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Dienstag, 17. März 2026

Hilfreiche Texte für die dunkle Nacht der Seele

Es gibt Tage und Nächte im Leben, da ist es gut, wenn man Worte, die man auswendig kann, zu beten vermag. Mir geben in solchen Fällen drei Texte Trost.

(1) Der erste ist der 23. Psalm des Königs von Israel, David, der um 1000 v. Chr. lebte.

(2) 
Der zweite ist die siebte und letzte Strophe eines Liedes des evangelischen Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, das er im Dezember 1944 zum neuen Jahr aus der Gestapohaft heraus für seine Freunde verfasste; Dietrich Bonhoeffer wurde am 9. April 1945 hingerichtet.

(3) Der dritte Text ist die erste Strophe eines Liedes, das der erste Leiter der Herrnhuter Brüdergemeine, Nikolaus Graf von Zinzendorf (1700-1760) verfasste. Im Religionsunterricht "musste" ich auch die drei weiteren Strophen auswendig lernen. Mir tun sie gut, ich füge sie an.

(1)
Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum stillen Wasser.
Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. 

(2)
Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

(3)
Jesus, geh voran
auf der Lebensbahn!
Und wir wollen nicht verweilen,
dir getreulich nachzueilen;
führ uns an der Hand
bis ins Vaterland.

Soll's uns hart ergehn,
lass uns feste stehn
und auch in den schwersten Tagen
niemals über Lasten klagen;
denn durch Trübsal hier
geht der Weg zu dir.

Rühret eigner Schmerz
irgend unser Herz,
kümmert uns ein fremdes Leiden,
o so gib Geduld zu beiden;
richte unsern Sinn
auf das Ende hin.

Ordne unsern Gang,
Jesu, lebenslang.
Führst du uns durch raue Wege,
gib uns auch die nöt'ge Pflege;
tu uns nach dem Lauf
deine Türe auf.

PS:
Anmerken möchte ich, dass Luther den zweiten Vers des 23. Psalms übersetzte: "und führe mich zum frischen Wasser". 
Bis heute haben viele Bibeln diese Übersetzung übernommen, obwohl David vom Wasser am Ruheplatz, vom stillen Wasser spricht. Ich halte mich an Davids Wortwahl, denn Wasser kann die Seele zur Ruhe bringen, kann den Durst und unseren Kummer stillen ... 

PPS
Hier ein Link zu einer Vertonung des Bonhoeffer-Gedichtes:

Freitag, 21. Dezember 2012

Ach, Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen / Das Heil, für das Du uns bereitet hast.


Oft schätzt man ein Lied, ein Gedicht als Ganzes, aber auffallend ist, dass ganz unterschiedliche Worte zu verschiedenen Zeiten besonders in den Vordergrund treten.
Vor wenigen Tagen habe ich mir Bonhoeffers Von guten Mächten auf den Computer geladen, gesungen von Johannes Kalpers; ich finde auch die Version des Laki-Pop Chors sehr schön.
Seitdem höre ich es immer wieder und spüre die Innigkeit dieser Worte, diese Demut von Bonhoeffer, sein unendliches Vertrauen, seine Hingabe.
Besonders empfinde ich in diesem Jahr jene zwei Zeilen, die den Post-Titel bilden und auch jene, in denen er von dem bitteren Kelch spricht, gefüllt bis an den höchsten Rand.
Ich finde, sie übertragen eine unendliche Ruhe und vielleicht sollten wir viel weniger immer nur nach Glück streben, sondern nach jenem Frieden, der sich hier vermittelt. Vielleicht ist es in Wahrheit wichtiger, zu-frieden zu sein, in Frieden.
Bonhoeffers Worte waren prophetische Worte, und man spürt, dass er das auch beim Schreiben schon wusste: Sein Kelch, Bonhoeffers Kelch, sollte bis an den höchsten Rand gefüllt sein.
Aber er war in Gottes Hand.

Bonhoeffer war ja, 1906 geboren, nachdem er Theologie studiert und auch in diesem Fach promoviert und habilitiert hatte, zunächst als Privatdozent an der Universität in Berlin, dann auch als Auslandspfarrer tätig.
1935 übernahm er die Leitung des Predigerseminars der Bekennenden Kirche im pommerschen Finkenwalde.
Ein Jahr später wurde ihm die Lehrerlaubnis entzogen.
1942 bemühte er sich, Verbindung mit der englischen Regierung aufzunehmen, um Hilfe für den deutschen Widerstand zu gewinnen; doch hielt es das Foreign Office damals nicht für angebracht, mit der Widerstandsbewegung Kontakt aufzunehmen.

Am 5. April 1943 wurde Dietrich Bonhoeffer von den Nationalsozialisten verhaftet. Den Bemühungen u.a. von General Canaris ist es zu verdanken, dass der ausstehende Prozess wenigstens bis zum 20. Juli 1944 verzögert werden konnte. Die zweieinhalb Monate im Gefängnis nutzte Bonhoeffer, ungebrochen und ergeben in Gottes Willen, um wissenschaftlich zu arbeiten, Briefe zu schreiben und in Gedichten Worte zu finden, was in seinem Inneren vorging. Widerstand und Ergebung, so lautet der Buchtitel, unter dem sich die Briefe an seine Eltern und den Freund nach dem Krieg veröffentlicht finden.
Die Konzentrationslager Buchenwald und Flossenbürg waren die letzten Lebensstationen Bonhoeffers.
Am 9. April 1945, nur wenige Tage vor der Hinrichtung auch seines Bruders Klaus und nur wenige Tage vor Kriegsende, wurde auf ausdrücklichen Befehl Hitlers durch ein Standgericht das Todesurteil an ihm vollstreckt.

Eines seiner letzten Gedichte ging um die ganze Welt und hat so vieler Menschen Herzen gestärkt, so vielen Mut gegeben, Vertrauen in Gott und in Tod und Leben; auch mir hat es immer wieder geholfen und mein Dank gilt jenem Mann, von dem ich sicher glaube, dass er bis heute allen politisch Verfolgten und auch wegen ihres Glaubens Verfolgten zur Seite steht:

           
Von guten Mächten
Von guten Mächten treu und still umgeben,
Behütet und getröstet wunderbar,
So will ich diese Tage mit euch leben
Und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
Noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach, Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen
Das Heil, für das Du uns bereitet hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
Des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
So nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
Aus Deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken
An dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
Dann woll´n wir des Vergangenen gedenken,
Und dann gehört Dir unser Leben ganz.

Laß warm und still die Kerzen heute flammen,
Die Du in unsre Dunkelheit gebracht.
Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
So laß uns hören jenen vollen Klang
Der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
All Deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
Erwarten wir getrost, was kommen mag;
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
Und ganz gewiß an jedem neuen Tag.


Zu Recht sagt man, dass, wenn irgendwo auf der Welt das Hallelujah Händels angestimmt wird, ein Engelchor mitsingt.
Ich glaube, dass, wenn Dietrich Bonhoeffers Gebet gesprochen oder gesungen wird, immer auch Engel mitsprechen und mitsingen und tröstend ihre Hände auf den Betenden und Trost Suchenden legen.

Mittwoch, 23. November 2011

Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibet hier und wachet mit mir!

In der letzten Woche habe ich in Ethik mit Schülern meines Kurses über Alleinsein und Einsamsein gesprochen.
Über die Tatsache, dass es Menschen gibt, die kontaktarm sind und aus den unterschiedlichsten Gründen keinen Anschluss finden; auch darüber, dass es Phasen im Leben gibt, in denen sich viel verändert, auch der Bekannten- und Freundeskreis und man eine Phase durchstehen muss, in der man eher allein ist.
Und dass es wertvoll sein kann, allein zu sein.
Aber eben auch schwierig, deutlich in dem Gedichtanfang von Rainer Maria Rilke: Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens ...
Ich finde das einfach nach wie vor beeindruckend, wie Rilke eine Landschaft als Seelenlandschaft verwendet, um einen seelischen Zustand zu übermitteln.

Bevor wir uns in dieser Woche Camus` Mythos vom Sisyphos gewidmet haben - dieser tragische Held ist ja verurteilt, ganz alleine Tag für Tag und Nacht für Nacht seinen Stein auf den Berg zu wuchten, von dem er mit größter Gewissheit wieder nach unten rollt -, sprachen wir darüber, dass es auch ein Alleinsein, eine Einsamkeit gibt, die eine Stufe in der Entwicklung eines Menschen sein kann. In diesem Zusammenhang haben wir einen Bibelauszug aus dem Matthäusevanglium gelesen, in dem berichtet wird, wie es Jesus im Garten Gethsemane erging.
Den Tod vor Augen bat er seine drei Jünger, die ihn begleiteten - es waren Petrus, Johannes und Jakobus -, mit ihm zu wachen. Doch dreimal schliefen sie ein.
Schwach, denkt man. Nicht einmal in dieser Nacht, in der es ihrem geliebten Freund und Meister so schlecht geht, bringen sie es fertig, wach zu bleiben.
Was mir aber bewusst wurde:

Sie hatten, glaube ich, keine Chance, wach zu bleiben.
Die Macht des Bösen ist so stark, dass es jeden Menschen auf dieser Erde förmlich zwingt, einzuschlafen.
Es sei denn, er wäre den Weg Jesu schon gegangen und hätte sein Kreuz nach Golgatha getragen. Dann hätte er sein Ego gekreuzigt.

Solange wir Menschen Ego-Anteile haben, von Machtdenken, Neid, Eifersucht, Häme, Selbstmitleid und anderem beeinflusst sind, haben wir Einfallstore für dunkle Kräfte. Kräfte, die sich unter anderem aus dem kollektiven Unbewussten der Menschheit speisen und unglaublich stark sind.
Man muss dieses Einschlafen nicht werten. Es ist nicht schlimm. Es ist.
Die Jünger wären gerne NICHT eingeschlafen. Es waren keine Schwachmathiker; sie waren auf dem Weg zur Liebe.
Ich bezweifle jedoch, dass sie wirklich eine Wahl hatten.
Vielleicht hätten wir eine, weil wir um Gethsemane wissen.
Dann bliebe Jesus oder ein Mensch wie Jesus nicht allein.

Wie tragisch ist es, wenn man einem Freund und geliebten Menschen helfen möchte und es nicht kann, weil man einschlafen muss.
Befreien können wir uns durch diesen Weg, den Jesus ging, den Kreuzweg. Nicht die Liebe wird hier gekreuzigt - so ist es nicht angemessen formuliert, sondern die Liebe, die das Ego zu Kreuze trägt, damit es sterben kann.
Vor aller Augen.
Für alle Augen.
Es ist die große Leistung und Mission von Jesus, dass er den Menschen gezeigt hat: Das Ego ist euer Kreuz; das gilt es zu kreuzigen, damit ein neues Bewusstsein auferstehen kann.
So wissen Menschen, was sie tun können, um ihrer Liebe zum Sieg verhelfen zu können.
Damit sie nicht mehr schlafen muss. 
Dazu müssen wir unser Ego auf die Schädelstätte tragen.

Inmitten seiner inneren Kämpfe im Hinblick auf seinen nahenden Tod musste Jesus auch noch seine Jünger mehrfach wecken, um sie zu bitten, doch mit ihm zu sein.
So ergeht es der Liebe:
In solch einer Situation ist sie ganz allein.
Scheinbar.
In Wirklichkeit ist sie es nie.
Auch die Liebe in uns ist nie allein.
Es ist gewiss so, dass der ganze Himmel bei ihr ist.
Deshalb konnte Bonhoeffer schreiben:
Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarte ich getrost, was kommen mag ...

Sonntag, 25. April 2010

Dietrich Bonhoeffer: Dankbarkeit macht Vergangenes fruchtbar für die Gegenwart


In der Dankbarkeit
gewinne ich das rechte Verhältnis
zu meiner Vergangenheit.
In ihr
wird das Vergangene
fruchtbar für die Gegenwart.

Dietrich Bonhoeffer (1906-1945), Symbolfigur des christlichen Widerstandes gegen den Terror des Nationalsozialismus, wurde in der Morgendämmerung des 9. April, nur wenige Tage vor der Kapitulation, im Lager Flossenbürg erhängt.
Wie Jesu Worte, wie auch die von Sokrates und Gandhi, haben auch seine deshalb dieses Gewicht, weil sie mit seinem Blut geschrieben sind:

Die Liebe Gottes
befreit den von der Selbstliebe getrübten und irregeführten
Blick des Menschen
zu der klaren Erkenntnis
der Wirklichkeit des Nächsten und der Welt
und macht ihn so und nur so
bereit zur Wahrnehmung
echter Verantwortung.





















Dankbarkeit ist wie dieser wunderschöne Bach im Schwarzwald;
mit allem was ist, möchten sie und er nur eins:
zum Meer der Liebe.

der Reichenbach in der Nähe Bad Liebenzells