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Montag, 9. Juli 2018

Vom Sturm in den Gassen und im Stübchen! - Mörike konnte noch keusche Liebesgedichte schreiben.

Heute ist man wieder dankbar, wenn einem nicht Sexualität förmlich aufgezwängt wird, wie das u.a. die sex-sells-Dame Helene Fischer praktiziert - ich schrieb kürzlich darüber.

Und - nein - keusche Liebe ist kein Widerspruch, denn keusch kann nicht nur enthaltsam, sondern schamhaft zurückhaltend bedeuten, und in einer Welt, in der Sexualität auf eine Weise vermarktet wird, dass sie einem schon zu den Ohren rauskommt, weil sie ein Konsumartikel geworden ist, der den Menschen fremder und fremder gegenübersteht und dazu führt, dass sie sich selbst mehr und mehr fremd werden, tut solch ein Gedicht wie das folgende richtig gut. 

Für mich zählen Eduard Mörikes fünf Strophen mit ihrer einfachen Sprache und den kindlichen Bildern zu seinen schönsten Liebesgedichten:

Begegnung

Was doch heut Nacht ein Sturm gewesen,
Bis erst der Morgen sich geregt!
Wie hat der ungebetne Besen
Kamin und Gassen ausgefegt!

Da kommt ein Mädchen schon die Straßen,
Das halb verschüchtert um sich sieht;
Wie Rosen, die der Wind zerblasen,
So unstet ihr Gesichtchen glüht.

Ein schöner Bursch tritt ihr entgegen,
Er will ihr voll Entzücken nahn:
Wie sehn sich freudig und verlegen
Die ungewohnten Schelme an!

Er scheint zu fragen, ob das Liebchen
Die Zöpfe schon zurecht gemacht,
Die heute Nacht im offnen Stübchen
Ein Sturm in Unordnung gebracht.

Der Bursche träumt noch von den Küssen,
Die ihm das süße Kind getauscht,
Er steht, von Anmut hingerissen,
Derweil sie um die Ecke rauscht



Ein Zauber der Liebe kann sich entfalten, wenn Liebe in der Schwebe des Lebendigen bleibt und nicht durch rohe Worte oder Bilder vergewaltigt wird. Ganz fein und zart und andeutend malt uns Mörike die Liebe zweier junger Menschen.

Dass die beiden Schelme, um die es im Folgenden geht, eine stürmische Nacht verbrachten und einen Sturm der Leidenschaft erlebten, während auch im Außen ein Sturm tobte und reinigend durch die Gassen fegte, ist offensichtlich.

Darin liegt ja auch der Reiz, dass Mörike im Innen und Außen diesen Sturm toben lässt und alles Weitere der Phantasie des Lesers überlassen bleibt.

Wenn heute in den Medien Liebe dargestellt wird, dann muss fast zwanghaft immer viel Reißerisches gezeigt werden und gesagt sein. Aber diese oft platten bildlichen und verbalen Liebes(spiel)darstellungen töten nicht nur den Reiz der Liebe, sondern die Liebe selbst.

Liebe will reizend sein, sie will zugleich ein Geheimnis bleiben, denn sie gehört nur den Liebenden. Wenn heute Partner über Details ihrer Liebe öffentlich berichten, geht es ihnen nicht um Liebe, sondern um eigene Zurschaustellung; es ist eine Selbstinszenierung auf Kosten der Liebe; dann kann allerdings zwischen beiden Partnern auch keine Liebe gewesen sein; sie will ja nicht ins Außen sich verpuffen, sondern nach innen wirken.

Unsere Gesellschaft hat weitgehend diese Fähigkeit verloren, Liebe ein süßes Geheimnis sein lassen zu können.

In Wahrheit will niemand über Details des Liebeslebens anderer informiert sein. Liebe lässt sich ohnehin nicht vergleichen. Sie ist für jedes wirklich liebende Paar unvergleichlich.

Keine Worte werden zwischen den jungen Liebenden gewechselt und doch wird so viel zwischen beiden in jenem kurzen Moment der Begegnung kommuniziert. Vielleicht sagen sie sich hier mehr als manche Paare ihr Leben lang.

Mörike ist ein Meister der Andeutung, wie ich es sonst nur von Conrad Ferdinand Meyer kenne, z.B. in jenem wunderbaren Gedicht Stapfen.

So einfach das Gedicht sich liest, so gekonnt ist es geschrieben. Es lebt von seinen Doppeldeutigkeiten und einem Augenblick der Begegnung, für den Mörike so bedeutungsvolle Worte bereit hält, die mehr sagen als 10 Seiten Thomas Mann, wenn da von Zöpfen die Rede ist und von den beiden Schelmen, von Diminutiven, also volksliedhaften Koseformen wie Liebchen und Stübchen.

Wie Mörike am Schluss das süße Kind um die Ecken rauschen lässt, das lässt jeden spüren, wie genau das Mädchen, so jung es ist, weiß, dass der Bursche jeden Zentimeter ihres Körpers mit seinen Blicken aufnimmt; und er weiß, dass sie spürt, wie hingerissen er ist und ihm jeder Zoll ihres Körpers Himmel auf Erden sein will.

Vielleicht finden wieder mehr Menschen zu solchen Lieben zurück.

Montag, 11. Juni 2018

Die Scheinheiligkeit der #MeeToo-Debatte: Frauen sollten Stellung nehmen zu den Sex-sells-Frauen, die ihre Geschlechtsgenossinnen und sich selbst zu Lustobjekten degradieren.

Ich kann die Vehemenz, mit der die #MeToo-Lawine die Männerwelt wie die Gesellschaften Europas überhaupt überrollt hat, nachvollziehen. Warum Frauen sich noch nicht früher geoutet haben? Die Staumauer musste brechen, hinter der sich so lange so viel Leid gesammelt hat. Als sie brach, wurde die Männerwelt überflutet und vor allem - erfreulicherweise - einige Übeltäter.

So weit so gut.

Allerdings traut sich absolut niemand anzusprechen [mittlerweile habe ich von Sylvia und Wiebke gelesen, dass sie es taten - siehe Fb-Kommentar], dass Frauen selbst ein Gutteil dazu beitragen, dass sie als Lustobjekte missbraucht werden - Details dieses Missbrauchs sind genügend durch die Presse und die Medien gegangen. Manches, was man lesen  musste, war in seiner Widerlichkeit einfach erschütternd.

Was mich mittlerweile, nachdem die ersten Wogen sich geglättet haben, doch etwas erstaunt zurücklässt, ist nicht, dass Männer das folgende Thema nicht ansprechen - Männer trauen sich so schnell nichts mehr, weil sie sofort als frauenfeindlich kastriert werden, ob es nun berechtigt ist, was sie sagen oder nicht -, sondern dass kaum eine Frau - schon gar nicht öffentlich - den Mut hat zu sagen, dass Frauen darauf schauen sollten, was sie selbst zu dem #MeeToo-Dilemma beigetragen haben.

Ich finde diesen Beitrag nicht  unerheblich, wobei ich mich leider bemüßigt fühlen muss zu beteuern, dass ich natürlich finde, dass den entsprechenden Männern der Prozess gemacht wird - und obwohl ich kein Freund des öffentlichen Prangers bin, scheint er mir in diesem Fall doch notwendig. Wenn ich das nicht in aller Glaubwürdigkeit beteuern würde und eine öffentliche Person wäre, könnte ich mich sicherlich vor einem gigantischen Shitstorm kaum retten  (wahrscheinlich käme er auch trotz der Beteuerung, denn dieses Land und viele Leute brauchen mittlerweile diese Shitstorms).

Ich erinnere mich, dass ich vor fünfunddreißig Jahren mit meiner damaligen Freundin auf der Peloponnes durch das griechische Kalamata gelaufen bin, als auf einmal ein Alter in einer Kneipe aufbrüllte, weil er meine Freundin in ihrem kurzen Minirock gesehen hatte. Heute würde man den Alten eher in die Klapse einliefern als sich Gedanken darüber zu machen, ob sein Aufbegehren berechtigt sei (was zu denken eh niemand mehr in den Sinn kommt).

Warum ich auf dieses Thema komme und auf die Idee zu diesem Post: Zufällig las ich einen Tweet von Victoria Reith, der hinwies auf eine Sendung des DLF über #MeeToo in Schweden; nicht nur per Film, sondern auch mittels fünf Artikeln wird  aufgezeigt, wie die Schweden damit umgehen; eine bemerkenswerte und ausgesprochhen aufschlussreiche Untersuchung

Und ich erinnerte mich, erst gestern auf inTouch gelesen zu haben:
Vanessa Mai (26) etwa bewirbt ihr Album „Schlager“ mit heißen Foto-Aufnahmen und gibt auf der Bühne Vollgas. Lasziv geht sie im knappen Body vor den Zuschauern in die Hocke oder hält sich einen LED-Stab vor den Schritt.
Sogar Michelle (46), die viele Jahre wie abgetaucht erschien, rief sich mit ihrem Hingucker-Albumcover und einem Glitzer-Jumpsuit bei Auftritten zurück ins Gedächtnis ihrer Fans. „Für mich gibt es keine Tabus. Ich finde, jeder Mensch soll das tun, was ihn glücklich macht“, sagte sie kürzlich in einem Interview. Und selbst die sonst eher konservativ gekleidete Linda Hesse (31) zog sich gerade für die Juni-Ausgabe des Männermagazins „Playboy“ aus.
Wobei zunächst auf Helene Fischer (SKANDALAUFTRITT LÖST RIESENWELLE AUS) eingegangen wird, über die ich allerdings schon in zwei Posts geschrieben habe, mehr Aufmerksamkeit ist sie nicht wert. Sie ist für mich die deutsche Sex-sells-Vorzeige-Protagonistin mit ach so gut-bürgerlichem Wohnzimmer-Touch; mittlerweile empfinde ich einfach nur Ekel vor ihrer gerissenen Scheinheiligkeit, wenn sie kürzlich auf ihre ach so unbedarfte Weise gesteht, dass sie auf ihrem berühmten Foto doch ein Höschen angehabt habe: so ein Ausspruch mag schon wenigstens 1000 zusätzlich verkaufter Songs bringen.

All das rechfertigt kein entsprechendes Männerverhalten, aber die Frage sei erlaubt, inwieweit das mittlerweile oben angesprochene jahrzehntelange Berieseln mit entsprechenden Bildern nicht zwangsläufig seine Wirkung erzielen muss gerade bei den Männern, die diesbezüglich labil sind. Gern wird argumentiert, dass doch dafür nicht Frauen verantwortlich gemacht werden können - aber so einfach ist die Sache nicht, finde ich. Frauen tragen einen Gutteil zu der öffentlichen Verkommenheit von Sexualität und deren Folgen bei.
Und ich formuliere das auf dem Hintergrund des Eindrucks, dessen man sich nicht mehr erwehren kann, dass in den letzten Jahren Sexualität auf eine dramatische Weise in diesem Land und den gesamten Indurstrienationen verkommt, ein Verkommen, zu dem, wie gesagt, eben auch Frauen erheblich beitragen, wobei keineswegs unterschlagen sein soll, dass die entsprechenden Marketing-Projekte meist von Männern durchgezogen werden. Es geht mir auch nicht um eine Zuweisung von Schuld, es geht um eine ehrliche gesellschaftliche Debatte und das #MeToo auch einschließen muss: auch das weibliche Geschlecht trägt erheblich zu dem #MeToo-Dilemma bei.

Dass sich in einigen Jahren Männer und Frauen mittels Roboter befriedigen werden, ist offensichtlich, wobei die Entwicklung der entsprechenden Aggregate, obwohl schon vorhanden, noch etwas unbemerkt von der Öffentlichkeit vor sich geht - ich bin gespannt, wann es den ersten Spielfilm gibt, in dem eine entsprechende Szene vorkommt. Ich bin ebenfalls gespannt, wann als Argument pro entsprechende Aggregate auftaucht, dass sie die Frauenwelt sicherer machen; das wäre ein Argument auf Puff-Niveau (damals und noch heute wird ja entsprechend auch hinsichtlich der Legitimation von Prostitution argumentiert).

Dass ein Teil der Menschheit auf eine dramatische Weise verkommt, ist für mich offensichtlich. Die Frage ist, wie Menschen, die ahnen oder wissen, warum wir Menschen sind und wohin wir uns entwickeln mögen oder sollten, sich zu all dem stellen.

Ich sehe nicht, dass das geschieht und setze dabei nicht auf die Kirchen, weil ich mir vorstelle, dass der Papst zwar gegen diese Entwicklung wettern mag, aber im Vatikan es dann schon längst entsprechende Befriedigungsinstrumentarien in dem ein oder anderen Kardinalszimmer gibt - hoffentlich wenigstens ohne das Wissen des Papstes (Päpste haben in der Vergangenheit allerdings schon zu ganz anderen Dingen geschwiegen).

Ich finde es notwendig, sich darauf zu besinnen, dass es die Zweigeschlechtlichkeit nicht schon immer gab - nimmt man jedenfalls die biblische Schöpfungsgeschichte und eine Übersetzung, frei von Lutherfehlern ernst - und worin die Bedeutung der Sexualität liegt. Ich fürchte, wer nicht in sein Bewusstsein sehr bewusst die Bedeutung von Gegensätzen aufnimmt und in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Zweigeschlechtlichkeit und Sexualität und - ja, das gibt es noch - Liebe, wird nicht verstehen, dass Goethes Ewig-Weibliches sich nicht auf Sexualität bezieht, sondern darauf, dass das, was in uns als Ur-Seele den Weg sucht zum 7. Schöpfungstag mit diesem Ewig-Weiblichen angesprochen ist, und warum es auf der anderen Seite das Männliche, den Vater gibt. Mit einer Dominanz des Männlichen hat das nichts zu tun, zumal unsere abendländischen Bewusstseinsvorfahren, die Griechen, nicht von ungefähr ein weibliches Wesen als Ursprung des Lebens benannten: ihre große Göttin Gaia.

Jedenfalls: eine ehrliche öffentliche Debatte wäre wünschenswert, wobei ich es begrüßen würde, wenn Männer nicht die besonders Geknickten spielen müssten, ehrlich auch mal Männliches sagen dürften, das nicht gleich irgendwelche Feministinnen auf die höchsten Höhen von Yggdrasil, der Weltenesche bringt (die bekanntlich über alle Himmel hinausreicht),  und Frauen auch Meinungen zu äußern wagen, die nicht deutlichst feministisch angehaucht sein müssen, weil sonst von links oder grün gleich irgendwelche Totschlagargumente kommen (sorry, ich mag die Parteien nicht mehr, das gilt für die Linken und Grünen genauso wie für die AfD und ihre Mehr-oder-weniger-Gesinnungsgenossen aus der CSU und der sonstigen Parteienlandschaft, die niemand mehr so recht ernst nehmen kann).

Mittwoch, 23. Mai 2018

Helene Fischers unaufhaltsamer Abstieg: Höschenlos durch die Nacht. - Sie zeigt sich gern (scheinbar) unten ohne ...

Ich hätte nicht gedacht, dass mein Blog-Beitrag 


auf diese Weise noch zutreffender wird.

Klasse finde ich, dass die Fans ihre mediale Gier offensichtlich gar nicht gut finden.

Bei RolllingStone [mittlerweile hat leider auch BILD die Sache als Thema erkannt] heißt es:
„Sex sells“, vor allem in der Unterhaltungsbranche. Das weiß auch Helene Fischer (33), die sich auf Fotos und Konzerten immer wieder in freizügigen Outfits und Posen zeigt. Doch so weit wie JETZT ist sie bisher noch nie gegangen.
Denn für ihr kommendes Remix-Album „Flieger – The Mixes“ lässt Helene Fischer nicht nur tief in ihr Dekolleté blicken, ihr knappes Oberteil suggeriert auch noch, dass sie gar keine Unterhose trägt. Ihre Hände hält sie schützend vor ihren Schritt . . .

Auf dem sozialen Netzwerk sind die Reaktionen allerdings äußerst durchwachsen und größtenteils negativ. „Unterste Schublade“ und „sexistisch“ finden die Fans von Helene Fischer. Aber auch davon, dass das Foto einfach nur „peinlich und billig“ sei, ist auf Facebook die Rede . . .

Klar finden manche es auch gut, dennoch überrascht mich die mehrheitlich ablehnende Reaktion echt positiv! Bezeichnender- und erfreulicherweise finden viele es einfach peinlich, wie jemand, der das doch eigentlich gar nicht nötig hat, sich da verkauft.

Offensichtlich hat Fischers Helene es doch nötig. Reiner Teint spiegelt eben nicht immer die Wahrheit der Seele, schon gar nicht deren Reinheit ...

PS  Der Schlager-Queen könnte auch zu denken geben, dass ein Parfüm (For you), das sie unter ihrem Namen verkauft, bei Kunden heftigen Hautausschlag hervorrief und ein weiteres (That´s me) Stoffe enthält, die gesundheitsschädlich sind und ätzend wirken können, zudem eine Gefahr für Kinder darstellen, weil das Parfüm leicht entzündlich ist.
Wer so lebensfroh und aufgeweckt tut und gleichzeitig den Kanal nicht voll genug bekommen kann und sogar mit gesundheitsgefährdenden Artikeln Geld meint machen zu müssen, zeigt auf einmal ein ganz anderes Gesicht.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass nach einem ihrer Konzerte sich ein schwerer Unfall ereignete. Das kann natürlich auch nach anderen Konzerten geschehen, aber eben hier ist er im Zusammenhang mit der Sauberfrau Helene Fischer geschehen.

Sonntag, 29. April 2018

Schade, dass Helene Fischer sich zu Deutschlands Pin-up-Girl Nr.1 und zu einem medialen Produkt hat verkommen lassen - die Leute merken das.

Erstaunlich, dass in der Zuschauergunst die ZDF-Helene Fischer-Show am Samstagabend sogar gegen eine Mordkommission-Istanbul-Wiederholung verlor; letztere sahen 14,5 Prozent (3,89 Mio.) der Fernsehzuschauer, das Helene-Fischer-Spektakel nur 12,7 Prozent und damit 3,53 Millionen. Relativ viele haben sich da gegen eine junge Dame entschieden, die noch nicht verstanden hat, dass es zunehmend mehr Menschen in Deutschland weniger auf Las-Vegas-Stil und ständige Steigerung von Effekten ankommt, sondern offensichtlich noch auf einen Rest von Natürlichkeit. Ihre ursprüngliche Natürlichkeit, die die Dame einmal hatte, hat sie längst verloren, verkauft.

Natürlichkeit verbraucht sich nicht, ein ständiges Atemlos durch die Nacht schon. Mittlerweile nehmen zunehmend mehr Menschen einer Helene Fischer ihre Texte nicht mehr ab, wenn auch die hingerissen zuschauenden Gesichter im Fernsehen anderes vermitteln wollen. Die Frau ist austauschbar geworden.

Dass  sich so viele für einen alten Krimi - wobei die Istanbul-Krimis noch nicht einmal mehr in der Türkei gedreht werden und ohnehin noch nie, fand ich, einfallsreiche und gute Produkte ihres Genres waren - entschieden, ist dennoch in diesem Ausmaß erstaunlich.  Diese Gigantomanie der Light-Show-Effekte, dieses hallo Deutschland, das so warm herüberklingen soll, das scheinbar so warmherzige Eingehen auf die Zuschauer wollen zunehmend mehr Menschen nicht mehr sehen.
Viele spüren den Schein. Es fehlt das persönliche Sein.

Gewiss sind die körperlichen Leistungen und die akrobatischen Einlagen, die Umziehgeschwindigkeit von einem Kostüm ins andere durchaus bewundernswert. Aber irgendwie kommt nichts mehr rüber.
Da hat sich jemand zu einer austauschbaren Puppe gemacht, ob sie nun Vanessa Mai oder Helene Fischer heißt oder - erfinden wir noch zwei Namen - Elisa Toller oder Sarah Nochtoller. Klar gehen die Kostüme noch knapper, die Effekte noch aufwendiger. Aber das wird nichts nützen. Ob das die junge Dame mitbekommt, mitbekommen will?

Gewiss hätte, als es die Bundeswehr noch als Wehrpflichtarmee  gab, das ein oder andere Bild von Frau Fischer in zig-tausend Spinden gehangen, vor allem jenes, als sich so ganz aus Versehen die eine Pobacke beim Tanzen entblößte.
Helene Fischer wäre wohl, an solchen Orten zu hängen, kein Anlass gewesen, ins Grübeln zu kommen.
Mittlerweile hat ja die junge Dame ihr Arsenal an aufreizenden Tanz- und Körperbewegungen zudem noch erheblich vergrößert.
Irgendwie ist es dann aber doch peinlich, wie sie erzählt, dass sie ursprünglich in ihrer von unten einsehbaren Plattform ein Kleid tragen wollte, dass man aber dann doch gemerkt hätte, dass das ja nicht geht (huihui), vor allem wenn sie sich so und so bewegt. - Meine Güte, geht´s noch? - Irgendwie könnte man sich dann doch für den ein oder anderen Gag zu schade sein.

Klar waren Schlagertexte schon immer Geschmacksache, doch die Leistung einer Helene Fischer besteht sicherlich darin, dass sie in gewisser Weise den deutschen Schlager wieder hoffähig gemacht hat mit Liedern, die eine individuelle Note und ein eigenes Flair hatten.
Irgendwie aber hat man den Eindruck, sie hat sich verloren - und zu fürchten ist, dass sie es nicht merkt.
Mir tut es dabei um den Menschen Leid, wie es mir um jeden anderen auch Leid täte.

Eine Bitte hätte ich dann noch an das ZDF: Möglichst bitte kein Advents- und Weihnachtssingen mit Helene. Genug ist irgendwann genug. Und mit Verlaub: Die Stimme klingt schon immer ziemlich gleich; gerade bei Weihnachtsliedern fällt das auf.

Freitag, 27. Oktober 2017

Was Christian Lindner und Helene Fischer gemeinsam haben!

Authentisch wie eine Litfaß-Säule, frei wie eine Marionette ihres medialen Egos, gestylt bis zum Anschlag, makellos, perfekt vermarktet.

In der gestrigen Lanz-Sendung ging Christian Lindner ausnahmsweise seiner eigenen Perfektion auf den Leim, indem er sich, mit dem Rücken zum Publikum im Kreis der anderen Gesprächsteilnehmer sitzend, mehrfach bewusst umdrehte und das Publikum in seiner unnachahmlich gekonnten Weise mit einbezog, bewusst zu ihm sprechend, so dass Markus Lanz sich irgendwann einen leisen Seitenhieb nicht verkneifen konnte, indem er zu erkennen gab, dass das professionelle Styling doch vielleicht übertrieben sei. Danach unterließ die personifzierte FDP diese lächerliche Attitüde.

Eigentlich schien mir die Zeit langsam zu Ende zu gehen, da Politiker suggerieren wollten, sie seien perfekt und hätten auf alles eine Antwort, aber die neuen zahmen Wilden à la Macron und Lindner setzen wieder auf Hochglanz-Politur und darauf, auf alles eine Antwort zu haben, wobei man sich nicht täuschen lassen sollte: 


Helene Fischer spricht ihr zigtausendfaches Publikum ganz vertraut mit Ihr Lieben an, erzählt Persönliches und spielt gekonnt auf der Klaviatur des Ach, wie lieb wir uns doch alle sind. 
Hochglanz und diese Art warmer Herzlichkeit scheinen sich offensichtlich nicht ausschließen. - So jedenfalls tickt unsere Zeit. - Mit wie vielen ihrer Fans sie allerdings tatsächlich in Liebe zu tun haben wollte, lassen wir mal dahingestellt.

Klar ist Deutschlands Helene eine sympathische Erscheinung, wenn auch ihre Stimme immer irgendwie gleich klingt, ob sie das Ave Maria singt oder atemlos durch die Nacht rauscht. Ihr Markenzeichen, das Ton-Absackenlassen, dieses Abkrächzen am Ende einer Liedzeile oder wo es sich eben ergibt, ist in wirklich fast jedem Lied vielfach zu hören ist. 

Man kann sich auch nur schwer darüber hinwegtäuschen, dass ihre Lieder duchgängig die gängigen sprachlichen Hülsen, Klischees und Versatzstücke verwenden, wenn auch im topaktuellsten musikalischen Gewand, und gerät die Musik wie in den letzten so erfolgreichen Produktionen wie z.B. Herzbeben bewusst aus dem Takt, so ist das Absicht  und sie wird umso effektiver wieder eingefangen.
 

Klar kann man durch die Halle schweben und Pirouetten drehen, warum nicht, wo es der Körper doch hergibt. Der gibt auch her, sich fast nackt zu zeigen wie in ihrem letzten vehement promoteten Video. Noch ist ein gewisses Steigerungspotential da. Nackt geht auch.
Nur: 


Mitmachen muss sie das nicht, immer mehr ein Abziehbild ihrer selbst und damit dieser Gesellschaft zu werden, jedermanns Helene. Es gibt Beispiele großer Künstler, die sich nicht so maßlos vermarktet und selbst aufgegeben haben. Gleiches gilt auch für große Politiker.

Wie sehr hat alle Welt betont, dass sich die Pfiffe der Fußballfans im letztjährigen Pokalfinale im Rahmen ihres Halbzeitauftritts nicht gegen unser aller Helene gerichtet haben. Doch sie haben sich sehr wohl auch gegen sie gerichtet, denn nicht wenige haben ihr auch sagen wollen: Hier hast Du nichts verloren. Dräng dich nicht überall rein. Dieses Stadion will dich nicht!

Nicht, dass Leute wie Christan Lindner und Helene Fischer mediale Clowns sind, aber sie sind Klone, medial zurechtgestutzte Klone. Und es ist eben ein Kennzeichen dieses Klon-Daseins, dass diese Menschen das Gefühl haben, sie verwirklichten sich selbst und seien frei. Weder ein so intelligenter Mensch wie die personifzierte FDP kann dieser Narzissmus-Falle widerstehen noch ein sich so herzlich-warm gebendes Pin-up-Angebot wie Helene Fischer. 

Zu jeder Phase seines Sprechens - und er spricht gekonnt, frei, gern - supervisiert sich Christian Lindner selbst, nimmt jede Nuance wahr, auch wo eine Aussage die gekonnte Spur verlässt - gleich nimmt er mögliche Einwände vorweg -, hat den Interviewer im Blick, das Publikum, ganz Deutschland. Da müssen sich die Steinmeiers, Özdemirs, Dobrindts, Klöckners und von der Leyens, die auch auf diesem Zug mitfahren, ziemlich weit hinter ihm anstellen, obwohl sie sich doch auch so sehr bemühen, so bemüht unauffällig bemühen.

Allerdings: Christian Lindner bemüht sich gar nicht um Unauffälligkeit, im Gegenteil, wie zigtausende Wahlkampfplakate zeigten, und hat alles im Griff, und wenn es nicht so wäre, würde er auch das Gegenteil gekonnt vermarkten. Immer smart. Gern leicht, aber dennoch erkennbar gekünstelt lächelnd. 

Irgendwie sehen seine Gesichtszüge für mich dann ziemlich eingefroren aus.

Ich bin sicherlich nicht der Einzige, der annimmt, dass diese Seifenblasen irgendwann platzen.
 

In Wahrheit suchen Menschen nicht solche Menschen.
 

Aber auf der Suche nach sich selbst ist die Gefahr groß, dass man solch illuminierte Seifenblasen toll oder zumindest gut findet. Man kann in solchen Zeitgenossen endlich ausleben, was einem selbst verwehrt ist. Das garantiert, dass man sich selbst nie findet.

Ich hatte in der letzten Zeit die leise Hoffnung, unsere Gesellschaft würde und wollte solche Politikertypen - in der Musikszene ist es sicherlich anders - und Menschenmasken nicht mehr produzieren.

Vielleicht aber fallen doch weniger auf die Lindners und Fischers unserer Zeit herein, als man momentan anzunehmen geneigt ist. 

Dass sie auch andere Seiten haben, steht außer Frage und dass sie ihre mondäne Hochglanzseite leben, berechtigt im Übrigen nicht dazu, sie in irgendeiner Weise zu verachten. Ich möchte nur sagen: Ich lege keinen Wert auf solche Zeitprodukte. 

Wobei ich gern darauf verzichte, deren dunkle Seiten, wie wir sie alle haben, sehen zu müssen; eins ist gewiss: Je hochgeglänzter sie sich geben, desto dunkler sind diese Seiten (je höher die Berge um einen See, desto tiefer und dunkler ist er, auch wenn man es nicht sieht). Das gilt auch für die tolle Helene und den tollen Christian, selbst wenn sie alles tun, davon abzulenken. Im Endeffekt nützt das niemandem, im Gegenteil.