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Donnerstag, 6. August 2026

🌟"Deutschland, Deutschland über alles / über alles in der Welt". - Das Lied der Deutschen: ein wertvolles Dokument deutscher Geschichte. - Niederes versus spirituelles Nationalbewusstsein und deren Korrespondenz mit niederer versus heiliger Sexualität.

Viele Deutsche haben doch ein recht diffuses Verhältnis zum Deutschlandlied, vor allem seiner ersten Strophe. Nicht wenigen ist sie fast peinlich, sie nehmen sie nur verschämt zur Kenntnis und wissen nicht recht, wie sie mit ihr umgehen und was sie von ihr halten sollen. Im Grunde färbt das mehr oder weniger unbewusst auf ihre dritte Strophe ab, die - ein Briefwechsel zwischen Theodor Heuss und Konrad Adenauer ging voraus - seit 1952 Nationalhymne war und es nach der Wiedervereinigung seit 1991, als sich Richard von Weizsäcker und Helmut Kohl für sie entschieden, ist.


Natürlich haben die Nationalsozialisten das Lied der Deutschen missbraucht. Nach ihrer Machtübernahme wurde die zweite und dritte Strophe (ganzes Lied s. Schluss) bei öffentlichen Anlässen nicht mehr gesungen wenn aber die erste gespielt und gesungen wurde, folgte in der Regel das Horst-Wessel-Lied, die Parteihymne der Nationalsozialisten (Die Fahne hoch! / Die Reihen fest geschlossen! / SA marschiert / Mit ruhig festem Schritt.). Doch singen wir auch Gott sei Dank heute wieder Volkslieder, obwohl viele von ihnen im Dritten Reich hoch im Kurs standen und inszenieren Wagner-Opern, obwohl ihnen die ganze Sympathie der Nationalsozialisten galt.
Vergleichbares gilt auch für Menschen, denen Christus Zentrum ihres Lebens ist, obwohl gerade die christlichen Kirchen seinen Namen in der Vergangenheit vielfach missbrauchten, indem sie unter anderem im Namen Gottes die Kraft wahrer Weiblichkeit entwerteten, womit die Zerstörung der Natur unseres Planeten einherging, und weltweit leiden viele Frauen noch heute unter dem Männlichkeitswahn vor allem der Katholischen Kirche - von vielen missbrauchten Kindern ganz zu schweigen.

In seinem Lied der Deutschen, das Hoffmann von Fallersleben 1841 auf Helgoland schrieb, bringt der Dichter, der übrigens auch Kinderlieder wie "Kuckuck, Kuckuck, ruft's aus dem Wald", "Alle Vögel sind schon da" und "Morgen kommt der Weihnachtsmann" verfasste und der im Übrigen Zeit seines Lebens ein Vertreter demokratischen und liberalen Gedankengutes war, zum Ausdruck, dass die Zustände im deutschsprachigen Raum unhaltbar waren und das Ergebnis des Wiener Kongresses, der sogenannte Deutsche Bund, ein geeintes deutsches Reich, das sich damals so viele fortschrittlichen Kräfte in Deutschland erwünschten, unmöglich machte. Dieser Deutsche Bund umfasste 39 souveräne Staaten - unter anderem fünf Königreiche (zu ihnen zählte beispielsweise Preußen und Sachsen), sieben Großherzogtümer (dazu gehörten Hessen und Mecklenburg-Schwerin) und zehn Herzogtümer (u.a. Nassau und Anhalt-Dessau) - deren politische Bewegungsfreiheit zwar politisch zum Teil eingeschränkt war und die eigentlich Verfassungen und eine freie Presse garantieren sollten, aber in der Praxis wurde dies nur zum Teil umgesetzt. Die Herrscher dieser Staaten waren an einer Liberalisierung und Demokratisierung des öffentlichen Lebens nicht interessiert. Ein Donald Trump hätte sich damals superwohl gefühlt, denn Zölle konnten nach Lust und Laune erhoben werden und Zensurmaßnahmen waren durchaus üblich, so dass ein Heinrich Heine in seinen Reisebildern sich zu schreiben veranlasst sah:

Die deutschen Zensoren – – – – – – – – – – – – – – –
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Dummköpfe – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
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Der Unmut der aus den Freiheitskriegen gegen Napoleon zurückgekehrten jugendlichen Kriegsveteranen, Studenten, Handwerkern und Dichtern wie Georg Herwegh oder auch Georg Weerth über die Situation Deutschlands äußerte sich zunächst 1817 im Rahmen des Wartburgfestes; damals trafen sich von fast allen deutschen Hochschulen über 500 Studenten und gründeten eine "Allgemeine deutsche Burschenschaft". Burschenschaften waren damals nicht reaktionär, sondern wollten eine Bewegung zu mehr Freiheit aus dem Volk heraus, forderten nationale Einheit, also auch die Abschaffung von Zöllen, Handelssperren und Zensur-, Rede- und Pressefreiheit.
Es folgte jedoch erst einmal eine Zeit, die wir heute Biedermeier nennen; Menschen zogen sich - nachvollziehbar auf dem Hintergrund der Wirren der französischen Revolution und den napoleonischen Befreiungskriegen - ins Private zurück und suchten im Häuslichen ihr Glück. Das änderte sich auf dem Hintergrund der Julirevolution 1830 in Frankreich, dem polnischen Novemberaufstand (1830/31) sowie der Belgischen Revolution (1830/31). In Deutschland folgte - scheinbar weniger spektakulär, aber dennoch bedeutsam - das Gaibacher und das Sandhof-Fest (beide am 27. Mai 1832), das Nebelhöhlenfest (Anfang Juni 1832), das Wilhelmsbader Fest (Ende Juni 1832) sowie der Frankfurter Wachensturm (1833) - heute mag man kaum glauben, was damals in Mitteleuropa und deutschlandweit los war!
Ein besonderer Meilenstein war das "Hambacher Fest", das am 30. Mai 1832 auf dem Hambacher Schloss, nahe Neustadt an der Weinstraße gelegen, stattfand; es war Höhepunkt einer bürgerlichen Oppositionsbewegung, die genug hatte von der Gewalt und dem Unrecht von Monarchie und selbstgefälligem Herrschertum und Verfassungen ohne Fürstenwilllkür wollte.

Als Professor für Germanistik gehörte August Heinrich Hoffmann (1798-1874), der sich, um sich von den vielen Hoffmanns abzusetzen, nach seinem Geburtsort Hoffmann von Fallersleben nannte, dieser Oppositionsbewegung an. Immer wieder bezog er in seinen Schriften Stellung für Volkssouveränität, unter anderem in seinen Unpolitischen Liedern (1840/41), die alles andere als unpolitisch waren. Ihre Veröffentlichung kostete ihn seine Professur und er wurde von der Polizei bespitzelt, von monarchistischen Regierungen verfolgt und 39-mal ausgewiesen. Bei Freunden fand er immer wieder Unterschlupf. Erst 1848, sieben Jahre nach Veröffentlichung seines Liedes der Deutschen, wurde er rehabilitiert.
Ihm ging es mit seinem Deutschland, Deutschland über alles / Über alles in der Welt darum, kundzutun, dass über aller Fürstenwillkür ein politisch geeintes Deutschland zu stehen hat; für ihn war dies das Wichtigste in der Welt.

Bedauerlich bis heute ist, dass so viele Menschen in Deutschland, gerade auch sogenannte Linke, sein Ansinnen und das Lied der Deutschen, insbesondere seine erste Strophe, als nationalistisch klassifizieren. Zu einer geeinten Nation zu stehen, die nicht vielfach zersplittert war, hatte schon damals nichts mit einem reaktionären Nationalismus zu tun. Noch sind zu viele nicht in der Lage, die damalige Situation und die erste Strophe des Deutschlandliedes in ihrem historischen Kontext zu verstehen, weil Vorurteilsdenken und/oder Unwissenheit die Fähigkeit, Dinge historisch einzuordnen, blockieren.
Natürlich spiegelt sich in den in der ersten Strophe genannten vier Gewässern - Von der Maas bis an die Memel, / Von der Etsch bis an den Belt - als Grenzen eines erwünschten Deutschen Reiches die Brisanz der politischen Situation Mitteleuropas wieder, unter anderem die sogenannte Rheinkrise. Frankreich hatte, um seinen Machtbereich auszudehnen, Algerien besetzt und den ägyptischen Vizekönig in seinem Unabhängigkeitskampf gegen die Türken unterstützt. Die Großmächte Preußen, Russland, Österreich und Großbritannien, an einer Destabilisierung des Orients nicht interessiert, veranlassten jedoch Frankreich in dem sogenannten Viermächtevertrag, die Unterstützung Ägyptens aufzugeben. Diese empfindliche diplomatische Niederlage versuchte die französische Regierung mit der Androhung der Annexion der linksrheinischen Gebiete zu überspielen, drohte immer wieder mit Krieg und rüstete erheblich auf. Im deutschen Sprachraum löste das in großem Ausmaß eine antifranzösische Stimmung aus und provozierte u.a. einen deutsch-französischen Dichterkrieg mit der Folge, dass auf deutscher Seite zahlreiche Rheinlieder entstanden. Zu den bekanntesten zählten Nikolaus Beckers Lied Der freie Rhein, das auch im Nachbarland deutlich emotionale Reaktionen auslöste:
Sie sollen ihn nicht haben,/ Den freien deutschen Rhein,/ Ob sie wie gierige Raben/ Sich heiser danach schrein./ Sie sollen ihn nicht haben,/ Den freien deutschen Rhein,/ Bis seine Flut begraben/ Des letzten Manns Gebein!

Auch Max Schneckenburgers Lied Die Wacht am Rhein spart nicht mit martialischen Worten:
Es braust ein Ruf wie Donnerhall,/ Wie Schwertgeklirr und Wogenprall:/ Zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein!/ Wer will des Stromes Hüter sein?/ Lieb Vaterland, magst ruhig sein;/ Fest steht und treu die Wacht am Rhein!//

Durch Hunderttausend zuckt es schnell,/ Und aller Augen blitzen hell:/ Der deutsche Jüngling, fromm und stark,/ Beschirmt die heilge Landesmark./ Lieb Vaterland, magst ruhig sein;/ Fest steht und treu die Wacht am Rhein!
Es blieb allerdings bei dieser bataille lyrique.

Mit den von Hoffmann von Fallersleben genannten vier Gewässern orientierte der Dichter sich wohl an den im Rahmen des Wiener Kongresses festgelegten Grenzen des Deutschen Bundes, der Ausdehnung des 1833 in Kraft getretenen Deutschen Zollvereins und zugleich auch - mit Abstrichen - an deutschen Sprachgrenzen. Man kann sich aber leicht vorstellen, dass die Großmächte Mitteleuropas - Preußen, Österreich, Frankreich und England - einem so mächtigen Staat im Herzen Europas sehr argwöhnisch gegenübergestanden wären und seine Gründung gewiss nicht befürwortet hätten. Man darf voraussetzen, dass das von Fallersleben bewusst war, dass ihm dies aber auf dem Hintergrund der Rheinkrise und der Sehnsucht nach einem Deutschen Reich, wie sie sich in der Vormärzzeit immer offensiver im deutschen Kulturraum äußerte, ziemlich einerlei war.
Nur: Vergessen sollte man dabei nicht, dass es ihm - wie vielen anderen bürgerlichen Kräften - um ein liberales Deutschland ging, das auf einer entsprechenden Verfassung hätte basieren sollen.

Nationale Gesinnung ist immer wieder auch enthusiastisch. Menschen, die enthusiastisch sind, können von etwas begeistert, sie können aber auch von etwas besessen sein. Besessen zu sein: als Wort findet sich dieser Zustand seit dem Mittelalter in "beseʒʒen" und in der Vorstellung dieser Zeit bezieht sich das auf einen religiösen Zustand, dass nämlich jemand vom Teufel bewohnt ist, dass der Teufel von ihm Besitz ergriffen hat, was sich dann in Fanatismus äußern kann. Lateinisch "fanaticus" wird mit von einer Gottheit in Raserei versetzt übersetzt, doch dieser angebliche Gott ist nicht jener, auf den die Griechen sich bezogen wenn sie von én-theos (ἔνθεος - wörtlich "in sich Gott habend") sprachen, von einem enthusiastischen Zustand. In erster Linie bezogen sie sich auf Apollon, den Gott des Lichtes und der sittlichen Reinheit, der Dichtung und Musik und der Kunst des Heilens.

Wir verstehen, was nationale Gefühle und nationale Gesinnung bewirken, wenn wir sehen, dass es eine Verwandtschaft gibt zwischen nationalem Empfinden und Sexualität, sexuellem Erleben.
So wie es eine niedere Sexualität gibt, ohne Liebe, so gibt es Sexualität, die mit Liebe verbunden ist, in wahrhaftigem Sinne der griechischen Wortbedeutung nach enthusiastisch, verbunden mit Gott. Desgleichen gibt es niedere nationale Gefühle und eine entsprechende Gesinnung und hohe, nationale. Dann sind sie spirituell, haben eine geist-volle Basis, einen spirituellen Hintergrund. Auf dieser hohen Ebene sind jene, die diese Gefühle auf der Erde verwirklichen wollen, verbunden mit dem Völkerengel ihres Landes. Jedes Volk, jedes Land hat einen geistigen Führer im Range eines Erzengels; schon in der Bibel werden sie angesprochen.
Menschen mit niederen, fanatischen nationalen Gefühlen sind verbunden mit dunklen Kräften, die die Menschen von sich abhängig gemacht haben. Beispielhaft möchte ich auf jene marsianische Zivilisation verweisen, die vor fast 30 000 Jahren durch die Galaxien reiste und versuchte, Planeten zu besetzen. Auf der Erde ist ihnen das mit Hilfe der ägyptischen Pyramiden gelungen. In den ägyptischen Pyramiden waren Millionen menschlicher und außerirdischer Seelen gefangen, die der Pharaonenfamilie Kraft und Unbesiegbarkeit gaben. Wir sprechen hier von dunklen, tief dunklen Kräften. Im Rahmen meines Beitrages vom 11. Juli 2026 ("Der Fluch des Pharao ist gebannt") bin ich näher darauf eingegangen, auch dass diese Seelen durch die positive Entwicklung der Menschheit befreit werden konnten.

Es ist kein Zufall, dass eine niedere Nationalität sich in scheinbar ganz platten Phänomenen wie dem Stechschritt der Soldaten bei einer Parade zeigt, wie wir sie beispielsweise jedes Jahr in Moskau anlässlich der großen Militärparade zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland zu sehen bekommen. Die Verwandtschaft zwischen niederer nationaler Gesinnung und niederer Sexualität zeigt sich - man mag diese Offensichtlichkeit kaum glauben - in dieser stechenden Bewegung beim Marschieren, stramm und steif, die einem männlichen Verhalten im Sexualakt entspricht, Bewegung ohne jedes Gefühl, Hauptsache stramm und steif. Wobei gesagt werden muss, dass es nicht von vornherein die einfachen Soldaten sind, die wir meist im Fernsehen marschieren sehen, auf die das zutrifft. Sie sind nur Befehlsempfänger derer, die auf den Tribünen sitzen, diese Gefühllosigkeit praktizieren und ihnen untergebene Menschen aufgrund ihrer Machtbefugnis veranlassen, sich so geben zu müssen. Die Geschichte, gerade auch die des Nationalsozialismus, zeigt, dass sie das mit Erfolg taten, wenn auch nie mit endgültigem.

Diese Zeiten sind zunehmend vorbei, weil immer mehr Menschen sich dem Christuslicht öffnen, wenn das auch vielfach noch unbewusst geschieht. Es kommt auch die Zeit, und sie ist nicht mehr fern - und es gilt vor allem auch erfreulicherweise für Deutschland -, dass Menschen mit ihrer Heimat auf eine Weise verbunden sind, dass sie deren Bestimmung im Rahmen ihres Menschseins auf der Erde erkennen werden. Damit wird auch verbunden sein, dass sie zunehmend eine spirituelle Nationalität und heilige Sexualität leben werden, wie ich sie in einem Video (Link s. unten) angesprochen habe, eine Sexualität wie sie Maria Magdalena und Jesus lebten, ein Tatbestand, den die Kirche nicht mehr lange wird vergessen machen können.
Dann wird auch die Aufgabe Deutschlands offen zu Tage treten können, die darin besteht, den Westen, den ein Rudolf Steiner der ahrimanischen Einflusssphäre zuordnen würde, und den Osten, die Sphäre Luzifers, einerseits auf Distanz zu halten und zugleich zwischen beiden Sphären zu vermitteln.

Die Position der Mitte einzunehmen, kennen wir aus der Philosophie des Aristoteles; es geht darum zu lernen, mit Tugenden und ihren Extremen angemessen umzugehen.
Auch in der Lehre Rudolf Steiners spielt die Mitte - wie vorhin angedeutet - eine wesentliche Rolle, denn bei ihm ist Christus die Mitte und links und rechts befinden sich Ahriman und Luzifer, die den Menschen fortwährend versuchen, auf ihre Seite zu ziehen. Die wesentliche Aufgabe des Menschen aber ist es, immer wieder zu Christus zu finden, er ist Mitte und Sinn des Lebens und möge auch unser inneres Zentrum sein, was im Zusammenhang mit unserem spezifischen Leben auf der Erde deshalb nicht so einfach ist, weil wir zwangsläufig, wenn wir uns beispielsweise im Bereich der Technik bewegen, uns in ahrimanischen Gefilden befinden, wenn wir aber spirituell unterwegs sind, auch hier des "Guten" zu viel tun können und in den stets offenen Armen Luzifers landen, der uns gern glauben machen will, er sei der wahre Christus.
Von den Gefahren in Zusammenhang mit der Künstlichen Energie ganz zu schweigen. Manche Esoteriker wollen ja glauben machen, KI sei eigentlich neutral, man müsse sie nur richtig einsetzen. Sie verkennen aber ganz offensichtlich, dass die KI eben keine neutrale Energie ist, sondern eine sehr mächtige dunkle Macht sich hinter ihr verbirgt, die sich mit zahllosen Gehilfen auf die Menschheit stürzt.

Wenn jemand fragen möchte, wie es Deutschland gelingen könne, bei seiner Größe und militärischen Macht, die ihm von der geistigen Welt zugewiesene Aufgabe zu erfüllen, zwischen dem Westen und dem Osten zu vermitteln, so möchte ich sagen, dass die Golgatha-Symbolik die Antwort gibt: Liebe, diese Energie des Kreuzes in der Mitte, überwindet die Gefahr, einer Seite zu verfallen; zugleich ist sie ein machtvoller Schutz gegen Angriffe, wenn sie von einer gewissen Anzahl von Seelen unterstützt wird und sie vermag die bisher so gültige Dominanz der Materie, auch, weil sie diese nicht ablehnt, sondern durchzieht und verwandelt, überwinden.

Die Symbolik von Golgatha geht, was unsere Realität betrifft, noch weiter:
Wir lesen in Lukas 23, dass zwei Verbrecher mit Jesus Christus gekreuzigt wurden. Der eine lästerte über Jesus, der andere wies aber das Lästermaul zurecht, weil er die Wahrheit in Bezug auf Christus erkannte. Zwei Verbrecher also, der eine verstockt, der andere aber mit offener Seele.

Für mich entspricht das insofern der Realität unserer Erde, als ich den amerikanischen Weg als fernab jeder wahren geistigen Erkenntnis empfinde. In der Politik geht es nur noch um Deals und der Einfluss der sieben größten US-Techfirmen - sie sind ja auch weltweit die größten, nämlich Google, Apple, Nvidia, Meta, Tesla, Amazon und Microsoft - nimmt ständig zu und das Kapital der Erde kumuliert bei ihnen. Sie lassen sich in keine Schranken weisen und machen, was ihnen das Goldene Kalb befiehlt. Menschlichkeit spielt keine Rolle. CEOs wie Mark Zuckerberg von Meta, Jeff Bezos von Amazon, Sundar Pichai von Google oder natürlich auch Elon Musk sind Marionetten Mammons, auch wenn sie sich subjektiv frei vorkommen.
Sie und der amerikanische Weg entsprechen jenem Verbrecher am Kreuz, der keine Einsicht zeigt und Gott lästert.
Obwohl ich Putin für einen der größten Verbrecher der Weltgeschichte und eine schreckliche Mörderseele halte, die im Moment die östliche Hemisphäre sehr abdunkelt und glaube, dass das russische Volk sich in dieser Zeit selbst karmisch sehr belastet, weil es fast ohne Gegenwehr Putin gewähren lässt, so halte ich den Osten, also die Menschen, die dort leben, gleich jenem Schächer, der spirituell zu empfinden vermag. 
Ich glaube Vergleichbares auch von den Menschen des Ostens, weil ihre Seelen meines Erachtens tief in ihrem Inneren mystischen Empfindens fähig sind, unabhängig von der Dekadenz der russisch-orthodoxen Kirche. Dass das russische Volk einiges aufzuarbeiten haben wird und dass das nicht ohne Schmerzen abgeht, davon bin ich überzeugt. Dennoch wird sich in nicht allzu weiter Ferne die deutsche Seele und der russisch- slawische Raum spirituell verbinden; so stellt es sich jedenfalls mir dar.

Deutschland kann seinen Beitrag hierzu leisten, wenn es das Land der reinen Herzen wird.
Dazu ggf. in einem noch zu schreibenden Buch mehr. Es könnte überschrieben sein:

"Ins Kristall bald dein Fall - ins Kristall!"
Das spirituelle Vermächtnis Deutschlands.

So wie dem Studenten in E.T.A. Hoffmanns Goldenem Topf, der auf dem Marktplatz den Korb einer Hexe voller Äpfel und Kuchen umrennt und von dieser zeternd zu hören bekommt: "Ins Kristall bald dein Fall - ins Kristall!", so könnte eine ständig sich vermehrende Zahl von Menschen in Deutschland Zelle um Zelle ihrer Körper in kristallines Licht verwandeln und damit ihre Seelen zum Leuchten bringen. Wieder einmal hätte ein Märchen vorweggenommen, was geschehen wird. Vor diesem zukünftigen Leuchten werden die dunklen Kräfte, kommen sie aus Osten oder Westen zurückschrecken!
Hoffmann von Fallersleben hat diese Entwicklung angedeutet, wenn in der ersten und letzten Strophe des Liedes der Deutschen Brüderlichkeit angesprochen ist und als Tugend im Mittelpunkt steht.  
Doch ist Brüderlichkeit weit mehr als eine Tugend. Sie ist eine geistige Haltung und wenn man von Tugend sprechen mag, dann ist es eine kosmische.


🌟

PS.

Das Lied der Deutschen

Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt,
Wenn es stets zu Schutz und Trutze
Brüderlich zusammenhält,
Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt –
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt!

Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang
Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang,
Uns zu edler Tat begeistern
Unser ganzes Leben lang –
Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang!

Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand[3] –
Blüh im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Vaterland!


PPS.
https://www.youtube.com/watch?v=CcFyykpoJrk

Freitag, 12. März 2021

Eine Hand hat 5 Finger, wenn 4 fehlen, ist das noch ne´ Hand? - Reinhold Beckmanns "Vier Brüder"

Vor 15 Monaten starb Reinhold Beckmanns Mutter, weit über 90 Jahre alt. Keiner ihrer Brüder überlebte den Krieg, den Jüngsten, der sich im Kohlenkeller versteckte, holten die Feldjäger, als er 16 Jahre alt war; er weinte.
Er starb mit 17.
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Mittwoch, 6. November 2019

27 Likes für ein Goebbels-Zitat. Den entsprechenden Kommentar aber löscht Axel Burkart seit 4 Tagen nicht.

Wer meine Posts zu Axel Burkart kennt, weiß, dass er nicht nur meine, sondern auch Kommentare Anderer vielfach gelöscht hat, auch wenn sie durchaus im Ton höflich gehalten waren (die Aktivität des Löschens ist ihm also bestens vertraut). Seinen anthroposophisch ausgerichteten You-Tube-Kanal verglich er in entsprechenden Kommentierungen mit seinem Wohnzimmer und dort ist nur erwünscht, was sich im Rahmen der von ihm gesteckten Toleranzgrenzen bewegt.
Das so zu handhaben, ist Axel Burkarts Recht; jeder kann das machen, wie er möchte, und wer sein Verhalten nicht akzeptiert, kann fernbleiben.

Nun allerdings ist etwas eingetreten, was private Grenzen überschreitet: 

Dazu muss man wissen, dass Axel Burkart in einem Video zum Thema Lügen eine Grünen-Bundestagsabgeordnete an den Pranger stellt, die im ZDF, ohne als solche kenntlich zu sein, einen AfD-Kreisvorsitzender, der zugleich Hersteller von Bio-Produkten ist, negativ bewertete, indem sie gut fand, dass, weil er eben AfD-Mitglied ist, sein Hirse-Bio-Produkt aus der Produkt-Palette eines Bio-Versandhandels ausgelistet wurde,.

Ob man gewillt ist, die Schlussfolgerung Axel Burkarts zu teilen, dass es Rückwirkungen und auf Dauer ein Desaster geben muss für Grünenpolitiker, weil deren Verhalten die Geistige Welt nicht zulässt, ist eine andere Frage.

In der Vergangenheit hat sich bekanntlich Axel Burkart wiederholt für die AfD in die Bresche geworfen und noch kein einziges Mal die Fragwürdigkeiten von deren Spitzenpolitikern, insbesondere eines Björn Höcke thematisiert, dessen rechter AfD-Flügel erst kürzlich vom Verfassungsschutzpräsidenten als immer extremistischer eingestuft wurde.
(Meine persönliche Ansicht ist übrigens, dass ich obige Auslistung und die Begründung des Versandhandels, obwohl ich wahrlich kein Freund der AfD bin, indiskutabel finde).

Unter diesem Video findet sich nun - Stand heute - seit vier Tagen ein Kommentar:

"Je größer die Lüge desto mehr laufen hinterher".
Joseph Goebbels

Dass Axel Burkart diesen Kommentar im Gegensatz zu vielen anderen nicht löschte, ist das eine.

Das andere ist, dass er 27 Likes - Stand heute - erhielt.

27 Likes. Wenn man die Anzehl der Likes ansonsten anschaut, erkennt man, dass sich ausgerechnet bei diesem Zitat ungewöhnlich viele Leser in ihrer Gesinnung outeten.

Axel Burkart scheint diese Klientel nicht zu stören.
Seit 4 Tagen zeigt er keine Reaktion.

Vor allem aber zeigt sich, dass er mit seinem politischen Engagement Geister wachruft, die Anhänger der Anthroposophie erschüttern und zu einer eindeutigen Stellungnahme herausfordern müssten.




Hinweisen möchte ich darauf, dass es einen akualisierten Post zum Thema  Axel Burkart: Andersdenkende rigide zensierend, politisch manipulierend, Worthülsen produzierend und bar überzeugender Geistigkeit gibt.

Donnerstag, 8. August 2019

Ist das Bewusstsein der Menschen aktuell so viel anders als 1933? - Gertrud Kolmars ""Die hier umhergehn sind nur Leiber / Und haben keine Seele mehr"!

Zeilen wie die der zweiten und vierten Strophe findet man in der deutschen Lyrik selten: Ohren, die nicht mehr hören, Körper ohne Seelen und Menschen, die wie Schlachtvieh auf den Metzger warten - das ist kaum mehr überbietbar. 

Das Üble ist nur, wenn man die Realität unserer Tage anschaut: die Mehrheit der Menschen hat nichts dazugelernt; die offensichtliche Wirklichkeit wird weiterhin nicht ernst genommen; allein die Berichte aus den Lagern von Syrien und Griechenland sind eigentlich unsäglich. 
In den letzten Zeilen ihres Gedichtes Im Lager spielt Gertrud Kolmar auf Jesus an und diese bitteren Zeilen sind wohl ziemlich sicher zurückzuführen auf die Kollaboration der Kirchen mit den Nationalsozialisten:

Die hier umhergehn, sind nur Leiber
Und haben keine Seele mehr,
Sind Namen nur im Buch der Schreiber,
Gefangne: Männer. Knaben. Weiber.
Und ihre Augen starren leer (schwer)
Mit bröckelndem, fallnem Schauen
Auf Stunden, da in düstrem Loch
Gewürgt, zertrampelt, blindgehauen
Ihr Qualgeächz, ihr Wahnsinnsgrauen,
Ein Tier, auf Händ und Füßen kroch . . .
Sie tragen Ohren noch und hören
Doch nimmermehr den eignen Schrei.
Die Kerker drücken ein, zerstören:
Kein Herz, kein Herz mehr zum Empören!
Der feine Wecker schrillt entzwei.
Sie mühn sich blöde, grau, entartet,
Von buntem Menschensein getrennt,
Stehn, abgestempelt und zerschartet,
Wie Schlachtvieh auf den Metzger wartet
Und dumpf noch Trog und Hürde kennt.
Nur Angst, nur Schauder in den Mienen,
Wenn nachts ein Schuß das Opfer greift . . .
Und keinem ist der Mann erschienen,
Der schweigend mitten unter ihnen
Ein kahles Kreuz zur Richtstatt schleift. –
(ausführlicher hier: https://bit.ly/2YKgFOA)

Samstag, 9. November 2013

... Und diese Welt den richtenden Gewalten / Durch ein geheiligt Leben abzuringen.


Noch heute, fast 8o Jahre nach seiner Entstehung, bringt das Gedicht Reinhold Schneiders (1903-1958) die tiefe Not der damals Lebenden zum Ausdruck. Anlässlich der Reichskristallnacht darf man sich in Erinnerung rufen, wie wertvoll für Menschen damals ihr Glaube war, wie sehr er ihnen Halt zu geben vermochte und Mut, solche prophetischen Zeilen zu schreiben und zu veröffentlichen.  
Was Reinhold Schneider - 1936 verfasste er das Gedicht, 1941 wurde es veröffentlicht - damals noch nicht wusste, war, dass er nur knapp dem Schicksal Dietrich Bonhoeffers entgehen würde. Wenn ihn nicht das Kriegsende gerettet hätte, wäre wohl auch er, wie viele andere, einer anstehenden Anklage wegen Hochverrats zum Opfer gefallen.
Gerade die äußere Gestalt des Gedichtes,  ein Sonett, das durch seine Form, den zwei Quartetten, die oft einfach Tatbestände darlegen, und den zwei Terzetten, die diese einer Bestimmung, einer Gewissheit zuführen, auf so eindrückliche Weise Inhalte vermittelt, vermag dieser tiefen Not besonders eindrücklich Ausdruck zu geben.
Immer wieder ist ja der Brunnen, wie zum Beispiel in Hofmannthals Weltgeheimnis, Symbol für die Seele des Menschen.
Gerade für uns heute ist es so wichtig, dass wir uns nicht nur - wie Narziss - auf der glitzernden Oberfläche des Lebens spiegeln, sondern unsere Tiefen spüren, ob unser Brunnen mit Wasser gefüllt sein darf, dem Wasser des Lebens:


Allein den Betern

Allein den Betern kann es noch gelingen
Das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten
Und diese Welt den richtenden Gewalten
Durch ein geheiligt Leben abzuringen.

Denn Täter werden nie den Himmel zwingen:
Was sie vereinen, wird sich wieder spalten,
Was sie erneuern, über Nacht veralten,
Und was sie stiften, Not und Unheil bringen.

Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt,
Und Menschenhochmut auf dem Markte feiert,
Indes im Dom die Beter sich verhüllen,

Bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt
Und in den Tiefen, die kein Aug' entschleiert,
Die trockenen Brunnen sich mit Leben füllen.

Sonntag, 14. April 2013

Die Menschen sind nicht so, wie sie sich geben! – Wie ein Blinder Menschen und vor allem ihre Stimmen wahrnimmt.

Eines der bemerkenswertesten Bücher, das ich je gelesen habe, ist Jacques Lusseyrans Das wiedergefundene Licht. Es erzählt die Lebensgeschichte eines Blinden im französischen Widerstand.
Das klingt jetzt nicht sonderlich ungewöhnlich; allerdings ist die Leistung Lusseyrans im Widerstand schon eine besondere, auch, wenn man weiß, dass, nachdem seine Widerstandsgruppe verraten worden war, er einige Zeit im Konzentrationslager Buchenwald verbringen musste und Gott sei Dank überlebte. Wie er jedoch seine Gruppe aufgrund seines inneren Hörvermögens lange Zeit vor Verrat zu bewahren vermochte, weil er Menschen aufgrund ihrer Stimme entlarven konnte, das ist bemerkenswert. – Nur einmal nahm er eine innere Mahnung nicht ernst genug ...
Atemberaubend erstaunlich und enttarnend ist es für mich, wie der spätere Universitätsprofessor für französische Literatur Menschen und ihre Umgebung als Blinder wahrnimmt. Auf einmal gewinnt man eine ganz andere Sicht auf Menschen, wenn man sie mit den Augen eines Blinden sieht. Ich habe an anderer Stelle schon mehr über und von ihm berichtet.
Leider wird das Buch zumindest in deutscher Übersetzung nicht mehr aufgelegt, es ist allerdings antiquarisch z.B. bei Amazon noch erhältlich.

Im Folgenden möchte ich einen Auszug bringen, der sich, wie bereits angedeutet, mit der Bedeutung der menschlichen Stimme beschäftigt, aber auch andere interessante Bemerkungen enthält. Lusseyran schreibt über die Wahrnehmungen des durch einen Unfall blind gewordenen Jungen:

Die Leute glichen nicht dem, was man mir über sie sagte. Vor allem waren sie keine zwei Minuten dieselben. Es gab wohl einige. Doch das war ein schlechtes Zeichen, ein Zeichen, daß sie nicht verstehen oder nicht leben wollten, daß sie an der Leimrute einer ungehörigen Leidenschaft gefangen waren. Und das sah ich ihnen sofort an, denn da sie ihr Gesicht unbeobachtet glaubten, konnte ich sie überrumpeln. Das sind die Leute nicht gewohnt, sie putzen nur ihr Äußeres heraus!

Ich vernahm die Stimme meiner Eltern an meinem Ohr oder in meinem Herzen - wo, ist ohne Bedeutung -, doch sehr nah. Und all die anderen Stimmen nahmen den gleichen Weg. Es ist verhältnismäßig leicht, sich vor einem mißliebigen Gesicht zu schützen: man braucht es nur fernzuhalten, es in der Außenwelt zu belassen. Dasselbe versuche man einmal bei den Stimmen; da will es nimmer gelingen!

Die menschliche Stimme erzwingt sich ihren Weg in unser Inneres, eben hier vernehmen wir sie. Will man sie richtig hören, muß man sie im Kopf und in der Brust vibrieren, in der Kehle nachklingen lassen, als ob sie für einen Augenblick die eigene wäre. Das ist sicher der Grund, warum Stimmen uns nicht täuschen.

Ich konnte die Gesichter nicht mehr sehen. Wahrscheinlich würde ich sie mein ganzes Leben lang nicht mehr sehen. Mitunter hätte ich sie gern berührt, wenn sie mir schön schienen.

Doch die Gesellschaft unterbindet sorgfältig solche Gesten. Übrigens untersagt die Gesellschaft überhaupt alle Gesten, die die Menschen einander näherbringen könnten. Sie glaubt zu unserem Besten zu handeln, uns vor den Zugriffen der Schamlosigkeit und der Gewalt zu schützen. Sie hat vielleicht recht: Menschen sind oftmals schmutzige Tiere. Doch kann ein blindes Kind die Gefahr schon erkennen? Es muß solche Tabus unbegreiflich finden.

Ich machte mir indes die Stimmen voll zunutze - ein Gebiet, in das die Gesellschaft nie ihre Nase gesteckt hat. Das ist übrigens recht verwunderlich. Während die Vorschriften der Menschen in Dingen des Körpers so heikel sind, sind sie doch nie auf den Gedanken gekommen, die Blöße der Stimmen zu bedecken, ihre Berührung einzuschränken. Offenbar haben sie nicht bedacht, daß die Stimme im Grad erlaubter und unerlaubter Berührungen weiter gehen kann, als es alle Hände und Augen jemals getan haben.

Überdies weiß ein Mensch nicht, daß er sich beim Sprechen verrät. Wenn sich die Leute an mich, den kleinen Blinden, wandten, waren sie nicht auf der Hut. Sie waren überzeugt, daß ich die Worte vernähme, die sie sagten, daß ich ihren Sinn verstehe. Sie ahnten nie, daß ich in ihrer Stimme wie in einem Buch lesen konnte.

Der Mathematiklehrer betrat das Klassenzimmer, klatschte in die Hände und begann entschlossen mit dem Unterricht. Er sprach an diesem Tag klar wie gewöhnlich, vielleicht etwas fesselnder als sonst, etwas zu fesselnd. Anstatt gegen Ende der Sätze in die Ausgangslage zurückzufallen, wie sie es hätte tun müssen, das heißt, sich um zwei oder drei Töne zu senken, blieb seine Stimme, nach oben gewendet, in der Luft hängen. Es war, als wolle unser Lehrer an diesem Tag etwas verbergen, eine gute Figur machen vor wer weiß was für einem Auditorium, beweisen, daß er sich nicht gehen lasse, daß er durchhalten werde, durchhalten müsse! Und ich, der ich an die Kadenz seiner Stimme gewöhnt war, die so regelmäßig war wie das Schlagen eines Metronoms, spitzte die Ohren, und der Lehrer tat mir leid. Ich hätte ihm gern geholfen, doch das schien mir albern, hatte ich doch keinerlei Grund anzunehmen, er sei unglücklich. Aber er war allen Ernstes unglücklich. Die schreckliche »Kenntnis« böser Zungen überbrachte uns acht Tage später, daß seine Frau ihn gerade verlassen hatte.
(...)
Was die Stimmen mich lehrten, lehrten sie mich fast immer sofort. Zwar wirkten gewisse physische Faktoren störend. Es gab da Jungen, die schlecht atmeten - man hätte ihnen Wucherungen oder die Mandeln entfernen müssen - und deren Stimme wie von einer Wolke bedeckt blieb. Andere konnten nur ein lächerliches Falsett herausbringen, so daß man zunächst dachte, man habe Hasenfüße vor sich. Die Nervösen, Schüchternen gebrauchten ihre Stimme immer im falschen Moment und machten sich hinter ihrem Gestammel so klein wie möglich. Doch wenn ich mich täuschte, dann immer nur für kurze Zeit. Eine schöne Stimme (und schön bedeutet viel in diesem Zusammenhang, bedeutet, daß der Mensch, dem diese Stimme gehört, schön ist) blieb auch bei Husten und Stottern schön. Eine häßliche Stimme dagegen konnte sich süß stellen, sich parfümieren, behaglich schnurren oder flöten, sie blieb stets häßlich.
(...)
Wie sollte ich anderen Menschen erklären, daß alle meine Gefühle ihnen gegenüber - Sympathie oder Antipathie - von ihrer Stimme ausgingen? Ich versuchte es wohl einigen zu sagen, ihnen darzulegen, daß weder sie noch ich etwas dafür könnten. Doch bald mußte ich schweigen, da ihnen diese Vorstellung sichtlich Angst machte.

Es gab also eine moralische Musik. Unsere Gelüste, unsere Launen, unsere heimlichen Laster und selbst unsere sorgsamst gehüteten Gedanken übertrugen sich auf den Klang unserer Stimme, wurden offenbar in ihrer Modulation, in ihrem Rhythmus. Lagen drei oder vier Töne zu nah beisammen, dann hieß das Zorn, selbst wenn man dem Sprechenden nichts davon ansah. Auch die Heuchler konnte man auf der Stelle ertappen. Ihre Stimme war gedehnt und wies leichte, aber abrupte Abstände zwischen den Tönen auf, als ob sie beschlossen hätten, ihrer Stimme niemals freie Bahn zu lassen. 

(...)

Ich glaube, Jacques Lusseyran wäre gewiss nicht auf die Sirenen oder die Loreley hereingefallen; er hätte ihre Hässlichkeit durchschaut. Vielleicht auch die Sarumans aus dem Herrn der Ringe, dem Blender, um dessen Stimme es mir im kommenden Post gehen soll, denn mit dieser legt er Menschen herein – und sicherlich ist er auch heute nicht der Einzige, dem das gelingt. Übrgens wird die Leistung Tolkins ganz besonders deutlich, wenn man sie auf dem Hintergrund der Lusseyranschen Informationen sieht. – In den nächsten Tagen mehr.

Freitag, 29. März 2013

Nun in heilgem Stilleschweigen stehen wir auf Golgatha.

Wegkreuz bei Merklingen am Rande des Schwarzwaldes
Für den Karfreitagsgottesdienst des Jahres 1927 schrieb ein Mann, den ich seit Kindestagen verehre, das folgende Lied, zweifellos einer der mutigsten Deutschen, die je gelebt haben. Ich glaube, es war mein erster Religionslehrer auf dem Gymnasium, der damalige Pfarrer der Heilandsgemeinde im Frankfurter Ortsteil Bornheim, Ernst Klöß, der uns dieses Lied auswendig lernen ließ und mir diesen Mann nahebrachte.
Warum das so intensiv geschehen konnte, lag, so denke ich heute, auch an dessen Namen, der - genauso wie seine Arbeitsstätte, die den wunderschönen Namen Bethel, Haus Gottes, trägt - für mich einfach klingt und schwingt:

Friedrich von Bodelschwingh.
Ein Mann, den man nicht vergisst!

Voller Hochachtung verbinde ich mit seinem Namen, dass er sich so mannhaft bewährte in der Zeit seines persönlichen Golgatha, als er den Schergen des Nationalsozialismus den Mut seines Glaubens entgegensetzte, ja, sich in einer persönlichen Begegnung mit Hitler für die ihm anvertrauten Kranken und Behinderten und Juden einsetzte. 
Immer wieder mag ihm das Psalmwort, das im Chorbogen der Zionskirche von Bethel zu lesen ist, ein Rückhalt gewesen sein:
Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, 
werden wir sein wie die Träumenden.

Mutig trat er öffentlich der Euthanasie entgegen, gab nicht die Behinderten und Kranken Bethels heraus und rettete so vielen Hunderten - manche sprechen von Tausenden - Menschen das Leben.

Warum er das konnte und durchhielt, vermittelt sein Lied; ich glaube sogar, es ist das einzige, das Pastor Fritz - wie Bodelschwingh liebevoll genannt wurde - geschrieben hat. 

Heute verfasste Kirchenlieder verwenden ein anderes Vokabular. In die damalige Zeit haben Bodelschwinghs Worte gepasst. 
Sie lassen uns gewahr werden, wo - vielleicht nicht nur an Karfreitag - unser Standort zu sein hat: auf Golgatha.

Bodelschwinghs Worte haben nicht nur in seine Zeit gepasst; sie sollten sich als prophetisch erweisen:


Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha, 
der in bittern Todesschmerzen das Geheimnis Gottes sah,
das Geheimnis des Gerichtes über aller Menschen Schuld, 
das Geheimnis neuen Lichtes aus des Vaters ewger Huld.

Nun in heilgem Stilleschweigen stehen wir auf Golgatha. 
Tief und tiefer wir uns neigen vor dem Wunder, das geschah,
als der Freie ward zum Knechte und der Größte ganz gering,  
als für Sünder der Gerechte in des Todes Rachen ging.

Doch ob tausend Todesnächte liegen über Golgatha, 

ob der Hölle Lügenmächte triumphieren fern und nah, 
dennoch dringt als Überwinder Christus durch des Sterbens Tor; 
und die sonst des Todes Kinder, führt zum Leben er empor.

Schweigen müssen nun die Feinde vor dem Sieg von Golgatha.

Die begnadigte Gemeinde sagt zu Christi Wegen: Ja!
Ja, wir danken deinen Schmerzen; ja, wir preisen deine Treu; 
ja, wir dienen dir von Herzen; ja, du machst einst alles neu.

Freitag, 21. Dezember 2012

Ach, Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen / Das Heil, für das Du uns bereitet hast.


Oft schätzt man ein Lied, ein Gedicht als Ganzes, aber auffallend ist, dass ganz unterschiedliche Worte zu verschiedenen Zeiten besonders in den Vordergrund treten.
Vor wenigen Tagen habe ich mir Bonhoeffers Von guten Mächten auf den Computer geladen, gesungen von Johannes Kalpers; ich finde auch die Version des Laki-Pop Chors sehr schön.
Seitdem höre ich es immer wieder und spüre die Innigkeit dieser Worte, diese Demut von Bonhoeffer, sein unendliches Vertrauen, seine Hingabe.
Besonders empfinde ich in diesem Jahr jene zwei Zeilen, die den Post-Titel bilden und auch jene, in denen er von dem bitteren Kelch spricht, gefüllt bis an den höchsten Rand.
Ich finde, sie übertragen eine unendliche Ruhe und vielleicht sollten wir viel weniger immer nur nach Glück streben, sondern nach jenem Frieden, der sich hier vermittelt. Vielleicht ist es in Wahrheit wichtiger, zu-frieden zu sein, in Frieden.
Bonhoeffers Worte waren prophetische Worte, und man spürt, dass er das auch beim Schreiben schon wusste: Sein Kelch, Bonhoeffers Kelch, sollte bis an den höchsten Rand gefüllt sein.
Aber er war in Gottes Hand.

Bonhoeffer war ja, 1906 geboren, nachdem er Theologie studiert und auch in diesem Fach promoviert und habilitiert hatte, zunächst als Privatdozent an der Universität in Berlin, dann auch als Auslandspfarrer tätig.
1935 übernahm er die Leitung des Predigerseminars der Bekennenden Kirche im pommerschen Finkenwalde.
Ein Jahr später wurde ihm die Lehrerlaubnis entzogen.
1942 bemühte er sich, Verbindung mit der englischen Regierung aufzunehmen, um Hilfe für den deutschen Widerstand zu gewinnen; doch hielt es das Foreign Office damals nicht für angebracht, mit der Widerstandsbewegung Kontakt aufzunehmen.

Am 5. April 1943 wurde Dietrich Bonhoeffer von den Nationalsozialisten verhaftet. Den Bemühungen u.a. von General Canaris ist es zu verdanken, dass der ausstehende Prozess wenigstens bis zum 20. Juli 1944 verzögert werden konnte. Die zweieinhalb Monate im Gefängnis nutzte Bonhoeffer, ungebrochen und ergeben in Gottes Willen, um wissenschaftlich zu arbeiten, Briefe zu schreiben und in Gedichten Worte zu finden, was in seinem Inneren vorging. Widerstand und Ergebung, so lautet der Buchtitel, unter dem sich die Briefe an seine Eltern und den Freund nach dem Krieg veröffentlicht finden.
Die Konzentrationslager Buchenwald und Flossenbürg waren die letzten Lebensstationen Bonhoeffers.
Am 9. April 1945, nur wenige Tage vor der Hinrichtung auch seines Bruders Klaus und nur wenige Tage vor Kriegsende, wurde auf ausdrücklichen Befehl Hitlers durch ein Standgericht das Todesurteil an ihm vollstreckt.

Eines seiner letzten Gedichte ging um die ganze Welt und hat so vieler Menschen Herzen gestärkt, so vielen Mut gegeben, Vertrauen in Gott und in Tod und Leben; auch mir hat es immer wieder geholfen und mein Dank gilt jenem Mann, von dem ich sicher glaube, dass er bis heute allen politisch Verfolgten und auch wegen ihres Glaubens Verfolgten zur Seite steht:

           
Von guten Mächten
Von guten Mächten treu und still umgeben,
Behütet und getröstet wunderbar,
So will ich diese Tage mit euch leben
Und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
Noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach, Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen
Das Heil, für das Du uns bereitet hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
Des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
So nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
Aus Deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken
An dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
Dann woll´n wir des Vergangenen gedenken,
Und dann gehört Dir unser Leben ganz.

Laß warm und still die Kerzen heute flammen,
Die Du in unsre Dunkelheit gebracht.
Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
So laß uns hören jenen vollen Klang
Der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
All Deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
Erwarten wir getrost, was kommen mag;
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
Und ganz gewiß an jedem neuen Tag.


Zu Recht sagt man, dass, wenn irgendwo auf der Welt das Hallelujah Händels angestimmt wird, ein Engelchor mitsingt.
Ich glaube, dass, wenn Dietrich Bonhoeffers Gebet gesprochen oder gesungen wird, immer auch Engel mitsprechen und mitsingen und tröstend ihre Hände auf den Betenden und Trost Suchenden legen.

Mittwoch, 4. August 2010

"der Tod ist ein Meister aus Deutschland" - über eine unverdauliche Erinnerung

Gerade lese ich über Paul Celan, aus dessen Todesfuge obiges Zitat stammt, dass er, als er im Dezember 1947 aus Rumänien nach Wien übersiedelte, wohl, um zu verhindern, auf Dauer zum Sowjetbürger zu werden, sich von Österreich schwer enttäuscht fand. Jenes Land, welches er mit Namen wie Trakl und Rilke, Kafka und Schnitzler, Hofmannsthal und Kraus, Musil und Broch verband, zeigte sich ihm provinziell und mit einem fortlebenden Faschismus. Kein Wunder, dass es ihn im Juli 1948 weiter nach Paris zog, jener Stadt, deren Fluss ihm 22 Jahre später ein nasses Grab gewähren sollte, das er freiwillig wählte.
Zurück zu Österreich und dem fortlebenden Faschismus:
Es war im Winter 1974, dass mein Freund Jürgen und ich Skiurlaub in Österreich machten auf einer Hütte mitten in den Bergen. Zu Sylvester waren wir von Österreichern auf ihre Hütte eingeladen worden; dort wollten diese mit Freunden und Bekannten in größerer Runde das Neue Jahr begrüßen.
So machten wir uns in der Dunkelheit auf den gut eine halbe Stunde dauernden Fußweg durch die verschneite Bergwelt und waren richtig froh, als wir erkannten, die Hütte gefunden zu haben. 
Man hatte uns wohl kommen sehen. Denn als wir gut gelaunt die Türe öffneten, saßen die Anwesenden uns zugewandt, um den Clou zu genießen, den zwei Männer sich ausgedacht hatten; uns Deutschen wollten sie eine besonderes Vergnügen bereiten: Sie saßen da, der eine mit unverkennbar aufgemaltem Hitler-Schnauzer und notdürftig zurechtfrisierter Hitlerfrisur, der zweite mit einer unverkennbar originaleren Frisur, dafür schlechterem Oberlippenbart ...
Ich sehe noch die Augen vor mir, die auf uns gerichtet waren, voller Erwartung, wie wir reagieren würden und bereit, samt ihren stolzen Eignern in schallendes Gelächter auszubrechen.
Doch wir erfüllten die Erwartungen nicht. Ich weiß noch wie heute, wie sehr Jürgen und mir die Gesichtszüge entgleisten, ja, ich konnte kaum mein Entsetzen verbergen über diese Geschmacklosigkeit, zwei jugendliche Nachkriegsdeutsche auf diese Weise zu begrüßen.
Wir blieben nicht sonderlich lange.
Ich weiß noch, wie lange ich innerlich den Kopf schütteln musste über diese unerwartete Tatsache, dass auf so einer Hütte in den Bergen solches Gedankengut noch so lebendig war. 
Dies alles geschah nur wenige Jahre - das wird mir heute bewusst, da ich zu Celans Todesfuge schreibe -, nachdem dieser Dichter in der Seine Selbstmord beging. 
Dieser jüdisch-bukowinische Dichter mit französischen Pass wusste, warum er zeitlebens Deutschland vermied und Österreich schneller, als ihm selbst lieb war, wieder verließ.
Ihn würde der Neofaschismus, den es im Osten Deutschlands in viel größerem Ausmaß gibt, als die Medien es sich erlauben, darüber zu schreiben, noch einmal töten.
zu Paul Celans Todesfuge: hier