Politik und Gesellschaft, Idee und Wirklichkeit, Ethik und Religion, Spiritualität und Mythologie, Literatur und Kunst: Das sind die Felder, die mich immer wieder zu Beiträgen bewegen.
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Freitag, 25. September 2009
Krishnamurti: Das Denken kann die Wahrheit nie berühren! Die Wahrheit ist das Ganze.
Samstag, 19. September 2009
Wer gibt einem Mehmet, einem Tim K., einem Georg R. eine Stimme? Erfurt, Winnenden, Ansbach und wir!
Dienstag, 8. September 2009
Gefangen, gefangen in goldenen Ketten, Ketten der "Liebe" - gefangen in der Vaterfalle!
Es sind Frauen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie alles über ihren Mann wissen und das auch immer wieder hervorheben bzw. deutlich werden lassen. Oft betonen sie, dass sie genau wussten, wie er mal wieder reagieren würde. Gerne sprechen sie auch von "meinem Kurt", "meinem Bernd".
ER tut zumeist auch alles für seine Frau, die er gern "Schatz" oder "Schnecke" oder "Liebes" ruft und nennt. Wohlgemerkt: Liebes - das ist ein Neutrum!
Erotik gibt es nicht mehr, vielleicht gab es sie noch nie.
Er guckt nicht offen nach anderen Frauen, das verbittet und verbietet er sich. Höchstens mal, dass er die schöne Moderatorin im Fernsehen genießt, während sein Schatzi in der Küche ist.
Sie ist da anders; sie schaut schon, dass sie auf Männer wirkt oder registriert das ganz genau. Manchmal betont sie das auch gegenüber ihrem Insassen.
Montag, 7. September 2009
"Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen" - Goethes Faust: aktueller denn je!
Faust zweifelt. Das Volumen, das er aufgeschlagen hat, ist das Neue Testament. Dort steht:
Im Anfang war das Wort.
Logos, wie es im griechischen Text heißt. Das Wort.
Das Wort ward Fleisch, so ist im Johannesevangelium weiter zu lesen.
Es wohnte unter uns.
Die Rede ist von Christus als dem auf der Erde, nämlich in Jesus inkarnierten Wort Gottes, der göttlichen Wahrheit, die sich in Jesu Person manifestierte, nach der Taufe durch den Täufer, drei Jahre lang.
In diesem Moment ist Faust jedoch bereits nicht mehr Herr seiner Sinne, denn, ohne dass er es weiß, befindet sich Mephistopheles, dessen wirksamstes Mittel der Zweifel ist, in seiner unmittelbaren Nähe. Immer, wenn das der Fall ist, ist er in dessen Bann.
Und so sucht Faust nach dem Sinn des Logos und kommt schließlich zu einem Ergebnis, das dieses Wort maßlos reduziert: Im Anfang war die Tat!
In menschlichen Begriffen lässt sich das Wesen Gottes, das Wesen des Logos, kaum erfassen, schon gar nicht, indem man es unterteilt in Geist und Tat, denn: Logos ist alles in einem.
Das ist, als ob man fragen wollte: Was ist jeweils zuerst da, Denken oder Fühlen?
Das ist genauso müßig wie die Frage: Ist Gott Tat oder Geist?
Außerhalb von Zeit und Raum gelten nicht unsere Begriffe von Wirklichkeit. Das muss uns bewusst sein, wenn wir von GOtt oder dem Logos als seiner Offenbarung reden.
Gefühl ist alles, wird Faust im Gespräch mit Gretchen sagen, um eine Antwort auf ihre Frage zu finden, ob er an Gott glaube. Er hätte doch eigentlich auch feststellen können:
Am Anfang war Gefühl.
Erstaunlich, dass wir genau diese Antwort am Schluss des Buches Alles fühlt von Andreas Weber finden, das ich kürzlich besprochen habe, ohne allerdings auf den Schluss des Buches einzugehen; dort heißt es ganz am Ende:
Wagen wir also an dieser Stelle, die Einsichten der Schöpferischen Ökologie zu einem ehrfürchtigen Blick auf den Kosmos auszuweiten. Wir waren auf weiten Reisen. Wie sieht die Heimkehr aus? Am Anfang hatte ich beschrieben, wie die Wissenschaftler zunehmend einsehen, dass ihre Grundannahme, allein die Kausalität regiere das Universum, revidiert werden muss und dass sie noch ein anderes Prinzip anzuerkennen beginnen, damit sie die Wirklichkeit richtig verstehen - das der Innerlichkeit oder des Fühlens. Unser letzter Ausflug in diesem Kapitel führt zu der Vermutung, dass dieses Prinzip nicht auf das Reich der Lebewesen beschränkt ist, sondern dass es als versteckte Fähigkeit aller Materie zu eigen ist.Das, finde ich, sind faszinierende Gedanken.
Andreas Weber kommt allerdings dann zu dem Ergebnis:
All das heißt, dass am Anfang kein logos war - kein abstraktes Wort. Die Wirklichkeit ist ebenso wenig »eigentlich Geist«, wie sie »bloß Materie« ist. Vielleicht müsste es daher besser heißen, »am Anfang war Gefühl« - gewiss jedoch das Potenzial dazu. Gab sich dieses in der Geburt des Kosmos dem Schicksal der Materie anheim, im blinden Vertrauen, im Begehren nach Sein - bis in unsere Sehnsucht hinein, die so immer wieder ganz zum Anfang zurückführt? Verlieren wir uns noch ein letztes Mal im Sternenhimmel, der im Auge der Kröte aufgegangen ist. Schauen wir. Gefühl ist nichts »rein Geistiges«. O nein, im Gegenteil. Gefühl ist Lust und Tragik der Materie.Schade. Ich finde viele Gedanken in A. Webers Buch beeindruckend, auch noch in obiger Passage.
Aber am Schluss macht er denselben Fehler wie Faust. Er stellt sich über den Logos, er stellt sich über Gott, weil er meint, Logos und Gott seien ein abstraktes Wort.
Und wie Faust ganz mephistophelisch auf Sinn und Kraft und Tat kommt, so fügt dem Andreas Weber das Gefühl hinzu. Weil eben am Anfang seiner Meinung nach kein Logos war, etwas, was Weber als geistige Kraft nicht wahrhaben will, vielleicht, weil es, wie Paulus, der Apostel, im Brief an die Gemeinde zu Philippi formuliert, höher ist als alle Vernunft.
Schade; es gehört Demut dazu zu bekennen, dass es etwas gibt, was wir nicht begreifen.
Und das ist gut so, denn wenn Menschen etwas zu be-greifen glauben, dann greifen sie - Andreas Weber ist hierfür leider auch ein Beweis - auf eine Weise zu, die keinen Raum mehr für Gott und den Logos lässt.
Ich wollte, Gefühl hätte den Platz auf unserer Welt, der ihm zusteht, und dass Weber zu einer neuen Sicht und Bewertung des Gefühls im Rahmen seines Buches kommt, finde ich klasse. Wie aber kann man ernsthaft den Anfang auf Gefühl reduzieren wollen?!
Oder auf Tat?
Donnerstag, 3. September 2009
Immer an der Wand lang ...
Aus den Morgengedanken Christof Schorlings, heute Morgen gehört auf SWR4:
Ein Betrunkener wankt spät in der Nacht durch die Straßen, tastend von einem Alleebaum zum anderen. Schließlich trifft er auf eine Wand. Fein - sie wird ihn ein schönes Stück weiterbringen. Er darf nur den Kontakt mit ihr nicht wieder verlieren. Und so tappt er mit beiden Händen dahin. Immer an der Wand entlang ...
Was er nicht weiß: Die Wand ist eine Litfasssäule. Die umwandert er. Vertrauensvoll. Endlos.
Irgendwann merkt er, dass er im Kreis geht. Ein gequälter Seufzer entringt sich seiner Brust: „Mist, eingemauert!“
Montag, 31. August 2009
Sonntag, 30. August 2009
Gotteswirklichkeit und Wertebewusstsein
Es zeigt sich immer wieder: Gott ist kein Gegenstand des Wissens, er ist nicht zwingend erschließbar. Gott ist auch kein Gegenstand der sinnlichen Erfahrung. (...)
Die 22 Schülerinnen und Schüler vor mir nicken diese Worte einverständig ab.
Gott ist kein Gegenstand der sinnlichen Erfahrung.
In dieser Aussage liegt die vielleicht größte Kreuzigung der Wahrheit mit entsprechenden Folgen für das Ende einer lebensvollen Religiosität und ein Grund für den Niedergang des christlichen Abendlandes.
Mit diesem Virus laufen diese Jugendlichen gegebenenfalls ein Leben lang durch ihr Leben ... und andere auch, denn es ist die Meinung zahlreicher Menschen, doch die Wahrheit ist:
Deshalb ist für viele Menschen Religiosität so leblos geworden, weil ohne diese sinnliche Erfahrung Gott eine Hülse und leblos bleibt und verborgen ist, wie wertvoll, hilfreich, weil wegweisend, ja im Grunde heilig unsere Sinne sind; so wird Gott verbannt in die Sinnenlosigkeit, in die Sinnlosigkeit.
Stehen wir nicht manchmal in der blühenden Natur und denken: Einfach himmlisch!
Und nehmen wir nicht über die Sinne wahr und sagen deshalb zu jemandem, der mit viel Liebe und toll kocht: Das schmeckt göttlich!
Genau das aber ist es und unsere Worte wissen es:
Wenn jemand etwas in Liebe tut: Das ist der Himmel auf Erden, da verwirklicht sich das Göttliche, verwirklicht sich die Liebe - wo sonst!
Und das tut sie in der Natur ständig, nur sind unsere Augen nicht immer geöffnet.
Heute dichtet niemand mehr aus vollem Herzen wie Paul Gerhardt in seinem früher oft auswendig gelernten Sommerlied Geh aus mein Herz und suche Freud (...)
Im weiteren Verlauf dieses Liedes sind alle Sinne einbezogen, hier findet sich Sinn, denn vor allem über die Sinne finden wir Sinn, nicht durch linkshirniges Denken.
Immer wieder gibt es Dichter, denen sich diese Wirklichkeit erschloss, Goethe z.B. in seinem berühmten Werther-Brief vom 10. Mai 1771 oder Max Frisch in seinem Credo für das zweite Gebot. Dort schreibt er:
Man höre bloß die Dichter, wenn sie lieben; sie tappen nach Vergleichen, als wären sie betrunken, sie greifen nach allen Dingen im All, nach Blumen und Tieren, nach Wolken, nach Sternen und Meeren.
Man nennt das Synästhesie, wenn mehrere Sinne angesprochen werden, und tatsächlich finden wir, dass einem, der liebt, die Sinne in einem Maße angeschaltet sind, dass wir ihn bisweilen kaum wiedererkennen.
Über die Sinne erfahren wir die Liebe, die liebende Natur, die Wirklichkeit des Lebens. Zur Natur gehören auch Tod und Vergehen, aber auch dort, auch wenn jemand stirbt, mag das ein Prozess in Liebe sein, denn er wiederaufersteht hinter dem Vorhang, der für so viele eisern ist und den viele Tod nennen.
Vielleicht wäre der Verlust der Sinne und des Sinns nicht so gravierend, wenn es nicht solch gewaltige Auswirkungen auf unsere Erziehungswirklichkeit hätte.
Viele fordern mittlerweile eine bewusstere Werteerziehung, aber diese Forderung kommt nicht an bei denen, die es betrifft, bei den Kindern. Denn viele werden ohne Sinne erzogen bzw. mit fremden Sinnen, sinn-entfremdet
Manche sitzen mit drei oder vier Jahren schon vor dem Video und konsumieren Ware, die von Menschen produziert wurde, die selbst kein Verhältnis zu ihren Sinnen haben; und diese Ware findet Eingang in die Sinne der Kinder. Das ist das eigentlich Fatale an dem ganzen medialen Konsum, dass die Kinder vorgefertigte Ware übernehmen; dabei entwickeln sich aber nicht ihre ureigenen Sinne, sondern sie werden sofort sinnfremd gesteuert.
Kinder werden zudem viel zu früh heute in abstraktes Denken getrieben, das geschieht von Kultusministern und Bildungspolitikern, denen man auf Kilometer ansieht, dass sie ihren Verstand gebrauchen können, aber nicht ihre Sinne; ihre Gesichter sind Masken, ihre Körpersprache atmet kein Leben, keinen Sinn. In unserer Gesellschaft gilt doch vor allem, dass man nicht den Kopf verlieren darf; dass viele ihr Herz verloren haben, interessiert nicht.
Herz ohne Sinne aber, das ist nicht möglich. Nur offenen Herzens erschließen sich uns die Sinne und umgekehrt: Durch unsere Sinne finden wir Zugang zu unserem Herzen.
Man möge mir gestatten, dass ich etwas verallgemeinere, mir bleibt hier kein Platz, differenzierender die Dinge auszuleuchten; wer will, versteht, glaube ich, was ich sagen möchte.
Wenn in der Stadt, in der ich lebe, ein großer Wohnmarkt sonntags seine Pforten zur Wohnschau öffnet, dann ist er gerammelt voll; die halbe Stadt ist hier versammelt.
Die Natur ist immer offen, aber wie viele dieser Menschen gehen mit ihren Kindern in die Natur, die beste Schule für Kinder?
Das ist das Dilemma unserer Erziehung und dieses Dilemma nehmen die Seelen der Kinder genau wahr und reagieren entsprechend: Unsere Erziehung ist weitgehend sinnen-los und deshalb - seelisch gesehen - in einem erschütternden Ausmaß sinnlos.
Sinn kehrt mit den Sinnen ein.
Diesen Zusammenhang haben wir als Gesellschaft vergessen, verloren.
Wer mit Sinnen ein liebevoll hingezaubertes Essen isst, ist der nicht wie von selbst dankbar? Wie von selbst stellt sich diese Tugend ein. Und so ist es mit allen anderen Tugenden auch.
Wenn wir abends in den Sternenhimmel schauen, ergreift uns da nicht ein Staunen, eine Dankbarkeit, eine Wertschätzung für diese gewaltige Ordnung, die sich im Makrokosmos spiegelt! Und übrigens auch in uns, im Mikrokosmos! Welches Wunder ist z.B. der menschliche Körper!
Traurig und bezeichnend, dass viele jene Demut und Dankbarkeit und jenes Staunenkönnen nicht haben, das die größten Denker unserer Zeit auszeichnet, z.B. Albert Einstein:
(...) wer sich nicht mehr wundern und in Ehrfurcht verlieren kann, der ist seelisch bereits tot. Das Wissen darum, dass das Unerforschliche wirklich existiert und dass es sich als höchste Wahrheit und strahlendste Schönheit offenbart, von denen wir nur eine dumpfe Ahnung haben können — dieses Wissen und diese Ahnung sind der Kern aller wahren Religiosität. (...)
Der Himmel, das Göttliche kann immer wieder in uns und inmitten von uns Menschen sein. Wenn wir mit allen oder auch einigen Sinnen leben, dann ist das Göttliche unter uns und in uns.
Jaspers Aussage, so sehr ich übrigens diesen Philosophen für einiges, was er geschrieben hat, schätze, ist schrecklich, doch es entspricht der Wirklichkeit unserer Gesellschaft.
Wir sind Gott los, weil wir sinnenlos sind; im Grunde wird damit alles sinnlos, wertlos, Werte los.
Das griechische Wort Metanoia übersetzt Luther mit Buße; es bedeutet eigentlich Sinn-Wendung.
Tun wir das doch:
Wenden wir unseren Sinn zu den Sinnen hin.
Dann wird unser Leben und das unserer Kinder sinnen-voll, werte-voll, sinnvoll, wertvoll.
PS Wer nachlesen mag:
Werther-Brief vom 10. Mai 1771
Max Frischs Credo Du sollst Dir kein Bildnis machen!
Paul Gerhardts Sommer-Herzens-Lied
PPS: Post zuerst veröffentlicht auf FreieWelt.net