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Freitag, 19. August 2022

WIE EIN TELEFONANSCHLUSS IN DIE GEISTIGE WELT !



"Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder ... ", so mahnt die Bibel.

In dem folgenden Textauszug wird auf die unmittelbare Verbindung der Kinder in die jenseitige Welt verwiesen, weshalb es so wichtig ist, zu hören, was sie sagen.
Natürlich ist es so, dass Kinder, die mit zwei, drei Jahren täglich vor den Video gesetzt werden, diese Verbindung verlieren. Aber dass sie grundsätzlich da ist und etwas außerordentlich Kostbares, ist eine Tatsache, nur dass diese eben dem Bewusstsein unserer Gegenwart verloren gegangen ist.

"Und wenn derjenige, der selber in die geistigen Welten hineinschauen kann, das Kind vor sich hat mit dem Strom, der in die geistige Welt hinaufgeht, dann ist das so – verzeihen Sie den trivialen Ausdruck –, dann hat derjenige, der in die geistigen Welten hineinzusehen vermag, in dem Kinde etwas wie einen Telefonanschluß in die geistigen Welten. Durch das Kind spricht die geistige Welt. Die Menschen wissen es nur nicht. Der Weiseste kann am meisten von dem Kinde lernen. Das Kind spricht nicht, sondern der Angelos aus dem Kinde. Wir können geradezu das Kindes-Ich als das unterste Glied des Angelos aufzählen. Daher sind auch in diesen ersten Lebensjahren am Menschen am intensivsten bemerkbar diejenigen Kräfte, die er aus seinen früheren Inkarnationen mitbringt. Heute erben wir schon mit der Geburt einen so dichten und anspruchsvollen physischen Leib, daß nur ein geringer Teil der Arbeit von dem Ich geleistet werden kann, der früher geleistet worden ist. Unser physischer Leib ist nicht mehr geeignet für das, was wir in den ersten drei Jahren sind. Wir erben jenen physischen Leib, den wir für die späteren Lebensjahre brauchen, und der ist nicht geeignet, das Auge hinaufzurichten in die geistigen Welten." (GA127, S. 64f)
PS
Das Bild findet sich auf dem Franziskus-Weg in der Rhön [https://www.franziskusweg.de], auf einem Weg, jenem Heiligen gewidmet, der ein Schüler Buddhas war, jenes Weltenlehrers, der auf dem Mars das tat, was Christus für die Erde tat; und mit der Aussage von Letzterem schließt sich der Kreis:
„Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn ihrer ist das Reich Gottes.“

Dienstag, 11. Dezember 2018

Romantik kann gefährlich sein, wenn sie träge macht, wenn Stille zur Totenstlle wird.

Friedrich Lenaus Gedichte - der österreichische Autor lebte von 1802 bis 1850 - zeigen dieses Dilemma auf. In seinen Sonetten, die vom Wind, vom Regen von den Glocken und vom Kind erzählen, spricht er beispielsweie von einem vor sich hinschlummernden Wald, in dem sogar die Vögel schweigen, er spricht von regungslosen Disteln, von Himmel und Erde, welche diffus ineinander versunken sind. Nichts hat das gemein mit der so erwünschten Hochzeit von Himmel und Erde. Beispiehaft sei hier das Sonett Stimme des Windes zitiert:

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1.  Stimme des Windes

In Schlummer ist der dunkle Wald gesunken,
Zu träge ist die Luft, ein Blatt zu neigen,
Den Blütenduft zu tragen, und es schweigen
Im Laub die Vögel und im Teich die Unken.

Leuchtkäfer nur, wie stille Traumesfunken
Den Schlaf durchgaukelnd, schimmern in den Zweigen,
Und süßer Träume ungestörtem Reigen
Ergibt sich meine Seele, schweigenstrunken.

Horch! überraschend saust es in den Bäumen
Und ruft mich ab von meinen lieben Träumen,
Ich höre plötzlich ernste Stimme sprechen;

Die aufgeschreckte Seele lauscht dem Winde
Wie Worten ihres Vaters, der dem Kinde
Zuruft, vom Spiele heimwärts aufzubrechen.
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Wind ist in den Mythen immer mit Geistigem verbunden, und so darf man, wenn von dem Vater die Rede ist, durchaus an den göttlichen denken, der seinem Menschenkind zuruft: Komm heim!

In seinem 4. Sonett nimmt Lenau Bezug darauf, dass Kinder aus einer geistigen Welt kommen, nicht einfach, wie mancher annehmen mag, ein physisches Produkt sind, in das sich eine Seele verirrt. 
Lenaus Bezugnahmen zum Paradies und zum Himmel sind allerdings nur als Möglichkeit und als Vergleich gestaltet, doch hat man  den Eindruck, dass er im Lauschen des Kindes mehr als nur ein Möglichkeit, die der Konjunktiv II suggeriert, sieht:
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4. Stimme des Kindes

Ein schlafend Kind! o still! in diesen Zügen
Könnt ihr das Paradies zurückbeschwören;
Es lächelt süß, als lauscht es Engelchören,
Den Mund umsäuselt himmlisches Vergnügen.

O schweige, Welt, mit deinen lauten Lügen,
Die Wahrheit dieses Traumes nicht zu stören!
Laß mich das Kind im Traume sprechen hören
Und mich, vergessend, in die Unschuld fügen!

Das Kind, nicht ahnend mein bewegtes Lauschen,
Mit dunklen Lauten hat mein Herz gesegnet,
Mehr als im stillen Wald des Baumes Rauschen;

Ein tiefres Heimweh hat mich überfallen,
Als wenn es auf die stille Heide regnet,
Wenn im Gebirg die fernen Glocken hallen.


Ja, Lenau deutet es an, die Welt muss schweigen, damit dieses Kind zu hören ist. 

Wovon er zu seiner Zeit noch nicht sprechen kann - deshalb der versteckte Konjunktiv II in lauschte, der immer auch Nicht-Wirklichkeit souffliert - ist, dass die Menschheit sich auf eine Stufe hin zu entwickeln beginnt, auf der sie die Stimme des inneren göttlichen Kindes nicht mehr nur im Traume hört. Die Stille der Erde wird transparenter; denn auch wenn genau das Gegenteil der Fall zu sein scheint, wenn Lüge im Weißen Haus hoffähig geworden ist und weltweit immer mehr dominiert: genau dann ist auch die Gegenbewegung da, nämlich, dass in Menschen Stille spricht. 

Lenau weiß darum, weil in der Romantik die Stille auch eine dunkle Seite zeigt – genau deshalb! Das ist ein großes Verdienst der Romantik. Weil die Stille dadurch sich in ihrer wahren ganzheitlichen Gestalt zeigt, kann auch ihre klare Seite deutlicher zutage treten. Noch geschieht es bei Lenau in Form einer Ankündigung, die Wortwahl des zweiten Terzetts macht es deutlich: Das Heimweh hat überfallen – noch ist es ein zu passiver Vorgang, der dem Menschen widerfährt, noch hallen in seinem zweiten Sonett die Glocken, die aus der Stille kommen, in der Ferne, aber sie sind spürbar, fast vor dem Durchbruch, im Menschen klar zu tönen.

Auf diesem Weg zu klarem Bewusstsein, das Romantiker oft so sehr herbeisehnten, aber noch nicht ganz verstanden – mit Ausnahme von einem Novalis, möchte ich sagen – sind die Menschen unserer Tage und sie sollten sich von den Trumps und Putins dieser Erde, die morden und lügen, und denen, die so blitzgescheit daherreden wie ein Harald Lesch oder ein Bestseller-Philosoph wie Richard David Precht, aber nichts von der Kraft des Geistes verstehen, der in den Menschen zur Entfaltung kommen kann – oder keinen Mut haben, sich zu ihm zu bekennen -, nicht irritieren lassen. Es ist ein inneres Vermögen der Menschen, das sich mehr und mehr entwickelt, das im Übrigen die Enge der Konfessionen und die Falschheiten einer dubiosen Esoterik hinwegfegen wird.
mehr zu allen vier Sonetten: hier

Freitag, 9. März 2018

Das Ergebnis von 12 Jahren Rabenmutter-Politik Angela Merkels. Der EU stopft sie das Geld, wo es nur geht, in den Hintern; die Armen im eigenen Land verkommen!

Offiziellen Statistiken zufolge stagniert die Zahl der Armen in Deutschland. In den Kitas im Land herrscht ein anderes Gefühl vor: Viele Mitarbeiter haben den Eindruck, dass der Anteil armer Kinder in ihrer Kita steigt. Das ergab eine Studie des Kitaleitungskongresses. Von der Politik fühlen sich viele Erzieher alleingelassen.
Spielzeug liegt in einem Sandkasten in einer Kindertagesstätte.
Kitas sehen sich oft hilflos, wenn es um das Thema Armut geht. Bildrechte: dpa
Laut offiziellen Statistiken stagniert die Zahl der Armen in Deutschland, etwa jedes fünfte bis sechste Kind ist demnach offiziell von Armut betroffen. In deutschen Kitas haben die Mitarbeiter allerdings einen anderen Eindruck. Das zeigt eine Studie des Deutschen Kitaleitungskongresses, die am Mittwoch in Düsseldorf vorgestellt wurde.

Anteil von Kindern aus armen Familien steigt

An der repräsentativen Studie nahmen bundesweit 2.390 Kitaleiterinnen und -leiter teil. Mehr als die Hälfte von ihnen (53,4 Prozent) gab an, dass in ihrer Kita der Anteil von Kindern aus armen Familien steige. Knapp die Hälfte (49,8 Prozent) meinte, dass sich der Kontakt zu den betroffenen Familien schwierig gestalte. Die Macher der Studie weisen hierbei darauf hin, dass Menschen mit Migrationshintergrund statistisch gesehen generell häufiger von Armut betroffen sind und hier "Verständigungsprobleme bzw. kulturelle Hindernisse die Erziehungspartnerschaft erschweren". 

Freitag, 12. Mai 2017

. . . dann tröste Gott dich, arme junge Frau! - Muttertage sind nicht immer Fleurop-Tage!

Unserer Gesellschaft, die zu oft das Grelle, das Laute sucht, vermittelt das Gedicht der Droste über Die junge Mutter, dass Muttersein die Möglichkeit der Begegnung mit Vergänglichkeit und Tod einschließt, wie sie leidvoller nicht sein kann.
.Wenig bekannt ist manches der Gedichte der auf der Wasserburg Hülshoff nahe Münster geborenen Westfälin, die als Dichterin und Frau gerade in einer Zeit, die immer globaler wird und sich entsprechend geriert, für eine Gesellschaft von Bedeutung ist, weil sich mit ihr wie kaum bei einem anderen ihrer Zunft - zu nennen wäre sicherlich noch Adalbert Stifter - ein Bewusstsein um den Wert von Heimat, zu der es sie in ihrem Leben auch immer wieder hinzog, verbindet.
.Ich bewundere an Annette von Droste-Hülshoff zum einen ihre Kunst, zum anderen aber auch, wie sie durchs Leben ging, gern Schlittschuh laufend und schneidig reitend, ausgestattet mit einer durchaus temperamentvollen Seite, die man ihr so gar nicht zutraut, und auf der anderen Seite eingeengt durch Familienbande, als Frau und Liebende tief verletzt, fast ein Leben lang kränklich, grüblerisch und schwermütig, Latein und Griechisch beherrschend genauso wie auf ihren Streifzügen bei Bauern einkehrend, vertraut mit dem Volkstum und den Gebräuchen genauso wie mit den Gespenstergeschichten und dem Spökenkiekertum ihrer Heimat.

Die junge Mutter ist ein leises Gedicht, das mit einem Blick auf den Vogelkäfig einer Nachtigall beginnt, der ahnungsvoll künftiges Leid thematisiert, denn ihren Kleinen wird sie nie bei sich haben, sich fortsetzt mit dem Hören der Glocken, die den Tod ihres Kindes beläuten, und dem Weihrauchduft, den ihr Mann aus der Totenmesse mitbringt, die ihrem Kind galt.
.All das weiß sie nicht, ganz von ferne ahnt sie es vielleicht; ihr im Kindbett geht es besser, der Trank mundet schon und trotz der Mattigkeit greift sie zu Nadel und Faden, um ihrem Kleinen das Häubchen weiter zu fertigen.
.Doch im scheinbar belanglosen Erwähnen, dass der Wiegenschleier des Kleinen bereits zerrissen war, oder in der Anrede des Mannes, der seine Frau mit Kind anspricht und - man glaubt es zu spüren - sie damit ureigentlich trösten will, wohl wissend, dass sie noch zu schwach ist für das, was er ihr sagen muss, wird deutlich, wie meisterlich andeutend Annette von Droste-Hülshoff den Todesteppich ausbreitet, über den mit der jungen Mutter noch keiner zu gehen vermag:.

Die junge Mutter

Im grün verhangnen duftigen Gemach,
auf weißen Kissen liegt die junge Mutter;
wie brennt die Stirn! sie hebt das Auge schwach
zum Bauer, wo die Nachtigall das Futter
den nackten Jungen reicht: »Mein armes Tier,«
so flüstert sie, »und bist du auch gefangen
gleich mir, wenn draußen Lenz und Sonne prangen,
so hast du deine Kleinen doch bei dir.«

Den Vorhang hebt die graue Wärterin
und legt den Finger mahnend auf die Lippen;
die Kranke dreht das schwere Auge hin,
gefällig will sie von dem Tranke nippen;
er mundet schon, und ihre bleiche Hand
faßt fester den Kristall, - o milde Labe! -
»Elisabeth, was macht mein kleiner Knabe?«
»Er schläft,« versetzt die Alte abgewandt.

Wie mag er zierlich liegen! - Kleines Ding! -
und selig lächelnd sinkt sie in die Kissen;
ob man den Schleier um die Wiege hing,
den Schleier, der am Erntefest zerrissen?
Man sieht es kaum, sie flickte ihn so nett,
daß alle Frauen höchlich es gepriesen.
Und eine Ranke ließ sie drüber sprießen.
»Was läutet man im Dom, Elisabeth?«

»Madame, wir haben heut' Mariatag.«
So hoch im Mond? sie kann sich nicht besinnen. -
Wie war es nur? - Doch ihr Gehirn ist schwach,
und leise suchend zieht sie aus den Linnen
ein Häubchen, in dem Strahle kümmerlich
läßt sie den Faden in die Nadel gleiten;
so ganz verborgen will sie es bereiten,
und leise, leise zieht sie Stich um Stich.

Da öffnet knarrend sich die Kammertür,
vorsicht'ge Schritte übern Teppich schleichen.
»Ich schlafe nicht, Rainer, komm her, komm hier!
Wann wird man endlich mir den Knaben reichen?«
Der Gatte blickt verstohlen himmelwärts,
küßt wie ein Hauch die kleinen weißen Hände:
»Geduld, Geduld, mein Liebchen, bis zum Ende!
Du bist noch gar zu leidend, gutes Herz.«

»Du duftest Weihrauch, Mann.« - »Ich war im Dom;
schlaf, Kind!« und wieder gleitet er von dannen.
Sie aber näht, und liebliches Phantom
spielt um ihr Aug' von Auen, Blumen, Tannen. -
Ach, wenn du wieder siehst die grüne Au,
siehst über einem kleinen Hügel schwanken
den Tannenzweig und Blumen drüber ranken,
dann tröste Gott dich, arme junge Frau!

.
Dieses Gedicht, das uns daran zu erinnern vermag, dass der übergroße Schmerz mancher Mutter nicht vergessen sein soll, benennt das Eigentliche nicht und vermittelt gerade dadurch, wie unsagbar Leid sein kann.

.Unaufhaltsam geht die junge Mutter auf den Raum tiefster Stille zu.
.
Gut zu wissen, dass es unter uns und in unserer Gesellschaft Menschen gibt, die in diesem Raum Platz zu nehmen bereit sind, nicht, um etwas zu sagen, sondern um einfach mit gefalteten Händen da zu sein und zu bekunden: Ich trage mit.

Donnerstag, 7. Januar 2016

Die großen Städte täuschen den Tag, die Nacht, die Tiere und das Kind!

Vor 100 Jahren geschrieben, trifft heute mehr denn je zu, dass unser Leben seine Struktur und Ordnung verliert. Unsere Gesellschaft und ihre Politiker haben das eine innere und äußere Ordnung gebende Christentum einer multikulturellen Verflachung preisgegeben, bevor sie den Wert ihrer eigenen Religion verstanden haben.
Deshalb fürchtet diese Gesellschaft zu weiten Teilen auch den Islam, weil sie spürt, dass diese Religion und ihre Vertreter diese Lücke zu füllen bereit sind.

Zunächst möchte ich die Zeilen, die mich zu den folgenden Gedanken angeregt haben, in ihrer ursprünglichen Gestaltung zitieren. Ich fand sie in Rainer Maria Rilkes Stundenbuch, in dessen drittem Teil, dem Buch von der Armut und dem Tode; es heißt dort:


Die großen Städte sind nicht wahr; sie täuschen
den Tag, die Nacht, die Tiere und das Kind;
ihr Schweigen lügt, sie lügen mit Geräuschen
und mit den Dingen, welche willig sind.

Wir wissen, dass die beiden folgenden Jahrzehnte nach Verfassen des Stundenbuchs, das Rilke 1903 vollendete, in der deutschen Literatur eine Fülle von Gedichten hervorgebracht haben, die sich mit dem Thema Stadt auseinandersetzten, in das auch alle Ängste vor dem, was kommen würde - und viele Expressionisten ahnten den kommenden Weltkrieg voraus (manche sehnten ein großes Donner-Wetter auch herbei) - hineinprojiziert wurde. Viele Künstler aber traten auch der Stadt deshalb so skeptisch gegenüber, weil ihr Wachstum mit einem hemmungslosen Fortschritt gleichgesetzt wurde, wobei man nicht vergessen darf, dass um 1900 Berlin 1,7 Millionen Einwohner umfasste, eine für damalige Verhältnisse keineswegs geringe Zahl.
Heute mögen wir eine solche Angst angesichts der nunmehr vorhandenen Giga-Städte belächeln (vor wenigen Jahren konnten wir der Presse entnehmen, China plane eine 42 Millionen umfassende Stadt); doch mancher wird diese Ängste nachvollziehen können.
In ihnen offenbarte sich ja ein großes Unbehagen an dem, was empfindsame Menschen auf die Menschheit zukommen sahen, und es ist kein Fortschritt, dass heute Menschen dieses Unbehagen überwiegend nicht mehr empfinden.
Viele haben es in eine dunkle Ecke gestellt, aus der es manchmal als unkontrollierte Angst hervorschnellt. Der, den sie aber betrifft und aus dem eigenen Inneren heraus trifft, weiß oft nicht um deren Ursprung. Solch eine Angst kann im Einzelfall mit einem persönlichen Schicksal zusammenhängen; ich vermute aber, öfter, als wir denken, mag sie ein verdrängtes Unbehagen an einer Kultur zeigen, der es bisher nur in Ansätzen gelungen ist, Menschlichkeit und Fortschritt zu verknüpfen. Das liegt auch daran, weil Politiker aller Herren Länder, aber nicht nur sie, sich sofort flach auf den Boden legen und den Mund aufsperren, wenn Geld gerollt kommen könnte.
Es waren nicht nur Literaten, sondern auch ein Maler wie Edgar Munch, dessen Bild Der Schrei jene Zeit damals am bemerkenswertesten kennzeichnet, der, sein Inneres offenlegend, sagte: Ich fühlte das große Geschrei durch die Natur.


Ohne Natürlichkeit gibt es keine Menschlichkeit

Auch für Rilke ist das Verhältnis zur Natur und gelebte Natürlichkeit ein Gradmesser. Nur wenig vor jenen oben zitierten Zeilen finden wir noch weitere aufschlussreiche, die lauten:

Denn, Herr, die großen Städte sind
verlorene und aufgelöste

und es heißt weiter:

Da leben Menschen, leben schlecht und schwer,
in tiefen Zimmern, bange von Gebärde,
geängsteter denn eine Erstlingsherde;
und draußen wacht und atmet deine Erde,
sie aber sind und wissen es nicht mehr. 
Da wachsen Kinder auf an Fensterstufen,
die immer in demselben Schatten sind,
und wissen nicht, daß draußen Blumen rufen
zu einem Tag voll Weite, Glück und Wind, –
und müssen Kind sein und sind traurig Kind.

Aufschlussreich ist, dass Rilke von „deine(r) Erde“ spricht, so, als ob er darauf hinweisen wolle, dass der Mensch jene im Ersten Buch Mose ihm übertragene Verwantwortung für die Schöpfung nie wirklich verantwortlich übernommen habe.

Nicht, dass ich im Übrigen glaube, dass alle Kinder traurig sind, doch die Frage, die Rilke letztendlich aufwirft, ist, ob mittlerweile Kinder wissen, dass draußen Blumen rufen und Erwachsene das Atmen der Erde wahrnehmen.

Innenstädte: kinderfreie Räume

Muss auch heute noch die Mehrheit der Kinder dieser Erde Kind sein, wie Rilke formuliert, oder dürfen sie es mittlerweile sein?

Auch heute ist es noch so, dass, wenn in der Mitte einer Stadt eine Freifläche vorhanden ist, sie mit Appartementwohnungen, Büros, einem Einkauf-Center oder einem Hotel bestückt wird, bevor ein Kinderspielhaus dorthin kommt, womöglich mehrstöckig, damit es auch bei Regen und im Winter Raum zum Spielen gäbe.

Wir haben Kinder nicht aus Innenstädten vertrieben, aber nur deshalb, weil sie dort letztendlich noch nie einen Raum fanden, wir könnten auch sagen: eine Herberge.

Rilke spricht auch von Erwachsenen und mancher mag sagen: Die Mehrheit lebt doch keineswegs schlecht und schwer. 
Es gilt allerdings zu sehen, welcher Aufwand betrieben wird, um Gefühle zu übertönen, die der Unnatürlichkeit des Lebens Ausdruck verleihen möchten.

Rilke sagt ausdrücklich: Die großen Städte sind nicht wahr.

Das ist bemerkenswert und knüpft an einen religionsübergreifenden Gedanken an, der im Christentum sich in der Aussage Jesu zeigt, dass sein Reich nicht von dieser Welt sei, und im fern-östlichen, insbesondere im hinduistischen Denken Ausdruck in der Sichtweise findet, dass Leben auf der Erde Maya sei, eine große Illusion.

Immer dann, wenn es Menschen gelingt, Wahrheit auf unserer Erde, also auch im Leben der Menschen sichtbar werden zu lassen - und Wahrheit mag hier auch ein Synonym für Natürlichkeit und wahre Menschlichkeit sein -, sind sie zum einen höchst gefährdet, zum anderen aber gehören solche Momente zu den Sternstunden menschlichen Lebens, weil sie beide Reiche verbinden, das, was in der Alchemie als mysterium coniunctionis bezeichnet wird.

Ich persönlich glaube, dass die Aussage, dass Gottes Reich nicht von dieser Welt sei, nicht bedeutet, dass unsere Erde die Möglichkeit einer gemeinsamen Existenz ausschließt, sondern dass sie angesichts einer Baals- und Börsenkultur nicht möglich ist, wenn sie aber vorkommt, eben jenes mysterium coniunctionis meint, was in der Alchemie höchstes Ziel des Lebens ist, die Hochzeit von Himmel und Erde, von himmlischem und irdischem Bewusstsein.

Dazu müsste ein Interesse daran vorhanden sein.

Das aber ist nicht vorhanden. Man muss nur sehen, mit welcher Dumpfheit einer der derzeit renommiertesten Naturwissenschaftler, Stephen Hawking, ein Weltbild proklamiert, das die geistige Tradition dieses Planeten negiert. Das wäre weiter nicht bemerkenswert, weil Hawkings Denken fast infantil und zu offensichtlich linkshirnig und einseitig ist, wenn es nicht so wäre, dass die Flachheit seiner als Trojaner verpackten spirituellen Aussagen eine Spur blinder Gefolgschaft zeitigt.

Kann menschliches Bewusstsein überhaupt noch genesen?

Diese Frage stellt sich fast zwangsläufig.
Ich denke, dass es möglich wäre, wenn wir unserem Leben wieder Struktur und Ordnung und Sinn gäben.

Ich erinnere mich, dass ich vor vielen Jahren einmal ein Kind, weil es mehrfach verhaltensauffällig gewesen war, ein Bild zum Thema Ordnung zu zeichnen bat. 
Weil es so privat ist und aus Datenschutzgründen kann ich es nicht einscannen, aber es ist für mich auch heute noch erschütternd und zeigt einen Tisch unter einer Lampe. Und um den Tisch herum liegen die Stühle kreuz und quer auf dem Boden.

Dieser Tisch war der Familientisch und dieser so begabte Junge hat damit gemalt, woran seine Seele leidet, ein Leid, dass sie mit in die Schule brachte und dort über sein Verhalten Ausdruck finden ließ.

Ich weiß noch sehr genau, dass die Eltern dieses Kindes der Psychotherapeutin, die dem Kind helfen sollte, dieses Bild nicht gegeben haben (ich hatte es ihnen zukommen lassen). Die Psychologin hätte sofort gesehen, dass sie mit den Eltern zu arbeiten hat, nicht mit dem Kind (was ohnehin meistens am sinnvollsten zu geschehen hat, aber oft nicht durchführbar ist, weil sich Eltern ihren Versäumnissen nicht stellen wollen, ihren Fehlern, die sie selbst negativ werten, die allerdings menschlich und verständlich sind und nur jene Steine werfen lassen, die von ihren eigenen Schwächen ablenken wollen).

Unser Leben braucht Ordnung und Struktur. Vor allem brauchen Kinder Ordnung und Struktur. Sie brauchen den Familientisch und sie brauchen die gemeinsamen Zeiten, auch Essenszeiten, im Rahmen deren klar sein muss, dass das Smartphone aus ist und niemand niemandes Raum einschränkt.

Wie sehr ist das Smartphone zum Symbol einer fehlenden Wertschätzung gegenüber dem Nächsten geworden. Es ist ständig on, mehr, als die meisten Menschen für ihre Mitmenschen im persönlichen Gespräch online sind.

Der Sinn von Zyklen, Ritualen, Gebräuchen und Festen

Es gibt allerdings wieder vor allem ländliche Orte und dort lebende Menschen, die ein Bewusstsein dafür entdeckt haben, wie wertvoll es war und ist, dass Feiertage und festliche Anlässe dem Leben Struktur gaben, so, wie zu früheren Zeiten wie selbstverständlich der Sonntag dem wöchentlichen Leben Struktur gab. 
Es ist kein Zufall, dass man in jeden Kreis mit Hilfe des halben Kreisdurchmessers sieben Kreise einzeichnen kann, wobei der siebte inmitten der sechs anderen diese um sich schart und sozusagen deren Zentrum ist. Es ist, als ob uns die Geometrie auf den Sinn des Wochenzyklus verweisen wolle, so wie es im jüdisch-kabbalistischen, biblischen (Jesaja 40,12), pythagoreisch-platonischen Denken wie auch bei Kepler und anderen fest verankert ist, dass Zahlen Wegmarken des geistigen Weges sind. 
Sie wissen zu er-zähl-en, mehr als wir zumeist ahnen.

Es ist ein wertvoller Aspekt unseres Lebens, dass nämlich unser Bewusstsein Grenzen überwindet, Grenzen von Zeit und Raum, wie es Einstein gelang, Grenzen von Himmel und Erde, wie es Buddha und Jesus taten wie vor ihnen und nach ihnen andere auch, wenn auch nicht so wegweisend, wie es durch den Achtfachen Pfad und die sieben Seligpreisungen geschah.

Dass aber das konkret und real existierende Leben solcher Grenzen im Sinne von Strukturen bedarf, damit es seine Leben ermöglichende Ordnung nicht verliert, ist außer Blickes geraten und entschwindet mehr und mehr unserem Bewusstsein.

Klar kann man Läden rund um die Uhr öffnen, was noch nicht der Fall ist. Aber sicher ist, dass die Ladenöffnungszeiten bis 22 Uhr in den Großstädten und ihren Randgebieten vielen Kindern immer wieder Vater und Mutter nehmen, vielen Frauen den Mann und vielen Männern die Frau, denn jemand, der bis 22 Uhr arbeitet, verändert nicht nur sich, sondern seine ganze Umgebung, insbesondere deren Lebensqualität - notgedrungen.

Die aus den Fugen geratene Struktur liegt im Detail:

Ein Zug von München nach Hamburg hält möglichst selten, weil es ja nicht um Menschen geht, die zu- oder aussteigen möchten, sondern um die Zeit und wie schnell die Bahn eine Strecke zurücklegen und sagen kann: In 5 Stunden bringt die DB sie von München nach Hamburg. Mit schnelleren Trassen wird es in vier Stunden sein können, vielleicht geht es noch schneller.

Wir haben längst akzeptiert, dass diese Steigerung sein muss und dass Menschen dafür gesorgt haben, dass die Zeit uns regiert; es ist das Regiment des citius, altius, fortius. Wie recht doch Michael Ende mit seinem Momo hatte. Als Schullektüre ist das Buch in der heutigen Zeit zu umfangreich. Kein Mensch hat mehr Zeit für Sätze wie die Worte von Meister Hora:

So wie ihr Augen habt, um das Licht zu sehen und Ohren, um Klänge zu hören, so habt ihr ein Herz, um damit die Zeit wahrzunehmen. Und alle Zeit, die nicht mit dem Herzen wahrgenommen wird, ist so verloren wie die Farben des Regenbogens für einen Blinden oder das Lied eines Vogels für einen Tauben. Aber es gibt leider blinde und taube Herzen, die nichts wahrnehmen, obwohl sie schlagen.

Wird Deutschland gewöhnlich?

Deutschland hat in der letzten Zeit auf fatal gekonnte Weise das Bild einer fairen und inneren Werten verpflichteten Nation zerstört, um die sich vorausgehende Generationen bemüht haben. Da ist ja nicht nur der VW-Skandal oder die Tatsache, dass der Bundesnachrichtendienst unmittelbare Nachbarn und „Freunde“ bespitzelte. Deutsche Sportfunktionäre standen auch nicht nach im Kaufen, was gekauft werden muss. Und obwohl unsere Politiker wussten, wem sie da in Wirklichkeit Waffen lieferten, wurde es dennoch getan. Nun heuchelt ein Sigmar Gabriel, man müsse den Waffenexport Richtung Saudi Arabien neu überdenken. Als ob er nicht schon immer gewusst hätte, wem er da Waffen liefern lässt, einem Staat, der den IS unterstützt und weltweit mit an führender Stelle im Köpfen von Menschen steht.
Kaschiert wird das Ganze durch Worthülsen wie Strategische Partnerschaft und Ähnliches.

Auch das Bildungswesen wird immer unnatürlicher.

Eine Einstellung hält Einzug, die alle Natürlichkeit außer Kraft setzt. Sogenannte Interaktive Whiteboards ersetzen zunehmend die Kreidetafeln. Die Vorteile der ersteren sind gewiss nicht zu übersehen, immerhin können Tafelanschriebe abgespeichert und einen oder mehrere Tage später wieder aufgerufen werden, angeschlossene Dokumentenkameras ermöglichen, dass Schülerhefte oder Buchseiten sofort eingelesen und auf der elektronischen Tafel sichtbar gemacht werden können und einer Besprechung zur Verfügung stehen. Genauso können in Minutenschnelle Internetseiten aufgerufen und You-Tube-Filme eingespielt werden, und das in tafelgroßem Format. 
Wenn solche elektronischen Tafeln eine Alternative zur weiterhin vorhandenen Kreidetafeln wären, auf denen Schüler nun einmal besser schreiben und z.B. geometrische Skizzierungen gerade auch für und durch Kinder viel besser vorgenommen werden können, wäre das alles ja in Ordnung, aber das lässt der Platz in den Unterrichtsräumen kaum zu. In mehr und mehr Schulen verschwindet die gute alte Kreidetafel. - Warten wir im Übrigen einmal ab, wie der Gesundheitszustand von Lehrerinnen und Lehrern sich entwickelt, die täglich diesen Tafeln, Beamern und weiteren Geräten sehr direkt und nah ausgesetzt sind (Whiteboards und Beamer werden in der Regel nicht abgeschaltet, auch nicht, wenn sie nicht verwendet werden).

Jedenfalls haben diese viele hunderte von Euro teuren Whiteboards zur Folge, dass die Räume in den Pausen abgeschlossen werden müssen, da diese Anschaffungen viel zu teuer sind, als dass sie unbeaufsichtig gelassen werden könnten, was wiederum zur Folge hat, dass Klassen sich vor den abgeschlossenen Klassenräumen auf den Fluren aufhalten und morgens, bevor der Lehrer erscheint, nicht gemütlich den eigenen Klassenraum aufwärmen können, sondern diesen erst mit Erscheinen des Lehrers betreten können. Ja, in mehr und mehr Schulen gibt es keine Klassenräume mehr, sondern zunehmend nur noch Fachräume, Fachräume für Deutsch, Geschichte, Religion … - das gute alte Klassenzimmer ist deutlich auf dem Rückzug.

Schule wird meines Erachtens zunehmend entseelter.

Diese ganze Entwicklung im Zusammenhang mit den Interaktiven Whiteboards - faszinierend, diese Namensgebungen - führt aber auch dazu, dass sich Schüler auch in der Schule an eine immer höhere Reizfrequenz gewöhnen. Wenn Methoden und Materialien in solcher Hülle und Fülle vorhanden sind, reduziert sich die Bereitschaft des Einzelnen, sich einem Text, gar einer Textpassage eine Stunde lang oder gar länger zu widmen. 
Dass Studenten zunehmend der Fähigkeit ermangeln, einen Text zu verstehen, wen wundert das?
Und natürlich stehen Lehrer ebenfalls in Gefahr, sich der Überfülle an Material zuungunsten der Arbeit an Text und Wort zu bedienen.

Die strukturierende, sinnstiftende Bedeutung des Christentums

Aus Parteiprogrammen ist ersichtlich, dass Menschen, die sie schreiben, keine Vorstellungen mehr davon haben, was menschliches Leben fundamental ausmacht. Viel zu sehr sind die dort formulierten Grundlagen zu Hülsen degeneriert. Was ganz basal menschliches Leben ausmacht, wird nicht mehr benannt. Der vorhandene Raum wird für Worthülsen, die sich gut lesen, die in Wirklichkeit niemand mehr ernst nimmt, gebraucht.

Das Christentum, das strukturierend wirkte mit seiner Rhythmisierung der Woche und des ganzen Jahres, seinen Feiertagen, die es gliederten und ihm ein Gepräge gaben, ist nie in dieser sinnstiftenden Bedeutung wirklich erkannt worden. Nicht nur Kinder, auch wir Erwachsene brauchen Ordnung und Struktur, wir brauchen Rituale von Raum und Zeit. 
In den Wohnungen und Häusern von Römern ebenso wie bei den Indianern gab es diese heiligen Orte. Es war ein Segen für dieses Land, dass es von einem Geflecht solch heiliger Orte in Form der Kirchen durchzogen und strukturiert war. Irgendwann wird es allerdings den ersten Richter geben, der das Läuten von Glocken kippt. Dröhnendes Autogehupe anlässlich von Hochzeiten und Festgegröle wird sicherlich weiterhin sein dürfen, ja zunehmen.

Menschengerechte Schöpfung ist ordnungs- und damit sinngebend, denn Ordnung stiftet Sinn in Raum und Zeit.
Zu früheren Zeiten war den Menschen bewusst, dass ihre heiligen Orte nicht von ihnen gewählt waren, sondern von ihnen entdeckt wurden, so, wie sie Ordnung als Geschenk begriffen. 
In der Bezeichnung der Griechen für das All als Kosmos, übersetzt Ordnung, findet dies auch noch seinen Widerhall. Sie begriffen Ordnung nicht nur als räumliche Ordnung, sonst hätte sie jenen Gott, der ihr Goldenes Zeitalter regierte, nicht Zeit, nicht Kronos genannt.

Unordnung macht krank, innere wie äußere

Es hat nicht einmal primär etwas mit Tradition oder einer konservativen Grundhaltung zu tun, dass menschliches Leben der Ordnung und Struktur bedarf, sondern mit der Tatsache, dass Leben ohne Ordnung und Struktur krank macht.

Ganz- und Heil-Sein setzt Ordnung und Struktur voraus. Nicht von ungefähr zeigt sich dies in den großen Symbolen der Menschheit, die geprägt sind von Kreis und Quadrat, von der Drei- und der Vierzahl.

Es ist kein Zufall, dass die Maße der Arche Noah und der Bundeslade so genau angegeben waren (waren deshalb, weil dieses Bewusstsein längst erloschen ist), genauso wenig wie die Tatsache, dass zu Beginn menschlichen Lebens die Siebenzahl eine zentrale Rolle spielte.

Mancher mag den Untertan von Heinrich Mann gelesen haben, jenes Werk, das so entblößend zeigt, welche geistige Mentalität zum Dritten Reich führte und zu einer Vorstellung von Ordnung und Struktur, die niemand mehr will. Immer aber wird es eine Gratwanderung sein, dass Menschen eine lebendige Ordnung und Struktur leben und sie nicht pervertieren in eine geistige Enge (leider dann auch manchmal eine konzentrierte äußere), die nicht zulassen kann, dass Leben und Bewusstsein sich ständig erweitern, so wie es das Weltall tut.

Licht stiftet Bewusstsein und es stiftet auch noch heute - obwohl die Quellen kaum jemand noch ernst nimmt - Zeichen, Zeiten, Jahre und Tage (1. Mose 1,14)
Lichtordnungen sind Zeitordnungen; sie geben Sinn, so wie das Licht jedes Tages uns Sinn geben will.

Vielleicht ist die sogenannte Dunkle Energie viel zu hell für uns

In einer Zeit, die sich so gewaltig und gewaltig schnell verändert, braucht unser Leben eine Ordnung und Struktur. Sie besteht in einer ausgeglichenen Balance zwischen Tag und Nacht, Vorwärtsstürmen und Stillesein, Einatmen und Ausatmen, erweitern und sich wieder fokussieren (Systole und Diastole, wie es Goethe nennt und wie sein ganzer Faust strukturiert ist), sich veräußern und sich verinnerlichen.

Eine Lösung könnte sein, dass Parteien in ihren Parteiprogrammen Abstand nehmen von ihren Worthülsen und in ihren Vorstellungen für eine gesunde Gesellschaft auf die Gesetze des Lebens, auf dessen Struktur und Ordnung konkret eingehen. Vielleicht würden sie dann erkennen, dass die sinnstiftenden Angebote des Chistentums nicht nur in Worten bestanden, sondern tatsächlich eine strukturgebende geistige Macht waren.

Wer weiß, vielleicht ist jene Dunkle Energie, die wir suchen und die für die Ausdehnung des Alls verantwortlich gemacht wird - eine Ausdehnung, die sich ja zudem ständig beschleunigt - gar nicht dunkel, sondern so hell, dass es besser ist, dass wir sie noch nicht sehen können. Es könnte ein Licht sein, dessen Ordnung wir noch nicht verstehen.

Wie es scheint, haben wir allerdings noch nicht einmal den Wert jener Ordnung wirklich verstanden, die Sonne und Mond geben wollen.




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Buchveröffentlichung Gedichtinterpretationen gestalten lernen
Für Oberstufenschüler und alle, die verstehen möchten, auf 
welche Weise Inhalt und Form von Gedichten in unsere 
Tiefenstruktur hineinwirken. - Mehr unter diesem LINK

Donnerstag, 17. September 2015

Geh kühnen Schritt, geh tapfren Tritt!


Die Schritte

Klein ist, mein Kind, dein erster Schritt, 
Klein wird dein letzter sein.
Den ersten geh
’n Vater und Mutter mit,

Den letzten gehst du allein.

Sei’s um ein Jahr, dann gehst du, Kind, 
Viel Schritte unbewacht,
Wer weiß, was das dann für Schritte sind 

Im Licht und in der Nacht?

Geh kühnen Schritt, tu tapfren Tritt,
Groß ist die Welt und dein.
Wir werden, mein Kind, nach dem letzten Schritt 

Wieder beisammen sein. 


Ein ganz liebes Gedicht von einem Mann, den ich sehr verehre, Albrecht Goes (1908-2000), der lange Jahre Pfarrer in jenem Ort war, in dem ich auch viele Jahre gewohnt habe, Gebersheim, ehemals ein Bauerndorf, heute Teilort von Leonberg, unweit von Stuttgart.

Ich bewundere ihn, denn er hat selbst Bemerkenswertes geschrieben, vor allem aber hat er Gedichte, u.a. in seinem Band Freude am Gedicht, so fein, feinsinnig, kenntnisreich und voller Wertschätzung gegenüber dem Dichter interpretiert, gern Mörike und Goethe, dass man seine Gedanken so gern liest wie das Gedicht selbst.

Ich bewundere in ihm auch seine Frau, die, als Goes eingezogen wurde, zuerst als Funker, dann als Feldgeistlicher, die verwaiste Gemeinde betreute und mehrfach Juden im Gebersheimer Pfarrhaus versteckte, wissend, dass es für sie das Konzentrationslager bedeuten würde, wenn man das entdeckte.
Es war umso bemerkenswerter, weil sie noch drei Töchter hatte. 
Wie groß muss ihre Liebe zum Nächsten, zu den Juden, denen sie das Leben rettete, gewesen sein, dass sie ihnen dennoch half.

Albrecht Goes hat übrigens erst nach dem Krieg von all dem erfahren; es war aber sicherlich ganz in seinem Sinne.

Mich bewegt ihr Mut und ihre große Seele heute, angesichts des Leides, das viele erfahren, die keine Heimat mehr haben wie damals die Juden, umso mehr.

Dienstag, 8. September 2015

Schultütengeschichte

Heute im Hessischen Rundfunk gehört im Rahmen einer Sendung, in der Hörer Geschichten um den ersten Schultag zum besten gaben.
Da gab eine Hörerin aus ihrer Familie, in der wohl die Schultüte von Generation zu Generation weitergegeben wird, die Schultütengeschichte über ihre Oma weiter, die gefragt worden war, als sie nach dem ersten Schultag nach Hause kam, wie es denn gewesen sei:

Gut, aber die wollen, dass ich morgen wiederkomme.

:-))

Samstag, 26. Oktober 2013

10458 arme Kinder in unsrem Land sind Bundestagsvizepräsidenten


Obwohl nun schon ein paar Tage vorbei, gehen mir die sechs neuen Bundestagsvizepräsidenten nicht aus dem Kopf. Vor allem der von der SPD geforderte zusätzliche. Den gestand ihr die CDU/CSU auch zu. Klar. Bei Gelegenheit wäscht eine Hand die andere.

12400 € verdient ein Bundestagsvizepräsident

Sechs davon gibt es in unserem Land. Und bei den 12400 € sind noch nicht ...

Samstag, 25. Dezember 2010

Eine Silberschnur zwischen unserem Herzen und unserer Zeit. – Was Meister Hora und Momo über Zeit wissen.

Hellsichtige Menschen sehen jenen Lebensfaden, der unsere irdische Existenz ermöglicht, indem er den sogenannten Astralkörper, den Träger unseres Bewusstseins, unserer Leidenschaften und Empfindungen, unterhalb des Herzens mit dem physischen Körper verbindet, als eine silberne Schnur. 
Von ihr ist in der Bibel, im Prediger Salomo, Kapitel 12 die Rede:

5 wenn man vor Höhen sich fürchtet und sich ängstigt auf dem Wege, wenn der Mandelbaum blüht und die Heuschrecke sich belädt und die Kaper aufbricht; denn der Mensch fährt dahin, wo er ewig bleibt, und die Klageleute gehen umher auf der Gasse; –
6 ehe der silberne Strick zerreißt und die goldene Schale zerbricht und der Eimer zerschellt an der Quelle und das Rad zerbrochen in den Brunnen fällt.
7 Denn der Staub muss wieder zur Erde kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat.

Mit dem Tod reißt diese Verbindung.

In der griechischen Mythologie gibt es die Moiren, in der lateinischen die Parzen und in germanischen die Nornen - jeweils sind es drei Schicksals-Göttinnen -, die über diesen besonderen Faden, den Lebens- oder silbernen Schicksalsfaden wachen. Wird er durchtrennt, stirbt die irdische Existenz des Menschen.

So wichtig ist das Wissen um diesen Zusammenhang, dass drei große abendländische Kulturen drei wichtige Gottheiten ihm gewidmet haben. Missverstehen wir ihre Realität nicht: Es gibt sie.

In Michael Endes Momo hat Meister Hora die drei Funktionen der Schicksalsgöttinnen, die Silberschnur zu spinnen, über sie zu wachen und sie zu durchschneiden, inne. Kein Wunder, dass er von einem silbernen Tor spricht. Er ist allerdings nicht Herr über das Schicksal, gleiches gilt auch für die Schicksalsgöttinnen; er ist sozusagen nur ausführendes Organ einer höheren Macht. Dennoch darf man von ihm zur Recht wertschätzend von einem Meister sprechen. Hora kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Stunde. 

Meister Hora führt unser Stundenbuch. Die Bibel nennt es Buch des Lebens.

Doch lassen sie uns nachsehen, wo der Ursprung unserer Silberschnur sein sollte, denn sie beginnt nicht einfach im menschlichen Körper, sondern im eigentlichen Sinne in seinem Herzen; in Momo heißt es deshalb:
(...) so wie ihr Augen habt, um das Licht zu sehen und Ohren, um Klänge zu hören, so habt ihr ein Herz, um damit die Zeit wahrzunehmen. Und alle Zeit, die nicht mit dem Herzen wahrgenommen wird, ist so verloren wie die Farben des Regenbogens für einen Blinden oder das Lied eines Vogels für einen Tauben. Aber es gibt leider blinde und taube Herzen, die nichts wahrnehmen, obwohl sie schlagen.
Ein Herz, das nicht sehen kann, ein Herz, das nicht hören kann, ist nur eine Stoffwechselpumpe.
Das Glänzen des Lebensfadens ist dann ganz matt; es gibt ja nur eine müde Verbindung zwischen der Lebenszeit eines Menschen und seinem Herzen. Leider kann dies bereits für junge Menschen gelten, zumal unsere Schule nicht dieses Wissen, dieses Herz-Wissen fördert.

Noch etwas lehrt uns Momo: 

Jede Stunde unseres Lebens kann ein Geschenk sein. Diese Möglichkeit entfaltet sich vor der kleinen Momo in einer Weise, die zu den schönsten Passagen des Buches von Michael Ende gehört. Als wunderschöne Blüte taucht sie auf, diese augenblickliche Stunde, verbunden mit einem klingenden Licht, das zu hören ist. Doch als Momo glaubt, dass sie nun die Zeit aller Menschen wahrgenommen habe, belehrt sie Meister Hora:
Was du gesehen und gehört hast, war nicht die Zeit aller Menschen. Es war nur deine eigene Zeit. In jedem Menschen gibt es diesen Ort, an dem du eben warst. Aber dort hinkommen kann nur, wer sich von mir tragen lässt. Und mit gewöhnlichen Augen kann man ihn nicht sehen.
Man muss die Augen Momos haben, die Augen eines Kindes, um diese Schönheit der Zeit sehen zu können. Und noch etwas: Es bedarf des Vertrauens in Meister Hora. In die Zeit. In das Leben.

Mit dem griechischen Gott Kronos - kronos bedeutet bekanntlich Zeit - begann die Weltenuhr zu ticken.
Heute sind wir auch über die Regentschaft des Zeus, der seinem Vater Kronos folgte, hinaus. Jeder von uns, ob Mann oder Frau, ist ein Prometheus, der sein Leben selbst in die Hand nimmt, mehr oder weniger bewusst.

Momo kann uns daran erinnern, woher wir kommen. Denn nur, wenn wir das wissen, ahnen wir unser Ziel, das - so ergeht es ja auch den Märchenhelden - nur anders aussehen wird als zu Beginn unserer Reise. Wir wollen den Ausgangszustand wiederherstellen, der Märchenheld möchte, dass Vater und Mutter wieder gesund werden. Doch repräsentieren beide, repräsentieren der gute König und die gute Königin ein Bewusstsein, von dem wir uns verabschiedet haben. Unser neues Bewusstsein können wir nur erahnen.

Lesen wir Momo, gewinnen wir Vertrauen, dass alles gut wird. - 

Weil wir nie gestorben sind, leben wir noch heute. Davon erzählen die großen Grimm-Märchen. 
Und Michael Endes Momo.


mehr zu Momo und dem Zusammenhang von Herz und Zeit
inclusive jener schönen Passage, von der oben die Rede war: hier

Samstag, 26. Juni 2010

Wahre Religion ist die Gemeinschaft von Kindern ...

Ich glaube, dass ein Grund, warum viele sich selbst nicht begegnen, ist, dass sie sich auf der Ebene des Erwachsenen suchen; aber mehr Menschen, als man glaubt, sind in Wirklichkeit keine Erwachsenen, weil sie nie wirklich Verantwortung für sich übernommen haben. Man erkennt sie auch daran, dass sie viel "Schuld" auf die Politiker schieben, den Chef, auf das Wetter, den lieben Gott; doch dieser Gott sind in Wirklichkeit oft sie selbst, weil er nicht mehr ist als ihr eigenes begrenztes Bewusstsein.
Deshalb eben das Gebot: Du sollst Dir kein Bildnis machen ...

Wie will sich jemand auf einer Ebene finden, auf der er gar nicht vorhanden ist? Höchstens eben in seiner Einbildung ...

Es ist wichtig, sich auf die Ebene der Kinder in uns und um uns zu begeben, denn nur, wer ihnen begegnet, kann auch dem göttlichen Kind in uns begegnen, dem Christusgeist, Atman oder wie man es immer nennt.

Der Erwachsene kann nur reifen, wenn die Kinder heilen.

Wahre Religiosität ist eine Gemeinschaft von Kindern, die in Gott wachsen wollen; in diesem Sinne werden sie wahrhaft er-wachsen.


Samstag, 28. Juni 2008

Spracherwerb und die Füllung von Spiegelneuronen bestimmen, was für uns Liebe ist

Kürzlich habe ich im Sindelfinger Badezentrum ein liebenswertes Bild gesehen: Eine Mutter hielt ihr noch kein Jahr altes Kind in den Händen und zog es durchs Wasser; sie bahnte mit dem Rücken den Wasserweg und zog das Kind rückwärts laufend hinter sich her. Aber das war noch nicht das Besondere. Das Besondere war, dass die Mutter ununterbrochen kommunizierte, und zwar allein mit ihrer Mimik. Das Kind mag wohl das warme Wasser gespürt haben, aber es hing mit übergroßer Hingabe und Aufmerksamkeit an dem Gesicht der Mutter, es war faszinierend. Ich glaube, es entging ihm nichts. Das Gesicht der Mutter war voller Liebe für ihr Kind, sie sandte ihm Küsse zu, sie morste mit den Augen Liebe, alles an ihrem Gesicht waren Funken der Liebe, was sie auch immer tat, welche Miene sie auch zeigte … nicht eine der vielen tausend mimischen Ausdrücke war gleich … ein mimischer Funkenflug der Liebe … für ihr Kind.

Und sie schien keine Konditionsprobleme zu haben. Mir kam es ewig vor, dass die beiden durchs Wasser turtelten. Am liebsten hätte ich der Mutter gesagt, wie wichtig und wunderschön es ist, was sie macht. Aber ich hätte ihr Liebespiel unterbrechen müssen, und das wollte ich natürlich nicht. Und dass es ein Liebesspiel war und wie wichtig es für künftige Liebesspiele des Kindes ist, wird deutlich auf dem Hintergrund des Zitates aus Joachim Bauers wegweisendem Buch über Spiegelneuronen:

Dass wir mit einer angeborenen, genetisch angelegten Grund­ausstattung von Spiegelnervenzellen ins Lebens starten, zeigt sich an einem Phänomen, das ohne sie nicht möglich wäre: Bei richtig gewähltem Abstand beginnen Säuglinge wenige Stunden bis Tage nach der Geburt, bestimmte Gesichtsaus­drücke, die sie sehen, spontan zu imitieren. Öffnet das ihnen entgegenblickende Gesicht den Mund, tun sie dasselbe. Auf ein Gesicht mit gespitztem Mund reagiert das Neugeborene, indem es selbst die Lippen kräuselt, und es streckt seine Zunge heraus, wenn man ihm dies vormacht. Mit seiner erstaun­lichen Fähigkeit zur Imitation hat der Säugling bereits von den ersten Lebenstagen an die Möglichkeit, sich auf ein wech­selseitiges Spiel einzulassen, welches dazu führt, dass sich erste zwischenmenschliche Bindungen entwickeln können. Die neurobiologisch angelegte Bereitschaft zu spontanen Imitationsakten ist das Grundgerüst, um das herum sich die Beziehung zwischen Säugling und Bezugsperson entwickelt. Zwischen dem Neugeborenen und der Hauptbezugsper­son beginnt nun etwas, dessen Zauber nur noch mit der Situation von Frischverliebten zu vergleichen ist. Und tat­sächlich passiert aus neurobiologischer Sicht in beiden Fäl­len etwas sehr Ähnliches: ein wechselseitiges Aufnehmen und spiegelndes Zurückgeben von Signalen, ein Abtasten und Erfühlen dessen, was den anderen gerade, im wahrsten Sinne des Wortes, bewegt, begleitet vom Versuch, selbst Signale auszusenden und zu schauen, inwieweit sie vom Gegenüber zurückgespiegelt, das heißt erwidert werden. Dieses Spiel steht nicht nur am Anfang einer Liebesbezie­hung, es bildet, in weniger intensiver Form, den Startpunkt jeder zwischenmenschlichen Beziehung.


Viele Kinder erleben nie, was dieses Kind erleben durfte, das ich damals beobachten konnte. Viele liegen auf einer kalten Ablage und werden lieblos gewickelt und die Mutter spricht kaum mit ihnen … Doch immer füllen sich Zellen mit einer entsprechenden Füllung, denn von jeder Bewegung werden Kopien angefertigt im Gehirn des Kindes und diese Kopien werden aktiv, wenn sie Entsprechendes selbst tun oder wiedererkennen; deshalb werden manche Kinder später stärker auf Liebe reagieren, manche auf Gleichgültigkeit und Kälte; und Kinder werden immer das als normal empfinden, was sie kennengelernt haben.

Vor allem aber kennen viele gar nicht, was Liebe ist.

Wie aber wollen sie von ganzem Herzen an einen späteren Partner weitergeben, was sie nicht kennen?

Wie viele im Grunde gleichgültigen Liebesspiele werden auf der Erde täglich gespielt?

Viele Liebesspiele sind Bewegungsspiele mit einem bestimmten Grad von seelisch-körperlicher Gefühlsaufwallung …

Alle Menschen nennen love, amore, láska, svegi, Liebe, was bei dem Einzelnen auf der ganzen Welt nicht unterschiedlicher sein kann.

Unsere Eltern geben uns für etwas Bestimmtes den Begriff "Liebe" vor, was ebenfalls unterschiedlicher nicht sein könnte.

Manche Bezeichnung für Liebe ist wie eine Geheimnispizza, in der ein Backstein liegt. So ist Liebe für manche wahrhaft unverdaulich … nur wissen sie es nicht.

Meine Eltern sprachen viel über Liebe, aber sie sprachen immer über die Liebe Gottes.
Sie wussten nicht, was Liebe ist, aber sie haben es bestens getarnt.

Wer so viel über Liebe, über die Liebe Gottes spricht, der muss doch wissen, was Liebe ist.

Pustekuchen!

Ich glaube, dass viele nicht nur ins Kloster, sondern ins Religiöse oder in Esoterik flüchten, um sich nicht mit ihrer eigenen Lieblosigkeit auseinandersetzen zu müssen. Doch sie flüchten vor einer Last, die sie nicht tragen müssen. Wer aber mag sich schon eingestehen: Ich weiß nicht, was Liebe ist.

Wer ohne Liebe aufwächst, trägt eine schwere Hypothek. Aber kaum jemand wird ein höheres Bewusstsein von Liebe haben können als jener, der - den Mangel erkennend - unter der Erkenntnis eigener Lieblosigkeit leidet … wenn er sodann sein Herz der Liebe öffnet.

Mein Credo: Immer können sich Zellen mit Liebe füllen; immer kann sich ein Herz für Liebe öffnen.

Jeder Atemzug kann ein Spiel der Liebe sein.

Mittwoch, 7. Mai 2008

Khalil Gibran, Von den Kindern


Bildverweis zu Tippi Degrè: hier

Und eine Frau, die einen Säugling an ihre Brust drückte, sagte:
Sprich zu uns von den Kindern.
Und er sagte:
Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und die Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.
Sie kommen durch euch, doch nicht aus euch,
Und sind sie auch bei euch, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben,
doch nicht eure Ge­danken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihren Körpern dürft ihr eine Wohnstatt bereiten,
doch nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus der Zukunft,
und das bleibt euch verschlossen, selbst in euren Träumen.
Ihr dürft danach streben, ihnen ähnlich zu werden,
doch versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben schreitet nicht zurück, noch ver­weilt es beim Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebendige Pfeile abgeschnellt werden.
Der Schütze sieht die Zielscheibe auf dem Pfad des Unendlichen,
und Er beugt euch mit Macht,
damit Seine Pfeile umso geschwinder und weiter fliegen.
Freut euch der Beugung, 
die euch die Hand des Bogenschützen aufzwingt;
denn so wie Er den flüchtigen Pfeil liebt, 
liebt er auch den verharrenden Bogen.


Khalil Gibran (1883-1931), Dichter, Philosoph und Künstler, wurde im Libanon geboren und emigrierte in jungen Jahren in die USA. Sein Lebenswerk galt der Versöhnung der westlichen und der arabischen Welt.

Mehr zu Khalil Gibran: Hier und Hier



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