz bevor –wie der junge Autor formuliert – der Tag "Die Purpurlippe, die geschlossen lag" durch seine "königlichen Flüge" vergessen macht.
Ein bemerkenswertes Gedicht, dieses An einem Wintermorgen, vor Sonnenaufgang.

Reichlich mystisch, könnte man meinen - und doch so wahr, wie ich darzulegen versucht habe.

Wem kommt nicht als Dokument eines Menschen, der Mystik total ablehnt, Homo faber kurz nach seinem Flugzeugabsturz in der Wüste von Tamaulipas in den Sinn, lange, bevor sich uns am Schluss des Buches ein ganz anderer präsentiert; da ist er nicht mehr jener, der zu Anfang mystisch gleich weibisch gleich hysterisch setzt und dementsprechend "philosophiert":

Ich glaube nicht an Fügung und Schicksal, als Techniker bin ich gewohnt, mit den Formeln der Wahrscheinlichkeit zu rechnen. Wieso Fügung? (...) Ich brauche, um das Unwahrscheinliche als Erfahrungstatsache gelten zu lassen, keinerlei Mystik. Mathematik genügt mir (...) Ich habe mich schon oft gefragt, was die Leute eigentlich meinen, wenn sie von Erlebnis reden. Ich bin Techniker und gewohnt, die Dinge zu sehen, wie sie sind. Ich sehe alles, wovon sie reden, sehr genau; ich bin ja nicht blind. Ich sehe den Mond über der Wüste von Tamaulipas - klarer als je, mag sein, aber eine errechenbare Masse, die um unseren Planeten kreist, eine Sache der Gravitation, interessant, aber wieso ein Erlebnis? Ich sehe die gezackten Felsen, schwarz vor dem Schein des Mondes; sie sehen aus, mag sein, wie die gezackten Rücken von urweltlichen Tieren, aber ich weiß: Es sind Felsen, Gestein, wahrscheinlich vulkanisch, das müsste man nachsehen und feststellen. Wozu soll ich mich fürchten? Es gibt keine  urweltlichen Tiere mehr. Wozu sollte ich sie mir einbilden? Ich sehe auch keine versteinerten Engel, es tut mir Leid; auch keine Dämonen, ich sehe, was ich sehe: die üblichen Formen der Erosion, dazu meinen langen Schatten auf dem Sand, aber keine Gespenster. Wozu weibisch werden? Ich sehe auch keine Sintflut, sondern Sand, vom Mond beschienen, vom Wind gewellt wie Wasser, was mich nicht überrascht (...) Wozu hysterisch sein? Gebirge sind Gebirge, auch wenn sie in gewisser Beleuchtung, mag sein, wie irgendetwas anderes aussehen, es ist aber die Sierra Madre Oriental, und wir stehen nicht in einem Totenreich, sondern in der Wüste von Tamaulipas, Mexiko, ungefähr sechzig Meilen von der nächsten Straße entfernt, was peinlich ist, aber wieso ein Erlebnis? Ein Flugzeug ist für mich ein Flugzeug, ich sehe keinen ausgestorbenen Vogel dabei, sondern eine Super-Constellation mit Motor-Defekt, nichts weiter, und da kann der Mond sie bescheinen, wie er will. Warum soll ich erleben, was gar nicht ist?

Wir wissen, wie viel dieser Homo faber erleben muss, damit sich seine enge Weltsicht - diese scheinbare Super-Constellation, die nicht von ungefähr hier abgestürzt ist – sprengt und seine weibliche Seite sich öffnen kann für eine neue Sicht auf das Leben.

Diese Sicht auf das Leben zeigt von alters her ein jüdischer Philosoph, der von 30 vor bis 40 nach Christus lebte, eben Philon von Alexandria, über die Seelenflüge der Weisen schreibend:

In Gedanken begleiten sie Mond und Sonne in ihren Umläufen, die Chöre der anderen Planeten und die Fixsterne; unten durch ihre Leiber an den Erdboden gebunden, verleihen sie jedoch ihren Seelen Flügel, so dass sie, über den Äther wandelnd, die Mächte bedenken, die sie dort finden.
zitiert nach Das geheime Wissen der Frauen. Ein Lexikon von Barbara G. Walker

Sonntag, 11. März 2012

♫ ♬ Auf dem wehenden Banner Phantasiens gelesen ♫ ♬ Über das Leben nach dem Leben

             
                 ♨

Manchmal ist es gut zu wissen, dass Menschen,
die uns auf der Erde verlassen,
in einer anderen Welt wie ein Neugeborenes
begrüßt werden.
Was bei uns so oft fehlt, dass Kindern
Vertrauen ins Leben vermittelt wird
und wirkliches Willkommen,
das ist dort immer vorhanden.

Jedem Sterbenden ist ein Sterbeengel zuteil,
ein liebevoller Freund und Helfer,
dem er sich anvertraut und der ihn weich bettet
auf seiner Energie der Liebe.

Neugeboren hinein in das Leben nach dem Leben, denn
Tod, das ist eine Erfindung der Menschen,
menschlichen Bewusstseins.
Aus einer anderen Perspektive wechseln wir nur den Raum.
Für das Göttliche sind beide Räume vielleicht nicht einmal
durch Türen abgetrennt,
und wenn es Tresortüren sind, dann sind es Tresortüren
unseres menschelnden Bewusstseins.

Die Neugeborenen bitten die auf der Erde Verweilenden
herzlich
nicht zu trauern, sie fühlen sich ja nicht tot,
sie sind noch eine ganze Weile, 
manchmal Monate, 

bei den auf der Erde Verweilenden,
in deren Nähe, und wünschen
so sehr, dass sie sich freuen mit ihnen über ihre neue
Stätte eines neuen Bewusstseins – 
neu, nicht 

weil der Ort neu wäre, sondern weil
ihr Bewusstsein angereichert ist mit Jahren des Lebens
und der Erfahrungen, 
die nur die Erde erlaubt –
weshalb sie wiederkehren.

Bevor sie wieder zur Erde kommen, 

werden sie manchen, den sie dort verlassen haben
begrüßen, wenn er kommt, 

wie der Vater
im Gleichnis den Sohn begrüßt.
Manche sind hier auf der Erde in Wirklichkeit 

– wie es jener Vater im biblischen Gleichnis formuliert – 
tot, ohne lebend lebendiges Bewusstsein,
andere leben auch hier auf der Erde 

oder beginnen zu leben, weil
ihr Bewusstsein beide Räume zu verbinden
beginnt oder mehr und mehr sie verbindet.

Sicherlich gibt es Menschen, die sich von
der Erde nicht lösen können, wenn sie sterben;
wir nehmen sie als Geister wahr oder fühlen
sie in einem Haus, in das wir kommen.
Das ist eine andere, eine traurige Geschichte. 

Sicherlich gibt es "Verstorbene", 
die Menschen auf der Erde belästigen, 
besetzen, 
wir kennen entsprechende Zeugnisse. 
Manche mögen auch sein, 
wo sie nicht glaubten, 
dass sie sein würden 
im Leben nach dem Leben.

Wenn es gut geht aber begleiten sie, 
die auf neue Weise leben.
eine Mutter den Sohn, 
ein Vater die Tochter, 
eine Frau ihren Mann, 
ein Mann seine Frau,
sanft und zart, 
nie als Ratschläger, 
immer als Ratgeber. 
Nie als Besitzende, 
immer als Wirkende im Sinne der Liebe. 
Es ist ein Irrtum zu glauben, 
das Leben nach dem Leben hielte keine Aufgaben bereit.

Unsere Aufgabe im Hier und Jetzt ist es, 

den Himmel auf die Erde
zu bringen,
wir tun das 

mit jedem Gebet, das mit dem Herzen
gebetet wird, 
mit jedem Vater unser, 
mit jedem Ave Maria, 
mit jedem liebevollen Gedanken, 
mit jeder liebevollen Tat, 
mit allem, was sich um Liebe bemüht. 
Schon unser Bemühen ist so wertvoll.

Menschen, die das Göttliche negieren,
zementieren die Türen zu und das Licht, das
sie zu sehen glauben, ist das Neonlicht ihres
Verstandes.
Es hat keine Wärme. Es ist das kalte Licht
Luzifers.

Wir aber hoffen und glauben an das warme Licht,
das die zarten Pflanzen des Göttlichen in uns und um uns
wachsen lässt.

Gerade der Frühling will uns diese wärmenden Strahlen
bewusst werden lassen.


               ♨

Mittwoch, 2. November 2011

Über den Schwabenstein, einen Suevit, und unsere viereinhalb Milliarden Jahre alte Mutter Erde


Heute bin ich extra nochmal vorbei, bei meinem Schwabenstein, von dem ich gestern kurz berichtete. Vor lauter Ehrfurcht hatte ich ihn vergessen zu berühren.
Und das wollte ich doch schon immer mal: etwas anfassen, etwas berühren, was 15 Millionen Jahre alt ist.
Unvorstellbar eigentlich: Man lehnt sich an etwas an, setzt sich auf etwas, betastet es, und dieses ES existiert seit fast 15 Millionen Jahren.
Immerhin hat man dieser Kostbarkeit eine Tafel gewidmet:



Ehrlich gesagt wundert es mich, dass man solch ein Geschenk irgendwo in der Pampa versteckt an einem Wegchen, das kaum jemand läuft - und ich nur per "Zufall".
Jedenfalls freue ich mich, diesen Stein um die Zeit von Allerheiligen getroffen zu haben. Das hat mir bewusst werden lassen, dass, wenn ich mich auf den Erdboden setze, ich auf etwas Platz nehme, was seit ungefähr - heutigen Schätzungen zufolge - 4,5 Milliarden Jahren existiert; erst eher gasförmig und dann recht flüssig, aber dennoch 4 500 000 000 Jahre. Und heute sehr kompakt. Es lässt sich gut drauf gehen; wie sehr hab ich das in den letzten Tagen genossen!


Allein schon deshalb sollten wir mehr Respekt vor Mutter Erde haben.
Übrigens: Diesen Stein als Schwabenstein zu bezeichnen, finde ich echt originell, leitet sich Suevit doch von Suevia ab, dem lateinischen Namen für Schwaben - und das Nördlinger Ries, wo er seine Weltraumreise beendete und eine neue Heimat fand, gehört nun einmal zum Land der Sieben Schwaben.
Ich vermute, ich gehe bei meinem Schwabenstein immer mal wieder vorbei und lasse mir von ihm etwas erzählen; er hat ja viel mitgemacht! Durch ihn ist mir zudem einiges bewusst geworden, gerade auch im Hinblick auf Mutter Erde, und ich bin im Grunde gar nicht undankbar, dass er ziemlich seitab liegt; so haben wir beide wenigstens unsere Ruhe, wenn wir miteinander reden :-))




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Buchveröffentlichung Gedichtinterpretationen gestalten lernen
Für Oberstufenschüler und alle, die verstehen möchten, auf 
welche Weise Inhalt und Form von Gedichten in unsere 
Tiefenstruktur hineinwirken. - Mehr unter diesem LINK

Dienstag, 26. August 2008

Hans im Glück: Gold verloren, HerzSonne gewonnen!

Hans hatte sieben Jahre bei seinem Herrn gedient, da sprach er zu ihm 'Herr, meine Zeit ist herum, nun wollte ich gerne wieder heim zu meiner Mutter, gebt mir meinen Lohn.' Der Herr antwortete 'du hast mir treu und ehrlich gedient, wie der Dienst war, so soll der Lohn sein,' und gab ihm ein Stück Gold, das so groß als Hansens Kopf war. Hans zog ein Tüchlein aus der Tasche, wickelte den Klumpen hinein, setzte ihn auf die Schulter und machte sich auf den Weg nach Haus. Wie er so dahinging und immer ein Bein vor das andere setzte, kam ihm ein Reiter in die Augen, der frisch und fröhlich auf einem muntern Pferd vorbeitrabte. 'Ach,' sprach Hans ganz laut, 'was ist das Reiten ein schönes Ding! da sitzt einer wie auf einem Stuhl, stößt sich an keinen Stein, spart die Schuh, und kommt fort, er weiß nicht wie.' Der Reiter, der das gehört hatte, hielt an und rief 'ei, Hans, warum laufst du auch zu Fuß?' 'Ich muß ja wohl,' antwortete er, 'da habe ich einen Klumpen heim zu tragen: es ist zwar Gold, aber ich kann den Kopf dabei nicht gerad halten, auch drückt mirs auf die Schulter.' 'Weißt du was,' sagte der Reiter, 'wir wollen tauschen […] 
wer das ganze Märchen lesen möchte: hier

Auf den ersten Blick versteht dieses Märchen niemand so recht. Da bekommt Hans für seine treue und ehrliche Arbeit den gerechten Lohn; auch ist respektvoll von dem Herrn die Rede, der weiß, was er tut. Er ist nicht einem bösen König oder Stiefvater vergleichbar. Er gibt Hans sehr bewusst Gold, Gold, das Hans verdient hat. Für Goethe, der wie kein anderer um die Bedeutung der Symbole wusste, stand Gold für Ganzheit. Gold kommt dem Stein der Weisen gleich, Gold steht für die Sonne, für höchste Erfüllung, für Glück schlechthin. Das Goldene Vlies ist der kostbarste Schatz des Altertums, golden ist das Urei, aus dem Brahman, der Vater der Welt entsteigt, Gold: mehr geht nicht! Mehr geht nicht? Wie kann dieses Märchen Hans am Schluss glücklich sein lassen, wenn er Zug um Zug Minderwertigeres eintauscht: für das Gold ein Pferd, für das Pferd eine Kuh, für die Kuh ein Schwein, für das Schwein eine Gans, für die Gans einen Wetzstein (schadhaft noch dazu), zu dem Wetzstein wird ihm noch wie zum Hohn ein Feldstein geschenkt. Beide Steine fallen schlussendlich noch auf Grund einer Unachtsamkeit von Hans in einen Feldbrunnen, auf dessen Rand er sie gelegt hatte, damit er sie nicht beschädige … ! Nun hat er nichts mehr! Und dennoch leuchten seine Augen vor Freude, er dankt Gott und wir hören ihn rufen:
'So glücklich wie ich […] gibt es keinen Menschen unter der Sonne.'
Es gibt Märchen, die erzählen den Weg des Menschen hin zu diesem Gold. Unser Märchen jedoch setzt ein, als Hans auf einem goldenen Höhepunkt sich befindet. Wie bei den olympischen Spielen erhält er den goldenen Lohn. Höher hinauf geht es nicht. Halten wir fest, dass wir diesen Zustand und diesen Lohn nur allen wünschen können, auch Hans ist glücklich! Doch stellt sich heraus: Kopf oder Gold! Beides zusammen geht nicht! Das Gold zwingt den Kopf zur Seite. So lässt sich nicht gehen, nicht leben. Das Gold würde gerade anstelle des Kopfes passen, ist doch der Klumpen genauso groß, aber was soll der Schmarrn?! Das geht wohl nicht … Doch was auch immer Hans auf seinem Weg nach Hause eintauscht: letztendlich ist er mit nichts glücklich, nur springt ins Auge: Immer ist Hans dankbar, dass sich eine neue Möglichkeit ergibt. Nachdem die Kuh ihn getreten hat, ist er dankbar, dass ein Schwein kommt; weil aber ein Schwein in der Gegend geklaut worden sein soll, ist er froh, dass er eine Gans eintauschen kann. Was auffällt: Eigentlich sollte es doch das Ziel menschlichen Strebens sein, alles zu veredeln; das war doch Hans mit dem Gold gelungen. Und nun wird alles wieder grober. Am Schluss besitzt er Steine! Im Grunde wertlose Steine. Was aber zugleich auch auffällt: Je näher Hans der Heimat kommt, je näher er der Mutter kommt, desto fröhlicher wird er. Immer wertloser wird, was er im Außen besitzt, immer leichter und freier wird sein Herz – immer wieder wird das betont, immer mehr Freude kommt in ihm auf. Was bedeutet das? Hans ist zunächst Goldmedaillengewinner, aber dieses Gold ist außen, es ist nicht wirklich in sein Wesen integriert. Auf seinem Weg zurück aber integriert es sich immer mehr, denn: Hans hat immer mehr die Sonne, immer mehr Gold im Herzen! Es strahlt nach außen. Hans kann seine Freude nicht verbergen! Das äußere Kapital reduziert sich, das innere wächst und wächst.
Die Steine gibt er ungewollt gewollt Mutter Erde zurück. Sie fallen sogar in einen Brunnen. Sie fallen nicht nur auf die Erde, sie fallen in die Erde, in einen Feldbrunnen; so sind die Steine der Tiefe der Erde zurückgegeben. Während Hans von der Goldhöhe zurückkehrt zu seiner Mutter - und seine Mutter ist hier zugleich Mutter Erde – verwandelt sich das Gold. Im Außen scheint es so, als verliere er allen Wert. In Wahrheit aber wird Hans´ Herz frei; dieses innere Gold ist Freude pur, ist Dank, den Hans zunehmend äußert. Er kann seine innere Sonne nicht mehr verbergen; sie strahlt, Hans strahlt. Dieses innere Gold, seine HerzSonne bringt er seiner Mutter. Das ist unsere Aufgabe: den Himmel, das Gold auf die Erde zu bringen, zu unserer Mutter! Deshalb müssen in Platons Höhlengleichnis die Menschen, die die Höhle verlassen und zum Bewusstsein der Sonne gelangen, wieder zurückkehren. Das Sonnenbewusstsein will sich mit der Erde vereinen. Deshalb ist in alten Schriften von der Hochzeit von Himmel und Erde die Rede! Deshalb auch lautet der letzte Satz dieses Märchens:
Mit leichtem Herzen und frei von aller Last sprang er nun fort,
bis er daheim bei seiner Mutter war.
Wir kennen Menschen, die wissen unglaublich viel darüber, wie man zu leben hat, wie man mit Gefühlen umgeht, über yin und yang und pi-pa-po. Aber es kommt nichts wirklich rüber; das, was sie wissen, ist in Wahrheit nicht in ihnen. Die ganze Sonne ist im außen, sie reden dauernd über Gold, auch über ihr Gold, aber es ist noch kaltes Gold, es ist ein Ausstellungsstück.
Wer die Sonne, das Gold in sich hat, spricht nicht mehr so viel darüber, denn seine Zeit gilt auch der Freude, der Fülle, der Dankbarkeit.
Das Gold in uns ist warm. Dieses Gold kann fließen und es ist unerschöpflich.
Das zeigt das Märchen von Hans im Glück.