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Montag, 4. Dezember 2023

GEBET FÜR DIE NEUE ZEIT

 GEBET FÜR DIE NEUE ZEIT

von Silvia Szödy

Mein Gott, der Du alles bist, Großer Geist der Schöpfung,
Lass mich gewahr sein Deiner Liebe, in jedem Augenblick und wo immer ich bin,
segne mich in Trauer und Angst und verwandle sie in Licht und Liebe,
lass mich meine Verbundenheit fühlen mit der Mutter Erde bei jedem Atemzug,
halte mein Herz offen für das Leben und die Wunder der Welt,
segne mich mit göttlichem Vertrauen in dem Prozess der Veränderung,
erfülle mich mit Liebe und Geduld, wenn ich das menschliche Drama schaue,
lass mich unbeirrbar Liebe fühlen für alles, was ist und was geschieht,
segne meine Visionen von einer geheilten Erde und Menschheit mit göttlicher Kraft
und lass mich zu jeder Zeit Deiner göttlichen Führung gewahr sein.


Samstag, 29. Oktober 2016

"Oma, wann stirbst du denn?" - Kinder gehen sicherer auf unsicherem Terrain als wir Erwachsene!

Sich den Newsletter von Spektrum zukommen zu lassen, lohnt sich echt. Immer wieder finden sich bemerkenswerte Artikel, Hinweise, Anregungen und Bewusstseinsaufheller.

So wie jener in dem Artikel Oma. wann stirbst du denn?, der thematisiert, wie Kinder mit dem Verlust naher Menschen umgehen.

Darin finden wir den Hinweis der Trauerbegleiterin Christine Hass-Schuster, dass Kinder anders als Erwachsene trauern. Gewiss ist das keine neue Erkenntnis, aber den folgenden Satz fand ich ganz wichtig für unser Bewusstsein:


Sie sind es gewöhnt, sich auf unsicherem Terrain zu bewegen . . . Erwachsene hingegen glauben, alles in der Hand zu haben.

Zumindest wollen wir als Erwachsene gern alles in der Hand haben.

Und wir sind dann oft sehr enttäuscht vom Leben, wenn es uns zeigt, dass genau das vielleicht mal eine Zeitlang, aber auf Dauer nicht möglich ist.
Und immer wieder nicht.

Deshalb lohnt es sich, seiner Seele jene Gestaltungsmöglichkeit zu belassen für das Leben, die die eines Kinder eben noch hat.

Ein Kind geht das Leben mit.


Weil es das Leben nicht dominieren will.


Zu wenig wissen wir über unsere vielen Leben, als dass wir übersehen könnten, was sich aus diesen allen ergibt und jener Weisheit, die uns zu wirklichem Leben führen will.

Leicht gesagt, wenn uns das sogenannte Schicksal ereilt.

Aber es trifft zu, was jene Trauerbegleiterin sagte:


Die Seele lässt nur so viel zu, wie sie verkraftet.

Und manchmal ist es gut, wenn wir etwas in das Trauerbuch unseres Lebens eintragen wie ein Junge, der schrieb:

Lieber Papa, ich vermisse dich sehr. Ich wollte noch ganz oft im Garten mit dir Fußball spielen. Mama kann nicht so gut kicken wie du.

Kinder, so heißt es in dem Artikel, hüpfen von Trauerpfütze zu Trauerpfütze, weil sie sich zwischendurch auch erlauben zu lachen oder Lego-Hochhäuser zu bauen. Erwachsene dagegen waten durch einen Trauerfluss.

Auch darin zeigt sich die Weisheit der Bibel, dass es wichtig ist, zu werden wie ein Kind.

Ab und an mag das gelingen.

Wenn wir bereit zum Pfützenspringen sind.


Donnerstag, 20. Juni 2013

Glück hinterlässt keine Narben. – Je mehr Inseln des Glücks wir in uns erschaffen ...


Heute bin ich wieder mit meiner goldigen Ethik-Gruppe im Kreis gesessen und unser Thema war Lebensläufe.

Jeder sollte zunächst im Stillen einen Gegenstand aus seiner Kindheit auswählen, ihn pantomimisch darstellen und etwas dazu erzählen.

Wir kamen dann auf Erlebnisse aus unseren Kindheiten zu sprechen und irgendwann sagte ich, dass mir auffalle, dass sie vor allem Ereignisse und Erlebnisse erzählen, die mit Traurigem, Negativem, mit Tod und Krankheit verbunden sind.
Mir ist übrigens dabei bewusst geworden, wie viel Kinder schon im Alter von dreizehn, vierzehn Jahren an Leid erlebt haben, wie viel Krankenhaus, Unfälle, Krebs in der Familie ...

Jedenfalls fragte ich dann, warum das denn so sei, und ein Mädchen sagte, dass Leid und Krankheit eben Narben hinterlasse, die man sehen und spüren könne.


Ja, sagte ich dann, da hast Du Recht, Glück hinterlässt keine Narben.

Was hinterlässt Glück dann?

Offensichtlich stehen die Glücksgefühle in ihrer Wirkung auf uns und unser Erinnerungsvermögen weit hinter den Leid- und Trauergefühlen zurück.

Warum das so ist - und ich glaube, das wird das Thema unserer nächsten Ethikstunde sein:

Ein Punkt hängt sicherlich mit dem bekannten Spruch only bad news are good news - nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten - zusammen, weil sich die Menschen eher für die Gefahr, die Angst, das Leid (vor allem anderer) interessieren.
Das aber kommt nicht von ungefähr.
Sicherlich hat es evolutionspsychologische Gründe: 


Als Steinzeitmenschen war Überleben damit verbunden, keine mögliche Gefahr unbeachtet zu lassen. Und da die Gefahr uns nicht aus dem Fernseher oder Computer ansprang, sondern wenn, dann ganz real hinter dem nächsten Busch lauern konnte, mussten wir zwangsläufig alles, auch ein Gerücht, das der Nachbar mitbrachte - und sei es eines über eine Löwenspur oder einen vagabundierender Menschen - ernst nehmen.

Das mag der Grund sein, warum wir fast noch automatisiert auf Negatives sofort anspringen, was sich Zeitungen, Fernsehen und andere diverse Formen von Medien, bis leider hin zu den Kinder(Computer-)spielen zu Nutze machen.

Eine Notwendigkeit aber besteht nicht mehr dazu, jedenfalls gewiss nicht in dem Ausmaß, in welchem dadurch Geld dazu gebracht wird, in die Portemonnaies von Bad-News-Produzenten zu fließen.

Leider ist es so, dass Kinder genau aus diesem Grund von frühester Kindheit an auf die Steinzeitprogrammierung konditioniert werden.

Und es kommt hinzu, was ich in einem früheren Post angesprochen habe – und das ist ein weiterer Punkt: 
Wir nehmen auf, nehmen wahr und übernehmen nur gar zu gerne, was uns nach unten zieht, der Schwerkraft geben wir uns nur gar zu gern hin ... das ist so bequem ... in den Sessel des Negativen fällt es sich wie von selbst ...

Wie können wir umsteuern?

Das Glück und seine Gefühle brauchen unsere tatkräftige Unterstützung!

Wir dürfen in uns das Glück markieren, hervorheben, ins Licht bringen.


Je mehr Inseln des Glücks wir auf diese Weise bewusst erschaffen,
desto früher wird es in uns einen 
Kontinent des Glücks 
geben können.

Freitag, 13. März 2009

Winnenden und der Amoklauf oder: Die Unfähigkeit zu trauern!

Heute, Freitag, am sogenannten Tag 2 nach der Tat wird allenthalben getrauert; die Kondolenzbücher sind aufgeschlagen, medienwirksam und im schwarzen Anzug hat sich der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg als Erster eingetragen; hinter ihm war schon eine lange Schlange zu sehen, leider konnten die Honoratioren nicht ihre Namen in die laufenden Kameras rufen.

Ich will die Betroffenheit dieser Menschen im Einzelnen nicht infrage stellen, dennoch aber möchte ich sagen, dass ich vieles geheuchelt finde.

Am Tag des Geschehens habe ich eine Familienministerin von der Leyen im Fernsehen erlebt, die gerade mal zwei Sätze zu dem Geschehen sagte, um sich dann sofort der Frage zuzuwenden, wie so etwas in Zukunft zu verhindern sei.
Diese Kälte und Herzlosigkeit war für mich erschreckend.
Kein Mitgefühl.
Ich habe auch nicht ein bisschen Herz gespürt.
Pures Polit-Styling.
So gestylt wie die Frau.


Möglich, dass sie überfordert war.
Ich möchte mir kein Urteil über die Situation hinaus erlauben, aber ich hätte mir gewünscht, dass eine Frau, für die Familien in diesem Land zuständig und selbst siebenfache Mutter, in der Lage ist, zu den Medienmenschen zu sagen:

Was fragen Sie mich hier für Dinge. Lassen Sie uns doch heute nur, nur trauern.
Es ist gerade Schreckliches geschehen. Lassen Sie uns innehalten und in Gedanken bei den Menschen sein, denen gerade Schreckliches widerfahren ist.
Ich habe selbst sieben Kinder zur Welt gebracht.
Nun sind 9 Kinder unseres Landes gestorben.
Auf grässliche Weise.
Da haben Eltern ihre Kinder in die Schule geschickt mit auch nicht dem geringsten Zweifel, sie säßen mit ihnen wieder am Mittagstisch.
Und nun kommen diese Kinder nicht mehr nach Hause.
Stattdessen stehen Särge in den Türen.
Wer kann da noch sprechen ...

Warum ist da ein Land nicht in der Lage, warum ist kein führender Politiker in der Lage zu sagen:

Lassen Sie uns schweigen,
lassen Sie uns innehalten,
lassen Sie uns mitfühlen.

Lassen Sie uns durch unser Mitfühlen den schmerzlich Betroffenen eine Hilfe sein, eine Hilfe dadurch, dass sie merken: Wir sind in unserem Schmerz nicht allein.

Stattdessen Interview auf Interview, Hektik auf allen Kanälen. Politiker und Polizeipräsidenten präsentieren ihre unmaßgebliche Meinung.

Hat ein Fernsehsender bewusst sein Programm geändert, außer dass ein Tagesschau Spezial oder Ähnliches zugeschaltet wurde?
Hat ein Sender einen einzigen Gewaltfilm aus dem Programm genommen?

Nicht, dass ich wüsste.

Vielleicht hätte oben angesprochenes Verhalten vielen Trittbrettfahrern und zukünftigen Tätern die Energie entzogen für ihre Vorhaben.

Ja, heute Abend wird auf dem ein oder anderen Sender ein Konzert dem Geschehen gewidmet.
Aber wirklich getrauert, wirklich durch Mitgefühl geholfen haben wir im Einzelnen und als Gesellschaft nicht zu einem Zeitpunkt, als es notwendig gewesen wäre, gerade für die Angehörigen und alle, die so schrecklich betroffen waren, die Klassenkameraden, die Kollegen und viele andere, die einbezogen waren.

Die Menschen speisen ihr Mitgefühl aus dem Leid, das sie sehen.
Nicht aus ihrem Herzen - das ist die Wahrheit.

Anstatt den Menschen, die leiden, ihre Energie der Liebe zu geben,
ziehen sie ihnen noch Energie ab,
indem sie das eigene Mitgefühl,
den wohligen Schauer des eigenen Seelenschmerzes
aus deren Leid speisen.


Das ist die Realität unseres Landes
und aus dieser Realität speisen sich die neuen Täter.