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Mittwoch, 22. April 2026

Fluch und Segen der Theosophie / Anthroposophie - deren grundlegendes Dilemma

Es wird kaum einen Anthroposophen geben, der nicht den Worten Rudolf Steiners aus der GA 93 zustimmen wird:
(Die theosophische Bewegung) bereitet auf geistigem Gebiet vor, was später auf dem physischen Plan geschehen wird: die Wiedervereinigung der Geschlechter. Auch die geteilte Weisheit muss wieder in die eine göttliche Weisheit zusammenfließen. Im Menschen muss durch die theosophische Weisheit ein Ausgleich gefunden werden zwischen der religiösen Priesterweisheit und der freimaurerischen Weisheit. Die Weisheit der Zukunft muss geholt werden aus dem höheren Menschen heraus, der in beiden Menschen gleich lebt, dem weiblichen und dem männlichen. Das zu entwickeln, worauf es ankommt, worauf der physische Plan gar keinen Einfluss mehr hat, das ist der Zweck der theosophischen Bewegung. Die Theosophie ist tatsächlich die männlich-weibliche Weisheit, die für beide Geschlechter gleich gültige Weisheit. Durch die Lehre von der Reinkarnation erkennt man, dass dasjenige, was bei jeder neuen Wiederverkörperung zum Ausdruck kommt, nicht die Persönlichkeit des jeweiligen Erdenlebens ist, sondern dass der Kausalkörper, die Entelechie, sich geschlechtslos aufbaut.
Wenn wir uns dieser bewusst werden, so lebt in uns geistig auf, was über dem Geschlechtlichen steht, was unabhängig ist von dem, worauf sich die Gegnerschaft der beiden Strömungen [also der weiblichen Priesterweisheit und der männlichen Kainsweisheit] gegründet hat. So ist die Theosophie die ausgleichende Bewegung, und sie allein kann den Ausgleich herbeiführen. Erst in der Theosophie kann man von einem Okkultismus sprechen, der beide Geschlechter gleichmäßig angeht. Nur von da aus kann man sich einen wirklichen Ausgleich zwischen beiden Geschlechtern denken. Nur die theosophische Bewegung kann das vollziehen.
Auch jemand, der der anthroposophischen Bewegung nicht angehört oder sich nicht dezidiert als Theosophen bezeichnet, wird Obigen zustimmen, wenn wir unter Theosophie das verstehen, was der Begriff wiedergibt: ein Bewusstsein, das sich in der Weisheit des Göttlichen gründet, das also die Gegnerschaft zwischen Männlichem und Weiblichem überwindet, die sich in der Wirklichkeit der Erde manifestiert hat und zu einem Miteinander beider Geschlechter kommt, was nicht bedeutet, dass ständig ein Pari-Zustand zwischen Männlichem und Weiblichem existiert, dass aber insgesamt beide Geschlechter sich in Wertschätzung einander ergänzend bereichern und - so Rudolf Steiner - im menschlichen Wesen der Zukunft wieder zueinanderfinden.

Das Dilemma der Steinerschen Gefolgsleute - und ich mache dafür im Übrigen nicht Steiner verantwortlich, denn es wäre Sache seiner Nachfolger gewesen, die Thematik mit der realen physisch-materiellen Welt zu verbinden - ist, dass wunderbar über das Geschlechtliche, über die Kains- und Abelströmung gesprochen werden kann und auch wird, dass aber über die Realisierung des Geschlechtlichen in der Wirklichkeit der Menschen, also einer gelebten Sexualität in all ihren Facetten, einer wunderbaren und zugleich oft so schwierigen Körperlichkeit, nicht gesprochen wird.

Das Dilemma von Faust und Margarete ist auf dem Theater zugelassen und 
wird immer wieder regelmäßig in Aufführungen beifällig von der anthroposophischen Community bewundert, aber die reale Körperlichkeit bleibt, sieht man die Beiträge im Rahmen der Anthroposophie an, außen vor - das Bett als Möglichkeit, den Körper dort zur Meditation niederzulassen - das war´s dann. 

Dass damit die gesamte Anthroposophie ein Opfer ahrimanischen und luziferischen Ansinnens wird, die beide das Geschlechtliche aus unterschiedlichen Gründen aus der menschlichen Wirklichkeit eliminiert sehen möchten - das zu sehen wird sich standhaft geweigert. Dass mein zweiter Beitrag auf der Facebookgruppe "Freie Anthroposophie. Anthroposophie libre. Free anthroposophy" gelöscht und mein Profil dort blockiert wurde, steht ja nur für ein diesbezügliches Gesamtverhalten (siehe mein Beitrag vom 30. März diesen Jahres).
Öffnet sich die Anthroposophie hinsichtlich der Bedeutung des Sexuellen, das für Steiner durch Golgatha der zweite Logos wurde, wie er selbst äußerte (siehe Beitrag vom 27. März) nicht der Realität der Erde, wird diese Bewegung in dieser Form untergehen; sie muss es, damit Erde und Himmel sich wirklich verbinden und nicht nur der Himmel mit dem Himmel, der in Wahrheit luziferisch-ahrimanisch-anthroposophisch-theosophische Himmel mit dem göttlichen Himmel, der doch voller Sehnsucht auf die Vereinigung mit der Erde wartet, wovon schon Eichendorff in "Mondnacht" träumte:

Donnerstag, 7. Januar 2016

Die großen Städte täuschen den Tag, die Nacht, die Tiere und das Kind!

Vor 100 Jahren geschrieben, trifft heute mehr denn je zu, dass unser Leben seine Struktur und Ordnung verliert. Unsere Gesellschaft und ihre Politiker haben das eine innere und äußere Ordnung gebende Christentum einer multikulturellen Verflachung preisgegeben, bevor sie den Wert ihrer eigenen Religion verstanden haben.
Deshalb fürchtet diese Gesellschaft zu weiten Teilen auch den Islam, weil sie spürt, dass diese Religion und ihre Vertreter diese Lücke zu füllen bereit sind.

Zunächst möchte ich die Zeilen, die mich zu den folgenden Gedanken angeregt haben, in ihrer ursprünglichen Gestaltung zitieren. Ich fand sie in Rainer Maria Rilkes Stundenbuch, in dessen drittem Teil, dem Buch von der Armut und dem Tode; es heißt dort:


Die großen Städte sind nicht wahr; sie täuschen
den Tag, die Nacht, die Tiere und das Kind;
ihr Schweigen lügt, sie lügen mit Geräuschen
und mit den Dingen, welche willig sind.

Wir wissen, dass die beiden folgenden Jahrzehnte nach Verfassen des Stundenbuchs, das Rilke 1903 vollendete, in der deutschen Literatur eine Fülle von Gedichten hervorgebracht haben, die sich mit dem Thema Stadt auseinandersetzten, in das auch alle Ängste vor dem, was kommen würde - und viele Expressionisten ahnten den kommenden Weltkrieg voraus (manche sehnten ein großes Donner-Wetter auch herbei) - hineinprojiziert wurde. Viele Künstler aber traten auch der Stadt deshalb so skeptisch gegenüber, weil ihr Wachstum mit einem hemmungslosen Fortschritt gleichgesetzt wurde, wobei man nicht vergessen darf, dass um 1900 Berlin 1,7 Millionen Einwohner umfasste, eine für damalige Verhältnisse keineswegs geringe Zahl.
Heute mögen wir eine solche Angst angesichts der nunmehr vorhandenen Giga-Städte belächeln (vor wenigen Jahren konnten wir der Presse entnehmen, China plane eine 42 Millionen umfassende Stadt); doch mancher wird diese Ängste nachvollziehen können.
In ihnen offenbarte sich ja ein großes Unbehagen an dem, was empfindsame Menschen auf die Menschheit zukommen sahen, und es ist kein Fortschritt, dass heute Menschen dieses Unbehagen überwiegend nicht mehr empfinden.
Viele haben es in eine dunkle Ecke gestellt, aus der es manchmal als unkontrollierte Angst hervorschnellt. Der, den sie aber betrifft und aus dem eigenen Inneren heraus trifft, weiß oft nicht um deren Ursprung. Solch eine Angst kann im Einzelfall mit einem persönlichen Schicksal zusammenhängen; ich vermute aber, öfter, als wir denken, mag sie ein verdrängtes Unbehagen an einer Kultur zeigen, der es bisher nur in Ansätzen gelungen ist, Menschlichkeit und Fortschritt zu verknüpfen. Das liegt auch daran, weil Politiker aller Herren Länder, aber nicht nur sie, sich sofort flach auf den Boden legen und den Mund aufsperren, wenn Geld gerollt kommen könnte.
Es waren nicht nur Literaten, sondern auch ein Maler wie Edgar Munch, dessen Bild Der Schrei jene Zeit damals am bemerkenswertesten kennzeichnet, der, sein Inneres offenlegend, sagte: Ich fühlte das große Geschrei durch die Natur.


Ohne Natürlichkeit gibt es keine Menschlichkeit

Auch für Rilke ist das Verhältnis zur Natur und gelebte Natürlichkeit ein Gradmesser. Nur wenig vor jenen oben zitierten Zeilen finden wir noch weitere aufschlussreiche, die lauten:

Denn, Herr, die großen Städte sind
verlorene und aufgelöste

und es heißt weiter:

Da leben Menschen, leben schlecht und schwer,
in tiefen Zimmern, bange von Gebärde,
geängsteter denn eine Erstlingsherde;
und draußen wacht und atmet deine Erde,
sie aber sind und wissen es nicht mehr. 
Da wachsen Kinder auf an Fensterstufen,
die immer in demselben Schatten sind,
und wissen nicht, daß draußen Blumen rufen
zu einem Tag voll Weite, Glück und Wind, –
und müssen Kind sein und sind traurig Kind.

Aufschlussreich ist, dass Rilke von „deine(r) Erde“ spricht, so, als ob er darauf hinweisen wolle, dass der Mensch jene im Ersten Buch Mose ihm übertragene Verwantwortung für die Schöpfung nie wirklich verantwortlich übernommen habe.

Nicht, dass ich im Übrigen glaube, dass alle Kinder traurig sind, doch die Frage, die Rilke letztendlich aufwirft, ist, ob mittlerweile Kinder wissen, dass draußen Blumen rufen und Erwachsene das Atmen der Erde wahrnehmen.

Innenstädte: kinderfreie Räume

Muss auch heute noch die Mehrheit der Kinder dieser Erde Kind sein, wie Rilke formuliert, oder dürfen sie es mittlerweile sein?

Auch heute ist es noch so, dass, wenn in der Mitte einer Stadt eine Freifläche vorhanden ist, sie mit Appartementwohnungen, Büros, einem Einkauf-Center oder einem Hotel bestückt wird, bevor ein Kinderspielhaus dorthin kommt, womöglich mehrstöckig, damit es auch bei Regen und im Winter Raum zum Spielen gäbe.

Wir haben Kinder nicht aus Innenstädten vertrieben, aber nur deshalb, weil sie dort letztendlich noch nie einen Raum fanden, wir könnten auch sagen: eine Herberge.

Rilke spricht auch von Erwachsenen und mancher mag sagen: Die Mehrheit lebt doch keineswegs schlecht und schwer. 
Es gilt allerdings zu sehen, welcher Aufwand betrieben wird, um Gefühle zu übertönen, die der Unnatürlichkeit des Lebens Ausdruck verleihen möchten.

Rilke sagt ausdrücklich: Die großen Städte sind nicht wahr.

Das ist bemerkenswert und knüpft an einen religionsübergreifenden Gedanken an, der im Christentum sich in der Aussage Jesu zeigt, dass sein Reich nicht von dieser Welt sei, und im fern-östlichen, insbesondere im hinduistischen Denken Ausdruck in der Sichtweise findet, dass Leben auf der Erde Maya sei, eine große Illusion.

Immer dann, wenn es Menschen gelingt, Wahrheit auf unserer Erde, also auch im Leben der Menschen sichtbar werden zu lassen - und Wahrheit mag hier auch ein Synonym für Natürlichkeit und wahre Menschlichkeit sein -, sind sie zum einen höchst gefährdet, zum anderen aber gehören solche Momente zu den Sternstunden menschlichen Lebens, weil sie beide Reiche verbinden, das, was in der Alchemie als mysterium coniunctionis bezeichnet wird.

Ich persönlich glaube, dass die Aussage, dass Gottes Reich nicht von dieser Welt sei, nicht bedeutet, dass unsere Erde die Möglichkeit einer gemeinsamen Existenz ausschließt, sondern dass sie angesichts einer Baals- und Börsenkultur nicht möglich ist, wenn sie aber vorkommt, eben jenes mysterium coniunctionis meint, was in der Alchemie höchstes Ziel des Lebens ist, die Hochzeit von Himmel und Erde, von himmlischem und irdischem Bewusstsein.

Dazu müsste ein Interesse daran vorhanden sein.

Das aber ist nicht vorhanden. Man muss nur sehen, mit welcher Dumpfheit einer der derzeit renommiertesten Naturwissenschaftler, Stephen Hawking, ein Weltbild proklamiert, das die geistige Tradition dieses Planeten negiert. Das wäre weiter nicht bemerkenswert, weil Hawkings Denken fast infantil und zu offensichtlich linkshirnig und einseitig ist, wenn es nicht so wäre, dass die Flachheit seiner als Trojaner verpackten spirituellen Aussagen eine Spur blinder Gefolgschaft zeitigt.

Kann menschliches Bewusstsein überhaupt noch genesen?

Diese Frage stellt sich fast zwangsläufig.
Ich denke, dass es möglich wäre, wenn wir unserem Leben wieder Struktur und Ordnung und Sinn gäben.

Ich erinnere mich, dass ich vor vielen Jahren einmal ein Kind, weil es mehrfach verhaltensauffällig gewesen war, ein Bild zum Thema Ordnung zu zeichnen bat. 
Weil es so privat ist und aus Datenschutzgründen kann ich es nicht einscannen, aber es ist für mich auch heute noch erschütternd und zeigt einen Tisch unter einer Lampe. Und um den Tisch herum liegen die Stühle kreuz und quer auf dem Boden.

Dieser Tisch war der Familientisch und dieser so begabte Junge hat damit gemalt, woran seine Seele leidet, ein Leid, dass sie mit in die Schule brachte und dort über sein Verhalten Ausdruck finden ließ.

Ich weiß noch sehr genau, dass die Eltern dieses Kindes der Psychotherapeutin, die dem Kind helfen sollte, dieses Bild nicht gegeben haben (ich hatte es ihnen zukommen lassen). Die Psychologin hätte sofort gesehen, dass sie mit den Eltern zu arbeiten hat, nicht mit dem Kind (was ohnehin meistens am sinnvollsten zu geschehen hat, aber oft nicht durchführbar ist, weil sich Eltern ihren Versäumnissen nicht stellen wollen, ihren Fehlern, die sie selbst negativ werten, die allerdings menschlich und verständlich sind und nur jene Steine werfen lassen, die von ihren eigenen Schwächen ablenken wollen).

Unser Leben braucht Ordnung und Struktur. Vor allem brauchen Kinder Ordnung und Struktur. Sie brauchen den Familientisch und sie brauchen die gemeinsamen Zeiten, auch Essenszeiten, im Rahmen deren klar sein muss, dass das Smartphone aus ist und niemand niemandes Raum einschränkt.

Wie sehr ist das Smartphone zum Symbol einer fehlenden Wertschätzung gegenüber dem Nächsten geworden. Es ist ständig on, mehr, als die meisten Menschen für ihre Mitmenschen im persönlichen Gespräch online sind.

Der Sinn von Zyklen, Ritualen, Gebräuchen und Festen

Es gibt allerdings wieder vor allem ländliche Orte und dort lebende Menschen, die ein Bewusstsein dafür entdeckt haben, wie wertvoll es war und ist, dass Feiertage und festliche Anlässe dem Leben Struktur gaben, so, wie zu früheren Zeiten wie selbstverständlich der Sonntag dem wöchentlichen Leben Struktur gab. 
Es ist kein Zufall, dass man in jeden Kreis mit Hilfe des halben Kreisdurchmessers sieben Kreise einzeichnen kann, wobei der siebte inmitten der sechs anderen diese um sich schart und sozusagen deren Zentrum ist. Es ist, als ob uns die Geometrie auf den Sinn des Wochenzyklus verweisen wolle, so wie es im jüdisch-kabbalistischen, biblischen (Jesaja 40,12), pythagoreisch-platonischen Denken wie auch bei Kepler und anderen fest verankert ist, dass Zahlen Wegmarken des geistigen Weges sind. 
Sie wissen zu er-zähl-en, mehr als wir zumeist ahnen.

Es ist ein wertvoller Aspekt unseres Lebens, dass nämlich unser Bewusstsein Grenzen überwindet, Grenzen von Zeit und Raum, wie es Einstein gelang, Grenzen von Himmel und Erde, wie es Buddha und Jesus taten wie vor ihnen und nach ihnen andere auch, wenn auch nicht so wegweisend, wie es durch den Achtfachen Pfad und die sieben Seligpreisungen geschah.

Dass aber das konkret und real existierende Leben solcher Grenzen im Sinne von Strukturen bedarf, damit es seine Leben ermöglichende Ordnung nicht verliert, ist außer Blickes geraten und entschwindet mehr und mehr unserem Bewusstsein.

Klar kann man Läden rund um die Uhr öffnen, was noch nicht der Fall ist. Aber sicher ist, dass die Ladenöffnungszeiten bis 22 Uhr in den Großstädten und ihren Randgebieten vielen Kindern immer wieder Vater und Mutter nehmen, vielen Frauen den Mann und vielen Männern die Frau, denn jemand, der bis 22 Uhr arbeitet, verändert nicht nur sich, sondern seine ganze Umgebung, insbesondere deren Lebensqualität - notgedrungen.

Die aus den Fugen geratene Struktur liegt im Detail:

Ein Zug von München nach Hamburg hält möglichst selten, weil es ja nicht um Menschen geht, die zu- oder aussteigen möchten, sondern um die Zeit und wie schnell die Bahn eine Strecke zurücklegen und sagen kann: In 5 Stunden bringt die DB sie von München nach Hamburg. Mit schnelleren Trassen wird es in vier Stunden sein können, vielleicht geht es noch schneller.

Wir haben längst akzeptiert, dass diese Steigerung sein muss und dass Menschen dafür gesorgt haben, dass die Zeit uns regiert; es ist das Regiment des citius, altius, fortius. Wie recht doch Michael Ende mit seinem Momo hatte. Als Schullektüre ist das Buch in der heutigen Zeit zu umfangreich. Kein Mensch hat mehr Zeit für Sätze wie die Worte von Meister Hora:

So wie ihr Augen habt, um das Licht zu sehen und Ohren, um Klänge zu hören, so habt ihr ein Herz, um damit die Zeit wahrzunehmen. Und alle Zeit, die nicht mit dem Herzen wahrgenommen wird, ist so verloren wie die Farben des Regenbogens für einen Blinden oder das Lied eines Vogels für einen Tauben. Aber es gibt leider blinde und taube Herzen, die nichts wahrnehmen, obwohl sie schlagen.

Wird Deutschland gewöhnlich?

Deutschland hat in der letzten Zeit auf fatal gekonnte Weise das Bild einer fairen und inneren Werten verpflichteten Nation zerstört, um die sich vorausgehende Generationen bemüht haben. Da ist ja nicht nur der VW-Skandal oder die Tatsache, dass der Bundesnachrichtendienst unmittelbare Nachbarn und „Freunde“ bespitzelte. Deutsche Sportfunktionäre standen auch nicht nach im Kaufen, was gekauft werden muss. Und obwohl unsere Politiker wussten, wem sie da in Wirklichkeit Waffen lieferten, wurde es dennoch getan. Nun heuchelt ein Sigmar Gabriel, man müsse den Waffenexport Richtung Saudi Arabien neu überdenken. Als ob er nicht schon immer gewusst hätte, wem er da Waffen liefern lässt, einem Staat, der den IS unterstützt und weltweit mit an führender Stelle im Köpfen von Menschen steht.
Kaschiert wird das Ganze durch Worthülsen wie Strategische Partnerschaft und Ähnliches.

Auch das Bildungswesen wird immer unnatürlicher.

Eine Einstellung hält Einzug, die alle Natürlichkeit außer Kraft setzt. Sogenannte Interaktive Whiteboards ersetzen zunehmend die Kreidetafeln. Die Vorteile der ersteren sind gewiss nicht zu übersehen, immerhin können Tafelanschriebe abgespeichert und einen oder mehrere Tage später wieder aufgerufen werden, angeschlossene Dokumentenkameras ermöglichen, dass Schülerhefte oder Buchseiten sofort eingelesen und auf der elektronischen Tafel sichtbar gemacht werden können und einer Besprechung zur Verfügung stehen. Genauso können in Minutenschnelle Internetseiten aufgerufen und You-Tube-Filme eingespielt werden, und das in tafelgroßem Format. 
Wenn solche elektronischen Tafeln eine Alternative zur weiterhin vorhandenen Kreidetafeln wären, auf denen Schüler nun einmal besser schreiben und z.B. geometrische Skizzierungen gerade auch für und durch Kinder viel besser vorgenommen werden können, wäre das alles ja in Ordnung, aber das lässt der Platz in den Unterrichtsräumen kaum zu. In mehr und mehr Schulen verschwindet die gute alte Kreidetafel. - Warten wir im Übrigen einmal ab, wie der Gesundheitszustand von Lehrerinnen und Lehrern sich entwickelt, die täglich diesen Tafeln, Beamern und weiteren Geräten sehr direkt und nah ausgesetzt sind (Whiteboards und Beamer werden in der Regel nicht abgeschaltet, auch nicht, wenn sie nicht verwendet werden).

Jedenfalls haben diese viele hunderte von Euro teuren Whiteboards zur Folge, dass die Räume in den Pausen abgeschlossen werden müssen, da diese Anschaffungen viel zu teuer sind, als dass sie unbeaufsichtig gelassen werden könnten, was wiederum zur Folge hat, dass Klassen sich vor den abgeschlossenen Klassenräumen auf den Fluren aufhalten und morgens, bevor der Lehrer erscheint, nicht gemütlich den eigenen Klassenraum aufwärmen können, sondern diesen erst mit Erscheinen des Lehrers betreten können. Ja, in mehr und mehr Schulen gibt es keine Klassenräume mehr, sondern zunehmend nur noch Fachräume, Fachräume für Deutsch, Geschichte, Religion … - das gute alte Klassenzimmer ist deutlich auf dem Rückzug.

Schule wird meines Erachtens zunehmend entseelter.

Diese ganze Entwicklung im Zusammenhang mit den Interaktiven Whiteboards - faszinierend, diese Namensgebungen - führt aber auch dazu, dass sich Schüler auch in der Schule an eine immer höhere Reizfrequenz gewöhnen. Wenn Methoden und Materialien in solcher Hülle und Fülle vorhanden sind, reduziert sich die Bereitschaft des Einzelnen, sich einem Text, gar einer Textpassage eine Stunde lang oder gar länger zu widmen. 
Dass Studenten zunehmend der Fähigkeit ermangeln, einen Text zu verstehen, wen wundert das?
Und natürlich stehen Lehrer ebenfalls in Gefahr, sich der Überfülle an Material zuungunsten der Arbeit an Text und Wort zu bedienen.

Die strukturierende, sinnstiftende Bedeutung des Christentums

Aus Parteiprogrammen ist ersichtlich, dass Menschen, die sie schreiben, keine Vorstellungen mehr davon haben, was menschliches Leben fundamental ausmacht. Viel zu sehr sind die dort formulierten Grundlagen zu Hülsen degeneriert. Was ganz basal menschliches Leben ausmacht, wird nicht mehr benannt. Der vorhandene Raum wird für Worthülsen, die sich gut lesen, die in Wirklichkeit niemand mehr ernst nimmt, gebraucht.

Das Christentum, das strukturierend wirkte mit seiner Rhythmisierung der Woche und des ganzen Jahres, seinen Feiertagen, die es gliederten und ihm ein Gepräge gaben, ist nie in dieser sinnstiftenden Bedeutung wirklich erkannt worden. Nicht nur Kinder, auch wir Erwachsene brauchen Ordnung und Struktur, wir brauchen Rituale von Raum und Zeit. 
In den Wohnungen und Häusern von Römern ebenso wie bei den Indianern gab es diese heiligen Orte. Es war ein Segen für dieses Land, dass es von einem Geflecht solch heiliger Orte in Form der Kirchen durchzogen und strukturiert war. Irgendwann wird es allerdings den ersten Richter geben, der das Läuten von Glocken kippt. Dröhnendes Autogehupe anlässlich von Hochzeiten und Festgegröle wird sicherlich weiterhin sein dürfen, ja zunehmen.

Menschengerechte Schöpfung ist ordnungs- und damit sinngebend, denn Ordnung stiftet Sinn in Raum und Zeit.
Zu früheren Zeiten war den Menschen bewusst, dass ihre heiligen Orte nicht von ihnen gewählt waren, sondern von ihnen entdeckt wurden, so, wie sie Ordnung als Geschenk begriffen. 
In der Bezeichnung der Griechen für das All als Kosmos, übersetzt Ordnung, findet dies auch noch seinen Widerhall. Sie begriffen Ordnung nicht nur als räumliche Ordnung, sonst hätte sie jenen Gott, der ihr Goldenes Zeitalter regierte, nicht Zeit, nicht Kronos genannt.

Unordnung macht krank, innere wie äußere

Es hat nicht einmal primär etwas mit Tradition oder einer konservativen Grundhaltung zu tun, dass menschliches Leben der Ordnung und Struktur bedarf, sondern mit der Tatsache, dass Leben ohne Ordnung und Struktur krank macht.

Ganz- und Heil-Sein setzt Ordnung und Struktur voraus. Nicht von ungefähr zeigt sich dies in den großen Symbolen der Menschheit, die geprägt sind von Kreis und Quadrat, von der Drei- und der Vierzahl.

Es ist kein Zufall, dass die Maße der Arche Noah und der Bundeslade so genau angegeben waren (waren deshalb, weil dieses Bewusstsein längst erloschen ist), genauso wenig wie die Tatsache, dass zu Beginn menschlichen Lebens die Siebenzahl eine zentrale Rolle spielte.

Mancher mag den Untertan von Heinrich Mann gelesen haben, jenes Werk, das so entblößend zeigt, welche geistige Mentalität zum Dritten Reich führte und zu einer Vorstellung von Ordnung und Struktur, die niemand mehr will. Immer aber wird es eine Gratwanderung sein, dass Menschen eine lebendige Ordnung und Struktur leben und sie nicht pervertieren in eine geistige Enge (leider dann auch manchmal eine konzentrierte äußere), die nicht zulassen kann, dass Leben und Bewusstsein sich ständig erweitern, so wie es das Weltall tut.

Licht stiftet Bewusstsein und es stiftet auch noch heute - obwohl die Quellen kaum jemand noch ernst nimmt - Zeichen, Zeiten, Jahre und Tage (1. Mose 1,14)
Lichtordnungen sind Zeitordnungen; sie geben Sinn, so wie das Licht jedes Tages uns Sinn geben will.

Vielleicht ist die sogenannte Dunkle Energie viel zu hell für uns

In einer Zeit, die sich so gewaltig und gewaltig schnell verändert, braucht unser Leben eine Ordnung und Struktur. Sie besteht in einer ausgeglichenen Balance zwischen Tag und Nacht, Vorwärtsstürmen und Stillesein, Einatmen und Ausatmen, erweitern und sich wieder fokussieren (Systole und Diastole, wie es Goethe nennt und wie sein ganzer Faust strukturiert ist), sich veräußern und sich verinnerlichen.

Eine Lösung könnte sein, dass Parteien in ihren Parteiprogrammen Abstand nehmen von ihren Worthülsen und in ihren Vorstellungen für eine gesunde Gesellschaft auf die Gesetze des Lebens, auf dessen Struktur und Ordnung konkret eingehen. Vielleicht würden sie dann erkennen, dass die sinnstiftenden Angebote des Chistentums nicht nur in Worten bestanden, sondern tatsächlich eine strukturgebende geistige Macht waren.

Wer weiß, vielleicht ist jene Dunkle Energie, die wir suchen und die für die Ausdehnung des Alls verantwortlich gemacht wird - eine Ausdehnung, die sich ja zudem ständig beschleunigt - gar nicht dunkel, sondern so hell, dass es besser ist, dass wir sie noch nicht sehen können. Es könnte ein Licht sein, dessen Ordnung wir noch nicht verstehen.

Wie es scheint, haben wir allerdings noch nicht einmal den Wert jener Ordnung wirklich verstanden, die Sonne und Mond geben wollen.




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Freitag, 19. August 2011

Das Ewig-Weibliche war zu Beginn - Homerischer Hymnus über die Allmutter Erde

Wenn man - wie auch im letzten Post - die lächelnde Madonna von Lauter sieht, dann glaubt man in ihr Züge zu sehen, die man mit dem Ur-Weiblichen, Ur-Mütterlichen in Verbindung bringen kann.



Manche der zahlreichen, zum Teil zwei- oder dreitausend Jahre alten Figuren aus allen Teilen der Erde, die die Große Mutter abbilden, zeigen diese Körperbetonung, aber auch durchaus vergleichbare Gesichtszüge, ich denke nur an die nunmehr 4000 Jahre alte Abbildung der ägyptischen Göttin Isis, wie sie ihrem Sohn Horus die Brust darreicht. Allerdings finde ich den Frieden, die Sanftheit, die Liebe, die diese Madonna von Lauter ausstrahlt, schon sehr einmalig. Und natürlich ist Marias Gewand, ihr Haar, ihr Diademband, ihr Kopftuch und manches mehr mit Liebe bis ins Detail gestaltet, deutlich mehr, als das bei den vorzeitlichen Skulpturen und Plastiken der Fall ist, die - eine Frage des Bewusstseins - nur eher elementare Konturen geben können.

Manchen Männern, insbesondere denjenigen, die sich vor allem über ihr Geschlecht definieren, mag es nicht gefallen, dass es nach der Überzeugung führender Ethnologen, Religionswissenschaftler und Kulturpsychologen - ich nenne hier beispielhaft Mircea Eliade und Erich Neumann - kaum abzustreiten ist, dass es in vielen Kulturen offensichtlich ein - um es mit Goethe zu sagen - Ewig-Weibliches gab vor einem Ur-Männlichen. Es ist Gaia, die Erde, die in der griechischen Mythologie den Himmel als ihren Göttergatten erschafft und es ist diese Gaia, auf die wir schauen müssen, wenn wir über die weibliche Seite Gottes sprechen. - Darüber wird ein andermal mehr zu schreiben sein.

Bevor ich mich Homer zuwende, möchte ich noch für die- oder denjenigen, der Interesse hat, auf indianische Kulturen verweisen und wie sehr sie verwoben sind mit der Erde als ihrer Mutter. Vergessen wir nicht: Im Sinne der Griechen und der Indianer ist Gaia, ist die Mutter Erde mehr als die Göttin dieses Planeten. Sie ist ein kosmisches Prinzip, ein kosmisches Wesen.

Wir lesen bei Homer - jenem Dichter, den man zwischen 850 und 1200 vor Christus datiert - in seinem 30. von 33 bekannten Hymnen über die Allmutter Erde:


Die Erde will ich besingen, die Allmutter, die fest begründete, die älteste aller Wesen. Sie nährt alle Geschöpfe, alle, die auf der göttlichen Erde gehen, alle, die in den Meeren sich regen und alle, die fliegen. Von ihrer Fülle leben sie alle. Dir, o Herrin, entsprießen gute Kinder und gute Ernten, du hast Gewalt, den sterblichen Menschen Leben zu geben oder zu nehmen. Glückselig ist, wen du wohlwollend ehrest. Im Überfluss wird ihm alles zuteil. Das fruchtbare Land ist mit Getreide überladen, die Wiesen bedeckt mit Vieh, das Haus ist mit allem Trefflichen versehen. In der Stadt voll rechtschaffener Frauen herrscht man nach dem Gesetz, begleitet von Reichtum und Glück. Fröhlich frohlocken die Kinder, junge Mädchen, die Hände voll Blumen, springen frohgemut über die Blüten der Felder. Erhabene Göttin, solches genießen, die dich ehren, freigebige Gottheit.
Sei gegrüßt, Mutter Erde, Gattin des gestirnten Himmels. Spende gütig zum Lohn für mein Lied herzerfreuende Nahrung. Ich aber will nun deiner und anderen Sanges gedenken.
aus Christoph Einiger, Die schönsten Gebete der Welt
zu finden ebenso in Mircea Eliades Geschichte der religösen Ideen  

Freitag, 31. Oktober 2008

Gedanken von White Eagle zu Allerheiligen, Allerseelen, dem Herbst um uns und in uns.



Hiawatha und Minnehaha.
In H.W. Longfellows Epos über das Leben des
Häuptlings Hiawatha heiratet dieser Minnehaha.
Die Statue lässt die Liebe der beiden erahnen.
Bild Wikipedia, urheberrechtlich gemeinfrei
White Eagle ist ein geistlicher Lehrer, dessen Gedanken und Worte durch das Medium Grace Cooke, mit der er in vielen Leben verbunden war, übermittelt wurden. 
White Eagles letzte Inkarnation liegt wohl 450 Jahre zurück. Damals war er, wie Grace Cooke seinen Hinweisen entnehmen konnte, der Mohawk-Sachem Hiawatha, also der Friedenshäuptling eines zu den Irokesen gehörigen Stammes. Unter den Indianern genoss er eine unglaublich große Verehrung; dadurch konnte er maßgeblich zur Gründung des Bundes der Irokesen beitragen, der die internen schrecklich blutigen Auseinandersetzungen beenden sollte.
Seine durch Grace Cooke übermittelten Schriften sind geprägt von einer einfachen, schlichten Sprache und genauso einfach und zugleich wertvoll ist die vermittelte Wahrheit. Zahlreiche Bücher sind von ihm erschienen; für mich eines der wertvollsten trägt den Titel "Die göttliche Mutter".
Hier nun ein Auszug aus "Geistige Jahreszeiten":

Ein Gedanke zum Herbst


Aus der Dunkelheit des Erdreiches entspringt Le­ben, es wächst und blüht, duftet und strahlt. Wenn ihr im Herbst eine Blumenzwiebel in den Boden ein­pflanzt, dann vertraut ihr darauf, dass aus dem unan­sehnlichen braunen Knollen etwas hervorgeht, das in solcher Schönheit erblüht, als wäre es ein Hauch Got­tes. Es wächst aus der Dunkelheit zum Licht empor, doch die Wurzeln ziehen die Nahrung aus Stoffen, die verrotten und zerfallen.
[...] was immer eure Sorgen, eure Lebensumstände und eure Schwierigkeiten heute sein mögen - seid dankbar! Denn diese sind das Erdreich um eure Wurzeln, aus denen zur rechten Zeit das Wun­der des Blühens hervorgehen wird.


Die Feste des Herbstes

Nach dem emsigen Wachstum und der mannigfachen Tätigkeiten während der Sommermonate, nach dem Höhepunkt des Ernte-Dankfestes spürt man den alles durchdringenden Frieden des Herbstes auf den Fel­dern und in den Wäldern, in Gärten und Parks, ja auf der gesamten Erde. Wenn sich die Säfte in den Wurzel­stock zurückziehen und die Lebenskräfte im Boden eine Zeitlang schlummern, dann wird der tiefe Frieden beinahe greifbar. Es ist eine Zeit des Ausgleichs der Le­benskräfte. Dieses ewige Gesetz des Ausbalancierens wird in allen Lebensbereichen sichtbar - in Ebbe und Flut der Gezeiten, in Sommer und Winter, in Licht und Dunkel, wie auch in mannigfacher Weise in den er­staunlichen Mechanismen des menschlichen Körpers. Es äußert sich auch im Pendeln des Bewusstseins zwi­schen der inneren und der äußeren Welt, zwischen Wachsein und Schlaf, zwischen Leben und Tod. […]
Auf ähn­liche Weise vollzieht sich der Rückzug des menschli­chen Lebens aus der äußeren Welt, um auf einer inne­ren Ebene geboren zu werden. Wir trauern über den Tod des Leibes, doch jene auf der anderen Seite des Schleiers freuen sich über die Geburt der Seele in ihrer Welt.
In der Natur vollzieht sich der Rückzug des Lebens aus der äußeren Form ganz lautlos. Doch wenn die Blätter fallen und die goldenen Stoppeln unter das Erdreich gepflügt werden, wenn die Ruhe des Herb­stes sich auf die Felder herniedersenkt, dann regt sich neues Leben tief unter dem äußeren Geschehen. Es ist, als wirke dort ein himmlischer Frühling.
Die Festtage, die in diese Zeiten fallen, Allerseelen und Allerheiligen […] sollen - daran erinnern, dass tief in der Seele des Menschen die Fähigkeit ruht, mit himmlischen Wesen und mit der in­neren Welt des Geistes in Kontakt zu kommen.
Zu dieser Jahreszeit wenden sich unsere Gedanken nach innen, zur geistigen Welt, und zu jenen, die dort wohnen. Beide Welten sind sich dann sehr nahe. Als müsste der Verlust des Sonnenlichtes ausgeglichen wer­den, erfolgt ein besonders starkes Ausgießen von gei­stigem Licht auf die Erdensphäre. Das hilft all jenen, die sich darauf einstimmen können, ihren Kontakt mit der geistigen Sonne, dem Quell allen Lebens, zu ver­stärken. Diese Verbindung mit dem göttlichen Quell ermög­licht auch einen echten Kontakt mit den geliebten See­len, die sich vom irdischen Leib zurückgezogen haben. Der Herbst eignet sich ganz speziell für eine Verbin­dung mit der übersinnlichen Welt.

Allerseelen

Wir beten, euer inneres Auge möge sich öffnen, um die Schar der Erleuchteten wahrzunehmen, eure geisti­gen Freunde und Brüder, die zu Allerseelen nahe an euch herankommen.
Wir können euch keinen materiellen Beweis für un­sere Botschaft des ewigen Lebens bringen, doch Gott gab euch die Fähigkeit, durch eigenes Erkennen die Bestätigung unserer Botschaft zu erhalten. Ihr könnt die ganze Welt durchforschen, könnt euch jedes wissen­schaftlichen Instrumentes bedienen, das der Mensch erfunden hat, könnt auf Pfaden übersinnlicher Phäno­mene forschen, und dennoch wird sich die Wahrheit vom ewigen Leben eurem Verständnis entziehen, so­lange ihr lediglich auf dem irdischen Weg sucht. Es exi­stiert immer etwas jenseits aller irdischen Dinge, etwas Undefinierbares, das ausweicht und mit dem Intellekt nicht eingefangen, nicht begriffen und nicht nutzbar gemacht werden kann. Es ist derart flüchtig, derart fein, dass es nur im eigenen Herzen erspürt werden kann. Dem Menschen wurden innere göttliche Gaben verliehen. In seinem innersten Wesen liegt das göttli­che Leben verborgen, und es ist seine Aufgabe hier auf Erden, an sich zu arbeiten, damit das Gottesbewusstsein in ihm erstarke. Wie können wir euch die unsichtbaren Welten beschreiben?
Wie können wir euch ihre Schönheit vermit­teln? Wird es euch helfen, Eindrücke aus jener höheren Welt zu erfassen, wenn wir euch raten, Gott freudig und mit Liebe im Herzen zu suchen?
Bemüht euch um die Erweiterung eures Bewusstseins durch die Liebe zu allen Geschöpfen, durch Liebe zum Mitmenschen, durch Liebe zu eurem eige­nen Leben und durch Liebe zu Gott. Sucht diese Bewusstseinserweiterung durch Freude an ganz einfachen Dingen. Wenn ihr euch an unsere Ratschläge haltet, dann werdet ihr euch einer feinstofflichen Gegenwart bewusst, ungefähr so, wie man den Duft einer Rose wahrnimmt oder den Duft der weiten Erde, des Mee­res, der Lüfte. Es gleicht einem zarten, alles durchdrin­genden Wohlgeruch, der euch die Nähe eurer Lieben anzeigt. Ihr beginnt, euch eines Lebens bewusst zu wer­den, das ewig währt. Ihr spürt, wenn ein Engel vorüberschwebt, denn ihr werdet einen höheren Sinn entwickeln für das 'andere' Leben - ein Leben in den Regio­nen des Lichtes, in das eure Lieben eingehen, wenn der Leib stirbt.
Der Tod sollte euch nicht von ihnen trennen, nur ihr sondert euch ab von ihnen. Die Welten des Lichtes, wirklich und begreifbar für jene, die dort wohnen, sind innere Welten. Das zu verstehen mag für euch schwie­rig sein. Wer diese Welten erreichen möchte, muss sich nach innen wenden, in das innerste Sanktuarium des Geistes, um dort Gott zu verehren, in Demut und mit liebendem Herzen.
Jesus, der Vermittler des Christuslichtes, der Offenba­rer des Gottessohnes, sagte: „Suchet zuerst das Reich Gottes, und alles andere wird euch hinzugegeben. "
Dies, meine Freunde, ist die Brücke und […] glücklich seid ihr erst, wenn ihr die kostbare Perle im eigenen Inneren gefunden habt.


aus White Eagle, Geistige Jahreszeiten. Aquamarin Verlag

Samstag, 11. Oktober 2008

Auf Erden ist der Himmel himmlischer als im Himmel! Über die Hochzeit von Himmel und Erde.




Halt an, wo laufst Du hin, der Himmel ist in dir,

suchst Du ihn anderswo, Du fehlst ihn für und für.

So hat schon Angelus Silesius in seinem Cherubinischen Wandersmann gedichtet, und er hatte Recht. Schließlich heißt es in der Bibel sinnentsprechend:

Das Königreich der Himmel ist in euch.

Im Grunde bedeutet das doch, dass immer da, wo ein Mensch geht und steht, auch der Himmel auf Erden ist.

Was wir wissen:
Da ist er nur als Möglichkeit. Wie schön, wenn es in der Realität bald 7 Milliarden Himmel auf der Erde gäbe.

So ist es also nicht. Aber die Option ist da. Eigentlich hat die Schöpfung es so vorgesehen.

Vater unser, der Du bist in den Himmeln ...
Deshalb spricht das Vater unser von den Himmeln, nicht, wie Luther sinnentstellend übersetzte: ... der Du bist im Himmel.
Korrekt übersetzt ist von tois ouranoís, von d e n Himmeln die Rede.

Kein Wunder, denn Gott ist in jedem Menschen, also in jedem seiner Himmel, die in den Menschen sind.

Man ahnt, wie weit es mit der Erde gekommen ist, wie sie leiden muss, denn von diesen Himmeln spüren wir wenig, spürt sie wenig. Statt Himmeln trägt sie alle Schattierungen der Höllen.

Hölle: Das ist ja ein Bewusstseinszustand. Genauso, wie das Paradies oder der Himmel.
Viele wollen diese lokalisieren.
Doch: Sie sind da, wo wir sind.
Manche denken: Oh, das Paradies, wie langweilig, ein Mann, eine Frau, ein Apfelbaum ...

Ist, selbst wenn wir das Paradies, den Himmel einen Moment lang leben können: Ist das langweilig?

Bei Gott nicht!

In Gott schon gar nicht!

In Bezug auf ihre selbstgemachten Höllen sind die Menschen ohne Ende phantasievoll und schaffen sie jeden Moment neu und jedesmal so einfallsreich anders.

Nur in Bezug auf den Himmel haben sie so eindimensionale Vorstellungen. Das ist bezeichnend und wirft die Frage auf:
Warum führen gerade die Himmel in den Menschen solch ein Aschenputteldasein?
Mit diesem Bewusstsein haben wir mit Sicherheit unsere kosmische Reise nicht angetreten. Nunmehr geht es um die Rückkehr der Könige und vieles, vieles mehr.

Leider ist Luther an all dem nicht ganz unbeteiligt, denn des Öfteren, wo in der Bibel von den Himmeln die Rede ist, hat er diese im Singular, in der Einzahl übersetzt.
Gehen wir daran, einfallsreich in Bezug auf das Kreieren von Himmelsvorstellungen zu werden, damit sie in uns zu Wirklichkeiten werden können, um einen Bogen, den Regenbogen zwischen Himmel und Erde zu spannen.














Die Aussicht besteht, dass wir den Himmel tatsächlich leben, und das geschieht vielleicht öfters, als man denkt, immer dann, wenn ein Mensch wahrhaft liebt, sei es, dass er sich selbst liebt, sei es, dass er einen Nächsten liebt.
Immer dann ist der Himmel auf Erden.
Dann geschieht, was in der Mythologie die Hochzeit von Himmel und Erde genannt wird.


Die Hochzeit von Himmel und Erde geschieht im Menschen.
Wo sonst?