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Sonntag, 29. Juni 2008

Liebe ist das Salz in unseren Tränen


Liebe ist der Himmel auf Erden

Liebe ist die Ordnung in der Brandung der Wellen

Liebe ist ein Papst, der der Kirche und sich die Fülle weiblichen Seins gönnt

Liebe ist jener Harfenton in der Stille der Nacht

Liebe ist das Mutter unser auf der Reise in unser Herz

Liebe ist das perpetuum mobile des Alls

Liebe ist das funkelnde Meer der Sterne

Liebe ist das Wehen des Schmerzes für eine Geburt

Liebe ist das Atmen der Erde

Liebe ist der reinigend heilige Zorn eines Sturms

Liebe ist, dass die Rose für uns ein Dornenkleid trägt

Liebe ist Ebbe und Flut

Liebe ist meine Birke

Liebe ist der Stein der Weisen

Liebe ist das wispernde Zittern in den Wipfeln der Bäume

Liebe ist die Hand, die Dich hält


* Liebe ist *

Samstag, 28. Juni 2008

Krishnamurti: Liebe ist jenseits von Denken und Zeit.


Liebe hat kein Gestern und kein Morgen.
Sie ist jenseits der Unruhe des Den­kens.

Nur der unschuldige Geist weiß, was Liebe ist, und der unschuldige Geist kann in der Welt leben, die nicht unschuldig ist.

Dieses Außerordentliche zu finden, das der Mensch endlos gesucht hat durch Opfer, durch Anbetung, durch Beziehungen, durch Sex, durch jede Form von Lust und Schmerz, ist nur mög­lich, wenn das Denken sich selbst versteht und ganz natürlich zu Ende geht.

Dann hat die Liebe kein Gegenteil,
dann kennt die Liebe keinen Konflikt.

Vielleicht fragen Sie: »Wenn ich eine solche Liebe finde, was geschieht dann mit meiner Frau, meinen Kindern, meiner Familie? Sie brauchen Sicherheit.«

Wenn Sie eine solche Frage stellen, dann haben Sie nie den Bereich des Denkens, den Bereich des Bewusstseins überschritten. Wenn Sie einmal diesen Bereich überschritten haben, dann werden Sie niemals eine solche Frage stellen, denn dann werden Sie wissen, was Liebe ist, in der es kein Denken und deshalb keine Zeit gibt.
Sie können das fasziniert und begeistert lesen, doch tatsächlich über das Denken und die Zeit hinauszugehen - was heißt, über das Leid hinauszugehen -, das bedeutet, gewahr zu werden, dass es eine andere Dimension gibt, die man Liebe nennt.

Aber wenn Sie nicht wissen, wie Sie zu dieser außerordentli­chen Quelle gelangen sollen, was können Sie dann tun?
Wenn Sie nicht wissen, was Sie tun sollen, dann tun Sie gar nichts, nicht wahr?

Absolut nichts.

Dann sind Sie innerlich vollkommen still.

Verstehen Sie, was das bedeutet?

Es bedeutet, dass Sie nichts suchen, nichts wünschen, nichts erstreben; es gibt keinerlei Mit­telpunkt.
Dann ist die Liebe da.

Khalil Gibran: Liebe ist, im Herzen Gottes zu sein.


So wie die Liebe euch krönt, wird sie euch kreu­zigen.
So wie sie euer Wachstum befördert, stutzt sie auch euren Wildwuchs.
Ebenso wie sie zu euren Gipfeln emporsteigt
und eure zartesten Zweige liebkost,
die im Sonnenlicht zittern,
wird sie zu euren Wurzeln hinabsteigen
und sie er­schüttern in ihrem Erdverhaftetsein.
Wie Garben sammelt sie euch und drückt sich euch an die Brust.
Sie drischt euch, um euch zu entblößen.
Sie siebt euch, um euch von eurer Spreu zu be­freien.
Sie mahlt euch blütenweiß.
Sie knetet euch, bis ihr geschmeidig seid;
und dann überantwortet sie euch ihrem heiligen Feuer,
damit ihr heiliges Brot für Gottes heiliges Fest­mahl werdet.
All das wird die Liebe euch antun,
damit ihr die Ge­heimnisse eures Herzens erkennt
und in diesem Er­kennen
zu einem Bruchteil vom Herzen des Lebens werdet.
Solltet ihr aber aus Angst
nur den Frieden der Liebe und die Freuden der Liebe erstreben,
dann ist es besser für euch, wenn ihr eure Blöße bedeckt
und die Tenne der Liebe verlasst und hi­naustretet
in die Welt ohne Jahreszeiten,
wo ihr lachen wer­det,
aber nicht all euer Lachen,
und weinen,
aber nicht all eure Tränen.
Die Liebe gibt nichts als sich selbst
und nimmt nichts als von sich selbst.
Die Liebe besitzt nicht, noch will sie Besitz sein.
Denn der Liebe ist die Liebe genug.
Wenn ihr liebt, sollt ihr nicht sagen:
»Gott ist in mei­nem Herzen«, sondern:
»Ich bin im Herzen Gottes.«
Und meint nicht, ihr könntet den Lauf der Liebe be­stimmen,
denn befindet sie euch für würdig,
bestimmt vielmehr sie euren Lauf.

mehr zu Khali Gibran hier und hier.

Spracherwerb und die Füllung von Spiegelneuronen bestimmen, was für uns Liebe ist

Kürzlich habe ich im Sindelfinger Badezentrum ein liebenswertes Bild gesehen: Eine Mutter hielt ihr noch kein Jahr altes Kind in den Händen und zog es durchs Wasser; sie bahnte mit dem Rücken den Wasserweg und zog das Kind rückwärts laufend hinter sich her. Aber das war noch nicht das Besondere. Das Besondere war, dass die Mutter ununterbrochen kommunizierte, und zwar allein mit ihrer Mimik. Das Kind mag wohl das warme Wasser gespürt haben, aber es hing mit übergroßer Hingabe und Aufmerksamkeit an dem Gesicht der Mutter, es war faszinierend. Ich glaube, es entging ihm nichts. Das Gesicht der Mutter war voller Liebe für ihr Kind, sie sandte ihm Küsse zu, sie morste mit den Augen Liebe, alles an ihrem Gesicht waren Funken der Liebe, was sie auch immer tat, welche Miene sie auch zeigte … nicht eine der vielen tausend mimischen Ausdrücke war gleich … ein mimischer Funkenflug der Liebe … für ihr Kind.

Und sie schien keine Konditionsprobleme zu haben. Mir kam es ewig vor, dass die beiden durchs Wasser turtelten. Am liebsten hätte ich der Mutter gesagt, wie wichtig und wunderschön es ist, was sie macht. Aber ich hätte ihr Liebespiel unterbrechen müssen, und das wollte ich natürlich nicht. Und dass es ein Liebesspiel war und wie wichtig es für künftige Liebesspiele des Kindes ist, wird deutlich auf dem Hintergrund des Zitates aus Joachim Bauers wegweisendem Buch über Spiegelneuronen:

Dass wir mit einer angeborenen, genetisch angelegten Grund­ausstattung von Spiegelnervenzellen ins Lebens starten, zeigt sich an einem Phänomen, das ohne sie nicht möglich wäre: Bei richtig gewähltem Abstand beginnen Säuglinge wenige Stunden bis Tage nach der Geburt, bestimmte Gesichtsaus­drücke, die sie sehen, spontan zu imitieren. Öffnet das ihnen entgegenblickende Gesicht den Mund, tun sie dasselbe. Auf ein Gesicht mit gespitztem Mund reagiert das Neugeborene, indem es selbst die Lippen kräuselt, und es streckt seine Zunge heraus, wenn man ihm dies vormacht. Mit seiner erstaun­lichen Fähigkeit zur Imitation hat der Säugling bereits von den ersten Lebenstagen an die Möglichkeit, sich auf ein wech­selseitiges Spiel einzulassen, welches dazu führt, dass sich erste zwischenmenschliche Bindungen entwickeln können. Die neurobiologisch angelegte Bereitschaft zu spontanen Imitationsakten ist das Grundgerüst, um das herum sich die Beziehung zwischen Säugling und Bezugsperson entwickelt. Zwischen dem Neugeborenen und der Hauptbezugsper­son beginnt nun etwas, dessen Zauber nur noch mit der Situation von Frischverliebten zu vergleichen ist. Und tat­sächlich passiert aus neurobiologischer Sicht in beiden Fäl­len etwas sehr Ähnliches: ein wechselseitiges Aufnehmen und spiegelndes Zurückgeben von Signalen, ein Abtasten und Erfühlen dessen, was den anderen gerade, im wahrsten Sinne des Wortes, bewegt, begleitet vom Versuch, selbst Signale auszusenden und zu schauen, inwieweit sie vom Gegenüber zurückgespiegelt, das heißt erwidert werden. Dieses Spiel steht nicht nur am Anfang einer Liebesbezie­hung, es bildet, in weniger intensiver Form, den Startpunkt jeder zwischenmenschlichen Beziehung.


Viele Kinder erleben nie, was dieses Kind erleben durfte, das ich damals beobachten konnte. Viele liegen auf einer kalten Ablage und werden lieblos gewickelt und die Mutter spricht kaum mit ihnen … Doch immer füllen sich Zellen mit einer entsprechenden Füllung, denn von jeder Bewegung werden Kopien angefertigt im Gehirn des Kindes und diese Kopien werden aktiv, wenn sie Entsprechendes selbst tun oder wiedererkennen; deshalb werden manche Kinder später stärker auf Liebe reagieren, manche auf Gleichgültigkeit und Kälte; und Kinder werden immer das als normal empfinden, was sie kennengelernt haben.

Vor allem aber kennen viele gar nicht, was Liebe ist.

Wie aber wollen sie von ganzem Herzen an einen späteren Partner weitergeben, was sie nicht kennen?

Wie viele im Grunde gleichgültigen Liebesspiele werden auf der Erde täglich gespielt?

Viele Liebesspiele sind Bewegungsspiele mit einem bestimmten Grad von seelisch-körperlicher Gefühlsaufwallung …

Alle Menschen nennen love, amore, láska, svegi, Liebe, was bei dem Einzelnen auf der ganzen Welt nicht unterschiedlicher sein kann.

Unsere Eltern geben uns für etwas Bestimmtes den Begriff "Liebe" vor, was ebenfalls unterschiedlicher nicht sein könnte.

Manche Bezeichnung für Liebe ist wie eine Geheimnispizza, in der ein Backstein liegt. So ist Liebe für manche wahrhaft unverdaulich … nur wissen sie es nicht.

Meine Eltern sprachen viel über Liebe, aber sie sprachen immer über die Liebe Gottes.
Sie wussten nicht, was Liebe ist, aber sie haben es bestens getarnt.

Wer so viel über Liebe, über die Liebe Gottes spricht, der muss doch wissen, was Liebe ist.

Pustekuchen!

Ich glaube, dass viele nicht nur ins Kloster, sondern ins Religiöse oder in Esoterik flüchten, um sich nicht mit ihrer eigenen Lieblosigkeit auseinandersetzen zu müssen. Doch sie flüchten vor einer Last, die sie nicht tragen müssen. Wer aber mag sich schon eingestehen: Ich weiß nicht, was Liebe ist.

Wer ohne Liebe aufwächst, trägt eine schwere Hypothek. Aber kaum jemand wird ein höheres Bewusstsein von Liebe haben können als jener, der - den Mangel erkennend - unter der Erkenntnis eigener Lieblosigkeit leidet … wenn er sodann sein Herz der Liebe öffnet.

Mein Credo: Immer können sich Zellen mit Liebe füllen; immer kann sich ein Herz für Liebe öffnen.

Jeder Atemzug kann ein Spiel der Liebe sein.