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Montag, 21. Juli 2025

Die 6. Reue Sophias und Jahn J Kassls Lichtweltverlag – seine schauderhafte Jesus-Biographie.

Jesus lobte zunächst den Beitrag des Philippus im Rahmen des fünften Reuegesangs der Sophia, indem jener mit dem 88. Psalm Davids, so die Formulierung im Text, die Lösung ihrer Reue gab.

Lösung führt zu Erlösung.
Was aber bedeutet Erlösung?
Es ist die Lösung, die Überwindung unserer alten gedanklichen Muster, das Ende der Knechtschaft durch niedere Gedankenformen. Wer sich dahin gearbeitet hat, der spürt, dass tatsächlich Gedanken Gewicht haben, nach unten ziehen, denn die Erleichterung ist fühl- und spürbar. Warum? - Der Christus-Logos hat Raum, in unser Inneres einzuziehen, und dieser Logos hat alles andere als ein Gewicht der Schwere, er hebt die Seele vielmehr himmelan. Wem es widerfährt, der beginnt zu fühlen: die Seele kann tatsächlich fliegen. Wie schrieb Eichendorff in Mondnacht: „Und meine Seele spannte / Weit ihre Flügel aus, / Flog durch die stillen Lande, / Als flöge sie nach Haus." 
Dieser große Spätromantiker hat sich noch nicht getraut, das Heimkommen im Indikativ anzusprechen; er verwendet noch den Konjunktiv „als flöge“.
Die Zeit ist gekommen zu schreiben: unsere Seele fliegt nach Hause!

Bevor ich die Worte wiedergebe, mit denen Jesus den sechsten Reuegesang der Sophia kundtut, möchte ich das zweite von vier Beispielen einbringen, mit denen (angebliche) Christen, ob bewusst, halbbewusst oder unbewusst ihren eigenen Sinneswandel - das griechische Wort lautet hierfür Metanoia, Luther übersetzte es mit Buße - , ihre eigene mögliche Reue hintertreiben.
Dass man, wie im letzten Beitrag angesprochen, bei Franz Alt von „unbewusst“ sprechen kann, halte ich für ausgeschlossen; die Verleugnung des Todes am Kreuz geschieht ja bewusst.
Selbiges gilt auch für Jahn J. Kassl, dem 2009, so ist bei Amazon in den biographischen Angaben zu lesen, der Auftrag (wie es ominös heißt) erteilt worden war, den Lichtweltverlag zu gründen (natürlich durch die Geistige Welt - wie kann es bei Kassl anders sein!?). Seit 2005 - so lesen wir - werden ihm nahezu täglich auf medialem Wege Botschaften übermittelt. Wie am Schnürchen veröffentlicht er Bücher und die Prominenz derer, die ihm die Bücher und Botschaften channeln, ist kaum zu überbieten (Erzengel Michael, Saint Germain, Anastasia, Gott, Jesus …); seine Leserschaft steigt ständig an, heißt es, und regelmäßig finden öffentliche Lichtlesungen im Lorely-Saal in Wien statt, die auf Video aufgezeichnet werden und auf You Tube einsehbar sind. Ich bin ihm über Danielle Gernandt begegnet, die regelmäßig eigene mediale Botschaften mit Channelings von Kassl abwechselt, indem sie per Video aus den Büchern von Kassl vorliest. Vielleicht, weil für mich ihre Stimme bei den Kassl-Botschaften ziemlich unnatürlich klingt, fiel mir die Fragwürdigkeit von dessen Inhalten auf, die ich mittlerweile für frei erfunden halte (mehr zu Danielle Gernandt im Rahmen der 7. Reue). Ich kaufte mir die von ihm herausgegebene Jesus-Biographie, Teil I, und las mit Erstaunen (S. 29 der 2. Auflage 2008):
Die Zeit und die Ereignisse in Jerusalem spitzten sich aber zu, und so kam der Tag, an dem ich Jerusalem verließ.
Das letzte Abendmahl deutet darauf hin.
Es war ein Abschiedsfest, und alle waren versammelt.
Wir aßen Datteln und Feigen und teilten das Brot. Es war mein Abschied von meinen Freunden und Weggefährten. Auch von meiner Frau und von meiner Mutter.
Es waren nicht nur zwölf bei diesem Fest, sondern wesentlich mehr, und alle kamen, mir Lebewohl zu sagen. Die Geschichte lässt euch glauben, dass danach meine Kreuzigung stattfand.
All diese Darstellungen sind unwahr und falsch!
Und auf S. 81 finden wir unter der Kapitelüberschrift Die Kreuzigung:
Ich bin Jesus Christus und begrüße dich, geliebtes Erdenkind.
Es ist eine wundervolle Zeit, in der ihr lebt, und alle, die sich entschließen, ihre Begrenzungen aufzugeben, erwartet die ewige Glückseligkeit.
Heute will ich euch weitere Neuigkeiten zu meinem Leben auf Erden geben, damit ihr loslassen könnt von alten Vorstellungen. Damit diese Hindernisse von euch gehen und ihr einen klaren Blick bekommt.
Wie bereits eingangs gesagt, bin ich weder gekreuzigt worden noch am Kreuz gestorben. (…)
Es gab keinen Verrat, von wem auch immer.
Ganz leicht konnten mich die römischen Soldaten finden.
Rudolf Steiner, der auch über den Verrat sprach, begründete übrigens sehr genau, warum ohne den Verrat des Judas die römischen Soldaten Jesus womöglich hätten nicht identifizieren können. Steiner schrieb über die Situationen, die der Jesus Kassls anspricht, wesentlich differenzierter, ohne dass er sein Buch eine Biographie genannt hätte.
Bei Kassl gibt Jesus sodann seinen Wortwechsel mit Pilatus wieder, aber er ist nicht, wie in der Bibel, ein Verhör, sondern „eher ein Gespräch“ - so die von Jesus via Kassl höchstselbst gegebene Bezeichnung. Überhaupt weist der Kassl-Jesus darauf hin, dass „es für mich kein Leid, keinen Schmerz (gab).“

Was in den Evangelien steht: offensichtlich dummes Geschwätz!

Und so heißt es auch folgerichtig auf S. 135:
Die Auferstehung ist genauso erfunden, wie der Tod am Kreuz. Das Leid in diesem Erdenleben als wünschenswert hinzunehmen, um im Jenseits die Früchte zu ernten, war das menschenverachtende Spiel der dunklen Kräfte. (…)
Dennoch aber gibt es sie, die Auferstehung.
Es ist das Wiedergeboren-werden, das Auferstehen, um sich seiner Wirklichkeit hinzuwenden.
Um deine Gottheit in dir wieder zu erlangen, bedarf es deiner Auferstehung. Das Erwachen in deinen ewigen Geist, hier im Jetzt, mündet in die Auferstehung. Du bist wiedergeboren und auferstanden, selbst-bewusst und voller Achtung für dich und deine Mitmenschen.
Frei von Leid, Angst und Sorge.
Warum der Kassl-Jesus von „Wiedergeboren-werden“ spricht, obwohl doch gar niemand gestorben ist, bleibt sein bzw. Kassls Geheimnis.

Einiges in der Biographie wird, verglichen mit dem Evangelien, so möchte ich sagen, vom Fuß auf den Kopf gestellt. Ob Jesus froh war, dass er mittels Jahn J Kassl endlich einmal die „Wahrheit“ kundtun konnte?

Der eigentliche Text der Biographie umfasst 152 Seiten, wobei angemerkt sein will, dass ich kein Buch kenne, bei dem so wenig Buchstaben auf einer Seite zu finden sind; der Zeilenabstand ist bemerkenswert groß, ebenso die Schrift.

Die Informationen zum Leben Jesu möchte ich zurückhaltend als dürftig, spärlich und oberflächlich bezeichnen, und wenn man beispielsweise sie vergleicht mit denen Rudolf Steiners in dessen Fünftem Evangelium, in dessen Rahmen über die Zeit des Lebens Jesu zwischen seinem zwölften Lebensjahr und dem Beginn seines Wirkens, wie es dann die Evangelien aufgreifen, berichtet wird, wird deutlich, dass doch eine große Berechtigung vorhanden sein könnte, sein Geld von Kassl zurückzuverlangen. Jesus hat uns in dem, was Kassl „Jesus-Biografie“ nennt, bedauerlicherweise sehr wenig über sein Leben verraten.
Teil II, 2011 erschienen, bringt übrigens - laut Kassl - „ein Ausmaß von Liebe auf die Erde, das alles bisher Gewesene bei Weitem übertrifft“ (ich würde, wenn jemand Kassl als den Trump der Esoterik bezeichnet, nicht unbedingt widersprechen wollen).

Ernsthaft gesprochen ist für mich Kassl ein spiritueller Scharlatan.

Am Ende des Buches hat Kassl eine Kurzbiographie von sich gegeben. Sie ist ein besonderes Schmankerl esoterisch selbstbeweihräuchernden Zeitgeistes und ich gebe sie auf meinem Wortbrunnen-Blog wieder.

Es folgt nun die 6. Reue, ich nehme aber zunächst vorweg, was Jesus am Ende dieser Reue seinen Jüngerinnen und Jüngern sagen wird, weil dadurch deutlich wird, wie wertvoll diese Reuen sind, wie wichtig es der Seele ist, Geduld zu haben; die Spreu wird vom Weizen getrennt werden und die tyrannischen Götter werden um die vollständige Reinigung ihres Lichtes durch das Feuer der Weisheit nicht herumkommen:
Armen, Armen, ich sage euch: Ich werde euch in allen Mysterien des Lichtes [den Geheimnissen der höheren Himmel] und in allen Gnosen [Wissensgebieten] vollenden, vom Inneren der Inneren bis zu den Äußeren der Äußeren, vom Unaussprechlichen bis zur Finsternis der Finsternisse, vom Licht der Lichter bis zu der Materie [dem gefangenen Licht also], von allen Göttern bis zu den Dämonen, von allen Herren bis hinunter zu den Dekanen, von allen Gewalten bis zu den Dienern, von der Schöpfung der Menschheit bis zu der der Tiere, der Rinder und der Reptilien, so dass ihr Vollkommene genannt werdet, vollendet im ganzen Pleroma [Gesamtheit der göttlichen Königreiche].
Amen, Armen, ich sage euch: In der Region, wo ich im Königreich meines Vaters sein werde, dort werdet auch ihr mit mir sein. Und wenn die vollkommene Zahl [der vervollkommnete Körper der Menschheit] erfüllt ist, so dass die Mischung vergeht [das gegenwärtige Programm von Licht und Finsternis], werde ich befehlen, dass sie alle tyrannischen Götter, die nicht die Reinigung ihres Lichtes geopfert haben, bringen werden, und ich werde dem Feuer der Weisheit, über das die Vollkommenen gehen werden, befehlen, diese Tyrannen zu verzehren, bis sie die letzte Reinigung ihres Lichtes gegeben haben.

Die 6. Reue Sophias
1  Dir habe ich Loblieder gesungen, oh Licht, unten aus der Finsternis.
2  Höre meine Reue, und möge dein Licht den Klang meiner flehentlichen Bitte beachten.
3  Oh Licht, wenn du über meine Sünde nachdenkst, werde ich nicht in der Lage sein, in deine Gegenwart zu kommen, und ich werde verloren sein.
4  Denn du, oh Licht, bist mein Erlöser; und wegen des Lichtes deines Namens habe ich an dich, oh Licht, geglaubt.
5  Und meine Kraft hat an dein Mysterium geglaubt; meine Kraft hat auf das Licht vertraut, als sie in der Höhe war, und sie vertraute darauf, als sie im Chaos darunter war.
6  Lass alle Kräfte in mir Vertrauen in das Licht haben, wenn ich unten in der Finsternis bin, und mögen sie [die Kräfte] wieder Vertrauen auf das Licht finden, wenn sie in die Region der Höhe zurückkehren.
7  Denn das Licht hat Mitleid mit uns und rettet uns; ein großes Mysterium der Rettung ist in ihm.
8  Und alle Kräfte werden vor dem Chaos gerettet werden wegen meines Vergehens, denn ich bin aus meiner Region hinausgegangen, um in das Chaos darunter einzutreten.
Nun also, wer immer Verstehen hat, der möge verstehen.
Und es geschah, als Jesus diese Worte an seine Jünger zu sprechen beendet hatte, dass er zu ihnen sagte, „Wisst ihr, in welcher Weise ich mit euch rede?
Andreas trat vor und sprach, „Mein Herr, über die Lösung der sechsten Reue von Pistis Sophia hat deine Lichtkraft früher schon durch David in dem 130. Psalm prophezeit, worin sie sprach:
1  Aus den Tiefen habe ich zu dir gerufen,YHWH.
2  Mein Herr, höre meine Stimme; mögen deine Ohren auf die Stimme meiner Gebete merken.
3  Wenn du, oh Yah, meine Laster bemerken solltest, wer könnte überleben?
4  Denn bei dir ist Vergebung; um deines Namens willen habe ich auf dich gewartet.
5  Meine Seele wartet du auf dein Wort.
6  Meine Seele hat auf den Herrn gewartet, mehr als der Wächter auf den Morgen. Israel warte weiterhin auf den Herrn vom Morgen bis zum Abend.
7  Denn bei YHWH steht die liebende Güte, und bei ihm ist überfließende Erlösung.
8  Und er wird Israel aus all seinen Lastern erlösen.

Die Erfahrung der Erlösung von alten Gedankenformen machen zu dürfen, ist fast unvergleichlich. König David ist ja mehr als ein König, er ist wahrlich ein Prophet, er spricht an, dass wir, wenn wir zum geistigen Israel gehören, von allen (!) Lasten befreit werden werden. Zunehmend können wir, was noch in der Zukunft liegt, zu unserer Gegenwart machen und auf welchen Ebenen dann Erlösung im umfassenden Sinne geschieht, erfasst J.J. Hurtak in seinen kommentierenden Worten:
Auf der Ebene des Individuums (in einem dreidimensionalen Körper) kommt sie [die Erlösung] durch die Fähigkeit, den Lichtkörper mit dem Christus zu verinnerlichen; auf der Seelenebene bringt sie die volle Macht des Lichts zur Verwandlung und Wiedervereinigung der Seele-Geist-Einheit; auf der planetaren Ebene findet Erlösung durch die Erfüllung der zur Belehrung der Menschheit gegebenen Heiligen Schriften statt, und letztendlich durch die Befreiung, die im Auszug aus Ägypten exemplifiziert ist; auf der universalen Ebene geschieht Erlösung durch den Göttlichen Logos, der die Lebenskraft aller lokalen Welten in das gereinigte Sohn-Universum einverleibt, wo die vielen Erfahrungen und Experimente durch den Einfluss des Göttlichen, das sich in der Existenz manifestiert und zum Aufstieg des Universums führt, erlöst werden können.
Anmerken möchte ich bei dieser Gelegenheit, wie wichtig es ist, das Alte Testament angemessen zu verstehen. Wer das tut, dem kann leider nicht entgehen, dass noch viele Menschen in der Gefangenschaft und Knechtschaft des alten Ägypten sich befinden. Sie haben den Ruf eines Mose noch nicht vernommen.

Freitag, 18. Juli 2025

Die fünfte Reue Sophias. – Franz Alt und sein Golgathaverständnis: "Weiche von mir, Satan!"

Wie groß und überzeugend ist die Bereitschaft Sophias im Rahmen ihres vierten Reuegesangs zu einer fundamental ehrlichen Bestandsaufnahme, zu einer schonungslosen Analyse ihrer Situation, wie groß die Bereitschaft zu benennen, wie das Verhältnis des Lichtes zu ihr ist und wie sehr sie auf die Rettung durch das Licht hofft.

Sie beginnt ihren fünften Reuegesang mit einem Lob auf das Licht, um dann wieder überzugehen zu einer schonungslosen Bestandsaufnahme ihrer Situation verbunden mit einem Ausblick voller Hoffnung.
Ihr Umgang mit ihrer Situation mag eine Hilfe, ja - wenn wir wollen - eine Vorlage sein für uns, wie wir mit dem Licht und Gott sprechen können.

Die Realität von sogenannten Christen in unserem Land sieht zum Teil gänzlich anders aus. Wie selbstgefällig und überheblich handeln und reden manche, wie bar echter Reue. Ich möchte dies zu Beginn dieses und der drei folgenden Reuegesänge an vier Beispielen deutlich machen.

Einige unter uns dürften Bücher von Franz Alt kennen oder gar gelesen haben, bekannt sind vor allem „Frieden ist möglich. Die Politik der Bergpredigt.“ bzw. „Liebe ist möglich. Die Bergpredigt im Atomzeitalter.“
Mit „Jesus – der erste neue Mann.“ fand sich Franz Alt auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Insgesamt listet Wikipedia über 30 von ihm geschriebene Bücher und Veröffentlichungen auf. In den Buchrezensionen werden ihm immer wieder Lobeshymnen gesungen, die kritischen Rezensionen gehen aber sehr eindeutig im Hinblick auf sein Wirken in Richtung ideologischer Vorstellungen, die sich an modisch-kritischen Themen unserer Zeit orientieren (der ökologische Jesus, der pazifistische Jesus, der feministische Jesus), immer wieder wird ihm auch New-Age-Besserwisserei und eine gewisse parteipolitische Haltung mit erkennbarem Hang zur Selbstdarstellung vorgeworfen; in diesen Zusammenhang gehören seine offenen Briefe an Helmut Kohl und Angela Merkel, und als ob er noch nicht ausgelastet genug gewesen sei, engagierte er sich noch in dem Bahn-Bauprojekt "Stuttgart 21".

Für mich ist die entscheidende Frage: Leuchtete Franz Alt bei seinem vielen Schreiben das Licht, nach dem eine Sophia so strebte, erstrebte er die Weisheit, die uns Sophia vermitteln kann, gerade deshalb, weil sie durch tiefe und lichtlose Täler ging? Finden wir bei ihm diese Demut gegenüber dem Licht, die eine Sophia auszeichnet? Oder ist Franz Alt einfach nicht weise, sondern ein typischer Intellektueller unserer Zeit, nicht weise also, sondern schlau?

Ich war doch sehr verblüfft, als ich von einem Mann, der mehrere Bücher über Jesus geschrieben hat und von dem man doch also annehmen darf, dass er um den zentralen Punkt von Jesu Mission auf der Erde weiß, in einem Video den Satz hörte:
Ich kann mir gut vorstellen, dass das ganze Ostergeheimnis nichts anderes ist als eine Nahtoderfahrung (…) Das ist für mich kein Glaubensproblem, sondern eine Frage des gesunden Menschenverstandes.
Wenn Jesus Franz Alts Buchtitel nach der erste neue Mann ist, dann eigentlich doch deshalb, weil durch sein Wirken und Sein für uns Menschen der Weg zur Auferstehung gebahnt wurde, zur Auferstehung eines neuen Bewusstseins, was dadurch möglich wird, dass mit und in Jesus auf Golgatha der göttliche Sohn Christus stirbt, ein Geschehen in einer Dimension, die vielen Menschen noch in seiner Bedeutung nicht wirklich zugänglich ist.
Goethe hat darum gewusst, sein Gedicht „Selige Sehnsucht“ beginnt deshalb mit: „Sagt es niemand, nur den Weisen, / Weil die Menge gleich verhöhnet, / Das Lebend’ge will ich preisen, / Das nach Flammentod sich sehnet.“
Goethe wusste, dass das Geheimnis um den Flammentod der Seele, die in seinem Gedicht als Schmetterling diesen Tod erleidet, nur wirklich weisen Menschen zugänglich ist. Deshalb spricht der bloß schlaue Franz Alt von einem nicht wirklichen Tod, sondern von einem Nahtod. Er hat den Tod Jesu, der für alle Tode steht, die Menschen seelisch sterben, wenn etwa fundamental Neues in ihnen auferstehen will, nicht verstanden.
Goethe lässt uns in der letzen Strophe wissen: „Und so lang du das nicht hast, / Dieses: Stirb und werde! / Bist du nur ein trüber Gast /Auf der dunklen Erde.“
Um den Sinn unserer Existenz auf der Erde wissen wir nur, wenn wir die Bedeutung des Todes von Jesus verstehen. Weil er diesen Weg ging, dürfen wir heute in einem irdischen Leben zu dem Bewusstsein der Auferstehung gelangen. Wir sterben auch in diesem Leben oder einem folgenden den Tod auf Golgatha, jeder auf seine Weise.
Dann dürfen wir auch Pfingsten erleben.

Das alles hat Franz Alt nicht verstanden Für ihn gibt es keinen wirklichen Tod Jesu, deshalb kann es für ihn auch keinen wirklichen Ostersonntag geben, keine Auferstehung, kein Pfingsten.

Eine bemerkenswerte Stelle, die Alt mehr als nur zu denken hätte geben müssen, finden wir in Matthäus 16:
Wir lesen, dass Jesus seine Jünger darauf vorzubereiten beginnt, dass er nach Jerusalem gehen und dort sterben, dass er aber am dritten Tag auferstehen wird (so sprach er und das steht dort klipp und klar !)
Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen, und sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weiche von mir, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.
Wie viel hat der Mann, Franz Alt, über Jesus und die Bergpredigt geschrieben!! Verstanden hat er weder sie noch ihn! Auch wenn es noch so klug klingt, wie und was er schreibt. Deshalb kommt in Wirklichkeit nichts Wertvolles in unserer Seele an in dem, was er von sich gibt.
Was er tut, ist ja noch gravierender als das, was Petrus macht: Jesus weist die Jünger darauf hin, dass er sterben wird, Alt aber sagt: In Wirklichkeit ist er gar nicht gestorben …
Jesus würde zu ihm sagen und, ich vermute, er hat es bereits getan:"Weiche von mir, Satan!"

Wenn Alt über Liebe schrieb, dann hat er die größte Liebestat, die alle Liebe göttlich machen kann und will, gar nicht verstanden: diese göttliche Liebe beendet durch den realen Tod Jesu die Trennung von Tod und Leben; in dem Sinn, wie wir heute über Tod und Leben denken, das gibt es für Menschen, die sich zu einem Christus-Bewusstsein zu entwickeln vermochten, nicht mehr.
Das aber versteht der gesunde Menschenverstand nicht, das versteht ein Franz Alt nicht.
Denken in göttlichem Sinne ist nicht mehr linear, dieses Denken ist unbeschreiblich und deshalb ist die Weisheit einer Sophia so schwer zu erfassen; es kann nur der erfassen, dem das alte Denken stirbt. Wenn Menschen aber dieses Sterben, dieses Goethesche „Stirb“ nicht haben, dann fehlt ihnen auch das „Werde“ dann bleibt ihr Denken, so formuliert es Goethe, trübe, so wie ihr Dasein.

Franz Alt schrieb und schrieb und schrieb; wie ein Don Juan auf der Suche und Sucht nach Liebe von Bett zu Bett sprang und sie doch nie erreichte, so springt Franz Alt von Buch zu Buch, weil er sich das Verständnis von Liebe und Weisheit auf diese Weise erschreiben wollte. In Wirklichkeit hatte er Angst, etwas Entscheidendes in sich sterben zu lassen.

Warum ich darüber schreibe: All den vielen Büchern Alts fehlt die göttliche Weisheit, das göttliche Licht. Es kann in ihnen nicht vorhanden sein. 
Für mich ist wichtig, dass wir vorsichtig sind mit dem, was Menschen so Schlaues sagen und schreiben. Für mich ist wichtig, dass wir ein Gespür dafür entwickeln, ob Menschen mit dem wahren Licht, das Sophia so intensiv suchte und fand, in Kontakt sind - vielleicht sind sie es nicht immer, aber doch immer wieder. Ob sie in Kontakt mit der wahren Weisheit sind, nicht immer, aber ob sie danach streben, das ist wichtig.
Zu solchen Menschen sollten wir uns hingezogen fühlen und sie suchen, mit ihnen in Gemeinschaft gehen, Menschen, die wissen, warum Jesus Christus für uns ganz real auf Golgatha starb! Oft sind es keine Vielschreiber. Aber die Gemeinschaft mit ihnen und ihre ehrlichen Worte tun unserer Seele gut. Und gut für unsere Seele ist, wenn wir zu Menschen mit einem Verstand a là Franz Alt und ihrem tödlich kranken Bewusstsein sagen: "Weiche von mir, Satan!
"
Weil Jesus Petrus liebte, wies er ihn so deutlich zurecht! Dann kann Erkennen, kann Metanoia, kann Reue einsetzen.

Wenden wir uns der fünften Reue zu und denken wir daran, dass Sophia nur im Wirrwarr des Chaos, dem sie ausgesetzt ist, ihren Bedarf an Göttlichkeit und das Wirken der Gottheit erkennen kann. Aus der Verwirrung und dem Chaos in den niederen evolutionären Welten wird letztlich für Sophia und für uns der eigentliche Wandel hervortreten.
Dann werden, wie es in der 4. Reue heißt, selbst alle Archonten der materiellen Welt, dich, oh Licht fürchten, andere dagegen – wie eben auch Sophia – werden sich mit dem gereinigten Licht kleiden. 
Vollziehen wir den Weg der Reue mit, dass auch wir dieser Kleidung teilhaftig werden:

5. Reue
Und es geschah, als alle materiellen Emanationen von Selbst-Willen schwer auf ihr lasteten, dass Sophia laut weinte und die fünfte Reue gab, indem sie sprach:
1 Oh Licht meiner Erlösung, ich singe dir Lob in der Region der Höhe und auch im Chaos.

2 Ich singe dir Lob in meinem Lied, mit dem ich in der Höhe Hymnen bildete, und mit dem ich an dich Hymnen bildete, als ich im Chaos [in den niederen Welten] war. Möge es deine Gegenwart erreichen, und bitte höre, oh Licht, auf meine Reue.

3 Meine Kraft ist in die Finsternis gesunken, und mein Licht ist ins Chaos abgestiegen.

4 Ich selbst werde wie die Archonten des Chaos, sie, die in die Finsternis unten hinabgestiegen sind; ich werde zu einem materiellen Körper, ohne jemanden in der Höhe, der mich errettete.

5 Ich werde auch wie die Substanzen, deren Kraft aufgebraucht ist und in das Chaos ausgeschieden werden, solche, die du nicht in der Erlösung für wert befandest und die auf dein Gebot hin übriggelassen werden, um zu vergehen.

6 Nun haben sie mich unten in die Finsternis gestellt, in tote Finsternisse und Materien, die keine Kraft in sich haben.

7 Du hast dein Gebot über mich gebracht und alles, was du bestimmt hast,

8 und dein Geist hat sich zurückgezogen und mich verlassen. Auch sind auf deinen Befehl die Emanationen meines Äons mir nicht zu Hilfe gekommen, sondern haben mich verabscheut und sich von mir ferngehalten, und immer noch bin ich nicht vollkommen ausgelöscht.

9 Aber mein Licht ist in mir geschwächt, und ich habe mit allem Licht, das mir noch geblieben ist, nach dem Licht gerufen, und ich habe meine Hände nach dir ausgestreckt.

10 Nun, oh Licht, wirst du nicht dein Gebot im Chaos erfüllen, und die Befreier, werden sie nicht kommen, wie du es ihnen befohlen hast, in der Finsternis aufzustehen, um deine Jünger zu sein?

11 Werden sie nicht das Mysterium deines Namens im Chaos sprechen?

12 Oder werden sie eher deinen Namen in der Substanz des Chaos sprechen, die du nicht reinigen wirst?

13 Doch ich habe dich gepriesen, oh Licht, und meine Reue wird dich in der Höhe erreichen.

14 Möge dein Licht über mich strömen,

15 denn sie haben mir mein Licht genommen, und ich bin seit der Zeit, da ich emaniert wurde, in heftigem Schmerz wegen dem Licht. Und nachdem ich auf das Licht in der Höhe geblickt hatte, blickte ich nach unten auf die Lichtkraft im Chaos; und ich machte mich auf und stieg hinab.

16 Dein Gebot fand mich, und die Ängste, die du für mich festgelegt hast, führten mich in Verwirrung.

17 Und sie haben mich wie zahlreiche Wasser umzingelt, sie haben mich fortwährend gemeinsam zu jeder Zeit ergriffen.

18 Und durch dein Gebot hast du meinen Schutz-Emanationen nicht gewährt, mir zu Hilfe zu kommen, noch hast du meinem Gepaarten erlaubt, mich aus meinem Leiden zu erlösen.
🌟

Dies ist die fünfte Reue, welche Pistis Sophia im Chaos von sich gab, als alle materiellen Emanationen von Selbst-Willen sie weiterhin bedrohten.
(...)
Jesus spricht: Nun komme du, Philippus, nach vorn und verkünde die Lösung der fünften Reue von Pistis Sophia, und nimm dann wieder deinen Platz ein und schreibe alle Belehrungen, die ich äußern werde, bis die Zahl deines Anteils der Aussagen über das Königreich des Lichts, die du aufzeichnen sollst, vollendet ist.

Und Philippus antwortete und sprach zu Jesus, „Mein Herr, höre mir zu, dass ich die Lösung ihrer Reue gebe. Denn deine Kraft hat darüber früher durch David im 88. Psalm prophezeit, indem er sprach:

1 YHWH, Gott meiner Errettung, bei Tag habe ich nach dir gerufen, des Nachts habe ich vor dir gewartet.

2 Lass mein Gebet vor dir aufsteigen; neige dein Ohr meinem Lied.

3 Denn meine Seele ist mit Elend durchtränkt, und mein Leben nähert sich den unteren Tiefen.

4 Ich bin mit jenen gezählt, die in die Grube hinabgehen; ich bin wie ein kraftloser Mann geworden.

5 Ich werde wie die Toten, die frei sind, betrachtet, wie die Geschlagenen, die in Gräbern liegen, an die du dich nicht mehr erinnerst und die von deiner helfenden Hand abgeschnitten sind.

6 Du hast mich in die niederste Grube gelegt, in die Finsternis der tiefsten Schlucht.

7 Dein Zorn hat sich auf mich geheftet, und deine Wellen haben mich gepackt. Selah.

8 Du hast mir meine Freunde entfremdet; du hast mich ihnen zum Abscheu gemacht. Ich bin eingesperrt, und ich kann nicht heraus.

9 Meine Augen trauern wegen meiner Not; ich habe nach dir gerufen YHWH, jeden Tag; meine Hände habe ich nach dir ausgestreckt.

10 Wirst du für die Toten Wunder wirken? Werden nicht jene, die niedergeworfen wurden, aufstehen und dich preisen? Selah.

11 Werden sie nicht bestimmt deinen Namen in den Gräben aussprechen?

12 Und deine Rechtschaffenheit im Land des Vergessens?

13 Und zu dir, YHWH, rufe ich um Hilfe, und am Morgen ist mein Gebet früh vor dir.

14 Warum verbirgst du dein Angesicht vor mir?

15 Denn ich bin betrübt und nahe am Tod. Ich erhöhte mich selbst und wurde gedemütigt.

16 Dein strenger Zorn überwältigte mich, und deine Schrecken haben mich zum Schweigen gebracht.

17 Sie umkreisen mich wie Wasser den ganzen Tag; sie überschwemmen mich alle gleichzeitig.

18 Du hast mir den Freund und Gefährten entfremdet; meine Bekannten werden von meinem Leid ferngehalten.“
🌟

Dies ist nun die Lösung des Mysteriums der fünften Reue, die von Pistis Sophia gegeben wurde, als man sie im Chaos verfolgte.

Freitag, 13. September 2024

Die Kontrolle über Gott aufgeben !

Die Kontrolle über Gott aufgeben? 

Manchem, der diese Aussage liest, wird sie reichlich abstrus vorkommen. Kein Mensch kann doch Gott kontrollieren!

Doch, es geht.
Auf der sogenannten 3-D-Ebene, der Ebene der dritten Dimension, auf der, um es mit einem Bild aus dem Alten Testament anzusprechen, das goldene Kalb angebetet wird, der Ebene also, wo nur Materielles zählt, kontrollieren die Menschen Gott - um es genauer zu formulieren: der überwiegende Teil der Menschheit gibt sich der Illusion hin, Gott kontrollieren zu können.
Das betrifft jene, denen es einigermaßen bewusst sein könnte, was im spirituellen Bereich geschieht. Den meisten Menschen allerdings ist es nicht bewusst. Ihnen ist nicht bewusst, dass, ein Ego zu haben, bedeutet, zu entscheiden, welche Rolle Gott im Leben spielt und was ihm zugestanden wird, was nicht - gar keine, bei vielen, und aus geistiger Trägheit geschieht das unbewusst.
Ich will das an einem Beispiel verdeutlichen: Ich bin sehr christlich erzogen worden und habe festgestellt, dass religiöse Menschen einen strengen Gott haben, wenn sie selbst streng sind, d.h. streng mit sich umgehen und anderen. Andererseits habe ich Menschen kennengelernt, deren Gott ein sehr toleranter, sehr verständnisvoller Gott war. Oft waren das Menschen, die in Wirklichkeit in ihrem Inneren relativ unklar waren und oft unfähig zu klaren Entscheidungen. Eine gewisse Beliebigkeit in wichtigen Fragen war ihrem Inneren zu eigen. Entsprechend sah ihr Gottesbild aus, ihre Vorstellung von Gott. In Wahrheit kontrollierte ihr (dürftiges) Bewusstsein Gott.
Natürlich glaube ich, dass Gott alles versteht; zugleich aber hat er klare Anforderungen an die Menschen und diese äußern sich nicht mehr nur in den zehn Geboten, sondern seit 2000 Jahren gehen sie weit darüber hinaus: Sie betreffen das Verhältnis der Menschen zu ihrem Nächsten und zu sich selbst - das Praktizieren von Liebe setzt Selbstliebe voraus -; sie betreffen ein friedliches Miteinander, Geduld und Sanftmut, sie betreffen die sogenannten Früchte des Geistes, von denen die Bibel spricht, und von den Anforderungen, die sich aus der Bergpredigt ergeben.
Wie sich das in der Realität der Menschen dann äußert, das aber entscheidet das Ego der Menschen. Das Ego tritt also an die Stelle Gottes. Es kontrolliert, was in der Realität der Menschen spirituell sein darf, was nicht.
Um einem vielfachen Missverständnis entgegenzutreten: das Ego des Menschen ist von vornherein nichts Schlechtes, ja, das Ich des Menschen ist eine Notwendigkeit, um über ein Stammesbewusstsein hinauszuwachsen, um ein Individuum zu sein, um Individualität zu entwickeln. Dieses Ich, dieses Ego, das in die Menschheitsgeschichte einzubringen im übrigen die Mission des jüdischen Volkes war – „Ich bin der ich bin“: mit dieser Aussage Jahves tritt ja das Ich ein in die Weltgeschichte –, ist Voraussetzung dafür, dass im Zuge der Entwicklung der Menschheit ein anderes Ich überhaupt Raum finden kann in den Menschen - dazu gleich mehr.
Im übrigen ist von Bedeutung, dass die Worte „Jahve“ und „Eva“ miteinander verwandt sind. Die Aufgabe der Kontrolle über Gott, die Bereitschaft, sich hinzugeben und Hingabe als eine weibliche Gabe zu erkennen, beginnt momentan dazu beizutragen, dass die kaputte Männlichkeit, unter der die Menschheit leidet, offenbar wird.
Die göttlich-weibliche Seite trägt dazu bei, dass Männer zu wahrer Männlichkeit finden und die männliche Seite in der Frau ihre neue Rolle in der Gesellschaft unterstützt, ja, eigentlich erst ermöglicht. Deutschland ist viele Kanzlerjahre von einer Frau regiert worden, deren althergebrachte, für manchen versteckt, in Wirklichkeit sehr dominante männliche Seite alle Männer um sie herum dominierte und Deutschland in seiner Entwicklung unglaublich lähmte (allerdings haben wir nun einen Kanzler, bei dem man vergeblich eine akzeptable männliche und weibliche Seite sucht - letztendlich fördert dieser Umstand das Bedürfnis nach wahrer Männlichkeit und Weiblichkeit).
Ich bin kein Anthroposoph, es gehört für mich aber zu den faszinierenden Augenblicken in meinem Leben, als ich bei Rudolf Steiner las, dass die erste Person des Personalpronomens im Singular im Deutschen korrespondiert den Initialen von Jesus Christus: I-CH, Jesus Christus. Keine andere Sprache der Welt weist diesen Zusammenhang auf und diese Tatsache weist darauf hin, welche Bedeutung ursprünglich dem deutschen Kultur- und Geistessraum zukam, eine Bedeutung, die sich niederschlug in Werken wie Wolfram von Eschenbachs „Parzival“, Lessings „Die Erziehung des Menschengeschlechts“, Schillers ästhetischen Briefen oder Goethes „Faust“, um nur einige und wichtige zu nennen - im musikalischen Bereich gilt dies für das Werk Johann Sebastian Bachs oder das Richard Wagners, dessen spirituelle Herausforderungen bis heute viele Menschen überfordern und ihn deshalb plakativ bewerten lassen.
Ob im übrigen der deutschsprachige Kulturraum der ihm zugedachten spirituellen Aufgabe gerecht werden kann: das entscheidet sich in diesen Jahren.
Gott zu kontrollieren bedeutet auch, die geistigen Maßstäbe, die er vermittelt, in der Realität nicht Wirklichkeit werden zu lassen. Das ändert sich momentan sehr stark, und auch wenn die Menschen sich nicht aus göttlicher Überzeugung bewusster ernähren, bewusster der Natur gegenübertreten, eine andere Medizin anstreben, so ist es doch ihr göttliches Inneres, was hinter diesen Wandlungen steht.
Auch wenn viele, die „Ich“ sagen, sich nur unbewusst auf Jesus Christus beziehen, so wird, glaube ich, in den nächsten Jahren gerade im deutschen Sprachraum das Christusbewusstsein wachsen.
Wenn Jesus im Moment des Todes am Kreuz sagt: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände“, so öffnet sich menschheitsgeschichtlich in diesem Moment das Tor von einem globalen kollektiven Ego zu einem Ich, das den Christusgeist in sich tragen kann. Dieser Weg mag noch Jahrhunderte dauern, doch leben wir in einer Zeit – und dürfen dankbar sein, sie auf der Erde erleben zu dürfen –, in der die Menschheit zunehmend bewusst durch dieses Tor tritt.
In Gethsemane muss Jesus sehen, dass seine Jünger, die ihn seelisch unterstützen wollten, eingeschlafen sind und ihm bleibt nichts als zu sagen:„Vater, willst du, so nehme diesen Kelch von mir. Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“
„Dein Wille geschehen!“ Diese Worte, dieses Mantra, das wir auch im „Vater unser“ finden, kann für uns eine Formel und Formulierung der Hingabe sein, welche die Bereitschaft zum Ausdruck bringt: Ich gebe die Kontrolle über Gott auf! Ich befehle meinen Geist in seine Hände!

Freitag, 15. April 2022

Mitteilungen der Anna Katharina Emmerick über das Karfreitagsgeschehen, aufgezeichnet von Clemens Brentano

Clemens Brentano (1778 - 1842), der berühmte romantische Dichter, Verfasser zahlreicher Gedichte, Märchen, Erzählungen, religiöser Arbeiten und Bühnenwerke, vor allem aber Mitverfasser von "Des Knaben Wunderhorn", jener Sammlung alter deutscher Volks-, Kinder- und Kirchenlieder, die zu den wertvollsten Gütern unseres Sprach- und Kulturraumes gehören, schrieb von 1818 über mehr als sechs Jahre die Mitteilungen jener berühmten Nonne (1774 -1824), die die Stigmata Jesu trug, Anna Katharina Emmerick, auf, Aufschriebe, die schlussendlich 24 Bände umfassten, aufgrund deren Brentano vier Bücher herausgab; aus einem, der "Passion", gebe ich das Karfreitagsleiden von Jesus in Auszügen wieder, basierend also auf Visionsprotokollen, die nicht unumstritten sind, reicherte sie doch Brentano ganz offensichtlich mit eigenen Anmerkungen an.
Brentano selbst äußert zu ihrem gemeinsamen Arbeiten - am 24. September 1818 fand die erste Begegnung statt - bis zu ihrem Tod, am 9. Februar 1824:
Sie sprach gewöhnlich niederdeutsch, im ekstatischen Zustande oft auch reinere Mundart; ihre Mitteilung wechselte zwischen Kindlichkeit und Begeisterung. Alles Gehörte, dass unter behinderten Verhältnissen in ihrer Gegenwart sehr selten kaum in wenigen Zügen notiert werden konnte, war unmittelbar zu Haus aufgeschrieben. Der Geber alles Guten gab Gedächtnis, Fleiß und jene Gemütserhebung über viele Leiden, welche die Arbeit möglich machten, wie sie ist. Der Schreiber tat, was er konnte, und spricht in diesem Bewusstsein den genügsam Leser um ein Gebetsalmosen an.
An der ein oder anderen Stellest für mich offensichtlich, dass hier auch die innere Handschrift des Dichters deutlich erkennbar ist. Insgesamt aber bezweifle ich den Wahrheitsgehalt der "Passion" nicht, im Gegenteil, durch die vielen Bilder, in denen die Ereignisse vermittelt werden, rückt das Geschehen von damals aus einer gewissen Abstraktion heraus und kann die Seele eines Menschen zutiefst bereichern; deshalb gebe ich das Folgende wieder:


Karfreitag

Am Morgen bis gegen 10 Uhr, da das Urteil gesprochen wurde, war abwechselnd Hagelschauer, dann während der Ausführung heller Himmel und Sonnenschein, jetzt gegen 12 Uhr entstand ein rötlicher, trüber Schein vor der Sonne.

Es gingen nun vier Schergen nördlich die siebenzig Schritte zu der Kerkergrube hinab und rissen Jesus heraus, der da zu Gott um Stärkung gefleht und sich nochmals für die Sünden seiner Feinde aufgeopfert hatte. Sie schleppten ihn treibend, schlagend und höhnend diesen letzten Pfad seines Leidens, das Volk schaute und höhnte, die Soldaten brüsteten sich kalt und ernst, Ordnung haltend, die Schergen empfingen ihn grimmig und hinreißend in den Kreis. (…)
Der Anblick von all diesem ward mir dadurch noch schrecklicher, dass ich auch das den anderen unsichtbare Böse hier in seiner Gestalt sehen musste. Ich sah nämlich große furchtbare Teufelsgestalten zwischen allen diesen grausamen Menschen tätig, als reichten sie ihnen alles, als rieten und hülfen sie zu allem, und unzählige kleine grässliche Erscheinungen aller Gestalten von Kröten, Schlangen und Drachen mit vielen Klauen und alle Arten gräulichen, giftigen Ungeziefers sah ich um die Umgebung wie verfinsternd schwärmen. Sie schossen den Leuten ins Maul, in den Busen, saßen auf ihren Schultern, und es waren dies solche Leute, welche allerlei grimmige, böse Gedanken hatten oder Worte des Fluches und Hohnes ausstießen. Über dem Herrn aber sah ich während der Kreuzigung oft große weinende Engelsgestalten und Glorien erscheinen, in denen ich bloß kein Angesicht erkannte. Solche Engel des Mitleides und Trostes sah ich auch über der heiligen Jungfrau und allen Wohlgesinnten stärkend und aufrichtend erscheinen.
Nun aber rissen die Schergen unserem Herrn den Mantel ab, der ihm um den Oberleib geschlungen war. Sie nahmen ihm den Fesselgürtel ab und seinen eigenen Gürtel und rissen ihm das wollweiße Oberkleid über das Haupt, es hatte einen Brustschlitz mit Riemen verbunden. Dann nahmen sie ihm die lange, schmale Halsbahn von den Schultern, und da sie ihm den braunen und genähten Rock, den ihm seine Mutter gewirkt hatte, nicht über die breite Dornenkrone ziehen konnten, rissen sie ihm die Krone vom Haupte, alle dessen Wunden neu eröffnend, schürzten ihm dann den gewirkten Rock, und zogen ihm denselben mit vermaledeitem Hohne über das blutende, wundenvolle Haupt aus.
Da stand der zitternde Sohn des Menschen, mit Blut, Schwielen, vertrockneten und fließenden Wunden, mit Striemen und Flecken bedeckt. Er hatte nur noch das kurze wollene Skapulier [Überwurf über Brust und Rücken] über dem Oberleib und die Hülle des Unterleibes an. Das Skapulier war mit der Wolle in seine Wunden festgetrocknet und mit Blut in die neue tiefe Wunde verklebt, welche ihm die Kreuzeslast in die Schulter gedrückt hatte, woran er unaussprechlich litt. Unbarmherzig rissen sie ihm das Skapulier von der Brust, und er stand schrecklich zerrissen und verschwollen in seiner Nacktheit, die Schulter und Achsel war bis auf die Gebeine zerrissen, und die weiße Wolle des Skapuliers klebte hier und da auf den Wundrinden und im trockenen Blute seiner Brust.

Nun rissen sie ihm den letzten Gürtel von den Hüften, er stand nackt und krümmte sich schamhaft, und als er ihnen unter den Händen umzusinken drohte, setzten sie ihn auf einen herbeigewälzten Stein, stießen ihm die Dornenkrone von neuem wieder auf das Haupt und boten ihm das andere Gefäß mit Essig und Galle zum Trinken dar, doch er wandte schweigend das Haupt ab.
Jetzt aber, da die Schergen ihn an den Armen, mit denen er seine Blöße bedeckte, anpackten und aufrichteten, um ihn auf das Kreuz zu werfen, erhob sich Ärger, lautes Murren und Wehklagen unter allen seinen Freunden über die schmähliche Entblösung. Seine Mutter betete heftig, sie war im Begriff, ihren Schleier abzureißen und, in den Kreis dringend, ihm denselben als Hülle zu reichen; aber Gott erhörte sie, denn in diesem Augenblick stürzte ein Mann, der vom Tore, quer durch das Volk durch, außerhalb des Weges heraufgelaufen war, geschürzt und außer Atem in den Kreis unter die Schergen und reichte Jesus ein Tuch, welches dieser dankend annahm und so um die Mitte des Leibes wand, dass das längere Ende zwischen den Füßen durch rückwärts wieder durch den Bund geschlungen war.
Dieser von Gott durch das Gebet der heiligen Jungfrau erflehte Wohltäter seines Erlöses hatte in seinem Ungestüme etwas Gebieterisches, er drohte mit der Faust gegen die Schergen und sagte nichts als: „Und dass ihr den armen Menschen sich bedecken lasset!“ Er sprach mit niemandem sonst und eilte eben so schnell wie er herangekommen, wieder von dannen. (…)

Jesus, ein Bild des Jammers, wurde von den Schergen auf das Kreuz gestreckt, er setzte sich selbst darauf, und sie stießen ihn nieder auf den Rücken und rissen seinen rechten Arm mit der Hand auf das rechte Nagelloch des rechten Kreuzarmes und schnürten den Arm fest, und es kniete einer auf seiner heiligen Brust, und einer hielt die sich schließende Hand auf, und der andere setzte den langen dicken Nagel, der spitz zugefeilt war, in das dicke Teil seiner segnenden Rechten und schlug wütende Schläge mit dem eisernen Schlegel.

 

Ein süßes, helles, gebrochenes Wehgeschrei tönte aus dem Munde des Herrn. Sein Blut spritzte auf die Arme der Schergen. Die Bänder der Hand wurden zerrissen und mit dem dreischneidigen Nagel in das engere Nagelloch hineingetrieben. Ich habe die Hammerschläge gezählt, aber in meinem Elende wieder vergessen. Die heilige Jungfrau wehklagte leise und schien bewusstlos, Magdalena aber war ganz von Sinnen.
Die Bohrer waren ein großes Stück Eisen, wie ein lateinisches T, es war kein Holz daran, auch die großen Hämmer waren mit den Stielen ganz von Eisen aus einem Stück, und beinah von der Form, wie bei uns die hölzernen Schlegel der Tischler, mit welchem Sie auch die Meißel schlagen.
Die Nägel, bei deren Anblick Jesus so sehr geschaudert hatte, waren so lang, dass sie in die Faust gefasst, oben und unten etwa ein Zoll hervorstanden. Sie hatten oben ein Blättchen mit einer Kuppe, welches im Umfange eines Kronentalers die Hand füllte. Die Nägel waren dreischneidig, oben so dick wie ein mäßiger Daumen, unten wie ein kleiner Finger, und dann spitz zugefeilt. Eingeschlagen sah die Spitze an der hinteren Seite des Kreuzarmes ein wenig hervor.
Nach der Annagelung der rechten Hand unseres Herrn fanden die Kreuziger, dass seine linke Hand, die auch auf den Kreuzarm festgebunden war, nicht bis zu der Stelle des Nagelloches reichte, das sie wohl zwei Zoll vor den Fingerspitzen gebohrt hatten; sie banden daher die Stricke an seinen linken Arm allein und zogen, sich mit den Füßen gegen das Kreuz stemmend, so heftig an diesem Arme, bis die Hand die Nagelstelle erreichte. Jesus wehklagte ganz rührend, sie rissen die Arme ganz aus den Gelenken, seine Achseln waren ausgedehnt und hohl, und an den Ellenbogen sah man die Knochenabsätze. Seine Brust hob sich hoch empor, die Knie zogen sich gegen den Unterleib. Sie knieten ihm auf den Armen und der Brust, sie knebelten ihm die Arme fest und schlugen dann den zweiten grausamen Nagel durch die Linke des Herrn: das Blut spritzte empor, der süße, helle Wehruf Jesu tönte durch die Schläge des schweren Hammers. – Die Arme Jesu waren in gerader Linie so ausgespannt, dass sie nicht mehr die schräg aufsteigenden Kreuzarme deckten, man sah zwischen den Kreuzarmen und seinen Achselhöhlen hindurch.
Die heilige Jungfrau fühlte alle Peinigung mit Jesus, sie war bleich wie eine Leiche und leise Schmerzenstöne erklangen von ihren Lippen. Die Pharisäer höhnten und schimpften nach der Seite des Walles hin, wo sie stand, und man führte sie darum etwas ferner von dem Kreise zu den anderen heiligen Frauen. Magdalena war wie wahnsinnig, sie zerriss sich das Angesicht, ihre Augen und Wangen waren blutig. (…)
Der ganze Leib unseres Erlösers hatte sich durch die gewaltsame Ausspannung der Arme nach den zu weit auseinandergebohrten Annagelungsstellen in die Höhe gezogen, und seine Knie hatten sich aufgerichtet. Nun aber fielen die Schergen über diese her und banden sie, mit Strickschlingen ziehend, nieder, und es reichten durch die boshafte Stellung der Nagellöcher seine heiligen Füße bei weitem nicht nach dem Fußklotze hin. Da erhob sich unter den Schergen ein Fluchen und Höhnen, einige meinten, man müsse andere Löcher bohren an den Armen, denn den Klotz herauszurücken war beschwerlich, andere höhnten schauderhaft, „er wolle sich nicht strecken, aber sie wollten ihm helfen“; und sie banden ihm Stricke an das rechte Bein und zogen mit schrecklich marternder Gewalt den Fuß auf den Standklotz und knebelten das Bein mit Stricken fest. Es war die Ausspannung des Körpers so entsetzlich, dass die Brust Jesu krachte und er laut jammerte: „O Gott, o Gott!“ Sie hatten ihm die Brust und die Arme auch gebunden, damit die Hände nicht aus den Nägeln rissen. Sein Unterleib zog sich ganz hinweg, und es war, als brächen ihm die Rippen von dem Brustbeine. Es war ein schauderhaftes Leiden.
Sie knebelten nun den linken Fuß ebenso gewaltig mit Stricken über den rechten Fuß nieder und durchbohrten ihn oben am Riste, weil er zum Annageln nicht fest genug über dem rechten Fuß ruhte, mit einem feineren, plattköpfigen Stift, als die Nägel der Hände waren, es war wie ein Vorbohrer mit einem Pfriem [Werkzeug, mit dem Löcher gestanzt werden]. Nun aber ergriffen sie den schrecklichsten, viel längeren Nagel und trieben ihn mit großer Anstrengung durch den verwundeten Rist des linken und durch den des unten ruhenden rechten Fußes krachend hindurch in das Loch des Standklotzes und durch diesen in den Kreuzesstamm hinein. Ich habe am Kreuze, von der Seite sehend, den einen Nagel durch beide Füße durchgehen sehen.

Das Annageln der Füße war grausamer als alles durch die Ausdehnung des ganzen Leibes. Ich zählte an 36 Hammerschläge unter dem Wehklagen des armen Erlöses, das mir so süß und hell und rein klang; die Stimmen des Hohnes und Grimmes umher klangen mir dumpf und trübe. (…)

Ich sah weinende Engel über Jesus während dieser schrecklichen Peinigung erscheinen. (…)

Man meißelte noch während der Annagelung auf dem Kreuzhügel an dem Loche, worin das Kreuz aufgerichtet werden sollte, denn es war zu klein und der Fels sehr hart. Es hatten aber einige Schergen den gewürzten Wein der heiligen Frauen nicht Jesus gegeben, sondern selbst getrunken, und sie waren ganz rauschig davon und empfanden ein Brennen und Schneiden im Leibe, so dass sie wie toll wurden; sie schimpften Jesus einen Zauberer, waren wütend über seine Geduld und liefen mehrmals den Kalvarienberg hinab und soffen Eselsmilch. Es waren Weiber aus dem nahen Lager der Ostergäste mit melkenden Eselinnen in der Nähe, sie verkauften die Milch.
Nach dem Stand der Sonne war es ungefähr ein Viertel nach 12 Uhr, als sie Jesus kreuzigten, und da sie das Kreuz aufrichteten, hallte ein großes Trompetengetöse vom Tempel her. Das Osterlamm war geschlachtet.

Nach der Annagelung unseres Herrn zogen sie mit Stricken, die an Ringen hinten am Kreuze befestigt wurden, den oberen Teil des Kreuzes auf den erhöhten Standort, und warfen dann diese Stricke über einen jenseits errichteten Querbalken oder Bock, und viele Schergen zogen vermittelst dieser Stricke das Kreuz in die Höhe, andere steuerten mit Hakenstöcken an dem Stamme nach und richteten den Fuß in das Loch, dann schoben sie den Gipfel des Kreuzes etwas vorwärts, dass es in senkrechte Richtung kam und seine ganze Last mit einem erschütternden Stoße in die Grube niederfuhr. Das Kreuz erzitterte von dem Stoße, Jesus wehklagte laut, die ausgespannte Last des Leibes zog nieder, die Wunden wurden weiter, das Blut rann reichlicher, und die ausgerenkten Gebeine stießen sich. Nun rüttelten Sie das Kreuz noch fest und schlugen fünf Keile umher in das Loch. Einen von vorn, einen zur Rechten, einen zur Linken und zwei an die hintere etwas runde Seite des Kreuzes.
Es war ein erschreckender und zugleich rührender Eindruck, als unter Hohngeschrei der Schergen und Pharisäer und vielen entfernten Volkes, das ihn nun auch sehen konnte, dass Kreuz emporschwankte und erschütternd niederstieß; aber auch fromme, wehklagende Stimmen erhoben sich zu ihm. Die heiligsten Stimmen der Erde, die jammernde Stimme der Mutter und der Freundinnen und des Freundes, und alle, die reinen Herzens waren, begrüßten das am Kreuz erhöhte, ewige, Fleisch gewordene Wort mit rührender Wehklage, und alle Hände der Liebenden streckten sich bang, als wollten sie helfen, empor, da der Heiligste der Heiligen, der Bräutigam aller Seelen, lebendig an das Kreuz genagelt, in den Händen der tobenden Sünder emporschwankte; als aber das Kreuz mit lautem Hall aufrecht in die Standgrube hineinsank, trat ein kurzes Schweigen ein. Alles schien von einem neuen, nie da gewesen Gefühle überrascht. Selbst die Hölle fühlte den Stoß des sinkenden Kreuzes mit Schrecken und bäumte sich nochmals in ihren Werkzeugen mit Hohn und Fluch gegen dasselbe; bei den armen Seelen aber und in der Vorhölle war eine bang harrende Freude, sie horchten auf jenen Stoß mit sehnsüchtiger Hoffnung, er tönte ihnen wie das Pochen des nahenden Sieges an den Toren der Erlösung. Das heilige Kreuz stand zum ersten Male in der Mitte der Erde aufgerichtet wie ein anderer Baum des Lebens im Paradiese, und aus den erweiterten Wunden Jesu träufelten vier heilige Ströme auf die Erde nieder, ihren Fluch zu sühnen und sie ihm, dem neuen Adam, zu einem Paradiese zu befruchten.

Als unser Heiland an dem Kreuze aufgerichtet stand, und das Hohngeschrei auf wenige Minuten durch ein Schweigen des Staunens unterbrochen war, schallte der Ton vieler Trompeten und Posaunen vom Tempel herüber und kündete das begonnene Schlachten des Osterlamms, des Vorbildes, an, indem er das Hohn– und Wehgeschrei um das wahre geschlachtete Lamm Gottes mit ahnungsreicher Feierlichkeit unterbrach; und es ward manches harte Herz erschüttert und gedachte der Worte des Täufers: „Siehe das Lamm Gottes, welches die Sünden der Welt auf sich genommen hat!“ (…)

Es war nun ungefähr halb zwei, und ich wurde in die Stadt geführt, zu sehen, wie es dort hergehe. Ich fand eine allgemeine Angst und Bestürzung, Nebel und Nacht lagen in den Straßen, die Menschen tappten verwirrt umher, viele lagen in Winkeln mit verhülltem Haupte und schlugen an die Brust, viele schauten nach dem Himmel und standen auf den Dächern und wehklagten. Die Tiere brüteten und verbargen sich, die Vögel flogen niedrig und fielen nieder. Ich sah, dass Pilatus den Herodes besucht hatte und dass sie in großer Bestürzung nach dem Himmel schauten, auf derselben Terrasse, von welcher Herodes am Morgen die Verspottung Jesu mit angesehen. Dies sei nicht natürlich, sagten sie, Jesus sei gewiss zu viel geschehen. Ich sah hierauf Herodes und Pilatus nach dessen Palast über das Forum gehen, sie waren beide sehr geängstigt und gingen mit starken Schritten von Wachen umgeben. (…)
Es sammelte sich unterdessen viel Volk vor Pilatus’ Schloss, und wo sie morgens geschrien: „Kreuzige ihn, hinweg mit ihm“, schrien sie jetzt: „Ungerechter Richter! Sein Blut, auf seine Mörder!“ Pilatus musste sich mit Soldaten umgeben, und jener Zadoch, der am Morgen, als Jesus ins Richthaus ging, seine Unschuld laut ausgerufen, schrie und lärmte dermaßen vor dem Palaste, dass Pilatus ihn beinahe festnehmen ließ. Pilatus, der elende Mensch ohne Seele, machte den Juden die größten Vorwürfe: „Er habe keinen Teil daran, es sei ihr König, ihr Prophet, ihr Heiliger gewesen, den sie zum Tode gebracht, und nicht der seine, ihn gehe es nichts an, sie hätten seinen Tod gewollt.“

Im Tempel herrschte Angst und Schrecken im höchsten Grade, sie waren im Schlachten des Osterlammes begriffen, als die plötzliche Nacht einfiel, alles war verwirrt und hier und da brach bange Wehklage aus. Die Hohenpriester taten alles, um die Ruhe und Ordnung zu erhalten; man steckte alle Lampen beim hellen Tage an, aber die Verwirrung wurde noch größer, ich sah Annas in peinliche Angst geraten, er lief aus einem Winkel in den anderen, sich zu verbergen. Als ich wieder zur Stadt hinausging, bebten die Schirme und Gitter vor den Fenstern der Häuser, und es war doch kein Sturm. Die Dunkelheit ward immer größer. Ich sah auch im äußeren Teile der Stadt an der Nord-West-Gegend zur Stadtmauer hin, wo viele Gärten und Gräber sind, einzelne Grabeingänge einsinken, als wanke der Boden.

Auf Golgatha machte die Finsternis einen wunderbar fürchterlichen Eindruck, das gräuliche Toben und Martern, das Geschrei und die fluchende Tätigkeit bei der Kreuzaufrichtung, die Anknebelung und das Gebrüll der beiden Schächer, das Höhnen und Umherreiten der Pharisäer, der Wechsel der Soldaten, das lärmende Abziehen der berauschten Henker hatte im Anfang der Verfinsterung den Eindruck zerstreut, und dann folgte die Strafrede des reumütigen Dismas und die Wut der Pharisäer gegen ihn, nun aber wuchs die Finsternis, die Zuschauer wurden ernster und vom Kreuze abgewendeter. Da empfahl Jesus seine Mutter dem Johannes, und sie wurde hierauf aus dem Kreise hinausgebracht. Es trat jetzt eine dumpfe Pause ein, das Volk wurde bange bei der zunehmenden Finsternis, die meisten schauten zum Himmel, in vielen regte sich das Gewissen, manche wandten die Augen reumütig zum Kreuze, viele schlugen an die Brust und bereuten, die Gleichgesinnten zogen sich nach und nach zusammen, die Pharisäer, heimlich bang, erklärten alles noch natürlich, aber ihre Reden wurden immer kleinlauter und verstummten endlich fast ganz. Hier und da stießen sie wohl noch ein freches Wort aus, aber es machte sich sehr gezwungen. Der Kern der Sonne war fahl dunkel wie Berge im Mondschein, ein roter Ring umgab sie, die Sterne traten mit rötlichem Lichte hervor, die Vögel fielen aus der Luft auf dem Kalvarienberge und in den nahen Weinbergen zwischen die Menschen nieder und ließen sich mit Händen greifen, die Tiere umher brüllten und zitterten, die Pferde und Esel der berittenen Pharisäer drängten sich zusammen und hingen die Köpfe. Dampf und Nebel umgab alles.

Um das Kreuz war es stille, alles war abgewandt, viele Leute flohen zur Stadt. Der gekreuzigte Heiland war mit dem Gefühle der tiefsten Verlassenheit in seiner unendlichen Marter, seine Feinde liebend und für Sie betend, zu seinem himmlischen Vater gewandt. Er betete, wie während seines ganzen Leidens, stets in Psalmenstellen, die nun an ihm in Erfüllung traten. Ich sah Engelsgestalten um ihn. Als die Dunkelheit aber zunahm, und die Angst drückend auf allen Gewissen und eine dumpfe Stille über allem Volke lag, sah ich Jesus ganz einsam und trostlos hängen. Er litt alles, was ein armer, gepeinigter, zermalmter Mensch in der größten Verlassenheit, ohne menschlichen und göttlichen Trost leidet, wenn der Glaube, die Hoffnung, die Liebe ganz einsam, ohne Erwiderung und Genuss, ohne alles Licht, nackt und ausgeleert in der Wüste der Prüfung stehen, und mit unendlicher Marter allein von sich selbst leben. (…) In diese Wüste der inneren Nacht brauchen wir nicht mehr einsam und gefährdet hinabzusteigen! Jesus hat in den Abgrund des bitteren Meeres dieser Verlassenheit seine innere und äußere Verlassenheit am Kreuze hinabgesenkt, und so hat er den Christen in der Verlassenheit des Todes, in der Verfinsterung allen Trostes nicht mehr einsam gelassen. Es gibt keine Wüste, keine Einsamkeit, keine Verlassenheit, keine Verzweiflung in letzter Todesnot mehr für den Christen, denn Jesus, der das Licht, der Weg und die Wahrheit ist, ist auch diesen finsteren Weg segnend und alle Schrecken bändigend gewandelt und hat sein Kreuz in dieser Wüste aufgerichtet. (…)
Und so rief er in seinem Leiden das Zeugnis seiner Verlassenheit aus und eröffnete damit allen äußerst Bedrängten, welche Gott als ihren Vater erkennen, die Freiheit zu vertrauter kindlicher Klage. – Jesus rief gegen drei Uhr mit lauter Stimme: „Eli, Eli, lamma sabacthani!“, das heißt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“
Als dieser laute Ruf unseres Herrn die bange Stille umher unterbrach, wandten sich die Spötter wieder zu dem Kreuze, und einer sprach: „Er ruft den Elias“, ein anderer: „Wir wollen sehen, ob Elias kommt und ihm herunterhilft.“ Die Mutter aber, da sie die Stimme ihres Sohnes hörte, konnte nichts mehr zurückhalten, sie drang wieder zu dem Kreuze hin, und Johannes, Maria Kleophä, Magdalena und Salome folgten ihr. (…)

Bald nach drei Uhr wurde es heller, der Mond begann von der Sonne zu weichen, und zwar nach entgegengesetzter Richtung. Die Sonne erschien strahllos, umnebelt und rot, und der Mond sank schnell nach der entgegengesetzten Seite, als wenn er falle. Es kamen auch die Sonnenstrahlen nach und nach zurück, und die Sterne verschwanden, doch war es noch immer trübe. Mit dem nahenden Lichte wurden die Spötter wieder kühner und triumphierten, und da geschah es, dass sie sagten: „Er ruft den Elias“. Abenadar [der Hauptmann der Soldaten] aber Gebot Ruhe und Ordnung.
Als es heller wurde, erschien der Leib des Herrn am Kreuze bleich, schwach, wie ganz verschmachtet, und weißer als vorher, so sehr war er verblutet. Er sagte auch, ich weiß nicht, ob betend und mir allein vernehmlich, oder ob halblaut: „Ich bin gepresst wie der Wein, der hier zuerst gekeltert worden, all mein Blut muss ich geben, bis das Wasser kommt und die Hülsen weiß werden, es soll aber kein Wein mehr hier gekeltert werden.“
Ich sah später in Bezug auf diese Worte ein Bild, wie Japhet [einer der drei Söhne Noahs, Überlebender der Sintflut] hier auf dieser Stelle den Wein gekeltert, das ich später erzählen will.
Jesus war ganz verschmachtet und sprach mit vertrockneter Zunge: „Mich dürstet!“ – Und da die Seinigen ihn traurig ansahen, sagte er: „Konntet ihr mir nicht einen Trunk Wasser geben?“ Er meinte, während der Finsternis hätte sie wohl niemand gehindert; Johannes sagte betrübt: „O Herr, wir haben es vergessen“; und Jesus sagte noch so viel als: „Auch die Nächsten mussten mich vergessen und mir keinen Trunk reichen, auf dass die Schrift erfüllet würde.“ – Es hatte ihm aber dieses Vergessen bitter wehe getan. Auf seine Klage baten sie die Soldaten und boten ihnen Geld an, ihm einen Trunk Wasser zu reichen, sie taten es aber nicht, sondern einer tauchte einen birnförmigen Schwamm in Essig, der in einem Tönnchen von Bast dastand, und goss auch Galle hinein. Aber der Hauptmann Abenadar war von Jesus gerührt, er nahm dem Soldaten den Schwamm, drückte ihn aus und füllte ihn mit reinem Essig. Er steckte hierauf das eine Ende des Schwarmes in ein kurzes Ysoprohr, welches wie ein Mundstück zum Saugen diente, und hob diese auf der Spitze seiner Lanze befestigte Vorrichtung so zu dem Antlitze Jesu empor, dass das Rohrstück zu dem Munde Jesu gelangte, und dieser durch dasselbe den Essig aus dem Schwamme saugen konnte. (…)

Da nun die Stunde des Herrn gekommen war, rang er mit dem Tode, und ein kalter Schweiß drang aus seinen Gliedern. Johannes stand an dem Kreuze und trocknete Jesu Füße mit seinem Schweißtuch. Magdalena lehnte, ganz von Schmerz zermalmt, an der Rückseite des Kreuzes. Die heilige Jungfrau stand zwischen Jesus und des guten Schächers Kreuz, von den Armen der Maria Kleophä und der Salome unterstützt, und sah zu ihrem sterbenden Sohn hinauf. Da sprach Jesus: „Es ist vollbracht!“ Und richtete das Haupt empor und rief mit lauter Stimme: „Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist!“ Es war ein süßer lauter Schrei, der Himmel und Erde durchdrang; dann senkte er sein Haupt und gab seinen Geist auf, und ich sah seine Seele wie einen leuchtenden Schatten bei dem Kreuze zur Erde hinab in den Kreis der Vorhölle fahren. – Johannes und die heiligen Frauen sanken zur Erde auf ihr Antlitz nieder.


Abenadar, der Hauptmann, von Geburt ein Araber, als Jünger nachmals Ctesiphon getauft, hielt, seit er Jesus mit dem Essig tränkte, auf seinem Pferde dicht am Kreuzeshügel, so dass der Vorderteil des Tieres erhöht stand. Er schaute lange tief erschüttert, ernst, unabgewandt ins dornengekrönte Antlitz unseres Herrn. Des Rosses Haupt war bang und krank gesenkt, und Abenadar, dessen Stolz sich beugte, zog auch den Zügel nicht mehr an. Da sprach der Herr die letzten Worte laut und kräftig und starb mit Erde, Hölle und Himmel laut durchdringendem Geschrei. Die Erde bebte und der Fels zerbarst weit klaffend zwischen Jesu und des linken Schächers Kreuz. Das Zeugnis Gottes ging mit Schreck und Schauder mahnend tief durch die trauernde Natur. Es war vollbracht, – die Seele unseres Herrn verließ den Leib, und bei dem Todesschrei des sterbenden Erlösers erbebten alle, die es hörten, mit der Erde, die wallend ihren Heiland anerkannte, doch die verwandten Herzen nur durchfuhr ein scharfes Schwert des Schmerzes. Da war es, dass die Gnade über Abenadar kam, da zitterte sein Ross und wankte seine Leidenschaft und brach sein stolzer, harter Sinn gleich dem Kalvarienfelsen, er warf den Speer von sich und schlug mit starker Faust gewaltig an sein Herz, laut schreiend mit der Stimme eines neuen Menschen: „Gelobt sei Gott, der Allmächtige, der Gott Abrahams und Jakobs, dieser war ein gerechter Mann, wahrhaftig, er ist Gottes Sohn!“ Und viele der Soldaten, von des Hauptmanns Wort erschüttert, taten ebenso wie er.

Es wollte aber Abenadar, der nun ein neuer, ein erlöster Mensch war, nachdem er öffentlich dem Sohne Gottes huldigte, nicht länger mehr im Dienste seiner Feinde stehen. Er wandte sein Pferd zu Cassius, den Unteroffizier, den man Longinus nennt, stieg ab, hob seine Lanze auf und gab sie ihm, sprach einiges zu den Soldaten und zu Cassius, der nun das Pferd bestieg und hier befehligte; denn Abenadar eilte vom Kalvarienberg und durch das Tal Gihon zu den Höhlen des Tales Hinnom, er kündigte den dort verborgenen Jüngern den Tod des Herrn an und eilte weiter zu Pilatus in die Stadt.
Es kam ein tiefes Erschrecken über alle Anwesenden mit dem Todesschrei Jesu, als die Erde bebte und der Kreuzigungshügel zersprang, es war ein Schrecken, der durch die ganze Natur ging, denn da zerriss auch der Vorhang des Tempels, da stiegen viele Tote aus den Gräbern, da sanken Wände im Tempel, stürzten Berge und Gebäude in vielen Weltgegenden ein.
Abenadar rief sein Zeugnis aus, viele Soldaten zeugten mit ihm, viele aus dem anwesenden Volke und den zuletzt gekommenen Pharisäern bekehrten sich. Viele schlugen an die Brust, wehklagten und irrten vom Berge durch das Tal nach Haus. Andere zerrissen ihre Kleider und streuten Staub auf ihr Haupt. Alles war voll Furcht und Schrecken. (…)

Das Licht der Sonne war noch trüb und nebelig, es war schwül und drückende Luft bei dem Beben der Erde, nachher aber folgte eine empfindliche Kühle. – Die Gestalt von unseres Herrn Leichnam am Kreuze war ungemein ehrbar und rührend. Die Schächer hingen in schrecklicher Verdrehung wie betrunken da, sie schwiegen zuletzt beide, Dismas betete.

Es war bald nach 3 Uhr, als Jesus verschied. (…) Aus der Ferne, im Tal und auf entlegenen Höhen erschien hier und da scheu einer der Jünger und schaute furchtsam und neugierig nach dem Kreuze und zog sich bei jeder Annäherung von Menschen wieder zurück.

PS.

Mehr zu den Auszügen Anna Katharina Emmerichs im Rahmen einer Facebook-Gruppe: https://www.facebook.com/groups/1430812607350020
und im folgenden Beitrag auf diesem Blog.

Die Bilder entstammen dem Stationenweg auf der Halbhöhe Bad Kissingen

Montag, 2. April 2018

Ohne Erbschuld wirst du funkeln! - Ostergedanken eines Christian Morgenstern.

Wer Karfreitag durch die Augen eines Jesus gesehen hat, weiß, dass dieser Mensch zu Recht ein Überwinder genannt werden kann. Schließlich war schon Gethsemane für ihn eine harte Prüfung gewesen. Der ein oder andere wird die Erfahrung, die er machte, auch gemacht haben: in den schwersten Stunden ist der Mensch ganz allein. Oft hat er sein Schicksal sich selbst zu verdanken und erkennt das auch. Wie Jonas im Bauch des Wals, auf der Flucht vor dem Auftrag,  nach Ninive zu gehen und den Menschen dort die Wahrheit zu sagen, landet man, wenn man solchen Auftrag blockt, in absoluter Finsternis.
Für all jene, die das kennen, hat Christian Morgenstern, jener Dichter, den die meisten nur mit seiner komischen Seite, z.B. seinen Palmström-Gedichten, in Verbindung bringen, einen Rat:

Überwinde! Jede Stunde,
die du siegreich überwindest,
sei getrost, daß du im Pfunde
deines neuen Lebens findest.

Jede Schmach und jede Schande,
jeder Schmerz und jedes Leiden
wird bei richtigem Verstande
deinen Aufstieg mehr entscheiden.

Ohne Erbschuld wirst du funkeln,
abermals vor Enkeln rege,
ungezähltem Volk im Dunkeln
weist ein Sieger Sonnenwege.
 
Das Gedicht könnte eine Anregung sein, das nächste Ostern bewusster zu erleben. Wer mehr darüber lesen möchte: hier.


Freitag, 30. März 2018

Regelmäßig an Ostern wird der Tatort Golgatha verhängt. - Dank Leuten wie Armin Laschet klappt das auch immer besser!

Im Fernsehen gibt es über Ostern jede Menge Krimis. Selbst der olle Matula wird noch mal für ZDF-Quoten revitalisiert.

Klar, wenn kein Interesse an Göttern und dem christlichen Gott besteht, ist das zu akzeptieren. Die Leute fangen halt wirklich erst wieder an zu beten, wenn sie im Keller sitzen, weil Bomben fliegen oder sie die Fenster verhängen müssen, damit ja kein radioaktiver Staub reinkommt. Die Zeiten, wo das der Fall sein könnte, rücken ganz offensichtlich ja wieder näher.

Und anstatt sich über sich selbst Gedanken zu machen und das, an was man glaubt, wird lieber über den Islam hergezogen.
Dass es aus christlicher Sicht genug Gründe gäbe, sich mit dessen dogmatischer vater-fixierten Theologie auseinanderzusetzen, daran besteht eigentlich kein Zweifel, genauso wie die Tatsache, dass sicherlich mehr als die Hälfte aller Muslimas und Muslime von ihrem Allah genauso wenig wissen wollen wie Christen von Jesus. Und die Tatsache, dass Kriminelle Religion benutzen, um ihre kaputte Seele auszuleben, das ist so alt wie das Abendland und älter. Um das zu erkennen, brauchte man keine Islamisten.

Nur haben die Kirchen vor so viel Courage, sich nämlich damit z.B. auseinanderzusetzen und deutlich und vernehmbar zu benennen, dass jener Erzengel Gabriel, der Mohammed den Koran diktiert haben soll, unmöglich der christliche Erzengel Gabriel gewesen sein kann, einer von beiden also ein Fake-Gabriel sein muss, die Hosen voll. Unmöglich nämlich, dass Gabriel im christlichen Evangelium Maria die Geburt eines Sohnes angekündigt hat, der den göttlichen Sohn in sich tragen wird,  und dieser gleiche Gabriel Mohammed den Koran diktiert, in dem Allah sich unter Strafe verbittet, ihm einen Sohn zu unterstellen.
Das klar zu benennen und Weiteres, was den Islam als Gegenprogramm zum Christentum erweist, dazu sind die Herr- und Frauschaften zu feige. Unabhängig davon ist, dass tolerante, unsere Gesellschaft bejahende Muslime bei uns, wenn es nach mir geht, willkommen sind. Unter den vielen, die ich kennengelernt habe, war keine oder keiner, bei dem das nicht der Fall gewesen wäre.

Bevor aber unsere Kirchenleute in eine der Wahrheit verpflichtete Auseinandersetzung mit der Theologie des Islam eintreten, machen sie lieber einen auf Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Sie sind zu feige, zu jenem Schwert zu greifen, von dem die Bibel spricht, kein physisches Schwert, sondern das der Wahrheit.
Aber zur Wahrheit bedarf es Mut und das haben Marx und Bedfort-Strohm und wie sie alle heißen, nicht.

Diese Menschen, die alles wegglätten, bevor sie wirklich etwas verstehen und vertreten, gibt es zuhauf, und einer der Oberglätter ist jener Herr Laschet, mittlerweile seines Zeichens Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, der keinem Glattbügeln aus dem Weg geht, auch wenn er manchmal ganz gespreizt anders tut und da, wo es keinen Mut  und keine Courage kostet, ganz ganz mutig und couragiert ist.

Klar ist der Rewe-Osterhasen-Konflikt in Wirklichkeit keiner, denn Rewe hat glaubwürdig klargestellt, dass die Lind-Osterhasen schon seit Jahren Traditionshasen genannt werden, dass also jener, der sich über diese Kennzeichnung "Traditionshasen" per Twitter aufregte, tatsächlich zu Unrecht sich echauffierte.

Nur weiß ein Laschet genau, dass es in Wahrheit nicht um das geht, um was er twittert:


Laschet weiß genau, dass jener Mann, der sich über die Traditionshasen-Bezeichnung aufregte, deshalb so sauer war, weil in Deutschland Kreuze abgehängt und von Wänden genommen werden, christliche Feste umbenannt werden und was alles noch geschieht, damit ja keine Muslime sich aufregen könnten (die im Übrigen zu 99,9% nie daran dächten, das zu tun).
Diese Selbstverleugnung unserer Wurzeln ist so peinlich wie Seehofers Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Als ob es darum je gegangen wäre.

Und Laschet macht einen auf Mein Name ist Hase und der Hase, der Osterhase ist kein Symbol des Christentums. Als ob es ebenfalls darum ginge!

Die Frage ist doch viel eher: Hat denn das Christentum wirklich je zu Deutschland gehört oder war alles nur eine große Scheinheiligkeit, die nun, da man Gott zum Wiederaufbau nicht mehr braucht, schnellstens ad acta legt?
Ist das Ausspielen von Christentum gegen Islam nicht eine Ersatzdebatte, weil niemand sich traute, klar und laut die thelogischen Fakten bezüglich Christentum und Islam zu benennen und weil niemand sich getraut zu sagen, dass das Christentum so schnell, wie es abgeschafft worden ist, nicht zu Deutschland gehört haben kann . . .

Bevor aber ein Laschet, eine Merkel, ein Seehofer und wie diese Polit-Eunuchen alle heißen, die schon immer ihrer Macht zuliebe das Christentum kastrierten (Merkel macht Pressekonferenzen schon immer besonders gern sonntags - da gehört ihr nämlich die ganze Aufmerksamkeit), Dingen auf den Grund gehen, machen sie in ihrer Art, Politik zu betreiben. nämlich stromlinienförmig, aalglatt, zeitgeistorienritert, lieber weiter - solange man sie eben lässt.

https://twitter.com/Arhttps://twitter.com/ArminLaschet/status

Dienstag, 30. Juni 2015

Religiosität in Deutschland: zum Beispiel Bad Kissingen

Schon als ich in den letzten Jahren ab und an in Bad Kissingen zu Besuch war, las ich immer mal wieder das Schild Stationsberg; nie im Leben hätte ich gedacht, dass es auf ein Kleinod hinweist; es klang eher nach Tal- oder Mittelstation. Dass es ein Kreuzweg sein könne, hätte ich nie vermutet.
Erst als ich vor einigen Wochen von St. Wendelinus weiterlief, kreuzte die 7. Station meinen Weg und ich sah, dass da ja Treppen nach oben gehen. Kurz entschlossen folgte ich ihnen und ich war total überrascht, was mich da
erwartete.
Heute Vormittag, obwohl es schon ziemlich warm war, habe ich mich auf die Socken gemacht; die Lichtverhältnisse schienen mir günstig fürs Fotografieren.

Wenn man Dinge durch die Linse anschaut, dann gewinnen Details auf einmal einen ganz neuen Stellenwert. Man sieht, was man, wenn man etwas einfach so betrachtet, oft nicht bemerkt.

So sitze ich heute Mittag hier und möchte einige besonders eindrückliche Bilder, obwohl es doch eigentlich Sommer ist und der Inhalt gar nicht so zur Jahreszeit zu passen scheint, posten; trotz Jahreszeit: Ich war wirklich beeindruckt von der Intensität dessen, was ich wahrgenommen habe.
Einen weiteren Post mit Bildern dieses so eindrucksvollen Kreuzweges werde ich bestimmt zu Ostern nächsten Jahres veröffentlichen.

Und was mir so alles durch den Kopf gegangen ist, das möchte ich noch am Schluss erwähnen.
Hier nun eine kleine Auswahl von über 140 Bildern, die ich gemacht hatte - Gott sei Dank gibt es digitales Fotografieren :-)
Ganz besonders berührt hat mich die 4. Station, als Jesus seiner Mutter begegnet. Man ahnt, was sich da in Maria abgespielt haben und wie es Jesus gegangen sein mag.
Und beeindruckt hat mich an der 9. Station - "Jesus fällt zum dritten Male unter dem Kreuz" - dieser Ausdruck im Gesicht des römischen Soldaten und das Leid Jesu:















Überhaupt sind oft die Gesichtsausdrücke der Soldaten sowie anwesender Juden und ihre Bewegungen voller Aussagekraft; ob jener junge Mann wusste, wen er da schlagen will?



Oder ob jenem Soldaten klar war, was er tat, als er Jesus den Nagel durch die Hand schlug:


Wie kontrastieren dem gegenüber die Leidensbilder Jesu während dieser Folter, wie brutal allein das Knie, das ihn zu Boden presst . . .


oder als er demütigend seiner Kleider beraubt wird


Auch die Bilder, die Maria Magdalena und Jesu Mutter zeigen, als Jesus vom Kreuz abgenommen wird, berühren zutiefst (wenn man die Bilder anklickt, mag manches noch deutlicher werden)

Ein Bild hat für mich einen ganz besonderen Stellenwert:


Das Kreuz ist leer.
Alles Leid hat sich gelohnt:


Damals schon, als ich diesen Weg entdeckte und heute Morgen genauso wie jetzt, da ich doch mehr Bilder hier einbringen musste, als ich wollte, ging mir durch den Kopf, wie wenig beachtet dieser Kreuzweg ist. Da wird in Bad Kissingen allenthalben gebaut, ein Investor wird für ein neues 5-Sterne-Hotel gesucht, wie mir jemand erzählte, der Platz ist schon freigebaggert mitten im Zentrum; in der Kuranlage wird ein wunderbares altes Gebäude für die Verwaltung hergerichtet, wohl mit Millionenaufwand, wenn es stimmt, was mir ein Spaziergänger erzählte. 
Dieser Kreuzweg aber ist ziemlich heruntergekommen.
Und schade, dass ich nirgends fand, wer diese Stationen so unglaublich eindrucksvoll gestaltet hat.
Wie schön, dass jemand wenigstens sich um die erste Station kümmert - vergelt´s Gott, möchte man da sagen.



Kein Wunder aber, dass die Evangelische Kirche so massiv Mitglieder verliert und die Katholische wohl nicht viel weniger.
Glaube will im Alltag integriert sein. Wir bestimmen, woran wir denken und was in unserem Bewusstsein ist. 
Wie toll fanden die Leute Hape Kerkelings "Ich bin dann mal weg", den Bericht seines Pilgerns auf dem Jakobsweg.
Bei uns aber pilgern die Menschen vor allem zu Aldi und Lidl.
Hoffentlich geht ihnen nicht - wie dem Mann vom Lande in der Türhüterlegende - erst ein Licht auf, wenn alles um sie herum und in ihnen dunkel zu werden beginnt.