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Donnerstag, 16. Januar 2025

Wer sich spirituell nicht deutlich bewegt, wird zu den Verlierern dieser Zeit gehören.

Die bewusste Menschheit geht in dieser Zeit entscheidende Schritte, indem sie ihr inneres Wesen öffnet über ihr solares und galaktisches System hinaus hin zu universalem Bewusstsein. Letzteres bereitet sich intensiver bereits seit einem halben Jahrhundert vor und wird sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in dazu bereiten Menschen realisieren, was nicht einfach sein wird, weil der Zugang zu diesem Bewusstsein erheblich erschwert werden wird durch Irritationen, ausgelöst durch Fake-Zugänge, die dunkle Kräfte bewusst inszenieren.

Leider steht zu befürchten, dass nicht wenige Menschen weiter schlafen wie bisher und dazu gehören gerade diejenigen, die sich spirituell ihres Bewusstseins so sicher sind. Zu ihnen zähle ich vor allem dogmatische Christen, festgebackene Anthroposophen (Steiner hat mittels seines Namens vor ihnen gewarnt) und all jene, die sich von Channelings und spirituellen Botschaften einlullen lassen, gerade weil letztere betonen, wie herausfordernd unsere Zeit ist, von der Überwindung von Restbeständen alter Ängste sprechen, von Selbstermächtigung und Vergleichbarem, aber durch die Art der Vermittlung (man braucht nur die Dutzende, meist pauschal lobhudelnden Kommentare unter entsprechenden Beiträgen lesen) dafür Sorge tragen, dass alles häufig in einer wabernden pseudo-spirituellen Aufgeschlossenheit steckenbleibt, weil u.a. unbemerkt Göttlichkeit mit dem eigenen Seeleninneren gleichgesetzt wird. Zudem gibt es eine nicht unerhebliche Zahl recht selbstgefälliger Menschen gerade im esoterischen Bereich, die meinen, über alles etwas zu sagen zu haben.

Arbeit mit und an der eigenen Seele: Wie sieht sie konkret aus?
Wer das für sich selbst nicht weiß bzw. sich nicht einmal diese Frage stellt, dümpelt womöglich im Kehrwasser des großen Stroms, der an einem vorbeifließt und einen glauben lässt, man schwimme mitten in ihm (bedauerlich ist, dass große Teile der Menschheit nicht in diesem Strom schwimmen, sondern es sich in seinen Seitenarmen oft gemütlich eingerichtet haben - zum Beispiel mit Waschmaschinen über 1000 Schleuder-Umdrehungen und beheizten Vordersitzen im Auto, wobei zu den dominierenden Lebensfragen gehören: E-Auto: ja oder nein; essen, vegetarisch oder vegan …).

Im 15. und 16. Jahrhundert legte die Menschheit von den Küsten ihrer Länder und Kontinente ab hinaus aufs offene Meer. Ende des 20. Jahrhunderts legte die Menschheit von der Erde ab, eroberte den Orbit (vermüllte ihn vor allem mit Weltraumschrott) und richtete ihr Augenmerk auf die (leider vor allem physische) Eroberung der sie umgebenden Planeten (Elon Musk ist der Prototyp dieser Spezies).
Nun ahnen nicht wenige oder beginnen sogar bewusst wahrzunehmen, dass wir schon seit langem im Fokus universaler Wesenheiten sind, die beginnen, sich bewusster bemerkbar zu machen (seien es die diesbezüglich sehr aktiven Plejader, Arkturianer, Wesen vom Orion usw.), vor allem, weil unsere Mitbewohner des Kosmos bemerken müssen, dass die Menschheit Gefahr läuft, ihr eigenes kosmisches Zuhause zu ruinieren, wobei atomare Bedrohung und die innerliche und äußere Aufrüstung mit ungeheuer aggressivem Potential (man schaue nur den Gewaltpegel in den Medien an - übrigens leider gerade auch im Bereich der Sexualität) im Mittelpunkt der Aktivitäten von uns Menschen stehen. Unter ihnen können zunehmend mehr dieses Potential innerlich nicht mehr handeln und schießen oder stechen um sich, sei es mit Waffen und Messern in Schulen oder generell in der Öffentlichkeit oder sie benutzen Autos als Waffen - auf Weihnachtsmärkten oder generell auf Straßen. Wie Fontänen werden in Zukunft bei immer mehr Menschen aus dem Unbewussten entsprechende Energien nach oben schießen und scheinheilig fragen sich Politiker und Wissenschaftler, woher dies komme - alle wissen es ganz genau; lange genug haben wir als Menschheit diese Energien aufgebaut.

Von bewusst und wissentlich bösen Menschen einmal abgesehen: sie gibt es auch und Putin gehört für mich an vorderster Front dazu als vielfach oft indirekter eiskalter Lebensvernichter, sprich Mörder, wobei für mich aufschlussreich ist, wer ihre bzw. speziell Putins Existenzweise verwässert.
Zu solch energetisch dunklen Menschen gehören aber auch jene, die im Hintergrund die Geschicke der Menschheit mit bisher funktionierenden Stellschrauben - und es gehören nicht nur pekuniäre, sondern dezidiert schwarzmagische dazu (ich denke ganz besonders auch an Wettermanipulationen, deren Auswirkungen den Menschen Existenzangst machen und sie abhängig halten sollen) - bestimmen. Ihre Zeit neigt sich dem Ende zu, zumindest was die Heimlichkeit ihres Agierens betrifft.

Auch in diesem Beitrag - wie in den vorausgehenden - möchte ich gerade auch mit Hilfe des Links (siehe Schluss) aufzeigen, wohin die seelisch-geistige Reise geht; bisweilen scheinen die inhaltlichen Punkte wenig spektakulär; aber sie wirken als seelisches Ferment; das ist gerade für jene Menschen wichtig, die ihren geistigen Stecker in alles mögliche Zukünftige stecken, aber nicht sehen, dass die Verbindung in ihre geistige Vergangenheit nicht intakt ist. Alle Verbindung nach vorn funktioniert nur, wenn wir uns mit dem -Ur- befassen, mit unserer Ur-Sprünglichkeit, wenn wir endlich ent-decken, was wir selbst in vielen früheren Leben zudeckten (es geht um unseren inneren Adam Kadmon).
Unsere Ursprünglichkeit finden wir als Heiliges Dokument vor allem in der Torah, landläufig als die 5 Bücher Mose bezeichnet. J.J. Hurtak bezeichnet die Torah aufgrund der mathematischen Schlüssel, die in jedem hebräischen Buchstaben - Enoch bezeichnet sie auch als Feuerletter - enthüllt sind, als die Weisheitslehre unter den Himmelskörpern und gibt Enoch in seinem Buch "Die Schlüssel des Enoch" wieder:

„Die Torah ist die Mathematik, die die heilige Chemie von der weltlichen Chemie trennt. Sie ist die Codierung, die spirituelle Universen mit physischen Universen verbindet.“ Sie steht im Übrigen in enger Beziehung mit der Architektur und Mathematik der Großen Pyramide von Giseh (https://www.schluesseldesenoch.org/neue-kammern-in-der.../)

Am Ende dieses Schlüssels heißt es (und Anmerkungen von mir im Rahmen der Zitate sind durch eckige Klammern gekennzeichnet):
„Die Torah, wenn mit dem Namen Gottes richtig gebraucht, wird zur Sprache von Shuvah, die eine Bewusstseinsrückkehr zu den höheren Gewahrseinsebenen aktiviert. Die Torah ist die spirituell-wissenschaftliche Sprache der Luminarien [Himmelskörper], die uns dafür öffnet, mit den Söhnen Gottes zu sprechen und mit ihnen eines Sinns zu sein. (…) In der Stunde des Aufstiegs wird unser Körper wie die Torah-Rolle sein, erfüllt von Licht und als ein Geschenk an die Wohnungswelten der Kabbala dargebracht.“

Doch lässt sich in Wahrheit die Torah nicht auf die Bücher Mose begrenzen, wie Hurtak erläutert, „weil der Bau des Grundsteins, der Großen Pyramide, mathematisch im Buche Jesaja gegeben ist, und das Energie-Vehikel, das uns mit den Sternen gezählt werden lässt, ist bei Daniel [Buch Daniel im AT] und in anderen prophetischen Abschnitten genannt. Ohne diese Schriftrollen könnte das Volk Gottes die Jakobsleiter zum Aufstieg in die Himmel der Ophanim [höhere Engel-Intelligenzen des Lichts, die den Vater- und Sohn-Universen dienen] nicht besteigen. Desgleichen ist das Buch der Offenbarung notwendig, um einen wirklichen Bericht darüber zu geben, wie der Göttliche Rat der Elohim zur Zeit der Wiederherstellung JerUSAlems den Schlußstein der Großen Pyramide und das Gewand des Messias für die Kinder des Lichts materialisieren wird.
Daher bilden alle diese Bücher die wahre Torah.“

Obwohl der ein oder andere Satz, die ein oder andere Passage für den ein oder anderen – ich gehöre dazu – inhaltlich (noch) nicht zur Gänze erfassbar ist, so möchte ich dennoch eine Sequenz aus den „Schlüsseln des Enoch“, aus dem Schlüssel 206, auf meinem Blog „Wortbrunnen“ zitieren (s. Link unten), weil sie deutlich machen kann, wie ernst es um die Situation von uns Menschen ist, wie sehr damit unsere Sprache zusammenhängt, die eine Sprache gefallener Himmelswesen ist, wie sehr uns die Zunge der Schlange und Leviathan beeinflussen und wie hilfreich zugleich die biblischen Dokumente, mögen sie sich im AT oder NT befinden, für uns sind. Man muss nicht alles intellektuell erfasst haben, was die Seele sehr wohl dennoch aufnimmt und verarbeitet, vorläufig oft ohne dass dies uns bewusst ist. Je mehr wir diese Tatsache akzeptieren, desto mehr kann sich unser Verstehen erweitern. Es gehört eine neue Qualität an Demut dazu, aus ganzem Herzen JA sagen zu können zu einem Satz aus Schlüssel 206:

„ Nur wenn der Mensch wieder fähig wird, das Christus-Licht zu sein, wird er fähig sein, die Sprache des Lichts zu benutzen und an den höheren Lichtwelten mitzuwirken.
Er wird sich dann die Sprache der Söhne des Lichts aneignen, die auch die ersten Mitglieder der Adamischen Rasse benutzten, als sie ursprünglich auf diesen Planeten kamen. Und das ist der Grund, weshalb Enoch in dieser Zeit zur menschlichen Gemeinschaft spricht…“

Am Ende des nun beginnenden Bewusstseinsprozesses wird die Erkenntnis stehen:

„ Die Sprache des VATERS ist ein Ruf an die Geliebten wie ein spirituelles Licht, das über den Wassern der Schöpfung schwebt. Und ihr seid diese Schöpfung.“

Mittwoch, 8. Juli 2020

In Sachen Corona-Virus: Wenn Gott für falsches Selbstmitleid, Denkfaulheit und Bequemlichkeit herhalten muss!


https://bit.ly/3e4S0rr


Corona-Ausbrüche in diversen Pfingst- und mennonitischen Gemeinden:

Gott liebt uns alle und Gott ist stärker als Corona - schmuschmus und um den Hals fall (Gott ist unser Schutz!!!) >>>> 14 Tage Quarantäne!

Was jetzt?
Gibt es keinen Gott?
Ist er in Urlaub?
Hat er einfach nur gepennt?

Oder könnte es sein, dass er nicht so ist, wie ihn gewisse superreligiöse Menschen sich zurechtmodellieren??

Hauptsache glauben, denken muss man nicht und das sogenannte Weltliche auch nicht beachten. - Die Welt ist sowieso des Teufels (auch wenn eine sehr hohe Gottheit vor 2000 Jahren ihr extra mehr als nur einen Besuch abstattete und im Grunde die Erde doch eigentlich heiligte . . .)

Mancher Menschen Gott ist genauso wie sie selbst.
Wie ihr eigenes Inneres.
Anders kann Gott doch sowieso nicht sein !!!

Scheinbar aber doch . . .


Der Corona-Virus ist schonungslos. Er deckt rigoros auf, wo die Menschen aus Bequemlichkeit und einer asozialen Politik heraus nicht hinschauen: Er fällt ein in dichtest besiedelte Wohngegenden und Hochhäuser, wo Menschen unwürdigst leben, in Fleisch- und Glaubensfabriken. Er zwingt zum Handeln und Umdenken, wobei ich vermute, dass Menschen dieser Art von Religiosität, die in dem Artikel angesprochen sind und die ich aus meiner Kindheit und von der Religiosität meiner Eltern her kenne, nicht umdenken, sondern meinen, sie müssten noch intensiver beten.

Natürlich kann man sagen, sie seien borniert, aber man verkennt, dass gerade für religiöse Menschen eine Brücke zu finden zwischen der Tatsache, dass es gilt, Selbstbewusstsein zu entwickeln, sich also immer mehr seines Selbst bewusst zu werden, und ein Bewusstsein und richtiges Verhältnis zum Göttlichen zu finden, sehr, sehr schwer ist. - Dass z.B. Demut und Selbstbewusstsein sich nicht ausschließen, das ist für manche kaum nachvollziehbar.

Und wie schwer mag es erst sein, sich einzugestehen, dass Glaube und Vertrauen in Gott oft einfach nur ein Ersatz sind für eigene Bequemlichkeit. Warum sich mit fundamentalen Problemen des Lebens auseinandersetzen, wenn man sie einfach damit lösen kann, dass man den ganzen Bettel, wie man im Schwäbischen sagt, Gott hinschmeißt?!

Kommt noch hinzu, dass solche Menschen sich zugute halten, nicht, wie die breite Masse, den breiten Weg zu gehen, sondern den schmalen Weg der Auserkorenen. Dass da oft eine ganze Menge Selbstmitleid kaschiert wird, ist nochmal eine zusätzlich schwierige Kiste. Es aalt sich so schön in diesem Gefühl, wie schwer das Leben sei und wie groß die Belohnung, die doch wartet. Ich mag das nicht mit den 72 Jungfrauen, die auf den islamistischen Terroristen warten sollen, vergleichen, aber es geht leider in eine vergleichbare Richtung.

Ich kann mir vorstellen, dass viele dieser Menschen im Jenseits ankommen und bitter enttäuscht sind, womöglich aber auch dort ihre Selbsttäuschung noch eine lange Zeit fortsetzen.
Wie im Himmel, so auf Erden.
Das weiß schon das Vater Unser.


Dienstag, 26. März 2019

Vorsicht vor dem stillen Glück. Stolperfallen der spirituellen Entwicklung: Christian Morgenstern warnt vor dem Kränzchenwinden.

Dieses Gedicht des eigentlich nur als Wortkomödiant und humoriger Schriftsteller bekannten in Tirol 1871 geborenen Dichters will ausgesprochen aufmerksam gelesen werden, sonst entgehen einem die sanften Hinweise der ersten drei Strophen und der große Ernst des zweiten Teils, der manchen, der im Blumenpflücken steckengeblieben ist, wieder auf die Lernspur bringen könnte - und vielleicht erstmals auf die tiefe Demutsspur.


›Ich will aus allem nehmen, was mich nährt,
was übereinstimmt mit mir längst Vertrautem;
so wird mir manches stille Glück gewährt.

In Eurer Weisheit fand ich manch geheime
Bestätigung zu von mir selbst Geschautem
und brachte sie zu meiner Art in Reime.

Es gibt so vieles Schöne, Gute, Wahre;
wie bin ich dankbar, daß ich Mensch sein darf
und immer Neues solcher Art erfahre!‹

Erfahre denn noch dies dazu: entfernt
bist du vom Ernst noch. Dein Gewissen warf
dir noch nicht vor, daß Weisheit sich nur – lernt.

Mit solchem Blumenpflücken, Kränzchenwinden –
was ist getan? sieh dir ins Angesicht
und prüfe, ach, solch allzu lau Empfinden.

Du fühlst der Weisheit Weg noch nicht als – Pflicht.
Und so: ob von Glühwürmchen oder Sternen
dir Licht zufließt – dir ist’s das gleiche Licht.

Dir sind die echten Tiefen, wahren Fernen
noch stumm; sie, deren Siegel einzig bricht:
ein tiefdemütig lebenslanges – Lernen.


Ausführlicher habe ich das Gedicht hier interpretiert.

Auf die dreifache Gefährdung durch Stille und totenstilles "Glück" macht das folgende Video aufmerksam, auf ihre gefährlich einlullende Seite und ihre Venus-Helena-Falle: 





In dem folgenden geht es um die Hilfen, die Stille für unsere spirituelle Entwicklung leisten kann, um Schwierigkeiten und Möglichkeiten dieses Weges:





Donnerstag, 3. August 2017

Manchmal ist Gott einfach zum Verzweifeln! (aus dem Kellergewölbe von Platons Höhle)

Gerade hatte ich mich mal wieder durch ein tiefes Sinnloch hindurchgehangelt, da traf ein von mir antiquarisch bestelltes Buch ein, das mir eine liebe frühere Kollegin so dringend empfohlen hatte und es sogar für mich bezahlen wollte, nur, damit ich es hätte, so dass mir nichts übrig geblieben war, als es schleunigst selbst zu ordern. Es waren die Worte des Meisters von Paramahansa Yogananda, dem aus Indien stammenden Yogameister, Philosophen und Schriftsteller, den seine Schüler als einen Avatar verehren, eine Wesenheit also, die nicht hätte inkarnieren, nicht also hätte Mensch werden müssen, doch es den Menschen zuliebe tat.
Nur als kleine Anmerkung: Der größte Avatar war im Rahmen dieses Bewusstseins Christus, der  in dem Menschen Jesus nach der Taufe durch Johannes den Täufer für drei Jahre in dessen Körper inkarnierte und durch Jesu Tod und mit der Tatsache, dass dessen Blut die Erde berührte, sich als Christus auf ewig mit ihr verband (für mich bezeichnet Christus im Übrigen weniger eine Religion, sondern eine Bewusstseinsstufe).

Zurück zu Yogananda und seinem Buch, in dem ich ein wenig blätterte und unseligerweise auf Sätze wie diesen traf:
Um eine mannigfaltige Schöpfung ins Leben zu rufen, musste der Herr jedem Ding den Anschein der Individualität verleihen.
Da waren sie wieder, meine Zweifel am Sinn meiner Existenz im Rahmen der Vorstellung, dass der Mensch, durch Gott geschaffen, sich im Laufe der Evolution zu einer Individualität entwickelt hat, die er aber, wenn er sich durch die Maya des Irdischen mittels vieler Inkarnationen hindurchgekämpft hat, wieder aufgeben wird zugunsten eines großen Allbewusstseins.
Kleine Anmerkung zu dem Begriff Maya: Er bezeichnet die irdischen Formen und Gegebenheiten, die den göttlichen Geist, der doch die wahre Wirklichkeit ist, auf so gekonnte Weise verstecken können. Maya wird oft mit Illusion gleichgesetzt, mit menschlich-irdischen Illusionen wie Reichtum, Genuss  und Ähnlichem. 
Ehrlich gesagt halte ich solches Denken nicht für sinnvoll, weil es den Stellenwert und die Bedeutung des menschlichen Seins auf der Erde nivelliert. Nur wer ein Bewusstsein davon hat, wie wertvoll Maya ist, kann sie überwinden. Alles esoterische Gesäusel von wegen Maya = Illusion tut das meines Erachtens sehr oft nicht.

Anschein der Individualität?

Ich dachte immer, ich könne das ernst nehmen, dass der jüdische Gott Jahve mit seinem Ich bin der IchBin ultimativen Wert darauf gelegt hatte, dass jeder zu einem Ich-Bewusstsein gelange, wohlgemerkt nicht zu Egoismus und Personenkult, sondern zu einem Ich-Bewusstsein, das ihm Ich-Findung ermöglicht.
Für mich war das eigentlich die zentrale Mission des jüdischen Volkes gewesen, dass dem Menschen - damals noch im Rahmen festen Eingebundenseins in Stämme - ein individuelles Bewusstsein als Möglichkeit der Entwicklung vermittelt werde (was auch meines Erachtens gelang). 

Alles ist Maya, auch die Ich-Findung?

Wozu das ganze Spiel?

Unglücklicherweise traf ich in dem Büchlein auf die Frage eines Yogananda-Schülers:
Meister, warum muss die Vorstellung weitergehen? (Yogananda hatte zuvor von dem irdischen Schauspiel gesprochen).
Yoganandas Antwort war:
"Das ist Gottes Lila - Sein Spiel oder Sein Zeitvertreib . . . Er hat das Recht, sich in zahlreichen Formen auszudrücken, wenn Er es so wünscht. Wenn Gott sich nicht in den Schleier der Maya hüllte, gäbe es kein kosmisches Schöpfungsdrama. Wir dürfen Versteck mit ihm spielen und nach ihm suchen, bis wir ihn finden und den Höchsten Preis gewinnen.
Wir dürfen Versteck mit ihm spielen?

Wir als Gottes Zeitvertreib?

Verehrter Yogananda - ich gehe davon aus, dass Du mich auch jetzt hörst -, schau mal das Leid in Syrien an, das Leid in vielen Teilen Afrikas, in Venezuela oder an anderen Orten, wo Krieg herrscht, z.B. in der Ukraine, oder wo Menschen einfach, weil ein kranker Narzisst herrscht, auf nicht absehbare Zeit in Gefängnisse geworfen werden, wie in der Türkei. Über sechzig Millionen Menschen sind auf der Erde auf der Flucht. Vor dem Menschen.
Und das ist ein Ausschnitt des Jahres 2017. Im Dreißigjährgen Krieg war es kaum besser oder im Ersten oder Zweiten Weltkrieg - dabei leben wir jetzt in Friedenszeiten!

Auf dieses Versteck-Spielen kann ich verzichten.

Und ich rede nicht von noch relativ belanglosen Einzelschicksalen wie dem meiner älteren Schwester, die sich eine künstliche Hüfte einsetzen lassen musste, was allerdings zur Folge hatte, dass sich die Wunde infizierte. Ein Jahr lag sie in einem Krankenhausbett, jeden Tag Infusionen, jeden Tag Trostlosigkeit, mehrfaches Öffnen des Beins, mal ein wenig Hoffnung, mal Verzweiflung, wobei schlussendlich zur Debatte stand, dass ihr das Bein abgenommen werden müsse. Heute lebt sie in einem Pflegeheim, an den Rollstuhl gebunden, weil ohne Hüfte; die hat man schlussendlich einfach draußen gelassen, draußen lassen müssen. Ich finde sie unendlich tapfer. Und ihr Schicksal ist, verglichen mit anderen, von denen man manchmal liest, nicht einmal sooo schlimm.

Versteck-Spiel?

Sag das mal meiner Schwester, Yogananda!
Sag das den vielen Kindern, die in zerbombten Ruinen leben!
Sag das den Menschen, die, weil sie zu viel Giftgas einatmeten, weder leben noch sterben können!
Die mit Hilfe von Müllkippenresten ihr Leben friste!

Ich verstehe, dass ein jüdischer Rabbi - ich hoffe, ich gebe aus meiner Erinnerung heraus die Legende dem Sinn nach angemessen wieder - vor Gottes Thron trat und verzweifelt auf das Elend der Menschen hinwies und um ein Ende bat, worauf Gott ihm antwortete: Du siehst nicht das Ziel!

Ich sehe es leider auch nicht, aber natürlich habe ich von ihm gehört, gehört und gelesen, dass erst einmal in einigen tausend Jahren ein Kampf aller gegen alle stattfinden wird - es deutet sich manches ja schon an, wenn z.B. Millionen von Menschen den Herrn aller Lügen zum Präsidenten des mächtigsten Landes der Welt gewählt haben (in Goethes Faust nennt er sich Mephisto) -, ein Kampf aller gegen alle, von dem in Matthäus 24 geschrieben ist:

21 es wird dann eine große Bedrängnis sein, wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird.
22 Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden diese Tage verkürzt.
Das muss schrecklich sein und wird vermutlich ähnlich den Kataklysmen sein, als Atlantis und vorher schon das Land Mu untergingen, jenen Wendepunkten in der Zeitgeschichte unseres Planeten, in deren Rahmen nicht nur in der griechischen Philosophie Katastrophen gigantischen Ausmaßes angesprochen sind.

Danach, glaubt man den Voraussagen, wird es viel besser sein, aber noch lange nicht das Ende der menschlichen Entwicklung, auch wenn uns die Kirchen das weismachen wollen; es steht ja bei korrekter Übersetzung nicht in der Bibel, was uns erzählt wird. Meiner Auffassung nach steht das Jüngste Gericht nicht am Ende aller Zeiten, sondern eines Zeitalters (so lässt sich die Bibel und das Wort Äon auch übersetzen - und für mich macht das mehr Sinn).

Mir hilft nicht weiter, den Weg derer zu gehen, die das ganze Problem lösen, indem sie Gott streichen und ein Leben nach dem Tod. Dazu gibt es, bei Lichte besehen, zu viele Zeugnisse, dass es anders ist, als Atheisten sich das wünschen. Wer glaubt, alle Mythen, die Veden, die Baghavadgita oder die Bibel seien dem Kompost menschlicher Phantasie entsprungen, darf das tun, aber mein Inneres sagt, dass das Dhammapada, der Sammlung der Buddha-Worte, Recht hat, wenn es dort heißt:
Alle Dinge entstehen im Geist,
Sind unseres mächtigen Geistes Schöpfung.
Zu glauben, dass der Mensch einmal als singuläres Wesen auftaucht und dann wieder verschwindet, finde ich einfach nur banal gedacht. Klar, körperlich in der jeweiligen Version schon, aber seelisch nicht.

Manchmal weiß ich nicht, wie Menschen es machen, so glaubens- und vertrauensvoll durchs Leben zu gehen.
Es ist entweder eine hohe Kunst oder eine große Selbstblendung; vermutlich ist beides möglich, je nach Grad der seelischen Entwicklung (ich glaube, ich habe mehr Selbstblender kennengelernt, wenn ich dennoch auch im Einzelnen großen Respekt vor ihren Bemühungen habe).

In mir gibt es eine Seite, die findet das Versteckspiel und den Zeitvertreib Gottes völlig daneben - wobei ich dann doch nicht glaube, dass die Wortwahl des göttlichen Avatars Yogananda gelungen ist und Gott, wie immer er auch ist, was immer er auch ist und wie auch immer er ist - sich so menschenverachtend ausdrücken würde. 
(Klar kenne ich das Gesülze, dass es ohne Leid nicht geht, dass der Mensch zu tieferer Einsicht kommt - ich weiß es ja selbst, aber in solchen Phasen kann ich das überhaupt nicht hören; mir ist dann das ganze Spiel oder Versteckspiel oder Gottes Zeitvertreib zuwider).

Jedenfalls, wenn solche Gedanken mich übermannen, dann weiß ich, dass ich im Keller von Platons Höhle bin.

Ja, ich weiß auch, dass nicht Gott, was immer er ist, wie immer er ist und warum immer er ist,  zum Verzweifeln ist, sondern mein kleiner Verstand.

Der mich sich im Kreis drehen lässt.
Auch das weiß ich.
Nur frag ich mich trotzdem: Wie machen das andere, dass ihnen der Sinn so nahesteht?
So kontinuierlich. 
So unverbrüchlich.

Muss man sich das einfach nur einbilden, an Gott zu glauben? Krass und kategorisch?

Gott sei Dank krabbele ich dann irgendwann wieder über den Höhlenrand von Platons Höhle.

Aber diese verdammten Schwarzen Löcher haben einen Sog, dem man zwar durchaus entkommen kann (entgegen der Meinung aller versammelten Wissenschaftler), doch manchmal weiß ich selbst nicht, wie . . .
Es ist einfach die Zeit, die dann hilft (und ihr Gefolge, denn allein kommt sie nie).

Yogananda mag Recht haben, wenn er einem Schüler sagt:
Die meisten Menschen begreifen nicht, dass das größte aller Wunder darin besteht, sich innerlich zu wandeln und sich demütig seinem Willen zu unterwerfen.
Dass ein Bewusstsein, das höher ist, als dass wir Menschen es erfassen könnten, existiert, davon bin ich fest überzeugt, sonst hätten wir längst alle offen Fragen klären können - in der Astrophysik z.B. die nach den Schwarzen Löchern, der Dunklen Energie und der Dunklen Materie. 
Zu den großen Kapazitäten der Physik schauen wir bewundernd auf, mögen sie Einstein oder Planck heißen. Selbiges tun wir auch im Hinblick auf große Künstler oder politisch wirkende Menschen wie Gandhi oder Nelson Mandela. Nur wenn es gilt, zu jenem Bewusstsein aufzuschauen, heiße es Gott oder wie auch immer - der Name spielt letztendlich keine Rolle -, dann tun wir, tue ich mir immer oder in gewissen Phasen unsagbar schwer. Obwohl es unfassbare Wunderwerke geschaffen hat, zum Beispiel den menschlichen Körper. Genialer kann man ein Geflecht von Muskeln, Sehnen, Blutbahnen, Gehirnzellen, Hormonen und Knochen oder auch einem System wie der Haut nicht komponieren. Dass dieses Wunder sich zufällig zustande gebracht hat: Das glaube ich nun mal nicht!

Von Demut zu säuseln fällt meistens leicht; warum sie so schwer fällt, das muss damit zusammenhängen, dass man so schwer durch Scylla und Charybde hindurchkommt - Odysseus kann ein Lied davon singen (Homer hat es in der Ilias für ihn getan) - oder durch das Tor der Sphinxen wie Atréju in Michael Endes Unendlicher Geschichte.
Es muss damit zusammenhängen, dass man die Balance zwischen Selbst-Bewusstsein und Demut nicht findet und einseitig immer auf eine Seite fällt (wie Odysseus). Eine sich selbst verleugnende Demut ist genauso falsch wie Hochmut.

Ich vermute auch, dass es eine scheinheilige Demut gibt. Vielleicht einer der gefährlichsten Viren auf der menschlichen Festplatte.
Nur die ehrliche Demut vermag einen Scylla und Charybde bzw. das Tor der Sphinxen passieren lassen! Sie aber weiß um den Wert des eigenen Selbst.

Montag, 8. Juni 2015

Demut entsteht, wenn der große Mensch vor die Gnade gelangt (Romano Guardini).

Es gibt Interpreten, die bringen eine Blüte ein zweites Mal zum Blühen. Ich denke da an den Gebersheimer Pfarrer Albrecht Goes (1908-2000) und seine Mörike-Gedichtinterpretationen: Sie sind so einfühlsam, so mit Sorgfalt und Demut vor dem großen Geist des Anderen geschrieben - einfach fast selbst ein Gedicht.

So verhält es sich auch mit den Dante-Studien des katholischen Priesters, Theologen und Philosophen Romano Guardini (1885-1968). Seine Ausführungen zu Hölderlin, zu Mörike, vor allem aber auch zu Dante Alighieri sind auf jeder Seite eine Bereicherung. Ich möchte sagen, ich lerne von ihm fast genauso viel wie von Dante. Seine Anmerkungen zu der Demut im Wesen Dantes geben Zeugnis davon.
Es gibt katholische Priester, die sich Mythen und der Literatur von der Psychologie her nähern, Eugen Drewermann zum Beispiel; sie wirken bisweilen belehrend.
Dieser katholische Priester aber kommt aus einer tiefen Religiosität; die ist gar nicht belehrend, sondern einfach bereichernd.

Er schreibt in seinem Werk über die philosophischen und religiösen Grundgedanken in der Göttlichen Komödie Dantes:



Zugleich aber taucht in Dantes Werk und Haltung immer wieder die umilià, die Demut auf. Was Demut ist, scheint aus dem allgemeinen Bewußtsein zu verschwinden. Sie wird - nicht zuletzt unter dem Einfluß Nietzsches - mit dem Kümmerlichen, Schwächlichen, Lebensunwerten, mit Mangel an Lebenskraft und an Willen zur Welt, mit Feigheit und Knechtsgesinnung in Verbindung gebracht. Das alles hat aber mit der eigentlichen Demut nichts zu tun. Diese ist wesentlich eine Haltung der Großen. Der erste Demütige ist Gott, welcher doch der Schöpfer und Herr der Welt ist: Tat und Offenbarung seiner Demut ist die Menschwerdung. (Phil.2) Wenn man Dante fragte, wann beim Menschen Demut entstehe, würde er wohl antworten: dann, wenn der große Mensch vor die Gnade gelangt. Je größer der Mensch, und je lauterer die Gnade, desto tiefer die Demut.
Größe, Gnade und Demut bilden ein Ganzes; dieses Ganze ist es, was er meint, wenn er von der umilità als Haltung und Daseinsform spricht. Sie beginnt mit dem Beugen des Hochmuts und der Überwindung der Hybris; sofort wird aber deutlich, daß sie lebendiger Gegenpol eines mächtig empfundenen Selbstgefühls ist: Element eines Daseins, dessen Größe und Fülle als Gabe der Huld erfahren wird. In der Demut wird das als groß empfundene Selbst sich bewußt, etwas zu sein, das geschenkt ist und immer wieder geschenkt werden muß und eben darin zu seiner Vollendung gelangt. Damit wird Demut zur Liebe, denn Liebe ist die Haltung, die weiß, daß das Eigentliche nur in der Form der Gabe besessen werden kann.

Freitag, 29. März 2013

Nun in heilgem Stilleschweigen stehen wir auf Golgatha.

Wegkreuz bei Merklingen am Rande des Schwarzwaldes
Für den Karfreitagsgottesdienst des Jahres 1927 schrieb ein Mann, den ich seit Kindestagen verehre, das folgende Lied, zweifellos einer der mutigsten Deutschen, die je gelebt haben. Ich glaube, es war mein erster Religionslehrer auf dem Gymnasium, der damalige Pfarrer der Heilandsgemeinde im Frankfurter Ortsteil Bornheim, Ernst Klöß, der uns dieses Lied auswendig lernen ließ und mir diesen Mann nahebrachte.
Warum das so intensiv geschehen konnte, lag, so denke ich heute, auch an dessen Namen, der - genauso wie seine Arbeitsstätte, die den wunderschönen Namen Bethel, Haus Gottes, trägt - für mich einfach klingt und schwingt:

Friedrich von Bodelschwingh.
Ein Mann, den man nicht vergisst!

Voller Hochachtung verbinde ich mit seinem Namen, dass er sich so mannhaft bewährte in der Zeit seines persönlichen Golgatha, als er den Schergen des Nationalsozialismus den Mut seines Glaubens entgegensetzte, ja, sich in einer persönlichen Begegnung mit Hitler für die ihm anvertrauten Kranken und Behinderten und Juden einsetzte. 
Immer wieder mag ihm das Psalmwort, das im Chorbogen der Zionskirche von Bethel zu lesen ist, ein Rückhalt gewesen sein:
Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, 
werden wir sein wie die Träumenden.

Mutig trat er öffentlich der Euthanasie entgegen, gab nicht die Behinderten und Kranken Bethels heraus und rettete so vielen Hunderten - manche sprechen von Tausenden - Menschen das Leben.

Warum er das konnte und durchhielt, vermittelt sein Lied; ich glaube sogar, es ist das einzige, das Pastor Fritz - wie Bodelschwingh liebevoll genannt wurde - geschrieben hat. 

Heute verfasste Kirchenlieder verwenden ein anderes Vokabular. In die damalige Zeit haben Bodelschwinghs Worte gepasst. 
Sie lassen uns gewahr werden, wo - vielleicht nicht nur an Karfreitag - unser Standort zu sein hat: auf Golgatha.

Bodelschwinghs Worte haben nicht nur in seine Zeit gepasst; sie sollten sich als prophetisch erweisen:


Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha, 
der in bittern Todesschmerzen das Geheimnis Gottes sah,
das Geheimnis des Gerichtes über aller Menschen Schuld, 
das Geheimnis neuen Lichtes aus des Vaters ewger Huld.

Nun in heilgem Stilleschweigen stehen wir auf Golgatha. 
Tief und tiefer wir uns neigen vor dem Wunder, das geschah,
als der Freie ward zum Knechte und der Größte ganz gering,  
als für Sünder der Gerechte in des Todes Rachen ging.

Doch ob tausend Todesnächte liegen über Golgatha, 

ob der Hölle Lügenmächte triumphieren fern und nah, 
dennoch dringt als Überwinder Christus durch des Sterbens Tor; 
und die sonst des Todes Kinder, führt zum Leben er empor.

Schweigen müssen nun die Feinde vor dem Sieg von Golgatha.

Die begnadigte Gemeinde sagt zu Christi Wegen: Ja!
Ja, wir danken deinen Schmerzen; ja, wir preisen deine Treu; 
ja, wir dienen dir von Herzen; ja, du machst einst alles neu.

Freitag, 10. April 2009

An Ostern schlägt spürbar das große warme Herz Gottes. - Die Osterblumen und das Erwachen der Christusliebe.


Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.
Dietrich Bonhoeffer

Geistige Wahrheiten, wie alle Wahrheiten, müssen sowohl für das Herz als auch für den Verstand annehmbar sein. Es gibt Leute, die sind der Ansicht, Liebe sei eine reine Gefühlsangelegenheit, und die Stimme der Liebe sei unvereinbar mit dem Verstand. Doch Liebe in ihrem göttlichen Aspekt kann Herz und Verstand zufriedenstellen. Ist diese Liebe in einem Menschen voll entfaltet, dann kann sie ihn aus der Tiefe zur Höhe erheben, wobei er dann einen Überblick bekommt, wie es nur von einer Bergspitze aus möglich ist.
Glaubt nicht, Ostern sei ausschließlich ein christliches Fest. Dieses Fest ist uralt, und das Ostergeschehen, das in der christlichen Lehre verankert ist, veranschaulicht einmal mehr das Mysterium des Christus, des Sohnes, der Sonne.
Obwohl ihr die Sonne als Quelle von Wärme und Licht betrachtet, ohne welche kein Leben auf Erden möglich wäre, ist es für die heutige Menschheit nicht leicht, den kosmischen Christus mit der Sonne am Himmel in Zusammenhang zu bringen.

Zur Osterzeit, wenn die Sonne vermehrt auf die nördliche Hemisphäre strahlt, beginnt sich neues Leben zu regen. Die meisten Frühlingsblumen tragen die Farbe der Sonne. Wärmt dieses sonnige Gelb nicht euer Herz und stimuliert euren Intellekt? Euer Herz jauchzt, wenn ihr seht, wie die kleinen gelben Blumen ihre Köpfchen aus der Dunkelheit des Erdreiches erheben und sich der Sonne zuwenden. Die gesamte Natur regt sich und blüht empor, dem Schöpfer zur Ehre.
Jedermann wird zugeben, dass diesem Erwachen und Erblühen des Lebens ein Naturgesetz zugrunde liegt. Doch da gibt es mehr, da wirkt eine göttliche Intelligenz. Ja, mehr noch, da schlägt ein großes, warmes Herz! Habt ihr je an die Wärme im Herzen Gottes, im Herzen eures Schöpfers gedacht?

Wie könnt ihr als Einzelwesen die kosmischen Christuskräfte in eurem eigenen Leben verwirklichen? Zum Beispiel indem ihr in Christus nicht mehr das fremde Wesen erblickt, das ihr eines Tages zu Gesicht bekommen werdet, wenn ihr brav genug gewesen seid, nachdem ihr die Erde und die sie unmittelbar umgebenden Ebenen verlassen habt, sondern wenn ihr - so ihr es wollt - Christus als immer gegenwärtige Kraft und Intelligenz, als Freund, als euren Bruder hier und jetzt erkennt. [...]
Es ist sehr wichtig für euch zu begreifen, dass dieses herrliche, lichtvolle Wesen in Menschengestalt zu euch kommen kann und großes Verständnis hat für eure menschlichen und persönlichen Probleme, für eure Ängste und Nöte, für eure Einsamkeit und eure Trauer.
Der Mensch von heute ist intellektuell stark entwickelt. Doch da es ihm an Weisheit mangelt, besitzt er weder Demut noch Einfachheit des Herzens, um die Schönheit und die Herrlichkeit der Liebe seines Schöpfers zu begreifen.
Wenn du eines Tages denkst, du hättest eine Vision von Christus oder vom Meister Jesus gehabt, dann ist das keine pure Einbildung. Jesus war nicht von der Erdenmenschheit isoliert. Er hatte gelernt, sein Leben in wahrer, vollkommener Liebe zu führen und war sich seiner Einheit mit Gott, seinem Schöpfer, voll bewusst. Die Seele Jesu wurde für ihre große Mission gut vorbereitet. Jesus wurde zur Erde gesandt, damit Christus, der Gottessohn, durch ihn der Menschheit die Wahrheit über die Erlösung bringen konnte, und damit sie die Macht des Gottessohnes im Menschen erkennen sollte.

Erlösung ist das richtige Wort, mit dem man die Mission Christi benennen kann, denn ist einmal im Menschen der Christusgeist lebendig geworden, dann ist er buchstäblich von seinen Sünden erlöst. Dann lebt er im Licht und trägt das Licht in die Welt. Dann kann die Welt ihm nichts mehr anhaben. Das ist wahre Erlösung - nicht Erlösung durch den Glauben an eine ganz be­stimmte Person, sondern Erlösung durch die Christusliebe im eigenen Herzen. Diese verbietet ihm, gegen seinen Bruder Krieg zu führen oder seinen Bruder so zu behandeln, als wäre er geringer als er selber. Viel­mehr wird sie ihn zu freundlichen Worten und Taten inspirieren, wird ihn anspornen, in seinem täglichen Leben für Gott und mit Gott zu wirken und im Bewusstsein des Lichtes, das über ihm, um ihn und in ihm ist, zu leben. Das ist 'Erlösung durch Christus'.

aus White Eagle, Geistige Jahreszeiten, Grafing 1997

Donnerstag, 8. Januar 2009

Du gleichst dem Geist, den du begreifst, / Nicht mir! - Über die Magie der Realität in Goethes "Faust".

Eine wahrlich magische Stelle in der Weltliteratur findet sich - wie sollte es anders sein - in Goethes Faust I.
Jener berühmte Dr. Faustus, der so die Nase voll hat von dem ganzen trockenen universitären Kathederwissen, ist gerade dabei, den Erdgeist zu beschwören, um mit Magie herauszufinden, was die "Welt im Innersten zusammenhält." Vor sich ein geheimnisvolles Buch des Nostradamus (1503-1566) will er anstelle trockener Sinne seine Seelenkräfte so aktivieren, dass er - wie er selbst es formuliert - an die "Brüste der Natur", die "Quellen allen Lebens" herankommt. Fast übermütig fragt er sich angesichts des Zeichens des Makrokosmos, des Hexagramms, das ihn inspiriert und belebt: "Bin ich ein Gott? Mir wird so licht." - Kurze Zeit später wird er von sich als "Ebenbild der Gottheit" sprechen.
Als das magische Ritual und damit die Beschwörung des Erdgeistes gelingt und jener auftaucht, ist Faust durch dessen Ausstrahlung und Intensität völlig überfordert:

"Weh! Ich ertrag dich nicht!"

Jener Erdgeist ist uns kein Unbekannter. Im Werk von Giordano Bruno (1548-1600) taucht er als anima terrae, als Seele der Erde auf, und bei Paracelsus (1493-1541) finden wir einen archeus terrae, also einen (Welt-)Geist der Erde.

Gerade will Faust - der Erdgeist hat soeben beruhigend gesprochen - sich diesem Wesen anbiedernd nahen, da spricht jener - und darauf wird er sofort entschwinden - obige Worte:

        Du gleichst dem Geist, den du begreifst, / Nicht mir!

Was später Faust zum Verhängnis werden wird, dass nämlich unter dem Einfluss von Mephistopheles sein Streben nach Erkenntnis kein Maß und Ziel kennt, deutet sich hier schon an, wenn er dem Erdgeist nachruft:

         Und nicht einmal dir!

Welch eine Hybris - welch ein geistiger Übermut!

Da klopft es.
Und herein durch die Türe tritt Wagner, ein alternder wissenschaftlicher Assistent des Universitätswissenschaftlers Faust, den dieser gar nicht sonderlich mag, geht er ihm doch mit seiner devoten Haltung auf den Keks, und nicht zufällig bezeichnet ihn Faust als trockenen Schleicher. Angetan ist jener zudem mit einer Schlafmütze, noch eine Lampe in der Hand ... der Biedermann in Person, ein deutscher Michel.

Faust ist stinkesauer, dass dieser trockene Schleicher ihn stören muss mitten in der Fülle seiner so hehren Gesichte.

Ziemlich überheblich wirkt Herr Doktor Faustus, und vielleicht gerade deshalb hat er seine Lektion nicht gelernt, die ihm der Erdgeist mit auf den Weg gab, ja, in Wirklichkeit hat er nicht einmal erkannt dass es FÜR IHN etwas zu lernen gab.

Just in dem Moment, als dieses hohe Wesen, der Erdgeist also, unseren Faust in die Schranken verweist durch eben jenen oben angeführten Satz - Du gleichst dem Geist, den begreifst, / Nicht mir! ... - taucht sein biederer Famulus auf.
Das ist in Wahrheit jener Geist, den Faust begreift.
Dies wollte ihm der Erdgeist vermitteln: Diesen, deinen Famulus begreifst Du, mich nicht!

In Wirklichkeit bist Du nicht weiter als er, obwohl du dich auf eine Stufe mit mir stellst!
Kapier das, Du bist nicht der, für den Du Dich hältst!
Ein bisschen mehr Bescheidenheit, also Demut bitte!

Am besten hätte Faust die Lampe seines Famulus, seines Dieners übernommen, damit sie ihn erleuchte.

So, ohne Selbsterkenntnis, schlafmützig selbstgefällig, wie er war, wäre ihm auch dessen Schlafmütze gut zu Gesicht gestanden.

Manches Mal kommt die Lernlektion einfach durch die Tür.

Das ist die wahre Magie, die Magie der Realität.

Wenn wir sie entschleiern, sehen wir Wahres über uns.
Dann können wir uns abwenden oder auf uns zugehen.



* Die Bilder enthalten magische Hexagramme von Eliphas Levi,
auch Siegel Salomos genannt oder Davidsstern.
** Das Motiv der Lampe, die man selbst in die Hand nimmt, findet sich auch
in Kafkas Prozess im Rahmen der Türhüterlegende
*** Mehr zu Goethes Symbolsprache hier.

Montag, 7. April 2008

Den Machthabern Chinas


im Hinblick auf Tibet ins Stammbuch geschrieben von dem weisesten Sohn ihres Landes,

LAOTSE:

Ich habe drei Schätze, die ich hüte und hege.

Der eine ist die
Liebe,

der zweite ist die
Genügsamkeit,

der dritte ist die
Demut.

Nur der Liebende ist mutig,

nur der Genügsame ist großzügig,

nur der Demütige ist fähig zu herrschen
.