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Freitag, 14. November 2025

Bäume umarmen dich wie eine Mutter ...

In vergangenen Zeitaltern wurde die Frau hoch geachtet und verehrt. Dies geschah aufgrund der Führung und Lenkung durch die großen Wesen, die im Hintergrund für die Menschheit wirken. Die Mutter wurde als ein Symbol des Überflusses, der Reinheit und Schönheit verehrt. 

Du kannst diese Verehrung der Göttlichen Mutter deutlich in allen alten Ritualen erkennen. In der heiligen Kommunion wird das Empfangen des Brotes – d.h., des weißen Äthers, des Brotes, das vom Himmel herabkommt – symbolisiert durch das Brot der Erde. Denke jedoch daran, dass das Brot, das du täglich isst, ebenso ein Symbol der Lebenskraft ist, die Gott dir sendet, damit du leben kannst. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, wenn du dich an deine Bibel erinnerst, sondern vom Worte Gottes. Verstehst du dessen innere Bedeutung? Die Menschheit lebt durch das schöpferische Wort, das Wort der Macht. Sogar deine Nahrung, äußerlich vom Feld oder aus dem Garten stammend, kommt aus der göttlichen Intelligenz zu dir. Hier nun finden wir den Mutteraspekt, das, was in der christlichen Kirche als der Heilige Geist angebetet wird, den Aspekt der göttlichen Mutter. Sie ist es, die Leben gibt, sie allein gibt Weisheit. 

Die Uralten erkannten in der Frau ein Symbol des ewigen Lebens an, denn sie zeigte anschaulich ihrer Macht, Leben zu spenden und das Fortleben der Menschheit zu gewährleisten. Daher wurde die Mutter als Quelle allen Lebens gefeiert. Die Macht des Matriarchats war zu dieser Zeit sehr groß. Erst später beherrschte das männliche Element wieder die Szene und der Vater Gott wurde verehrt.

Wir wollen in unserem Geiste uns die Göttliche Mutter vorstellen, die Lebensspenderin, die weise Mutter, die alle Kinder in ihre Arme schließt und an ihre Brust nimmt. (…)

Fühle, wie die Bäume dich wie eine Mutter umarmen. Die Bäume sind für uns Symbole der Großen Mutter, und in diesem Wissen können wir in den Hainen wandeln, unter großen Eichen oder einem uralten Banyanbaum oder vor der Majestät eine Zeder sitzen und uns der Mutterliebe bewusst werden, die uns umfängt. Und ihr kannst du sehr nahe kommen… dem Herzen Gottes im Garten näher sein, wo die Blumen sprechen, die Bäume dich in Freundlichkeit und Mütterlichkeit umfangen.

(White Eagle, "Die Göttliche Mutter")



Freitag, 12. März 2021

Eine Hand hat 5 Finger, wenn 4 fehlen, ist das noch ne´ Hand? - Reinhold Beckmanns "Vier Brüder"

Vor 15 Monaten starb Reinhold Beckmanns Mutter, weit über 90 Jahre alt. Keiner ihrer Brüder überlebte den Krieg, den Jüngsten, der sich im Kohlenkeller versteckte, holten die Feldjäger, als er 16 Jahre alt war; er weinte.
Er starb mit 17.
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Samstag, 11. Mai 2019

"Könnt ich an ihrem Halse schluchzen, klagen!" - Mutterwunden deutscher Dichter: Nikolaus Lenau, Heinrich Heine, Friedrich Hebbel, Karl May. - Ein Muttertagspost.

Ich trag im Herzen eine tiefe Wunde
Und will sie stumm bis an mein Ende tragen;
Ich fühl ihr rastlos immer tiefres Nagen,
Und wie das Leben bricht von Stund zu Stunde.

Schon mit 5 Jahren verlor Nikolaus Lenau, der bekannteste österreichische Lyriker des 19, Jahrhunderts, seinen Vater, der die Familie völlig verarmt zurückließ. Zunehmend wurde er unter drei Geschwistern das Lieblingskind seiner Mutter, die zwar erneut heiratete, aber sich, als Lenau 15 Jahre alt war, wieder trennte und fortan mit ihren Kindern unter ärmlichsten Verhältnissen lebte. Fast 16-jährig machte Lenau mit ausgezeichneten Leistungen sein Abitur. In der Folge brach er ein Philosophiestudium ab, studierte ungarisches Recht und in Wien Rechtswissenschaften.
Mit 24 Jahren wurde er Vater, die Vaterschaft allerdings zweifelte er an.
Lenaus wechselvolles Leben kann hier nicht weiter wiedergegeben werden, erwähnenswert ist aber v.a., dass er dreißigjährig nach Amerika auswandert, allerdings nach knapp einem Jahr und misslungenem Farmerleben und Bodenspekulationen enttäuscht zurückkehrt (in der Folge spricht er in einem Brief von den verschweinten Staaten von Amerika).
In Deutschland ist er, der vor seinem Amerikatrip seinen ersten Gedichtband herausgegeben hatte, ein bekannter Dichter. Weitere Veröffentlichungen, u.a. mit sehr kritischen Positionen der Kirche gegenüber, führen zu Schwierigkeiten mit der österreichischen Zensurbehörde.
Insgesamt ist seine Lyrik gekennzeichnet von einem Hang zu Weltschmerz, Melancholie und einer engen Beziehung zur Natur.
Kennzeichnend für sein Leben sind in der Folge wechselvolle und wenig glückliche Beziehungen zu einigen Frauen, vor allem zu der mit einem Freund verheirateten Sophie von Löwenthal. Seine Beziehungsversuche waren ebenfalls Anlass zu zahlreichen Gedichten (Goethe darin durchaus ähnlich).
42-jährig ereilt ihn ein Schlaganfall mit anschließenden schweren psychischen Störungen; er unternimmt mehrere Selbstmordversuche und wird in eine Heilanstalt in der Nähe Stuttgarts später in eine in der Nähe Wiens eingeliefert. 48-jährig stirbt er in geistiger Umnachtung.
Studiert man sein Leben gewinnt man den Eindruck, dass hier ein hochbegabter Mensch, hochsensibel und mit einem großen Hang zur Schwermut, was sich immer wieder auch in seinen Gedichten niederschlägt, mit den vielen Facetten seines Inneren nicht klarkam und nicht jenen Lebensplan, den vielleicht jeder Mensch sich vor seinem Leben vornimmt - bei manchen Menschen sind sie ja überdeutlich, denken wir an Künstler wie Bach, Mozart, Dürer, Goethe und andere -, verfolgen konnte. Womöglich hat ihm eine vorbildhafte Vaterenergie gefehlt und vielleicht hat er seinen vergeblichen Beziehungsversuchen seine Mutter gesucht.
Vielleicht war es eine Vater- und eine Mutterwunde, die er in sich trug; er selbst spricht in seinem Sonett Der Seelenkranke von nur einer Wunde, allerdings einer tiefen; man glaubt auch zu spüren, dass ihm in seinem Leben ein spiritueller Halt fehlte. Immer wieder ist es ja so, dass Menschen, die in ihrem Leben eine starke irdische Vaterenergie nie kennenlernten, nichts mit einer möglichen himmlischen anzufangen wissen:

Der Seelenkranke

Ich trag im Herzen eine tiefe Wunde
Und will sie stumm bis an mein Ende tragen;
Ich fühl ihr rastlos immer tiefres Nagen,
Und wie das Leben bricht von Stund zu Stunde.

Nur eine weiß ich, der ich meine Kunde
Vertrauen möchte und ihr alles sagen;
Könnt ich an ihrem Halse schluchzen, klagen!
Die eine aber liegt verscharrt im Grunde.

O Mutter, komm, laß dich mein Flehn bewegen!
Wenn deine Liebe noch im Tode wacht,
Und wenn du darfst, wie einst, dein Kind noch pflegen,

So laß mich bald aus diesem Leben scheiden.
Ich sehne mich nach einer stillen Nacht,
O hilf dem Schmerz, dein müdes Kind entkleiden.
.

Wer in seinen Werken herumschnuppern möchte, kann es im Rahmen von Projekt Gutenberg tun. Dort auf der Seite unten finden sich vier Links in seine Werke hinein.

Heinrich Heine (1797 - 1856) wuchs in behüteten und gesicherten bürgerlichen Verhältnissen auf. Er war der erste große Schriftsteller Deutschlands mit jüdischer Abstammung. Sein wechselvolles Leben verschlug ihn später nach Paris, wo er auch das im Folgenden zitierte Gedicht Nachtgedanken schrieb.
Zunächst aber seien zwei Strophen, die er seiner Mutter widmete, wiedergegeben und deutlich wird, wie sehr er sie liebte, obwohl sie ihm doch - als zukünftigem Schriftsteller von Weltrang - jeden Roman aus den Händen riss - vor der Poesie hatte sie Angst - und den Besuch des Schauspiels verbot. Dafür verkaufte sie Halsband und Ohrringe, um ihm sein Studium zu erleichtern. Sie war eine ganz praktische Natur. Dass er sein Dichtertalent nicht von seiner Mutter hatte, war Heine bewusst. Aber wie verehrte er sie!
Die folgenden zwei Strophen wird er mit 20 oder 21 geschrieben haben, vielleicht auch ein, zwei Jahre später; Genaueres ist nicht gesichert; das aber trübt nicht den Eindruck, wie sehr er sich nach ihrer Liebe sehnte:

I.
Ich bin’s gewohnt den Kopf recht hoch zu tragen,
Mein Sinn ist auch ein bisschen starr und zähe;
Wenn selbst der König mir in’s Antlitz sähe,
Ich würde nicht die Augen niederschlagen.
Doch, liebe Mutter, offen will ich’s sagen:
Wie mächtig auch mein stolzer Muth sich blähe,
In deiner selig süßen, trauten Nähe
Ergreift mich oft ein demuthvolles Zagen.
Ist es dein Geist, der heimlich mich bezwinget,
Dein hoher Geist, der Alles kühn durchdringet,
Und blitzend sich zum Himmelslichte schwinget?
Quält mich Erinnerung, daß ich verübet
So manche That, die dir das Herz betrübet,
Das schöne Herz, das mich so sehr geliebet?

II.
Im tollen Wahn hatt’ ich dich einst verlassen,
Ich wollte gehn die ganze Welt zu Ende,
Und wollte sehn ob ich die Liebe fände,
Um liebevoll die Liebe zu umfassen.
Die Liebe suchte ich auf allen Gassen,
Vor jeder Thüre streckt’ ich aus die Hände,
Und bettelte um gringe Liebesspende, –
Doch lachend gab man mir nur kaltes Hassen.
Und immer irrte ich nach Liebe, immer
Nach Liebe, doch die Liebe fand ich nimmer,
Und kehrte um nach Hause, krank und trübe.
Doch da bist du entgegen mir gekommen,
Und ach! was da in deinem Aug’ geschwommen,
Das war die süße, langgesuchte Liebe.

.
Ich verehre Heinrich Heine unter anderem wegen seiner Gedichte aus der Matratzengruft, wie er sein Zimmer über den Dächern von Paris nannte, in dem er nach langem Siechtum starb - es ist nicht gesichert, ob wegen Syphilis (die er seinen zahlreichen Hamburger Bordellbesuchen zu verdanken gehabt hätte) oder wegen Bleivergiftung (was neuere Untersuchungen nahelegen).
Nachtgedanken ist gegen Ende hin ein sehr politisches Gedicht; doch wie sehr steht die Mutter im Mittelpunkt der ersten acht Strophen der 1843 geschriebenen Zeilen:

Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen,
Und meine heißen Thränen fließen.

Die Jahre kommen und vergehn!
Seit ich die Mutter nicht gesehn,
Zwölf Jahre sind schon hingegangen;
Es wächst mein Sehnen und Verlangen.

Mein Sehnen und Verlangen wächst.
Die alte Frau hat mich behext,
Ich denke immer an die alte,
Die alte Frau, die Gott erhalte!

Die alte Frau hat mich so lieb,
Und in den Briefen, die sie schrieb,
Seh’ ich wie ihre Hand gezittert,
Wie tief das Mutterherz erschüttert.

Die Mutter liegt mir stets im Sinn.
Zwölf lange Jahre floßen hin,
Zwölf lange Jahre sind verflossen,
Seit ich sie nicht an’s Herz geschlossen.

Deutschland hat ewigen Bestand,
Es ist ein kerngesundes Land,
Mit seinen Eichen, seinen Linden,
Werd’ ich es immer wiederfinden.

Nach Deutschland lechzt’ ich nicht so sehr,
Wenn nicht die Mutter dorten wär’;
Das Vaterland wird nie verderben,
Jedoch die alte Frau kann sterben.
.

Für Heinrich Heine war das Vaterland im Grunde Mutterland.

Der Vollständigkeit halber seien noch die drei Schlussstrophen angemerkt:

Seit ich das Land verlassen hab’,
So viele sanken dort in’s Grab,
Die ich geliebt – wenn ich sie zähle,
So will verbluten meine Seele.

Und zählen muß ich – Mit der Zahl
Schwillt immer höher meine Qual,
Mir ist als wälzten sich die Leichen
Auf meine Brust – Gottlob! sie weichen!

Gottlob! durch meine Fenster bricht
Französisch heit’res Tageslicht;
Es kommt mein Weib, schön wie der Morgen,
Und lächelt fort die deutschen Sorgen.
.

Friedrich Hebbel (1813-1863), der über Mutterliebe in seiner Tragödie Maria Magdalena Folgendes sagt:

Mutterliebe, man nennt dich des Lebens Höchstes!
So wird denn jedem, wie schnell er auch stirbt,
dennoch sein Höchstes zuteil!

hat ein Gedicht geschrieben, überschrieben Das Kind, das wahrlich kein wirkliches Muttertagsgedicht ist, aber es macht auf eine unglaublich zu Herzen gehende Weise deutlich, wie wichtig eine Mutter doch für ihr Kind ist:

Die Mutter lag im Todtenschrein,
Zum letzten Mal geschmückt;
Da spielt das kleine Kind herein,
Das staunend sie erblickt.

Die Blumenkron‘ im blonden Haar
Gefällt ihm gar zu sehr,
Die Busenblumen, bunt und klar,
Zum Strauß gereiht, noch mehr.

Und sanft und schmeichelnd ruft es aus:
Du liebe Mutter, gieb
Mir eine Blum‘ aus deinem Strauß,
Ich hab‘ dich auch so lieb!

Und als die Mutter es nicht thut,
Da denkt das Kind für sich:
Sie schläft, doch wenn sie ausgeruht,
So thut sie’s sicherlich.

Schleicht fort, so leis‘ es immer kann,
Und schließt die Thüre sacht
Und lauscht von Zeit zu Zeit daran,
Ob Mutter noch nicht wacht.
.

Und zu guter Letzt sei ein Gedicht von Karl May (1842-1912), über den ich schon an anderer Stelle ausführlicher geschrieben habe, angeführt. Karl May hat einige Gedichte an und über seine Mutter schrieben, die ich gern bei anderer Gelegenheit einbringe; das Folgende ist überschrieben: An die Mutter

Ich hab gefehlt, und du hast es getragen,
so manches Mal und, ach, so lang, so schwer.
Wie das mich nun bedrückt, kann ich nicht sagen;
o komm noch einmal, einmal zu mir her!

Du starbst ja nicht; du bist hinaufgestiegen
zu reinen Geistern, meiner Mutter Geist.
Ich weiß, du siehst jetzt betend mich hier liegen;
o komm, o komm, und sag, daß du verzeihst!

Komm mir im Traum; komm in der Dämmerstunde,
wenn, Stern um Stern, der Himmel uns umarmt.
Bring mir Verzeihung, und bring mir die Kunde,
daß auch die Seligkeit sich mein erbarmt!
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Sonntag, 15. Oktober 2017

Angela Merkel: Warum eine so defizitäre Mutti solch ein „Erfolgsmodell” sein kann!

Selten habe ich eine zutreffendere Analyse in Bezug auf das Merkel-Syndrom gehört, wie sie im teilweise hier aufgezeichneten You-Tube-Beitrag vorliegt. Hans-Joachim Maaz zeigt auf, worin die Tragik der Merkel-Wiederwahl besteht, wobei er auch auf den frühkindlichen Bildungswahn eingeht, dem in unserer Gesellschaft die Bedeutung zukommt, die notwendige frühkindliche Bindung, vor allem zu den Eltern, zu ersetzen. Diese Erziehung aber sichert Schein-Muttis, wie Merkel eine ist, die Macht.

Zwei Punkte vorweg: Die folgenden Ausführungen von Hans-Joachim Maaz habe ich einem Gespräch entnommen, das Eva Hermann im Rahmen der Wissensmanufaktur mit ihm und Andreas Popp führte.

Ich habe bewusst Ausführungen zur frühkindlichen Erziehung mit hineingenommen, weil sie deren Auswirkungen in gebotener Kürze klar benennen. Darauf basieren im Anschluss weitere Analysen im Hinblick auf Angela Merkel.

Zu der Tatsache, dass sie wiedergewählt worden ist, äußert sich Maaz zunächst wie folgt, und auch wenn er zu Beginn einen psychoanalytischen Begriff einführt, um seine Sicht deutlich zu machen, lohnt es sich auch für den, der allem Theoretisieren abhold ist, genau hinzuhören, denn seine Analyse ist bemerkenswert {anmerken möchte ich noch, dass ich Ergänzungen meinerseits in geschweifte Klammern gesetzt habe}:


Man muss den Begriff der Übertragung verstehen: 

Wir übertragen alle, ohne das wir das merken, frühe Erfahrungen, so wie wir geprägt wurden, auf andere Personen und natürlich sind prominente Personen, Politiker, also alles, was irgendwie oben ist, geeignet, sowohl Hoffnungen, Erwartungen, aber auch Enttäuschungen zu übertragen.
Das hat einen wichtigen Sinn: Wenn man Hoffnungen und Erwartungen überträgt, dann muss man das eigene Defizit nicht erleiden {sich also der Erfahrungen, die man in der frühen Kindheit gemacht hat, bewusst zu werden}. Und wenn man Hass oder Enttäuschungen überträgt, dann muss man nicht die eigene Problematik, wie man voller Hass ist, also die Kränkungen, nicht erleben, weil man die jetzt projizieren kann auf einen anderen.


Frau Merkel, ich würde sie heute bezeichnen als eine Politikerin, die im Grunde Opium für das Volk bedeutet. Und zwar in dem Sinne, dass sie den Anschein erweckt, mit solchen Phrasen wie alternativlos oder wir schaffen das, dass wir nicht in einer schwerwiegenden gesellschaftlichen Krise sind.


Merkel als personifizierte Illusion: Es geht so weiter!

 
Im Grunde brauchten wir Politiker, die uns helfen, darüber nachzudenken und Entscheidungen zu treffen, wie wir denn weiterleben können. Denn so wie jetzt können wir nicht weiterleben. Und Frau Merkel verkörpert aber diese Illusion, wir könnten so weiterleben, es geht so weiter. Und ich glaube, das ist für viele Menschen im Übertragungssinne eine falsche Hoffnung, eine Illusion, es könnte alles so bleiben.
Und deshalb wird sie wiedergewählt, und das halte ich für eine große Tragik, weil damit im Grunde genommen für die nächste Zeit das verpasst wird, was wir begreifen müssten, die Veränderungen, wir müssten nach neuen Lebensformen suchen, nach neuen sozialen Projekten suchen. Und das wird {durch die Wiederwahl Merkels} erstmal wieder zunichte gemacht (. . .)


Es gilt, zwischen Erziehung und Beziehung zu unterscheiden


{4.25´} Wir wissen, und das ist überhaupt kein Thema mehr, das ist wissenschaftlich so ausreichend gesichert, dass es schon erschreckend ist, wie wenig das in der Öffentlichkeit und vor allen Dingen in der Politik zur Kenntnis genommen wird, dass die ersten Lebensjahre des Kindes darüber entscheiden, wie er später als Mensch, als erwachsener Mensch, als Persönlichkeit aufgestellt ist.
 

Also es geht um die Qualität der ersten Beziehungserfahrungen.
 

Wir unterscheiden ganz deutlich mittlerweile zwischen Erziehung und Beziehung. 
Erziehung ist immer negativ behaftet, weil autoritär das Kind zum Objekt gemacht wird und Beziehung wäre von vorneherein eine Subjekt-Subjekt-Beziehung zwischen Erwachsenem und Kind. Und die Qualität der Beziehungen, die dem Kind angeboten wird - und das differenzieren wir nach mütterlichen und väterlichen Beziehungsqualitäten -, entscheiden darüber, wie dieser Mensch sich entwickeln kann, und das Häufigste, was heute der Fall ist, ist ein narzisstisches Defizit, und das heißt, das Kind wird nicht mehr bestätigt als das, was es ist, sondern, was es werden soll.
 

Es wird nicht um seiner selbst willen geliebt und das hinterlässt eine schwere psychische Last, die man dann später versucht zu kompensieren durch besondere Anstrengungen, durch Leistungen.

Die Tragik ist: Man kann sich Liebe nicht verdienen. Wenn sie nicht gegeben ist, ist sie eben für alle Zeit verloren, aber die Anstrengung, die Menschen dann unternehmen {um diese nicht erhaltene Liebe nach- und einzuholen} bleiben hoffnungslos, {sie} werden eigentlich süchtig, weil es nie mehr die Befriedigung geben kann, die verloren gegangen ist.


{6.15´} Deshalb ist die Frage der Frühbetreuung der Kinder die entscheidende Frage für die Gesellschaftsentwicklung und für die Zukunft. Wenn wir die Kinder schlecht behandeln, sie narzisstisch nicht ausreichend bestätigen {gemeint ist hier: die Liebe zu sich selbst zu fördern und ihre ureigene Individualität wahrzunehmen}, haben wir später Süchtige in jeder Form, Leistungssüchtige, aber auch, wer gekränkt wird als Kind, wer nicht so geliebt wird, hat eine berechtigte Empörung, einen Hass. 


Hass, den man nicht losgeworden ist!


Das ist ja die Quelle, weshalb dann Menschen krank werden! Sie belasten sich mit ihrem Hass, den sie gegen die Eltern oder gegen die verantwortlichen Beziehungspersonen nicht losgeworden sind und später ist das die Quelle dann auch für allen möglichen Fremdenhass; Andersdenkende werden gehasst oder Politiker, der Nachbar oder der Partner selbst wird gehasst, projektiv, um die Spannung loszuwerden.


Die Tragik ist: Es ist eine berechtigte Empörung da {eben weil dem Kind Liebe fehlte, weil es werden musste, wie andere es haben wollten}, die aber leider unberechtigt am falschen Objekt später abreagiert wird. Und das ist, sozial gesehen, eine Tragik (. . .)


DDR-Verhältnisse in ganz Deutschland

 
{7.45´} Ich bin entsetzt darüber, dass im Grunde genommen DDR-Verhältnisse in ganz Deutschland, was die Frühbetreuung anbetrifft, {anzutreffen sind} und dass ökonomische Zwänge, kann man fast sagen, dahin führen, dass Kinder nicht mehr gut frühbetreut werden.
 

Ich habe ja den Begriff der Normopathie gefunden, wenn wir von flächendeckenden Problemen ausgehen.
Also ist das, dass die Fehlentwicklung, das Kranke, das Gestörte nicht mehr als solches wahrgenommen wird, sondern für normal gehalten wird, normo-pathisch, nur weil dann die Mehrheit betroffen {ist}. Wenn ich so bin wie die anderen und es da keinen Unterschied gibt, dann glaubt man, das ist alles in Ordnung, das ist richtig, und merkt nicht, wie im Grunde genommen die Mehrheit dazu beiträgt, dass die Gesellschaft sich fehlentwickelt.
 

Das haben wir: Wir haben eine süchtige, narzisstische Gesellschaft, eine grenzenlose, die im Grunde genommen die Natur zerstört, die sozialen Verhältnisse kaputt macht, ganz abgesehen von den persönlichen Schicksalen, die also mit Krankheit und Beschwerden {verbunden} sind.

Der üble Trick bezüglich Bildung und Bindung

 
{9.00´} Die Qualität der Frühbetreung - und das ist ein übler Trick, wenn wir von früher Bildung sprechen -. also Kleinstkinder brauchen keine Bildung, sie brauchen Bindung.  

Bindung heißt, eine gesicherte Beziehung, natürlich in erster Linie zur Mutter, weil die Mutter hat einen Bindungsvorlauf durch Schwangerschaft, Geburt, Stillzeit, was schon ungefähr 50 Prozent ausmacht von dem, was das Kind an positiver Bindung braucht. Also diese Bindung, dass eine Mutter in der Lage ist zu vermitteln Du bist mein Kind, ich liebe dich, so wie du bist, ich werde mich um dich kümmern, ich nehme dich an, ich verstehe dich, ich will auch herausfinden, wer du bist und nicht dir sagen, wie du sein sollst, und wir wissen, früh gut gebundene, das heißt bestätigte, narzisstisch im besten Sinne gesättigte Menschen, die bilden sich von selbst, das Bildungsbedürfnis ist ein Naturbedürfnis. 

Also ein gut gebundenes Kind wird die Welt neugierig erobern wollen; es braucht keine Nötigung zur Bildung und dieser üble Trick, dass man glaubt, man kann Bindung durch Bildung ersetzen, ist im Moment der i-Punkt einer tragischen Entwicklung (. . .)
 

Frau Merkel eignet sich hervorragend als defizitäre Mutter
 

{14.00´} Wenn die frühe Bindung nicht stabil ist, dann heißt das, der Mensch weiß nicht, wer er ist, was er will, was er kann, er weiß nur, was er soll. 
Deshalb ist die Gefahr, sich in Gruppen zusammenzufinden, die dann vorgeben, das und das zu machen ist jetzt richtig, weil ich selber nicht mehr weiß. Und dasselbe betrifft die Frage der Ethik (. . .)
 

(Eva Hermann: Deutschland hat gewählt, Frau Merkel bleibt Kanzlerin, die Ausnahmeerscheinung. Man nennt sie ja auch Mutti Merkel - warum eigentlich Mutti, passt das? - Maaz:)
 

{15.42´} Weil sie nicht wirklich Mutter ist. Weder als Frau noch in ihrer Politik.
 

Die zentrale Qualität der Mütterlichkeit ist ja Empathie, zu verstehen, verstehen zu wollen, wie es dem anderen geht. Ich erinnere, ich glaube es war eine Sylvester-Ansprache, 2014 vielleicht, wo sie gewarnt hat vor Pegida: Geht da nicht hin, das sind Menschen, die haben Kälte und Hass im Herzen! Geht da nicht hin! - 
Also, das ist eine gewisse Form von Hetze. Man hetzt gegen Menschen auf.
 

Als Regierungschefin - und als mütterliche - wäre sie meiner Einschätzung nach verpflichtet zu sagen und zu tun: 
Ich muss zur Kenntnis nehmen, da gibt es offensichtlich Menschen, die haben Probleme, die haben Kälte und Hass im Herzen, kann man sagen, wenn das so ist, ja. Das macht mir Sorge, das macht mir als Regierungschefin Sorge. Das muss doch etwas mit unserer gesellschaftlichen Situation zu tun haben - und wenn ich mütterlich wäre, erst recht.
 

Da sind „Kinder”, denen geht es schlecht, die sind angstvoll oder hassvoll - wo kommt denn das her, die werden ja nicht so geboren und sie leben in diesem unseren Land. Und es muss etwas mit diesem unserem Leben in diesem Land zu tun haben!
 

Das wäre mütterlich.
 

Jetzt bekommt sie aber fast ironisch abwertend, manchmal auch so verlogen liebevoll den Titel Mutti, als Übertragungstitel, und den verstehe ich so:
 

Viele Menschen haben eben keine wirklich gute Mütterlichkeit erfahren, sie sind defizitär geblieben, und da eignet sich Frau Merkel wieder hervorragend als eigentlich defizitäre Mutter - in der Übertragung.
 

Man muss die Paradoxie verstehen: Wenn sie eine wirklich gute mütterliche Frau wäre, vielleicht sogar noch mit erotischer Ausstrahlung oder sowas {raunendes Lachen im Auditorium}, wäre sie für die meisten Menschen so bedrohlich, weil sie genau das nicht erlebt haben. Sie wären also erinnert an ein Defizit und würden mit der eigenen Problematik zu tun haben. 
Da sie das aber nicht ist, können sie in Ruhe Mutti Mutti sein lassen, in der Illusion, so wie es ja auch die meisten Kinder dann gemacht haben: Wenn die Mütter nicht gut waren, hat das Kind ja nicht verstehen können, das liegt an der Mutter, sondern hat immer gedacht: Es liegt an mir; ich bin nicht gut genug, ich bin nicht liebenswert und haben angefangen zu rödeln, um zu beweisen.
 

Ich glaube, dieses Thema spielt eine Rolle, dass Frau Merkel auf ihre Art und wie sie Politik macht, den Anschein erweckt: Es ist alles gut.
 

Als gute Mutter müsste sie ja auch das Bedrohliche, die Angst aufgreifen, das Hassvolle, das da ist, aufgreifen und verstehen, und da sie das nicht tut, bleiben die Menschen unbelastet davon, oberflächlich, deswegen dieser Begriff Opium für das Volk. 

Es wird also zugedeckt damit, da sie nicht wirklich regiert, nicht wirklich entscheidet, keine wirkliche visionäre Entwicklung für die Zukunft hat, die ja immer in unserer Situation schmerzlich, bitter, hart sein müssen. Das müsste man uns, den Bürgern zumuten (. . .)

(19.40´) Seehofer hat´s ja versucht, so ein bisschen zu bellen gegen Mutti (. . .)
 

Vielleicht ist ein gutes Beispiel dieses sogenannte Duell, wo ich sage, das ist ja eher ein Duett gewesen, mit Martin Schulz und so:
 

Wie offensichtlich ein Mann, der Erfolge hat, an der EU-Spitze stand, gegenüber Mutti Merkel - Entschuldigung - wie ein Hündchen ist, ganz brav, ganz angepasst. Als ich das sah, war mir klar, die SPD hat überhaupt keine Chance. Er hätte antreten müssen, er hätte wirklich angreifen müssen, er hätte die ganzen Fehler, die Frau Merkel gemacht hat benennen müssen und angreifen müssen. 
Gut, ich weiß, die SPD war mit an der Regierung, aber er hätte zumindestens sagen können: 
Ja, wir waren, die SPD, mit in der Regierung, wir mussten manche Dinge mitmachen, weil es die Koalition verlangt hat, aber jetzt ist zu Ende, jetzt packe ich mal aus: das und das und das. - 
Das wäre eine Chance für die SPD gewesen und das hat er nicht gemacht, nicht nur, weil er, denke ich, ideologisch eingeschränkt ist, sondern weil er auch Angst vor Mutti hat. Er muss, bin ich ziemlich sicher, ein bedeutendes Mutterproblem haben (. . .  Gesamtlänge 52.54´)


https://www.youtube.com/watch?v=P3dCH_tUOD4&feature=em-subs_digest 


Freitag, 12. Mai 2017

. . . dann tröste Gott dich, arme junge Frau! - Muttertage sind nicht immer Fleurop-Tage!

Unserer Gesellschaft, die zu oft das Grelle, das Laute sucht, vermittelt das Gedicht der Droste über Die junge Mutter, dass Muttersein die Möglichkeit der Begegnung mit Vergänglichkeit und Tod einschließt, wie sie leidvoller nicht sein kann.
.Wenig bekannt ist manches der Gedichte der auf der Wasserburg Hülshoff nahe Münster geborenen Westfälin, die als Dichterin und Frau gerade in einer Zeit, die immer globaler wird und sich entsprechend geriert, für eine Gesellschaft von Bedeutung ist, weil sich mit ihr wie kaum bei einem anderen ihrer Zunft - zu nennen wäre sicherlich noch Adalbert Stifter - ein Bewusstsein um den Wert von Heimat, zu der es sie in ihrem Leben auch immer wieder hinzog, verbindet.
.Ich bewundere an Annette von Droste-Hülshoff zum einen ihre Kunst, zum anderen aber auch, wie sie durchs Leben ging, gern Schlittschuh laufend und schneidig reitend, ausgestattet mit einer durchaus temperamentvollen Seite, die man ihr so gar nicht zutraut, und auf der anderen Seite eingeengt durch Familienbande, als Frau und Liebende tief verletzt, fast ein Leben lang kränklich, grüblerisch und schwermütig, Latein und Griechisch beherrschend genauso wie auf ihren Streifzügen bei Bauern einkehrend, vertraut mit dem Volkstum und den Gebräuchen genauso wie mit den Gespenstergeschichten und dem Spökenkiekertum ihrer Heimat.

Die junge Mutter ist ein leises Gedicht, das mit einem Blick auf den Vogelkäfig einer Nachtigall beginnt, der ahnungsvoll künftiges Leid thematisiert, denn ihren Kleinen wird sie nie bei sich haben, sich fortsetzt mit dem Hören der Glocken, die den Tod ihres Kindes beläuten, und dem Weihrauchduft, den ihr Mann aus der Totenmesse mitbringt, die ihrem Kind galt.
.All das weiß sie nicht, ganz von ferne ahnt sie es vielleicht; ihr im Kindbett geht es besser, der Trank mundet schon und trotz der Mattigkeit greift sie zu Nadel und Faden, um ihrem Kleinen das Häubchen weiter zu fertigen.
.Doch im scheinbar belanglosen Erwähnen, dass der Wiegenschleier des Kleinen bereits zerrissen war, oder in der Anrede des Mannes, der seine Frau mit Kind anspricht und - man glaubt es zu spüren - sie damit ureigentlich trösten will, wohl wissend, dass sie noch zu schwach ist für das, was er ihr sagen muss, wird deutlich, wie meisterlich andeutend Annette von Droste-Hülshoff den Todesteppich ausbreitet, über den mit der jungen Mutter noch keiner zu gehen vermag:.

Die junge Mutter

Im grün verhangnen duftigen Gemach,
auf weißen Kissen liegt die junge Mutter;
wie brennt die Stirn! sie hebt das Auge schwach
zum Bauer, wo die Nachtigall das Futter
den nackten Jungen reicht: »Mein armes Tier,«
so flüstert sie, »und bist du auch gefangen
gleich mir, wenn draußen Lenz und Sonne prangen,
so hast du deine Kleinen doch bei dir.«

Den Vorhang hebt die graue Wärterin
und legt den Finger mahnend auf die Lippen;
die Kranke dreht das schwere Auge hin,
gefällig will sie von dem Tranke nippen;
er mundet schon, und ihre bleiche Hand
faßt fester den Kristall, - o milde Labe! -
»Elisabeth, was macht mein kleiner Knabe?«
»Er schläft,« versetzt die Alte abgewandt.

Wie mag er zierlich liegen! - Kleines Ding! -
und selig lächelnd sinkt sie in die Kissen;
ob man den Schleier um die Wiege hing,
den Schleier, der am Erntefest zerrissen?
Man sieht es kaum, sie flickte ihn so nett,
daß alle Frauen höchlich es gepriesen.
Und eine Ranke ließ sie drüber sprießen.
»Was läutet man im Dom, Elisabeth?«

»Madame, wir haben heut' Mariatag.«
So hoch im Mond? sie kann sich nicht besinnen. -
Wie war es nur? - Doch ihr Gehirn ist schwach,
und leise suchend zieht sie aus den Linnen
ein Häubchen, in dem Strahle kümmerlich
läßt sie den Faden in die Nadel gleiten;
so ganz verborgen will sie es bereiten,
und leise, leise zieht sie Stich um Stich.

Da öffnet knarrend sich die Kammertür,
vorsicht'ge Schritte übern Teppich schleichen.
»Ich schlafe nicht, Rainer, komm her, komm hier!
Wann wird man endlich mir den Knaben reichen?«
Der Gatte blickt verstohlen himmelwärts,
küßt wie ein Hauch die kleinen weißen Hände:
»Geduld, Geduld, mein Liebchen, bis zum Ende!
Du bist noch gar zu leidend, gutes Herz.«

»Du duftest Weihrauch, Mann.« - »Ich war im Dom;
schlaf, Kind!« und wieder gleitet er von dannen.
Sie aber näht, und liebliches Phantom
spielt um ihr Aug' von Auen, Blumen, Tannen. -
Ach, wenn du wieder siehst die grüne Au,
siehst über einem kleinen Hügel schwanken
den Tannenzweig und Blumen drüber ranken,
dann tröste Gott dich, arme junge Frau!

.
Dieses Gedicht, das uns daran zu erinnern vermag, dass der übergroße Schmerz mancher Mutter nicht vergessen sein soll, benennt das Eigentliche nicht und vermittelt gerade dadurch, wie unsagbar Leid sein kann.

.Unaufhaltsam geht die junge Mutter auf den Raum tiefster Stille zu.
.
Gut zu wissen, dass es unter uns und in unserer Gesellschaft Menschen gibt, die in diesem Raum Platz zu nehmen bereit sind, nicht, um etwas zu sagen, sondern um einfach mit gefalteten Händen da zu sein und zu bekunden: Ich trage mit.

Samstag, 7. Mai 2016

"Ich sehne oft nach einer Mutter mich!" - Gedanken zu unseren Muttertagen.

Wie sehr ein Mutterbild zerrissen sein kann, zeigen obige Worte auf dem Hintergrund jener, die einer unserer größten Dichter in Bezug auf seine Mutter, die diese Worte nach dem Tod ihres Sohnes gelesen haben wird, ebenfalls äußerte: "Sie liegt in einem hohen Herz-Verschlag / und Christus kommt und wäscht sie jeden Tag."

Rainer Maria Rilke hat in seinen Ersten Gedichten immer wieder manchmal fast zusammenhanglos wirkende Gedanken - oft sind es nur wenige Zeilen - in Reimen auf Papier geworfen, die einen dennoch nicht so schnell wieder freigeben, beispielsweise jene zwei folgenden knappen Strophen, die sich auf ein Gretchenschicksal zu beziehen scheinen, jener jungen Mutter also, die so schmählich von Faust im Stich gelassen worden war.
Wie zum Trost vermag der damals so junge Dichter, der immer wieder Zeit seines Lebens ein Seher war, dennoch in seinen Zeilen dem werdenden Muttersein ein Glück abzugewinnen, wissend, dass jedes im Mutterleib heranwachsende Kind - was kann uns auf Erden Wertvolleres widerfahren - sie, die Mutter, mit der Ewigkeit verbindet:

 
Und reden sie dir jetzt von Schande,
da Schmerz und Sorge dich durchirrt, -
oh, lächle Weib! Du stehst am Rande
des Wunders, das dich weihen wird.

Fühlst du in dir das neue Schwellen,
und Leib und Seele wird dir weit -
oh, bete, Weib! Das sind die Wellen
der Ewigkeit.

 
Diese Wellen der Ewigkeit haben auch Rilke Zeit seines Lebens berührt, vermittelt vielleicht auch durch die - wenn auch bigotte - Religiosität seiner Mutter, mittels deren er sicherlich dennoch viel Biblisch-Religiöses und für sein Leben und Schaffen Wertvolles lernte, die aber seine Seele vielleicht auch ausgesucht haben mag, sich von ihr abzugrenzen, um dann nur um so weiter ausgreifend nach dem Göttlichen in sich suchen zu können. Seine vielen Gedichte, die um Engel und Gott kreisen, bezeugen dies.

Rilkes Mutterbild war mehr als zerrissen. Sein 1915 verfasstes Gedicht bezeugt eine der beiden möglichen Seiten und tut noch beim Lesen weh:

Ach wehe, meine Mutter reißt mich ein.
Da hab ich Stein auf Stein zu mir gelegt,
und stand schon wie ein kleines Haus, um das sich groß der Tag bewegt,
sogar allein.
Nun kommt die Mutter, kommt und reißt mich ein.

Sie reißt mich ein, indem sie kommt und schaut.
Sie sieht es nicht, dass einer baut.
Sie geht mir mitten durch die Wand von Stein.
Ach wehe, meine Mutter reißt mich ein.

Die Vögel fliegen leichter um mich her.
Die fremden Hunde wissen: das ist der.
Nur einzig meine Mutter kennt es nicht,
mein langsam mehr gewordenes Gesicht.

Von ihr zu mir war nie ein warmer Wind.
Sie lebt nicht dorten, wo die Lüfte sind.
Sie liegt in einem hohen Herz-Verschlag
und Christus kommt und wäscht sie jeden Tag.

 
Sophie Rilke wird diese Sohnes-Worte vor ihrem Tod gelesen haben, denn sie überlebte ihn um fast fünf Jahre. Vielleicht mögen seine Verse heilsam für ihre Seele gewesen sein, die in ihrem Leben wohl nicht glücklich war, trennte sie sich doch nach kaum 11 Jahren Ehe von einem Mann, der ihren Ansprüchen nicht genügte, versah er doch nur eine bescheidene Beamtenstelle bei der Turnau-Kralup-Prager Eisenbahn, nachdem seine Versuche, mittels einer militärischen Laufbahn, im Rahmen deren er sogar für kurze Zeit Kommandant des Kastells von Brescia  gewesen war, gesellschaftlich zu arrivieren, gescheitert waren, weil er wegen eines Halsleidens seinen Abschied nehmen musste. 
Seine Frau, aufgewachsen in einer angesehenen Prager Kaufmannsfamilie - ihr Vater war gar Kaiserlicher Rat - trennte sich jedenfalls von ihm und zog nach Wien, um dem kaiserlichen Hofe nahe zu sein. Wer weiß, ob damit nicht auch zusammenhängt, dass ihr Sohn späterhin Kontakte zu den vornehmsten Adelsgeschlechtern Europas pflegte, gewiss nicht zu deren seelisch-geistigem Nachteil. 
Obwohl so oft von der Mutter enttäuscht, stand er allem Weiblichen - fast möchte man sagen - zu offen gegenüber, zumal auch seine Ehe scheiterte, er dennoch aber Zeit seines Lebens seiner Ehegattin verbunden blieb, vor allem aber jener Frau, die wie eine Sonne ihr Umfeld überstrahlte - zu dem auch Nietzsche gehörte: Lou Andreas-Salomé.
Mit der Bedeutung des Mütterlichen hat Rilke sich Zeit seines Lebens auseinandergesetzt, und es mag uns darauf verweisen, wie wichtig es ist zu erkennen, wie sehr auch in dem Mütterlichen sich zwei Seiten des Weiblichen spiegeln, die auch in unserer Seele enthalten sind.
Eine, die eher dunkle Seite, dokumentiert sich in einem Brief Rilkes, im April 1904 aus Rom an Lou geschrieben, in dem es heißt:

Meine Mutter kam nach Rom und ist noch hier. Ich sehe sie nur selten, aber - Du weißt es - jede Begegnung mit ihr ist eine Art Rückfall (...) Wenn ich diese verlorene, unwirkliche, mit nichts zusammenhängende Frau, die nicht alt werden kann, sehen muss, dann fühle ich, wie ich schon als Kind von ihr fortgestrebt habe, und fürchte tief in mir, dass ich, nach Jahren und Jahren Laufens und Gehens, immer noch nicht fern genug von ihr bin, dass ich innerlich irgendwo noch Bewegungen habe, die die andere Hälfte ihrer verkümmerten Gebärden sind, Stücke von Erinnerungen, die sie zerschlagen in sich herumträgt; dann graut mir vor ihrer zerstreuten Frömmigkeit, vor ihrem eigensinnigen Glauben, vor allem diesem Verzerrten und Entstellten, daran sie sich gehängt hat, selber leer wie ein Kleid, gespenstisch und schrecklich. Und dass ich doch ihr Kind bin (...)

Zuallermeist, auch bei aller Enttäuschung, trägt ein Kind die Liebe zu Vater und Mutter in sich, weil sie, ohne dass es das weiß, für eine archetypische, weit größere und uranfängliche steht; deshalb möchte sie doch gelebt und alle Tage möchten so gerne Vatertage und Muttertage sein. Man spürt es jenen Worten an, die Rilke seinen Malte in dessen Aufzeichnungen formulieren lässt - und ich denke, da wird auch Autobiographisches mitgeschwungen haben:

Maman kam nie in der Nacht -, oder doch, einmal kam sie. Ich hatte geschrien und geschrien, und Mademoiselle war gekommen und Sieversen, die Haushälterin, und Georg, der Kutscher; aber das hatte nichts genutzt. Und da hatten sie endlich den Wagen nach den Eltern geschickt, die auf einem großen Balle waren, ich glaube, beim Kronprinzen. Und auf einmal hörte ich ihn hereinfahren in den Hof, und ich wurde still, saß und sah nach der Tür. Und da rauschte es ein wenig in den anderen Zimmern, und Maman kam herein in der großen Hofrobe, die sie gar nicht in acht nahm, und lief beinah und ließ ihren weißen Pelz hinter sich fallen und nahm mich in die bloßen Arme. Und ich befühlte, erstaunt und entzückt wie nie, ihr Haar und ihr kleines gepflegtes Gesicht und die kalten Steine an ihren Ohren und die Seite am Rand ihrer Schultern, die nach Blumen dufteten. Und wir blieben so und weinten zärtlich und küßten uns, bis wir fühlten, daß der Vater da war und daß wir uns trennen mußten. (...) "Was für ein Unsinn uns zu rufen", sagte er ins Zimmer hinein, ohne mich anzusehen (...)

Ja gewiss, es gibt Kinder, die nie wirklich von ihren Eltern angeschaut worden sind. Aber die Sehnsucht ist dennoch da und unser Dichter hat es so formuliert:

 
Ich sehne oft nach einer Mutter mich,
nach einer stillen Frau mit weißen Scheiteln.
In ihrer Liebe blühte erst mein Ich;
sie könnte jenen wilden Hass vereiteln,
der eisig sich in meine Seele schlich.

Dann säßen wir wohl beieinander dicht,
ein Feuer surrte leise im Kamine.
Ich lauschte, was die liebe Lippe spricht,
und Frieden schwebte ob der Teeterrine
so wie ein Falter um das Lampenlicht.
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Samstag, 11. Oktober 2014

Auf dem wehenden Banner Phantasiens gesehen

Wenn ich selig bin
liege ich in den Armen
wie an der Mutterbrust
still und gestillt
wie damals
als ich selig war

- wenn es so war

Wenn ich selig bin
schweigt jede Sucht
jedes Suchen
keine Fata Morgana
kein falscher Genuss
kein eitles Geschwätz
Stille um mich
die Stille des Haines der Götter
versammelt um meine Wiege
deren Zeichen eine Harfe ist

Wenn ich selig bin
verstehe ich den Stall
damals in Bethlehem
ich verstehe das große Schweigen
zu Ehren der Ehrfurcht
die keine Furcht mehr ist
kein Selbstmitleid mehr
aus Furcht dass niemand da ist
der die Hand mir hält
wenn ich sterbe

Wenn ich selig bin
höre ich die Steine atmen
ich höre sie flüstern
Ich höre das Rauschen der Bäume
die glücklich sind 
über den Wind in ihren Armen
Hörst Du frage ich mich
die Ebbe der Welt
das Kommen der Flut

Wenn ich selig bin
trinke ich Nektar
auf der Hochzeit
von Himmel und Erde
und Gaia hält wieder
Uranos in den Armen
der keine Angst mehr haben muss
vor der Sichel des Kronos
denn die Zeit ist erlöst

Meine Zeit 
selige Zeit




Samstag, 28. Mai 2011

Vatergefühle für den himmlischen Vater, Muttergefühle für die himmlische Mutter

Es ist etwas Besonderes, Heimatgefühle für unser eigentliches Zuhause zu entwickeln. Selten sind sie einfach so da; ich glaube in der Tat, sie müssen sich in uns entwickeln. Und irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo wir in uns fahnden, um zu fühlen, wie sich der innere Vater anfühlt, die innere Mutter, wie unsere wahre Heimat sich anfühlt. Es ist etwas Besonderes, diesen Gefühlen auf der Spur zu sein. 
In den Tiefen unserer Seele sind all die angesprochenen Gefühle freilich vorhanden und manche Dichter haben ein Bewusstsein von ihnen, zum Beispiel Hugo von Hofmannsthal in seinem Gedicht Weltgeheimnis mit Hilfe des Bildes vom Brunnen. Doch darf das Wasser des Brunnens nicht versiegt sein, das Wasser des Lebens, das dieses Gefühl, zu Hause zu sein, tränkt.
Was füllt diesen Brunnen mit Wasser?
Hoffnung und Glaube.
Deshalb nennt Paulus in seinem Brief an die Korinther Hoffnung und Glaube in einem Atemzug mit der Liebe. Die Trinität steht nicht auf einem Bein; auch die Liebe bedarf der Hoffnung und des Glaubens. Ohne diese beiden gibt es keine Liebe.
Manche Seele irrt herum und sucht diesen Brunnen, von dem Hofmannsthal schreibt, IHREN Brunnen, manche weiß nicht einmal um seine Existenz.
Deshalb ist es so wichtig, dass wir Kindern Märchen vorlesen. Vorlesen, keinen Video zeigen, denn nur das Vorlesen lässt des Kindes EIGENE Bilder sich freisetzen, und Bilder, die in ihr angeklungen sind, versiegen ein Leben lang in der Seele nicht mehr.
In den Märchen ist es diese magische Formel des
Es war einmal, die die Seele daran erinnert, dass es diesen Urzustand einer seligen Heimat gibt, in der es einen guten König und eine gute Königin gab.
Wenn der König oder die Königin, wenn Vater oder Mutter krank oder verloren sind, setzt der Märchenheld alles daran, das Heilwasser zu bringen oder sie wiederzufinden.
Märchen aktivieren diese Suche nach dem inneren Vater und der inneren Mutter auf einer unbewussten Ebene für ein ganzes Leben.
Sie tun das auch, wenn ein Erwachsener sie liest.
Märchen heilen.
Trostlos sind die Seelen, die ohne das Wissen um diese innere Heimat herumirren; Friedrich Nietzsche, nicht nur ein gewaltiger Philosoph, sondern ein wissender Dichter, hat ihrem Bewusstseinszustand sein Gedicht Vereinsamt gewidmet (Link folgt).
Wir wissen um die vielen Ersatzhandlungen, die Seelen vornehmen, um den Verlust des Brunnens nicht wahrnehmen zu müssen und die Trostlosigkeit ihres Zustandes ohne Hoffnung und Glauben zu übertünchen; oft geschieht dies durch die Flucht in den Intellekt, doch nehmen mehr und mehr Menschen wahr, wie trocken dieser
Gehirnstrohsack raschelt.
Oder sie fliehen in die Welt des Glimmer, des Scheins, des Lebens als Event. Goethe hat in seinem Faust in den Worten Mephistos diesem Verhalten ein Denkmal gesetzt, wenn er diesen Teufel davon sprechen lässt, dass er die Menschen in das
Rauschen der Zeit führt, ins Rollen der Begebenheit. Ja, die Zeit muss rauschen, damit man den Verlust der inneren Stimme nicht wahrnimmt, ständig muss etwas rollen, etwas abgehen, um die innere Leere nicht wahrnehmen zu müssen.
Und noch etwas kann dem Sich-bewusst-Werden des eigenen Vaterhauses gegenüberstehen: das reale Vaterhaus unseres Lebens. Erschreckend ist, wie sehr dieses Vaterhaus den Zugang zum inneren Vater und der inneren Mutter verstellen kann; Kafkas Leben und insbesondere seine Kurzgeschichte
Heimkehr machen das deutlich.
Irgendwann kommt der Punkt, wo wir, wo unsere Seele lauscht nach dem inneren Vaterhaus, das ja immer zugleich ein Mutterhaus ist, wo es wahrnehmen will, wie dieses Heimatgefühl sich anfühlt.

Vieles scheint bei Wilhelm Busch, dem Dichter unter anderem von Max und Moritz, mit leichter Hand geschrieben, wirkt locker in Reime verpackt, doch täuschen wir uns nicht: Hinter manchem Gedicht verbergen sich viele Tränen und viel Leid.
Vielleicht auch hinter jenen Zeilen von ihm:


Wie kam ich nur aus jenem Frieden

         Ins Weltgetös?

Was einst vereint, hat sich geschieden,
         Und das ist bös. 

Nun bin ich nicht geneigt zum Geben,
             Nun heißt es: Nimm!
Ja, ich muss töten, um zu leben,
            Und das ist schlimm. 

Doch eine Sehnsucht blieb zurücke,
    Die niemals ruht.
Sie zieht mich heim zum alten Glücke,
 Und das ist gut. 

Hinter all den Verletzungen des Lebens wartet jenes alte Gück, das in Wirklichkeit niemals altert, weil es ein ewiger Jungbrunnen ist, und wenn wir uns darauf zubewegen, dann kommt uns der Vater mit ausgebreiteten Armen entgegen und führt uns ins Haus, das erleuchtet ist vom heiligen Glanz unserer inneren Mutter.
Frieden gibt es nur hier und wir sollten auch wissen: Wenn wir Frieden in uns fühlen, dann sind wir auch in diesem Haus, zu Hause.
Auf der Erde ist es dem Menschen vielleicht nicht dauerhaft möglich, im inneren Vaterhaus zu sein, aber doch immer bewusster und immer freudiger zieht es unser Bewusstsein dort hin.
Genauer gesagt: Dieses Haus unserer geistigen Eltern, unsere geistige Familie nehmen wir dorthin mit, wohin wir gehen, und die Menschen, denen wir begegnen, spüren die Macht und die Heiligkeit der inneren Eltern, die immer bei uns sein wollen und sind.


Sonntag, 20. Juni 2010

Erwachsene braucht das Land! – Wenn Mütter ihre Söhne und Väter ihre Töchter missbrauchen. – Woran man Nicht-Erwachsene erkennt!


Im Grunde kennt jeder vergleichbare Fälle aus seinem Bekannten- oder auch Freundeskreis, ja vielleicht von sich ...

Da heiraten zwei und wie es der Zufall will, ist doch tatsächlich im elterlichen Haus eine Wohnung frei.

Klar ist der jungverheiratete Ehemann immer sehr freundlich zur Schwiegermutter und klar kennt die Mutter immer die Geschäfte, wo man die Möbel kauft und die Bettwäsche und klar ist auch immer genau die richtige Farbe auf Lager, die die Mutter auch hat oder zumindest gut findet ...

Und klar macht der Typ mit Ohrring im Ohr die Tochter nicht glücklich; der Vater wusste es von vornherein (zumal er selbst nie Ohrringe trug ...).

Wir wissen, wie es ist, wenn Bäume zu nahe aufeinander stehen ... meistens wächst eine Seite nicht gescheit ... klar, sie geben sich Schutz ... bestenfalls pfeift kein Wind mehr durch ... :-(

Warum gibt es in der Tat so viele Menschen, die nicht erwachsen geworden sind und es vielleicht auch nie werden? Und woran erkennt man sie?

Es gibt sie, weil viele Eltern ihre Kinder in Abhängigkeit halten wollen: Wenn sie die lieben Kleinen schon aufziehen, dann sollen sie gefälligst bei Fuß bleiben, um sie im Alter zu pflegen.

Es gibt sie aber vor allem, weil zu viele Väter ihre Töchter als Frau missbrauchen und Mütter ihre Söhne dem eigenen Mann vor die Nase setzen und als Mann missbrauchen. Dieser Missbrauch geschieht meist nicht körperlich, aber es ist ein seelischer, ein energetischer Missbrauch, und ich behaupte, er kommt häufiger vor, als wir denken. Dabei gibt es natürlich viele Schattierungen und Abstufungen.

Ich glaube, dass diesem Thema bisher viel zu wenig Beachtung geschenkt worden ist.

Zu viele "Erwachsene" kompensieren das Unglück bzw. die Langeweile ihrer Beziehung mit dem Glück ihrer Kinder, die Mutter mit dem des Sohnes, der Vater mit dem der Tochter.

Dadurch können diese Jugendlichen auch keine Erwachsenen werden; die Eltern nehmen ihnen die Kraft zur Reife
Eines von mehreren Beispielen habe ich hier aufgezeigt.

Woran man sie erkennt, die Nicht-Erwachsenen:

1. Sie suchen gern und bevorzugt die Schuld bei anderen.
- Gern ist auch das Leben an sich eine Fehlkonstruktion.
- Die Politiker sind an allem schuld, die Ärzte, der Chef ist eh ein Arsch ...

2. Nicht-Erwachsene jammern gern und viel.

3. Nicht-Erwachsene verschweigen gern ihr Alter.

4. Ihr Geburtstag ist ihnen gar nicht wichtig (sie selber sich ja auch nicht).

5. Wenn sie etwas tun, weiß es die ganze Welt ...

6. Man hat immer einen Ersatz-Erwachsenen, z.B. den Chef, den Pfarrer, den lieben Gott, Udo Jürgens, das Bankkonto, den Rundum-Rechtsschutz ...

7. Der Vater sagt von seiner Tochter: Sie ist mein ein und alles.
Die Mutter sagt/denkt es von ihrem Sohn.

8. So stumpf, wie die Augen für den Ehepartner sind, so glänzend sind sie für das Kind.

9. Das Glück von anderen torpediert ein Nicht-Erwachsener, wo es geht. Oft geschieht das unbewusst. Ist es bewusst, dann ist es unsäglich liederlich und niederträchtig.

Kennen Sie nicht auch Menschen, denen Sie voller Freude etwas erzählen und die Sie mit womöglich nur einer Aussage auf den so genannten Boden der Tatsache zurückbringen ... ach ja, sagen Sie dann, so habe ich das noch gar nicht gesehen ... über ihre Freude spricht dann niemand mehr ... Sie auch nicht ... Freude am Leben ... was für ein Luxus ... und wie gefährlich ... wie konnte ich nur ... bin ich kindisch, naiv ...

Nein, Sie waren nicht naiv, ihr inneres Kind sonnte sich in Glück ... und wirklich gesund leben und sich sonnen kann das nur, wenn auch der innere Erwachsene gesund ist!

Menschen, die Glück, auch unser Glück nicht ertragen, sind in höchstem Maße toxisch; bei mir war es leider die eigene Mutter.

PS: Man kann das Nicht-Erwachsensein auch gekonnt kaschieren durch diverse Süchte: durch Sexsucht, Sportsucht, Arbeitssucht, Fernsehsucht, Computersucht, Freßsucht (wenn man schon nicht zu sich steht, dann so, dass man sich kaum erkennt) ...

Über einen, der ganz arbeitswütig-süchtig schrieb, weil er sich seine große Vaterwunde von der Seele schreiben wollte, habe ich hier geschrieben; es ist ein menschlich erschütterndes Dokument; mich jedenfalls erschüttert es jedes Mal ...

PPS: Gute Sätze zum Thema habe ich bei Regenfrau gefunden:

Teilweise geholfen hat mir das Buch: erwachsen – von Ashley Davis Prend,
dort las ich einen Auszug von Frank Pittmann:
Das Erwachsenenalter ist befreiend. Erwachsene könnnen sich selbst definieren und müssen sich nicht von denen definieren lassen, denen sie gefallen oder nicht gefallen wollen. Wenn wir erst frei sind, aus eigenem Antrieb, die richtigen Dinge zu tun, dann werden wir diese wahrscheinlich auch tun. Und wenn wir wissen, dass wir das tun, dann hat das viel mehr Kraft, uns glücklich zu machen.

Das Erwachsenenalter ist angenehm. Erwachsene sind geworden, was sie werden wollten. Der schreckliche Kampf mit Veränderungsprozessen in Körper und Seele ist vorüber. Die Angst und Verzweiflung sind fort. Wir sind angekommen. Wir sind in der Welt daheim. Wir können uns entspannen und vor der Schlafenszeit ins Bett gehen, ohne Angst haben zu müssen, etwas zu versäumen.


Samstag, 8. Mai 2010

Was weise klingt, kann waise sein. - Zum Muttertag: Annette von Droste Hülshoffs Lied an ihre Mutter.


So gern hätt ich ein schönes Lied gemacht
Von Deiner Liebe, deiner treuen Weise;
Die Gabe, die für andre immer wacht,
Hätt ich so gern geweckt zu deinem Preise.

Doch wie ich auch gesonnen, mehr und mehr,
Und wie ich auch die Reime mochte stellen
Des Herzens Fluten wallten darüber her,
Zerstörten mir des Liedes zarte Wellen.

So nimm die einfach schlichte Gabe hin,
Von einfach ungeschmücktem Wort getragen,
Und meine ganze Seele nimm darin:
Wo man am meisten fühlt, weiß man nicht viel zu sagen.

 

                                                                                                 Annette von Droste-Hülsfhoff (1797-1848)

Zum Ausdruck kommt, dass die Liebe Annettes zu ihrer Mutter eher ein Ringen um Liebe war, ein Fühlen voller Suchen und Sehnen. Wohl würde sie gerne in der letzten Strophe selbst glauben wollen, sie hätte viel zu sagen "Von deiner Liebe, deiner treuen Weise". Doch wie das Metrum in der dritten Zeile der zweiten Strophe nicht von ungefähr holpert, so holperte auch in der Lebensrealität diese Liebe; genau genommen spricht die Dichterin sogar von Zerstörung.

Wenn sie viel sagen würde, wäre es womöglich ein Sprechen über eine nie gelebte Liebe.
 

Vielleicht hat sich die große Dichterin nie einen realistischen Blick auf die Mutter erlaubt. Im Sich-Finden der Worte im Prozess des Dichtens aus dem Unbewussten heraus zeigt sich die Wahrheit.

Was weise klingt, kann womöglich waise sein.


Dennoch wissen wir: eine Mutterbindung ist immer da, weil nur ein Mutter jene Liebe geben kann, die doch jeder Mensch so ersehnt. Und tief im Inneren mag jedes Kind wissen, dass manche Mutter eben auch nur so lieben kann, wie sie selbst geliebt worden ist.

Annette von Droste-Hülfshoffs Mutter, jene selbstbewusste, in der Familie auch den Vater dominierende Frau, hat zwar erste Verschen von ihrer Tochter gesammelt, tat aber sonst nichts dafür, dass deren Anlagen zur Entfaltung kamen. Annette fand sich später ein in die Rolle einer Reisebegleiterin der Mutter, die, als sich aus der Freundschaft ihrer Tochter zu Sibylle Mertens Ansätze zur Selbständigkeit und Befreiung von der Bevormundung durch die Familie – "freiwillig" erduldete Annette die Zensur ihrer literarischen Werke durch den Bruder – ergeben wollten, die Reise der beiden Frauen nach Italien kurzerhand verbot. Italien, da hätte eine von Grund auf veränderte Frau zurückkommen können; die Mutter mag wohl gewusst haben, wie Goethe durch Italien verändert worden war. - Nichts da!

Die Dichterin blieb der Mutter gegenüber die gehorsame Tochter, pietätvoll und ergeben; in Wirklichkeit öffnete sie sich ihr wohl kaum; wie jedes Kind hätte sie es sicherlich gern getan. In ihrer Kindheit tat sie das ihrer Amme gegenüber, die oft tagelang ihre einzige Ansprache war zusammen mit dem Hülshoffer Hauskaplan Willemsen, und bei ihrer Schwester Jenny.

Vor allem Natur wurde ihr in ihrem Leben zur Mutter; diese erweckte sie so zum Leben, gerade auch in ihrer Dichtung, wie eine Mutter lebendig sein kann: Ihre Mutter, das war die Heimat Westfalen, das Münsterland, dessen Heiden, Moore, Gewässer und Wälder. Dort - und später am Bodensee, in Meersburg (bevor sie ihr selbst erworbenes Fürstenhäusle beziehen konnte, starb sie) - suchte sie jene Geborgenheit, die ein Mensch dringend braucht, wissend, wo ihre Seele Ruhe findet:



Und wieder an des Friedhofs Monument,
Dran Namen standen, die mein Lieben kennt,
Da lag ich betend mit gebrochnen Knieen.
Und - horch, die Wachtel schlug! Kühl strich der Hauch -

Und noch zuletzt sah ich, gleich einem Rauch,
Mich leise in der Erde Poren ziehen.



Zu dieser Mutter, zu Mutter Erde kehrt sie zurück.

Bisweilen/oft/manchmal ist Mutterliebe im Leben der Menschen eine Fata Morgana oder eine Andeutung lebensvoller Möglichkeit; vielleicht auch deshalb ist in Wirklichkeit für einzelne oder viele oder manche Menschen der Muttertag schmerzvoll - ohne dass sie es sich wirklich eingestehen.


Gut, wenn sie es irgendwann tun können.


Mehr über und von Annette von Droste Hülshoff hier und hier